Posts Tagged 'Andreas Bergmann'

Ein Sieg zeigt Gründe für den Tabellenplatz

Fußballspiele des MSV Duisburg wie das beim FC Hansa Rostock kann ich mir eigentlich nicht an heimischen Bildschirmen ansehen, ohne den Familienfrieden zu gefährden. Zwangsläufig schreie ich schließlich immer wieder einmal so bedrohlich bangend auf, dass meine Frau regelmäßig besorgt ins Zimmer eilt. Diese Mischung aus Aufschrei und Stöhnen muss sich nach schwerem körperlichen Unwohlsein anhören. Sollte ich einmal tatsächlich etwa nachts gesundheitliche Probleme haben, wird sich meine Frau nur noch über die ungewöhnlichen Anstoßzeiten beim MSV wundern.

Ich bangte so sehr um den 1:0-Sieg, weil die Fallhöhe in diesem Spiel so hoch war. Der MSV Duisburg gestaltete in der ersten Halbzeit und zu Beginn der zweiten Hälfte das Spiel so überlegen, dass  die Hoffnung auf einen sicheren Sieg übermächtig war. Gleichzeitig war aber auch eins klar, diese Überlegenheit verdankte sich großer Laufbereitschaft und sehr viel Einsatz. Bis zum Ende des Spiels war diese Intensität nicht beizubehalten. Zum Ende des Spiels würde der FC Hansa Rostock zu Chancen kommen. Der MSV Duisburg brauchte ein zweites Tor, und dieses Tor fiel nicht.

Meine Sorge speiste sich aus einem vorweggenommenen Mitleiden. Denn die Mannschaft vom MSV Duisburg ist sich ihrer selbst nicht sicher genung, um einfach wegzustecken, dass sie nicht belohnt wird, obwohl sie so viel in ein Spiel investiert.  Die Enttäuschung der Mannschaft fürchtete ich genauso wie die Enttäuschung vieler Anhänger, die die Stimmung rund um den MSV noch ungemütlicher gemacht hätte. Das zweite Tor, das nicht fallen wollte, gibt aber auch die Antwort auf die Frage, warum die Mannschaft nicht immer so spielt. Die eine schnelle Antwort ist banal. Die Spieler können es nicht.

Die andere etwas ausführlichere Antwort habe ich in den letzten Wochen schon öfter geschrieben. Die Entwicklung des Spiels bestimmt mit, zu welchen Leistungen die einzelnen Spieler fähig sind und wie groß ihr Einsatz werden kann. Marcel Lenz und Matthias Kühne betonten beide nach dem Spiel, wie sehr jeder alles für die Mannschaft gegeben habe. Man könnte nun vermuten, das habe mit Karsten Baumanns wechselnden Motavitationkünsten zu tun. Sehr viel wahrscheinlicher ist etwas anderes. Dieser Einsatz wurde möglich, weil Michael Gardawski schon früh, in der 11. Minute, ein Tor erzielte, das im Übrigen durch ganz feine  Schusstechnik möglich wurde. Diese frühe Führung gab nicht nur der eigenen Mannschaft Sicherheit, gleichzeitig reduzierte dieses Tor die Risikobereitschaft der Rostocker. So konnte das frühe Pressing so erfolgreich werden.

Das zweite Tor fiel nun deshalb nicht nur, weil klare Chancen vergeben wurden. Hinzu kam, viele Spielaktionen nach dem jeweiligen Ballerobern waren nicht präzise genug oder es fehlte dem Ballführenden der Blick für die Mitspieler. Auch in dem Fall kann Michael Gardawski genannt werden, beispielhaft für die gesamte Mannschaft. Um die 30. Minute herum spielte er den nötigen Steilpass eben nicht, der Kingsley Onuegbu im Strafraum alleine vor dem Torwart hätte auftauchen lassen. Oder in einer anderen Spielsituation dribbelte er im eins gegen eins den Ball zwar am Gegner vorbei, aber dafür auch knapp ins Aus. Auf demselben Niveau bewegten sich seine Mitspieler. Die Mannschaft brauchte stets mehrere Anläufe, um den Ball einmal gefährlich vor das Rostocker Tor zu bringen. Aus der Feldüberlegenheit ergaben sich deshalb zwar weitere Chancen, doch entfaltete sich durch sie kein zwingender Druck aufs gegnerische Tor. Die Chancen ragten aus dem Spielfluss heraus. Dass sie nicht genutzt wurden, verweist ebenfalls auf die Antwort zur oben gestellte Frage.

Wenn eine Mannschaft diese Überlegenheit in keine deutliche Führung verwandelt, braucht sie zum Spielende hin neben dem aufopfernden Kampf in der Defensive einen starken Torwart. Musste Marcel Lenz im Heimspiel gegen Holstein Kiel noch seine Stabilität finden, so war er dieses Mal von Anfang an präsent. Erste Fernschüsse der Rostocker nahm er gelassen auf, und als es ab der 70. Miute herum ein paar Mal wirklich heikel wurde, zeigte er sowohl beeindruckende Reflexe auf der Linie als auch ein starkes Stellungsspiel, das die gegnerischen Stürmer zu Schüssen aus ungünstigen Positionen zwang. Wahrscheinlich langt der Auswärtssieg noch nicht, um die Stimmung rund um den MSV Duisburg zu stabilisieren. Erst nach einem weiteren Erfolg im Heimspiel gegen Elversberg wird die Saison ruhig zu Ende gespielt werden können. Hoffen wir darauf.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Marcel Kühne und Marcel Lenz.

Der MDR-Spielbericht:

Teilen MSV und Hansa ihr Leid?

Angesichts der momentan durchwachsenen Stimmung rund um den MSV Duisburg, möchte ich vor dem Auswärtsspiel gegen Hansa Rostock zunächst mit einer guten Nachricht aus dem Umfeld des Vereins aufwarten. Das Umfeld bin in dem Fall ich. Fokus Fußball, die Blog- und Presseschau zum Sport unseres Interesses, hat meinen Spielbericht zum 2:1-Sieg gegen RB Leipzig als einen von fünf Texten für die Wahl zum Fußballblogbeitrag des Monats Februar nominiert. Dafür gedankt, und das natürlich als Ansporn begriffen. Dieser einen guten Nachricht folgt sofort eine weitere. Denn mit dem ebenfalls nominierten Text von Trainer Baade „Ein echter Schalker“ kommt ein weiterer potentieller Fußballblogbeitrag des Monats Februar von einem Duisburger Autoren. Und wenn es einen Verein für Trainer Baade gibt, bei dem er mitfiebert, so ist es der MSV Duisburg.

Ob solche guten Nachrichten auch als Ansporn bei den sportlichen Aktivitäten des MSV Duisburg wirken, bleibt abzuwarten. Direkte Einflüsse dürfen wir wahrscheinlich nicht vermuten, aber schmetterlingsflügelschlaggleiche Energiezuflüsse über esoterisch anmutende Kanäle können bei einer Liga mit etwa 15 nahezu gleich starken Mannschaften schon mal den Ausschlag geben. Karsten Baumann hat in der Pressekonferenz noch einmal darauf hingewiesen, dass in allen Spielen mit Ausnahme des Heimspiels gegen Darmstadt jeder Spielausgang möglich gewesen wäre.  Christian Eichner berichtet zudem in der Pressekonferenz von der weiterhin guten  Stimmung in der Mannschaft. Auf bleibenden Siegeswillen und die dazu nötige Einstellung sollten wir also hoffen dürfen.

Zu Beginn der Pressekonferenz vom FC Hansa Rostock wähnt man sich in der Morgenkonferenz auf Station 2a des Klinikums Südstadt. Eine Neuaufnahme noch ohne klaren Befund, die länger liegenden Patienten mit gutem Verlauf, demnächst eine Entlassung. Ab Minute 3.50 stellen wir dann fest, was wir beim MSV erlebten, kennen Hansa-Anhänger und -Spieler nicht weniger. Demnächst sollen Hansa- und MSV-Spieler sogar die erlittenen Enttäuschungen dieser Saison in einer Online-Selbsthilfegruppe gemeinsam bearbeiten. Geteiltes Leid ist halbes Leid, und Sprechen oder Schreiben im geschützten Raum führt zu gereiften Mannschaften. Mannschaften, die in der nächsten Saison erreichen werden, was sie aufgrund der ähnlichen finanziellen Situation ihrer Vereine erreichen müssen: den Aufstieg in Liga 2. Neben den allgemeinen Befindlichkeiten gibt es noch ab Minute 13.18 Hansa-Spieler Julian Jakoks, der über seine persönliche Situation spricht.

Alles in allem, zwei Mannschaften mit demselben Vorhaben und ähnlichen Bedingungen, mal sehen, welche Kleinigkeit dieses Mal wieder den Ausschlag gibt.

Der Liveticker neben der Helmut-Rahn-Gedenkwand

Die anderen Gäste in der Frohnhausener „Friesenstube“ verfolgten mit dem Reporter von Radio Essen das Auswärtsspiel von Rot Weiß bei der Kölner Viktoria. Die Leitung war gut, entsprechend  auch das Spiel. Die Anhänger der Mannschaft aus dem Pott konnten zufrieden sein. Rot Weiß führte. Den Gästen der Friesenstube war das  nicht anzumerken. Für den FC Kray in derselben Liga lief es gegen die zweite Mannschaft vom 1. FC Köln anders. Die Telefonverbindung passte zur skeptischen Reporterstimme angesichts des Spielverlaufs. Sie passte aber auch zu unserem Helmut-Rahn-Gedächtnistag. Diese Radio-Momente klangen nach Vergangenheit.

Mit dieser Telefon–Stimme im Hintergrund war es leicht vorstellbar, dass Helmut Rahn zur Tür reinkommt, sich an den Tresen setzt und kurz zu uns rüberguckt, ob auch wir in der Kneipe unbekannten Gesichter mal wieder die Geschichte von seinem Tor erzählt bekommen wollten. Wir hätten ihn überrascht. Was interessierte uns ein Wunder von Bern, wenn die erfolgreichste Bundesliga-Saison des MSV Duisburg zu besprechen gewesen wäre. Mit Freunden war ich nach Essen gefahren, erst zur Helmut-Rahn-Sportanlage, dem 60. der „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss„, danach ging es zur Friesenstube, der einstigen Stammkneipe Helmut Rahns, die als Ziel auf der Deutsche Fußballroute NRW sogar touristisch erschlossen ist. Doch nur das Routenschild vor der Kneipe weist darauf hin. Reisebusse fahren nicht vor.

Während die wortkargen Gäste dem Radio lauschten, hatten wir unseren Live-Ticker und wussten um die 1:0-Führung des MSV Duisburg gegen den SV Sandhausen. Was dort im Süden geschah, schien selbst nach der Halbzeitpause nicht weiter bedrohlich zu werden. Die Nachricht vom zweiten Brandy-Tor machte die Friesenstube dann zum Zebrastall. Die einsamen Herren am Tresen bedachten uns ebenso mit freundlichen Blicken wie Bedienung Chrissi. Auch mal eine schöne Erfahrung mit Fußball in Essen.

Dieser Sieg war notwendig, wichtig und nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Als ich den Vorbericht aus der Region mit o-Tönen von Nicky Adler las, wusste ich, im Grunde wird es dassselbe Spiel wie gegen Ingolstadt, nur dass der Gegner dieses Mal weniger fußballerische Qualität aufweist. Der SV Sandhausen machte die Zebras zum Favoriten, sie würden deshalb tief stehen und wieder einmal bekäme der MSV Duisburg Probleme gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Doch Kosta Runjaic hatte aus dem Spiel gegen den FC Ingolstadt einen nahe liegenden Schluss gezogen, über den viele von uns Zuschauern auch schon oft nachgedacht hatten. Er nahm Antonio da Silva von Beginn an in die Mannschaft.

So kamen viele Dinge zusammen. Wahrscheinlich war der SV Sandhausen nicht nur im Spiel nach vorne schlechter als der FC Ingolstadt. Auch die Defensive bot mehr Lücken. Diese zu nutzen, dazu musste die Mannschaft des MSV Duisburg aber erst einmal in der Lage sein. Nach dem, was ich hörte, las und gesehen habe, war die Leistung aller einzelnen Spieler deutlich besser als vor einer Woche. Aber auch das durch die Hereinnahme von da Silva variablere Spiel schuf für den MSV Duisburg Vorteile.  Das Problem zwei kurz nacheinander aufgestellte Vierer-Ketten überspielen zu müssen konnte so gelöst werden. Wenn ich zudem das zweite Tor von Sören Brandy sehe, weiß ich auch, dem Mann gelang an diesem Tag mehr, als wir bislang von ihm gesehen haben. Wie Brandy sich im Strafraum mit dem Rücken zum Tor samt Ball vom Gegenspieler löst und sofort erfolgreich den Abschluss sucht, das hat Klasse. Es zeugt von seinem Selbstbewusstsein an diesem Tag. Wollen wir hoffen, diese Erfahrung trägt in die nächsten Wochen hinein. Kämpferisch konnte er bislang ja stets überzeugen. Es fehlten genau solche spielerischen Momente wie gegen Sandhausen, die ihn in Paderborn regelmäßig ausgezeichnet hatten.

Den Ausblick auf die nächsten zwei Spiele wage ich nur zögerlich. Wir wissen einfach nicht, wie gefestigt das spielerische Niveau dieser Mannschaft ist. Sehr viel mehr aus  wirtschaftlicher denn aus sportlicher Perspektive wäre ein Auswärtssieg im Pokalspiel gegen den Karlsruher SC wichtig. Aber Pokal ist Pokal. Wir werden sehen und hoffen. Und wenn am nächsten Samstag der Auswärtssieg gegen Sandhausen mit einem ebenso nicht selbstverständlichen Heimsieg unterfüttert würde, sähe unsere Zebrawelt schon wieder etwas rosiger aus.

Ich bin übrigens mal gespannt, welchen Nachfolger der VfL Bochum für Andreas Bergmann findet. Doch egal, wer in Bochum jetzt Trainer wird, die Veränderung dort wird keinen so großen Unterschied machen wie der Trainerwechsel in Duisburg. Zumal die Saison inzwischen voran geschritten ist. Da ist der MSV Duisburg sehr viel weiter in der Entwicklung und besitzt gegenüber diesem Konkurrenten aus dem Pott eindeutige Vorteile. Davon ab begrüßte ich es natürlich, wenn auch der VfL die Klasse hielte – trotz der komischen gelb-roten Embleme auf den Trikots.

Solidarität unter Leidensgenossen im Fußball-Westen

Gestern Abend spuckte Google unter dem News-Suchbegriff „MSV Duisburg“ eine Meldung mit folgender Überschrift aus: „Fußball 2. Liga: Keine Wettkampf-Aggressivität“. Ach, dachte ich, als ich Der Westen als Quelle las, haben die Herren Retzlaff oder Tartemann nochmal was zur Wochenendberichterstattung nachgelegt? Ein Klick, und welche Überraschung. Die Bochumer Kollegen im Haus beschäftigten sich mit Andreas Bergmanns Eindruck vom Spiel. Andreas Bergmann ist übrigens nicht der neue Trainer vom MSV Duisburg sondern vom VfL Bochum. Wie wir seit gestern Abend auch wissen, kann sich der MSV Duisburg zudem große Hoffnung für das Spiel am kommenden Sonntag machen. Denn in Bochum gibt es noch Solidarität und Hilfsbereitschaft. Friedhelm Funkel wurde keineswegs wegen der Erfolgslosigkeit der Bochumer Mannschaft entlassen. Als die ersten Berichte über die trainerlos gewordene Mannschaft von Alemannia Aachen Bochum erreichten, war den Verantwortlichen des VfL sofort klar, sie müssten handeln. Es sind immer die, denen es selbst nicht gut geht, die am meisten geben.


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