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Akzente 2018 inoffiziell – Von deutsch-französischer Freundschaft im Duisburg der 50er Jahre

Am vorletzten Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Für den heutigen Beitrag zur deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte greife ich noch einmal auf einen Text zurück, der in dem Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen erschienen ist. Auch in diesen Räumen hatte ich ihn schon einmal veröffentlicht. Das Akzente-Thema dieses Jahres bietet Gelegenheit für eine Wiederholung. Denn bei der Beschäftigung mit dem Krieg brauchen wir immer auch Hoffnung auf die Möglichkeit zu Versöhnung und Frieden. Im Ruhrorter Hafen arbeiteten kurz nach dem 2. Weltkrieg Männer aus Frankreich und Deutschland in derselben französischen Spedition. Aus Kollegen wurden Freunde. Die jahrzehntelange Feindschaft zwischen beiden Nationen wurde nicht mehr vererbt. Aus Ferne war Nähe geworden. Im Ruhrorter Hafen wurde etwas gelebt, was als Hoffnung für beide Nationen erst später auf politischer Ebene zum Ausdruck gebracht wurde.

Der Basketballfreiplatz am Ruhrdeich
Von deutsch-französischer Nachkriegsfreundschaft

Als 1950 der französische Außenminister Robert Schuman dem Misstrauen zwischen Frankreich und Deutschland mit der Vision eines gemeinsamen Wirtschaftens begegnet, dachte er noch nicht an Freundschaft. In Ruhrort ist das damals schon anders. Jene Freundschaft, die dann 13 Jahre später Konrad Adenauer und Charles De Gaulle mit dem Élysée-Vertrag endgültig vertiefen wollen, ist in dem Hafenstadtteil schon bald nach dem Krieg gelebter Alltag für junge Franzosen und Deutsche.

Der Basketball vereint diese Männer. Bei den Franzosen ist der Sport beliebt, und die jungen Ruhrorter finden das in Deutschland noch exotisch wirkende Mannschaftsspiel interessant. Eine Art Betriebssportgruppe entsteht. Denn alle diese jungen Basketballer arbeiten bei der französischen Staatsspedition Compagnie Générale Du Rhin. Allerdings fehlt ihnen ein richtiges Basketballfeld. An eine Sporthalle ist gar nicht erst zu denken.

Da trifft es sich gut, dass der Platzwart der Tennisanlagen des VfvB Ruhrort/Laar in dem Schifffahrtsunternehmen nach Arbeit fragt. Neben diesen Tennisanlagen am Ruhrdeich gibt es eine Brachfläche. Der Franzose Jean Amiot wird zur treibenden Kraft bei der Anlage des Basketballplatzes. Mit Spaten und anderem Gartenbaugerät wird eine plane Fläche hergerichtet, Sträucher werden gerodet, grobe Steine beiseite geräumt. Die Bretter für die Basketballkörbe werden im Schifffahrtsunternehmen gezimmert. Als zwei Jahre später die jungen Männer Meisterschaftsspiele bestreiten wollen, erhält der VfvB Ruhrort/Laar, vormals nur für Fußball und Tennis eine Adresse, offiziell eine Basketballabteilung.

Mit einem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms 2018 im Zebrastreifenblog.

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Drei Zeilen für den Sieg

Der Niederrhein-Pokal ist nicht mein Wettbewerb, zumindest keiner, über den ich viel schreiben kann. Wenn Tore des MSV fallen, er gar den Niederrhein-Pokal gewinnt, fühle ich mich fremd unter jubelnden Anhängern des MSV. Mir den Fußball anzuschauen und Spaß mit Freunden haben ist das eine, mich zu begeistern ist etwas anderes. Niederrhein-Pokalspiele besaßen für mich vor dem Anpfiff bislang jedes Mal Freundschaftsspielseigenschaften.

Ich las gestern, der MSV hat das Spiel gegen den KFC Uerdingen durch ein Tor von Simon Brandstetter kurz vor dem Schlusspfiff gewonnen. Das freut mich, dann kann ich demnächst vielleicht nach Essen, Oberhausen oder wohin auch immer bei einem Viertel- oder Halbfinale ein wenig Fußballnostalgie der Ruhrstadt genießen. Diese Stadionatmosphäre bei den größeren Vereinen des Pokalwettbewerbs gefällt mir am Niederrhein-Pokal. Deshalb wäre ich auch in Uerdingen dabei gewesen. Allerdings war die Anfahrt mit über 1000 Kilometern etwas weit, und ich habe mich zu einem Alternativprogramm entschieden.

Der Basketball um die Ecke bot beeindruckenden Spitzensport. FC Barcelona Lassa besiegte Saski Baskonia in der Verlängerung mit 98:92. Ein spannendes Spiel in lauter Halle durch zweistündigen Dauersupport und dabei – welch Überraschung – einige Fangesänge, die Cover-Hits von Zebrakurven-Dauerbrennern waren. Vielleicht überlasse ich die Urheberrechtsfrage aber den Musikwissenschaftlern mit dem sonderbaren Spezialinteresse Fangesang,  das Heimatstadiongefühl auch im etwas herunter gekommen wirkenden Palau Blaugrana habe ich jedenfalls kurzzeitig genossen.

Fundstück: Aus der Trainerpraxis über unbequeme Charaktere

Im Basketball heißt die 2. Liga Pro A. Dort spielen die RheinStars Köln. Vor dem Auftaktspiel der Saison gegen Trier hatte der Kölner Stadt-Anzeiger mit dem Trainer der RheinStars, Arne Woltmann, ein Interview geführt. Die Schlussfrage ist für die so beliebte  Debatte zu den in einem Mannschaftssport notwendigen Spielertypen ein schöner Beitrag aus der Praxis.

KStA: Wäre es für solche Krisensituationen sinnvoll, einen unbequemen Charakter im Team zu haben?
Arne Woltmann: Ich habe beides erlebt: Dass eine Mannschaft, die sehr gut harmoniert, eine Liga komplett dominiert. Und dass ein Team, das sich ein bisschen gerieben hat, erfolgreich war. Manchmal ist Reibung sicher hilfreich.

Manchmal aber eben auch nicht, ließe sich hinzufügen. Wie immer im Leben kommt es drauf an. Letztlich weiß aber niemand vorher, in welcher Zusammensetzung so ein komplexes Gruppengebilde wie ein Mannschaftskader erfolgreich ist und vor allem weiß niemand vorher, wie sich die Persönlichkeiten von Spielern entwickeln. Es ist schön, wenn ein Trainer indirekt auf Selbstverständlichkeiten auch mal hinweist.

Und da wir gerade beim Basketball sind, stelle ich einen kurzen Zusammenschnitt vom letzten Spiel der ersten Mannschaft meines Heimatvereins Deutzer TV online. Deutz spielt in weiß. Wer hier schon länger mitliest, weiß, ich weise gerne auf den guten Sport hin, der von dieser zweiterfolgreichsten Mannschaft des Kölner Basketballs in der 2. Regionalliga zu sehen ist. Wer also in Köln guten Basketball sehen will, Infos zum Spielplan mit einem Klick.

 

Wo versteckt sich nur immer der Aufstiegswille?

Was für eine enttäuschende Niederlage! Recht schnell wurde deutlich, die gegnerische Mannschaft war zunächst schneller bei ihren Entscheidungen. Sie wirkte dynamischer, zeigte mehr Biss und mehr Zug zum Korb. Innerhalb kurzer Zeit lag die fünfte Mannschaft des Deutzer TV im ersten Viertel mit 14 Punkten zurück. Ich nehme nicht mehr so häufig an den Meisterschaftsspielen meiner Basketballmannschaft teil. Letzten Dienstag war es mal wieder so weit. Wir waren dünn besetzt, und ich ließ mich mit auf den Spielberichtsbogen schreiben. Wenn das geschieht, will ich gewinnen. Das will jeder von uns, auch wenn oft die meisten Spieler des Gegners unsere Kinder sein könnten. Als Mannschaft haben wir das erst ab etwa Mitte des zweiten Viertels aufs Spielfeld gebracht. Wir hatten eigentlich gegen diesen Gegner gute Chancen gehabt zu gewinnen. Minute für Minute verringerten wir seinen Vorsprung. Kurz vor Schluss waren wir auf fünf Punkte herangekommen. Doch der Rückstand aus dem ersten Viertel war diese fünf Punkte zu hoch. Wir waren am Ende im Spiel, waren besser als der Gegner, doch es schien nur so, als hätten wir den Ausgleich noch erreichen können.

Nach der 4:2-Niederlage des MSV Duisburg bei den Stuttgarter Kickers wusste ich sofort, wie sich die Duisburger Fußballer fühlten. In kurzer Zeit hatte ich Spiele in unterschiedlichen Sportarten sich auf ähnliche Weise entwickeln gesehen. Dabei hatte es in dem Fußballspiel in den ersten Minuten gar nicht so einen großen Leistungsunterschied zwischen dem MSV Duisburg und den Stuttgarter Kickers gegeben. Das lag aber daran, dass die Stuttgarter nicht von Anfang so schnell gespielt haben, wie sie es konnten. Als die Kickers das Tempo erhöhten, war für den MSV sofort Land unter. Die Manschaft wirkte wie aus dem Spiel gefallen. Es schien so, als hätten nur wenige Duisburger Spieler mit diesem Willen der Stuttgarter zu gewinnen gerechnet. Fast sofort begann die Defensive zu schwimmen. Unsicherheit sickerte in die gesamte Mannschaft. Aus fast jedem eroberten Ball wurde entweder ein Fehlpass oder er wurde so ungenau gespielt, dass er nicht sofort verarbeitet werden konnte. Kein Spielzug ergab sich selbstverständlich. Jeder Pass Richtung Stuttgarter Tor musste einen Moment überlegt werden. Die Zebras verloren fast augenblicklich  den Zugriff aufs Spiel.

In solchen Momenten muss sich eine Mannschaft zurück ins Spiel beißen und zwar in der Defensive, in den Momenten, in denen es einfacher ist, weil niemand einen Ball kontrollieren muss. Es geht zunächst gar nicht um das Endergebnis, sondern um das Gefühl im einzelnen Spielmoment etwas bewirken zu können. Ich muss den Schweiß des Gegenspielers bemerken, sein heftiges Atmen, das sich verändert, wenn ich bei ihm bin. Ich muss merken, ich kann seine flüssigen Bewegungen irritieren, alleine dadurch, dass ich in seine Nähe komme. Das ist alles kein Erkennen, sondern ein intuitives Bemerken, ein in-sich-Aufnehmen und Zurückgewinnen der eigenen Sicherheit.

All das geschah nicht. Im Gegenteil. Jede Spielunterbrechung schien die Zebras zu erleichtern. Jede Spielunterbrechung wurde zum Atemholen genutzt. Die Anspannung ließ nach. Das Ergebnis war eine offene Defensive nach einem schnell ausgeführten Freistoß der Stuttgarter im Mittelfeld. Unfassbar, dass sich aus so einem Freistoß eine Kontersituation ergibt. Unfassbar, wie einfach die Defensive dann hat ausgespielt werden können. Nach diesem 1:0 muss mein Empfinden dem der Spieler entsprochen haben. Für mich besiegelte dieses Tor in der 19. Minute die Niederlage. Eigentlich bin ich ein recht optimistischer Mensch. Aber ich bin nicht blauäugig. In diesem Jahr habe ich die Mannschaft des MSV Duisburg ihrer selbst noch nicht so sicher gesehen, dass sie gegen einen guten Gegner bei einem frühen Rückstand einfach mit ihrem Plan weitermacht, weil sie an sich glaubt. Diese Selbstsicherheit besitzt die Mannschaft nicht. Es überwog die Enttäuschung über das Gegentor.

Neben vielen mehr oder weniger vernachlässigbaren Unterschieden zwischen den Fußballern des MSV Duisburg und den Basketballern der fünften Mannschaft vom Deutzer TV gibt es einen wirklich wichtigen. Wir als Basketballer wollen über den Sieg hinaus im einzelnen Spiel nichts mehr erreichen in diesem Sport. Wenn wir zu Beginn eines Spiels nicht im hohen Drehzahlbereich unterwegs sind, ergibt sich das aus unserer Einstellung vor dem Spiel. Wir brauchen das Spiel selbst, um Biss zu entwickeln. Der MSV Duisburg aber will aufsteigen. Dieser Wille muss von Anfang in der gesamten Mannschaft spürbar sein. Das ist nicht der Fall. Wo steckt dieser Wille zum Aufstieg, zumal wenn das Vorhaben gefährdet scheint? Es reicht nicht, wenn Martin Dausch alleine Aggressivität ausstrahlt. Es reicht nicht, dass Kingsley Onuegbu sich in der Offensive aufreibt. Ich stocher etwas hilflos im Nebel bei der Suche nach Erklärungen für das so schnell erschütterbare Selbstbewusstsein der Mannschaft.

Der weitere Spielverlauf entsprach den Erwartungen. Das zweite Tor der Kickers folgte etwa zehn Minuten später. Ein drittes Tor hätte möglich sein können. Irreale Hoffnungen wurden für mich durch den Halbzeitpfiff geweckt, nachdem der 2-Tore-Rückstand hatte gehalten werden können. Vielleicht ergab sich ein schnelles zufälliges Anschlusstor. Zu meiner Überraschung schien ich sogar nach dem Wiederanpfiff nicht mal unbedingt nur auf den Zufall hoffen zu müssen. Endlich stand die Mannschaft mit der notwendigen Entschlossenheit auf dem Platz. Endlich war der Wille zu spüren, sich nicht in die Niederlage zu fügen.

Für alle aber, die die Niederlage alleine auf Einstellung und Psyche zurück führen wollen, zeigte das dritte und vierte Tor der Stuttgarter, das Selbstbewusstsein hängt schon auch mit der Spielstärke zusammen. Zehn Minuten Hoffnung, dann folgte dem Ballverlust im Mittelfeld ein Konter, der mit dem dritten Tor der Stuttgarter endet. Nun aber spielte die Mannschaft des MSV Duisburg wenigstens weiter. Sie folgte dem in der Halbzeit anscheinend verabredeten Plan, als sei dieses Tor nicht gefallen. Das hätte ich mir für die erste Halbzeit gewünscht. Dann wäre vielleicht ein Punkt möglich gewesen in diesem Spiel. Nun kam dieser Wille mitzuspielen zu spät. Ein viertes Tor wurde den Stuttgartern fast geschenkt, weil nach einem Freistoß ein Spieler der Kickers frei köpfen konnte. Und die Mannschaft des MSV Duisburg spielte weiter. Martin Dausch traf noch zweimal ins Tor. Zu spät für mich, um noch einmal meine Hoffnung zu wecken. Dieses Spiel habe ich nicht mehr mitgemacht.

Nach diesem Sieg sind die Stuttgarter Kickers im Kampf um Platz 2 im Vorteil. Auch wenn ich mir im Verlauf des Spiels am Samstag nicht mehr habe vorstellen können, wie dieser MSV Duisburg irgendetwas mit dem Aufstieg zu tun haben könnte, so gibt es ja weiterhin im Verein das Vorhaben, damit in dieser Saison noch ernst zu machen. Folgen die sportlich Verantwortlichen ihrem Plan weiter, dann heißt die Devise fürs erste, der dritte Platz ist das realistische Ziel – doch nur, wenn dieser Wille zum Aufstieg auch bei jedem Spieler in jedem Spiel von der ersten Minute an mit auf den Platz kommt.

Halbzeitpausengespräch: Vom Hook Shot zum One-Touch-Basketball

Der Hook Shot ist im Basketball der Gegenwart etwas aus der Mode gekommen. Dieser Korbwurf ist heute mehr Verlegenheitslösung  als  beabsichtigte Wurfvariante. Wahrscheinlich hat ihn Kareem Abdul-Jabbar während seiner Karriere einfach zu perfekt beherrscht, und jeder nach ihm war zu schnell zu frustriert über unerreichbare Trefferquoten.

Vielleicht blieb aber auch nur für die zusätzliche Trainingsarbeit bei diesem Wurf keine Zeit mehr. Muskelmasse kommt nicht von alleine, und Zeit, die im Basketball der Gegenwart für das Krafttraining benötigt wird, kann nicht für das Training eines technisch komplizierten Einzelwurfs angewendet werden.

Wahrscheinlich wird deshalb auch der One-Touch-Basketball von Trevor Booker eine Ausnahme bleiben, so spektakulär solche Körbe auch sein mögen. Auch dieser One-Touch-Basketball als dauerhafte Angriffsvariante bräuchte sehr, sehr viel zusätzliche Trainingsarbeit.

Halbzeitpausengespräch: Wenn Freundschaftsspiele ernst werden – Alba Berlin gegen die San Antonio Spurs

Im globalisierten Markt der Unterhaltungsware Sport möchte Bayern München die deutsche Qualitätsunterhaltung Fußball in die USA exportieren, hingegen zum wirtschaftlichen Ausgleich die NBA die US-amerikanische Qualitätsunterhaltung Basketball nach Europa exportieren möchte. Man beachte die unterschiedliche Unternehmenskultur in den beiden Unterhaltungsbranchen. Wo im europäischen Fußball das erfolgreiche Einzelunternehmen seine Auslandseinnahmen steigern will, gibt es in den USA ein anderes Geschäftsmodell. Dort agiert das einzelne Basketballunternehmen als Teil der größeren Wirtschaftseinheit.

Das aber nur am Rande. Momentan weilt der NBA-Champion San Antonio Spurs  auf Promotiontour für die NBA in Europa. Gestern Abend spielte die Mannschaft bei Alba Berlin. 9 Sekunden vor Schluss lag Alba vier Punkte zurück. Für die, die das Regelwerk des Basketballs nicht so gut kennen: Distanzwürfe außerhalb einer bestimmten Zone zählen 3 Punkte. Wird innerhalb dieser Zone geworfen, gibt es zwei Punkte für den Korb. Und nun zu den Bewegtbildern mit besagten letzten 9 Sekunden, in denen deutlich wird, wie das Geschäft hinter dem sportlichen Ereignis verschwindet. Dieses Spiel ist verdammt ernst gewesen, auch wenn es um nichts anderes als den Sieg an diesem einen Abend ging.

Einige Ausschnitte mehr vom Spiel gibt es in dieser etwa siebenminütigen Zusammenfassung:

Mit einem Klick weiter geht es zu den Detailinformationen bei Spox.com.

Plaudereien nach dem Pflichtsieg

Seht es mir nach, ich muss mich mal mit einer wenig zielgerichteten Plauderei ablenken. Seit dem letzten Samstag schwirrt mir nämlich  immer mal wieder dieses Wort „Spitzenspiel“ im Kopf herum. Mir ist das unheimlich. Das „Spitzenspiel“ hatte ich vollkommen aus meinem Sprachschatz gestrichen. Es gab für mich in den letzten Jahren niemals Spitzenspiele, egal von welchem Tabellenstand aus der MSV Duisburg gerade an Platz vier kratzte. Es gab immer nur Spiele, nach denen vielleicht noch einmal demnächst wieder ein Spiel beginnen könnte, das dann mit großer Vorsicht Spitzenspiel hätte genannt werden können. Aber auch nur falls dieses und auch jenes Spiel gewonnen würden, während zugleich drei andere Vereine verlieren. Da ist es doch kein Wunder, dass ich heute rätsel, ob „Spitzen“ nicht doch mit Doppel-z geschrieben wird.

Aber wenn der MSV Duisburg am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers spielt? Also, der Tabellenführer kommt zu einer Mannschaft, und nun wird mir etwas mulmig, wenn ich das schreibe, der Tabellenführer kommt zu einer Mannschaft, die erst einmal in dieser Saison verloren hat. Das fühlte sich bis Samstag nur nicht so an wie ein kontinuierlicher Erfolgsweg. Aber seitdem ist mir unheimlich. Ich kann nichts dagegen machen, dass mir dieses blöde Wort ständig in den Sinn kommt. Deshalb wird der Niederrheinpokal nun wieder in die richtige Dimension gerückt. Championsleague kann jeder, aber Niederrheinpokal mit Sicherheit auch und für eine Saison habe ich auch großen Spaß daran gehabt, mich an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen. Es führt aber kein Weg an der Einsicht vorbei, in dieser Saison reicht mir das nicht. Im Gegensatz zu den Jahren in Liga 2 will ich mich nicht mit irgendeiner Platzierung am Ende Saison begnügen. Es gibt genau zwei Tabellenplätze, mit denen ich am Ende zufrieden bin.  So denke ich kaum an das Weiterkommen im Niederrheinpokal und viel an den kommenden Samstag.

Da bin ich dann froh, dass mich in den letzten Tagen mal wieder Anfragen zu Werbekooperationen von diesen mir unheimlichen Gedanken ablenkten. Grundsätzlich bin ich solchen Anfragen gegenüber nicht abgeneigt. Ich verdiene mit Schreiben mein Geld, warum also nicht auch mit dem Schreiben im eigenen Medium Geld verdienen? Ich verfolge das nicht offensiv, aber wenn mal einer fragt, lasse ich mir gerne konkrete Vorschläge unterbreiten. Adam hatte jedenfalls für seine Firma, die Becher mit Deckel verkauft, eine, wie sich später rausstellte, lustige Idee. Seine Firma nennt ihre Becher mit Deckel  „Shaker Cup“, was zugegebnermaßen kürzer ist und vielleicht unbedingt notwendig, weil nur in einem „Shaker Cup“ allerlei Nahrungsergänzungsmittel mit Wasser so gemischt werden können, dass sie leistungssteigernd wirken. Ich kenne mich da nicht so aus.

Dagegen gefiel es mir gut, wie Adam von den regelmäßigen Lesern hier als meiner „community“ schrieb.  Diese englische Gemeinschaft klingt doch nach Beständigkeit und Zusammenhalt, und dieses besitzanzeigende Fürwort kitzelte meine väterlichen Gefühle. Als Sektenführer hatte ich mich bislang zwar noch nicht gesehen, aber dieses Social-Media-Gedöns ist ausbaufähig. Menschen suchen in diesen unübersichtlichen Zeiten schließlich Orientierung, und wenn es nur die Kaufempfehlung für einen „shaker cup“ ist. Wie immer möchte der Sektenführer an so was aber Geld verdienen.

Doch nach einem ersten Mail-Wechsel zeigte sich, Adam wollte bei mir keine Werbung schalten, schon gar nicht sollte ich sie als Werbung kennzeichnen. Er wollte mich zu einer Art Online-Tupperparty-Verkäufer machen und  das Ganze nur anders nennen. Die schöne  gefühlige Welt der Netz-Unternehmen war endlich auch bei mir angekommen. Bislang musst ich punkto Werbung mir nur die Frage beantworten, wieviel Wert ich einem Werbeplatz im Blog zumesse. Nun aber ging es in erster Linie nicht ums Geld, es ging um mein Wohlgefühl, und fürsorglich wie Adam war, überließ er mir aus genau diesem Grund alle Freiheiten.

2014-09_shaker-mail

Ich war im ersten Moment natürlich überaus dankbar, dass ich dieses Shaker-Zeug nicht kaufen musste, um darüber zu schreiben. Als ich dann aber in mich ging und meinen Gefühlen intensiv nachspürte, um herauszufinden, wann ich mich besonders wohl fühlte, erspürte ich eine für Adam bittere Wahrheit. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich für die Arbeit, die ich im Auftrag anderer leiste, auch bezahlt werde. Deshalb machte ich ihm einen Kostenvoranschlag für PR-Arbeit. Seitdem ich ihm das geschrieben habe, hat sich Adam nicht mehr gemeldet. Ich hätte doch eine Provision bekommen für jeden über diese Seite verkauften Becher mit Deckel. Er hat es gut mit mir gemeint, und ich habe ihn wohl enttäuscht. Ich hoffe nur, ihr als meine community bleibt mir erhalten, weil ich zugleich auch euch enttäusche. Wegen meiner egoistischen Forderung nach Bezahlung für geleistete Arbeit müsst ihr nun auf einen Discount von 20 Prozent beim Kauf dieses Shaker-Zeugs verzichten.

Kann ich das mit einem artistisch erzielten Basketballkorb im Viertelfinale der Basketball-WM zwischen Frankreich und Spanien wieder gut machen? Spanien hat das Spiel übrigens dennoch verloren. Es fielen wenige Körbe in diesem europäischen Spitzenspiel. Beide Mannschaften spielten defensiv sehr gut. Irgendwie führt alles, was ich schreibe doch wieder zurück zum nächsten Samstag. Spitzenspiel keine Frage, auch wenn es mir unheimlich ist.

 


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