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Wenn Fieberfantasien wirklich werden – Kees Jaratz, Gott der 2. Liga

Erinnerungen sind selbst auf kurzer Strecke keine verlässliche Quelle für die Fakten der Vergangenheit. Ende März hatte ich mit hohem Fieber im Bett gelegen. Wir hatten uns mit dem Abstieg des MSV angefreundet, doch hohes Fieber setzt das normale Denken gerne außer Kraft. Plötzlich spürte ich wieder die Macht des Tabellenrechners, den ich zum Wohle des MSV einsetzen wollte. Die Fieberfantasie sah wieder vielversprechend aus. 

Meine Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt war in den letzten drei Wochen aber anscheinend so groß, dass ich den damals schon wunderhaften Relegationsplatz als Vorhersage gar nicht mehr richtig im Kopf hatte. Ich dachte, ich hätte den 15. Platz prognostiziert.

Doch weit gefehlt, der MSV hat mit Ausnahme der Verdrehung der Heidenheim- und Nürnberg-Ergebnisse genauso  gespielt, wie ich es gewünscht habe. Es sieht so aus, als sei die Wirklichkeit Kraft des Tabellenrechners erst geschaffen worden. Allerdings haben einige der anderen Vereine die Wirklichkeits-Baupläne anscheinend verkehrt herum gehalten. Da das aber Frankfurt und Düsseldorf gleichzeitig gemacht haben, hat sich das wieder ausgeglichen.

Ich weiß es nicht genau, wie oft ich den Tabellenrechner in kritischen Saisonphasen zum Wohle des MSV inzwischen angewendet habe. Viermal? Bislang hat sich die Wirklichkeit in Abstiegsfragen immer daran gehalten, was ich vorhergesagt habe. Gott der 2. Liga spielen, fühlt sich gut an. Ihr wisst schon, Allmacht und so. Wundert euch nicht, wenn Fußballanhänger demnächst in einer Nischensekte ihr Seelenheil finden können.

Diese göttliche Größe strahlt übrigens gerade nicht auf die beiden Relegationsspiele aus. Da verfalle ich wieder in alten menschlichen Aberglauben. Alles in mir sträubt sich, es zu schreiben, was wir alle wünschen.  Das Schicksal möchte ich nicht herausfordern. Soll das mit dem Nischenangebot fürs Seelenheil was werden, sollte der MSV in Zukunft solche Entscheidungsspiele vermeiden.

Die Wirklichkeit

14. Fortuna Düsseldorf:  35 (31)   + 4
15. TSV 1860 München:  34 (32)  + 2
16. MSV Duisburg:  32 (32) +/- 0
17. FSV Frankfurt 32 (35) – 3
18. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0

 

Die Prognose

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Fieberfantasien mit Tabellenrechner

Am Montag begann meine Erkältung mit starkem Husten und heftigem Krankheitsgefühl. Sie nahm einen für mich klassischen Verlauf. Der leichten Besserung am zweiten Tag folgte Fieber am dritten. Da lag ich also im Bett, war genervt, las zuweilen etwas ohne Konzentration, döste ein, guckte wach werdend, was Facebook und Twitter mir ins kranke Leben reinschickten und langweilte mich immer mal wieder. Mir war heiß – trockene Hitze auf der Haut in müder Unruhe.

Plötzlich hörte ich ein Flüstern: „Weißt du noch, wie es schon zweimal war? Du warst Gott der Zweiten Liga.“

Oh, nein, dachte ich, das glaube ich jetzt nicht.

Das Flüstern wurde lauter. „Der Tabellenrechner“, raunte es, „Du hast es in der Hand. Die Mannschaft braucht dich. Jetzt, in diesem Moment. Mach es!“

„Das hilft doch nichts“, warf ich ein, „jetzt doch nicht mehr. Die Ausgangslage war damals beide Male sehr viel besser“.

„Unsinn“, hörte ich, „das denkst du nur. Hast du nicht gerade noch geschrieben, die Mannschaft spielt inzwischen so, dass ein Platz im unteren Mittelfeld kein Problem gewesen wäre, wenn sie von Anfang an  so aufgetreten wäre?“

Jetzt diskutierte ich mit der Wand über den MSV. Ich fasste es  nicht und rief: „Ich habe aber auch geschrieben, diese Mannschaft kann ein Spiel nicht unbedingt gewinnen. Sie braucht Glück. Glück! Manchmal klappt’s auch, wenn sie gar nichts mehr zu verlieren hat.“

„Und? Ist es etwa gerade anders?“, raunte es beruhigend.

Die Seite vom Kicker war bereits geöffnet. Wer machte so etwas? Ich starrte über den Laptopbildschirm hinweg ins Leere und hörte immer weiter diese Stimme. „Ein Sieg gegen Heidenheim. Fang klein an.“

Ich traute meinen Ohren nicht. Der letzte Rest gesunder Verstand meldete sich zaghaft, während die Stimme immer hoffnungsfroher klang: „Sechs Punkte. Du packst das. Acht Punkte! Quatsch Relegation. Klassenerhalt. Streng dich an.“

„Aber…“, begann ich und hatte schon das 1:0 gegen Heidenheim eingetippt. Weiter ging es, und wenn ich mir das heute morgen alles ansehe, habe ich in meinem Fieberwahn nur ein einziges ganz unwahrscheinliches Ergebnis vorgegeben, sieht man mal davon ab, dass Siege vom MSV in gewisser Weise grundsätzlich wenig wahrscheinlich sind in dieser Saison. Dieses sehr unwahrscheinliche Ergebnis ist ein Sieg des MSV gegen RB Leipzig, denen ich am letzten Spieltag eine mächtige Aufstiegsfeierlaune verordnet habe. Dafür gab es in Sandhausen ein Unentschieden. Notfalls lässt sich das noch tauschen. Relegationsrang habe ich geschaffft als Zweitliga-Gott im Fieberwahn per Tabellenrechner.

Seht selbst. Und wenn ich dann bei diesem dritten Male meines göttlichen Tabellenrechner-Daseins mit der Saisonziel-Gelingensprognose zum ersten Mal scheitern sollte, hat´s mir zumindest dabei geholfen, wieder gesund zu werden.

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Saisonvorbereitung: Die Aufsteiger zur 2. Bundesliga und ihre Platzierungen

Jetzt kann ich es ja sagen. Den Link als Grundlage für diesen Text über die Platzierungen der Zweitligaaufsteiger habe ich schon zu Beginn der letzten Saison ins Archiv gelegt. Vorarbeit leisten, wenn alles gut ausgeht für den MSV. Ihr seht, manchmal fordere ich das Schicksal wagemutig heraus. In der letzten Saison stieg RB Leipzig erstmals in die Zweite Liga auf. Der Rotebrauseblogger schreibt über den Verein und machte sich vor dieser ersten Zweitligasaison seines Vereins vor der Saison einige Arbeit. Mal sehen, wo die Zweitliga-Aufsteiger in all den Jahren am Ende gelandet sind, so hieß der selbst gestellte Arbeitsauftrag.  In seinem lesenswerten Text wertet er die Aufsteigerplatzierungen seit der Saison 1994/1995 aus und zieht daraus entsprechende Schlüsse für die Chancen der Aufsteiger, die man sich im einzelnen am besten per Weiterklicken dort anschaut.

Hier will ich nur eins herausgreifen: Bei dem für den MSV ausgegebenen Saisonziel ist eine Zahl sicher am interessantesten: 52 von 76 Aufstiegen endeten mit dem Klassenerhalt. Zählt man die Aufsteiger aus der letzten Saison hinzu, wird daraus 55 Klassenerhalte von 79 Aufstiegen. Hoffnung macht außerdem, dass es meist nicht die großen Vereine waren, die direkt wieder abstiegen. Andererseits gehörte Arminia Bielefeld im letzten Jahr dazu, und die Strukturähnlichkeit dieses Vereins mit dem MSV ist uns ja bekannt. Es ist wie immer mit Statistiken, sie lasssen sich so und so deuten.

Die letzte Saison bot statistisch gesehen ohnehin  ein besonderes Ergebnis, weil der SV Darmstadt 98 der Durchmarsch in die Bundesliga gelang. Das war bis dahin fünf Vereinen gelungen, vier davon stiegen allerdings vor 1999 direkt auf. Nur der TSG Hoffenheim gelang danach noch einmal der Durchmarsch. Der Rotebrauseblogger zieht daraus den berechtigten Schluss, dass viel Geld für den Bundesligaaufstieg nötig ist und selbst dazu noch etwas hinzukommen muss.  Denn die TSG Hoffenheim brauchte trotz großen Budgets in der 3. Liga mehrere Anläufe für den Zweitligaaufstieg. Der Aufstieg des SV Darmstadt 98 ist deshalb auf zweierlei Weise die Ausnahme von der Regel. Zum einen geschah der Aufstieg mit bescheidenen finanziellen Mitteln, zum anderen ohne große Vorbereitungsspielzeiten in der 3. Liga. In der Saison 2011/2012 war der Verein gerade erst in die 3. Liga aufgestiegen und spielte fortan erst einmal in der unteren Tabellenhälfte, zum Teil gegen den Wiederabstieg.

Weshalb ich  – und wahrscheinlich noch einige andere –  sofort an Kosta Runjaic denken muss. Er trat zu seiner Zeit beim MSV in der Öffentlichkeit sehr nüchtern auf, doch vielleicht kann er im Privaten dem Leben seine ironischen Züge abgewinnen. Der Aufstieg seines Ex-Vereins gibt ihm jedenfalls die Möglichkeit dazu. Als der MSV Duisburg ihn aus seinem Vertrag bei Darmstadt heraus verpflichten wollte, verließ er Darmstadt sicher wegen der vermeintlich besseren Aussichten in Duisburg. Der Zwangsabstieg kam dazwischen. Doch mit dem 1. FC Kaiserslautern fragte sofort ein anderer Verein mit noch viel größerem Potential für den Bundesligaaufstieg an. Doch dann steigt eben jener Verein in die Bundesliga auf, den Kosta Runjaic drei Jahre zuvor wegen der besseren Aussichten anderswo, verlassen hat. So viel zum Thema „planbares Leben“.

Zurück zu den Zweitligaaufsteiger-Bilanzen – noch einmal: wer sich in die genaue Statistik vertiefen will, dem sei das Weiterklicken zum Rotebrauseblogger empfohlen. Hier nur noch kurz das Resumée für alle Aufsteiger der letzten Saison. Das waren der 1. FC Heidenheim als Erster der Drittligasaison 2013/2014, RB Leipzig als zweitplatzierter Verein und besagter SV Darmstadt 98, der als als Drittplatzierter sich in der Relegation gegen Arminia Bielefeld durchsetzen konnte.

Auch die zwei anderen Aufsteiger spielten die Zweitligasaison souverän mit. Bei RB Leipzig war das zu erwarten gewesen. Wenn nicht von Anfang an so doch recht schnell muss Ralf Rangnick als sportlicher Leiter sogar den Durchmarsch in die Bundesliga als Ziel vor Augen gehabt haben. Früh war aber auch zu sehen, dass die Chancen darum nicht gut standen. Der Verein wurde Fünfter. Folgerichtig setzt sich Ralf Rangnick für diese Saison wieder auf die Trainerbank. Wenn etwas nicht klappt wie gewünscht, muss man es eben selber machen. Auch der 1. FC Heidenheim machte von Anfang an mit dem Erfolg der Drittligasaison weiter. Schon in der Hinrunde in der oberen Tabellenhälfte platziert, landete der Verein am Ende auf dem achten Platz. Hoffen wir, diese letzte Saison wird für den MSV Duisburg vorbildhaft.


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