Posts Tagged '11 Freunde'

Die 11FREUNDE-Redaktion fragt – Kees Jaratz antwortet

Zurück in der 2. Liga – das heißt auch mehr Berichterstattung über den MSV durch die versammelten Fußballmedien und mehr Arbeit für mich. Wie gewohnt in den letzten Zweitliga-Jahren der Zebras landete nämlich die E-Mail  mit ein paar launigen Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion im Posteingang. Im Bundesliga-Sonderheft erscheinen dann die Antworten, die von den Erst- und Zweitligabloggern zurückgesendet werden. Ein paar Seiten kostenloser Content für 11FREUNDE. Damit kennen wir uns aus. Für euch nun exklusiv die Sonderedition Jaratz zum MSV des 2017er 11FREUNDE-Jahrgangs.

Die nächste Saison wird eventuell legendär, weil…

nicht nur der Klassenerhalt früh feststeht und die Teilnahme am Pokalfinale den Anfang einer langjährigen Erfolgsära bedeutet, sondern auch der 50-Millionen-China-Deal im Winter – siehe unten – den Verein endgültig saniert

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…

…haben alle im und um den MSV mit anfänglich sehr überlegener Spielweise und der Tabellenführung seit Spieltag neun samt Drittliga-Meisterschaft eine völlig neue Erfahrung des Dauer-Favoriten-Daseins gemacht. Dennoch wurde die Tradition nicht verraten, uns auf den Rängen bis zum Abpfiff am Erfolg zweifeln zu lassen. Tradition! Wichtig!

Auf diesen Videobeweis-Fauxpas freue ich mich besonders:

Foul ist Foul, auch wenn die foulenden Abwehrspieler klein und viele sind während der gefoulte Spieler alleine sowie athletisch und groß ist wie Kingsley Onuegbu. Würde ich gerne im Videobeweis mal sehen.

Für 50 Millionen in Richtung China verlässt uns im Winter…

…Physio, Greenkeeper und zwei Ticketing-Mitarbeiter. An Fußballer aus Deutschland traut sich nach Modeste-Deal-Fast-Scheitern gerade niemand ran.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil…

Beim Pyro-Abo sind wir wie alle dabei. Dazu plädiere ich für Sonderstrafen bei Mickie-Krause-Auftritten vor einem Spiel.

Die neue Vereinshymne sollte komponiert werden von…

Von niemandem. Reden wir nicht drüber, weil Hymnenkram schon immer gegenüber dem Besten vom Besten enttäuscht. Muss ich mehr sagen als Zebratwist?

Aus unserem Team unverzichtbar für Jogi Löw ist in Russland…

Wie Confed-Cup und U21-Euro zeigen, deutsche Fußballspieler hat Jogi Löw ja mehr als genug. Einen Spieler wie Branimir Bajic aber hat er nicht. Mit seinen fast 38 Jahren gibt er inzwischen durch die Aura seines Auftretens auch von der Bank aus Sicherheit bis in alle Ecken des Spielfelds. Wenn es nötig ist, auch auf dem Spielfeld präsent. Großartiger Mann. Deshalb Nationalitäten-Sondersstatus für den Bosnier Bajic.

Fußball schön und gut, aber Weltmeister würde unsere Truppe in…

Textsicherheit beim deutschen Party-Schlager der Gegenwart, der aufklärenden Arbeit des nigerianischen Schlagersammlers und -forschers Kingsley Onuegbu sei Dank.

Auswärts schmeckt gut: Die beste Bratwurst gibt es in…

Überall dort, wo Auswärtssiege den Blick aufs Wesentliche lenken und Geschmackssinne vernebeln.

Jetzt reicht’s: Das müsste passieren, damit ich nicht mehr ins Stadion gehe…

Ich interessiere mich schon jetzt kaum mehr für die Bundesliga oder Champions League. Aber als wandelnder Zuschauer-Widerspruch wird sich das natürlich sofort ändern, wenn mein Verein in die Nähe des nächst möglichen Erfolgs kommt. Sprich: ich weiß nicht, was passieren müsste.

Dieser Filmtitel beschreibt meinen Klub perfekt…

Zurück in die Zukunft

Dieser Twitter-Account ist für Fußballfans unverzichtbar…

Zu viele, um einen zu nennen. Schaut selbst.

Zweite Liga ist eh viel schöner als Bundesliga, weil…

…mich Bundesliga kaum mehr  interessiert. Siehe oben. Und Union Berlin und St. Pauli immer eine Reise wert ist, dabei Bochum und Düsseldorf um die Ecke liegen und die Chance zum Bundesligaaufstieg greifbar nahe ist. Denn siehe oben.

Das ist die zweitklassigste Zweite Liga seit…

…der MSV vor zwei Jahren schon einmal nach dem Zwangsabstieg wieder aufstieg und die Klasse nicht halten konnte. Deshalb beste Aussichten in dieser Saison. Siehe oben.

In der Relegation scheitert diesmal…

…nicht der MSV. Denn die Grammatik der Ruhrgebietssprache verbietet es, das Verb scheitern zusammen mit dem Kürzel MSV zu gebrauchen.

Und wenn ihr nun ganz andere Antworten gewusst hättet, ich bin gespannt. Nachspielzeit in den Kommentaren.

Pressesspiegel: Mehr als Fußball in 11 Freunde

Pressespiegel wollte ich immer schon mal schreiben in eigener Sache. Als nächsten Schritt denke ich an eine Presseabteilung für mein Ein-Mann-Unternehmen. Könnte eigentlich Der Stig übernehmen. Von dem haben wir hier schon lange nichts mehr gehört. Nun kann ich bei einer neuen Auflage von Mehr als Fußball neben einem Satz aus Funkes WAZ/NRZ ein weiteres Rezensions-Zitat auf den Buchrücken schreiben.  „…die zehntausende Retter von damals haben Kirmses SMS, den Wiederaufstieg und das Buch redlich verdient“ 11 Freunde.

Mehr als Fußball ist im MSV-Shop erhältlich, in den Duisburger Buchhandlungen, beim Versandbuchhändler-Oligarchen und natürlich bei mir selbst. Wer bestellen will, einmal das Kontaktformular ausgefüllt und das Buch ist fast schon im Haus.

Das MSV-Buch. Das Crowdfunding. Heute vorgestellt: Die Buchpakete

Ich bleibe mal beim Trainer-Kommentar zum Crowdfunding: Gestern haben wir die 5000er-Grenze überschritten. Darauf haben wir lange hin gearbeitet. Nein, Zeit zu feiern, haben wir nicht. Die nächste Aufgabe wartet. Jetzt gilt die volle Konzentration der 6000. Und dafür werden wir konzentriert weiter arbeiten. Ich sehe vor mir, wie der Trainer im Grunde im Aufbruch ist. Auch ich bin schon gedanklich bei der begleitenden Maßnahme für die nächsten Aufgabe. Ich möchte ich euch zu den beiden Büchern, die es im Paket zum MSV-Buch gibt, kurz einmal ein paar Stimmen mit auf den Weg geben. Vielleicht machen diese Worte über die Bücher Entscheidungen leichter.

Das eine Paket besteht aus dem MSV-Buch und 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen, bei dem Stefanie Kuhne mit im Boot war. Auch in dieses Buch über die Geschichte des Potts ist viel Herzblut geflossen. Es gibt einen Überblick über die Pott-Geschichte von der Antike bis in die jüngste Vergangenheit. Wer es zu Hause hat, wird mit den meisten bedeutsamen historischen Themen des Ruhrgebiets bekannt macht, ob es nun die Kultur, Alltagsgeschichte, politisches Geschehen und natürlich nicht zuletzt die Industriegeschichte ist. Mir ging es bei der Konzeption des Buchs um wichtige Geschichten für die Identität der Region, also Dortmunder Geschichten, die auch in Duisburg bedeutsam sind, und umgekehrt. Ich wollte nicht das Übliche der Pott-Romantik erzählen und populär sein. Deshalb habe ich mich besonders über eine Besprechung in einer Zeitschrift zur Ruhrgebietsgeschichte gefreut, die von Historikern verantwortet wird.

Geschichtskultur Ruhr, 01/2015

Die thematische Bandbreite ist außerordentlich groß. […] Das bietet Überraschungen und macht die Lektüre reizvoll.

Mit der Auswahl von Orten und Geschichten bietet das Buch tatsächlich “Insider-Wissen“, denn die Geschichten über die Geschichte dieser Orte sind längst nicht allgemein bekannt.

Das Buch lohnt sich. […] Es regt an zum Spazieren durch die Region und ihre Geschichte, zum genauen Hinschauen, zum Blick auf das Kleine, auf die Details, zum Wechsel der Perspektive. Ein Buch voller Anregungen für spannende Ausflüge und Spaziergänge.

Online ist die Besprechung nicht zu finden. Zu ausführlicheren Zitaten weiter mit einem Klick.

Es gibt noch einige andere Stimmen mehr zum Buch: Dorthin weiter mit einem Klick.

Das andere Paket besteht aus dem MSV-Buch und 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss, bei dem Frank Baade mit dabei war. Der bessere Titel wäre auch hier gewesen: 111 Fußballorte, die uns Geschichte erzählen. Denn mit diesem Buch ging es mir neben dem Sportlichen um die besondere Bedeutung des Fußballs für den Pott. Natürlich finden sich die klassischen Fußballorte wie Stadien und Trainingsplätze in dem Buch, dazu gibt es auch Wohnhäuser, Theater und Jugendzentren, die nicht im klassischen Sinne Ausflugsgelegenheiten sind aber Belege dafür, wie sehr der Fußball dem Ruhrgebiet Identität gibt.

Christoph Biermann etwa meinte im Juli 2013  in 11 Freunde zum Buch folgendes.

2013-11freunde_fussballorte

Zu den Leserstimmen bei Amazon weiter mit einem Klick.

So viel zu den Buchpaketen. Einen Programmhinweis gibt es auch noch. In der heutigen Folge von Zebravision gibt es einen Beitrag zum Zebrastreifenblog und zum Buchprojekt. Letzten Freitag habe ich mit Birte Köppen an der Westender Straße gesprochen. Wer es im TV im Programm von Studio 47 nicht sieht: Der Clip wird morgen auch hier online sein.

Und natürlich gilt wie immer: Erzählt vom Buchprojekt. Helft mit, weitere Unterstützer für das Buch zu finden. Alle weiteren Informationen zu meinem Buch und was ihr noch als Dankeschön für eure Unterstützung erhaltet, seht ihr mit einem Klick zur Crowdfunding-Plattform Startnext.

Saisonvorbereitungsabschluss – Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion abarbeiten

Die Ansprüche während der Saisonvorbereitung in der 2. Liga sind ganz andere als in den letzten zwei Jahren. In der 3. Liga hat man viel mehr Ruhe, um konzentriert zu arbeiten. Zurück in der 2. Liga, das heißt auch, der MSV steht wieder viel mehr im Blick der Öffentlichkeit. Die Medien erzählen ihre Geschichten über den Verein. So plingte irgendwann eine Mail  aus der 11FREUNDE-Redaktion ins Postfach mit ein paar launigen Fragen. Im Bundesliga-Sonderheft erscheinen dann die Fragebogen, die von den Erst- und Zweitligabloggern zurückgesendet werden. Wie immer hieß es, am besten unterhaltsam sein. Da hatte sich in zwei Jahren Zweitliga-Abwesenheit des MSV nichts geändert. Unverändert war auch ein gewisser Humor-Zwang, der aus der Fragestellung sprach. Aber diese Art Kalauern überlasse ich denen in der Redaktion, die werden schließlich bezahlt dafür. Ich bin außerdem mal gespannt, ob die Redaktion es dieses Mal schafft, mir ein Belegexemplar zuzusenden.

Darum muss man meinen Blog lesen:
Am besten selbst mal gucken – ansonsten gilt: unabhängig, bewusstseinserweiternd und Ruhrstadt fördernd

Die neue Saison könnte ganz eventuell legendär werden, weil …
die DFB-Pokalfinalrevanche gegen Schalke glückt, das Stadion auch bei Niederlagen voll bleibt und alle Aufstiegsfavoriten bei frühem Klassenerhalt mit Kantersiegen aus dem Stadion geschickt werden.

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann …
war sie legendär, weil der MSV nach einem holprigen Saisonanfang mit dem beeindruckenden Lauf im letzten Viertel der Saison den Aufstieg geschafft hat und wieder dort angekommen ist, wo er mindestens hingehört.

Wenn ich hektisch mein Schweizer Nummernkonto leerräumen muss, kaufe ich meinem Klub
so viele Studentenwohnheime wie möglich in Köln oder München, um mit den Mieteinnahmen dauerhaft meisterschaftstaugliche Kader zu finanzieren.

Mein schlimmster Albtraum…
ist vor zwei Jahren mit dem Zwangsabstieg Wirklichkeit geworden. Jeder andere Traum ist seitdem ein schöner Traum gewesen.

Mein Held vergangener Jahre…
Wird es langweilig, wenn ich immer dieselben Spieler der 70er nenne? Kees Bregmann, Kurt Jara oder Bernard Dietz. Ich kann ja das nächste Mal für die etwas Jüngeren Bachirou Salou sagen.

Die lustigste Fan-Aktion der vergangenen Saison war …
…nicht vorhanden. Trotz guter Laune in Duisburg passt „lustig“ zu keiner Fanaktion in der Zeit nach dem Zwangsabstieg. Dazu war das Ziel Aufstieg einfach eine zu ernste Angelegenheit.

Auf Auswärtsfahrten darf niemals fehlen…
… Handykontakt zu verstreuten Mitfahrern. Eintrittskarte nehme ich aber auch schon mal gerne mit.

Das müsste passieren, damit ich nie wieder in Stadion gehe…
Schwierige Überlegung. Wenn diese Selbstbesoffenheit des ganzen Betriebs inklusive Fans noch größer wird? Wenn das Geschäftsmodell Wrestling als Ziel immer klarer erkennbar wird?

Meine Klatschpappe benutze ich beim nächsten Stadionbesuch um…
Als Ruhrstadt-Kölner sage ich dazu nur, Klatschpappen sind für mich persönlich uninteressant.

Unser aktuelles Trikot ist…
endlich so designt, dass es noch finanzkräftigere Sponsoren zur Trikotwerbung einlädt. Endlich Raum für Namen! Kein Fremdkörper mehr auf den Streifen!

Wenn Peter Neururer bei unserem Klub als Feuerwehrmann anheuert, dann…
Haben wir doch schon alles hinter uns und überlebt. Mit dieser Frage seid ihr für Duisburg nicht auf der Höhe der Zeit.

Zweite Liga ist viel schöner weil…
Zweite Liga nicht Dritte Liga ist.

Auf diese Schlagzeile warte ich schon seit Jahren…
Leichte Frage für einen Blogger – der braucht nicht zu warten, der macht jede Schlagzeile, die er will, selbst.

Diesen Fußball-Twitteraccount habe ich immer im Auge
Immer: Keinen. Täglich: zu viele.

Mein unrealistischer Fünfjahresplan…
Durchmarsch in der 2. Liga plus Pokalgewinn. Euroleague-Teilnahme in der Folgesaison mit Erstrundenaus aber nochmaliger Qualifikation als Tabellenfünfter. Investition der Überschüsse in Studentenwohnheime in Köln oder München. Dann Kader erweitern, verdienten Spielern Vereinsjobs geben und Serienmeister werden.

Fußball gucke ich am liebsten…
Wie schon vor 40 Jahren: Im Stehen. Im Stadion. Neben Freunden.

Die Zweite Liga verlässt nach oben:
War das nicht die Hälfte der Liga? RB Leipzig muss es ja sein zur Rangnick-Entlastung. Dazu ein Überraschungskandidat. Könnte natürlich einer sein, der traditionellerweise von mir nie ausgesprochen wird, ehe rein rechnerisch nichts mehr möglich ist. Relegation siehe unten. Und eben der Rest.

Und nach unten…
War das nicht die andere Hälfte der Liga? Der MSV aber nicht. Der Rest mag sich drum streiten.

Gegner des HSV in der Relegation wird
Arminia Bielefeld, damit Norbert Meier endlich mal Schluss macht mit diesem Dino-Gedöns. Der weiß, wie es geht.

Folgender Filmtitel beschreibt meinen Verein perfekt
Zu Ende ist alles erst am Schluss

Wenn ich Trainer wäre, würde ich zuallererst…
nichts verändern, läuft alles gerade ganz gut.

Der USA-Franchise-Name meines Klubs wäre…
Harbour City Zebras

Dieses Extra würde unser Stadion perfekt machen:
Vernünftig geregelte An- und Abfahrt.

Bei den folgenden Fragen habe ich gepasst, die blieben ohne Antwort: „Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil wir im Stadion…“, „Wenn Aliens auf der Erde landen und ich ihnen Fußball erklären müsste, würde ich sagen…“ und Die Superkraft meines Vereins ist…

Und wenn ihr nun ganz andere Antworten gewusst hättet, ich bin gespannt. Nachspielzeit in den Kommentaren

Michael Tönnies im Interview bei 11 Freunde

Nicht oft verdichtet sich eine Fußballerkarriere an einem Spieltag so, dass ein einziges Spiel wie ein hochkonzentrierter Extrakt der Fähigkeiten eines Fußballers wirkt. Gibt es dafür ein besseres Beispiel als der Auftritt von Michael Tönnies im Heimspiel des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC am 27. August 1991? Ihm gelangen an dem Tag fünf Tore, drei davon als Hattrick zwischen der 10. und 15. Minute. Das ist immer noch der schnellste Hattrick der Bundesligageschichte.

Michael Tönnies war während der letzten Saison zur Legenden-Vorstellung im Stadion. Er konnte nicht auf das Spielfeld kommen und blieb auf der Tribüne sitzen. Zu anstrengend wäre der Gang runter wegen seiner Lungen-Erkrankung gewesen. Im Interview mit 11 Freunde erzählt Michael Tönnies nun von dieser Erkrankung und wie es ihm im Moment geht. Nachdem ich seine unprätentiösen und wahrhaftigen Worte über Ängste und Hoffnungen gelesen hatte, war es erneut schwierig für mich, Worte zu finden. Wir können ihm nur Kraft wünschen für den weiteren Weg mit seiner Erkrankung. Manchmal wirken selbst Worte aus einer etwas entfernteren Ecke. Die Bilder zu diesem Tag des Tönnies-Extrakts finden sich im Netz als damaliger Spielbericht von RTL.

Saisonvorbereitung – Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion beantworten

Mitte Juni plingte eine Mail aus der 11-Freunde-Redaktion ins Haus. Die wollten noch ein paar Seiten ihres Quasi-Sonderheftes für die neue Saison füllen, und unversehens stand ich vor der Aufgabe „möglichst rasch“ einen Fragebogen zu beantworten. In Teilen bietet der Fragebogen Vorlagen für Humor bei den Antworten, was die 11-Freunde-Redaktion wohl als Anreiz für den Arbeitsauftrag Wunsch „unterhaltsam sein“ verstanden wissen wollte. Doch natürlich geht es bei solchen Fragen zum Verein der eigenen Zuneigung eigentlich um verdammt ernste Dinge. Den Spagat musste ich erstmal hinkriegen.

Für uns, die wir ab Sonntag das Wort Saisonvorbereitung für knapp ein Jahr wieder vergessen, kommt die Veröffentlichung des Hefts Ende Juli zu spät. Ich vermute jedenfalls, dass dieser Saisonausblick als August-Nummer veröffentlicht wird. Wo sich doch überall zeigt, dass dieser vorgezogene Zweitliga-Start keine sonderlich gute Idee gewesen ist. Ich will euch meine Antworten nicht vorenthalten. Mein Gefühl sagt mir nämlich, in diesem Haus hier kämen sie zeitgleich mit der Veröffentlichung im Print-Magazin viel zu spät. Da ist es längst schon wieder ganz ernst geworden in Duisburg und manch launiger Ton besäße vielleicht Fettnapf-Potential. Alles zu seiner Zeit.

Betretet also ohne Scheu den roten Teppich und kneift die Augen zu, wenn der Wander-Spot euch blendet. Lest unbekümmert weiter. Heute präsentiert der Zebrastreifenblog ohne die freundliche Unterstützung von irgendjemand die exklusive Preview von „11FREUNDE fragt – Kees Jaratz antwortet„.

11FREUNDE: Die neue Saison wird unvergesslich, weil…

Kees Jaratz: … alles so aussieht, als gebe es beim MSV Duisburg nach langer Zeit wieder eine Vorstellung davon, dass im Fußball zwar Siege das Ziel sind, darüber hinaus aber ein Bild innerhalb des Vereins davon vorhanden sein muss, was ihn auch in erfolglosen Zeiten ausmacht. Die souverän herausgespielten Auswärtssiege gegen Fortuna Düsseldorf, Eintracht Frankfurt und den VfL Bochum, sowie die unglaubliche Heimserie von 17 Spielen mit nur einer Niederlage, empfinde ich dagegen als eher nebensächlich.

11FREUNDE: An die alte Saison werde ich mich lange erinnern. Warum?

Kees Jaratz: Siehe oben, erster Satz. Hinzu kommt, es wurde immer wieder schön anzusehender Fußball gespielt. Da waren wir in Duisburg sehr entwöhnt. Zwar konnte dieser Fußball nicht über die gesamte Saison in der Liga gezeigt werden, doch durch die Erfolge im Pokalwettbewerb entstand ein wunderbarer Rhythmus von wechselhaftem Liga-Alltag und Erfolg. Und selbst das  DFB-Pokalfinale endete mit solch einem traumhaften Erfolg, wenn auch den Rest von Fußballdeutschland das wahrscheinlich überraschen wird. Immer wieder wurde ich nämlich von Freunden auf die „hohe Niederlage“ angesprochen, doch mir ging es gut. Der Grund dafür waren die letzten zehn Minuten dieses Finales, in dem der ununterbrochene Gesang von 20.000 Anhängern des MSV Duisburg zu hören war. Zehn Minuten, die die Niederlage vergessen machten. In diesen zehn Minuten drückte sich Identität, Zusammengehörigkeit und ein Bewusstsein von Stärke aus; Stärke, die aus den Menschen selbst kam und zu der kein Gegner notwendig war, der als Feind die Masse einte und niedergemacht werden musste. Das war ein utopischer Moment.

11FREUNDE: Drei Wünsche frei:

Kees Jaratz: Erstens: Ich hätte nichts dagegen, wenn der Dreijahresplan innerhalb von zwei Jahren verwirklicht werden könnte. Muss ich hinzufügen, dass ich meine nebensächliche Vision von oben dazu für eine gute Grundlage halte? Zweitens: Möglichst wenig Samstagsspiele, die sind einfach zu früh für Markteinkauf, zweites Frühstück und so einen Kram. Und wenn, drittens, dann noch der MSV Duisburg sein Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli am Montag bestreiten könnte, dann wird das auch was mit der Saison inklusive der Auswärtsfahrt nach Hamburg.

11FREUNDE: Dein größter Albtraum:

Kees Jaratz: Seitdem Ailton Spieler und Peter Neururer Trainer beim MSV Duisburg waren, kann mich nichts mehr schrecken.

11FREUNDE: Lieblingsspieler im aktuellen Team:

Kees Jaratz: Für Anhänger von ambitionierten Zweitliga-Vereinen mit Dreijahresplänen meist eine schwierige Frage, weil es im Kader nach jeder Saison doch sehr viel Austausch gibt und gerade Lieblingsspieler häufig auch Lieblingsspieler von Fans anderer Vereine werden wollen oder müssen. Lieblingsspieler können also für mich grundsätzlich nur Spieler sein, die ich bei meinem Verein schon mehr als ein Spiel spielen gesehen habe. Bleiben mir bei einem Kader von bislang 27 Spielern 10 zur Auswahl, und da sage ich heute Branimir Bajic, weil er in unaufgeregter Weise eine eindrucksvolle Präsenz auf dem Spielfeld zeigt. Morgen könnte es übrigens auch Benjamin Kern sein.

11FREUNDE: Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:

Kees Jaratz: Da komme ich an Kees Bregmann nicht vorbei. Für mich als Jugendlichen, der Amsterdam in den 70ern als ein Versprechen auf Freiheit und cooles Leben ansah, war er der lebendige Beweis, dass an diesem Versprechen etwas dran sein musste. Ein Libero aus Holland, der im eigenen Strafraum die Nerven hat, den Ball mit dem Hintern zu stoppen. Ein technisch perfekter Spieler, der in eben diesem eigenen Strafraum auch mal erst zwei, drei Gegenspieler ausspielt, ehe er den Ball in die sichereren Gefilde des Spielfelds passt. Morgen könnte mein Lieblingsspieler übrigens auch Kurt Jara oder Bernard Dietz sein.

11FREUNDE: Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:

Kees Jaratz: Humor war in Duisburg während der letzten Saison nicht unbedingt nötig. Zu sehr bestimmte die Erleichterung über den sich ändernden Verein die Stimmung. Da wurde zudem weniger mit Worten als mit Bildern gearbeitet, sprich: in die eindrucksvollen Choreografien floss die kreative Energie. Dass die Fans in Duisburg sehr wohl witzig sein können, hatten sie in der Saison zuvor bewiesen, die nur mit Witz und Humor ertragbar war. Wer´s versteht: „Außer Ente könnt´ihr alle gehen!“

11FREUNDE: Das schau ich mir nicht mehr an!  Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?

Kees Jaratz: Rückenbeschwerden? Ich kann mir Fußballspiele so schlecht im Sitzen ansehen. Ich brauche ein wenig Raum zur Bewegung, um den Ball notfalls mit ins Tor zu schießen und in Gefahrensituationen dazu beizutragen, dass unsere Verteidiger den Ball im letzten Moment wegspitzeln.

11FREUNDE: Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil :

Kees Jaratz: Auf das Spiel beim SC Paderborn. Da geht es in die angeheiratete Heimat.

11FREUNDE: Unser aktuelles Trikot…

Kees Jaratz: Ich bin nicht so sehr der Mann für modische Details und Applikationen. Hauptsache das Heimtrikot hat blau-weiße Streifen und das Auswärtstrikot ist nicht rosa oder Müllmann-orange. Dann ist alles gut.

11FREUNDE: Als Nachfolger für Udo Lattek schlage ich aus meinem Verein vor:

Kees Jaratz: Vor zwei Jahren hätte ich den damaligen Torwart-Trainer Manfred Gloger vorgeschlagen, der mit seiner rustikalen Art noch sehr im Fußball alter Tage verwurzelt ist. Heute ist er bei Fortuna Düsseldorf angestellt. Milan Sasic könnte den Job sicher auch gut übernehmen. Sein bildhaftes und von der kroatischen Muttersprache eingefärbtes Deutsch macht den Fußball dieser Tage immer sehr anschaulich. Zudem besitzt er trockenen Humor und ein gutes Gespür für Timing. Aber der hat keine Zeit, der muss im Moment auch noch Sportdirektor sein.

11FREUNDE: Im Stadion brauche ich nur Wurst, Bier und…

Kees Jaratz: … keinen Schreihals im Rücken, der bei seinem Ärger über das Spiel immer glaubt und das dann auch in die Welt rausbrüllt, schlechte Leistung habe irgendwas mit der Herkunft von Spielern zu tun.

11FREUNDE: Was unserem Stadion / Klub fehlt ist …

Kees Jaratz: … zur Zeit nur noch ein zweiter linker Verteidiger. Da gibt es zwar noch etwas mehr, aber ich müsste länger ausholen und dazu fehlt jetzt die Zeit.

11FREUNDE: Die Zweite Liga verlässt nach oben  ….

Kees Jaratz: … wahrscheinlich doch erstmal nur eine Mannschaft. Und das ist wahrscheinlich bei allem Favoritenstraucheln in diesem Jahr doch wieder der starke Erstliga-Absteiger Eintracht Frankfurt. Sollte ich eine zweite Mannschaft definitiv nennen, müsste ich doch meinem Herzen folgen und da will ich alten Gepflogenheit gemäß, für den MSV Duisburg nicht das Unaussprechliche nennen. Natürlich werden es die Fürther auch mal wieder versuchen und nicht schaffen. Ob der FC St. Pauli als Wundertüte oben dauerhaft dabei sein wird? Der VfL Bochum auf jeden Fall. Es ist wie immer in der 2. Liga, die Vergabe von Platz zwei und drei sind nicht sonderlich vorhersehbar. Schließlich sehen sich bis auf wenige Ausnahmen die meisten Vereine der 2. Liga mittelfristig auf dem Weg in die Bundesliga. Da kann sich der ein oder andere immer auch überraschend kurzfristig Hoffnung machen.

11FREUNDE: Und nach unten:

Kees Jaratz: Dieses Jahr glauben auch die griesgrämigsten Unken in Duisburg nicht, dass der MSV dabei sein wird. Das war im letzten Jahr noch anders. Der Rest interessiert mich heute erstmal nicht.

11FREUNDE: Relegationsspiele sind super, …

Kees Jaratz: … weil wir alle von der Abstiegsangst gebeutelten noch immer das Entsetzen spüren, wenn am letzten Spieltag in der 90. Minute irgendwo auf einem anderen Platz doch noch so ein blödes Kopfballtor zum Ausgleich fällt und da irgendein Schlunzverein gerettet ist, während der hart umkämpfte Auswärtssieg meines Heldenvereins seinen Sturz auf Platz 16 nun doch nicht aufhält. Dank der Relegationsspiele gibt es aber heute unter den Spielern ein allgemeines Durchschütteln, weil das die Sportdirektoren in den Interviews nach dem Spiel so vorgeben, während wir auf den Rängen unser Schweigen nach einem tiefen Atemzug beenden und mit dem hilfreichen Satz weiter hoffen: „Dann gewinnen wir eben die Relegation.“ Was für den Erstligisten dann ja auch sehr wahrscheinlich ist.

11FREUNDE: Oder doch nicht so super, …

Kees Jaratz: … weil  sich der Verein meiner Zuneigung in einer höllenlangen Zweitligasaison nach einer desaströsen Hinrunde in einer nie da gesehenen Aufholjagd  am letzten Spieltag  durch einen 7:1-Kantersieg gegen den schon lange aufgestiegenen Zufallsabsteiger der letzten Erstligasaison souverän auf Platz 3 schwingt und  wir wissen, dass das alles doch nichts genützt haben wird. Die Relegationsspiele werden entweder ohnehin vom Erstligisten gewonnen, und wenn der unwahrscheinliche Fall einträte, dass unser Verein siegreich aus den Spielen hervorginge, bliebe einfach viel zu wenig Zeit, um einen ausreichend starken Kader für die Erstliga-Saison zusammen zu stellen. 2. Liga, unser Verein käme wieder.


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