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Klickhinweis zur Spielvorbereitung: André Hoffmann im Interview

Uns Anhängern des MSV kann ich das ruhig verraten: Unser Mann in der Bundesliga, André Hoffmann, spielt nur Fußball bei Hannover 96, um seine nachrichtendienstliche Aufgabe für den MSV Duisburg zu tarnen. Als wir ihn in Duisburg spielen sahen, wussten alle, er ist der Auserwählte. Er kann in der Bundesliga ohne Schwierigkeiten die Rolle eines Erstligaspielers übernehmen und uns mit den für die Zukunft des MSV notwendigen Interna der Bundesliga versorgen. Zur Tarnung muss er sein Wissen auch andeutungsweise in Interviews preisgeben. Es gehört eben zum Bild eines Fußballspielers, dass er sich der Öffentlichkeit stellt. Zumal wenn er neu in der Mannschaft ist und dazu jung und so erfolgreich wie André Hoffmann. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung führte mit Andé Hoffmann ein lesenswertes Interview. Wenn ich also demnächst in fantasievollen Zeiten von einem Aufstieg des MSV Duisburg träume, wird es dabei immer eine gefühlige Episode geben, bei der sich unter konspirativen Umständen Ivo Grlic und Kosta Runjaic mit André Hoffmann treffen. Sie werden sich mannhaft in den Arm nehmen und Tacheles reden. André Hoffmann wird mit ernster Miene sagen: „Leute, es wird schwer.“ Kosta und Ivo gucken sich gleichzeitig bedeutungsvoll an. Schweigen erfüllt für einen Moment den Raum. Dann sagen beide wie aus einem Mund: „Wir schaffen das!“ Dann sehen sie André Hoffman ernst in die Augen und sagen: „Erzähl!“

Heute erfahren auch wir schon, in der Bundesliga ist das Spiel „schneller, intensiver, das Spiel ist taktisch ausgeprägter als in der 2. Liga, man muss sehr viel mit dem Kopf arbeiten.“ Das ganze Interview mit einem Klick weiter.

Immer neue Sorgen trüben Jubel über Heimsieg

Der Vorsatz von vorgestern als Zuschauer ganz Profi zu sein, erwies sich beim Warten auf den Anpfiff des Spiels vom MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue schwierig. Für die volle Konzentration auf das Spiel musste das Spiel tatsächlich erst einmal beginnen. Ich fühlte mich merkwürdig vor dem Anpfiff. Angeweht kam da so etwas wie Sinnlosigkeit. Das lag weniger an der ungeklärten Situation in Duisburg als an den Nachrichten aus Aachen. Dort war zu sehen gewesen, wie im laufenden Betrieb von jetzt auf gleich der Wettkampfgedanke sich für den Verein verflüchtigte. Fußball dort ist nun nur noch eine Art Leistungsschau und Fußballer-Messe, bei der sich die Aachener Spieler für potentielle Arbeitgeber empfehlen wollen. Aus dem Mannschaftssport wird ein Casting-Wettbewerb. Schon komisch. Solche Gedanken musste ich verdrängen, und dazu brauchte es das Spiel selbst.

Anpfiff, und der MSV Duisburg startete nicht so druckvoll wie erwartet. Das lag zum einen am FC Erzgebirge Aue, die sich nicht so weit zurückzogen wie etwa der FSV Frankfurt. Es lag aber sicher auch an den schlechten Erfahrungen des MSV Duisburg in den letzten Heimspielen. Dennoch bekam die Mannschaft das Spiel in den Griff, ohne – und das konnten wir erwarten – torgefährlich zu werden. Fehler im Spielaufbau musste man vermeiden, und in diesem Spiel wurde es zu Beginn so offensichtlich. Jedes Mal, wenn nach einer Balleroberung schnell umgeschaltet wurde, ging der folgende kurze Pass sofort wieder zum Gegner. Mit einem Kurzpassspiel dagegen, das sich aus einer kontrollierten Spielsituation entwickelte, kam die Mannschaft zum gegnerischen Strafraum. Da gab es zwei, drei Spielzüge, an denen jeweils Toni da Silva beteiligt war, der im engen Raum dennoch die Lücken fand.

Im Nachhinein ist es bezeichnend für das Spiel, dass ihm gegen Ende der ersten Halbzeit offenbar der Oberschenkel schmerzte. Die erste Auswechlung war zu erwarten gewesen. Betrachtet man, wer sich danach verletzte, kann ich Menschen verstehen, die in der Häufung solchen Unglücks böse Geister wirken sehen. So etwas kann kein Zufall sein. So etwas braucht Erklärung. Wollte ich vier wichtige Spieler dieser ersten Halbzeit benennen. So wären das Toni da Silva, Goran Sukalo, André Hoffmann und natürlich Felix Wiedwald gewesen. Alle vier sind nach dem Spiel verletzt. Die Nachricht vom Mittelhandbruch Felix Wiedwald, in der ersten Halbzeit wohlgemerkt, kam nach dem Spiel. Wie schwerwiegend die anderen Verletzungen sind, wird sich im Laufe des Tages erweisen. Gestern dachte ich, eine Mannschaft, die in jeglicher Hinsicht von den Umständen derart unter Druck gerät und dennoch die Krise mit dem Klassenerhalt meistert, wird noch sehr erfolgreich werden, damit die bald erstmal nur verschobene Insolvenz mit Erstliga-Geld auf lange Frist verhindert wird. Galgenhumor.

Zurück zum Spiel, bei allem Bemühen des MSV Duisburg hatte Aue die erste riesige Chance, die eigentlich aus drei riesigen Teilchancen bestand, jede einzelne für ein Tor gut. Felix Wiedwald hielt spektalär zwei Schüsse aus kürzester Distanz und schaufelte schließlich am Boden liegend den Ball aus dem Strafraum, ehe ein Stürmerbein zustochern konnte.

Fehler im Spielaufbau auf Höhe der Mittellinie gab es auch auf Auer Seite und aus einem dieser Fehler ergab sich das Führungstor durch Daniel Brosinski, nach einem Konterlauf von  Sören Brandy, der den  Ball schön quer legte. Die Führung schien die Mannschaft zu verunsichern. Kontrolliertes Spiel bedeutet für die Spieler dieser Mannschaft zu langsam im Kopf sein. Auf mich macht diese Mannschaft den Eindruck, als dürften viele ihrer Spieler keine Gelegenheit haben, zu überlegen, was sie Sinnvolles mit dem Ball machen sollen. Diese Mannschaft ist gut, wenn ein Gegner den einzelnen Spieler ihre Aufgaben alternativlos aufzwingt. Diese Mannschaft wird schlecht, wenn ein Gegner den Spielern Zeit lässt oder die Spieler selbst versuchen, bedächtig den Ball in den eigenen Reihen zu halten.

So schien bald der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit. Auf Höhe der Mittellinie wurde nahezu jeder Ball abgeben und die Auer Stürmer überrannten die Defensive der Zebras in kurzen Abständen. Der Ausgleich kam und das Unentschieden zur Halbzeitpause war nach einer weiteren Großchance der Auer eher glücklich. Zunächst schien es in der zweiten Halbzeit kurz dort weiterzugehen, wo die erste endete, auch wenn Julian Koch nun auf dem Platz stand. Auch das war zu erwarten gewesen – allerdings als Auswechslung für Dzemal Berberovic, der gestern einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Die Verletzung von Toni da Silva machte eine andere Option notwendig. Julian Koch gibt dem Spiel der Mannschaft Stabilität. Er wirkt selbstbewusst, bietet sich in engen Situationen an und strahlt am Ball Ruhe aus.

Doch erst mit den nächsten beiden kurz hintereinander notwendigen Auswechslungen von André Hoffmann und Goran Sukalo entwickelte sich die Dynamik des Spiels zugunsten der Zebras. Plötzlich war ein unbändiger Wille auf dem Platz zu spüren. Die Auer Mannschaft kam nicht mehr zu wirklich großen Chancen und nachdem das Führungstor durch Sören Brandy per Kopf nach dem Freistoß gefallen war, ging es darum diesen Vorsprung bis zum Schlusspfiff zu retten. Das machte die Mannschaft mit großem Einsatz und starkem Willen. Maurice Exslager sorgte mit seinen Sprints immer wieder für Gefahr für die Auer Defensive, so dass die Auer Mannschaft ihren Druck nicht mehr erhöhen konnte.

Diese Energie auf dem Spielfeld sprang auf das Publikum über. Ab etwa der 80. Minute herum wollten alle der etwas mehr als 10.000 Zuschauer, natürlich mit Ausnahme der Auer Anhänger, diese Mannschaft zum Sieg schreien. Was auf den Rängen geschah, kam auf dem Spielfeld an und umgekehrt. Da gab es eine Einheit, die an bessere Zeiten erinnerte und die sämtliche Sorgen aus der Gegenwart hinwegfegte. Wichtig war der Moment, wichtig war der Sieg am Tag. Alles andere würde sich zeigen. Siege geben Hoffnung, egal, was Duisburger Sportjournalisten schreiben. Dazu später mehr.

Bilder zum Spiel gibt es von Sky mit einem Klick weiter hier.

Die Presskonferenz nach dem Spiel zusammen mit O-Tönen von Daniel Brosinski, Sören Brandy und Julian Koch eingebunden hier:

Auch ohne Tore fühlt sich das nach Sieg an

Im Moment fällt mir kein torloses Unentschieden ein, dass ich derart bejubelt habe wie dieses am Freitagabend gegen den 1. FC Köln. Nachdem der MSV Duisburg ab der 21. Minute nur mit zehn Mann spielte, fühlte sich das Ergebnis nach einem Sieg an. Das ging den meisten in der begeisterten Gästekurve so, aber auch den Spielern, wenn man sich weiter unten anhört, was Julian Koch gesagt hat. Die letzten Minuten hatten es aber auch in sich. Zweimal ging der Ball an die Latte des Duisburger Tores, nach einem Freistoß und nach einer Ecke, und einmal hatten wir gefühlte Ewigkeiten Zeit bei einem wilden Getümmel im Strafraum den jeweils nächsten drohenden Schussversuch der Kölner im Netz einschlagen zu sehen. Doch immer wieder warf sich ein weiterer Duisburger Spieler vor den Ball, bis schließlich der Gewaltschuss nicht mehr zu verhindern war. Aus vielleicht sieben Metern Entfernung knallte der Ball rechts neben das Tor in die Bande. Aufatmen.

Dabei war die Kölner Mannschaft über das Spiel hin gesehen harmlos, verunsichert und ohne Mittel, den Zebras gefährlich zu werden.  Aus Zebra-Sicht  wäre es nach dem Überstehen dieser wenigen wirklich gefährlichen Minuten sogar fast zur perfekten Dramaturgie des Spiels gekommen. Einen ersten Ansatz zum Konter konnten die Kölner gerade noch verhindern, nachdem auf Höhe der Mittellinie der eingewechselte Zvonko Pamic den Ball  einem erneut zögerlichen Kölner Spieler den Ball abgenommen hatte. Doch nach der nächsten Balleroberung  wurde Srdjan Baljak steil geschickt. Aus unserer Perspektive von der Westtribüne auf Höhe des Kölner Strafraums war aber schon nach der Ballannahme zu sehen, dass er nicht in idealer Linie aufs Tor würde schießen können. So hielt sich meine Hoffnung in Grenzen. Vielleicht war ich aber auch nur  zu sehr mitgenommen von den Chancen der Kölner Mannschaft und der Nachricht von vier Minuten Nachspielzeit.

Bis zur 80. Minute hielten sich meine Sorgen aber in Grenzen. Wir sahen eine Kölner Mannschaft, die sehr an den MSV der Heimspiele erinnerte. Es fehlte den Kölnern an Dynamik und Ballsicherheit, um eine die meiste Zeit perfekt verteidigende Mannschaft der Zebras zu überwinden. Alleine Sascha Bigalke zeigte in vergeblichen Einzelaktionen Zug zum Tor. Einzelaktionen bestimmten auch die Entlastungsangriffe beim MSV Duisburg. Vor dem Halbzeitpfiff setzte sich Daniel Brosinski auf der rechten Seite wunderbar durch, doch kam in der Mitte kein Spieler rechtzeitig in den Rückraum, wohin der entscheidende Pass hätte gespielt werden müssen. Sören Brandy versuchte sich unermüdlich, aber vergeblich in langen Sprints mit dem Ball. Auch ihm fehlte die Anspielstation. Das Provozieren eines Foulspiel gelang ihm gar nicht. Ich möchte darauf wetten, dass er beim Schiedsrichter recht bald schon in der Schublade „lässt sich fallen“ lag und unklare Situationen nicht mehr für ihn gepfiffen wurden. Mich beruhigte zudem, dass Antonio da Silva  im Mittelfeld gegen die Überzahl pressender Kölner den Ball behauptete und dann den Pass in den freien Raum spielen konnte. So mussten die Kölner vorsichtiger werden bei ihrem frühen Angreifen, konnten nicht mehr so offensiv auf den Ball gehen.

Julian Koch wurde nun das zweite Mal eingewechselt, und erneut war im Ansatz zu sehen, welche Dynamik er dem Spiel des MSV Duisburg verleihen kann. Schon jetzt, wo er natürlich noch etwas langsamer wirkt als in seiner ersten Saison bei uns, schon jetzt besitzt sein Antritt jene Grundschnelligkeit, dass er mit dem Ball am Fuß sicher in die Lücken der Abwehrreihen stoßen kann, um anschließend den entstandenen Freiraum zu nutzen. Er hat dann das Auge für den Pass. Für den ganz langen Sprint braucht er noch etwas Zeit. Noch sorgt mich zudem jeder seiner langen Schritte bei den Balleroberungen in der Defensive. Das ist sein Spiel schon früher gewesen. Aber es ist auch genau dieses Spiel, das zu seiner schweren Verletzung geführt hat. Dann denke ich und hoffe, er wird sehr genau lernen, wann dieser lange Schritt einfach zu risikoreich ist. Felix Wiedwald braucht übrigens nicht nur wegen der vor allem durch ihn verschuldeten roten Karte für Branimir Bajic zusätzliche Trainingseinheiten im weiten Abschlag beziehungsweise Passen.

In diesem Spiel das torlose Unentschieden gehalten zu haben, wird die Mannschaft weiter zusammenschweißen. Dieses Spiel gibt uns Zuschauern aber auch eine Lektion, weil die spielerische Qualität vom 1. FC Köln, wie erwartet, nicht besser war als die des MSV Duisburg. Das Kölner Publikum war unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und pfiff sie schon zu Beginn der Halbzeitpause aus, ganz zu schweigen von der Verabschiedung nach dem Spiel. Mich freute diese Unmutsbekundung, weil ich hoffte, sie könnte die Kölner Mannschaft noch mehr verunsichern. Diese Mannschaft bemühte sich. Sie bemühte sich so, wie es der MSV Duisburg in seinen Heimspielen auch immer tat. In solchen Spielen hat es die verteidigende Mannschaft einfach leichter, die Zuschauer  zu begeistern. Sie braucht nichts mehr zu tun, als sich der angreifenden Mannschaft mit Leidenschaft entgegen zu stellen. Die angreifende Mannschaft braucht spielerische Lösungen, um diese Defensive zu überwinden. Die Leidenschaft der angreifenden Mannschaft kann meist nur unsichtbar bleiben. Spieler etwa, die steil laufen und nicht angespielt werden, wirken nicht stimmungshebend. Obwohl sie sich bei ihrem Lauf anstregen, also Leidenschaft zeigen.

Deshalb war ich auch nicht glücklich über diese in der Öffentlichkeit kolportierte Brandrede von Ivica Grlic vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln. Es ginge jetzt nur um drei Buchstaben, oder was hat er nochmals gesagt? So etwas geht in Heimspielen nach hinten los, weil es einen ungerechten Vorwurf befördert, eine Stimmung befeuert, die die Mannschaft nur weiter verunsichert. Noch einmal, im Spiel nach vorne sind Mannschaften wie der MSV Duisburg und, wie wir gesehen haben, der 1. FC Köln nicht präzise genug, um leidenschaftliche Eindrücke zu hinterlassen. Um in der Offensive ein Bild von Leidenschaft zu wecken, braucht es Schnelligkeit und Dynamik. Bei engen Räumen auf dem Spielfeld sind dazu große Präzision im Zusammenspiel und sehr gute technische Fähigkeiten nötig. Beides ist beim MSV Duisburg nicht stabil vorhanden. Was nicht bedeutet, dass ein Spiel sich nicht dahin entwickeln kann. Aber die Stimmung trägt dazu mit bei. Deshalb wäre das Duisburger Publikum gut beraten, es nicht dem Kölner Publikum gleich zu tun und die immer mögliche Enttäuschung gegen die Mannschaft zu richten. Man braucht sie nicht zu  bejubeln, wenn sie schlecht spielen. Der Vorwurf mangelndens Einsatzes ist bislang aber durchweg ungerecht. Das Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue wird, so meine ich, deshalb nicht nur zur Prüfung für die Mannschaft. Auch wir Zuschauer können uns wieder beweisen.

Und nun noch die Stimmen zum Spiel von Felix Wiedwald, André Hoffmann und Julian Koch.

Siegesfreude, die sich zum Lobgesang auf Kosta Runjaic wandelt

Jetzt, nachdem alles gut ausgegangen ist, werfe ich den  Blick auf das mögliche Unentschieden im Spiel vom MSV Duisburg beim FC Energie Cottbus und denke mit wohliger Angst-Lust, eine weitere Enttäuschung wäre bis zum nächsten Spiel nicht zu überwinden gewesen.  Ich bin da ziemlich sicher, und um so begeisterterter erlebe ich noch einmal den gestrigen Schlusspfiff, sehe wenige Minuten zuvor den Ball am hechtenden Felix Wiedwald vorbei gegen den Pfosten rollen, erschauer angesichts des nachsprintenden Cottbusser Boubacar Sanogo und jubel über den reaktionsschnell und mutig sich ihm entgegenwerfenden Wiedwald. Er hatte den Ball. Tief durchatmen.

Diese letzten Minuten des Spiels waren kaum auszuhalten, und als die fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, dachte ich sofort wieder nur an die nächste Sekunde  und nicht an die zusätzliche gesamte Zeit für die möglichen Chancen von Energie. Verdrängen musste ich das Bild von hohen Bällen in den Strafraum, die irgendeinem Cottbusser hätten duselig vor die Füße fallen können. Wir alle wollten diesen Sieg als Lohn für eine über weite Strecken des Spiels ungeheuer kompakte Mannschaftssleistung. Wenn ich zudem einen Spieler besonders herausnehmen sollte, wäre das Srjdan Baljak, der mit Laufleistung, Schnelligkeit und Präsenz wieder dort anknüpft, wo er sich vor seiner langen Verletztungszeit befand. Natürlich wären auch andere Spieler zu nennen, doch wegen dieses ungeheuren Leistungsanstieg nach den ersten Einsätzen gebe ich ihm heute die Bühne alleine. Die Mannschaft wird es aushalten.

Der Sieg ist schon wunderbar, aber dass dieser Sieg die Folge einer so klar befolgten Taktik ist, gefällt mir noch viel besser.  Natürlich hat die Mannschaft noch eine weite Strecke Weg vor sich. Später in der Saison wird sie dann hoffentlich gar nicht mehr so unter Druck geraten wie in der zweiten Halbzeit. Die Spieler wollten nichts mehr riskieren, und ich nehme an, das liegt an weiter vorhandener Unsicherheit, weil die Passgenauigkeit beim schnellen Umschalten von der Defensive in die Offensvie einfach nicht gut genug ist. Deshalb aber wurde der Teufelskreis in Gang gesetzt, der einen Gegner mangels entschlossener Entlastungskonter immer sicherer werden lässt. Doch die Mannschaft hat die Nerven behalten. Sie hat, natürlich mit dem Glück in den letzten Minuten, standgehalten und befolgt, was Kosta Runjaic für sie als Mittel zum Sieg entworfen hat.

Das ist für mich die überdauernde Nachricht vom Sieg gegen den FC Energie Cottbus. Wenn all die Emotionen drumherum schon wieder verblassen, bleibt neben dem Ergebnis, die Mannschaft lebt nicht nur von Einsatz, Kampf und frischem Wind durch neuen Trainer, sondern von einem immer größeren Wissen der einzelnen Spieler, wie sie als Teil der Mannschaft besser werden, wie die Einheit sie zu besseren Spielern macht und ihre individuellen Fähigkeiten stärker zur Geltung bringt.

Milan Sasic etwa berief sich immer wieder vor allem auf die Emotionen in der Mannschaft, um Bedingungen für Erfolg zu umschreiben. Viel war seinerzeit die Rede vom Zusammenstehen füreinander. Natürlich ist die gute Stimmung innerhalb der Mannschaft Teil von Erfolg, aber unter Kosta Runjaic wird so viel deutlicher, dass sie nur Voraussetzung für alles andere ist. Neben der Stimmung entwickelte er in kürzester Zeit auch das Wissen der Spieler von ihrem Zusammenspiel weiter. So deutlich wird erkennbar, in dieser Mannschaft weiß gerade jeder einzelne Spieler immer genauer, wie er sich auf dem Platz verhalten muss, um zum Teil eines größeren Ganzen zu werden und damit besser zu werden als alleine. Milan Sasic hatte auch seine Vorstellungen vom Spiel der Mannschaft, ihm fehlten aber sowohl pädagogische Mittel im Umgang mit Erwachsenen als auch anscheinend wirksame Trainingsübungen, um all den Spielern, die nicht von selbst wussten, wie sie zusammen spielten sollten, zu verbessern. Deshalb ist er gescheitert. Kosta Runjaic hat ganz offensichtlich diese pädagogischen Fähigkeiten. Er hat sehr klare Vorstellungen von den Möglichkeiten der Mannschaft und weiß, wie er den Spielern diese Vorstellungen vermitteln kann.

Er wird das Umschalten vom Defensiv- auf das Offensivspiel weiter verbessern, so dass bei einem immer druckvolleren Gegner wie Cottbus in der zweiten Halbzeit die Momente der Balleroberung tatsächlich zu gefährlichen Kontern werden. Er wird André Hoffmann zur weiterer Raffinesse verhelfen, so dass er den erstrebten Aus- oder Eckball kurz vor einem Spielende nicht mehr nur vergeblich versucht. Und bei Ranisav Jovanović wird er diese Fähigkeit vielleicht auch wieder in Erinnerung rufen.

Für mich sind diese zwei Momente, als beide Spieler den Ball kurz vor dem Abpfiff Richtung Eckfahne trieben und die erhoffte Ballsicherung dort nicht gelang, geradezu symbolisch für das momentane Leistungsvermögen.  Beide entscheiden sich in dem Moment grundsätzlich richtig, die allerletzte Aktion aber scheitert und Cottbus kann erneut angreifen, auch wenn der Startpunkt des Angriffs sich möglichst weit entfernt vom Tor der Zebras befand. Die Grundlagen sind nun vorhanden, die aus einer Taktik sich ergebenden Fehler geschehen inzwischen meist so spät, dass sie nicht mehr sofort für die Mannschaft gefährlich werden.  Individuelle Aussetzer à la Berberovic in der ersten Halbzeit kommen allerdings hinzu. Deshalb agiert die Mannschaft noch nicht so selbstbewusst, dass sie dauerhaft auf ein zweites Tor spielen kann. Aber es gibt  Kosta Runjaic. Die Entwicklung geht weiter. Mit Sicherheit.

Geduld zu haben fällt nicht leicht – Unentschieden statt Sieg

Und es wär‘ so schön gewesen, so ein Tor für den MSV Duisburg, zwischen der 46. und etwa der 70. Minute. Doch es wollte nicht fallen. In einem sind wir uns ja alle einig, richtig gefährlich vor das gegnerische Tor kommt die Mannschaft nicht oft und wenn, fehlt ihr (noch) die Treffsicherheit. Es gab die Chancen in dieser Zeit, ein Tor zu erzielen. Es waren keine todsicheren Chancen, sie waren aber gut genug. Ein freier Schuss von Maurice Exslager von der Strafraumgrenze, der deutlich neben das Tor ging. Ein Kopfball im Fünfmeterraum von Adli Lachheb, ebenfalls neben das Tor.

Dazu sahen wir bis auf die letzten zehn Minuten gefällige Kombinationen bis an die Strafraumgrenze, oft ohne die richtige Entscheidung dort, wo es für den Gegner wirklich gefährlich wird: ein Abspiel zu viel, wenn der Abschluss nötig war, ein Ansatz zum Dribbling, wenn der freie Mann auf dem Flügel stand. Das braucht weitere Arbeit, weiteres aufeinander Abstimmen. Der Wert dieses Kombinationsspiels lässt sich daran ermessen, dass der VfL Bochum dicht gestaffelt stand und sowohl die entsprechenden Lücken erst einmal gefunden werden mussten, als auch der entsprechende zusätzliche Druck durch die Defensivabteilung der Mannschaft notwendig war.

André Hoffmann zeigte gestern ein ganz starkes Spiel, sorgte für diesen Druck nach vorne und war zudem zur Stelle, wenn der Ball in der Vorwärtsvorbewegung verloren schien. Gerade in den fünfundzwanzig Minuten nach der Halbzeitpause holte er sich zusammen mit Goran Sukalo nahezu jeden in der Angriffshälfte verlorenen Ball sofort wieder zurück. Dazu kam in der hinteren Linie ein stark spielender Adli Lachheb, der zuverlässig die längeren Bälle der Bochumer ablief. Mit ihm an seiner Seite knüpft auch Branimir Bajic wieder an alte Leistungen an.

Als dieses Führungstor für den MSV Duisburg dann nicht gefallen war, begann das Zittern um das Unentschieden. Solche Spiele haben einen eigenen Verlauf, und es ist klar, wenn eine Mannschaft derart überlegen, aber erfolglos auf ein Tor spielt, wie es der MSV Duisburg für etwa fünfundzwanzig Minuten gemacht hat, dann kann das in einer Niederlage enden. Schließlich ist es schwierig, auch die Abwehrarbeit weiter im Blick zu halten, wenn schon so viel investiert wurde und die Belohnung durch ein Tor immer noch nicht erfolgte. Dann ist die Gefahr groß auch noch die letzte Kraft nur noch auf den Angriff zu verwenden. So hatten die Zebras in den letzten zehn Minuten zweimal großes Glück, dass der VfL sehr aussichtsreiche Konter nicht mit dem Führungstreffer abschloss. Da geht es den Bochumern genauso wie dem MSV, es fehlt ein Stürmer, der im entscheidenden Moment zuschlägt. Dem 1. FC Köln geht es übrigens auch so und einigen anderen Mannschaften mehr. Wir lernen also, neben dem Linksverteidiger sind auch abschlussstarke Stürmer auf dem Spielermarkt nicht oft im Angebot.

Man muss also die Spieler verbessern, die im Kader stehen, und da bemerke ich mit Kosta Runjaics Arbeit einen allmählichen Aufschwung. Nach dem Spiel gestern denke ich übrigens auch, vielleicht sollte Ivica Grlic das Trainerteam noch um eine Honorarkraft erweitern. Ich habe da Abdelaziz „Aziz“ Ahanfouf im Blick. Praktischerweise kennen sich Kosta Runjaic und Ahanfouf  aus der letzten Saison, als beide noch in Darmstadt weilten. Wo heute doch die Trainingsarbeit von immer mehr spezialisierten Fachkräften übernommen wird, könnte Ahanfouf sich in Intensiv-Workshops der darstellenden Künste annehmen. Wie fällt man bei drohendem Körperkontakt so, dass der Schiedsrichter ein Foulspiel erkennt? Seine große Erfahrung würde vor allem Valeri Domovchiyski helfen, der tatsächlich erheblich besser spielt, aber oft noch nicht robust genug ist, wenn er von Abwehrspielern angegangen wird. Er fällt dann einfach um und der Ball ist weg. Frustration droht. Ahanfouf könnte ihm zu Freistößen verhelfen und vielleicht auch beibringen, dass der beidfüßige Absprung in den Strafraum niemals einen Elfmeterpfiff bringt, wenn der Abwehrspieler mit Abstand nebenher läuft.

Wo sich alle einig über die Qualität des Sturmspiels sind, gehen die Meinungen über den Wert dieses Unentschiedens sehr auseinander. Diese Wertungen haben dann nichts mehr mit der Leistung der Mannschaft zu tun, sondern werden durch die Persönlichkeit des Betrachters hervorgerufen.  Ich kann da nicht anders, als die Fortschritte im Spiel dieser Mannschaft zu sehen. Seit gestern bin ich sicher und da hänge ich mich schon mal weit aus dem Fenster, die Mannschaft wird nicht absteigen. Und mit dem Punkt gegen den VfL Bochum startet sie nun noch besser als Fortuna Düsseldorf, die bei besagtem Katastrophenstart in der Saison 2010/11 auch ihr sechstes Spiel nacheinander, gegen eben diesen VfL Bochum, verloren. Fortuna wurde damals dann noch siebter. Wenn alles gut läuft, sollte deshalb  der sechste Platz für den MSV Duisburg nun drin sein. Sich im Mittelfeld tummeln reicht natürlich möglichst bald auch aus.

Schade um den möglichen Sieg, aber …

Nun konnten wir im dritten Auswärtsspiel hintereinander nach einer Führung des MSV Duisburg auf einen Sieg hoffen. Nur wer hofft, kann enttäuscht werden. Es war schade, dass der Ausgleich kurz vor Spielende fiel, doch welch große Fortschritte hat diese Mannschaft gemacht, seit gegen Union Berlin das Ausgleichstor kurz vor dem Schlusspfiff fiel. Was damals ein Gefühl von Unglück hinterließ, betrachtete ich gestern als ein Ergebnis, das bei einer knappen Führung immer möglich sein kann. Damals war mein Vertrauen in diese Mannschaft jederzeit angreifbar und deshalb trauerte ich um verlorene zwei Punkte. Was man hat, das hat man.  Heute wirkt diese Mannschaft so gefestigt auf mich, dass sie eben in den nächsten Spielen ihre Punkte holen wird.  Sie nimmt den Ausgleich hin, holt damit aber sogar einen Punkt mehr, als ich in meinem Plan „Klassenerhalt“ vorgesehen habe und richtet den Blick auf das nächste Spiel.

Diese Mannschaft ist auf einem guten Weg, der durch späte Ausgleichstore nicht mehr irritiert wird. Wie ruhig und sicher hat sie in der ersten Halbzeit versucht Angriffe aufzubauen gegen einen FC Ingolstadt, der sich sehr weit zurück zog. Der MSV Duisburg war gezwungen, das Spiel zu machen. Die Mannschaft musste der Gefahr begegnen, durch ein Konterspiel ausgeknockt zu werden, durch das schon der SC Paderborn unter die Räder gekommen war. Doch dieses Konterspiel des FC Ingolstadt wurde im Keim erstickt.

Der MSV Duisburg wird sich seiner spielerischen Möglichkeiten immer sicherer. Dieses Spiel war von seiner Anlage her ein völlig anderes als das in Paderborn. Auch deshalb wächst mein Vertrauen in die Mannschaft vom MSV Duisburg weiter. Unterschiedliche Aufgaben werden unterschiedlich gelöst, und über allem steht das Wissen, wir werden Abwehr des Gegners mit spielerischen Mitteln überwinden. Die Mannschaft ist allerdings (noch) nicht so gut, dass keine Fehler passieren. Deshalb reicht eine Führung mit nur einem Tor nicht immer für den Sieg. Deshalb zittern wir zum Ende eines Spiels hin immer mehr. Schnittstelle ist das Stichwort, und die Sportberichterstattung spricht dann gerne von der Abstimmung zwischen Außen- und Innenverteidigung. Da kriege ich Herzklopfen, wenn kurz vor dem 16-Meter-Raum die Pässe steil gespielt werden, weil bei die Raumaufteilung unserer Verteidigung darauf angelegt ist, dass Pässe des Gegners auch immer mal ankommen. Beim folgenden eins gegen eins können wir aber nie ganz sicher auf den Ballgewinn setzen und im noch schlechteren Fall rennt unser einer dem gegnerischen anderen bei dessen einsamen Sprint auf Felix Wiedwald zu hinterher.

Bei meinem Plan „Klassenerhalt“ war sogar eine Niederlage in Ingolstadt einkalkuliert. Der Punktgewinn stimmt mich deshalb trotz kitzelnder Enttäuschung zufrieden. Wie er zustande kam, lässt mich sogar hoffen, das auch aus meiner einkalkulierten Niederlage im Spiel gegen Eintracht Frankfurt etwas anderes wird. Andererseits fallen André Hoffman und Valeri Domovchiyski wegen ihren fünften gelben Karten aus, Goran Sukalos Knie schmerzt und über weitere Folgen von Verdrehen will ich erst mal nicht nachdenken. Das Spiel gegen Aachen ist zwar weitaus wichtiger, aber wie gesagt, was man hat, das hat man.

Alles war möglich – Wirklich wurde Überschwang und Erleichterung

In den letzten Minuten des Spiels vom MSV Duisburg gegen den VfL Bochum habe ich über zwei Einwürfe für die Zebras so gejubelt, als hätte die Mannschaft gerade das entscheidende Tor zum Klassenerhalt im allerletzten Spiel geschafft. Genauso sicher wie ich mir vor dem Spiel war, die Mannschaft wird nicht absteigen. Genauso sicher war ich mir in den letzten Minuten, würde der Ausgleich fallen, würde der Klassenerhalt nicht zu schaffen sein. Dieser 2:1-Sieg war nicht wichtig, er war unbedingt notwendig. Er gelang.

Was für eine Erleichterung im Stadion beim Abpfiff. Was haben wir gezittert. Wie unendlich lang wurden diese letzten zehn Minuten. Sie wurden deshalb so lang, weil es fünf Minuten Nachspielzeit gab und die Angriffe der Bochumer zwar abgefangen wurden, die Mannschaft es aber nicht mehr schaffte, den Ball sicher in den eigenen Reihen zu halten. Die Spieler kämpften und kämpften, kamen in Ballbesitz und die Erleichterung schwand sofort wieder, weil ein Fehler passierte. Ein Freistoß aus dem Mittelfeld auf den rechten Flügel geht zu weit, ins Aus. Vasileios Pliatsikas kann nach einem Sololauf über den linken Flügel nicht rechtzeitig flanken, wählt die richtige Option und zieht mit dem Ball zur Eckfahne. Sechs Beine von Gegenspielern stehen zum Abprallen ins Aus bereit. Doch ehe „Billy“ schießen kann, springt ihm der Ball schon selbst ins Aus. In dieser Weise verliefen die letzten Minuten, und deshalb jubelte ich, wenn ein Verteidiger den Ball ins Aus spielte und der Ball auf dem Weg dorthin noch einen Bochumer Spieler berührte.

In diesem Spiel war alles möglich. Es hätte den endgültigen Absturz bedeuten können, weil in ersten Halbzeit die Mannschaft so wirkte, als drohte sie psychisch zusammenzubrechen. Diese Mannschaft ist anfällig. Der Zusammenbruch drohte kurioser Weise nicht nach dem Rückstand. Den steckte die Mannschaft nach kurzer Enttäuschung weg, wenn auch noch nicht deutlich wurde, wie ihr ohne Hilfe des Bochumers Nikoloz Gelashvili ein Tor hätte gelingen können. Der Ausgleich kam, alle Zeichen standen wieder auf Anfang und dann kam diese Spielsitutation um die 33. oder 34. Minute herum. Ein Angriff der Bochumer offenbart Abstimmungsprobleme in der Duisburger Abwehr. Ich weiß nicht mehr, wer danach mit wem etwas deutlicher redete. Felix Wiedwald hatte den Ball, irgendjemanden möchte er anspielen, doch Abwehr und Mittelfeld rücken zwar nach vorne, aber niemand bietet sich für das Anspiel an. Alle gucken angestrengt auf den Boden. Für einen Moment habe ich geglaubt, der Schiedsrichter hätte gepfiffen und ich hätte es überhört, weil diese Mannschaft so aussah, als wolle sie nicht weiterspielen. Natürlich ging es dann weiter, aber für einen Moment war aufgeblitzt, warum es Niederlagen gegen Dresden und Rostock gegeben hat. Es gibt unter Druck jederzeit die Gefahr, dass diese Mannschaft sich überfordert fühlt und aufgibt. Sie strengt sich an und anscheinend wächst das Gefühl der Vergeblichkeit. Es sind Momente der psychischen Instabilität, die sie ohne Gegentor überwinden muss.  Der Halbzeitpfiff half dabei. Aber es sind auch die jungen Spieler wie Maurice Exslager, Felix Wiedwald oder André Hoffmann, die bei allen spielerischen Fehlern, den Willen im Spiel zu bleiben über die gesamte Zeit hin ausstrahlen. Das ist so wichtig für diese Mannschaft.

In der zweiten Halbzeit war dieses Zwischentief vergessen. Spielerisch kam da immer noch nicht viel. Aber der Wille unbedingt zu gewinnen war wieder da. Jürgen Gjasula zeigte vor allem in dieser zweiten Halbzeit neben spielerischer Klasse auch den Einsatz bei Ballverlusten, den ich zu Beginn der Saison von ihm erwartet hatte. Wer ihn für Fehlpässe kritisiert, sollte sich vor Augen führen, dass nicht alle seine Mitspieler die Freiräume auf dem Spielfeld sehen, die er sieht. Es sind immer zwei Spieler für das Gelingen eines Passes verantwortlich.

Zwei Spielsituationen habe ich beispielhaft vor Augen. Bei schnellen Gegenangriffen trieb Jürgen Gjasula den Ball aus dem Mittelfeld heraus in halbrechter Position. Er zieht zwei Gegenspieler auf sich, behauptet den Ball und ein dritter Gegenspieler kommt hinzu. Drei, vier Meter vor ihm läuft die ganze Zeit in nahezu derselben Laufbahn Daniel Brosinski mit. Er macht Jürgen Gjasula als eine Art vierter Bochumer den Weg zu. Nun kann man zu seiner Verteidigung sagen, er erwartet den Steilpass. Der war aber für Gjasula wegen der möglichen Abseitsposition von Brosinski viel zu risikohaft. Zumal er selbst sehr schnell war. Effektiver wäre Brosinkis Schritt raus Richtung Flügel gewesen, Anspielstation sein für den Doppelpass. Solche Momente gibt es im Spiel des MSV Duisburg häufiger.

Die Duisburger Abwehr stand in der zweiten Halbzeit sicherer, vermutlich auch weil Mimoun Azaouagh mit schwerer Verletzung ausgewechselt wurde. Vasileios Pliatsikas hatte einen schweren Stand gegen ihn. Ein ums andere Mal wurde er in der ersten Halbzeit von ihm ausgespielt. Auch Dzemal Berberovic macht mich im Moment gerade dann nervös, wenn er den Ball erobert hat. Gefährlich wurde es für den MSV Duisburg dann, wenn er in der eigenen Hälfte den Ball irgendwie nach vorne bringen musste. Dann ist er im Moment jederzeit für einen Raum öffnenden Pass zum Gegner gut.

Warum Maurice Exslager einen Stammplatz in dieser Mannschaft hat, wurde in diesem Spiel mehr als deutlich. Er gibt nie auf, trotz persönlicher Fehler. Er wird trotz dieser Fehler immer mutiger im Spiel eins gegen eins, und es gelingt ihm immer häufiger Anspiele zu behaupten.  Hoffen wir, dass sein Tor ihn weiter beflügelt. Er ist im Moment der Garant für Torgefährlichkeit überhaupt, es sei denn Valeri Domovchiyski kann die Leistung nach seiner Einwechslung stabilisieren. Was war das für ein technisches Kabinettstückchen, mit dem er fast das 3:1 erzielt hätte. Wieviele Bochumer hat er da ausgespielt? Vier? Fünf? Oder übertreibe ich? Schade. Dieses Tor hätte uns alle sehr entspannt. Andererseits suchen wir Gegenwartsmenschen nicht immer die intensiven Gefühle? Suchen wir alle nicht die Momente der Flucht aus dem alltäglichen Dahingehen der Zeit? Spart euch Bungee Jumping und Extremsport. Kommt zum MSV Duisburg, da bekommt ihr sie, eure gesuchten intensiven Gefühle zwischen Angst und überschwänglicher Freude.


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