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Selbst vom Alphabet noch benachteiligt – Marco Antwerpen ein a geklaut

Marco Antwerpen, der Trainer vom 1. FC Kaiserslautern, gehört vermutlich zu solchen Personen, die zwitschernde Vögel am Morgen als persönliche Beleidung betrachten. Jemand wird schon dafür verantwortlich sein, dass sie vor seinem Fenster Geräusche machen. Jemand, der ihn an seinem Schlaf hindern will, um seine Arbeitskraft zu schwächen. Im Zweifel haben sich die Schiedsrichter der letzten Spiele zusammengeschlossen. Sie wollen sich rächen, weil er einfach Wahrheiten über sie ungeschönt ausspricht.

Ich muss sagen, meine Freude über den späten Ausgleich durch Wilson Kamavuaka zum 2:2-Unentschieden im Spiel gestern gegen Kaiserslautern ist noch größer, seitdem ich gerade die Pressekonferenz nach dem Spiel gesehen habe. Dabei gehört Schadenfreude nur selten zu meinen spontanen Empfindungen. Marco Antwerpen ist schon was besonderes. Wie kann man derart blind für die zweite Halbzeit sein? Wie kann man sich in einer eigenen Welt derart behaglich einrichten und sich ständig benachteiligt fühlen?

Sogar ein „a“ haben sie ihm vorenthalten. So würde er wahrscheinlich sagen, wenn man ihn darauf aufmerksam machte, dass an seinem Statement auf der PK etwas nicht gestimmt hat. Er würde auf den MSV verweisen, den Pressesprecher Martin Haltermann. Der Schiedsrichter, der Stadionsprecher, irgendeiner war es bestimmt. Er antwortete ja auf die Frage eines Kollegen, er habe dem Schiedsrichter nach dem Spiel nur gesagt, warum „Kamavuka“ (sic) noch auf dem Platz stände. In diesem Satz offenbart sich sein ganzes Wesen. Der Mann lebt in einer Welt, in der es Spieler gibt, die keiner kennt. Was soll so ein armer Schiedsrichter dann machen? Er kann doch niemanden vom Platz stellen, der gar nicht spielt.

Neben einem solchen unsympathischen Fantasten wie Marco Antwerpen hat es Philipp Klug ganz gut gemacht. In der Nachbesprechung seines PK-Auftritts braucht er allerdings den Hinweis, dass nicht „vieles“ von dem Kollegen-Statement richtig war sondern nur einiges. Schließlich hat er die zweite Halbzeit deutlich anders gesehen als sein Kollege. Ich übrigens auch.

Wir sind uns einig, in der ersten Halbzeit gab es nur eine kurze Phase zwischen der 30. und 40. Minuten, in der die Mannschaft sicher im Spiel war. Die Halbzeitpause kam zur rechten Zeit. Erst nach dem Wiederanpfiff schien das Spiel für den MSV richtig zu beginnen. Aber für Marco Antwerpen hatte der FCK ja alles im Griff. Nein, hatte er nicht. Es war ein ausgeglichenes Spiel nach dem 1:1-Zwischenstand. Es war hart umkämpft. Marco Antwerpen kann in seiner blinden Selbstgewissheit nicht wahrnehmen, dass dieser MSV in der zweiten Halbzeit nicht nur auf keinen Fall verlieren wollte, diese Mannschaft wollte gewinnen. Dazu hat sie einiges versucht. Der FCK hat gut dagegen gehalten. Weder der Sieg der einen noch den anderen Mannschaft wäre unverdient gewesen. Wenn man den Blick von Wilson Kamavuaka beim Jubel nach seinem Ausgleich sieht, weiß man aber, diese Zebras haben im Grunde gewonnen.

Welch wichtiger Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern

Gestern habe ich es nach dem Sieg gegen Chemnitz wieder gewagt, mir ein Spiel des MSV komplett anzusehen. Letztlich ausschlaggebend war die Schwächengleichheit in zweiten Halbzeiten, von der ich morgens durch die PK der Kaiserslauterner erfahren habe und die mich zum Werbespot für das Wundermittel 90plus inspierte. Zugegeben, der Spielverlauf stellte mein körpereigenes Alarmsystem  nicht auf die härteste Prüfung, aber einige wenige Aufregungen waren ja doch zu überstehen. Doch grundsätzlich habe ich dieses Spiel recht entspannt erleben können. Was natürlich das höchste Gütesiegel für die Leistung des MSV ist. Denn mein Alarmsystem ist sehr fein eingestellt. Ich reagiere noch bei einer 3:0-Führung angesichts von Torgefahr des Gegners mit Puls und Bluthochdruck, wenn die drei Tore reine Zufallsprodukte waren.

Dieser Sieg des MSV wurde trotz des kurzzeitigen Ausgleichs sehr kontrolliert und kühl herausgespielt. Dieser Sieg war überaus wichtig für den weiteren Verlauf der Saison. Von der ersten bis zur letzten Spielminute schaffte es die Mannschaft, den Unterschied im Tabellenstand durch Selbstbewusstsein und Spielkontrolle sichtbar zu machen. Zwar ließ sich nicht jeder Versuch der Kaiserslauterner, gefährlich vor das Duisburger Tor zu kommen, unterbinden, doch diese Versuche irritierten die Zebras nicht. Selbst der Ausgleich brachte kein Gleichgewicht zwischen den Mannschaften. Im Ansatz wirkte das Spiel der Zebras reifer und überlegener. Die Mannschaft kombinierte besser als der FCK, auch wenn sie aus dem Spiel heraus nur wenige Chancen schuf und zwei der drei Tore nach Eckbällen erzielt wurden.

Lange mussten die Zebras das Gefühl vermissen, zurecht an der Tabellenspitze zu stehen. Es schien mehr dem Zufall zu verdanken als dem eigenen Können. Daraus entsteht kein Selbstbewusstsein. Deshalb ist dieser Sieg zu dem Zeitpunkt so überaus wichtig. Die Mannschaft hat sich selbst den Nachweis erbracht, dass die Worte ihres Trainers über das mannschaftliche Können keine Durchhalteparolen sind.

Der Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften zeigte sich in zwei typischen Spielsituationen. Die Balleroberung von Vincent Vermeij vor dem Führungstor warf ein Spotlicht auf sein unentwegtes Arbeiten in der ersten Linie der Defensive. So eine Balleroberung gelingt nicht oft, sonst erschwert er eben fast ausschließlich den Spielaufbau des Gegners. Umso wertvoller ist sein Attackieren, weil es sonst so wenig von einem persönlichen Erfolgserlebnis gekrönt werden kann. Dieses Führungstor gehört mindestens zur Hälfte ihm und wird von seiner Laufarbeit während der gesamten Saison getragen.

Die zweite Spielsituation, an die ich denke, gehört Moritz Stoppelkamp, wobei sie sich mehrmals wiederholte. In diesem Spiel zeigten sich seine überdurchschnittlichen spielerischen Möglichkeiten in Liga 3 sehr deutlich. Wie oft er zwei, drei Gegenspieler durch Dribbling oder schnellen Pass ins Leere laufen ließ, kann ich gar nicht sagen. So zeigte sich ein Klassenunterschied, der nicht nur einen Spieler des Gegners zermürben kann. Das war großartig.

Der Kommentator ging mir übrigens von der ersten Minute an auf die Nerven. Schon sein Sprechduktus hat mich aufgeregt, als er sich aber auch noch innerlich auf die Seite der Kaiserslauterner schlug, war es ganz vorbei. Hatte der so ein Underdogfaible oder war das mehr so die grundsätzliche Rote-Teufel-Sympathie? Der hatte Glück, dass ich das Spiel so entspannt sehen konnte und statt mich aufzuregen, an möglichen Enttäuschungen freuen konnte. Wie war das mit der Schadenfreude?

Um die Chance auf ein viertes Tor fürs bessere Torverhältnis sind wir natürlich betrogen worden. Dieser Kontakt des Kaiserslauterner Abwehrspielers unterschied sich von Gembalies Kontakt überhaupt nicht. Das war dieselbe Situation, für die der FCK den Elfmeter bekommen hat. Mit diesem Spielverlauf werde ich es nun auch wagen, mir das Spiel gegen Würzburg anzusehen. Selbstbewusstsein durch den Sieg gegen Kaiserslautern statt des kaum mehr vorhandenen Heimvorteils bildet in meinen Augen eine gute Voraussetzung.

90plus – Das Wundermittel gegen Zweitehalbzeitschwäche

Sehe ich die Pressekonferenz in Kaiserslautern vor dem Spiel heute Abend gegen den MSV, habe ich den spaßigen Werbeclip für die Postillion-Seite schon im Kopf.

Fühlen auch Sie sie sich in zweiten Halbzeiten matt und müde im Kopf? Haben sie gar manchmal diese schweren Beine? Fallen Ihnen die verabredeten Spielzüge nicht sofort ein? Wissen Sie nicht mehr, wie Sie sich zu Ihrem Gegenspieler bei Eckbällen positionieren müssen? Haben Ihre Fans und ihr Trainer keinen Spaß mehr mit Ihnen in der zweiten Halbzeit?

Dann hat Boris Schommers etwas für Sie. Mit 90plus sensibilisiert er Sie und zeigt visuell auf. Mit 90plus werden sie wieder leistungsfähig für 90plus. Auch wenn Sie führen, reichen 80 Prozent nicht aus. Hundert Prozent sind gefragt. Die Körner sind doch alle da. 90plus ist sein Mittel für Ihr Ziel 90plus. 90plus für volle Konzentration bei 90 Minuten Spielzeit plus Nachspielzeit, so lange sie auch dauert. 90plus von Boris Schommers.

Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker.

Anscheinend hat der FCK ein ähnliches grundsätzliches Problem mit der zweiten Halbzeit wie der MSV. Torsten Lieberknechts Sprache und Umgang mit der Schwäche des MSV in Halbzeit 2 liegen mir mehr als die kühle Strenge von Boris Schommers. Es könnte ein lustiges Spiel heute Abend werden.

Wenn wir im Fußball auch sportferne Taktik sehen würden, wäre es je nach Spielstand sogar angebracht, der MSV setzte seine Leistungen der letzten Spiel in der zweiten Halbzeit fort. Dann würde es nämlich wahrscheinlicher, dass 90plus von Boris Schommers wirkunglos bleibt. Der FCK könnte sich in Sicherheit wiegen und auf besagte 80 Prozent runterfahren. Das würden wir natürlich sofort ausnutzen und sofort zwei Tore  nacheinander erzielen. Andererseits ist es beruhigender für mich, diese zweite Tore fielen zuvor schon bei souveräner Überlegenheit, egal wieviel Prozent der FCK auf dem Platz aufbietet.

Das eindrucksvolle Spiel verlangt das Spitzenreiterrufverbot

Seit Jahrzehnten stehen wir in dieser Besetzung gemeinsam in der Kurve. In der ganzen Zeit lautete der Standardtipp meines Stehplatzkumpels vor dem Anpfiff der meisten Heimspiele 8:0. Zugegeben, das klingt nach übertriebener Zuversicht und partieller Blindheit gegenüber der Wirklichkeit. Andererseits ist das wirkliche Leben auch nichts anderes als das Ergebnis einer komplexen Wahrscheinlichkeitsrechnung, und manchmal geschieht eben auch das Unwahrscheinliche. Am Freitag war das Unwahrscheinliche nahe. Ich erinnere mich an kein Punktespiel in diesen ganzen Jahren, bei dem der MSV näher an diesem Endergebnis war als im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Vielleicht habe ich aber auch nur ein schlechtes Gedächtnis für Details.

Unsicher war ich ins Stadion gegangen, und dann ließ die Mannschaft von Anpfiff an keinen Zweifel an ihrem Willen, dieses Spiel an sich zu reißen. Torgefährlich wurde es zwar zunächst nicht, aber ungemein schnell. Mehr hin zum Kaiserslauterner Tor als her in Richtung Weinkauf-Tor bewegte sich das Spiel. Kaiserslauterner Bälle im Spiel nach vorne wurden meist abgefangen. Mit Tempo ging es in die Gegenrichtung. Rasant wurde der Ball vom MSV mit schnellen kurzen Pässen vorgetragen. Der Schiedsrichter war darauf nicht eingestellt. Er stand sage und schreibe dreimal in kürzester Zeit den Pässen im Weg. Beim dritten Mal gab es dann sogar den Schiedsrichterball.

Das Führungstor gelang nach einer Flanke in den Elfmeterraum, in dem die FCK-Defensive vergessen hatte, dass im Fußball auch mal lange Bälle gespielt werden. Man muss sich das so vorstellen, die ganze Zeit ist das Spiel in schneller Bewegung. Der steile Pass kommt zu Leroy-Jacques Mickels. Auch ich erwarte weiteren Druck durch den Flügelsprint Richtung Torauslinie. Doch Mickels nimmt das Tempo heraus. Gut, denke ich, warten wir auf die nachrückenden Spieler, um den Strafraum zu belagern. Doch dann schlägt er die Flanke. Der Ball fliegt und ich verbuche den gar nicht mal so scharf gespielten Ball unter einer dieser vielen unergiebigen Versuche Torgefahr zu schaffen. Ich hatte nicht berücksichtigt, dass die Kaiserslauterner Defensivspieler dasselbe gedacht haben müssen wie ich. Die Spieler scheinen die Flanke nicht erwartet zu haben, denn sie waren im Strafraum sehr unorganisiert. So kam der Ball punktgenau zum frei stehenden Lukas Daschner, der unbedrängt einköpfen konnte. Auch das musste natürlich erst einmal gemacht werden. Im weiteren Verlauf des Spiels haben wir ja gesehen, wie andere sehr klare Chancen vergeben wurden.

Der MSV hielt das Tempo hoch. In der Offensive wurde immer wieder rotiert. Man sah, wie im Training einstudierte Flügelkombinationen wunderbar auch im Spiel funktionierten. Das war wieder der begeisternde Fußball der ersten Spiele dieser Saison. Fiel Moritz Stoppelkamp schon beim Kombinationsspiel auf engem Raum mit technischen Kabinettstückchen auf, so zeigte sich beim 2:0 durch ihn seine technische Klasse. Ansatzlos schoss er von der Strafraumgrenze, seitwärts zum Tor stehend den von Lukas Daschner gepassten Ball ins Tor, knapp neben den Pfosten gezielt. Ein wunderbarer Torschuss, dessen besondere Qualität Moritz Stoppelkamp sehr bewusst schien.

Die Kaiserslautern bettelten nun um das dritte Tor, so verunsichert war die Mannschaft. Doch dieses Tor fiel trotz zweier großer Chancen nicht, zumal es der MSV die letzten zehn Minuten der Halbzeit gemächlicher angehen ließ. So kamen die Kaiserslauterner noch zu einer großen Chance, die ein Spieler einer gefestigteren Mannschaft womöglich verwandelt hätte.

Nach der Halbzeitpause verschärfte der MSV wieder das Tempo, und so fiel bald das dritte Tor durch Leroy-Jacques Mickels. Doch die Kaiserslauterner Verunsicherung aus der ersten Halbzeit war kurioserweise trotz dieses Tores verschwunden. Stattdessen spielte die Mannschaft weiter mit. Für den MSV ergaben sich dadurch Freiräume und große Chancen, die allesamt nicht genutzt werden konnten. Erwähnt werden muss noch, dass Vincent Gembalies und Tim Albutat ein sehr gutes Spiel gemacht haben. Bezeichnend für das Spiel von Vincent Gembalies war eine Szene in der zweiten Halbzeit. Er hatte den Ball rechts in der Ecke abgelaufen, wurde gepresst und und spielte sich gegen das Pressing mit einem Hackentrick frei. Was für eine Souveränität. Wenn er dieses Niveau stabil halten kann, entwickelt sich in Duisburg ein spielstarker Innenverteidiger, der das Aufbauspiel der Mannschaft um eine bislang nicht vorhandene Dimension erweitert. Ihr seht, ich bin noch immer sehr begeistert.

Der MSV führte souverän 3:0. Doch als bald nach dem Mickels-Tor auf den Rängen die „Spitzenreiter“-Rufe für kurze Zeit zu hören waren, glaubte ich das Spiel verloren. Womöglich wird auch diese Sorge durch selektive Wahrnehmung gespeist. Aber ich meine, sobald in diesem Stadion zu einem frühen Zeitpunkt der Saison während des Spiels so eine Momentaufnahme des Tabellenstands auf den Rängen gefeiert wird oder von der Stadionregie gezeigt wurde, fielen die Gegentore augenblicklich. Am Ende konnten wir dann froh sein, wenn das Spiel noch Unentschieden ausging.

Folgerichtig erzielten die Kaiserslautern auch kurz nach diesen Rufen den Anschlusstreffer. Das dürfen wir uns gerne noch einmal vorstellen. Der MSV führte eine Viertelstunde vor dem Ende 3:1, und wir bangten um den Sieg. Denn die Kaiserslauterner drückten auf das zweite Tor. Jede Beruhigung des Spiels nahmen wir erleichtert auf. Jede Spielverzögerung begrüßten wir. Unsere Sorgen wichen erst etwa 5 MInuten vor dem Abpfiff. Ich finde, wir sollten über ein Spitzenreiterrufverbot bis zum Zeitpunkt des gesicherten Aufstiegsplatzes nachdenken. Das würde mich erheblich entspannen, wenn der MSV in einem Spiel knapp führt. Stefan Leiwen sollte erst die Gästefans daran erinnern, dass auch in Duisburg das Abbrennen von Pyrotechnik und Feuerwerkskörpern verboten ist, um anschließend die Heimfans regelmäßig zu ermahnen: „Liebe Zebrafans, denkt daran, Hinweise auf eine mögliche Tabellenführung sind als Stadiongesang jeglicher Form verboten. Wenn ihr euch an das Verbot haltet, helft ihr unserer Mannschaft das zu erreichen, was wir alle erhoffen.“

Die Lehre aus dem Niedergang vom 1. FC Kaiserslautern – Eine Dokumentation

Wahrscheinlich müsst ihr euch den Beitrag hier später noch einmal vornehmen, weil ich auf eine knapp 45-minütige Dokumentation hinweise. Zwar geht es in der Dokumentation um den Niedergang des 1. FC Kaiserslautern, doch das Wirtschaften in diesem Fußballverein spielt dabei keine kleine Rolle. Was uns in Duisburg erhellende Einsichten gibt. Auch wenn der 1. FC Kaiserslautern erfolgreicher als der MSV war und die Konkurrenz in der Region überschaubar ist, liegen strukturelle Ähnlichkeiten auf der Hand. Worauf im Übrigen auch die bei uns oder in Bochum bekannten Gesichter wie Milan Sasic oder Stefan Kuntz hinweisen.

Der 1. FC Kaiserslautern ist in die 3. Liga abgestiegen, und wir in Duisburg wissen, was einem Verein dieser Größenordnung in der 3. Liga droht. Vereine mit der Größe und dem Anspruch eines MSV Duisburg oder eines 1. FC Kaiserslautern brauchen die Zweite Liga, um finanziell über die Runden zu kommen. Denn die schnelle Anpassung der Kostenstruktur bei gleichzeitigem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist unmöglich, besonders dann wenn Schulden aus der Vergangenheit das Wirtschaften in der Gegenwart belasten. In der 3. Liga wachsen die Schulden.

Der SWR hat in der Dokumentation „Stirb Langsam – 1. FC Kaiserslautern“ Ursachenforschung zum Niedergang des Vereins betrieben. Für die Macher der Dokumentation nahm alles mit der Meisterschaft in der Saison 1997/1998 seinen Anfang. Von da an begannen die mit dem gewachsenen Anspruch entstehenden Kosten die vorhandenen finanziellen Möglichkeiten zu übersteigen. Damit wird ein Grund für wachsende Schulden genannt. Was lässt sich aber als strukturelle Ursache für die ungebremste Geldausgabe im Verein erkennen?

Die Dokumentation macht ein Grundproblem offensichtlich: Es gab keine Möglichkeit, das Arbeiten der Entscheider kritisch zu begleiten. In den unterschiedlichen Phasen der sporlichen Entwicklung übernahm stets ein mächtiger Entscheider, der seinen Weg ging und an den finanziellen Möglichkeiten scheiterte. Auch der zwischenzeitliche Retter Stefan Kuntz ging irgendwann zu hohe Risiken für den unberechenbaren Erfolg im Fußball. Lässt sich diese Struktur einer mangelnden Kritikfähigkeit aufbrechen?

Beim MSV Duisburg haben sich hoffentlich Möglichkeiten der internen Kritik entwickelt. Abhängigkeiten des Vereins sind ja vorhanden. Gerade wenn alle nur das Beste wollen, ist ein regelmäßiges Überprüfen von einzelnen Entscheidungen auf diesem Weg zum Besten unbedingt notwendig. Der Niedergang des 1. FC Kaiserslautern verweist jedenfalls auf diese eine gewichtige strukturelle Ursache, Korrektive verlieren sich im Erfolgsfall, weil der Erfolgreiche aus nachvollziehbaren Gründen bei der ihm zugewiesenen Verantwortung auch die Hoheit über immer mehr Entscheidungen beansprucht. In der Folge können Sachfragen schnell zu Machtfragen werden, die die Einheit eines Vereins sprengen. Das Bewältigen von Krisen wird dann immer schwieriger.

 

Nach Niederlagenärger hilft Spieltagslyrik: Fußball an Karsamstag

Natürlich hätte der MSV das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit derselben übersichtlichen Leistung auch gewinnen können, wenn in der ersten Halbzeit Boris Tashchy frei stehend ins Tor getroffen hätte oder einer der Pfostenschüsse hinein gegangen wäre. Das ist aber nun mal nicht geschehen, und der 4:1-Sieg der Gäste ist verdient, wenn auch – um in Fußballerklischees zu bleiben – um ein Tor zu hoch ausgefallen.

Es war ein ärgerliches Spiel des MSV, weil dieselben Schwächen der Zebras zu sehen waren, an denen in der Länderspielpause doch so intensiv gearbeitet worden sein soll. Wenn ich schon bei der ersten Ecke der Kaiserslauterner sehe, dass ein Gegnerstürmer völlig frei zum Kopfball kommt, geht mir natürlich genau jene Ankündigung durch den Kopf, das Defensivverhalten bei Standards zu verbessern. Das ist nicht gelungen – nur ein Beispiel.

Ich habe mich geärgert über dieses Spiel und hatte keine Lust mich zu wiederholen. Diesen Ärger fruchtbar zu machen gelingt nur, wenn ich etwas anderers schreibe als einen Spielbericht mit literarisch anmutenden Einsprengseln. Da muss richtige Dichtung her, Spieltagslyrik, bitte schön:

 

Fußball an Karsamstag

Glocken schweigen, auch die Orgeln.
Jesus starb den Kreuzestod.
Auferstanden ist er Sonntag,
Samstag: Trauer, Leid und Not.

Grabesruhe gibt es nicht mehr.
Spieltag heißt es jetzt stattdessen.
Den Karsamstag kannst du weiter
in die Tonne treten und vergessen.

Wer kann sich nach schlechtem Spiel
in stiller Andacht noch besinnen?
Dreimal sieglos schon zuvor,
mussten wir das Spiel gewinnen.

Tod ist Jesus, und der Mannschaft
geht es auch nicht mehr so gut.
Warum hat er uns verlassen?
Unser Lauf gab Spielern Mut.

Nun fehlt hinten Sicherheit.
Gegner treffen nach Belieben.
Scheunentor ist Flekkens Tor
während wir vorn nur versieben.

Glocken schweigen, auch die Orgeln.
Am Karsamstag auferstehen
ist nicht nur nichts für den Jesus,
auch die Zebras lassen wenig sehen.

Saisonpremiere gegen Kaiserslautern

Zum ersten Mal in dieser Saison werde ich am Samstag etwas angespannt ins Stadion gehen. Zum ersten Mal in dieser Saison wird mich alles andere als ein Sieg weiter beunruhigen. Das wird vielen von euch nicht anders gehen. Vier Punkte Abstand zum Tabellenende erwartet man normalerweise nicht bei einem einstelligen Tabellenplatz so spät in der Saison. Die drei Niederlagen nacheinander kratzen allerdings nur deshalb an meinem Vertrauen in die Mannschaft, weil sie von insgesamt sechs Halbzeiten  dreimal nicht wirklich auf dem Platz zu stehen schien.

Diese Auszeiten gab es bei den zwei Auswärtsspielen. Gegen Fortuna Düsseldorf beim Heimspiel war das anders. Nicht jeder teilt meine Meinung, das weiß ich. Doch für mich war der MSV in beiden Heimspielhalbzeiten präsent. Was meine Zuversicht wiederum stärkt. Der Blick auf die Zweitligaheimbilanz gegen den 1. FC Kaiserslautern sagt mir dann, diese Bilanz muss dringend geändert werden. Kein Sieg, vier Unentschieden und eine Niederlage sind zu verbuchen. Diese Bilanz ist allerdings schon sehr viel besser als die Bilanz sämtlicher Punktespiele meiner Erinnerung. Da purzeln die Niederlagen nur so durcheinander, und ich muss mich sehr auf den Viertelfinal-Sieg mit 2:0  der Pokalsaison 2010/2011 konzentrieren. So halte ich meine Zuversicht stabil.

In Köln erfahren wir noch einmal etwas über das Braunschweig-Spiel

Meine Worte von gestern über die gefassten Fans beim 1. FC Köln sind schon wieder Makulatur. Unmut auf den Rängen bleibt also nicht nur den MSV-Fans vorbehalten. Die FC-Fans waren zwar etwas langmütiger, aber nach der Niederlage des FC gestern Abend in der Euro League standen die Anhänger des FC auf den Zäunen und machten ihrem Ärger Luft. Vom Dom nach Weißrussland ist es nun auch weit, und wenn dann die eigene Mannschaft nach langer Anfahrt in einem anscheinend nicht sehr ansehnlichem Spiel verliert, kann man schon laut werden.

Nun lässt sich von den FC-Fans also nichts mehr lernen, dennoch zeigt uns gerade diese Niederlage des FC, warum das Unentschieden des MSV gegen Eintracht Braunschweig ein Erfolg war. Es zeigt uns, warum wir auf zukünftige Erfolge des MSV berechtigt hoffen können und warum es absolut notwendig gewesen ist, gegen Eintracht Braunschweig auf Kosten der Offensivstärke mit aller Macht einen Torerfolg des Gegners zu verhindern.

Der FC-Trainer Peter Stöger hatte nämlich ein Spiel gesehen, in dem jeder Ausgang möglich gewesen wäre. Seine Mannschaft habe einen Fehler zu viel gemacht in jener Spielphase, in der er das Gefühl hatte, der FC hätte in Führung gehen können. Die mitreisenden Sportjournalisten des Kölner Stadt-Anzeigers hatten eine „ereignislose Anfangsphase“ wahrgenommen und ein paar Halbchancen danach. Das Resumée zur Halbzeit: „Nichts war passiert“. Dann aber habe der FC in Halbzeit zwei nach einem Fehler in der Defensive auf einmal zurückgelegen in einem Spiel, „in dem auf beiden Seiten kaum etwas geschehen war“.

Der FC war mit dem Ziel angereist, Selbstbewusstsein zu tanken für das wichtigere Bundesligaspiel gegen Bremen. Das ist misslungen. Ihr ahnt, warum mir dieses FC-Spiel einen Beleg dafür gibt, dass das torlose und so unansehnliche Spiel des MSV gegen Eintracht Braunschweig ein Erfolg war? Anscheinend gleicht der Eindruck beider Spiele doch wieder sehr. Mit einem einzigen und sehr wichtigen Unterschied: Der MSV hat kein Tor zugelassen. Die Mannschaft hat gesehen, dass sie anders als in den Spielen zuvor sehr wohl stabil in der Defensive spielen kann. Es ging um Selbstbewusstsein in diesem Spiel. Es ging darum, den aufkommenden Druck auf die Mannschaft abzulenken, zu vermindern. Es war das allerwichtigste in diesem Spiel kein Tor zu bekommen. Dieses Ziel wurde erreicht. Deshalb ist das Spiel gegen Braunschweig ein Erfolg gewesen. Auch so einen kleinen Erfolg zu erlangen, ist nicht einfach, wie die Mannschaft des FC gestern Abend erfahren musste. Der MSV wird in Kaiserslautern deutlich sicherer ins Spiel gehen als der FC gegen Bremen. Das ist auch nötig gegen eine Mannschaft mit Zwischenhoch. Die Betonung liegt auf Zwischen.

Für Hilfe durch mein Glück braucht es auch Gelegenheit

Diese Auswärtsniederlage des MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern war kein Spiel für große Gefühle. 2:0 lautete das Endergebnis, das eine gefühlte 1:0-Niederlage für mich bleibt. Das Spiel führte fortwährend zu stillem Ärger, Ratlosigkeit und der alleinigen Hoffnung, dass dieser Mannschaft meine Glückssträhne irgendwie zu Hilfe kommt. MEINE Glückssträhne! Mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen, um ein Bild von der Leistung der Mannschaft zu erhalten.

Vielleicht sollte man noch wissen, dass selbst diese schlechte Leistung fast gut genug war für ein torloses Unentschieden. Denn der 1. FC Kaiserslautern hat genauso schlecht gespielt. Den Unterschied machte eine präzisere Flanke aus. Der 1. FC Kaiserslautern war keineswegs klar besser, wie es der Sky-Reporter zweimal verkündete. Die Mannschaft hatte mehr Ballbesitz und versagte fortlaufend, wenn sie mit diesem Ball etwas machen sollte.

Ich will nicht sagen, dass die Defensive des MSV gut stand. Ihre Präsenz reichte zunächst aus für diese schwache Kaiserslauterner Mannschaft. Michael Ratajcak machte zweimal das Spiel spannend, einmal ließ er einen langen, hohen Ball im Gewühl fallen, einmal spielte er Billard, um den zurückprallenden Ball zumindest einmal für die Kaiserslauterner in Tornähe zu bringen. Selbstlose Hilfe, damit der Sky-Reporter das Gefühl bekam, mit seiner Meinung richtig zu liegen.

Das offensive Spiel des MSV Duisburg war aber einmal mehr kaum vorhanden. Klar erkennbar war der Wille zum kontrollierten Spielaufbau selbst unter Drucksitutionen in Strafraumnähe. Lange Bälle waren selten zu sehen, sondern die spielerische Lösung wurde in der eigenen Hälfte mal mehr, weniger erfolgreich gesucht. Doch sobald die Drucksituation aufgelöst war, fehlte es im Mittelfeld an einem Plan, wie es weitergehen sollte. Der Mannschaft gelang es nicht, aus der konzentrierten Arbeit für die Spielkontrolle in ein schnelleres Tempo umzuschalten. Entweder waren die Pässe zu unpräzise oder das notwendige Risiko wurde nicht eingegangen. Das eine kann auch Ergebnis des anderen sein. Die wenige in den letzten Begegnungen gewonnene Sicherheit war in diesem Spiel wieder völlig verschwunden.

Weil beide Mannschaften derart schlecht spielten, kam ein kleiner Unterschied zum Tragen. Die Kaiserslautern Außenspieler flankten deutlich präziser als die Duisburger. Der Ball flog deshalb hin und wieder zumindest in die Nähe des Duisburger Fünfmeterraums, um irgendeinem Mitspieler die Möglichkeit zum Kopfball zu geben. Auf der anderen Seite war die Streubreite der Flanken so hoch, dass man froh sein konnte, wenn der Ball im Spiel blieb.

Ich kenne gerade nicht die genaue Zahl, aber ein Tor nach einer Flanke ist nicht sehr wahrscheinlich. Man braucht viele Flanken für ein einziges Tor. Wenn diese Flanken kaum einmal vor das Tor kommen, braucht man entsprechend noch mehr Flanken. Das machte den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften aus. Die Spieler des 1. FC Kaiserslautern konnten besser flanken. Deshalb wurde  Glück überhaupt wirksam in dem Spiel. Denn eines weiß ich sicher,  für dieses Tor in der 60. Minute war Glück notwendig. So gering ist die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg nach einer Flanke.

Als dieses Tor fiel, war für mich das Spiel zu Ende. Ich hatte keine Hoffnung mehr für den MSV Duisburg, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie die Spieler in eine andere Haltung zum Spiel kommen sollten als die der Kontrolle. Aus Kontrolle war Behäbigkeit geworden, obwohl die einzelnen Spieler sich jeder einzeln besehen sehr einsetzten. Behäbigkeit entsteht, wenn zum Rhythmuswechsel die spielerische Qualität fehlt.

Dennoch entwickelte die Mannschaft in den letzten vier, fünf Minuten noch einmal Druck auf das Kaiserslauterner Tor. Das waren die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs. Die Mannschaft wirft alles nach vorne, je näher der Schlusspfiff kommt. Der Gegner wird nervöser, fürchtet um seinen Sieg. Das kannte der MSV aus dem Spiel gegen RB Leipzig. Um erfolgreich zu sein fehlte aber jegliche Präzision, und für ein Glückstor geriet das Spiel zu wenig außer Kontrolle. Auch am Ende war es nichts Halbes und nichts Ganzes.

Fragt mich nur nicht nach dem weiteren Verlauf der Saison. Dazu ist es noch zu früh in dieser Woche. Dazu muss ich dieses Spiel noch mehr vergessen, sonst könnte ich heute etwas sagen, was ich am nächsten Sonntag gegen den VfL Bochum bereuen werde.

Anything they can do we can do better

Vorbild Annie –  auch ohne gun, ein hart erkämpftes 2:1 gegen Frank Butler würde ich sagen.

 

 


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