Posts Tagged 'Alaa Bakir'

Erlaubtes Doping MSV

Der RE5 ist seit Wochen keine Lösung für den ÖPNV. Auch gestern nach dem Spiel des MSV gegen die Zweite vom SC Freiburg bestätigte sich das. Irgendwas von ca. 25 Minuten Verspätung. Im Wissen darum, dass daraus dann auch gerne mal 60 Minuten werden und der Zug dann oft in Duisburg stehen bleibt, bin ich die Strecke Richtung Sterkrade gleich mit dem Fahrrad gefahren. Es war großartig.

Der 3:1-Sieg des MSV war erlaubtes Doping, Jungbrunnen, irgendwas in der Richtung. In meinem Kopf spukten die Stimmen von den Radsportreporter-Legenden Herbert Watterott und Werner Zimmer, die den Namen Jaratz in für mich wohl klingende Sätze packten. In diesen Sätzen kamen Worte vor wie fliegen, geht bei keiner Steigung aus dem Sattel, was für ein Tempo und plötzlich Stoppelkamp verbunden mit einem Torschrei.

Der hatte sich dazwischen geschmuggelt und ich fand, Stoppel und ich, wir passten gut zusammen mit unserer herausragenden Leistung an diesem Tag. Wie lange haben wir dieses entspannte Gefühl nach einem Sieg vermisst? Die Siege der letzten zwei Spielzeiten waren bald immer verbunden mit dem Gefühl der Erleichterung. Gestern war das die pure Freude.

Was sind diese Spieler gelaufen! Was hat dieses Mannschaft zweite Bälle erobert. Keine Zeit wurde den Freiburgern gelassen. Ein mögliches Symbolfoto für dieses Spiel ist ein Freiburger Spieler, der in eigentlich schneller Bewegung, den Ball weiterspielen will, während genau in dem Moment, wenn er mit dem Fuß nur einen kleinen Moment Schwung holt, von hinter ihm kommend ein Spieler der Zebras an ihm vorbeiläuft und den Ball dabei mitnimmt.

Das Führungstor durch Joshua Bitter nach einer Ecke, das zweite Tor durch Aziz Bouhaddouz ebenfalls nach einer Ecke. Der MSV wird demächst das taktische Repertoire erweitern und neben dem Torabschluss als Ziel einer Offensivaktion auch das Erzwingen eines Eckballs als gleichwertig aufnehmen.

Mit Moritz Stoppelkamp sollten wir auf ähnliche Weise Caspar Jander feiern. Natürlich muss er in der kommenden Zeit, diese gestrige Leistung erst einmal verstetigen. Aber gestern besaß dieser junge Spieler eine beeindruckende Präsenz. Welch ein Stellungsspiel von ihm, wenn die Zebras in der Defensive waren. Er hat den Ball der Freiburger abgefangen und den Pass zum konternden Moritz Stoppelkamp gespielt, damit der seinen Lieblings-Move von links kommend mit einem dieser unhaltbaren Effet-Bälle abschließen konnte. Er ist die freien Räume zugelaufen. Ungeheuer selbstbewusst hat er offensiv die Bälle gefordert, um dann das Mittelfeld souverän zu überbrücken. Großartig.

Der Rest der Mannschaft hat natürlich auch sehr gut gespielt. Stoppelkamp und Jander ziehen mit der Leistung zusammen mit ihrem jeweiligen Alter nur viel Aufmerksamkeit auf sich. Bedauerlich ist die Verletzung von Alaa Bakir. Das sah nicht gut aus. Ob die Bänder im Knie heil geblieben sind?

In meiner Freude übersehe ich übrigens nicht, wie oft Offensivaktionen der Zebras beim kurzen Pass in den Strafraum oder Richtung Torauslinie ins Nichts verliefen. An dieser einen Stelle ist deutlich Luft nach oben. Wenn die Zebras auf Torchancen durch dieses Passspiel angewiesen sind, brauchen Gegner sich nur wenig sorgen. Aber wenn es irgendwann mal heißen sollte Standardkönige der Liga, würde ich auch nicht meckern. Auch das kann recht weit führen. Nicht dauerhaft. Das weiß ich schon. Aber eins nach dem andern. Erst einmal sich den Ruf weiter erspielen.

Briefe aus Westende – Von Jubelsprints und einer Premiere als Feier

Ein Wochenende zum Einrahmen liegt hinter mir. 2:0 gewinnen die Zebras auch ein Spiel, bei dem die Kräfteverhältnisse nicht so eindeutig durch den Tabellenstand wie gegen Würzburg oder äußere Umstände wie gegen Türkgücü München die Siegeserwartungen bestimmten. Dazu am Vortag meine gelungene Premierenlesung beim Heimspiel im Ruhrorter Plus am Neumarkt vor ausverkauftem Haus. Eine Lesung, die zur Feier wurde.

Bei Funkes WAZ/NRZ findet sich hinter der Pay-Wall ein Artikel, der einen lebendigen Eindruck von Lesung und Buch gibt. Diese Momente der Freude am Wochenende rückten die dunkle Wirklichkeit dieser Tage für einige Stunden in den Hintergrund.

Dass der Sieg gegen Viktoria Köln nötig war, darüber brauchen wir nicht zu sprechen. Im Grunde ist alles zu dem Sieg gesagt. Interessant ist allenfalls die uneinheitliche Bewertung der ersten Halbzeit. Manches Urteil dazu scheint mir geprägt durch die erste Hälfte der zweiten Halbzeit. Ihr seht, für mich lässt sich dieses Spiel im Grunde in klar abgetrennte Phasen einteilen – in vier, um genau zu sein.

Phase 1: Ein bemühtes Spiel von beiden Seiten auf Augenhöhe bis zum Lieblingsfehler von Leo Weinkauf. In der Schule wäre jetzt mal wieder der Elternbesuch fällig. So oft haben wir es ihm doch gesagt, aber manchmal sticht ihn der Hafer, und er vergißt alle Regeln, die bei uns herrschen. Dann sagt ein Lehrer: Das hattest du doch schon zwangigmal abschreiben müssen, lieber Leo. Wann lernst du das? Du darfst bei der ersten Aktion deine Ballsicherheit mit dem Fuß beweisen. Danach geht das Spiel weiter. Tausendenmal habe ich dir das gesagt! Kein Stürmer wirft sich heute verzweifelt auf den Boden, weil er beim Torwart ins Leere gelaufen ist. Bei deinem Opa wäre so einer vielleicht am Boden zerstört gewesen. Doch heute ist ein Stürmer sofort wieder da und versucht weiter sein Tor zu schießen.

Fast wäre dieses Tor nach dem Lieblingsfehler von Leo Weinkauf einmal mehr gelungen. Aber vielleicht wird beim Torwart nur das grundsätzliche Niveau dieser Mannschaft besonders deutlich. Letztlich geht es auch bei den Feldspielern immer wieder um die Anschlussschnelligkeit nach einer ersten gelungenen oder auch missratenen Spielaktion. Und da staune ich auch bei anderen Spielern nicht selten über manches Innehalten, während der Gegner in normaler Geschwindigkeit weiterspielt. Belassen wir es dabei.

In diesem nach dem Weinkauf-Fehler beginnenden Mittelteil des Spiels mit Phase 2 bis zum Halbzeitpfiff – unsicher werdende Zebras, ohne besonderen Vorteil für die Kölner – und Phase 3 nach Wiederbeginn – immer überlegenere Kölner – schien das Tor der Kölner in Halbzeit zwei nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Der Dreifachwechsel markierte den Beginn der vierten Spielphase. Welch wunderbares Tor durch Alaa Bakir. Welch Können zeigte er in dem Moment. Welch Hoffnung machte er mit diesem Tor auf Konstanz der Leistung und gesteigerte Widerstandstandskraft, um nicht mehr wie zu Saisonbeginn an Gegenspielern einfach abzuprallen.

Das 2:0 durch Julian Hettwer trieb mir sogar drei, vier Freudentränen in die Augen. Nicht wegen des dann sicher werdenden Sieges, nicht weil ich diesem jungen Spieler Julian Hettwer das Tor so gönnte, sondern weil im Moment des Torerfolgs alle Spieler von jeder Stelle, wo sie sich gerade befanden, zu dem Torschützen sprinteten. Sie sprinteten alle! Sie konnten nicht schnell genug ihre Freude teilen. Dann kamen die Spieler von der Bank noch dazu. Dieses Bild von der Mannschaft bezeugte nicht nur die Freude, sondern auch die große Erleichterung. Wir sahen Zusammenhalt, Gemeinsamkeit und innere Stärke.

Welch Befreiung war danach auch auf den Rängen zu spüren. So unbelastet freudig fühlten wir uns in dieser Saison nur am ersten Spieltag gegen Havelse. Ehrlich gesagt, kann ich bis Mai noch ein paar solcher Spieltage gut brauchen.

Zurück zum Freitag. Vor der Lesung bin ich noch schnell zum Studio 47. In dem Gespräch dort ging es um die Anfänge meiner Fankarriere, um Fußball zu Coronazeiten im Allgemeinen und um den MSV im Besonderen. Viel Meinung war gefragt. Studio 47 sorgt auch für eine Verlosung bei FB oder per mail, kaum dass das Buch im Handel erhältlich ist. Die Gewinner werden am 11. März um 11 Uhr bestimmt. Mit einem Klick findet sich hier eine Leseprobe aus dem Buch als Vorgeschmack. Und nun Film ab:

Außerdem noch einmal der Hinweis: Bei einigen Online-Händlern, so auch bei dem „Größten“, hat sich in die bibliogafischen Angaben ein Fehler eingeschlichen. Irgendjemand hat für die Onlineverzeichnisse aus dem Doppel-s ein Doppel-o gemacht, so dass das Buch dort momentan nur unter Koos und Jaratz zu finden ist. Wie schon geschrieben: Ein Argument mehr für die findigen Buchhändler vor Ort, denen ihr vertraut.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Die Freude genießen und einen richtigen Gegner erwarten

Zwischendurch musste ich mich gestern doch einige Male kurz mahnend erinnern. Hier, im Spiel gegen den TSV Havelse geht es um etwas. Das ist ein echtes, richtiges Spiel der Dritten Liga. Hier geht es um drei Punkte. Dann habe ich gleich geschimpft über verspringende Bälle im Mittelfeld und die dann möglichen Konter, die nicht ausgespielt wurden von Havelse. Im Grunde habe ich das nicht ernst gemeint. Das war mehr so eine innere Verpflichtung, es ernst nehmen zu müssen. Denn gleich war ich wieder in dieser rosigen Stimmung, die einfach nicht vergehen wollte.

Denn zu überlegen war der MSV, und schließlich stand ich wieder auf meinem Stehplatz, auf einem nummerierten Stehplatz, der oft dann doch als grobe Orientierung nur diente. Endlich traf ich jene Menschen wieder, die ich eben nur beim Fußball sehe, so flüchtig das auch manchmal ist. Die Freunde standen neben mir. Es war nicht zu heiß, es war nicht zu kalt. Auf dem Rasen sah man den Zebras von Anpfiff die große Spielfreude an. Der TSV Havelse war dafür ein ein bestens geeigneter Gegner, der wie ein ausgesuchter Sparings-Partner wirkte. Es schien so, als wollten die Zebras herausfinden, was sie so drauf haben.

Wir Zuschauer konnten ebenfalls versuchen herauszufinden, was wir unter der neuen Normalverteilung auf den Rängen so drauf haben. Luftiger angeordnet, nehmen die etwa 7000 Zuschauer mehr Raum ein als die üblichen 12.000 Zuschauer. Und da der größte Teil vom Stimmungsblock sich auf die Gegengerade unter das Dach begeben hatte, war es für uns am Stehplatz deutlich lauter als sonst, wenn Kohorte und Co sich neben uns befinden.

Der Sparings-Partner Havelse bemühte sich redlich, Fehler der Zebras zu nutzen. In der ersten Halbzeit völlig vergeblich, doch Anfang der zweiten Halbzeit führte das sogar für wenige Minuten dazu, dass die Defensive des MSV herausfinden musste, was sie so drauf hat. Natürlich müssen wir alle mit Trainern und Spielern im Chor anstimmen, wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, wenn der Elfmeter zum Ausgleich verwandelt worden wäre. Richtig ernst kann ich aber auch das nicht nehmen. So ein Satz gehörte gestern eben zur Tradition wie der Zebratwist. Kann schon sein, dass auch diese Mannschaft mit den vielen neuen Spielern, wie Pavel Dotchev meint, mit Gegentreffern nicht umgehen kann. Das weiß er aber im Grunde genauso wenig wie das Gegenteil, auch wenn es Freundschaftsspiele gegeben hat. Vielleicht kann diese neue Besetzung das doch.

Der Ausgleich fiel jedenfalls nicht, bald schon aber das zweite Tor für den MSV durch einen Elfmeter und dann das dritte durch Kolja Pusch, sofort nach seiner Einwechslung. Wie gesagt, ich sah das alles entspannt und spielte zwischendurch ein wenig Ärger. Ich musste mir allerdings verbieten, an die nächsten vier Gegner zu denken. So etwas ist meine Form der wer-weiß-wie-das-Spiel-ausgegangen-wäre-Tradition. Denn ich glaube, jeder dieser Gegner wäre bei mindestens einer der bestimmt fünf oder sechs Balleroberungen von Havelse im Mittelfeld zum Abschluss gekommen. Dazu muss der Gegner nur ein kleines bisschen besser sein als der TSV Havelse.

Zwei Bilder des Tages gibt es für mich. Zum einen ist das Moritz Stoppelkamp mit seiner langen Umarmung von Alaa Bakir, als der ausgewechselt wurde. Darin steckt sowohl alles, was ein junger Spieler wie Bakir braucht, als auch alles, was ein älterer Spieler wie Stoppelkamp in einer Mannschaft neben dem eigentliche Fußball bewirken kann. Das andere Bild ist die Mannschaft nach dem Abpfiff auf ihrem Rundgang durchs Stadion vor alle Ränge. Darin steckt die Freude der Wiederbegegnung von Fußballern und Fans in besagter entspannter Sommerstimmung. Das wollte auf den Rängen und auf dem Rasen gleichermaßen genossen werden. Wir sind wieder alle da, und welch Glück, dass es dazu das passende Spiel gegeben hatte.


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