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Alles Gute für 2017 mit Big Data von 2016!

Alles Gute für das Jahr 2017 wünscht euch die Belegschaft vom Zebrastreifenblog. Zwar hat sich Der Stig in den letzten Monaten hier sehr zurückgehalten, in Arhus ist er gerade ohnehin wieder, dafür rufen Ralf und ich euch im Duett um so lauter die Wünsche zu. Wie immer erhalten Fußballer und die Verantwortlichen im Verein unserer Zuneigung ebenfalls ein großes Wünschepaket. Im letzten Jahr war das leider nicht groß genug, um die Relegationsspiele siegreich zu bestreiten. Deshalb packen wir in diesem Jahr noch vier Kilo Wünsche obendrauf, damit der angestrebte Erfolg in dieser Saison ganz ohne Relegation gelingt. Der große Wünscheverwalter wird das hoffentlich berücksichtigen, wenn es ernst wird.

Mit dem hoffnungsvollen Blick nach vorne verbinden wir hier ja jedes Jahr den Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des Jahres. Früh schon zeichnete sich ab, dass auch 2016 in Dortmund weiter eifrig Kuchen gebacken wird. Jeden Tag finden deshalb die BVB-Fans unter den Kuchenbäckern zum Zebrastreifenblog, um sich bei unserer Reihe rund um die schönsten Fußballtorten der Welt inspirieren zu lassen. Auf Platz 2 der meistaufgerufenen Beiträge im Zebrastreifenblog findet sich wie im Vorjahr „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“, Noch öfter wurde 2016 nur der zweite Teil der BVB-Torten angeklickt. Auf Platz 1 steht „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge XXV – Borussia Dortmund Teil 2″.  Trainer wechseln, Spieler gehen, die BVB-Torten bleiben.

Auf eine gewisse Konstanz bei der Platzierung in der Klickhitliste hoffen Ralf und ich auch bei dem Beitrag, der sich auf Platz 3 befindet. Obwohl dieser Beitrag nicht einmal einen Monat in diesem Jahr online war, interessierten sich so viele Besucher des Zebrastreifenblogs für die Ankündigung unseres Buches über die Rettung des MSV im Sommer 2013 und die anschließende Zeit bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später, dass der Text die Klickhitparade stürmte. Für Jetzt bestellen – Mehr als Fußball. Das Buch über Duisburg im Sommer 2013 und den Wiederaufstieg des MSV hoffen wir auf eine Wiederholung der Platzierung beim nächsten Jahresrückblick.

Wie im letzten Jahr gibt es auf einem der ersten fünf Plätze auch einen Text, in dem es um das Verhalten von Fans geht und wie es von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Platz 4 belegt Chaos vor dem Gästeeingang – Fortuna-Fans berichten. Ich habe seinerzeit zum vermeintlichen Gewaltausbrauch am Gästeeingang beim Heimspiel des MSV gegen Fortuna Düsseldorf eine Mischung aus Presseschau der Fortuna-Blogwelt und Kommentar geschrieben.

Auf Platz 5 befindet sich ein Text zu jenem Spiel gegen den TSV 1860 München im Abstiegskampf der letzten Saison, das jedem der dabei war, immer noch Gänsehaut verursacht. Wenn ein Stadion die Abstiegsangst wegschreit holt noch einmal die unfassbare explosionsartige Ekstase hervor, als kurz vor dem Abpfiff der Siegtreffer gelang.

Und nun der Blick nach vorne. 2017, wir kommen. Auch 2017 werde ich dem Zebrastreifenblog einen Teil meiner Arbeitszeit widmen. Allenfalls werde ich nach dem hoffentlich erfolgten Wiederaufstieg über meine regelmäßigen Spielberichte nachdenken. Ich habe das Gefühl, nach acht Jahren habe ich dann sämtliche möglichen Saisonverläufe für den MSV mit Worten begleitet. Abstieg, vermiedener Abstieg,  Aufstieg, verpasster Aufstieg und das jetzige Favoritendasein. Meine Art über den Fußball zu schreiben braucht Ideen, die über den Fußball hinausgehen und die sind nicht mehr nach jedem Spiel vollkommen neu. Da muss ich was ändern. Wie, weiß ich noch nicht. Was ich weiß, ich werde weiterschreiben, aber anders. Also, 2017, wir gehen ins Stadion, wir sehen uns, wir lesen uns. Klingt verdammt gut, 2017, so kann es weitergehen.

Zahlen, Zahlen, Zahlen – Die Ligaprognose von Schwarz und Blau

Die Saison hat für den MSV Duisburg so gut begonnen wie schon Jahre nicht mehr. Der 1:o-Sieg gegen den SC Paderborn war perfekt, als Ergebnis und in der Art und Weise, wie der Sieg zustande kam. Die Mannschaft war gut, aber auch nicht zu gut, so dass irgendjemand in dumme Träumereien verfallen könnte. Leichtsinnig macht dieser 1:0-Sieg nicht. Niemand kann nach den letzten 20 Minuten des Spiels übermütig werden. Dieser Sieg stimmt zuversichtlich.

Dieser Sieg bestätigt eine Prognose die im Blog Schwarz und Blau anhand der bisherigen Spielergebnisse der 3. Liga vorgenommen wurde. Im Vorbericht zum Saisonauftakt wurde sie veröffentlicht und später bei Twitter noch einmal korrigiert. Die Ergebnisse des ersten Spieltags sind inzwischen ebenfalls eingearbeitet und bei Twitter veröffentlicht.

 

2016_07_ligaprognose_schwarzUndblau

Je länger ich auf dieses Zahlenspiel schaue, desto mehr entdecke ich die ganz eigene Schönheit dieser Excel-Tabelle. Die einzelnen Elemente des Bildes befinden sich in vollkommener Harmonie. Sie weiten den Blick und öffnen die Gedanken. Gleichzeitig mahnen sie mit dem Dunklen in den Ecken der zweistelligen Tabellenplätze an mögliche Gefahren auf den Wegen. Es gibt immer Neues zu entdecken in dieser Verheißung, im Zahl gewordenen Hoffen.

 

Saisonvorbereitung III – Aufstiegsfavorit sein

„Kommt wieder“, so hieß es schon kurz nach Beginn der Sommerpause vom MSV Duisburg. Die Aufforderung an die Fans war eine Botschaft mit bewusst gesetzter Nebenbedeutung. Den MSV als handelndes Subjekt davor gestellt waren diese zwei Worte auch ein Versprechen an die 2. Liga. Das war eine Ansage, was die Mannschaft nächste Saison erreichen soll. So hat sich der MSV Duisburg früh zum direkten Wiederaufstieg bekannt.

Wer sich selbst Ziele setzt, muss damit umgehen, entsprechend wahrgenommen zu werden. Ohne einen Blick auf die sportlichen Voraussetzungen bin ich also seitdem mit einer neuen Rolle beschäftigt. Ich bin Anhänger eines Aufstiegsfavoriten. Tiefe Dunkelheit umgibt die Tage, als es mir das letzte Mal so ging. In den letzten Jahren sind wir immer ganz, ganz vorsichtig gewesen. Ich lerne erst wieder, damit umzugehen.

Andererseits bin ich froh, dass es diese Rolle für den MSV gibt, weil ich mir am Ende der letzten Saison Gedanken gemacht habe, wie es mit dem Zebrastreifenblog weitergehen soll. Ich habe es schon mehrmals angedeutet. Die Dinge beginnen sich zu wiederholen. Was für mich als Anhänger des MSV ohne Bedeutung ist, was für meine Art Schreiben aber große Folgen hat. Ich beginne mich zu langweilen, manche Worte sind zu oft benutzt. Über Fußballspiele zu schreiben, das hätte anders werden müssen. Ich wusste noch nicht wie. Weitere Überlegungen hat mir das Aufstiegsfavoriten-Dasein erspart. Diese Situation ist neu im Zebrastreifenblog. Hurra! Darüber soll geschrieben werden.

Die Ansage des MSV ist auch bei den Trainern der Drittliga-Mannschaften wahrgenommen worden. Liga 3-online hat die entsprechende Trainerumfrage, tabellarisch aufbereitet, unlängst veröffentlicht. Der MSV ist hier nur einer von mehreren Vereinen, denen der Aufstieg zugetraut wird. Absoluter Aufstiegsfavorit – dieses Gütesiegel erhält er nicht, weil der Abstand zu anderen Vereinen zu klein ist. Dennoch wird er neben Chemnitz am meisten genannt.

Die vielen Mitfavoriten sollten die Spieler etwas entspannen, den Druck von ihnen nehmen. Sportlich gesehen sind die Voraussetzungen zwar gut. Der Zweitliga-Kader ist zum großen Teil zusammen geblieben. Spieler dieses Kaders haben – auch ohne Victor Obinna und Giorgi Chanturia – eine ordentliche Zweitliga-Rückrunde gespielt. Den Weggang von Thomas Meißner lasse ich dabei mal außer Acht. Mit dieser Leistung wäre ein gesicherter Platz im Mittelfeld möglich gewesen. Durch gute Leistungen in den Testspielen der Sommerpause wird das bestätigt. Meine Zuversicht ist groß, ich bin gerne Anhänger eines Aufstiegsfavoriten. Wir sind Aufstiegsfavorit.

Weniger Druck ist aber für mich auch ein Thema, weil dieselben Spieler in jenen Momenten der Saison, in denen etwas zu verlieren war, sich selbst häufig im Weg standen. Das ist der leise Zweifel, der schon wieder kitzelt. Oh je, wir sind Aufstiegsfavorit. Um den Aufstieg zu spielen ist aber psychisch einfacher zu bewältigen als das Spiel gegen Abstieg. Etwas gewinnen zu können setzt Kräfte frei, etwas verlieren zu können hemmt.

René Müller, der Trainer des Aufstiegsfavoriten SC Paderborn, weiß um die Köpfe der Spieler. Er nennt den MSV so wie es der Redaktion von Liga 3-online unmöglich war. Für René Müller ist laut Reviersport der MSV Duisburg der „absolute Top-Favorit„. Aber der SC Paderborn eröffnet die Drittligaspielzeit am nächsten Freitag mit einem Auswärtsspiel gegen den MSV. Da gilt es Vorarbeit zu leisten. Druck verteilen. Aufstiegsfavorit sein. Auch damit umzugehen, will gelernt sein.

Favorit sein – MSV kommt wieder

Als Samstag der Gruppenfavorit Portugal gegen Österreich nur ein torloses Unentschieden erreichte, gab es während des Spiels einen wunderbaren Moment der Wahrheit. Der bei Real Madrid spielende Pepe kam an den Ball, und Tom Bartels, der ARD-Kommentator, dachte zugleich an den Sieg von Real im Champions-League-Endspiel gegen Atletico Madrid. In diesem Finale hatte sich Pepe nicht nur als Fußballer vorgestellt. Er dachte schon an die Zeit nach seiner Sportlerkarriere als D-Movie-Schauspieler und sammelte Arbeitsproben. Mit einem beschränkten Repertoire zwar und noch sehr laienhaft, aber gerade D-Movies brauchen  Menschen, die sich grundlos in sterbender Weise oder schwer verletzt am Boden wälzen können.

Samstag führte Pepe also den Ball im langsamen Spielaufbau. Tom Bartels hatte Zeit für die üblichen Randbemerkungen zu Spielern, und schon kam die drängendste Wahrheit aus seinem Mund: „Pepe, der Championslieger“. Was dessen Bedeutung für das Finale besser auf den Punkt bringt als der Titel Champions-League-Sieger. An so was hat Herr Freud da oben bestimmt immer noch seinen Spaß.

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Screenshot der Nachrictht vom MSV Duisburg

Wenn mir das Wort Favorit in diesen Tagen nur im Entferntesten in den Sinn kommt, gibt es für mich ebenfalls neben der EM-Gegenwart eine andere Fußballwirklichkeit, die sich zugleich in den Vordergrund schiebt. An diesem Wort kommen wir in Duisburg beim Blick auf die kommende Drittliga-Saison nicht vorbei. Wie lange ist es her, dass der MSV Duisburg sich so deutlich zu seinem Ziel in der Liga bekennt? Es gibt keine einschränkenden Trainerworte, kein Abwarten, wie die Saison sich entwickelt. Es gibt nur das zum Hashtag gewordene Versprechen „#MSVkommtwieder“.

Für dieses Selbstbekenntnis zum Favorit-Sein gibt es die wirtschaftliche Notwendigkeit. Ein Verein der Größe des MSV Duisburg, mit dessen Personalstand und dessen Infrastruktur muss in der 2. Liga spielen, um wirtschaftlich zu überleben. Momentan denke ich an diesen wirtschaftlichen Hintergrund nicht sehr oft, weil mir dieser Favoritenstatus vor einer Saison so fremd geworden ist. Ich staune in gewisser Weise noch immer und bemühe mich dabei nicht an den bisherigen Verlauf der Fußballeuropameisterschaft zu denken. Favoriten haben es in der Fußballgegenwart öfter als früher ziemlich schwer. Zähe Spiele ergeben sich mit so einem Status. Zähe Spiele, in der eine einzige Situation alles entscheiden kann, nicht selten auch zum Nachteil des Favoriten. Andererseits gab es ja auch Spanien im Spiel gegen die Türkei. MSV kommt wieder, das klingt schon verdammt gut.

Zu Recht vertrauen

Einfach war es nicht, die Bedingungen für die Lizenz der 3. Liga zu erfüllen. Nun ist es offiziell, der MSV hat die Lizenz zum Spiel  erhalten. Wir können uns wieder auf Andrea Berg auf Dorftribünen im Süden Deutschland freuen. Schnitzelheinz wird in Erfurt den RWE des Ostens wahrscheinlich ebenso weiter sponsern wie die monothematisch ausgerichtete Speisekarte des Lokals weiterhin exotische Kombinationen von Fleisch und Beilagen notwendig macht. Ich werde mit dem Fahrrad ins Zollstocker Südstadion zu einem Auswärtsspiel fahren können. Wie war das nun nochmal mit dem Dauerkartenverkauf? Und nur zur Vorsicht, damit wir uns in jeglicher Hinsicht vorbereiten und eine Adresse in der Hinterhand haben, in Hamburg wissen sie, was man mit mit so einer Lizenz neben dem Spielen auch noch anfangen kann.

 

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Mein Rückfall in die Dramasucht

Als ich Samstag vor dem Spiel des MSV gegen den FC Porto auf das Stadion zulief, beschlich mich plötzlich eine Sorge. Die Sonne schien. Die Leute um mich herum waren ausnahmslos gut gelaunt. Unaufgeregt wurde miteinander geredet. Entspannte Zufriedenheit lag in der Luft. Mit einem Mal verblassten alle Worte von Ivo Grlic und Gino Lettieri über den wahrscheinlichen Kampf gegen den Abstieg in der kommenden Saison. Mit einem Mal sah ich einen MSV der nahen Zukunft, der sich sehr schnell den Mittelfeldtabellenplatz dauerhaft sichert. Mit einem Mal sah ich mich vor einer Saison ohne Hoffnung auf den Anschluss nach oben und ohne Sorge vor dem Absturz zurück in die 3. Liga. Ich wurde unruhig. Ich spürte das Gipern meiner Dramasucht.

In den Wochen nach der Lizenzverweigerung hatte ich meiner Sucht abgeschworen. Ich lag mit dem MSV am Boden und sehnte mich nach Normalität. Angesichts des drohenden Zusammenbruchs schwor ich mir, zukünftig mit jeder mittelmäßigen Spielzeit zufrieden zu sein, wenn es überhaupt nur weiterginge. In der aufregenden Zeit vor dem Aufstieg habe ich offensichtlich einen Rückfall erlitten.

Anfang Juni hätte ich die Zeichen schon erkennen können. Längst war ich wieder zu einem Mann geworden, der ein „Kissen zur Sitzerhöhung“ nur kaufte, weil sein „unsachgemäßer Gebrauch“ große Gefahren erwarten ließ. „Keine Haftung“ wollte der Hersteller dafür übernehmen. Ein wohliger Schauer überkam mich, weil nur das „sorgfältige Lesen“ einer „Gebrauchsanleitung“  mich vor dem Lebensrisiko durch das „Kissen zur Sitzerhöhung“ wappnete. Dieses Kissen barg so viele Gefahren, dass man sie alle gar nicht behalten konnte. Deshalb wurde angeraten, die „Gebrauchsanleitung für „späteres Nachlesen“ aufzubewahren. Jedem, dem ich das Kissen weitergeben wollte, sollte ich auch die „Gebrauchsanleitung“ übergeben. Welch aufregende Zeiten waren von einem Kissen zu erwarten, das „kein Kinderspielzeug“ war und das nicht mehr verwendet werden durfte, wenn es „sichtbare Schäden“ aufwies. Ich war so weit, dass ich niemals wie verlangt  einen „Fachmann“ herangezogen hätte, um bei Schäden das Kissen zu reparieren. Wieder abgestiegen in die Tiefen meiner Dramasucht übernehme ich solche gefahrvollen Tätigkeiten selbst.

Aber erst vor dem Stadion war mir endgültig klar, wie sehr ich das Drama wieder brauche. Ich fürchtete das Gleichmaß des Gewinnens und Verlierens, bei dem es um nichts anderes als das Spiel der Gegenwart ginge. Ich wollte die großen Gefühle. Ich wollte die Intensität, die sich nur durch die Gefahr des Scheiterns ergibt. Ich wollte keine Abstiegsangst-Tranquilizer aus dem Neururschen Hausmittelversandhandel. Ich wollte, dass es in der nächsten Saison wieder um etwas Großes geht.  Zu Hause habe ich mir deshalb sofort mehrmals die Einschätzungen von Ivo Grlic und Gino Lettieri vorgenommen, dass es für den MSV in der kommenden Saison um nichts anderes gehen kann, als den Abstieg zu vermeiden. Noch besser wurde es dann mit der Saisonprognose beim Rotebrauseblogger. Für alle Zweitligamannschaften hat er die Endplatzierungen wohlbegründet zusammengestellt. Platz 15 bis 18 erwartet er für den MSV. Das ist mal ein Wort, für das ich in den nächsten Tagen immer einen Tab im Browser offen halte, um bei Entzugserscheinungen schnell drauf schauen zu können. So lange, bis neuer Stoff ins Haus kommt. Vielleicht schreibe ich den auch mal selbst. Es gibt ja noch ein anderes Ende der Tabelle. Auch Dramasucht braucht immer Nachschub.

Die Zweite Liga wird ganz anders sein

Der Sommer hat noch nicht mal richtig begonnen, schon ist für den MSV Duisburg die Sommerpause wieder zu Ende. Am Montag beginnt die neue Saison für die Mannschaft mit ihrem ersten Training. Wir Anhänger unsers Lieblingsvereins konnten uns in der kurzen Pause mit ein paar Spielerverpflichtungen und den Ankündigungen naher großer Spiele die Zeit vertreiben. Gab es überhaupt eine Pause? Eine Pause für die Spiele, die gab es, aber eine Pause für die Beschäftigung mit dem MSV Duisburg gab es dieses Mal für mich und die meisten anderen Anhänger dieses Vereins kaum.

Schließlich ist diese Sommerpause auch eine des Übergangs. Der Aufstieg führt zu anderen Bedingungen, unter denen der Verein arbeiten muss. Der MSV begegnet solchen Mannschaften wieder, die uns über Jahre vertraut waren, in einer Liga, die wir kannten und bei der wir nun dennoch  nicht genau wissen, ob sich nicht doch das ein oder andere so verändert hat, dass wir es nicht wiedererkennen. TSV 1860 München und St. Pauli im Kampf gegen den Abstieg. RB Leipzig will unbedingt in die Bundesliga. Sandhausen im gesicherten Mittelfeld. Wiederholt sich das alles?

Auch der MSV ist nicht der mehr der Verein, der im Jahr 2013 keine Lizenz für Liga 2 erhalten hat. Auch der MSV hat sich verändert. Der Verein und jene Anhänger, die in den letzten Zweitligajahren die Stammgäste im Stadion waren, sind eng zusammengerückt. Das Unternehmen MSV Duisburg hat diesen Zusammenhalt als eigenen Unternehmenswert erkannt. Worüber gleich noch einmal zu sprechen sein wird. Außerdem haben viele Duisburger ohne brennendes Interesse am Fußball sich an den MSV erinnert. Sie haben gemerkt, welche Bedeutung der Verein für die Stadt hat und dass es eine nicht zu füllende Lücke gäbe, wäre dieser Verein nicht mehr vorhanden. All das ist grundsätzlich gut und in der 3. Liga war genau das eine Stärke des MSV Duisburg.

Wir Anhänger haben uns an die neue Nähe zum Verein gewöhnen können. In der 3. Liga war alles kleiner, enger beisammen. Gingen wir ins Stadion, erinnerte das so oft an den Fußball, den wir aus unseren eigenen Vereinen in den Amateurligen kennen. Es ging um Sport im Stadion. Gab es diese Unterhaltungsbranche Fußball überhaupt noch? Wenn diese Unterhaltungsbrache in Erinnerung gerufen wurde, war das gleichzeitig sofort peinlich. Ein Modell-Contest wurde aus dem Boden gestampft, ohne Modells, aber mit vielen jungen Mädchen, die auf ihren hohen Schuhen kaum laufen konnten, den die Presse zum Glück nicht als Steilvorlage für Spott genutzt hat. Es kam Mickie Krause mit seinen Versprechen und den Freundschaftsbekundungen zum Verein, die er jedem macht, der ihm Geld dafür gibt. Es war alles gut gemeint, um mehr Zuschauer ins Stadion zu bekommen, doch die Schnellschüsse haben nichts gebracht, sondern nur daran erinnert, dass es irgendwo da draußen einen Fußball gibt, der auch was anderes sein will als nur der Sport.

In der 2. Liga rückt diese Unterhaltungsbranche wieder näher. Es wird spannend sein, wie es dem Unternehmen MSV Duisburg gelingt, die Widersprüche dieses Sports auszubalancieren. Alles wird größer. Die Arbeit im Verein wird durch die Medien genauer beobachtet. Die überregionalen Medien sind wieder häufiger da. Mehr Menschen nehmen von außen Einfluss auf die Arbeit beim MSV, indem sie eigene Interessen verfolgen. Spielerberater lancieren Meldungen, um bessere Abschlüsse für ihre Spieler zu erreichen. Journalisten suchen Geschichten. Der MSV wird mehr im Fokus stehen. Dagegen ist nichts zu machen. In Ruhe zu arbeiten wird schwieriger.

Vielleicht wird auch das Interesse der Anhänger des MSV am Verein noch größer. Sie haben den Kontak durch direkte Gespräche mit Vereins- und Unternehmensverantwortlichen in der 3. Liga schätzen gelernt. Doch je offener der Verein sich seinen Anhänger zuwendet, desto mehr Arbeitszeit wird gebunden. Ob dafür mehr Personal eingestellt werden kann, wage ich zu bezweifeln angesichts der momentanen finanziellen Verhältnisse. Vielleicht verliert sich in dieser anderen Struktur des Fußballs Nähe wieder? Ich vertraue den handelnden Personen und sehe als alter Soziologe nur die Einflüsse des Systems, das immer nur in kleinen Teilen veränderbar ist.

Gino Lettieri und Ivo Grlic versuchen bereits die Erwartungen an den sportlichen Erfolg in der 2. Liga zu dämpfen. In der kommenden Saison kann das Ziel nur heißen, so früh wie möglich den Klassenerhalt sichern. Über dieses sportliche Ziel hinaus sind in den letzten zwei Jahren durch gute Erfahrungen mit dem Verein Erwartungen für den Alltag gewachsen. Das wird die andere große Aufgabe in der kommenden Saison sein, auch mit diesen Erwartungen der Anhänger zurecht zu kommen.


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