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Warum BILD-Nachrichten über den MSV immer unwichtig sind

Ich muss gerade mal ganz, ganz schnell daran erinnern, dass man BILD-Nachrichten über den MSV Duisburg niemals wichtig nehmen darf.  Niemals! BILD ignorieren. Grundsätzlich. Keine Ausnahme. Ich muss daran erinnern, weil gestern doch glattweg der BILD-Mann Joachim Droll mit seinem Text zu Bernd Maas und dem MSV das erreichte, was er bezweckte. Nämlich ein Gefühl der Zwietracht und Unzufriedenheit mit Menschen rund um den MSV bei einigen, denen der MSV sehr am Herzen liegt. Zwar hielt sich das in Grenzen, doch nur einer, der auf ihn reinfällt und sich Gedanken über Sponsoreneinfluss macht, ist einer zu viel, und wenn ich den einen mit meinem Appell erreiche, ist für das nächste Mal, wenn es wirklich ernst ist, viel gewonnen.

Joachim Droll ist der Tullius Destructivus des Pott-Fußballs. Ihr erinnert euch doch an Cäsars Sonderbeauftragten aus dem Asterix-Band XV Streit um Asterix? Cäsar schickt ihn ins gallische Dorf, um den Zusammenhalt dort zu zerstören. Überall wo Tullius auftaucht, intrigiert er. Sofort bricht Streit aus und alle schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein. Beim VfL Bochum hatte der BILD-Tullius auch seine Finger im Spiel. Dort wurden Fragen von Joachim Droll im Dezember nicht mehr beantwortet, berichtet BILDBlog. Das hatte eine längere Vorgeschichte, die schon im September jene legendär gewordenen Worte von VfL-Trainer Gert Verbeek hervorrief.

Joachim Drolls Ansinnen ist also keine Berichterstattung sondern Zwietracht sähen. Das hat er mit seinem Text über Bernd Maas und den MSV wieder versucht. Entnommen habe ich das mancher Reaktion auf den Text, ihn zu lesen habe ich mir gespart. Unzweifelhaft unter den Anhängern ist die Leistung von Bernd Maas bei der Rettung des MSV. Ich möchte sie auch noch einmal hervorheben, weil ich durch die Interviews zu dem Buch über die zwei Drittligajahre noch einmal das Ausmaß der damals geleisteten Arbeit sehr lebendig vor Augen geführt bekam.

Bernd Maas installierte  beim MSV eine Controlling-Software, als die Nachricht von der ausbleibenden Lizenz die Runde machte. Er bot sofort seine Hilfe an. Nach der Entlasssung von Roland Kentsch war er der einzige Mann im gesamten Verein, der wenigstens ansatzweise einen Einblick in die Zahlen hatte. Kentschs Mann für die Finanzen hatte sich am Tag des Lizenzentscheids krank gemeldet, weil er zu Hause die Treppe herunter gefallen war und sich dabei verletzt hatte. Bernd Maas arbeitete sich innerhalb kurzer Zeit in die vollständige Finanzsituation des MSV ein. Schon damals war es aber keineswegs im Lebensplan von Bernd Maas vorgesehen gewesen, noch einmal Geschäftsführer eines Fußballsvereins zu werden. Dazu waren seine Erfahrungen in Dresden zu schlecht gewesen. In Duisburg übernahm er diesen Job dann schließlich doch, weil er im Ruhrgebiet zu Hause ist. Sein Entschluss ergab sich in einer Mischung aus geschaffenenen Tatsachen durch seine für den MSV geleistete Arbeit und bewusster Entscheidung. Das muss man wissen, wenn man sich fragt, warum der Vertrag mit ihm auslief.

Wer nun die Nichtverlängerung seines Vertrages dazu nutzt, irgendwen, der dem MSV Duisburg gewogen ist, zu diskreditieren, wirft mit Dreck, sonst nichts. Den Dreck findet er nicht beim MSV. Den Dreck holt er aus dem eigenen Haus. Dort liegt er haufenweise rum. Und wer noch einen Beweis dafür braucht, der lese meinen oben verlinkten Text, denn wir alle, wir Anhänger des MSV, sind ebenfalls schon mit diesem Dreck beworfen worden. Im Sommer 2013 sollen unsere Aktionen rund um den MSV Duisburg nämlich nichts anderes gewesen sein als ein blinder Reinfall auf Manipulationen durch Vereinsverantwortliche wie Markus Räuber und dem Vertreter des Hauptsponsors Andreas Rüttgers. Zu dummen Schäfchen hat er euch damals machen wollen, der Joachim Droll. Vergeblich. Ihr seid nur diese dummen Schäfchen, wenn ihr schon ein Wort von ihm glaubt, selbst wenn es zufällig einmal die Wahrheit sein sollte.

Notizen zu Präsidentenwechsel und Sponsoreneinfluss

Eins halte ich für sicher: Der MSV Duisburg ist auf dem Weg, ein Geschehen, wie das der letzten Tage als einfache Nachricht weitergeben zu können. Der Vorsitzende und der 2. Vorsitzende tauschen ihre Ämter. Noch ist der MSV Duisburg nicht so weit. Der Wechsel an der Vereinsspitze erfolgt zu einem überraschenden Zeitpunkt, was ihm eine besondere Bedeutung beimisst. Es gibt Raum für Spekulationen, die  der seriöse Teil der Lokaljournalisten sachlich und informierend vornimmt. Was wenig mit der Art und Weise zu tun hat, wie dieser Ämtertausch vom MSV kommuniziert wurde sondern mit der Haltung dieser Journalisten. Dirk Retzlaff liegt mit dem Bericht und seinem Kommentar des Geschehens wohl sehr nah an der Wirklichkeit dieses Wechsels, hingegen im Reviersport, wie es sich für den Boulevard gehört, jede Chance auf die populistische Empörungsgeste genutzt wird. Such die Emotion und den Konflikt in der Geschichte, dann blase alles auf und probiere mit dem halbtoten Story-Gaul  wenigstens den Nebenweg Randfigurenkommentar, so lautet einmal mehr die Devise.

Beim Wechsel an der Vereinsspitze lässt sich ein Grundmotiv erkennen, und das ist das Vertrauen in die handelnden Personen beim MSV Duisburg. Dieses Vertrauen ist wichtig, weil Menschen gefunden werden müssen, die bereit sind, dem MSV Duisburg Geld zu geben. Inzwischen ist wieder von fehlenden 4,5 Millionen Euro die Rede. Wir waren schon einmal bei fehlenden 2 Millionen. Dieser Unterschied in der Summe ist aber anscheinend nicht mehr wichtig. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das Vertrauen das zentrale Motiv beim Wechsel war und in der Folge dann natürlich das fehlende Geld. Wir wussten bislang übrigens auch nicht genau, welche Menschen den Vereinsverantworltichen vertrauen sollten. Waren es Sponsoren oder Investoren? Was selbstredend ein Unterschied ist, da Investoren Geld verdienen wollen. Sponsoren wollen aber immatierelle Werte geboten bekommen. Nach diesem Wechsel an der Vereinsspitze sieht es nun so aus, als werde die Aufmerksamkeit mehr auf die Sponsoren gerichtet. Aber auch das ist Spekulation.

Wenn von Sponsoren die Rede ist, taucht ein weiteres Mal das Vertrauen als Grundmotiv des Geschehens auf. Dieses Mal aber geht es um das Vertrauen der Fans in die Entscheidungsfreiheit beim MSV Duisburg. Nach der Hellmich-Zeit ist der Einfluss von Geldgebern auf den Verein ein heikles Thema. Verantwortliche und Anhänger eines Vereins wie dem MSV Duisburg kommen aber nicht umhin, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Stellen wir uns vor, warum ein Unternehmen dem MSV Duisburg Geld gibt? Wirtschaftliche Argumente finden Unternehmen selbst in der 2. Liga nur selten. Ich erinnere mich an eine Studie zu Sponsoringeffekten im Fußball, die ich auf die Schnelle jetzt nicht finde. Bezogen auf Markenwert, Steigerung der Bekanntheit usw. hat sich für kaum ein Unternehmen das Engagement im Fußballl gerechnet. Das Geld wäre besser in reine Werbung investiert gewesen. Es muss also neben den wirtschaftlichen Gründen weitere Motive geben, warum ein Unternehmen einem Fußballverein Geld gibt.

In Duisburg sind das überaus begrüßenswerte Motive. Denn Schauinsland-Reisen sicherte die Existenz des MSV Duisburg immer auch in der Absicht, den Menschen in Duisburg zu Lebensqualität zu verhelfen. – Irgendwer wird diese Steilvorlage zu Ironie und Sarkasmus puncto Leidensgeschichte mit dem MSV sicher nutzen.  – Gerald Kassner verfolgt also indirekt soziale Absichten bei seiner Entscheidung. Stellen wir uns nun also den Idealfall sponsorenunabhängige Entscheidungen beim MSV Duisburg vor. Das Unternehmen beobachtet, was geschieht und erkennt, der MSV Duisburg geht in seiner Geschäftspolitik einen Weg, der mit unseren Absichten nicht in Einklang zu bringen ist. Wir ziehen uns zurück. Alles wird offen kommuniziert. Der MSV Duisburg hat also die freie Entscheidung, überall sein Geld zu suchen. Wir wissen alle, das ist eine Illusion. Für den MSV Duisburg in der 3. Liga interessieren sich nicht viele Sponsoren. Wenn ein Verein von einem Sponsor mehr Geld erhält als von anderen, enstehen Abhängigkeiten. Daran können die handelnden Personen nichts ändern. Das sind strukturelle Bedingungen. Die völlige Entscheidungsfreiheit ist also ebenfalls eine Illusion. Das hat aber nichts mit unbotmäßiger Einflussnahme seitens des Hauptsponsors zu tun. Das ist einzig und allein eine Einsicht in die Gegebenheiten und verlangt pragmatisches Handeln.

Aus dieser Einsicht gilt es meiner Ansicht nach Konsequenzen zu ziehen. Das ist meine kritische Anmerkung zu dem Geschehen. Denn auch die von Schauinsland-Reisen in Person von Andreas Rüttgers ausformulierte Meinung, es gebe keinen Einfluss auf den MSV Duisburg ist demnach eine idealistische Illusion. Natürlich stimmt das im Grundsinn der Worte. Doch es gibt Menschen, die mit einigem Recht das anders wahrnehmen, weil sich die Bedeutung des Unternehmens sehr wohl als Präsenz in informellen Zirkeln des Vereins zeigt. Der Alltag erfordert realistische Haltungen, und ich denke, es wäre eine sauberere Lösung, wenn sich die besondere Bedeutung des Hauptsponsors Schauinsland-Reisen in den Gremien des MSV Duisburg abbildete. Im Gegensatz zu Walter Hellmich vermischt Gerald Kassner sein Engagement beim MSV Duisburg nicht mit wirtschaftlichen Interessen seines Unternehmens. Die Vorgeschichte des MSV Duisburg verlangt, dass darauf noch einige Zeit lang hingewiesen wird. Kontinuität gehört übrigens auch in diesen Zusammenhang. Die Vorgeschichte macht die häufigen Wechsel an der Vereinsspitze völlig nachvollziehbar. Dazu ein anderes Mal mehr.

Am Vorgang des Wechsels ist für mich einzig zu kritisieren, dass der MSV Duisburg mit dessen Bekanntmachung wie von der Presse getrieben wirkte. Der Verein hatte beim Verkünden des Wechsels nicht die Deutungshoheit. Vielleicht gab es Hintergrundgespräche nach den ersten Gerüchten, und der Verein braucht nicht nur dankbar sein, für die ihm dieses Mal meist gesonnene Berichterstattung. Dennoch fehlt eine starke Geschichte von Vereinsseite für seine Anhänger, die sich direkt bei dem Verein ihres Interesses informieren wollen. Wenn man sich die Strukturen im MSV Duisburg genauer ansieht, ist das Fehlen nachvollziehbar. Die Presseabteilung ist in dem Wirtschaftsunternehmen angesiedelt und übernimmt die Meldungen für den Verein mit. Es zeigt sich so eine Leerstelle der Kommunikation, die sich auch andererorts bemerkbar macht und die Hermann Kewitz in der Rheinischen Post bei seiner Bestandsaufnahme des Geschehens ebenfalls wahrnimmt. In solchem fehlenden Reden mit der Öffentlichkeit geht es immer um mehr als um den eigentlichen Sport. Im Erfolgsfall fällt das übrigens nicht auf. Ein Aufstieg in der nächsten Saison hilft also auch in dem Fall.

 

 

 

Mehrmaliges Lesen beruhigt – Gesunder Umgang mit den Worten von Andreas Rüttgers

Gestern Nachmittag gingen Worte aus dem MSVPortal unter Anhängern des MSV rasend schnell durchs Netz. Überall hieß es, schon gelesen? Oh Gott, was hat das zu bedeuten? Das macht Angst! Anlass für die plötzlichen Sorgen war dieser Post im MSVPortal von diplomat, der ja bekanntermaßen Andreas Rüttgers ist, der Marketingchef vom Hauptsponsor des MSV Duisburg, Schauinsland-Reisen, und ehemaliger Vereinspräsident. Der Ton den Andreas Rüttgers anschlug, klingt beim ersten Lesen so sehr nach Abschied, dass bei vielen Anhängern des MSV Daueralarm einsetzte. Es dauerte einige Zeit, bis Andreas Rüttgers in einem zweiten Post versuchte, die Stimmung zu beruhigen. Doch auch dieser Post warf beim ersten Lesen Fragen auf. In diesem Post, klang es so, als ob die Einheit der Krise zwischen den Verantwortlichen vom MSV und dem Hauptsponsor verloren gegangen ist. Man kann aus seinen Worten herauslesen, dass es zwischen Hauptsponsor und Verantwortlichen unterschiedliche Ansichten über die Zukunft des MSV Duisburg gibt.

Die gute Nachricht ist aber: Man kann diese Differenzen herauslesen, man kann es aber auch lassen. Dazu muss man die beiden Postings ein zweites Mal lesen. Mache ich das, lassen Sie sich tatsächlich auch nur als pathetisch formulierter Dank deuten,  so wie Andreas Rüttgers eben seinen ersten Beitrag betitelt hat: „Danke an den 12. Mann …“ Solch emotionalen Worte kennen wir von Andreas Rüttgers. Das ist sein Stil und gehört zu seiner Persönlichkeit. Daraus zieht er seine Kraft, um sich für den MSV Duisburg einzusetzen. Wie alles hat das auch seine Kehrseite, die sich gestern offenbarte, als er seinen Dank im Namen des Sponsors mit dem Blick auf die Zukunft des MSV verknüpfte. Erst nach einem zweiten Lesen ist das dem Pathos geschuldet. Man kann diesen Vorgriff auf den möglichen Abschied also als rhetorische Figur deuten, dann wirkt der Dank noch größer. Beim ersten Lesen aber ist der Abschied nah.

Allein, dass es so viele Beiträge in dem Thread nach Andreas Rüttgers‘ Posting gibt, sollte ihn darauf hinweisen, dass er in diesem Fall unpassende Worte gewählt hat. Wenn so viele Anhänger des MSV Duisburg anfangen, einzelne seiner Sätze auseinander zu nehmen, zu deuten und auszulegen, um zu verstehen, was wirklich gemeint ist, scheint das Vorhaben des Sponsors, sich bei Fans zu bedanken, schief gegangen zu sein. Nun nehmen einige Anhänger auch an, Andreas Rüttgers habe seine Worte strategisch geäußert im Hinblick auf das Agieren der Vereinsverantwortlichen. Das allerdings hielte ich für eine Katastrophe.

Diese Unsicherheit über die Haltung von Schauinsland-Reisen verursacht die eigentliche Unruhe unter den Fans. Die  Rheinische Post hat diese gestern aufgeflammte Stimmung unter den MSV-Anhängern in einem Artikel aufgegriffen und diese Unruhe auf die unklare finanzielle Lage reduziert. Diese Lage ist aber nicht neu. Dieses Warten sind wir gewohnt und halten wir aus. Wenn nun aber in einem ersten Lesen das Verhältnis das Hauptsponsors zum Verein problematisch scheint, scheint es so, als kehrten alte Zeiten zurück. Auch in dem Fall tut ein zweites Lesen Wunder. Ich mache das und erkenne dann nur grundsätzliche Äußerungen über die Einstellung von Schauinsland-Reisen, die immer schon bekannt waren. Wie gesagt, Beruhigung bringt erst ein zweites Lesen.

Jeder Mensch hat blinde Flecken. Ich hoffe, in dem Fall ging es nur um einen solchen blinden Fleck von Andreas Rüttgers bezogen auf die eigene Emotionalität. Würde ich etwas anderes annehmen, müsste wir wieder über Strukturen reden. Über genau formulierte Verabredungen, was ein so großer Sponsor von einem Fußballunternehmen erwartet, erwarten kann. Aber vielleicht ist Sponsor auch das falsche Wort für einen Geldgeber bei einem Verein der Größenordnung vom MSV Duisburg. Weil es bei einer Unterstützung solcher Größenordnung, wie sie Schauinsland-Reisen vorgenommen hat, zwangsläufig auch um Vorstellungen von Arbeitsweisen geht. Und das genau ist eine Schwierigkeit für das Verhältnis von Verein und Geldgeber. Dann allerdings müsste ich auch über das Rollenverständnis von Andreas Rüttgers nachdenken. Ich hoffe sehr, dass ich das alles nicht machen muss.

UPDATE 13 Uhr: Andreas Rüttgers hat sich noch einmal mit einem ausführlichen Post zu Wort gemeldet und dieses Mal spricht er klare Worte. Die wichtigste Botschaft lautet, zwischen Verein und Hauptsponsor Schauinsland-Reisen gibt es keine Disharmonie. Meine Hoffnung hat also nicht getrogen. Bleibt die Sorge um das fehlende Geld. Es scheint schwieriger als erwartet zu sein, die Finanzlücke zu schließen. Abermals also hoffen, dass Hoffnungen nicht enttäuscht werden.

 

 

Versprechen kann ich genauso brechen wie Ranisav Jovanović

Eigentlich versprach ich, zu Ranisav Jovanović nichts mehr zu sagen. Denn schnell nervte mich dieser Epilog zu seinem Abgang, der gestern im Netz allerorten zu bemerken war, als das Reviersport-Interview mit ihm die Runde machte. Ich will mich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen. Ich blicke nach vorne. Samstag beginnt die neue Saison. Ich will mich mit dem großartigen Niederrheinpokal beschäftigen, der, wie ich gestern erfuhr, ein zukunftsträchtiger Wettbewerb für die Zebras ist und ganz andere Sachen beschäftigen mich auch noch. Jovanović ist so was von vorbei und gehört zum Gestern. Soll er in Sandhausen doch absteigen und sich an dem auch für die 3. Liga gültigen Vertrag freuen.

Gleichzeitig denke ich, das darf doch nicht wahr sein und muss mein Versprechen brechen. Da möchte Thorsten Richter im Reviersport mal wieder mit ein bisschen Krawall die Leser anlocken und schon gibt es Verständnis für  Jovanović unter einigen Anhängern des MSV Duisburg nach dem Motto, wenn er die Chance hat in Liga 2… Aber darum ging es gar nicht. Das ist nämlich unstrittig, dass er wechseln kann, wenn er meint, einen besseren Arbeitsplatz gefunden zu haben. Auch für Andreas Rüttgers war das keine Frage. Es ging um die Art und Weise seines Wechsels. Andreas Rüttgers aber hat nun den schwarzen Peter beim MSV Duisburg. Er hat ihn für Udo Kirmse übernommen, weil er ihn nach seiner Ankündigung, Jovanović bliebe, nicht im Regen stehen lassen wollte. Das ist das eigentlich wichtige Thema für den MSV Duisburg, wie kommunizieren Verantwortliche des MSV Duisburg mit der Öffentlichkeit. Dazu später mehr.

Erst aber die Fakten: Denn falls jemand in einiger Zeit „Andreas Rüttgers“ googelt und diese Jovanović-Worte liest, weiß keiner mehr, wie was zu werten ist. Dann steht das Interview mit den verstümmelten Rüttgers-Zitaten neben den bei WAZ/NRZ aufgegriffenen Worten der Enttäuschung von Rüttgers, die er im MSVPortal schrieb. Der Original-Beitrag im MSVPortal wird wahrscheinlich nicht schnell zu finden sein. So ist das Internet. Das erleben wir gerade beim neuen Geschäftsführer vom MSV Duisburg. Über Bernd Maas ist manches im Netz zu lesen, und einiges davon gefällt einem auf Anhieb nicht gut. Andererseits gibt es entlastende Erklärungen, wie unangenehme Nachrichten, etwa die über seine Zeit in Dresden, zustande kamen. Alles steht plötzlich nebeneinander und niemand kann beurteilen, was von all dem zu halten ist, wenn er sich nicht intensiv mit diesen Gegebenheiten auseinandersetzt. Mit Bernd Maas habe ich das noch nicht gemacht. Mache ich das überhaupt? Vielleicht vertraue ich einem Gewährsmann? Was ist also mit der Wahrheit geworden?

Deshalb als Notiz für die zukünftig googelnden Interessenten Folgendes im Falle des Wechsels von  Ranisav Jovanović: Udo Kirmse verkündete am Tag der Lizenerteilung für die 3. Liga , er sei sehr, sehr sicher Ranisav Jovanović werde in der nächsten Saison beim MSV Duisburg spielen. Der Spieler habe ihm gesagt, er fühle sich in Duisburg sehr wohl. Die Botschaft war: „Rani“ bleibt. Zwei Tage später wurde die Nachricht verkündet, „Rani“ wechselt nach Sandhausen. Wie das? Von Seiten des MSV gab es nur  formelhafte Sätze zum Abschied ohne Bezug auf die nun voreilig wirkenden Worte von Udo Kirmse. Andreas Rüttgers machte noch einen Tag später im MSVPortal nachvollziehbar, wie es zu den Kirmse-Worten hat kommen können. Die wichtige Information lautet, es gab eine Zusage von Jovanović, dass er seinen Vertrag unterschriebe. Die Rüttgers-Worte sind der Anlass für das Reviersport-Interview. Später verdeutlicht Rüttgers nach Kritik an seinem Beitrag im MSVPortal in einem weiteren Beitrag seine Meinung.

Exkurs: Wie kam es zum Interview im Reviersport? Diese Frage möchte ich aufwerfen, weil in diesem Interview nichts, absolut nichts zum einzig wichtigen Thema des Jovanović-Wechsels steht. Die erste und allerwichtigste Frage an Ranisav Jovanović hätte lauten müssen, können Sie sich erklären, wie Udo Kirmse zu seiner Meinung kam, sie blieben in Duisburg? Dann wäre der Spieler gezwungen gewesen, sich mit Anstand zu bekennen oder rumzueiern oder seine Sicht genauer zu erklären. Alles andere interessiert nicht. Udo Kirmse bleibt aber völlig ausgeklammert. Denn es geht nicht um Aufklärung einer verworrenen Situation. Es geht mal wieder alleine um Emotionen und Krawall. Wie also ist das Interview zustande gekommen? Ob Jovanović Thorsten Richter angerufen hat mit der Bitte ihn  zu interviewen, um  Andreas Rüttgers abzuledern? Oder war es umgekehrt? Thorsten Richter ruft Jovanović an und wirft ihm einzelne Rüttgers-Sätze zum Anfüttern des Ärgers hin? Wir wissen das nicht. Wir wissen nur, die Rüttgers-Sätze in den Fragen sind verkürzt, und Jovanović hat keine Lust ein bad guy zu sein. Wieso kümmert er sich überhaupt noch um seinen Ruf in Duisburg? Ich vermute, wenn ihn einer mit der Nase drauf stößt. Bühne frei für den Krawall.

So weit der Vorgang als solcher, der uns eines zeigt. Die Verantwortlichen beim MSV Duisburg können nicht davon ausgehen, dass ihr idealistischer Ansatz für die Zukunft ausreicht, um die öffentliche Meinung auf ihrer Seite zu behalten. Denn Andreas Rüttgers ist in dem Fall ja nur der Strohmann für die MSV-Geschichte. So ist noch einmal alles gut gegangen. Dieses Mal wurde Udo Kirmse von keinem Journalisten der Vorwurf gemacht, er habe unprofessionell gehandelt. Was aber auffällt, offiziell erkärt der MSV Duisburg die Fehlinformation von Udo Kirmse nicht. Das ist eine offene Flanke für jeden Journalisten, der sich eine Geschichte zurecht basteln will. Thorsten Richter macht das dieses Mal eben nur auf indirekte Weise, weil er durch Andreas Rüttgers Worte die Gelegenheit dazu erhält. Er weiß, die öffentliche Stimmung um Udo Kirmse lässt eine Geschichte über ihn nicht zu. Andreas Rüttgers ist  umstrittener, da geht er kein Risiko ein.

Dennoch müssen der MSV und Udo Kirmse selbst das entstehende öffentliche Bild des Vereinsvorsitzenden Kirmse im Blick behalten. Mir geht es gar nicht darum, dass Udo Kirmse vorsichtiger mit seinen Worten wird. Mir geht es darum, dass der Fußball wie jedes Gesellschaftsegment oder Berufsfeld eigene Regeln und Normen hat, die niemand ignorieren kann. Das System ist auf Dauer stärker als der Einzelne. Zu diesem System Fußball gehören die Spielerwechsel trotz mündlicher Versprechen im allerletzten Moment, zu diesem System gehört aber auch die gern hervor geholte Deutung von Unvorhergesehenem als amateurhaftes Arbeiten gegenüber dem professionellen. Wie gesagt, es ist nicht dazu gekommen. Ich hoffe aber sehr, demnächst übernimmt der Verein selbst das, wozu sich Andreas Rüttgers aufgefordert fühlte. Dann wäre mir wohler.

Kann Udo Kirmse von RWO-Präsident Hajo Sommers etwas lernen?

Seit ich weiß, dass Ranisav Jovanović zum SV Sandhausen wechselt, muss ich an Hajo Sommers denken, den Präsidenten von Rot-Weiß Oberhausen. Ich habe nämlich Udo Kirmse, den Präsidenten vom MSV Duisburg, Montag am Stadion erlebt. Ich habe gesehen und gehört, mit welcher Freude und Zuversicht er über die bevorstehende Vertragsunterschrift von Ranisav Jovanović redete. Wer Udo Kirmse so erlebt hat, wird sich leicht ausmalen können, das Ausbleiben der Unterschrift war nicht einfach ein weiterer geschäftlicher Vorgang für ihn. Abgehakt, nächstes Thema. Das wird ihm wahrscheinlich schwer gefallen sein. Wer ihn so erlebt hat, wird vermuten dürfen, Udo Kirmse wurde persönlich enttäuscht. Und wir dürfen mit ihm froh sein, dass dieses Mal nicht schon wieder ein Lokaljournalist um die Ecke gekommen ist,  der zur Enttäuschung ungefragt ein Zeugnis ausstellt, weil Udo Kirmse etwas als nahezu sicher verkündete, was dann nicht eintraf. Udo Kirmse hat Ranisav Jovanović anscheinend zu sehr vertraut und die Gesetzmäßigkeiten des Profifußballbetriebs unterschätzt.

Hajo Sommers kam mir in den Sinn, weil er wie Udo Kirmse aus tiefer Verbundenheit zu seinem Heimatverein, nämlich Rot-Weiß Oberhausen, vor Jahren ebenfalls in einer Krise Verantwortung in seinem Verein übernahm. Präsident wurde er später sogar. Mit ihm zusammen gab es einen Kreis von Männern, die den endgültigen Verfall von Rot-Weiß Oberhausen verhindern wollten. Es ging ihnen um den Verein. Sie verbanden mit diesem Verein weder geschäftliches Interesse noch brauchten sie den Verein für ihren Ruf. Ihr ganzer Einsatz galt dem Gedanken, irgendwie müssen wir den Spielbetrieb am Laufen halten und wenn sich der sportliche Erfolg dazu einstellt, um so besser. Vorrangig war aber die solide finanzielle Basis. Dem war alles andere unterzuordnen. Ihr erkennt die Gemeinsankeiten?

Für das Fußballortebuch habe ich mit Hajo Sommers gesprochen. Seit dem Beginn seiner Amtszeit bei RWO waren einige Jahren vergangen. In dieser Zeit stieg Rot-Weiß Oberhausen in die 2. Liga auf, wieder ab und es drohte der Abstieg in die Regionalliga. Nach der Krise hatte die Wirklichkeit des Fußballbetriebs in Oberhausen wieder Einzug gehalten und damit eine nur schwer veränderbare Normalität des Profifußballs. Dazu gehören nicht unbedingt nur Spieler, die des Geldes wegen den Verein wechseln und somit die weichen, ideellen Faktoren eines Arbeitnehmerverhältnisses diesem Geld unterordnen. Soll ich das nun wertkonservativ nennen, weil sie damit das allgemeine Sinn- und Zielideal der zurückliegenden Jahre unserer Gesellschaft weiterhin leben? Das sind auch wir Zuschauer, von denen viele im Fußball mit dem sportlichen Erfolg des eigenen Vereins  Lebensglück suchen. Bleibt dieser Erfolg aus, entstehen öffentliche Stimmungen, die gar nichts mehr vom Zusammenhalt in Notzeiten haben. Ohne die Krise gibt es aber auch wieder im Umfeld des Vereins Menschen mit eigenen Interessen neben dem Sport, die sie im Verein versuchen durchzusetzen. Hajo Sommers wirkte desillusioniert. Hajo Sommers ist dennoch weiterhin Präsident von Rot-Weiß Oberhausen.

Ein Grund mehr für den Gedanken, Hajo Sommers und seine idealistisch gesonnenen RWO-Freunde aus den Krisenzeiten könnten bei einem informellen Treffen mit Udo Kirmse und seinen idealistisch gesonnenen Freunden aus dieser MSV-Krisenzeit mal aus dem Nähkästchen plaudern. Vielleicht gibt es ja Erfahrungen, die vereinsübergreifend nützen. Enttäuschungen lassen sich so natürlich nicht vermeiden, aber vielleicht die ein oder andere Fallgrube deutlicher erkennen. Und ein wenig Arbeit an gemeinsamer Pott-Identität kommt als Nebeneffekt hinzu. Denn eins ist gewiss, irgendwann kommt ein Lokaljournalist wieder um die Ecke auf der Suche nach einer Geschichte.

Noch einmal Vorstand- und Sponsorenlob, Medienkritik und Bewegtbilder von Fanaktionen

Schon für den letzten Mittwoch hatte ich auf die Nachricht gehofft, die wir heute erst erfahren. In jedem Film wäre das der Fall gewesen. Keinem Publikum hätte ein Drehbuchautor zugemutet sich die letzten zwanzig Minuten des Films ohne nennenswerte Handlung anzusehen. Schließlich glich unser Film der letzten Woche einem Thriller. Dieses als letzte Fanaktion vor dem Stadion angekündigte Abendprogramm wäre in einer perfekten Dramaturgie der Höhepunkt der letzten Wochen gewesen. Wir wussten aber alle schon längst, die erhoffte Nachricht würde nicht kommen. So befand nicht nur ich mich in einer komischen Stimmung. Es war zu spüren, ein einzelnes Thema lässt sich nur schwer über eine lange Zeit hinweg in der Öffentlichkeit halten. Zumal in diesem Fall die aktuellen Wirkmöglichkeiten des Fan-Engagements für den MSV sich erschöpft hatten. Die Welt hatte gesehen, was der MSV Duisburg den Menschen vor Ort bedeutet. Einfluss auf irgendwelche Verfahren waren nicht gegeben. Der Vorstand handelte so, wie es sich fast alle Anhänger  des MSV Duisburg vorstellten. Daran änderte auch  Ralf Birkhans Urteil zum Vorstandshandeln in der WAZ/NRZ  wenig. Die Anspannung richtete sich nur noch auf die erhoffte Nachricht vom DFB. Die meisten von uns waren einfach auch müde geworden.

Dennoch stellten Michael Koch, Hajo Schneider und Detlev Gottschlich für diesen Mittwochabend erneut ein Programm zusammen, und dennoch kamen auch an diesem Mittwochabend wieder etwa 400-500 Menschen an das Stadion. Bilder vom Anfang dieses Programms hat Frank-M. Fischer für Duisburg365.de zusammengeschnitten. Dagmar Albert Horn ist zu sehen, dem es gelang dem Abend die Müdigkeit auszutreiben. Für einen ruhigeren Moment sorgte meine Wenigkeit mit drei Texten. Wer mit Übermotivierte Vierte Offizielle das Wagnis Spaßgedicht am Stadion nachlesen will, mit einem Klick weiter. Ivo hatte meiner Meinung nach ein Würdigung verdient, kein neuer Text, sondern der Abschied nach dem Ende seiner aktiven Zeit. Und der Kommentar zu dem völlig verfehlten Birkhan-Kommentar brauchte jede Öffentlichkeit. Denn eines sollte diese Zeit jedem klar gemacht haben, man sollte in Sachen MSV Duisburg nicht allzu sehr dem vertrauen, was in den Zeitungen steht – nebenbei gesagt, am saubersten wird unterschieden zwischen Meinung und Fakten seit einiger Zeit bei der Rheinischen Post. Das müsst ihr also weiter erzählen. Jedem am MSV Interessierten bleibt nichts anderes übrig als verschiedene Quellen zu lesen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

Was im übrigen auch für die Sache „Geld von Pottvereinen“ gilt. Was kochten die Emotionen hoch, weil die Nachricht verkündet wurde, der FC Schalke 04 gibt dem MSV Duisburg Geld. Für einige im Netz meinungsfreudige MSV-Anhänger bedeutete das eine persönliche Schmach. Heute nun lesen wir, auch der BVB hilft. Und wenn man sich diesen Vorgang genau ansieht, ist die Finanzkonstruktion sehr viel komplizierter, als sie das Wort Kredit beschreiben kann. Nur beim Weglassen von viel Wahrheit lässt sich das Geschehen auf die populistische Schlagzeile  bringen: Schalke rettet MSV.  Mir ist übrigens immer noch nicht klar, ob BVB und Schalke nur bürgen und damit helfen, die Auflage des DFB „Sicherheitsbürgschaft “ zu erfüllen wird oder ob tatsächlich Geld fließt. Beide Versionen sind im Umlauf.

Zurück zum Mittwoch, im Clip sind noch kurz die jungen Musiker von Die Jugend von heute zu sehen. Nicht zu sehen sind Michael Wildberg der sein Vorwort zu den neu aufgelegten Erinnerungen von Günter Preuß las, der Rapper Baracuda und Andreas Rüttgers, als Vertreter des Hauptsponsors Schauinsland Reisen, aber auch als einer, der in den letzten Wochen mitarbeitete, um die DFB-Anforderungen zu erfüllen. Auf ihn komme ich noch zu sprechen.

Jetzt also noch Andreas Rüttgers; wer dem Gespräch von Detlev Gottschlich mit ihm zuhörte, erhielt auch einen Eindruck von der ungeheuren Arbeit, die von Seiten der MSV-Verantwortlichen in dieser vergangenen kurzen Zeit hatte geleistet werden müssen. Andreas Rüttgers wies keinesfalls besonders drauf hin. Diese Einsicht konnte aber jeder gewinnen, der kurz nachdachte, wenn er all die Informationen zur möglichen Zukunft vom MSV Duisburg hörte. Über 100 hundert Sponsoren sind bereit, den MSV Duisburg in der 3. Liga zu unterstützen. Mit all diesen Sponsoren hatten neue Vereinbarungen getroffen werden müssen. Dazu musste sicher mehr als einmal miteinander gesprochen werden. Nocheinmal für Liga 3 gab es im Verein keinerlei Vorbereitung. Zudem unterscheiden sich die Anforderungen von DFB und DFL, so dass nicht einfach die Lizenzunterlagen für die DFL mal eben kurz angepasst werden konnten. Diese Lizenzunterlagen für den DFB mussten neu erarbeitet werden.

Wenn man sich allein diese Arbeit vorstellt, liegt es auf der Hand, wie leichtfertig Ralf Birkhan sein Urteil über die Arbeit der Verantwortlichen beim MSV fällte. Andreas Rüttgers machte aber noch mehr deutlich. Der Einsatz für den MSV Duisburg gilt dem Lebenswert der Stadt selbst. Das ist die besondere Botschaft, die hinter dem Engagement für den MSV Duisburg steht. Dieses Engagement von Schauinsland Reisen ist eingebunden in ein Gesamtbild, das der Unternehmer Gerald Kassner von der Stadt Duisburg hat. Es unterstützt die Stadt in ihrem Selbstbewusstsein und in der Wahrnehmung der eigenen Qualitäten. Dieses Engagement ist aber auch eingebunden in die Vision vom MSV Duisburg als Teil einer vielfältigen Stadt des Sports, eine Stadt, in der Eishockey ein Publikum findet, die eine bemerkenswerte Regattabahn besitzt und die mit dem ASC Duisburg sensationell den Deutschen Meister im Wasserball stellt. Der Serienmeister Spandauer SV war besiegt worden. Gerade diese Nachricht war in der spannungsgeladene Zeit rund um den Fußball nicht genug gewürdigt worden. So beschrieb Andreas Rüttgers jenen Moment, in dem das Engagement der Fans und das von Gerald Kassner, dem Unternehmer, eins sind. Mit ihren jeweiligen Mitteln sind sie der Stadt und der Region verbunden, und der MSV Duisburg gibt die Möglichkeit, diese Verbundenheit zu zeigen und zu fühlen.

So war es folgerichtig, dass am Freitag Anhänger des MSV Duisburg dieses Engagement von Gerald Kassner für den MSV Duisburg und die Stadt am Unternehmensitz von Schauinsland Reisen mit einem Flashmob würdigen wollten. Bilder dazu gibt es ebenfalls.

Muss man BILD-Nachrichten über den MSV wichtig nehmen?

Seit heute Morgen brodelt es immer wieder in mir. Doch erst jetzt finde ich Zeit für die Worte, die dieses Brodeln lindern. Grundsätzlich versuche ich, die Berichterstattung und Kommentare dieser Tage über den MSV als willkommenes Spielmaterial für eigene Texte zu nehmen. Das ist der Versuch, aus den Gegebenheiten des Journalismus das Beste zu machen, und ich kann mich nicht beklagen. Die letzten Tage lierferte mir diese Berichterstattung Steilvorlagen für eigene Texte. Da gab es sowohl den oberflächlichen Kommentar mit meiner Reaktion als auch den Kommentar ohne Argument mit denselben Folgen von meiner Seite.

Heute morgen aber fehlten mir solche selbsttherapierenden Möglichkeiten, als ich dem Facebook-Link zur BILD folgte. Diese wenigen Worte ärgerten mich mehr, als ich es zulassen wollte. Warum? Der Schreiber dieser Worte  in der BILD versucht, die in der Fan-Szene unabhängig geschehene Meinungsbildung als Ergebnis eines taktischen Handelns einer im Verein um Macht ringenden Partei darzustellen. Das ist schlichtweg der Versuch, die Wirklichkeit zu verfälschen. Das ist schlichtweg der Versuch, in der Öffentlichkeit die Aktivitäten von Fans des MSV Duisburg in ein schlechtes Licht zu rücken. „Geschickte Aktionen“ von Andreas Rüttgers und Markus Räuber hätten die Fans auf deren Seite gebracht. Von welchen Fans spricht der Schreiber dieser Worte? Von den Fans, die schon vor 2009 das Handeln von Walter Hellmich kritisch hinterfragten? Das war Jahre bevor Andreas Rüttgers überhaupt zunächst nur als Vertreter des Sponsors Schauinsland Reisen im MSVPortal in Erscheinung trat.  Andreas Rüttgers hat über lange Zeit heftige Kritik dafür hinnehmen müssen, dass er den Ausgleich mit Walter Hellmich suchte. Was für eine Verdrehung der Tatsachen!

Muss uns das interessieren? Ja! Das  muss uns interessieren, solange beim MSV Duisburg dieser Schreiber der Worte ernst genommen wird aus dem Gedanken heraus, der Schreiber dieser Worte erreicht mit seinem Medium sehr viele Leser. Dieses Argument gilt es im Blick zu behalten. Der Schreiber dieser Worte wirkt mit seinen Worten. Deshalb ist es weiterhin unsere Aufgabe im Gespräch, genau diese Worte als Lüge zu entlarven. Es ist das alte Spiel der BILD, auf das meine Generation in jungen Jahren niemals einen ironischen Blick hat werfen können. Das hat sich geändert. Es war in den letzten Jahren Mode geworden, mit diesem Worte-Produkt spielerisch  umzugehen. Aber nein! Haltet die Maßstäbe der Vergangenheit. Denn die Schreiber der BILD wollen den Ernst, wenn sie die Wirklichkeit so zurecht biegen, wie sie es kraft ihrer Marktposition glauben tun zu können.

Niemand braucht Andreas Rüttgers und Markus Räuber, um sich über das Wirtschaften von Walter Hellmich im MSV Duisburg eine Meinung zu bilden. Niemand! Momentan stehen MSV-Fans hinter dem Verein MSV Duisburg. Sie stehen hinter keinen Personen. Nicht nur diese Wahrheit muss weiter erzählt werden, sondern die grundsätzliche Skepsis in das, was von vielen Menschen noch immer als Zeitung verstanden wird. In dem Fall geht es darum, den Glauben an das Wissen der BILD vom Tisch zu fegen. Ihr seid Teil in diesem Spiel, wenn ihr diesem Wort-Produkt nur einen kleinsten Zugriff auf die Wirklichkeit des MSV Duisburg erlaubt. Es geht nicht diesem Wort-Produkt zuzubilligen, es sei immer gut informiert und gleichzeitig die Haltung dieses Wort-Produkts zu verachten. Ihr müsst ein grundsätzliches Urteil fällen. Und das heißt: dieses Wort-Produkt erzählt mir nichts, aber auch gar nichts über die Wirklichkeit. Und genau das werde ich immer und immer wieder jedem erzählen, der mit mir über den MSV Duisburg ins Gespräch kommt. Vielleicht werden dann die Verantwortlichen im Verein irgendwann einmal weniger Sorge um die Worte in diesem Worte-Produkt haben.

Von wegen besinnliche blauweiß gestreifte Weihnachtszeit

Hmm…darauf war ich jetzt gar nicht eingerichtet. Ich war in Gedanken schon bei der besinnlichen blauweißgestreiften Jahresabschlussbotschaft. Nebenbei noch letzte Geschenke kaufen, und jetzt hat Andreas Rüttgers die lokale Sportpresse zusammen gerufen.  Er schilderte am Freitag seine Sicht auf das Geschehen der letzten Wochen, bewertete dabei vor allem die Rolle von Roland Kentsch und lieferte Stoff für erregende Schlagzeilen. Und schon muss ich mir wieder um Streit Gedanken machen, um Einordnung, um gute oder schlechte Folgen für den MSV. So rechte Lust habe ich dazu im Moment keine. Aber wat mutt, dat mutt. Und wahrscheinlich folgte auch Andreas Rüttgers ganz im Gegensatz zu seinem bisherigen Handeln diesem Motto. Wollen wir also mal gucken, was die Presskonferenz von Andreas Rüttges bedeuten könnte.

Ich kann mir gut den Leser des lokalen Sportteils vorstellen, den eigentlich nur der Fußball des MSV interessiert. Der wird geseufzt haben; typisch MSV, die kommen nicht zur Ruhe – geht das denn immer so weiter?, da sah doch gerade alles so gut aus. Man muss inzwischen schon tief ins Thema einsteigen, um mehr mitzubekommen als den Eindruck von andauernder Unruhe. Bei näherem Hinsehen fällt mir an den Artikeln aber eines sofort auf. Nur die Schlagzeilen zielen auf die Emotion der Leser. Die WAZ titelt „Ex-MSV-Chef Rüttgers schießt gegen Kentsch“.In der Rheinischen Post heißt es: „Rüttgers rechnet mit Kentsch ab“. Und sogar  BILD skandalisiert mit dem Schlagwort von der „Schlammschlacht“ nur per Überschrift. Bei der Berichterstattung selbst halten sich die Journalisten mit emotionalisierenden Wertungen zurück. Es wird wiedergegeben, was Andreas Rüttgers zu sagen hatte. Für mich ein Zeichen dafür, dass wirkliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangten.  Im Wesentlichen geht es um die fehlende Summe Geld an den 5 Millionen Euro, die die Insolvenz verhindern sollten und die letztlich Walter Hellmich als Darlehen gegeben hat. Als Sicherheit dienen nun die Transferrechte an allen Spielern des Kaders. Andreas Rüttgers erklärte, als diese fehlende Summe Geld  im Raum stand, hätte es von Seiten der Vereinsverantwortlichen innerhalb von 24 Stunden Sponsoren gegeben, die das Geld bereit gestellt hätten. Als Sicherheit sollte in dem Fall das Transferrecht an nur einem Spieler dienen. Roland Kentsch lehnte das Angebot ab, und nahm das Geld von Walter Hellmich. Es steht die Frage also im Raum, ob Roland Kentsch Entscheidungen trifft, die dem MSV Duisburg mehr schaden als nutzen. Poinitiert meint Andreas Rüttgers, Roland Kentsch und der MSV Duisburg passten nicht zueinander. Die Frage steht im Raum, ist das mehr als ein nicht zueinander passen? Ist das schlechtes Arbeiten von Roland Kentsch?

Alles weitere gehört eher in die Rubrik öffentliche Meinungsbildung, eine Art nachgeholtes Behaupten der eigenen Wahrheit von Andereas Rüttgers gegenüber dem, was vor allem Walter Hellmich in die Welt setzte. So ist in der Rheinischen Post zu lesen, dass Schauinsland-Chef Gerald Kassner nach Hellmichs Retter-Posing für ihn am Telefon nicht zu sprechen war. Was unterstreicht, wie sehr Walter Hellmich mit seinem öffentlichen Auftreten andere Menschen in Duisburg verärgerte.  Andreas Rüttgers ist also auch kein Übermensch und manchmal muss es auch für ihn anstrengend gewesen sein, zu all dem, was in der Öffentlichkeit gesagt wurde, zu schweigen.

Das ist das eine, was ich durch die Pressekonferenz erkenne und was auch als Kommentar zu meinem unlängst entworfenen Bild von ihm gelesen werden kann. Diese Pressekonferenz holt ihn aus den Sphären der moralisch unanfechtbaren Zurückhaltung in die Ebenen des angreifbaren, politischen Handelns um den MSV Duisburg zurück. Denn letzteres ist offensichtlich. Es ging im Nebenprodukt auch um persönliche Befindlichkeit, in dieser Pressekonferenz nutzte Andreas Rüttgers seine Wahrheit über das Geschehen aber zuerst als politische Botschaft. Zu einem Zeitpunkt, in dem der sportliche Betrieb ruht und die Finanzierung der Saison gesichert ist, also in einem Zeitraum, in dem dem der MSV Duisburg wenig durch öffentliche Diskussionen gefährdet wird, platzierte er eine Botschaft, die er mit Argumenten unterfüttert. Wer diese Botschaft noch detaillierter argumentiert bekommen möchte, lese im MSVPortal die vielen Antworten von Adreas Rüttgers unter dem Nick „Diplomat“ auf die in der Berichterstattung offen gebliebenen Fragen.

Die Pressekonferenz besitzt also nur im ersten Moment ein G’schmäckle. Andreas Rüttgers nimmt es in Kauf, weil  seine Sicht der Dinge auch eine Botschaft an die Mitglieder des MSV Duisburg und an seine Gremien ist. Wie in den Gremien des MSV Duisburg damit umgegangen wird, bleibt eine offene Frage. Denn offensichtlich gibt es beim MSV Duisburg, dem Verein, Menschen, die seine Meinung teilen. Andererseits hatte Andreas Rüttgers schon die entscheidende Position im Verein inne. Anscheinend ohne damals genügend Rückhalt zu spüren, die das Kräfte zehrende Arbeiten auch im Konflikt mit Roland Kentsch hätten aushaltbar gemacht. Dass Roland Kentsch gänzlich anderer Meinung ist als Andreas Rüttgers, versteht sich von selbst. Die Antworten auf die Nachfragen der lokalen Presse lassen sich in den betreffenden Artikeln oben lesen. Da steht jetzt Aussage gegen Aussage.

Andreas Rüttgers bekleidet beim MSV Duisburg kein offizielles Amt mehr. Ob das mühsam austarierte Gleichgewicht von Interessen und Macht die Diskussion über den Geschäftsführer Roland Kentsch verträgt, der ja zugleich aktiver Teilnehmer dieses Austarierens ist, müssen andere Personen zeigen. Wir werden sehen.

Das Geld, die Würde und menschliche Größe

Gestern überlegte ich beim Schreiben noch kurz, wie ich die Nachricht von der abgewendeten Insolvenz mit dem Heimsieg des MSV Duisburg in Einklang bringen sollte. Beides waren gute Nachrichten, doch mein Text nahm eine Richtung, die das Thema Insolvenz zum Fremdkörper gemacht hätte. Denn eigentlich wollte ich dabei gleichzeitig über Andreas Rüttgers schreiben und seinem Verhältnis zu Walter Helmich, wie es in der Rheinischen Post geschildert wurde – noch vor der Nachricht über die bis zum Saisonende gelingende Finanzierung des Profibetriebs MSV Duisburg.

Es gibt da ein paar Dinge, die mir noch durch den Kopf gehen. Ein wenig habe ich zwar dabei das Gefühl, solche Gedanken sind überholt, wichtig ist der Blick nach vorne, aber ich denke auch an Deutungshoheit und Gerechtigkeit. Also, ich schreibe trotz Zweifel aus dokumentarischen Gründen. Das ist der Historiker in mir, der weiß, Geschichtsschreibung ist immer auch Deutung. Aufgewallt ist dieses Gefühl – wie bei so vielen Anhängern des MSV Duisburg – angesichts der ersten inoffiziellen Nachricht über die Rettung des MSV Duisburg aus dem Hause Reviersport. Dort wurde Walter Hellmich als „Retter“ des MSV Duisburg gefeiert, und Thorsten Richter, der Verfasser des Artikels,  zeigte sich auch für mich ohne journalistische Distanz zur Person Walter Hellmich.

Inzwischen ist durch Roland Kentsch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg betont worden, wie groß der Anteil von Gerald Kassner, des Geschäftsführers von Schauinsland Reisen,  an der Rettung des MSV Duisburg gewesen ist, und dass Walter Hellmich selbst ihn gebeten hatte, darauf hinzuweisen, seinen Beitrag wolle er als einen Teil des Ganzen richtig eingeschätzt wissen. Nicht nur er, Walter Hellmich, sondern viele hätten zur Rettung beigetragen.

Es gibt also viele Sponsoren, die in der Summe die benötigten 5 Millionen Euro aufbringen. Wer da jetzt wieviel gegeben hat, wissen wir nicht bei allen. Was wir aber wissen, sie sind nicht minder Retter des MSV Duisburg denn Walter Hellmich. WAZ/NRZ und Rheinische Post bringen diese Nachricht inzwischen glücklicherweise ebenfalls unter die Leute und rücken somit das Bild vom alleinigen Retter Hellmich gerade. Überregional hatte der Sportinformationsdienst aber schon bequermerweise den ersten Reviersport-Artikel als eigene Meldung übernommen, so dass die überregionalen Print-Medien in ihren kurzen Sportnachrichten ebenfalls Walter Hellmich als Retter ausriefen. Interessieren wird das niemanden in Deutschland, so sehr es sich Walter Hellmich wahrscheinlich wünscht und vielleicht sogar fürs Ego braucht.

Dennoch hat er  Roland Kentsch gebeten, seine Rolle ins rechte Licht zu rücken. Für die Zukunft des MSV Duisburg war diese Pressekonferenz ein Meilenstein, weil durch die Worte von Roland Kentsch das Binnenklima einigermaßen wieder ins Gleichgewicht gebracht wurde. Ich hoffe immer auf das Gute im Menschen, und vielleicht bestätigt Walter Hellmich seine Bitte an Roland Kentsch auch durch eigene zukünftige öffentliche Äußerungen.

In den Wochen zuvor hatte er in Interviews ja noch ganz anders geklungen. Da war er der Einzelkämpfer für seinen Ruf. Da wirkte er auf mich wie eine Art Erich Honecker mit Geld, der überall beweisen wollte, dass sein System trotz maroder Bausubstanz und bröckelnder Fassaden doch erfolgreich war. In diesen Interviews überzog er so sehr, dass es schwer wurde, ihn ernst zu nehmen. Ziel seiner öffentlichen Attacken waren seine Nachfolger, die die ganze Misere verschuldet haben sollten.

Und nun kommt Andreas Rüttgers ins Spiel, dessen Wirken in diesem Zusammenhang manchen verblüfft und die Journalisten der Rheinischen Post, Stefanie Sandmeier und Hermann Kewitz, zu der Wertung verleitete, er reagiere auf Walter Hellmichs Vorwürfe „grotesk“. Andreas Rüttgers hatte lange zu dem Reden von Walter Hellmich geschwiegen. Er sagte erst etwas, als in der ZDF-Sportreportage Walter Hellmich das Handeln aller nach ihm als verachtenswert  kommentierte. Doch Andreas Rüttgers polterte nicht zurück. Er rückte das Arbeiten für den MSV Duisburg in den Vordergrund, und handelte so rational und klug. Denn ihm war von Anbeginn seines Engagements für den MSV Duisburg klar, ohne Walter Hellmich wird dieser Verein nicht überleben. Das mag man bedauern, an der Erkenntnis konnte man nicht vorbei.

Die Reaktion von Andreas Rüttgers ist also nicht grotesk, liebe Stefanie Sandmeier, lieber Herrmann Kewitz. Die Reaktion ist genau das, was permanent von allen gefordert wurde, und was Walter Hellmich weder nötig hat zu leisten, noch dass er dazu die menschliche Größe besitzt. Andreas Rüttgers stellt seine eigenen Belange zugunsten des MSV Duisburg auf eine Weise zurück, die mancher nicht mehr nachvollziehen kann. Auch ohne offizielles Amt fungiert er, wie sein Nick ihm MSVPortal schon andeutet, als Diplomat. Ihm geht es um den Verein. Walter Hellmich geht es um den Verein immer auch als Futtermittel fürs eigene Ego. Der Mann hatte nun das Geld. Dafür gedankt, sympathisch finde ich diese Angelegenheit angesichts seiner öffentlichen Äußerungen in den letzten Wochen nicht.

An der Stelle kommen wir zur Würde. Denn die Frage nach der Würde  steht insgeheim hinter dem Staunen über Andreas Rüttgers Handeln. Auch viele Fans spüren so etwas wie gedemütigt sein, weil das Geld Walter Hellmichs das letzte Puzzleteil für die Rettung des MSV Duisburg wurde. Die Journalisten der RP werden wahrscheinlich in Andreas Rüttgers Worten Schwäche erkennen. Aber all diese Wertungen sind nur eine Frage der Perspektive. Für mich ist diese Pressekonferenz nach dem Regensburg-Spiel ein weiteres Zeichen dafür, dass in dem Verein eine neue Machtbalance hergestellt wird. Andreas Rüttgers wirkt dabei anscheinend intensiv mit. Seine Stärke bezieht er zum Teil aus der Idee MSV Duisburg und sicherlich auch aus dem Wissen, es gibt in seinem Umfeld genügend wichtige Menschen, die seine Arbeit wertschätzen. Ob ihn das Reden von Walter Hellmich manchmal nicht doch anficht, weiß ich nicht, aber ich weiß,   Andreas Rüttgers Handeln zeigt menschliche Größe und ist das Gegenteil von Schwäche. Walter Hellmich reiht sich nämlich ein. Das ist das Ergebnis seines Handelns. Egal, was zu Beginn im Reviersport geschrieben wurde.

Es gibt in Deutschland im Moment auf einem anderen kulturellen Feld ein Geschehen, das in den Voraussetzungen nicht ganz vergleichbar, in der Konfliktstruktur aber ähnliche Konstellationen wie beim MSV Duisburg aufweist. Es geht um Macht, es geht um Geld und es geht um Kultur. Der Suhrkamp-Verlag ist in seiner Existenz bedroht, weil sich die zwei für den Verlag überlebensnotwendigen Parteien beim Ausgleich ihrer Interessen nicht einigen können. Konfliktlösungen wurden per Gericht gesucht.  Da wurde dann mal dem einen recht gegeben, mal dem anderen, und der Verlag wird immer handlungsunfähiger. Beim MSV Duisburg gibt es Interessenausgleich und Konfliktlösung anderer Art, und es scheint zu funktionieren.

Ein paar Gedanken zur Meinungsbildung rund um den MSV durch die lokale Sportpresse

Seit letzten Dienstagabend weiß die Öffentlichkeit, für den MSV Duisburg geht es ums Überleben. Zuvorderst geht es um das Weiterbestehen von Fußball auf professionellem Niveau in Duisburg. Es geht aber auch um ein Kulturgut der Stadt. Es geht um das Zugehörigkeitsgefühl vieler Menschen. Es geht für die Stadt und für die Anhänger um Identität. Außerdem geht es um Geld, das Investoren verlieren können. Es geht um Arbeitsplätze rund um den eigentlichen Sport. Die drohende Insolvenz ist also ein vielschichtiges Thema, über das man sich besser nicht in den lokalen Printmedien informiert.

Halt, ich will genauer sein, weil mich auch die fehlende Genauigkeit in den seit Dienstag erschienenen Artikeln zur Finanzsituation ärgert. Genauer sein, das heißt in dem Fall, ich empfehle die Berichterstattung in der Rheinischen Post  als einigermaßen neutral und faktenbasiert. Dort ist  das Bemühen bemerkbar, ein komplexes Thema zunächst mit Fakten angereichert darzustellen. Selbst wenn direkt nach dem Rücktritt von Andreas Rüttgers auch dort Sätze in den Artikel eingestreut wurden, die Stimmung machen, weil sie nur vermeintlich argumentativ unterfüttert sind. Als es etwa anfänglich um die Forderung nach mehr Unabhängigkeit für die Kapitalgesellschaft gegenüber dem eingetragenen Verein ging, hieß es: „Die Bundesligavereine machen es vor. Dort hat kein Verein eines Klubs derart viel Mitsprache gegenüber der KGaA.“

Ich nehme nicht an, dass die Journalistin sämtliche Verträge jener Vereine nachgeprüft hat, die diese Organisationsform in der Bundesliga aufweisen. Da hätte sie tief in die Materie einsteigen müssen, ohne Zeit dafür zu haben. Hinzu kommt, nicht alle Bundesligavereine haben diese Organisationsform. Es gibt tatsächlich auch noch Bundesligavereine, in denen der gemeinnützige Verein auch das geschäftsführende Organ für den Profibetrieb ist.  Bei Wikipedia findet sich in dem Artikel zur „50+1-Regelung“ eine Auflistung der unterschiedlichen Organisationformen der Bundesligaklubs. Das Argument nirgendwo sonst ist es so wie in Duisburg, entpuppt sich also als heiße Luft. Solche Sätze wie der zur reformbedürftigen Organisationsstruktur folgen der von der Investorengruppe gesteuerten Deutung des Geschehens. Und um diese Deutung dreht sich im Kern die Berichterstattung. Wie ist zu bewerten, was da gewollt wird?

Ich stelle mir vor, eigentlich müsste man die Berichterstattung über das Geschehen so beginnen: Es gibt Finanzprobleme beim MSV Duisburg, weil die laufenden Kosten schon seit langer Zeit höher sind als die Einnahmen. Nun kommt eine Investorengruppe und bietet Geld an. Damit die Investorengruppe Kontrolle über die Verwendung des Geldes hat, ist die Bedingung, Einfluss auf die Geschicke des ausgelagerten Profibetriebs. Dazu soll der Verein auf Einfluss verzichten. So weit, so verständlich.

Nun wäre es die Aufgabe des Lokaljournalismus auf ein paar weitere Fakten hinzuweisen, die nicht ganz so offensichtlich sind, die aber wichtig für die Bewertung des Geschehens sind. Zuvorderst wäre anzumerken, da gibt es besagte 50+1-Regel, die seitens des DFB den Einfluss des Vereins auf den Profibetrieb sichern soll. Dagegen darf nicht verstoßen werden. Darüber hinaus wäre der Hinweis nicht schlecht gewesen, wenn die Investorengruppe mehr Einfluss möchte, gehört mit Walter Hellmich jener Mann dazu, dessen strategische Entscheidungen zu dem Defizit des MSV Duisburg beigetragen haben. Die gerade im Reviersport so deutlich inszenierte Wirklichkeit von professionellen Wirtschaftsfachleuten gegenüber eitlen amateurhaften Vereinsfunkionären erweist sich bei näherem Hinsehen also als Karikatur der Wirklichkeit. Ich will zugunsten des Journalisten sogar annehmen, dass es diese Eitelkeiten auf Vereinsseite tatsächlich hin und wieder gibt, aber wo wurde Profibetrieb durch den Verein behindert? Das ist interessant zu wissen, gesagt wird es nicht.

Natürlich müssen Hierarchien der Entscheidung vorhanden sein, doch das Ausspielen des Profibetriebs gegen den Verein führt in die falsche Richtung. Gerade Vereine wie der MSV Duisburg leben vom Mythos ihrer Geschichte. Diesen Mythos zapft das Wirtschaftsunternehmen Profibetrieb vom Verein an. Gleichzeitig muss ein professionelles Arbeiten möglich sein. Dazu braucht es Strukturen. Die muss man schaffen, wenn sie nicht vorhanden sind. Ob sie nicht vorhanden sind, kann ich als Leser der Printmedien nicht entscheiden. Deshalb ist auch nicht zu bewerten, was die Forderung nach mehr Einfluss bedeutet. Es ist unlauter, wenn Journalisten diese Bewertung vornehmen, ohne dazu Fakten zu liefern.

Im Grund geht es im Moment auch um die Deutung der Hellmich-Ära und damit um die Verlagerung der Verantwortung für die wirtschaftliche Situation. War er ein erfolgreicher Präsident oder war er es nicht? Dass es darum geht, zeigt auch sein Auftritt gestern Abend in der Lokalzeit Duisburg des WDR. Hier gibt es ihn in der Mediathek noch eine Woche einen Klick weiter, Sendung vom 19.11. Wieso kommt er zum Studiogespräch? Das ist Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, weil er zum Gesicht der Investorengruppe wurde. Was er sagte, mag im Wortlaut stimmen, die Kritik an ihm lässt das nicht verstummen. Natürlich verdient er am Stadion des MSV Duisburg im Moment kein Geld. Natürlich sind die Mieteinnahmen ein durchlaufender Posten für Zinsen und Tilgung. Aber wenn ich Vertrauen in mein Handeln schaffen will, kann ich die Schwierigkeiten nicht auf die Schultern meiner Nachfolger abladen und behaupten, ich hätte in achteinhalb Jahren erfolgreich gearbeitet.

Diese zwei Nachfolger, Dieter Steffen und Andreas Rüttgers,  haben eine Finanzsituation übernommen, die sich in der Verantwortung von Walter Hellmich entwickelt hat.  Dafür war die Fehlkalkulation, der MSV wird dauerhaftes Mitglied in der ersten Liga“ verantwortlich. Die Miete für das Stadion ist in der 2. Liga nicht zu erwirtschaften. Warnungen vor dem jetzt eingetretenen Szenario gab es schon lange vor dem Rücktritt von Walter Hellmich. Seine Stellungnahme befeuert nun die Befürchtungen, erneut ginge es nur um das vorübergehende Beheben der Liquidtätsschwierigkeiten, ohne das Grundproblem in den Griff zu bekommen. Vertrauen schaffen für die Investorengruppe sieht also anders aus. Um dieses Vertrauen geht es aber, weil über die Vereinbarungen zwischen den Vertretern der Investorengruppe und dem Aufsichtsrat des eingetragenen Vereins die Vereinsmitglieder entscheiden.

Jetzt hat es mich weggetragen von der anfänglichen  Medienkritik zur Zukunft des MSV Duisburg. Die liegt mir anscheinend doch etwas mehr am Herzen.

Nachtrag: Nun rundet es sich doch noch mit der Medienkritik: Mit den unterschiedlichen Meinungen in der Investorengruppe  über den Weg zur Rettung gibt es einen weiteren Beleg, wie sehr die anfänglichen Darstellungen von Gut und Böse vor allem in Reviersport und WAZ an der Wirklichkeit vorbei gingen. Die Beteiligten sehen unterschiedliche Wege, und nichts anderes hatte Andreas Rüttgers als Vereinsvertreter auch im Sinn, einen anderen Weg. Wie all diese Wege zu bewerten sind, dazu fehlen letztlich Fakten. Da lässt sich trefflich spekulieren.


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