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Weggelesen: – Thomas Bentler: Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn

Ständig müssen wir heute unsere Besonderheit und Individualität beweisen. Doch dann kommt jemand daher und beginnt zu erzählen. Von seinen Erfahrungen beim Fußball in den Kreisligen erzählt er, und dann siehst du, so besonders sind wir alle gar nicht. Du erkennst dich wieder, deine Mitspieler, die Gegner gegen die du gespielt hast, und du erinnerst dich, du spielst Basketball statt Fußball. Menschen sind soziale Wesen, und Gruppen organisieren sich auf wieder erkennbare Weise, indem sich die Menschen mit bestimmten Anteilen ihrer Persönlichkeit in diesen Gruppen zeigen. Der Soziologe und Sozialpsychologe in mir hat laut „Hurra“ gerufen, als ich „Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn“ von Thomas Bentler zu lesen begann.

Es ist sein zweites Buch, nachdem schon sein Debut als Autor, „Wenn schon, dann richtig!“,  ein pragmatisches Handbuch für Trainer im Amateurfußball, ein Erfolg war. Schon dieses als Lebenshilfe konzipierte Buch zeigte Thomas Bentler als unterhaltsamen Autoren. In „Volle Pulle Kreisliga“ hat er diesem unterhaltendem Ziel seines Schreibens nun seine ganze Aufmerksamkeit gewidmet. Das gesamte soziale Feld des Kreisligafußballs und seiner Handlungsträger umreißt er. Er typisiert und karikiert.

Mit einem Blick voller Sympathie auf den Fußball der unteren Ligen betrachtet er das Personal von Sportlern über die Schiedsrichter bis hin zu Funktionären und den Zuschauern. Seine Beobachtungen liefern Wahrheiten über den Mannschaftssport schlechthin. Wenn er die Typen einer Fußballmannschaft aufzählt, die verschiedenen Persönlichkeiten auf den jeweiligen Spielpositionen erwähnt, wenn er die verschiedenen Motive von Trainern, Funktionären und „treuen Seeelen“ aufzeichnet, haben wir die betreffenden Personen in den eigenen Vereinen immer sofort vor Augen. Mir fiel kein Persönlichkeits-Typus ein, den er außer Acht gelassen hat. Diese Typenreihe liest man herunter und versteht die Menschen in diesen Mannschaftssportarten sogar noch ein wenig besser.

Etwas weniger unterhaltsam wird das Buch im letzten Drittel, wenn Thomas Bentler sich dem Szenario des Amateurfußballs zuwendet, den Fußballplätzen und Umkleidekabinen. Typisierten Orten und Räumen ist nicht so viel Komik abzugewinnen wie Menschen, das liegt auf der Hand. Für den Witz mangelt es an Reibungsfläche. Aus dem Lachen wird auf den letzten Seiten das Schmunzeln hin und wieder. Was am Gesamteindruck nichts ändert.

Thomas Bentlers Buch ist im kleinen Paderborner Lektora-Verlag erschienen. Natürlich könnt ihr das Buch über den Buchhandel beziehen, doch ihr könnt es genauso direkt beim Verlag bestellen. Das ist nicht teurer und fast genauso schnell wie etwa bei Amazon, aber mehr vom Verkaufspreis bleibt beim local publisher. Was ich inzwischen durch den Vertrieb von meinem eigenen Buch „Mehr als Fußball“ selbst weiß. Insofern spreche ich auch pro domo, wenn ich sage,  solch kleinen Verlagen wie dem Lektora Verlag sind die Mehreinnahmen durch den Direktvertrieb nur zu gönnen.

Volle Pulle Kreisliga - der ganz normale Wahnsinn: Amateurfußball, wie er leibt und lebt. Ein Erfahrungsbericht ... von [Bentler, Thomas] Thomas Bentler
Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn! Amateurfußball, wie er leibt und lebt
Lektora Verlag, Paderborn 2016
247 Seiten
€ 13,90
ISBN: 978-3954610839

Den guten Willen auch mal öffentlich bekräftigen – Schwul sein im sportlichen Alltag

Dieses Netzvirus brauchte drei Monate, um mich zu erreichen. Anfang November letzten Jahres schon veröffentlichte der niederländische Fußballverband KNVB folgendes Video mit der netten Bildidee vom schwulen Fußballer, der beim Spiel im Schrank eingepackt ist.  Per Pressekonferenz verschaffte der Verband dem Spot sogar europäische Medienpräsenz.  Die Botschaft wie immer, bekenne dich zu deinem Leben.

Die im Spot gezeigte Welt ist ja die des Amateurfußballs und zwar die  der unteren Ligen. Nach meiner Erfahrung ist es in dieser Welt des Sports doch etwas einfacher, zu allem zu stehen, was einen ausmacht. Bei der Wahl eines Vereins auf dieser Spielebene mischen sich sportliche mit sozialen und emotionalen Kriterien. Man spielt eher dort, wo die Chemie stimmt und wenn die stimmt, stimmt sie wegen der Persönlichkeit.  Daraus entstehen keine großen Geschichten für die Öffentlichkeit. Da geht es um alltägliches Leben, dem Miteinander von unterschiedlichen Menschen, die sich mit ihren Vorlieben und Abneigungen irgendwie arrangieren müssen. Das gelassene kölsche „jeder Jeck is anders“ scheint mir da kein schlechter Rat zu sein, um sich für andere zu interessieren.


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