Posts Tagged 'Andreas Wiegel'

20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen Union, die die Welt noch nie gesehen hat

  1. Ein knapper Sieg war mein Wunschergebnis vor dem Spiel. Mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen. Nach dem Spiel waren beide Ergebnisse zugleich eingetreten. Das 1:1-Unentschieden fühlte sich nach einem Sieg an.
  2. Nur in den ersten 10 bis 15 Minuten ließ sich erkennen, warum Union Berlin mehr Punkte in der Saison hat gewinnen können als der MSV. In diesen Minuten: Mark Flekken, Fußballgott.
  3. Nach der Anfangsphase wurden die Berliner vorsichtiger. Ihnen war es nicht gelungen, das Offensivspiel konstant mit Ballbesitz zu entwickeln. Immer öfter mussten sie lange Bälle schlagen, die von der Zebra-Defensive souverän abgelaufen wurden.
  4. Die Berliner wurden vorsichtiger, weil die Zebras sich trotz des sehr guten frühen Pressings von Union immer wieder spielerisch befreien konnten. Gerade Cauly Souza und Fabian Schnellhardt hielten dem Druck auf engstem Raum stand. Sie behaupteten die Bälle in der eigenen Hälfte gegen drei, vier Gegenspieler nacheinander, um planvolles Spiel zu ermöglichen. So waren die Berliner gezwungen, sich auch um die eigene Defensive zu kümmern.
  5. Gute Chancen ergaben sich nicht für den MSV.
  6. Am Ende der Saison wird der MSV sich als Aufbau- und Weiterbildungsschule für Rechtsverteidiger im internationalen Fußballgeschäft einen Namen gemacht haben. Das neue Vereinsmotto: Rechts hinten fehlt euch noch ein Mann?/Wir zeigen jedem, dass er`s kann. Andreas Wiegel spielte sehr gut auf der für ihn ungewohnten Position.
  7. Trotz der wenigen Chancen war das Spiel nicht ereignisarm. Beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne.
  8. In der Halbzeitpause stellte ich erstaunt fest, wie entspannt ich der weiteren Saison entgegen sah.
  9. Der entspannte Blick wurde durch überraschende Nervosität der Zebras nach dem Wiederanpfiff gestört. Von der Vorhalbzeitpausensicherheit war in den ersten Spielszenen nichts zu merken. Erst ein Eckball für Union brachte einen Moment der Ruhe und leider auch das Führungstor für die Gäste.
  10. Da statistisch betrachtet nur etwa jeder hundertste Eckball zu einem Tor führt, arbeitet der MSV in dieser Saison daran, dass die restlichen Vereine dieser Profifußballwelt sich auf andere Defensivaufgaben konzentrieren können als auf Eckbälle.
  11. Entspannung, ade. Starke Zweifel über den weiteren Verlauf des Spiels waren angesichts Torchancenmangel sofort vorhanden.
  12. Den MSV beeindruckte das Gegentor nicht. Zufrieden sahen wir, wie der Druck auf das Tor von Union zunahm. Viele Chancen ergaben sich weiterhin nicht.
  13. Die Enttäuschung war mangels Torchancen um so größer, als der King nach einer perfekten Flanke im Fünfmeterraum an der richtigen Stelle mit dem falschen Körperteil war. Mit dem Oberschenkel hat er den Ball am langen Pfosten nur neben das Tor setzen können.
  14. Kingsley Onuegbu oder Stanislav Iljutcenko in der Startelf? Zuschauerlärmen beim Wechsel lässt bei Anhängern Tendenz für Iljutcenko vermuten. Zebrastreifenblog-Kees weicht nicht von seiner unlängst geäußerten Meinung zu dieser Frage ab und freut sich auf die nicht enden werdenden Diskussionen zum Thema.
  15. Moritz Stoppelkamp schien entweder unzufrieden gewesen zu mit seiner Leistung oder mit dem Ertrag. Einen Elfmeter brauchte er zwar nicht zu schießen, beim Freistoß an der Strafraumgrenze übernahm er aber die Verantwortung und schoss deutlich über das Tor. Da der Freistoß nach Foul an Iljutcenko aber hätte ein Elfmeter sein müssen, ist dieser Fehlschuss nicht verwunderlich.
  16. Warum zog der eingewechselte Ahmet Engin immer schon früh in die zugestellte Mitte, obwohl er den freien Raum am Flügel vor sich hatte?
  17. Der Ausgleich fiel durch einen Kopfball von Stanislav Iljutcenko nach einer Flanke von Kevin Wolze, die recht lange in der Luft war. Nach Torgefahr hatte diese Flanke nicht ausgesehen. So fiel das Tor etwas überraschend und umso begeisterter war unser Jubel.
  18. In den letzten Minuten des Spiels sah nichts mehr nach Niederlage aus. Stattdessen gab es sogar eine sehr leise Hoffnung auf einen Sieg. Große Chancen sahen wir zwar nicht mehr, aber der MSV blieb am Ball. Die Psyche macht’s.
  19. Zwei Seiten einer Medaille: Unser Gefühl eines Sieges entspricht dem Gefühl der Spieler bei Union, verloren zu haben.
  20. Ein guter Sonntag für einen Anhänger des MSV.
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Ohne Aufstiegszwang gewinnt sich’s leichter

Der MSV Duisburg wollte Meister der 3. Liga werden. Damit das auf jeden Fall gelingt, musste das Spiel gegen den FSV Zwickau gewonnen werden. Anscheinend war mit dem Druck während nur eines Spiels leichter umzugehen als mit dem grundsätzlichen Druck aufsteigen zu müssen. Beim 5:1-Sieg gegen den FSV Zwickau zeigte die Mannschaft eine glänzende Leistung. Mit diesem Sieg schloss sich der Kreis dieser Saison. Denn solch souveräne Spiele hatten wir zu Beginn der Spielzeit ebenfalls schon gesehen.

Das Selbstbewusstsein der Mannschaft war für jeden erkennbar. Es drückte sich im unbedingten Offensivspiel aus. Der FSV Zwickau war allerdings auch bereit, das Spiel mit zu gestalten. Diese Zwickauer agierten nicht defensiv, sondern suchten ebenfalls ihre Chance im Angriff. So wurde diese Begegnung auch deshalb ein attraktives Fußballspiel, weil die Zwickauer etwas riskierten. Vielleicht müssen wir uns für den Rückblick auf die Saison dieses Spiel vergegenwärtigen und das Zwickauer Offensivspiel. Vielleicht werden wir dann milder mit der Vorsicht dieses MSV während der Saison, eine Vorsicht, die so schnell den Eindruck einer behäbigen Spielweise hinterließ.

Vor dem Spiel herrschte allerorten eine entspannte Stimmung. Früher als bei den anderen Ligaspielen strömten wir alle zum Stadion. Am Bahnhof die Begegnung mit den schon am Freitag angereisten Zwickauern. Der Gästeblock war voll für die weite Anreise. Was die Bedeutung des Vereins in Zwickau zeigt. Eine Bedeutung, die auch wir in Duisburg für den MSV kennen und die uns um diesen Verein während der Saison hat Zittern lassen. Nun waren wir entspannt, weil das Überleben des Vereins in der Größe, die wir uns ersehnen, nur durch den Aufstieg mögich gewesen war. Das einzig wirklich wichtige Ziel dieser Saison war erreicht. Jetzt ging es darum, die gute Laune zu bestärken.

Die Mannschaft tat uns den Gefallen. Die Spieler wollten Meister werden. Der Rückstand in der 16. Minute irritierte nur bis zum Wiederanstoß. Sofort nahm der MSV das Heft wieder in die Hand und suchte seine Chance auf den Ausgleich. Die Räume für Kombinationsspiel waren da. Schnelles Spiel über die Flügel gelang, und so ein schnelles Flügelspiel führte nur drei Minuten später zu einem scharfen Pass in den Strafraum, wo Andreas Wiegel trotz enger Deckung direkt abschloss. So selbstbewusst kann er also auch spielen. Sein zweites Tor zur Führung kurz vor der Pause schien folgerichtig. Ein weiter Pass in die Spitze, den er sich erläuft, um den Torwart zu umkurven und einzuschieben.

Die Stimmung wurde noch entspannter. Munter ging es nach der Halbzeitpause hin und her. Schöne Aktionen einzelner Spieler waren zu sehen. Wenn Dustin Bomheuer auf Höhe des eigenen Strafraums den Ball nicht wegschlägt, sondern nach Dreieckspiel noch einen Haken schlägt, um den angreifenden Stürmer aussteigen zu lassen, wissen wir, wie sicher sich diese Spieler  alle waren. Von Fabian Schnellhardt erwarten wir solch Selbstbewusstsein und bewundern seine minimalen Bewegungen  bei der Ballannahme, mit denen er seine Gegenspieler ins Leere laufen lässt.

Enis Hajris Kopfballtor zum 3:1 war ein Sinnbild für seine letzten Spiele. Sein Wille war in diesen letzten Wochen vor dem Aufstieg zu einem Tragpfeiler der Mannschaftsleistung geworden. Die Wucht dieses Kopfballs hatten wir zuvor schon gesehen gegen Frankfurt, gegen Lotte – mit unterschiedlichem Erfolg. Nun machte er den Sieg sicherer. Und nur eine Minute später erhöhte Kingsley Onuegbu lehrbuchmäßig ebenfalls per Kopf nach einer Janjic-Flanke. Solche Spielaktionen sahen nun alle leicht aus. Diese Spieler auf dem Feld waren im Kopf frei geworden. Was wir sahen war nun die reine Freude am Spiel. Wir auf den Rängen feierten und freuten uns noch über das Tor vom eingewechselten Kevin Wolze kurz vor Schluss.

In dieser entspannten Freude wurde schließlich der Drittligameister MSV Duisburg gefeiert. Die Saison war für uns alle emotional anstrengend gewesen. So oft hatte uns das Spiel dieser Zebras enttäuscht. Für die Spieler war es aus anderen Gründen emotional anstrengend. Es gab kaum Spielraum für Fehler. Am letzten Spieltag haben wir alle gemeinsam unser Leben mit dem Fußball des MSV wieder zurecht gerückt. Dieser 5:1-Sieg war in gewisser Weise ein Vergessen der Überlebensnotwendigkeiten, ein Vergessen von all dem, was diese Saison so schwer hat werden lassen. Dieser Sieg war ein Seelenbalsam für uns alle. Auf diese Weise können wir der 2. Liga entgegensehen. Wir wissen alle, wie schwer es wird, die Klasse zu halten. In guter Stimmung aber ist die Zuversicht einfach viell größer.

Kleine Anekdote am Rande: Im Moment des Abschieds vom MSV-Ausstatter bekomme ich zufällig mit, eines von vielen Uhlsport-Werbegesichtern gewesen zu sein. Kees Jaratz auf dem Werbefoto eines Sportartikelherstellers ist nun auch Geschichte. Ich überlege noch, warum das ein gutes Vorzeichen für die kommende Saison ist.

 

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun…

Drittligameister MSV Duisburg, so leicht die Stimmung im Stadion, so leicht das Spiel der Mannschaft. Ohne Druck gelingt ein glänzender 5:1 Sieg gegen Zwickau. Mehr Worte gibt es morgen. Heute wird auch hier noch einmal nur gefeiert.

Der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da.

Und natürlich ist es so schon immer gewesen…

 

Wenn Pläne wirklich werden, heißt es Feiern

So war vor Wochen der Plan. Schon zu Beginn des Jahres hatte nicht nur ich diesen Gedanken. Der Aufstieg wird in Köln gefeiert. Je näher das Saisonende rückte, desto klarer zeichnete sich ab, wenn der MSV so weiterspielte, könnte dieser Plan wirklich werden. Für mich stand deshalb in Aussicht, zum ersten Mal mit einem Fahrrad zu einer Aufstiegsparty anzureisen. Von der Schäl Sick nach Zollstock, im Grunde gerade für den Kölner in mir auch ein heimliches Stadtderby, ein Auswärtsspiel beim von Viktoria Köln erhofften Zukunfts-Drittliga-Erzrivalen Fortuna Köln. Das sollte ein zweifacher Sieg werden.

Nach der Überquerung des Rheins singt mir am Heumarkt ein Taxifahrer aus seinem offenen Seitenfenster ein freundliches „Zebrastreifen weiß und blau“ entgegen. Köln! Das mag ich an der Stadt so sehr, diese ständige Bereitschaft in flüchtigen Begegnungen ein heimeliges „Jeföhl“  zu schaffen.

Lange aufhalten konnte ich mich nicht. Spätestens um 12 Uhr wollte ich am Südstadion sein. Ab dem Höninger Weg, etwa 700 Meter vor dem Stadion dann nur noch das Weiß-Blau auf der Straße. Das Südstadion als Heimspielort der Zebras. Vor dem Stadion dann noch beim Warten auf den Freund aus Duisburg vielen sympathischen Menschen begegnen. Es musste klappen. Zwei Kurven in blau-weiß, dazu die Haupttribüne ebenfalls fast komplett. Das versprach Schalldruck, wenn es eng werden sollte.

Wie anders war dieses Spiel als das entscheinde Spiel gegen Kiel vor zwei Jahren für mich. Ich weiß nicht, ob es die größere Unsicherheit seinerzeit war? Meine Aufregung hielt sich jedenfalls in Grenzen. Ich erwartete etwas und das war nicht weniger als eine Mannschaft, die ein ganzes Spiel lang so druckvoll spielte, dass sie keinen Zweifel am Gelingen des Plans ließ.

Von den 15-20 Minuten nach dem Anpfiff kennen wir diesen Druck. Die Minuten danach waren entscheidend. Wie druckvoll blieben die Zebras, wenn sie das Tempo des Spiels drosselten, wenn sie versuchten die Kontrolle zu behalten, ohne ans Limit zu gehen? Und wirklich, gegen Fortuna Köln gelang es in der ersten Halbzeit dauerhaft torgefährlich zu bleiben. Dieses Mal klappte es, den Rhythmus zu variieren. Dieses Mal war das Offensivspiel variabel, wechselten sich halbhohe Bälle ins Sturmzentrum mit Flügelläufen ab. Dieses Mal gab es das flache steile Spiel in die Schnittstellen der Fortunen-Defensive.

Wie wertvoll Stanislav Iljutcenko in den letzten Wochen war, ließ sich auch gegen die Fortuna erkennen. Seine Laufarbeit öffnet nicht nur Räume für die flachen steilen Zuspiele. Er ist auch jener Mann in der Offensive, den der King zum Zusammenspiel braucht. Die Mannschaft erspielte sich in den ersten 45 Minuten über die gesamte Zeit immer wieder große Chancen. Zweimal hatten wir den Torschrei auf den Lippen, zweimal konnten wir nicht begreifen, wie der Ball noch am Tor hatte vorbeigehen können. Einmal war es Stanislav Iljutcenko und einmal der King, die knapp verfehlten.

Als dann das Führungstor in der Nachspielzeit der ersten 45 Minuten durch Andreas Wiegel fiel, war das nur ein weiteres Zeichen für diesen Verlauf der ersten Halbzeit. Die Mannschaft suchte bis zum Pausenpfiff ihre Chance. Es wurde nachgesetzt und wenig hinten rum gespielt. Bei Balleroberung ging es meist sofort Richtung Tor. So war nach einem Fehler eines Fortunen-Spielers im Halbfeld der eigenen Hälfte, der Raum frei für das Kurzpassspiel in den Strafraum hinein. Dreimal schnell weitergeleitet und Andreas Wiegel brauchte nur noch frei stehend einzuschieben. Der Aufstieg rückte näher.

Doch nach dem Wiederanpfiff wurde etwas vorsichtiger gespielt, blieb der Druck auf angreifende Fortunen-Spieler nicht immer hoch genug. Aber es blitzte nur auf, was wir aus den letzten Spielen kannte. Hätte es diese Spiele nicht gegeben, so wäre das vielleicht gar nicht aufgefallen. Wahrnehmung funktioniert so. Es gibt immer einen Zusammenhang, in den etwas eingeordent wird. Beispielhaft war ein Fortuna-Angriff über den linken Flügel. Der Ball wurde abgewehrt und kam zum Außenspieler zurück. Zlatko Janjic stand etwa zehn Meter von ihm entfernt. Wie langsam er auf diesen Spieler mit Ball zutrabte, steht für einen solcher Momente, in denen die Mannschaft in der Defensive nicht präsent genug war. Doch konnte die Fortuna dieses Nachlassen nicht ausnutzen. Die Spieler waren nicht präzise genug. Der Freiraum nutzte ihnen nichts.

Stattdessen gelang das Kingsley Onuegbu das 2:0 – eines seiner typischen Tore. Bei enger Deckung einen hohen Ball mit der Brust annehmen, abtropfen lassen und vollstrecken. Nach diesem Tor erst spürte ich meine Anspannung, die sich von mir unbemerkt meiner ermächtigt hatte. Erst die Erleichterung machte mir deutlich, wie sehr ich gebangt hatte vor dem bekannten Schleifenlassen des Spiels, vor der Behäbigkeit, die sich auf dem Spielfeld hätte zeigen können. All das war hinfällig. Der MSV blieb endgültig da. Diese Fortuna würde den Sieg nicht mehr gefährden.

Allmählich stellte sich die Feierstimmung an. Das dritte Tor durch Simon Brandstätter war Zugabe und Sahnehäubchen. Der MSV ist wieder da. Das Versprechen zu Saisonbeginn „Wir kommen wieder“ ist eingelöst worden. Der Verein hat diesen Aufstieg zum finanziellen Überleben gebraucht. Wir kommen wieder und wollen dieses Mal bleiben. Die Arbeit dazu fängt jetzt schon an.

 

Von der Nervosität des Streamzuschauers war bei den Zebras nichts zu spüren

Eine Mannschaft, die so ein Spiel wie das beim Chemnitzer FC gewinnt, steigt auf.  Diesen ersten Satz wage ich kaum zu schreiben. Die vier sieglosen Spiele des MSV Duisburg hängen mir noch nach. Doch immer wieder schaffe ich es mit ein wenig Abstand vom Spieltag, einen kühlen Blick auf den Saisonverlauf zu werfen. Immer wieder sehe ich Spiele, die bei einer Mannschaft mit einer gewissen Tradition des Erfolgs zu keinem anderen als diesem ersten Satz zwingen. Der MSV Duisburg hat keine Tradition des Erfolgs, meldet sich gestern nach dem Spiel sofort eine andere Stimme in mir, und deshalb heißt das gar nichts. Genau, sagte ich, du hast ja so recht und jetzt halt bitte den Mund. Ich höre dir einfach nicht mehr. Ich zitter doch ohnehin genug, wenn ich diese Zweifellosigkeit eines solchen ersten Satzes öffentlich zur Schau stelle.

Diese andere zweifelnde Stimme in mir hatte beim Spiel des MSV Duisburg in Chemnitz allerdings jede andere Stimme der Zuversicht meist unhörbar gemacht. Der MSV Duisburg hat beim Chemnitzer FC zwar mit 3:2 gewonnen, aber entscheidende Momente des Spiels habe ich erst in der Zusammenfassung gesehen, obwohl der Livestream die ganze Zeit lief. Hinge der Aufstieg von meiner Leistung als Zuschauer ab, wäre gestern der erste große Vorrat Felle davon geschwommen. Ich habe Nerven gezeigt.  Das Führungstor von Andreas Wiegel hatte mir nur vermeintliche Sicherheit gegeben. Welch schöner Außenristpass von Fabian Schnellhardt in den freien Raum hat dieses Tor ermöglicht. Welch fussballerischer Genuss sind die Spielaktionen von Fabian Schnellhardt so oft.

Doch dann fiel der Ausgleich zum 1:1, und es gab kein Halten mehr für mich. Wahrscheinlich habe ich sogar den Rückstand verantwortet, weil ich mir den Freistoß der Chemnitzer nicht mehr konzentriert genug angesehen habe. Wahrscheinlich habe ich die Mannschaft mit meiner Nervosität auf unerklärliche Weise angesteckt, so unaufmerksam wirkten die Spieler bei diesem Freistoß der Chemnitzer. Alleine, weil die Mannschaft den Komplettausfall von mir als Zuschauer später aufgefangen hat, gab es noch eine Chance. Ich selbst habe am Spiel kaum mehr teilgenommen. Hätte ich auf dem Spielfeld gestanden, hätte ich in Ballnähe nur vorgegeben, einen Pass erhalten zu wollen. Wann immer es möglich gewesen wäre, hätte ich mich hinter meinen Gegenspielern versteckt. Ich wäre viel gelaufen, das schon, aber möglichst so, dass ich unanspielbar geblieben wäre.

Die Mannschaft vom MSV aber glaubte weiter an den möglichen Erfolg. Sie wusste um die Bedeutung des Spiels für den weiteren Saisonweg. An der Freude der Spieler war das zu erkennen, als Mark Flekken den letzten Eckball der Chemnitzer aus der Luft herunterholte und damit den Sieg gleichsam in der Hand hielt. Es war daran zu erkennen, wie Stanislav Iljutcenko bei dem Eckball davor seine Genugtuung über den zu einer erneuten Ecke abgewehrten Ball in die Luft schrie.

Vorher war diese Mannschaft aber in Rückstand geraten, und ich nahm mein Joggingprogramm in der Wohnung auf. Bewegung führt zu Spannungsabbau. Die Mannschaft aber wollte den Ausgleich, das sah ich in den Momenten, wenn ich mal einen Blick auf den Laptop warf. Sie wollte den Ausgleich so lange, bis Simon Brandstetter es Andreas Wiegel gleich machte. Beide sind in der bisherigen Saison nicht durch eine gute Chancenverwertung oder grundsätzlich gute Entscheidungen am Ende ihres Ballführens aufgefallen. Beide schienen ihrer fußballerischen Intuition nicht ganz zu vertrauen. In diesem Spiel war es anders. Beide behielten die Nerven, beiden kam das eigene Denken bei ihrem Spiel nicht in die Quere. Brandstetter gelang das Tor nach einem Pass in den freien Raum von Tugrul Eral. Ich habe den Ausgleich nicht mal in der Zeitlupe gesehen, weil ich gerade sehr weit vom Stream weggelaufen war.

Auch das Führungstor habe ich nicht gleich gesehen, sondern nur die aufgeregte Sprecherstimme gehört. Zurück kam ich zur Zeitlupe, um mein Joggingprogramm mit lang anhaltenden Sprungkraftübungen abzuwechseln. Erneut war es Tugrul Erat, der mit einem schönem Fallrückzieher den Ball parallel zur Torauslinie vor das Tor brachte, wo Kingsley Onuegbu am hinteren Pfosten stand und den Ball problemlos über die Linie bringen konnte. Von da an kämpfte auch ich wieder an meinem Platz als Stream-Zuschauer. Von da an hielt ich die Nervorsität wieder aus. Mit dem Schlusspfiff bahnte sich der erste Satz dieses Textes seinen Weg in meinem Kopf. Die andere Stimme in mir hörte sofort auf zu jubeln und begann irgendwas auf mich einzureden. Ich habe bis heute morgen nicht richtig hingehört.

Wenn das Versprechen auf ein Spitzenspiel gehalten wird

20170224_174242_resizedFreitagsspiele der Dritten Liga beginnen üblicherweise um 19 Uhr. Das Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Magdeburg war für 18.30 Uhr angesetzt. Die Spiele der Zweiten Liga werden zu dieser Zeit angepfiffen. War der Karneval der Grund? Ein Drittligaspiel im Zweitliga-Kostüm? Letztlich führten die Einlasskontrollen bei den Gästefans zu Schlangen vor den Stadiontoren, und das Spiel begann erst um 18.45 Uhr – genau die Hälfte Strecke zwischen den beiden Anstoßzeiten der Ligen. Die Dritte Liga lugte im Zweitligagewand hervor.

Ich mag solch zufälligen Begebenheiten, die symbolisch aufladbar sind. Wahrscheinlich haben sich Drehbuchautor und Regisseur des Weltenlaufs gedacht, wir müssen an diesem Abend etwas ganz besonders deutlich machen. So viel wies bei diesem Spiel schon auf eine kommende Saison in der höheren Liga hin und gleichzeitig wurde die Gegenwart immer in Erinnerung gehalten. Auch das Spiel selbst blieb nicht durchweg auf dem hohen Niveau der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit wirkte das Zweitligakostüm etwas derangiert. Etwas, wohlgemerkt.

20170224_184428_resizedIn dieser ersten Halbzeit hingegen habe ich nach etwa 15 Minuten auf die Spielzeituhr gesehen und konnte es nicht glauben, wie kurz erst gespielt war. Das Spiel fühlte sich nach mindestens zehn Minuten mehr Spielzeit an, so hoch war das Tempo, so viel geschah auf beiden Seiten. Der MSV kombinierte sich Angriff um Angriff Richtung Magdeburger Tor, während die Magdeburger ihre Offensivaktionen meist mit schnellem Umschalten und anschließendem langen Ball für den Flügelwechsel versuchten. Diese Magdeburger Angriffe sahen zunächst gefährlich aus, weil die Spieler auf der anderen Seite manchmal recht lange unbedrängt Richtung Strafraum ziehen konnten. Torchancen ergaben sich dennoch nicht. Entweder störten die Zebras erfolgreich oder der Abschluss war zu ungenau.

Auch der MSV blieb ohne Tor, obwohl ich bei vier Angriffsaktionen die Arme schon halb hochgerissen hatte. Die größte dieser Chancen ergab sich aus einer schnellen Kombination über den rechten Flügel bei einem Konterspiel. Die Defensive der Magdeburger wurde stehen gelassen, als sei sie nicht vorhanden. Die Flanke kam hoch in den Lauf von Kingsley Onuegbu, der frei köpfen konne und es nicht schaffte, den Ball nach unten zu drücken.

Dieser Angriff war lehrbuchmäßig vorgetragen und die Enttäuschung war größer als bei den Aluminiumtreffern zuvor und später, weil von unserer rechten Stehplatzecke auf der Köpi aus die freien Räume in der anderen rechten Spielfeldhälfte so genau zu erkennen sind. Diese freien Bahnen liegen genau vor uns. Wenn dann die Spieler des MSV auf dem rechten Flügel das machen, was wir von unserer Stehplatzecke aus als Möglichkeit zur großen Chance erkennen, wächst die Hoffnung auf den Erfolg mit jeder Sekunde sehr viel mächtiger als bei jeder Spielaktion an einer anderen Stelle des Spielfelds. Im Grunde bin ich bei solchen Spielzügen der realen Spielzeit voraus. In meinem Kopf gibt es schon das flüchtige Bild des erfolgreichen Kopfballs, das erst durch den Ball zerstört wird, der über die Latte fliegt.

20170224_184655_burst01_resizedIn dieser ersten Halbzeit habe ich nicht nur auf ein Tor des MSV gehofft, ich habe den Fußball auf dem Rasen als gelingenden Sport genossen. Das können wir nicht oft über Spiele in der MSV-Arena sagen. Ich kann mich nicht daran erinnern, nach einem torlosen Unentschieden schon einmal derart zufrieden aus dem Stadion gegangen zu sein. Der klare Vorsprung als Tabellenerster trägt diese Zufriedenheit natürlich zusätzlich. Wir alle, die wir oft fast unser ganzes Leben mit dem MSV verbracht haben, machen in dieser Saison  immer wieder neue, ungewöhnliche Erfahrungen mit unserem Verein.

Diese erste Halbzeit fühlte sich sehr nach einer Zweitliga-Welt an. Nicht nur die spielerische Qualität beider Mannschaften war der Grund, der Gästeblock trug mit seinem Support dazu maßgeblich bei. Was dort auf der anderen Seite variantenreich und in großer Geschlossenheit zu sehen und zu hören war, zählt sicher zu den beeindruckendsten Auftritten von Gästefans in Duisburg.

20170224_194942_burst01_resizedIn der zweiten Halbzeit konnte der MSV das Spiel nicht mehr so bestimmen wie in den ersten 45 Minuten. Das Spiel war ausgeglichener. Zwar versuchten beide Mannschaften weiter, das Tempo hoch zu halten, doch kam es auf beiden Seiten nicht mehr zu wirklicher Torgefahr. Durch das höhere Tempo als in anderen Spielen erwarteten wir dennoch immer wieder eine Möglichkeit für den Torschuss auf beiden Seiten. Aber scheingefährlich war das Spiel nur in der zweiten Halbzeit.

Erst in den letzten fünf Minuten konnte der MSV noch einmal kontinuierlich die Magdeburger in die Defensive drücken. Gerade als wir uns auf die obligatorische Nachspielminute einrichten wollten, pfiff der Schiedsrichter ab. Dieser Pfiff kam plötzlich und unerwartet. Eingerichtet hatte ich mich noch nicht mit dem Ende des Spiels. So hing ich kurze Zeit in der Luft, ehe wieder diese Zufriedenheit zurück kam. Ein Spitzenspiel hatten wir gesehen. Manchmal stimmen Fußballsprachenstandards im wahrsten Sinn des Wortes.

Lesenswerte Worte aus Magdeburger Perspektive zu Anfahrt der Fans, Erfahrungen mit dem Sicherheitskonzept und natürlich zum Spiel selbst finden sich beim Blog Nur der FCM! – mit einem Klick.

Auch mal nur die Pflicht erfüllen

20170217_182041_burst01_resized_mIn Frühlingslaune hatte ich Mitte der Woche die Bahnkarte nach Mainz gebucht. Die Sonne schien, und draußen wärmte es sich auf 15 Grad auf. Am Freitag war es dann so frühlingshaft doch nicht mehr, weder den Tag über beim Spaziergang durch Mainz noch am Abend beim Spiel des MSV gegen die U23 von Mainz 05. Es ist eben Februar. Allerdings regnete es nicht an dem Tag trotz grauem Himmel. So war es nicht zu kalt. 20170217_174126_burst01_resized_mFür diesen Monat blieb immer noch gutes Ausflugswetter, auch wenn es einen nicht unbedingt in Hochstimmung versetzte. Insofern passte das Wetter perfekt zum Spiel des Abends. Schließlich sahen wir einen 2:0-Sieg beim Tabellenletzten; einen Sieg, dessen Grundlage in der ersten Halbzeit gelegt wurde; einen Sieg, der in der zweiten Halbzeit mehr recht als schlecht über die Zeit gebracht wurde.

Zufrieden fuhr ich nach Hause und wusste dabei eines, die Stimmung wird noch besser werden, wenn das Verfolgerduell zwischen Magdeburg und Osnabrück am nächsten Tag abgepfiffen ist. Jedes Ergebnis in diesem Spiel würde ein gutes Ergebnis für den MSV sein.

20170217_183613_burst01_resized_mWenn auf die 18.000 Plätze eines Stadions sich nur etwas mehr als 1.800 Zuschauer verteilen, kommt einem der Anblick aus dem Gästeblock heraus ins Stadionrechteck ziemlich trostlos vor. Gut, dass sich mindestens die Hälfte dieser Zuschauer um mich herum befand und lautstarke Heimspielatmosphäre die Normalität eines Fußballspiels in der 3. Liga wieder in Erinnerung brachte. Zu dieser Normalität gehören Trainerwarnungen wie die von Ilia Gruev vor dem trügerischen Bild einer Tabelle, damit eine Mannschaft auf dem letzten Platz dieser Tabelle nicht unterschätzt werden sollte.

Die ersten Minuten des Spiels zeigten, wie notwendig solche Warnungen sind. Die U23 von Mainz 05 spielte mutig nach vorne, wirkte aggressiv und entschlossen zum Abschluss. Ein Distanzschuss an die Latte war das Ergebnis, weil das Defensivverhalten des MSV in diesen ersten Minuten zu nachlässig war. Das änderte sich nach diesem Lattenschuss und die Zebras übernahmen die Spielkontrolle. Die Mainzer wurden in ihre Hälfte gedrängt. Angriff um Angriff wurde ruhig und kontrolliert vorgetragen. Der Druck auf die Mainzer Defensive war hoch. Die Mainzer machten immer häufiger Fehler.

Der Führungstreffer durch Dustin Bomheuer fiel nach einem Freistoß von rechts nahe der Strafraumgrenze. Andreas Wiegel schlug den Ball präzise in den Lauf von Dustin Bomheuer, der frei und wuchtig einköpfte. Lehrbuchmäßig. Besser geht es nicht. Nur drei Minuten später fiel das 2:0 durch ein sehr schönes Tor von Kingsley Onuegbu. Der Pass kam in seinen Lauf halbhoch in den Strafraum hinein. Wunderbar nahm er den Ball an, um ihn am Gegenspieler vorbeizulupfen. Dabei kam er vom direkten Weg aufs Tor ab, rechts Richtung Strafraumrand, was ihn nicht daran hinderte, den halbhohen Ball in feiner Drehung aufs Tor zu bringen. Auch dieses Tor war ein Lehrbuchbeitrag in Sachen Ballannahme und Schusstechnik. Trotz sicherer Führung gaben sich die Zebras nicht zufrieden. Sie wollten ein drittes Tor. Doch zwingende Chancen blieben bis zur Halbzeitpause aus.

Nach der Halbzeitpause blieben dann 45 Minuten, um sich an die Warnung von Ilia Gruev zu erinnern und gleichzeitig zu erkennen, warum die Mainzer am Tabellenende stehen. Von Spielkontrolle durch die Zebras konnte nun keine Rede mehr sein. Die Mainzer spielten offensiver und brachten nun ihrerseits immer wieder Angriffe bis in den Strafraum vom MSV oder dessen Nähe. Dennoch blieb die Mannschaft für diese Vielzahl von Angriffen zu harmlos. Pässe waren nicht präzise und Schüsse auf das Tor von Marcel Lenz waren mit einer Ausnahme leicht zu klären. Marcel Lenz spielte, weil Marc Flekken sich beim Training verletzt hatte.

20170217_205248_resized_mSo abgeklärt das nachträgliche Fazit auch wirken mag, leicht anzusehen war diese zweite Halbzeit bis etwa zur 80.Minute nicht. Es gab ja keine Garantie für erfolglose Mainzer Angriffe. Weil auch nicht erkennbar wurde, dass die Zebras die Spielkontrolle zurückgewinnen konnten, war diese zweite Halbzeit eine lästige Pflichtaufgabe mit zwischenzeitlichem Ärger, mancher Sorge und immer wieder bestätigter Erleichterung über eine Mainzer Mannschaft, die nur beim ersten Blick gefährlich wirkte. In den letzten zehn Minuten kehrte aber Ruhe ein. Die Mainzer resignierten ein wenig, die Zebras wirkten wieder sicher. Meine Zufriedenheit machte sich wieder bemerkbar.

Als nun am Wochenende die Ergebnisse der Mannschaften auf Platz 2 bis 4 den Spieltag komplettierten, wurde meine Laune, wie erwartet, noch besser. Dieses Tabellenbild mit neun Punkten Vorsprung des MSV auf Platz 3 stimmt doch sehr zuversichtlich. Wie passend, dass am nächsten Spieltag nun der FC Magdeburg zum Heimspiel kommt. Den MSV in seinem Lauf hält nicht der Letzte noch der Zweite der Tabelle auf. Ich suche schon mal vorsichtig nach passenden Schlagzeilen für das kommende Wochenende.

20170217_142023_resized_mFür die Zeit, bis ich wirklich an Schlagzeile und Spielbericht arbeiten kann, beschäftige ich mich vielleicht mit einem Bildungsangebot, auf das ich in Mainz bei meinem Spaziergang gestoßen bin. In diesem traditionsreichen Mainzer Lehrinstitut wird seit Jahren gute Arbeit in einer Nische unseres Bildungskanons geleistet. Wer dort Kurse buchen möchte, wende sich vertrauensvoll an mich. Ich leite die Anfrage dann weiter.


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