Posts Tagged 'Abstiegskampf'

Wenn Fieberfantasien wirklich werden – Kees Jaratz, Gott der 2. Liga

Erinnerungen sind selbst auf kurzer Strecke keine verlässliche Quelle für die Fakten der Vergangenheit. Ende März hatte ich mit hohem Fieber im Bett gelegen. Wir hatten uns mit dem Abstieg des MSV angefreundet, doch hohes Fieber setzt das normale Denken gerne außer Kraft. Plötzlich spürte ich wieder die Macht des Tabellenrechners, den ich zum Wohle des MSV einsetzen wollte. Die Fieberfantasie sah wieder vielversprechend aus. 

Meine Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt war in den letzten drei Wochen aber anscheinend so groß, dass ich den damals schon wunderhaften Relegationsplatz als Vorhersage gar nicht mehr richtig im Kopf hatte. Ich dachte, ich hätte den 15. Platz prognostiziert.

Doch weit gefehlt, der MSV hat mit Ausnahme der Verdrehung der Heidenheim- und Nürnberg-Ergebnisse genauso  gespielt, wie ich es gewünscht habe. Es sieht so aus, als sei die Wirklichkeit Kraft des Tabellenrechners erst geschaffen worden. Allerdings haben einige der anderen Vereine die Wirklichkeits-Baupläne anscheinend verkehrt herum gehalten. Da das aber Frankfurt und Düsseldorf gleichzeitig gemacht haben, hat sich das wieder ausgeglichen.

Ich weiß es nicht genau, wie oft ich den Tabellenrechner in kritischen Saisonphasen zum Wohle des MSV inzwischen angewendet habe. Viermal? Bislang hat sich die Wirklichkeit in Abstiegsfragen immer daran gehalten, was ich vorhergesagt habe. Gott der 2. Liga spielen, fühlt sich gut an. Ihr wisst schon, Allmacht und so. Wundert euch nicht, wenn Fußballanhänger demnächst in einer Nischensekte ihr Seelenheil finden können.

Diese göttliche Größe strahlt übrigens gerade nicht auf die beiden Relegationsspiele aus. Da verfalle ich wieder in alten menschlichen Aberglauben. Alles in mir sträubt sich, es zu schreiben, was wir alle wünschen.  Das Schicksal möchte ich nicht herausfordern. Soll das mit dem Nischenangebot fürs Seelenheil was werden, sollte der MSV in Zukunft solche Entscheidungsspiele vermeiden.

Die Wirklichkeit

14. Fortuna Düsseldorf:  35 (31)   + 4
15. TSV 1860 München:  34 (32)  + 2
16. MSV Duisburg:  32 (32) +/- 0
17. FSV Frankfurt 32 (35) – 3
18. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0

 

Die Prognose

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Nun gut – noch einmal der Tabellenrechner am 33. Spieltag

Normalerweise kann ich Paradoxien sehr viel abgewinnen. Es sei denn, es handelt sich um den Tabellenrechner und das Abgleichen mit der Wirklichkeit am vorletzten Spieltag. In allen vorherigen Spielzeiten hatte sich dieses Abgleichen zu diesem Zeitpunkt der Saison schon erübrigt, weil der MSV mein herbeigewünschtesgerechnetes Saisonziel erreicht hatte. Nun müsste ich dieses Mal angesichts des Tabellenstandes noch immer meine Rechnung mit der Wirklichkeit abgleichen. Nichts ist entschieden. Doch bei nur einem noch ausstehenden Spieltag erledigt sich das ebenfalls von selbst. Es bleibt nichts mehr zu erzählen. Eigentlich ist dieses Abgleichen auch diese Saison wieder überflüssig, nur aus ganz anderen Gründen, als es bislang der Fall war.

Eines fällt mir aber noch ein, weil es die gegenseitige Abhängigkeit der Bedingungsgrößen für so eine Tabelle sehr schön deutlich macht. Vor dem letzten Spieltag hatte ich den Sieg von Fortuna Düsseldorf befürchtet. Ein Unentschieden im Spiel gegen Frankfurt wäre aber nur gut gewesen für den MSV, wenn die Zebras in Sandhausen gewonnen hätten. Nun verbessert der Sieg der Fortuna die Ausgangslage für den MSV. Ohne diesen Sieg könnte ein Unentschieden des MSV im Spiel gegen Leipzig niemals langen, um den Relegationsplatz zu behalten, selbst wenn Frankfurt im Heimspiel gegen 1860 ebenfalls nur Unentschieden spielte.

Natürlich wissen wir, mit Sicherheit bleibt der MSV auf dem Relegationsplatz nur, wenn das Spiel gegen Leipzig gewonnen wird. Gelassen hätte ich das schon nicht schreiben können, bevor ich gestern die Nachricht las, dass Victor Obinna für den Rest der Saison ausfällt. Nun muss ich mich um meinen Optimismus für dieses Spiel gegen Leipzig sehr bemühen. Deshalb verstoße ich gegen eines der Grundgesetze des Profifußballs und schaue am nächsten Spieltag nicht nur auf uns. Damit werde ich nicht alleine sein. Wir alle werden verdammt aufmerksam auch nach Frankfurt sowie nach Paderborn schauen und auf die tatkräftige Mithilfe von 1860 sowie Nürnberg hoffen.

14. TSV 1860 München:  34 (32)  + 3
15. Fortuna Düsseldorf:  32 (31)   + 2
16. MSV Duisburg:  29 (32) – 2
17. FSV Frankfurt 29 (32) – 2
18. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0

2016-34

Soll und Haben im Tabellenrechner – 32. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Fieberfantasien mit dem Tabellenrechner gegenüberstellen. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison, dann folgt inwiefern die bisherigen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

Leider führte der Trainerwechsel beim TSV 1860 München zu dem in der letzten Woche befürchteten Aufwärtstrend. Nun liegt die Mannschaft drei Punkte über meinem Endergebnis und bliebe bei weiterem vorhergesagten Verlauf definitiv in der Liga. Beim FSV Frankfurt ist es genau umgekehrt. Der Verein spielt schlechter, als ich gedacht habe und würde absteigen.

Leider hat diese schlechte Leistung Auswirkungen auf die Perspektiven des MSV. Denn der FSV Frankfurt spielt am nächsten Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Ein Unentschieden wäre für den MSV das beste Ergebnis. Dann wären wir auch bei nur 4 Punkten in den zwei Spielen auf Platz 15. Dieses Unentschieden scheint mir jetzt doch sehr zweifelhaft zu sein. Ein Sieg der Fortuna ist wahrscheinlicher, und dann landeten wir bei 4 Punkten auf dem Relegationsplatz. Müssen wir eben noch beide Spiele gewinnen. Es wird auf jeden Fall knapp. Wie gesagt, das Torverhältnis kann entscheiden.

14. TSV 1860 München:  31 (32)  + 3
15. Fortuna Düsseldorf:  29 (31)   +/- 0
16. FSV Frankfurt 29 (32) – 1
17. MSV Duisburg:  28 (32) +/- 0
18. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0

2016-332016-34

 

 

 

 

Noch und eine letzte Chance will ich nicht lesen

Da an einem Dienstag der Freitag immer noch nicht übermogen ist, braucht mein magisches Denken jede Unterstützung. Hilfreich kann die Macht der Sprache wirken. Deshalb müssen wir vorsichtig sein, welche Sätze wir in unsere Köpfe lassen. „MSV Duisburg hat gegen Düsseldorf noch eine letzte Chance“ wird bei WAZ/NRZ  ein früher Vorbericht zum Spiel betitelt. Obwohl ich gestern ebenfalls von der Pflicht des MSV zum Sieg geschrieben habe, bringt dieser Titel meine Stimmung vor dem Spiel nicht auf den Punkt. Mehr noch, diese Überschrift nimmt mir Energie für das Spiel.

Der Titel rückt die Schwäche der Mannschaft in den Blick. Mit dem „noch“ klingt an, dass niemand beim MSV selbst verantwortet hat, wozu es am Freitag  nun kommen wird. Scheinbar schicksalhaft ergibt sich in der Überschrift die Bedeutung des Spiels gegen Düsseldorf. Wenn ich diese Bedeutung  auf den Punkt bringen soll, möchte ich, dass die Leistung der Mannschaft in den meisten der letzten Spiele mit anklingt. Ich möchte nur Sätze lesen, in denen die Spieler als handelnde, aktive Personen mitgedacht sind. Die Spieler sollen nicht etwas ausgesetzt sein wie eben der letzten Chance.

Die Spieler sollen am Freitag das Spiel gestalten, und nur Sätze, in denen so etwas anklingt, sind erlaubte Sätze – zumindest für die Spieler-Köpfe und meinen, wenn ich die Zeit bis Freitag in größtmöglicher Zuversicht verbringen will.

Soll und Haben im Tabellenrechner – 31. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Fieberfantasien mit dem Tabellenrechner gegenüberstellen. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison, dann folgt inwiefern die bisherigen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

Auf den ersten Blick sieht alles so aus, als folge die Wirklichkeit noch meinem Plan. Besser noch, der FSV Frankfurt gesellt sich als ernsthafter Anwärter auf einen direkten Abstiegsplatz hinzu. Gut, Paderborn sammelt mehr Punkte als gedacht, aber da ist noch immer Luft bis der MSV erreicht wird, wenn der MSV macht, was wir uns wünschen. Unangenehm war der Heimsieg des TSV 1860 München, weil sich daraus hoffentlich nicht ein Aufwärtstrend durch den Trainerwechsel einstellt. Passiert ist nichts, weil die Mannschaft vorher zwei Punkte wider Erwarten verloren hatte. Ich habe diesen neuen Stand in die Tabellen unten nochmals eingerechnet.

Es gibt einen Vorteil für den MSV an den letzten beiden Spieltagen. Die Konkurrenten im Abstiegskampf spielen noch gegeneinander. Von diesen Spielen wird der MSV bei jedem Spielergebnis profitieren, wenn, ja wenn der MSV am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf gewinnt. Das ist notwendig. Am Freitag heißt es für den MSV wieder, Endspielstimmung, ein Sieg muss her. Sonst müsste aus einem Heilungswunder eines der Wiederauferstehung von den Toten werden.

14. Fortuna Düsseldorf:  29 (31)   +/- 0
15. FSV Frankfurt 29 (32) +/- 0
16. TSV 1860 München:  28 (32)  +/- 0
17. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0
18. MSV Duisburg:  25 (32) +/- 0

Nachdem ich den Tabellenrechner seine Arbeit hatte machen lassen, endete die Saison für mich wie unten. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge und wenn sich die Vereine an meine weiteren angenommenen Ergebnisse hielten, stände der MSV Duisburg nun sogar auf dem 15. Platz. Es wird knapp. Das Torverhältnis kann entscheiden.

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Soll und Haben im Tabellenrechner – 30. Spieltag

Nach dem Sieg gegen den TSV 1860 München werde ich alten Traditionen folgen und bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Fieberfantasien mit dem Tabellenrechner gegenüberstellen. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison, dann folgt inwiefern die bisherigen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

14. FSV Frankfurt 29 (33)  -1
15. Fortuna Düsseldorf:  28 (32)   +/- 0
16. SCP Paderborn: 27 (27)  +1
17. TSV 1860 München:  25 (30)  – 2
18. MSV Duisburg:  25 (32) +/- 0

Nachdem ich den Tabellenrechner seine Arbeit hatte machen lassen, endete die Saison für mich wie unten. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge und wenn sich die Vereine an meine weiteren angenommenen Ergebnisse hielten, stände der MSV Duisburg nun sogar auf dem 15. Platz.

Weil der Übergang vom 32. auf den 33. Spieltag Irritationen hervorgerufen hat, eine Erklärung:  Im ersten Anlauf bin ich mit einem doch zu ungünstigen Ergebnis für den Verein unserer Zuneigung gelandet. Deshalb bin ich noch mal zurück zum Spieltag 33, um an einer Stellschraube zu drehen. In der Tabelle wurde der 34. Spieltag aber nicht gelöscht, was ich erst mitbekam, nachdem ich die Screenshots angefertigt hatte.

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Morgen, morgen, morgen – Von Hoffnung und Enttäuschung

Eines weiß ich sicher, wenn morgen im Spiel des MSV Duisburg gegen den TSV 1860 München zum Ende hin noch nichts entschieden ist, werde ich es etwas einfacher im Stadion haben als letzten Sonntag vor den Bewegtbildern aus Nürnberg. Ich werde die mögliche Spannung in diesem Spiel besser aushalten können. Ob ich nicht dennoch die Kurve verlassen muss, wird der Tag zeigen. Ich stand schon einmal kurz davor, ohne dass die Bedeutung des Spiels damals die des morgigen Spiels erreichte. Wäre die Bedeutung des Spiels der Maßstab für das Zuschauerinteresse, das Stadion hätte seit Dienstag ausverkauft sein müssen.

Wenn 25.000 Zuschauer kämen, wäre das großartig. Jeder Tausenderschritt mehr wäre sensationell. Der MSV braucht für den Massenzuschauerandrang Erfolg in der Aufwärtsbewegung. Das Ringen um Bewahrung der Klasse und die Existenz ist weniger attraktiv in Duisburg, auch wenn es intensiver berührt und den Stamm des Publikums auf mehr Gemeinsamkeit einschwört – so die Hoffnung groß genug ist. Nun ist die Hoffnung seit Sonntag wieder da, und die immer größere Distanzierung von der Mannschaft durch Teile der Zuschauer wieder verschwunden. Von dieser Distanzierung soll heute aber gar nicht die Rede sein. Sie ist einen eigenen Text wert, weil diese Distanzierung meiner Meinung nach eng  mit dem Selbstbild Duisburgs und dem Selbstbewusstsein der Duisburger bezogen auf ihre Stadt verknüpft ist.

In fast jedem meiner Gespräche über den MSV kommt seit Sonntag diese ungeheure Anspannung des Nürnberg-Spiels zur Sprache. Ich habe noch nie von so vielen Freunden und Bekannten gehört, dass sie in der zweiten Halbzeit, sich das Spiel nicht mehr haben ansehen können, dass sie nur noch das Ergebnis hatten hören wollen, dass diese Drohung enttäuscht zu werden durch einen möglichen Ausgleich einfach zu viel wurde.

Nun stehen wir vor dem Spiel gegen den TSV 1860 München vor genau solchen Gefühlen und wissen nicht, wie wir mit damit umgehen sollen, welche Haltung wir diesem Spiel entgegenbringen sollen, um nicht zwischen Hoffnung und Enttäuschung hin- und hergeschüttelt zu werden. Auch das ist in jedem Gespräch Thema, all die Erinnerungen an die verpassten Gelegenheiten des MSV Duisburg, wenn es wider Erwarten noch die Möglichkeit gab, ein gestecktes Ziel noch zu erreichen. Diese Erinnerungen bedrohen unsere Hoffnung. Plötzlich ist die Chance auf den Klassenerhalt wieder vorhanden. Doch worauf können wir unsere Hoffnung bauen, außer auf das Bild der Tabelle? Zu oft hat die Mannschaft nicht das im Spiel erreichen können, was notwendig war. Das ist der Grund für diese Sorge vor dem Spiel, die in allen Gesprächen aufscheint, dieses Misstrauen, sich dieser Hoffnung tatsächlich voll und ganz zu verschreiben. Natürlich wird das im Stadion vor Ort dann anders sein. Aber so lange die Zeit noch läuft, die Gedanken herumschwirren, sehen wir neben den spielerischen Grundlagen für den Erfolg in Nürnberg auch all die Schwierigkeiten dieser Mannschaft, die es uns so schwer machen.

Das ist menschlich: Wir wollen unsere Hoffnungen groß und ungefährlich zugleich. Wir wollen nicht tief fallen, wenn es doch nicht klappt, was plötzlich wieder möglich scheint. Das gelingt nicht. Zumindest mir nicht und vielen anderen, mit denen ich gesprochen habe. Wir wollen nicht tief fallen, und die einzige Möglichkeit, das zu verhindern ist ein Sieg des MSV Duisburg. Meine Hoffnung ist sehr groß.

Verbotene Gedanken

Als ich gestern den Clip mit dem Vorbericht zum Spiel des MSV beim 1. FC Nürnberg gesehen habe, bekam ich Schwierigkeiten mit der Wirklichkeit. Ilija Gruev hat es noch so hinbekommen, über das Spiel zu sprechen, dass ich es mit meinen Eindrücken von den letzten Wochen in Übereinstimmung bringen konnte. Nur eine kleine Chance und so was, damit komme ich klar. Wenn aber Baris Özbek sprach, bekam ich das nicht mehr hin. Irgendwann habe ich sogar an eine Art Parallelwelt denken müssen und war verwirrt. Vielleicht ist es die einzige Chance der Mannschaft, die Wirklichkeit völlig auszublenden und mit Überzeugung von 3 Punkten zu sprechen, die man holen will. Ich konnte das nicht mehr.

Nachdem nun aber gestern Abend der SC Paderborn und der TSV 1860 München verloren haben, wurde ich über Nacht zum Özbek-Jünger. Ich habe mir meine Tabellenrechner-Prognose noch einmal genauer angeschaut, und schau an, die beiden Niederlagen sind gut für die Stimmung, Auswirkungen auf meine Platzierungsprognose haben sie aber gar nicht. Paderborn habe ich ohnehin abgeschlagen als Letzten der Tabelle gesehen.  1860 müsste noch einmal irgendwo wider meiner Erwartung Federn lassen, dann erst wären sie in der Abstiegsverlosung auch mit dabei. Die Mannschaft vom MSV aber kann die gute Stimmung hoffentlich nutzen und braucht in Nürnberg gar keinen Sieg. Dem MSV reicht ein Unentschieden, wenn die Mannschaft anschließend weiter das macht, was ich mir von ihr gewünscht habe, um Ihr-wisst-schon-was zu erreichen. Ach, diese verbotenen Gedanken. Vergesst die Wirklichkeit der letzten Wochen. Baris Özbek, Auswärtsspiel-Vorberichts-Gott!

Fieberfantasien mit Tabellenrechner

Am Montag begann meine Erkältung mit starkem Husten und heftigem Krankheitsgefühl. Sie nahm einen für mich klassischen Verlauf. Der leichten Besserung am zweiten Tag folgte Fieber am dritten. Da lag ich also im Bett, war genervt, las zuweilen etwas ohne Konzentration, döste ein, guckte wach werdend, was Facebook und Twitter mir ins kranke Leben reinschickten und langweilte mich immer mal wieder. Mir war heiß – trockene Hitze auf der Haut in müder Unruhe.

Plötzlich hörte ich ein Flüstern: „Weißt du noch, wie es schon zweimal war? Du warst Gott der Zweiten Liga.“

Oh, nein, dachte ich, das glaube ich jetzt nicht.

Das Flüstern wurde lauter. „Der Tabellenrechner“, raunte es, „Du hast es in der Hand. Die Mannschaft braucht dich. Jetzt, in diesem Moment. Mach es!“

„Das hilft doch nichts“, warf ich ein, „jetzt doch nicht mehr. Die Ausgangslage war damals beide Male sehr viel besser“.

„Unsinn“, hörte ich, „das denkst du nur. Hast du nicht gerade noch geschrieben, die Mannschaft spielt inzwischen so, dass ein Platz im unteren Mittelfeld kein Problem gewesen wäre, wenn sie von Anfang an  so aufgetreten wäre?“

Jetzt diskutierte ich mit der Wand über den MSV. Ich fasste es  nicht und rief: „Ich habe aber auch geschrieben, diese Mannschaft kann ein Spiel nicht unbedingt gewinnen. Sie braucht Glück. Glück! Manchmal klappt’s auch, wenn sie gar nichts mehr zu verlieren hat.“

„Und? Ist es etwa gerade anders?“, raunte es beruhigend.

Die Seite vom Kicker war bereits geöffnet. Wer machte so etwas? Ich starrte über den Laptopbildschirm hinweg ins Leere und hörte immer weiter diese Stimme. „Ein Sieg gegen Heidenheim. Fang klein an.“

Ich traute meinen Ohren nicht. Der letzte Rest gesunder Verstand meldete sich zaghaft, während die Stimme immer hoffnungsfroher klang: „Sechs Punkte. Du packst das. Acht Punkte! Quatsch Relegation. Klassenerhalt. Streng dich an.“

„Aber…“, begann ich und hatte schon das 1:0 gegen Heidenheim eingetippt. Weiter ging es, und wenn ich mir das heute morgen alles ansehe, habe ich in meinem Fieberwahn nur ein einziges ganz unwahrscheinliches Ergebnis vorgegeben, sieht man mal davon ab, dass Siege vom MSV in gewisser Weise grundsätzlich wenig wahrscheinlich sind in dieser Saison. Dieses sehr unwahrscheinliche Ergebnis ist ein Sieg des MSV gegen RB Leipzig, denen ich am letzten Spieltag eine mächtige Aufstiegsfeierlaune verordnet habe. Dafür gab es in Sandhausen ein Unentschieden. Notfalls lässt sich das noch tauschen. Relegationsrang habe ich geschaffft als Zweitliga-Gott im Fieberwahn per Tabellenrechner.

Seht selbst. Und wenn ich dann bei diesem dritten Male meines göttlichen Tabellenrechner-Daseins mit der Saisonziel-Gelingensprognose zum ersten Mal scheitern sollte, hat´s mir zumindest dabei geholfen, wieder gesund zu werden.

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Beugt ihr den Rumpf tiefer, wenn man euch beschimpft?

Ihr kennt die gymnastische Übung der Rumpfbeuge: Bei gestreckten Beinen soll der Rumpf so tief wie möglich gebeugt werden. Ihr wisst auch, das können einige Menschen gut, andere Menschen können das weniger gut. Mancheiner kommt mit der gesamten Handfläche auf den Boden, ein anderer schafft es mit den Fingerspitzen, und noch ein anderer kann sich gerade mal bis zur mittleren Höhe seines Schienbeins beugen. Letzteres ist besonders ärgerlich, wenn, sagen wir mal bei so TV-Spielshows wie seinerzeit Spiel ohne Grenzen, einer der so lustigen Wettbewerbe durch die Grundfähigkeit der Rumpfbeuge entschieden wird.

Dann sähe man diesen Rumpfbeuger bei seinen kläglichen Versuchen und bekäme vielleicht sogar den Eindruck, dass er sich nicht genug bemüht. Jeder Millimeter tiefer könnte über Sieg oder  Niederlage entscheiden. Hat der überhaupt richtig trainiert? Wer war dafür zuständig, den aufzustellen. Den muss doch nur jemand mal so richtig rannehmen, dann geht das auch. Denkt das jemand? Schon mal Rumpfbeugen gemacht? Schon mal versucht tiefer zu kommen, als es der ziehende Schmerz in der Beinmuskulatur einem anrät? Es gibt Menschen, die schaffen es mit den Ellbogen auf den Boden zu kommen. Daran sollten sich die Versager ein Beispiel nehmen!

Fußball ist schon ein komischer Sport. Mannschaften steigen auf jeden Fall immer ab. Egal wie gut sie spielen. Ich sage nicht, der MSV Duisburg spielt gut. Ich sage nur, es gibt Tatsachen, die sind unabänderbar. Ich sage nur, ein Mensch mit verkürzter Oberschenkelmuskalutar wird Mühe haben, den Boden zu erreichen, so sehr er sich auch anstrengt. Da nutzt es nichts, zu ihm hinzugehen und ihm den eigenen Ärger über dessen Versagen als Motivationshilfe zu zeigen. Ärgern darf man sich trotzdem. Das gehört zum Spiel. So lange ich sehe, der Mann versucht es, bleibe ich auf seiner Seite, obwohl ich mich beim Wettbewerb ärger und das auch kund tue.

Nicht nur die Mannschaft vom MSV Duisburg ist hilflos, auch wir Zuschauer sind es. Das ist nicht zu übersehen. Tina hat gestern die Frage aufgeworfen, „Was tun?“ und damit auf Fan-Aktivitäten im Netz Bezug genommen. Irgendwas soll geschehen, damit die Mannschaft besser spielt. Aber was? Ärger ist bei allem der Motor.

Das Netz wirkt oft als Verstärker von Stimmungen. Da befeuern sich Menschen, weil sie im Social-Media-Austausch die  Intensität einer Gruppe erleben, und noch ist es nie absehbar, was diese Stimmung mit der Offline-Welt zu tun hat. Da gibt es unterschiedliche Formen der Beziehung. Soziologen haben das bestimmt auch schon mit einer Nomenklatur im Griff. Es ist also erstmal nur eine Vermutung, ob die Stimmung gekippt ist. Wenn das als Tatsache im Print-Medium steht, hängt sich bei Der Westen Dirk Retzlaff damit weit aus dem Fenster. So sicher ist das nicht, andererseits trägt so ein Artikel wiederum zur Stimmung bei.

Ich jedenfalls habe bei keinem Spieler das Gefühl, er strenge sich zu wenig an. Er wolle in Duisburg nun nur noch seine Zeit absitzen, um im Abstiegsfall eben irgendwo anders unterzukommen. Diese Mannschaft des MSV Duisburg stößt seit Beginn der Spielzeit immer wieder an ihre Grenzen. Das Problem sind unsere Erwartungen an diese Saison. Leistungsfördernd ist ein vom Zaun gebrochener Konflikt mit den Spielern jedenfalls nicht. Natürlich fühlt es sich besser an, bei Ärger mal so richtig loszuschimpfen. Und natürlich macht es das Leben einfacher, wenn es Schuldige für den eigenen Ärger gibt. Beim MSV Duisburg kommen in dieser Saison viele Dinge zusammen, die es mir schwer machen, besonders Schuldige hervorzuheben. Wie gesagt, Ärger bei vermeintlich Schuldigen abzulassen, das macht schlechte Stimmungen besser.  Macht man das, muss man aber auch sich selbst gegenüber ehrlich sein. Das bessere Gefühl hilft weder dem Verein noch der Mannschaft, es hilft niemand anderem als einem selbst. Was ja auch manchmal ganz wichtig ist.


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