Posts Tagged '1. FC Union Berlin'

Mit Wechselbad ein Schritt zur Wellness an der Alten Försterei

Allein unter Unionern

Meine Stadionbesuche beim MSV sind immer zugleich mein ganz persönliches Zen. Sie sind Übungen in Lebenszufriedenheit bei jeglichen Erfahrungen und den damit verbundenen aufwühlenden Gefühlen. Auch wenn man mir auf dem Stehplatz nur die äußere Aufregung ansieht, so wird manches Spiel mir doch zu einer Art Meditation. Denn was ist Meditation anderes als die Erfahrung, dass die Gedanken kommen und gehen, dass Gefühle kommen und gehen und ein fühlendes Erkennen, dass auch Ereignisse im Leben kommen und gehen, ohne dass wir einen Einfluss darauf haben.

Den Tag über war es mir in Berlin gelungen, die Sorge vor einem weiteren Misserfolg des MSV bei Union Berlin zu verdrängen. Je näher der Anpfiff rückte, desto unruhiger wurde ich aber. Früh war ich schon in die fast leere Gästekurve des Stadions an der Alten Försterei gekommen. Mit einem jungen MSV-Fan aus Mannheim kam ich ins Gespräch. Wurzeln der Familie in Duisburg führen zu familiären Fan-Traditionen. Der MSV in Berlin erwies sich als Zwischenstation auf seiner Inter-Railreise mit einer jener Inter-Railkarten, die die EU unter jungen Europäern verlost hatte. Auswärtsfahrt zum MSV. Gut genutztes EU-Geld für junge Leute.

Der Wechsel im Tor hatte sich angekündigt. Völlig abgesehen vom Leistungsvergleich war dieser Wechsel auch ein symbolisches Zeichen für Veränderung. Jetzt konnte alles anders werden. Meine Sorge wurde größer, dass das nicht geschah. Wenn die Spieler des MSV sich derart verunsichert zeigten, wie ich mich fühlte, hatten sie keine Chance. Die gesamte erste Halbzeit war ich mit dem Spiel und einer drohenden Enttäuschung beschäftigt. Immer wieder lehnte ich mich gegen etwas auf, was noch gar nicht eingetreten war.

Mit dem Anpfiff war die Gästekurve zweidrittel gefüllt. Die Zebras fanden gut in ein intensives Spiel mit durchweg hohem Tempo. Ballkontrolle führte kaum zu langsamen Passagen. Beide Mannschaften schafften es aber nicht, gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Defensiv drohte dem MSV nur auf der rechten Berliner Seite zwei-, dreimal Gefahr, weil Andy Gogia von Kevin Wolze alleine nicht gehalten werden konnte. Gogia dribbelte ihn aus oder überlief ihn. Doch im Zweierverband mit Sebastian Neumann konnten auch diese Angriffe neutralisiert werden, allerdings nicht dauerhaft. Kurz vor der Pause dann, ein Ballverlust im Mittelfeld, dem ein weiter Ball auf den frei stehenden Gogia folgt. Für einen Moment hatte ich die Hoffnung, er braucht Zeit, um den Ball anzunehmen. Doch wie Gogia in einer Bewegung diesen Ball herunterholt und verarbeitet, war großartig. Obwohl Kevin Wolze in der Nähe war.

Es geschah, was ich die ganze Zeit befürchtet hatte. Der MSV lag zurück nach einem Tor durch besagten Gogia. Diese Wahrheit wollte ich nicht hinnehmen. Alles lehnte sich in mir auf. Das ist die Zen-Übung, von der ich sprach. Das Auflehnen zu akzeptieren, vorbei gehen zu lassen und die Wirklichkeit wahrhaftig zu sehen. Vor diesem Tor hatte es noch eine wunderbare Kombination vom MSV über den linken Flügel gegeben. Sebastian Neumann hatte an der eigenen Torauslinie den Ball am Strafraumrand erobert, ihn nicht weggeschlagen, sondern zwei Berliner Spieler gelassen ausgespielt, um dann präzise auf den linken Flügel zu Moritz Stoppelkamp zu passen. Leider kam nach dem Dribbling über Außen der letzte Pass nicht in den Strafraum. Ich erzähle das so detailliert, um zu erinnern, wie kontrolliert der MSV auch unter großem Druck den Ball in die Offensive bringen konnte.

Nach dem Spiel habe ich nicht glauben können, wie schlecht die Leistung vom MSV im Netz von vielen Seiten bewertet worden ist. Nicht oft klaffen Stadionerleben und Bewegtbild-Bewertung des Spiels derart auseinander wie bei diesem Spiel. In der Gästekurve im Stadion war bei aller Enttäuschung über den späten Ausgleich doch von den meisten Anerkennung für die Leistung zu hören. Die entscheidende Botschaft dieses Spiels ist für mich der Glaube an ein Ausgleichstor nach dem Rückstand. Die Zebras haben das ganze Spiel über gelebt. Konzentration und Engagement ließen nicht einen Moment nach.

Die vom Berliner Trainer in der Pressekonferenz verlorenen geglaubten zwei Punkte können wir genauso beklagen. Worauf bezieht er sein Gefühl der Überlegenheit? Auf das Potential seiner Spieler oder auf die tatsächlich gezeigte Leistung? In der ersten Halbzeit gab es nur eine weitere  Chance für Berlin. Den Lattentreffer von Gogia gab es deshalb, weil der Ball abgelenkt wurde, sonst wäre er Daniel Mesenhöler in die Arme gefallen.

Bei Union herrscht die Meinung vor, das Spiel in der zweiten Halbzeit im Griff gehabt zu haben. Doch diese Meinung lässt außer Acht, dass der MSV kontinuierlich mit Geschwindigkeit das Offensivspiel suchte. Zunächst ohne Torgefahr, sicher. Wenn zugleich aber individuelle Fehler angeführt werden als Grund für Gegentore, muss man doch schauen, wie diese Fehler zustande kamen. Ohne Fehler gibt es nie Tore. Ein Fehler nach einer Ecke ist aber ein anderer Fehler als einer, der im Spielverlauf geschieht. Und solch ein Fehler im Spielverlauf führte zum Ausgleich. Dieser Fehler musste erst einmal erzwungen werden. Dazu mussten Spielsituationen vom MSV geschaffen werden, die Fehler hervorrufen.

Man darf doch nicht übersehen, dass die Berliner Spieler in Teilen individuell besser waren. Die Defensivschwäche auf der linken Seite des MSV führte doch die ganze Zeit zu einem Risiko, bei dem die Mannschaft dennoch Offensivkraft entwickeln musste. Das war ein Ritt auf der Rasierklinge. und der hat nur deshalb nicht zu schmerzhaften Folgen geführt, weil der MSV zum schnellen Offensivspiel über alle Positionen durch das Mittelfeld zurückgefunden hat.

In diesem Spiel hoffte ich nicht einmal auf den Zufall als zwölften Mann des MSV, damit ein Tor fällt. In diesem Spiel hoffte ich auf ein Tor aus dem Spiel heraus. Und das war keine Träumerei, das war nicht unrealistischer Wunderglaube. Das ergab sich aus der Spielanlage vom MSV. Das ergab sich, weil die Mannschaft an ihr eigenes kontrolliertes Spiel glaubte und sich nicht davon irritieren ließ, dass die Zeit immer knapper wurde.

Was für ein Jubel dann, als Souza den Ball per Direktabnahme und Aufsetzer im Tor unterbrachte. Richtig getroffen hatte er den Ball nicht. Doch seine Torchance hatte sich in einem Spielzug angebahnt. Das kam nicht aus dem Nichts, egal, was in Berlin gesagt wird. Dort ist man blind dafür, dass diesem Tor Entwicklung vorausging. In Berlin richtet man nur den Blick auf die mangelnde Torgefahr der Zebrras bis zur 70. Minute etwa. In Berlin sieht man nicht, dass kontinuierliches Versuchen, auch wenn es im Strafraum zunächst ungefährlich bleibt, auch der eigenen Mannschaft Kraft nimmt, mental und körperlich. Das will man in Berlin vielleicht nicht sehen und in Duisburg vor dem Fernseher sieht man das nicht, weil es schlecht messbar ist. Im Stadion selbst ist das als Atmosphäre vielleicht eher zu spüren.

Dem frenetischen Jubel folgte sechs Minuten später die Ekstase in der Gästekurve. Nicht wissen, wohin mit diesem Jubel. Quer durch die Reihen in die Arme fallen, weil alles heraus muss. Weil alles möglich scheint an diesem Tag. Denn der Ausgleich hatte den Zebras nicht gereicht. Das Spiel war offen. Richard Sukatu-Pasu wurde mit einem wunderbaren Pass steil geschickt. Kühl schob er den Ball ins Netz.

Wenige Minuten blieben noch, dazu die Nachspielzeit, und immer noch zogen sich die Zebras nicht zurück. Trotz des nun größer werdenden Drucks durch Union. Ich glaube nicht, dass ohne ruhenden Ball Union noch ein Tor erzielt hätte. Dem Freistoß aus dem Halbfeld heraus in der 90. Minute folgte der Ausgleich. Schade. Noch einmal deutlich gesagt: Ein Sieg des MSV wäre keinesfalls glücklich gewesen. Er wäre verdient gewesen, weil die Mannschaft weiter an ihr Spiel geglaubt hat. Selbst nach dem Ausgleich suchte die Mannschaft noch die Chance auf ein drittes Tor. Das nehme ich aus dem Spiel mit. Die Zebras haben ihr Selbstvertrauen wiedergefunden. Natürlich muss ein Sieg gegen Aue her. Dann erst wird meine Meinung bestätigt. Bis dahin aber steht sie mit gleichem Recht in der Welt, wie all jene Wertungen, bei denen der MSV sehr viel schlechter wegkommt.

Beim Kollegen Sebastian Fiebrig vom Textilvergehen der Berliner Blick samt Presseschau.

Ebenfalls bei Textilvergehen Fotostrecke mit unübersehbarer Schwäche für die Heimmannschaft. Verstehbar.

Und bei Eiserne Ketten die Taktikanalyse für die Berliner Mannschaft.

Advertisements

Bitte, liebe Zebras, glaubt nicht, was die Online-WAZ titelt!

Gestern, auf der Fahrt nach Berlin war ich noch entspannt. Jetzt gerade aber kriecht die Sorge in mir hoch. Schuld ist die Online-Redaktion bei Funkes. Soweit ich weiß, verantworten die Online-Leute auch die Online-Titel der Printredaktionen. Eigentlich wollte ich nur kurz schauen, was die Heimat noch Neues zum MSV weiß. Doch was muss ich bei der Online-WAZ als Titel des Vorberichts zum Spiel lesen? Was für ein Omen!

Der MSV muss doch nichts abliefern. Liebe Leute, seid ihr verrückt? Wenn überhaupt, muss der MSV liefern. So heißt dieses ausgeuferte Wirtschaftssprech, das im Sportsprech vor langer Zeit begierig aufgenommen wurde. Beim Abliefern denke ich sofort an drei Punkte, die in Berlin gelassen werden und nicht an eine Leistung, die gezeigt wird.

Nicht dass einer der Spieler auf die Idee kommt, diesen Titel zu lesen. Ihr kennt doch die self-fulfilling prophecy und die Wirksamkeit dessen, woran eigentlich nicht gedacht werden sollte. Oh Gott, oh Gott, mein Vertrauen in die Mannschaft verträgt solche Nebengeräusche nicht. Dieses Vertrauen ist nicht so groß, als dass ich solche kleinen Begleiterscheinungen als unwichtige Spielerei abtun könnte.

Der Druck auf die Mannschaft heute Abend ist immens groß. Hat je ein Trainer länger weiter gearbeitet, wenn im Vorbericht zu einem Spiel die Standardsätze des Entlassungsunkens fielen, bei einer Blabla-Niederlage wäre Blablabla wohl nicht mehr zu halten. Ich frage mich, ob die beabsichtigte Kontinuität überhaupt wieder herstellbar ist. Selbst wenn die Mannschaft heute erfolgreich ist, wird es Ilia Gruev weiter schwer haben. Um die Stimmung bei den Anhängern des MSV zu verändern, kann sich die Mannschaft über mehrere Wochen keine schlechten Spiele mehr erlauben. Ich wünsche so sehr Kontinuität beim MSV Duisburg. Gleichzeitig weiß ich, dass die Diskussion um Ilia Gruev nicht mehr alleine durch die vor der Saison erhoffte Leistung beendet werden kann. Wahrscheinlich müsste die Mannschaft sehr viel besser spielen, als es das Saisonziel Klassenerhalt erwarten lässt. Erst dann wird Ilia Gruev die Zweifel an seiner Arbeit beseitigt haben. Eigentlich ist das kein schlechter Gedanke. Eigentlich könnten die Zebras heute bei Union damit beginnen, sehr viel besser zu spielen, als wir es erwarten.

Ein Feuerwerk möchte die Mannschaft entzünden, sagt Lukas Fröde. Das gefällt mir deutlich besser als irgendetwas abzuliefern. In Berlin habe ich übrigens gelesen, dass die Umkleideräume der Gäste saniert werden und die Mannschaft sich deshalb in Containern umziehen muss. Ein gutes Omen! Zurück zu den Wurzeln, heißt das. Zurück zu dem, was diese Mannschaft in den letzten zwei Jahren ausgezeichnet hat. Zurück zum Erfolg.

Spieltagslyrik – Was bei Union Berlin nicht geschah, dich will ich loben

Wenn ein Boot voll läuft und mit Pumpen, Eimern sowie den bloßen Händen das Wasser halbwegs rausgebracht wird, wirkt Kritik an der Ausführung des Wasserschöpfens mehr als kleinlich. Dann bin ich froh, dass jeder Hand anlegt und mithilft, damit das Boot im nächst gelegenen Inselhafen erst einmal Zwischenstation machen kann. Deshalb bin ich zufrieden mit dem Punkt in Berlin, den ich als Zweckpessimist nicht erwartet hatte. Ich bin sogar zufrieden damit, wie er erspielt wurde. Das war angesichts der letzten Spiele notwendig und eine realistische Herangehensweise.

Der MSV wollte diesen Punkt gegen Union Berlin mit allen Mitteln erreichen. Die Zielvorgabe für die Spieler hieß, ein Gegentor verhindern. Wenn wir selbst eines erzielen, ist das gut. Darauf drängen werden wir nicht. Die Berliner waren nach dem ausgeglichenen Beginn nur zum Ende der ersten und für die erste Hälfte der zweiten Halbzeit mit etwas mehr Nachdruck um den Sieg im eigenen Stadion bemüht. Je länger das Spiel dauerte, desto vorsichtiger wurden beide Mannschaften. „Kontrolliert sein“, das stand in großen Lettern auf mindestens zwei, drei Spickzetteln, die allen Spielern in die Stutzen gesteckt waren. Das torlose Unentschieden war ein folgerichtiges Ergebnis.  

Ich weiß nicht, wo ich es gestern im Netz als Überschrift gelesen habe, dieses Unentschieden nutze keiner der beiden Mannschaften. Ich habe den Text nicht aufgerufen, denn nach so einer Überschrift weiß ich, dieser Sportjournalist hat von der Zweiten Bundesliga keine Ahnung. Der MSV hat mit dem ersten Spiel nach meiner Tabellenrechner-Prognose nicht nur schon einen Punkt mehr, als ich kalkuliert habe. Die Mannschaft konnte mit dem Unentschieden den Glauben an sich selbst wieder zurück gewinnen. Sie konnte sehen, dass sie vorgegebene Ziele erreichen kann. Der Druck vor dem Spiel gegen Sandhausen ist nun deutlich geringer geworden. Ein Hohelied auf das Ergebnis:

Nachdem er das Spiel bei Union gesehen hatte

Was nicht geschah, dich will ich loben.
Du bist so oft von großem Wert.
Der Fall, der ist: zu hoch gehoben.
Was nicht passiert, bleibt ungeehrt.

Nicht nur Ereignis führt zum Ziel.
Auch Nichtgeschehen ergibt Sinn.
Denn torlos führt das Auswärtsspiel
zu dem erhofften Punktgewinn.

20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen Union, die die Welt noch nie gesehen hat

  1. Ein knapper Sieg war mein Wunschergebnis vor dem Spiel. Mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen. Nach dem Spiel waren beide Ergebnisse zugleich eingetreten. Das 1:1-Unentschieden fühlte sich nach einem Sieg an.
  2. Nur in den ersten 10 bis 15 Minuten ließ sich erkennen, warum Union Berlin mehr Punkte in der Saison hat gewinnen können als der MSV. In diesen Minuten: Mark Flekken, Fußballgott.
  3. Nach der Anfangsphase wurden die Berliner vorsichtiger. Ihnen war es nicht gelungen, das Offensivspiel konstant mit Ballbesitz zu entwickeln. Immer öfter mussten sie lange Bälle schlagen, die von der Zebra-Defensive souverän abgelaufen wurden.
  4. Die Berliner wurden vorsichtiger, weil die Zebras sich trotz des sehr guten frühen Pressings von Union immer wieder spielerisch befreien konnten. Gerade Cauly Souza und Fabian Schnellhardt hielten dem Druck auf engstem Raum stand. Sie behaupteten die Bälle in der eigenen Hälfte gegen drei, vier Gegenspieler nacheinander, um planvolles Spiel zu ermöglichen. So waren die Berliner gezwungen, sich auch um die eigene Defensive zu kümmern.
  5. Gute Chancen ergaben sich nicht für den MSV.
  6. Am Ende der Saison wird der MSV sich als Aufbau- und Weiterbildungsschule für Rechtsverteidiger im internationalen Fußballgeschäft einen Namen gemacht haben. Das neue Vereinsmotto: Rechts hinten fehlt euch noch ein Mann?/Wir zeigen jedem, dass er`s kann. Andreas Wiegel spielte sehr gut auf der für ihn ungewohnten Position.
  7. Trotz der wenigen Chancen war das Spiel nicht ereignisarm. Beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne.
  8. In der Halbzeitpause stellte ich erstaunt fest, wie entspannt ich der weiteren Saison entgegen sah.
  9. Der entspannte Blick wurde durch überraschende Nervosität der Zebras nach dem Wiederanpfiff gestört. Von der Vorhalbzeitpausensicherheit war in den ersten Spielszenen nichts zu merken. Erst ein Eckball für Union brachte einen Moment der Ruhe und leider auch das Führungstor für die Gäste.
  10. Da statistisch betrachtet nur etwa jeder hundertste Eckball zu einem Tor führt, arbeitet der MSV in dieser Saison daran, dass die restlichen Vereine dieser Profifußballwelt sich auf andere Defensivaufgaben konzentrieren können als auf Eckbälle.
  11. Entspannung, ade. Starke Zweifel über den weiteren Verlauf des Spiels waren angesichts Torchancenmangel sofort vorhanden.
  12. Den MSV beeindruckte das Gegentor nicht. Zufrieden sahen wir, wie der Druck auf das Tor von Union zunahm. Viele Chancen ergaben sich weiterhin nicht.
  13. Die Enttäuschung war mangels Torchancen um so größer, als der King nach einer perfekten Flanke im Fünfmeterraum an der richtigen Stelle mit dem falschen Körperteil war. Mit dem Oberschenkel hat er den Ball am langen Pfosten nur neben das Tor setzen können.
  14. Kingsley Onuegbu oder Stanislav Iljutcenko in der Startelf? Zuschauerlärmen beim Wechsel lässt bei Anhängern Tendenz für Iljutcenko vermuten. Zebrastreifenblog-Kees weicht nicht von seiner unlängst geäußerten Meinung zu dieser Frage ab und freut sich auf die nicht enden werdenden Diskussionen zum Thema.
  15. Moritz Stoppelkamp schien entweder unzufrieden gewesen zu mit seiner Leistung oder mit dem Ertrag. Einen Elfmeter brauchte er zwar nicht zu schießen, beim Freistoß an der Strafraumgrenze übernahm er aber die Verantwortung und schoss deutlich über das Tor. Da der Freistoß nach Foul an Iljutcenko aber hätte ein Elfmeter sein müssen, ist dieser Fehlschuss nicht verwunderlich.
  16. Warum zog der eingewechselte Ahmet Engin immer schon früh in die zugestellte Mitte, obwohl er den freien Raum am Flügel vor sich hatte?
  17. Der Ausgleich fiel durch einen Kopfball von Stanislav Iljutcenko nach einer Flanke von Kevin Wolze, die recht lange in der Luft war. Nach Torgefahr hatte diese Flanke nicht ausgesehen. So fiel das Tor etwas überraschend und umso begeisterter war unser Jubel.
  18. In den letzten Minuten des Spiels sah nichts mehr nach Niederlage aus. Stattdessen gab es sogar eine sehr leise Hoffnung auf einen Sieg. Große Chancen sahen wir zwar nicht mehr, aber der MSV blieb am Ball. Die Psyche macht’s.
  19. Zwei Seiten einer Medaille: Unser Gefühl eines Sieges entspricht dem Gefühl der Spieler bei Union, verloren zu haben.
  20. Ein guter Sonntag für einen Anhänger des MSV.

Zukunft durch Produktkonzentration nach Pokal-Aus

Bei uns in der Selbsthilfegruppe haben wir schon viele solcher Geschichten wie über den MSV am Sonntag gehört. Oft fließen dann Tränen. Wir Anonymen Unternehmenslenker kennen die Härten des Lebens. Da sitzen dann alte Herren der Familienunternehmen neben den CEOs von international operierenden Branchenführern, und ein paar Frauen haben wir auch dabei. Das ist gut, und es werden mehr. Alle kommen sie immer gerade von irgendeiner Besprechung. Alle haben eigentlich kaum Zeit, aber alle nehmen sie sich. Denn jeder von uns hat es schon erlebt, und wir wissen, es kann jeden von uns wieder treffen. Einer beschäftigt sich gerade mit Sicherheit wieder in seinem Unternehmen mit einem Produkt, bei dem es nicht so läuft. Irgendeiner muss gerade versuchen, das Beste draus zu machen. Oft steht dann am Ende die Entscheidung, weg vom Markt, hin zur Produktkonzentration.

Wenn das jemand schließlich ausgesprochen hat, ist alle Trauer auch fast schon verflogen. Dann sehen wir alle nach vorne. Das gilt immer. Ich war auch im Stadion beim Pokalspiel gegen Union Berlin. Was war das für eine Enttäuschung, diese 2:1-Niederlage nach Verlängerung.  Aber sprecht das mal nach: Wir bekommen nicht das, was wir uns wünschen, sondern das, was wir brauchen. So Sachen sagen wir Anonymen Unternehmenslenker ständig. Das hilft. Ivo, kann ruhig mal vorbeikommen und das ausprobieren.

Wenn die Mannschaft aus diesem Spiel Selbstvertrauen schöpft, ist mir um die 3. Liga nicht bange. In der ersten Halbzeit hat der MSV das Spiel bestimmt, und es wurde deutlich, woran es hapert. Je schneller das Spiel wird, je schneller die Gegenspieler den ballbesitzenden Spieler pressen, desto mehr geraten einige wenige Spieler des MSV so unter Druck, dass ihre Zielgenauigkeit im Umgang mit dem Ball leidet. Direkt vor dem Tor ist der Zeitdruck immer hoch. Deshalb braucht die Mannschaft auch viele Chancen, um ein Tor zu erzielen. Dennoch war eindrucksvoll zu erkennen, wie sehr diese Mannschaft inzwischen organisiert ist. Im Unterschied zu den letzten drei Spielzeiten verwirklicht sie sowohl offensiv als auch defensiv den Plan, den der Trainer dem Spiel zugrunde gelegt hat. Es gibt eine klare Struktur und aus dieser Struktur heraus entwickelt sich das Zufällige eines jeden Fußballspiels.

Dieses Spiel ist nicht mehr nur von der Dynamik des Augenblicks abhängig, die sich im Verlaufe eines Spiels durch den Erfolg einzelner entwickelt. Es macht Spaß, das zu sehen, und deshalb ist die Enttäuschung nach dem Spiel um so größer. Bis etwa fünf Minuten vor dem Schlusspfiff der normalen Spielzeit gab es alle Chance auf einen verdienten Sieg. Nichts wäre durch Glück ermöglicht worden. Alles wäre eigener Verdienst gewesen. Diesen Sieg gab es nicht zu feiern, weil die Kraft in der Verlängerung fehlte. Schon in den letzten fünf Minuten ließ sich vermuten, dass Unions Chance auf den Sieg größer geworden war.

Eine zweite Halbzeit lag hinter uns, in der der MSV zunächst weiter die Spielkontrolle behielt, wenn auch Union etwas stärker wurde. Dass das 1:0 für Union fiel, schien mir aber auch schon ein Zeichen erster Schwäche zu sein. Zu leicht fiel dieses Tor. Zu offen war die Defensive, irriritiert war die Konzentration der Defensive, als der Stürmer von Union im Zentrum des Strafraums völlig frei stand. Wider Erwarten ließ dieser Rückschlag die Mannschaft nicht resignieren. Sie spielte weiter, mühte sich in der engen Defensive um den Ausgleich und war erfolgreich.

Das ist ebenfalls eine gute Botschaft aus diesem Spiel. Die Mannschaft wird von einem taktischen Gerüst getragen, das ihr hilft nach Rückschlägen zurück zu kommen. Sie muss nicht auf Einzelaktionen vertrauen. Die Enttäuschung kann aufgefangen werden und mündet sofort in nächste Offensivaktionen. Stanislav Iljutcenko erzielte den Ausgleich nur kurze Zeit nach dem Rückstand, und alles schien wieder offen, wenn auch die Aktionen vor dem Tor nicht mal mehr zu Chancen wurden. Mark Flekken bewahrte kurz vor Schluss mit einem großartigen Reflex das Unentschieden. Das war das deutlichste Zeichen, es könnte schwer werden in der Verlängerung.

In der Verlängerung wurden die Offensivaktionen des MSV nicht mehr wirklich gefährlich. Dagegen kam Union dem Tor deutlich näher. Wir hofften auf das Glück. Dieses Glück blieb dem MSV vorenthalten. Es fiel der Siegtreffer für Union, in einer Spielsituation, in der einige Spieler des MSV so wirkten, als hätten sie auf den Pfiff des Schiedsrichters gewartet. Ein Handspiel bei Union wurde kurz reklamiert. Einige schienen verlangsamt zu reagieren, während Union munter weiterspielte. Den ersten Schuss von der Strafraumgrenze konnte Mark Flekken noch klären, den zweiten aus ähnlicher Distanz dann nicht mehr. Erst im Nachhinein zeigten die TV-Bilder, dass vor allem Fabian Schnellhardt dem Ball die Geschwindigkeit gegeben hat und der Stürmer Unions den Ball allenfalls etwas berührte.

Der MSV mühte sich weiter, doch kein kontinuierlicher Druck auf das Berliner Tor gelang. Die letzte Spielaktion war bezeichnend für das gesamte Spiel. Eine Chance, kein Tor. Noch einmal wurde der Ball hoch in den Strafraum geschlagen. Ich meine, es war Dustin Bomheuer, der den Ball per Kopf in Richtung hinteren Pfosten verlängerte, wo Simon Brandstetter vollkommen frei stand. Kein Torwart hätte seinen Ball aus dem Eck herausgeholt. Doch diese letzte Riesenchance wurde vergeben. Der Ball ging neben das Tor.

Wenn ich morgen wieder im Gemeinderaum mit meinen Anonymen Unternehmenslenkern zusammensitze, werde ich vom MSV erzählen. Mit dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal verliert der MSV  von jetzt auf gleich den Zugang zum Pokalmarkt, aber ich bin sicher, das wird nur vorübergehend sein. Wenn die Mannschaft sich nun auf ihre Kernkompetenz beschränkt, kann sie gestärkt in der nächsten Saison diesen Pokalmarkt angehen. Als Aufstiegsfavorit gehört die Mannchaft zu den Branchenführern der 3. Liga. Manchmal führt die Konzentration auf einen Markt erst zu dem Erfolg, der eine solide Basis schafft und alles weitere möglich macht. Wir Anonymen Unternehmenslenker wissen, wovon wir sprechen.

Wer den Blick aus Berlin kompakt haben möchte, ist beim Textilvergehen gut bedient, samt weiterführenden Links zu den lokalen Medien.

Karton mit Zehn-Watt-Hoffnungs-Glühbirnen gefunden

Heute muss es schnell gehen. Ich muss gleich meinen wieder entdeckten Vorrat an Zehn-Watt-Hoffnungs-Glühbirnen unter die Leute bringen. Endlich mal wieder ein bisschen Licht schon in der Woche, ganz zu schweigen vom Spieltag, an denen es in der letzten Zeit für uns alle ja doch ziemlich dunkel geworden war.

Selbst mein Spieltags-3-Watt-Hoffnungsglimmen war allerdings am Samstag während der ersten Halbzeit im Spiel vom MSV gegen Union Berlin auf einen 1-Watt-Rest runtergedimmt. Union spielte einen schön anzusehenden Kombinationsfußball. Das war sehr beeindruckend, wie Unions Spieler jederzeit wussten, in welche freien Räume die Mitspieler zogen, wie die Spieler selbst potentielle Wege des Balles aufnahmen und so ihren Mannschaftskollegen die Gelegenheit gaben, um schnelle Pässe zuzuspitzeln, um selbst scheinbar freie Bälle sofort wieder zu kontrollieren oder per Kopf sehr genau und bewusst abzuspielen. Das sah alles planvoll aus, blieb allerdings für diese Kombinationssicherheit erstaunlich ungefährlich. Sicher, es gab Chancen für Union Berlin. Doch so leicht und dynamisch wie diese Mannschaft sich an den Strafraum heranspielte, so wenig Durchschlagskraft hatte die Mannschaft vor dem Tor des MSV.

Meine Sorge vor diesem Kombinationsfußball erwies sich als zu groß, zumal auch der MSV ohne diesen Kombinationsfußball mit einem viel zufälligeren Spiel zu Chancen kam. Im Grunde sah die Spielweise des MSV nach dem Braunschweig-Spiel sogar in dieser ersten Halbzeit nach einem kleinen Rückschritt aus. Es fehlte der Offensive an Dynamik und der Defensive zu oft der Zugriff auf den Ball. Dennoch stand es zur Halbzeit torlos Unentschieden, dennoch hätte es auch gut 1:1 stehen können.

Die zweite Halbzeit begann, und das Spiel wurde anders. Mit dem Anpfiff war der MSV präsenter. Mit dem Anpfiff stellte sich endlich auch in der Spielanlage ein Gleichgewicht ein. Der MSV wurde besser, Union etwas schlechter und schon sah das Offensivspiel des MSV endlich so planvoll aus, dass meine Hoffnung nicht mehr nur gerichtet war auf das zufällige Herunterfallen eines Balles in Strafraumnähe bei zufälliger gleichzeitiger Anwesenheit eines Spielers im MSV-Trikots und weiteren Zufällen in der Folge. Passend für uns Duisburger kam in diese aufkeimende Hoffnung hinein der Elfmeterpfiff gegen den MSV. Eigentlich wurde ein aus der Ferne gefährlich wirkender Angriff von Union recht souverän geklärt; sofort wurde mit schneller Kombination das Gegenpressing überwunden, der Ball war auf Außen, zeitgleich brachte Rolf Feltscher  im Strafraum einen Spieler Unions zu Fall. War das so? Darf ich mit Recht sagen, selten ein so überflüssiges Foul im Strafraum gesehen zu haben?

Wenige Minuten später führte Union 1:0, und ich begann mir über Fortuna Köln und Auswärtsfahrten in den Osten Deutschlands Gedanken zu machen. Die Mannschaft hingegen war nur kurz irritiert. Sie hatte keine Zeit dazu, denn Victor Obinna und Nico Klotz wurden eingewechselt und schienen sich vorgenommen zu haben, den Ausgleich innerhalb der nächsten Minute zu erzielen. Vielleicht ging es den anderen Spielern auch von Anfang an so, aber dieser brennende Wille beider ragte heraus. Mit dem ersten Ballkontakt brachte Nico Klotz seine Gegenspieler ins Rotieren. Er war so schnell im Dribbling, suchte das Kombinationsspiel und ging mit einer Dynamik auf das Tor zu, die der Defensive von Union Angst machen musste. Ein ähnliches Bild bot Victor Obinna im offensiven Mittelfeld, wo er die freien Räume suchte, die hohen weiten Bälle gut behauptete und sie schnell verarbeitete. Das Spieltempo des MSV hatte angezogen.

Die Tore, die folgten, waren kein Zufall mehr. Diese Tore waren die Konsequenz jenes druckvolleren Spiels, das wir zu sehen bekamen. Den Ausgleich erzielte Stanislav Iljutcenko auf die intuitive Weise eines Weltklassestürmers. Diese Ballannahme im Strafraum mit dem Rücken zum Tor, die eine Selbstvorlage zum Fallrückzieher war, gehört zu den Unberechenbarkeit eines Instinktfußballers. Der 2:1-Führungstreffer fiel nur wenig später durch Nico Klotz, nach schnellem Kombinationsspiel über den linken Flügel, und auch das war ein wunderschön anzusehendes Tor.

Unsere Nerven hätte es beruhigt, wenn einer von zwei vielversprechenden Kontern über den ebenfalls eingewechselten Tim Albutat erfolgreich vollendet worden wären. Ein Freistoß von Union an der Strafraumgrenze auf deren linken Flügel wagte ich kaum mir anzusehen. Knapp strich der Ball über die Latte. Es war die größte Chance zum Ausgleich in einem Spiel, das der Schiedsrichter für unser Gefühl nicht abpfeifen wollte. Vier Minuten Nachspielzeit waren es ohnehin schon. Gefühlte zehn wurden es für mich. Erlösung mit dem Schlusspfiff und die plötzliche Erinnerung an den Karton im Keller mit diesen Zehn-Watt-Hoffungs-Glühbirnen. Die bringe ich jetzt erstmal unter die Leute.

Das MSV-Buch. Das Crowdfunding. Der Aufruf für die Titel-Suche

2015-09-26_B2Als ob ich in Berlin am Samstagmorgen das Ergebnis des Spiels vom MSV gegen Union schon geahnt hatte. Neben dem vor dem Spiel veröffentlichten Foto mit der optimistischen Miene gab es noch dieses zweite, das ich schnell nach hinten ins Archiv geschoben hatte und eigentlich vergessen wollte. Nun weiß ich immer noch nicht, welches Foto besser zur augenblicklichen Lage des MSV passt.

So Trainer kennen sich übrigens mit dem Leben aus. Die wissen, wie lang es dauert ein Saisonziel zu erreichen und dass die Durststrecken unweigerlich kommen. So stagniert nach den fantastischen Anfangstagen die Entwicklung beim Crowdfunding etwas. Aber noch ist Zeit. Die 5000er-Hürde, das nächste Nahziel, ist in Reichweite und natürlich bleibt das Saisonziel, die 8000er-Marke, weiter erreichbar.

Angesichts der anhaltenden Enttäuschungen in der gegenwärtigen Saison kommt es mir weiter ganz komisch vor, wenn ich mich so intensiv mit der Aufstiegszeit beschäftige. Das war doch gerade eben noch.

Wenn ihr mir helft, werdet ihr dieses merkwürdige Nebeneinander auch mitbekommen. Vielleicht fällt euch ja ein neuer Titel für das Buch ein. Ihr erinnert euch? „Zwei Jahre sind genug“ hatte es im Dorf nebenan schon einmal gegeben. Ein neuer muss her. Schreibt ihn in die Kommentare hier oder schickt ihn mir per persönliche Nachricht über die Kontaktseite. Ein Buch als Belohnung für die Top 3 brauche ich euch ja nicht versprechen. Ich überlege mir was anderes. Heute morgen weiß ich aber noch nichts Genaues. Berlin-Enttäuschung sitzt weiter tief und verhindert produktives Denken.

Und natürlich gilt weiter auch: Teilt weiter fleißig den Link zum Crowdfunding. Helft mit, weitere Unterstützer für das Buch zu finden. Alle weiteren Informationen zu meinem Buch und was ihr noch als Dankeschön für eure Unterstützung erhaltet, seht ihr mit einem Klick zur Crowdfunding-Plattform Startnext.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten

Advertisements

%d Bloggern gefällt das: