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#BeleidigtEndlichVäter

Nach dem Samstagsspiel des MSV Duisburg in Magdeburg ging alles ganz schnell. Die MSV-Fans Arca Ceribasi und Jan Kastner telefonierten. Am Abend wurde aus dem Dauertelefonat eine Zoom-Konferenz, weil Esra Bashri und weitere Freundinnen, Freunde und Bekannte hinzukamen. Um Mitternacht stand der Plan, angesichts des Geschehens in Magdeburg grundsätzlich zu werden. Denn der Magdeburger Spieler Alexander Bittroff hatte mal wieder ganz tief in die Mottenkiste abgestandener Beleidigungen gegriffen. Die Mutter von Aziz Bouhaddouz war das Ziel. Bittroff störte sich auch nicht an der traurigen Wahrheit, dass diese Mutter schon gestorben war. Anscheinend hatte ihn das sogar befeuert in seiner Beleidigungslust.

Kurzum, diese Beleidigung war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte für die jungen Erwachsenen. Gestern nun traten drei von ihnen aus Duisburg als Sprecher einer Initiative an die Öffentlichkeit. Sie fordern Gleichberechtigung für Väter. Unter dem Hashtag #BeleidigtEndlichVäter kann man ihnen auf allen sozialen Kanälen folgen. Sie sprechen nicht nur für sich, sondern für die Interessen von Millionen Vätern in Deutschland und wissen sich von vielen Prominenten unterstützt.

In der Kulturszene gärt das Thema schon lange. Jan Kastner arbeitet als Aufnahmeleiter in bekannten TV-Produktionen und kennt aus vielen Gesprächen mit Kulturschaffenden die Nöte von unbeleidigten Vätern. „Das große Problem ist“, so Kastner, „Männer, und das sind ja Väter meistens, trauen sich nicht über ihre Minderwertigkeitsgefühle zu sprechen.“

„Genau“, bestätigt Esra Bashri. „Am Samstag gab es ja auch das große Missverständnis, Aziz Bouhaddouz hätte sich über die Beleidigung der Mutter so aufgeregt.“ Esra hat schon oft mit Aziz gesprochen, seit er in Duisburg spielt. Sie weiß, wie er tickt. „Schon in unserem ersten Gespräch an der Westender Straße habe ich das mitbekommen, wie ihn dieses Mütter-Väter-Ding beschäftigt. Er sagte mir, seit Jahren werde seine Mutter in allen möglichen Spielen beleidigt. An seinen Vater habe noch niemals einer gedacht. Aber der sei doch auch immer für ihn dagewesen. Aziz spricht viel mit anderen Spielern und versucht schon was, aber wenn einer alleine nur aktiv ist, reicht das natürlich nicht“

„Ganz ehrlich“, mischt sich Arca wütend ein, „so Typen wie der Bittroff bringen diese Gesellschaft doch nicht weiter.“ Arca ist seit zwei Jahren selbst Vater und auch für ihn gilt, noch niemals in seinem Leben wurde sein eigener Vater von jemandem beleidigt. „Ich meine, mein Vater hat sich längst damit abgefunden, dass er niemals die Chance erhielt, über eine Vaterbeleidigung wütend zu werden. Aber das war auch eine andere Zeit. Ich mache das nicht mehr mit. Bin ich es etwa nicht wert beleidigt zu werden, oder was? Das ist doch ein Denken von Vorgestern. Weißt du, am liebsten würde ich zu dem Bittroff gehen und dem sagen, man, sei doch ein Mann, Bitroff und beleidige mal irgend’nen Vater. Mütter beleidigen, wie klein bist du.“

Esra legt ihm beruhigend die Hand auf den Arm und fügt hinzu: „Unser Aufruf ist erst der Anfang. Wir kennen so viele Leute in ganz Deutschland, die genauso denken wie wir. Jeder Vater hat ein Recht auf Beleidigung. Du Sohn eines Strichers macht doch nicht weniger wütend als deine Mutter ist ’ne Hure.“


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