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Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – V – „Eia“ Krämer und Ennatz

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Das waren nun die letzten Erinnerungssplitter, die ich aus seinem Text herausgegriffen habe. Noch einmal wunderbares Nostalgie-Futter. Noch einmal: Bitte schön! Noch einmal: Danke schön, Klaus Hansen.

 

Werner Krämer, das Ausnahme-Talent, genoss die unglaublichsten Sonderrechte im deutschen Fußball.
Im 61. Jahr seines Bestehens brachte der MSV mit Werner „Eia“ Krämer seinen ersten A-Nationalspieler hervor. Krämer, Vizeweltmeister 1966, wird wegen seiner eleganten Spielweise heute mit Arjen Robben verglichen. Eia Krämer genoss ein Privileg, das keinem anderen Fußballer je zuteil wurde. Auf Krämers Platz in der Umkleidekabine lag immer ein Päckchen Zigaretten („Ernte 23“) und eine Flasche Bier („König Pilsener“). Eia durfte als einziger Spieler vor dem Spiel und in der Halbzeitpause rauchen und Alkohol trinken. Trainer Eppenhoff rechtfertigte das so: „Nimmsu dem Eia die Fluppen un nimmsu dem Eia datt Pilsken, dann nimmsu dem Eia datt Können!“ – Kein anderer Club zwischen Oberhausen und Dortmund hat je so viel Nachsicht bewiesen.

Als Verteidiger in einem Meisterschaftsspiel 4 Tore zu schießen, das gelang in der langen Geschichte der Bundesliga nur einem einzigen Fußballer, natürlich einem MSV-Spieler.
Es war Linksverteidiger Bernard Dietz. Beim 6:3 über Maier, Beckenbauer, Müller und Co. (Bayern München) am 5. November 1977 gelangen ihm 4 Tore. Bald darauf wurde der MSV Duisburg von der Boulevardpresse in MSV Dietzburg umgetauft. – Auch da können die Nachbarstädte nicht mithalten.

MSV-Spieler wird als Kapitän der Nationalmannschaft Europameister.
1980 war’s, in Italien. Bernard Dietz empfängt in Rom den Coupe Henri Delaunay nach dem 2:1-Finalsieg der Deutschen gegen Belgien.

Lothar Matthäus’ Karriere ist ohne den MSV nicht zu denken.
Der Name Lothar Matthäus taucht 1980 zum erstenmal auf der ganz großen internationalen Bühne auf. Bei der Europameisterschaft in Italien gehört der 19jährige zum Kader der DFB-Auswahl und brennt auf seinen ersten Einsatz im Nationaltrikot. Als die deutsche Mannschaft dann im Spiel gegen Holland mit 3:0 führt, täuscht Kapitän Bernard Dietz eine Leistenzerrung vor, um dem Youngster zu seiner Premiere zu verhelfen und lässt sich gegen Matthäus austauschen. Bernard Dietz: „Ich kann stolz behaupten, für Lothars erstes Länderspiel gesorgt zu haben.“

„Niederlagen machen uns stark“ – Eine weitere außergewöhnliche Tabellenführung durch den MSV
Ein MSV-Spieler führt die Tabelle der Bundesliga-Spieler mit den meisten Niederlagen an. Bernard Dietz steht an erster Stelle mit 221 Niederlagen, gefolgt von Karl-Heinz Körbel (Eintracht Frankfurt) mit 220. Auch im Verlieren ist der MSV absolute Spitze! Auch Niederlagen wollen „errungen“ sein, wie Helmut Kohl (FSV Oggersheim) treffend festgestellt hat.

Zu den anderen Folgen des Gastbeitrags von Klaus Hansen mit einem Klick.

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Klickhinweise: Meinungen von Bernard Dietz und Thomas Bröker, sowie eine TOP 10 vom King

Auf dem Fußballportal für Westfalen Westline.de findet sich ein Interview mit Bernard Dietz zum Fußball der Gegenwart, in dem er über Sponsoren, „Kommerzvereine“ und Bedingungen für Erfolg, aber auch den MSV Duisburg spricht.

Ich schließe auch nicht aus, dass in Zukunft „kleinere“ Traditionsvereine von großen Sponsoren gefördert werden. Man muss sich dann nur über den Grad der Einmischung einig werden. Würde z.B. ein Unternehmen mit 20 Millionen auf den MSV zukommen, wäre ich auch gesprächsbereit.

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Der Kölner Stadt-Anzeiger sprach mit Thomas Bröker vor dem Pokalspiel des 1. FC Köln gegen den SV Meppen, weil Thomas Bröker beim SV Meppen seine Karriere begann und bekanntermaßen lange für den FC gespielt hat. Um den MSV geht es nur am Rande, nachdem sein „Verletzungspech“ zur Sprache gekommen ist:

Ja, und ich bin überzeugt davon, dass wenn ich fit geblieben wäre, ich eine Zukunft beim FC hätte haben können. Aber man soll nicht mit der Vergangenheit hadern, ich habe es mit Duisburg gut getroffen

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Und dann war da noch Kingsley Onuegbu, der auf der Internetseite Proomio!Magazin mit einer TOP 10  von Musikstücken zum klickanregenden Vorzeige-Promi wurde.

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Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 13

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um Prominentenspiele unter der Leitung von Gerd Hennig.


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 13
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Nach der Leitung des Endspiels bei der Studenten-WM 1982 in Mexiko beendete ich meine offizielle Schiedsrichterlaufbahn. Von da an konnte ich meiner zweiten Leidenschaft, dem Laufsport, fast meine ganze Freizeit widmen. Mehrmals in der Woche machte ich meine Dauerläufe. Ich begann direkt an der Haustür, lief über den Kaiserberg durch den Mülheimer Wald bis in den Kurpark Raffelberg in Mülheim und zurück. Das war in etwa zwei bis zweieinhalb Stunden zu bewältigen.

Auch wenn ich nicht mehr offizieller DFB-Schiedsrichter war, erreichten mich zwischendurch immer wieder Anrufe mit der Bitte, Prominentenspielen zu pfeifen. Letztlich konnte ich das nicht immer ablehnen, vielleicht wurde ich aber einfach nur schwach bei der Vorstellung, wieder einmal eine Spielleitung zu übernehmen. Zum Beispiel leitete ich das Spiel der Uwe-Seeler-Truppe, in der unter anderem auch Franz Beckenbauer spielte gegen eine Revier-Auswahl mit bekannten Spielern aus verschiedenen westdeutschen Vereinen im ländlichen Hünxe bei Dinslaken. Der STV Hünxe hatte dieses Spiel ganz groß ausgerichtet. Es folgte eine Einladung des Meidericher Tennisclubs 03, der zu seinem 80. Jubiläum die Les Humphries Singers als Gegner im Fußball zur Westender Straße in Meiderich verpflichtet.

Kurz danach hatte die Traditionsmannschaft des  Meidericher SV eine Auswahl des Westdeutschen Rundfunks eingeladen. Gespielt wurde ebenfalls an der Westerender Straße. Bei dem Spiel kam in der Halbzeitpause der damals bekannte WDR-Sportreporter Ernst Huberty zu mir. Er war bei seiner Mannschaft im Sturm eingesetzt und sagte: „Wenn Sie nach dem Wechsel gegen meinen Gegenspieler Danzberg nicht energisch einschreiten, werde ich ohne Abmeldung den Platz verlassen. Denn meine Gesundheit ist mir wichtiger!“ Vor dem Wiederanpfiff nahm Dieter Danzberg zur Seite. „Pitter“ wurde er allgemein gerufen. Ich bat ihn höflich, seine oft etwas zu rustikale Spielweise zu „drosseln“. Er hielt sich an meine Bitte und die an sich faire Partie endete 3 zu 3. Bei der gemütlichen dritten Halbzeit im MSV-Clubhaus saßen wir dann zu dritt bei „Burger“ Hetzel an der Theke. Beim gemütlichen Bierchen ließen wir lachend das Geschehen noch einmal Revue passieren ließen. So schön kann eben Fußball sein!

Unvergessen sind auch die regelmäßig ausgetragenen Duelle der Alten Herren vom MTV Union Hamborn 02 und der SG Wattenscheid 09, bei denen sich die beiden ehrgeizigen Kontrahenten Helmut Bigalke bei Hamborn und Klaus Steilmann, der Vereinspräsident und Mäzen von Wattenscheid gegenüberstanden. Das Spiel der Wattenscheider endete stets damit, dass die Mitspieler, dass die Mitspieler ihrem „Boss“ den Ball präzise für den Torschuss servierten. Der Torjubel war dann nur Formsache. Wattenscheids Siege wurde dafür aber anscließend im UNION-Eigenheim von allen Anwesenden gebührend und lautstark auf Kosten des glücklichen Torschützen gefeiert.

Abschließend wurde mir auf Wunsch von Bernard Dietz die Leitung seines Abschiedspiels zwischen den Nationalmannschaften von 1980 u. 1988 übertragen. Dieses Spiel fand am 10. Mai 1988 im ausverkauften Wedau-Stadion statt und war vom DFB und dem MSV Duisburg organisiert worden war. Ein unvergessliches Erlebnis und eine stets bleibende Erinnerung !

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Akzente inoffiziell: Wie Fußball Teil der Ruhrstadt-Heimat ist

Wenn ich an die Ruhrstadt denke, gilt für mich seit jeher, wer das Herz dieser Ruhrstadt sucht, wird unweigerlich auch den Fußball finden.  Ein ähnlicher Satz fand seinen Platz im Vorwort von „111 Fußballorten im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. In dem Buch erzählen wir eher Geschichten, die man gehört haben muss. Doch als das Buch 2012 erschien, war der Verlag noch nicht dazu übergegangen, den Titel der Reihe zu variieren. Heute gibt es diese Titel-Variation, und keine falsche Erwartung wäre geweckt worden.

Natürlich ist etwa ein unscheinbares Haus mit Nagelstudio im Ergeschoss in Mülheim-Speldorf nicht unbedingt ein Ort, den man gesehen haben muss. Aber von dort aus ging nun einmal in den 1930ern Fritz Buchloh die noch unbefestigte Landstraße zur „Blötte“, dem Stadion am Blötter Weg, um im Tor des VfB Speldorf so gut zu halten, dass er es in die Nationalmannschaft schaffte. Mit so einer Geschichte ließ sich der Blick weiten auf grundlegende Lebensverhältnisse im Ruhrgebiet in den unterschiedlichen Zeiten.

Am Lehmbruck-Museum als sehenswertem Fußballort im Buch war weniger auszusetzen, obwohl  dieser Ort nicht im engen Sinn ein Fußballort ist. Mit der Geschichte über eine Werbekampagne für das Museum in den 1970er Jahren ließ sich aber erzählen, wie Fußball und Bildende Kunst gleichzeitig für die Identität der Stadt von Bedeutung sind. Damit ihr euch einen Eindruck machen könnt, stelle ich diesen einen von „111 Fußballorten, die man gesehen haben muss“ als heutigen Programmbeitrag der „Akzente Duisburg inoffiziell“ einmal online.

Kniebeugen für die Kunst

Unter kunstinteressierten Fußballfreunden sei für Duisburg folgender Vergleich erlaubt: Im Werk des 1881 in Meiderich geborenen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck ist die »Kniende« wie das Spiel der Spiele von Bernard Dietz, der 1977 fast im Alleingang für den 6:3-Sieg des MSV Duisburg gegen den FC Bayern München sorgte. Anstrengung, das Ringen um das Ergebnis und die Zweifel am Erfolg sieht man dem Endstand genauso wenig mehr an wie der lang gestreckten Skulptur in Überlebensgröße. 1911 entstand ein erster Bronzeguss, und ein weiterer präsentiert sich rechts vom Weg zum Museumseingang, während die Steinskulptur in dessen Räumen betrachtet werden kann.
Ein Werk von solcher Bedeutung für Künstler und Kunstgeschichte wird dann genutzt, wenn wie 1976 das Museum eine Werbekampagne startet. Beauftragt war der Fotograf Gerd Jansen, dem ein doppeldeutiger Slogan einfiel, Zustandsbeschreibung und selbstbewusstes Statement zugleich: »An der Knienden kommt keiner vorbei«. Für die Fotos zum Slogan ließ Gerd Jansen Duisburger aller Gesellschaftsbereiche sich niederknien. Eine Ballerina etwa gab sich anmutsvoll, ein Müllmann massig, und der damals 25-jährige Klaus Thies vom MSV Duisburg zeigte sich an der Seitenlinie im Wedaustadion fußballerisch.
Vielleicht waren es seine glatten, etwas längeren Haare und sein eher hagerer Körperbau, die ihn als Lookalike der »Knienden« geeignet machten. Die Zeit hat die Erinnerung verwischt. Deutlicher konturiert sie sich für MSV-Fans der älteren Jahrgänge beim Namen Thies, obwohl er in der Historie des MSV Duisburg kein bedeutender Spieler wurde. Ihnen fällt sofort das Pokalfinale 1974 1975 gegen Eintracht Frankfurt samt der einen großen Chance zum Führungstreffer ein, die Klaus Thies vergab. Vergessen ist dabei, dass sich der Spieler mit einem Sololauf über das halbe Spielfeld die Chance selbst erarbeitet hatte.

 

Mit einem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

Knapp 3 Minuten Bernard Dietz im Jahr 1978

Mir ist heute nach wenigen Worten und weiterer Stimmungsaufhellung. Deshalb ordne ich die Bewegtbilder aus dem argentinischen Archivo DiFilm auch nur sehr oberflächlich ein und freue mich, ohne melancholisch zu werden, über Bernard Dietz im Jahr 1978 in Spielszenen sowie bei der Arbeit in seinem Sportartikelgeschäft. Offensichtlich sollte mit diesem Clip „Ennatz“ anlässlich der Weltmeisterschaft in Argentinien vorgestellt werden. Welchem Publikum wird nicht ersichtlich. Vielleicht war es das argentinische TV-Publikum?

Sicher ist das jedoch nicht, weil DiFilm auch auf Quellen außerhalb Argentiniens zugreift. Das Archiv enstand – so weit ich das mit rudimentären Spanischkenntnissen verstehe – aus einer privaten Sammlung und wird weiterhin privat geführt. Die eigentliche Quelle des Clips ist auf der Archivseite nicht angeführt. Zur WM 2010 hatte sich Bernard Dietz für Die Zeit an die WM in Argentinien erinnert. Natürlich endet auch diese Erinnerung mit der 2:3-Niederlage gegen Österreich. An der Pointe mit dem Verweis auf den Österreicher Kurt Jara in der damaligen Mannschaft vom MSV Duisburg konnte der aufzeichnende Journalist nicht vorbei gehen.

Ich hingegen kann beim Erwähnen eines Länderspiels von Österreich gegen Deutschland niemals am Hinweis auf den Komik-Klassiker des deutsch-österreichischen Kabarettisten-Duos Stermann & Grissemann vorbei gehen. „Cordoba – wie es wirklich war“ – auch nach mehrmaligem Sehen einen Klick weiter wert.

Band der Solidarität, 8.6.2013, im Bewegtbild – Eine Sammlung von bislang einem Clip

Die Reportage bei Duisburg365.de beginnt mit Bildern vom Rathaus und (Wahrnehmung! Ich hatte nur das Bild von OB Sören Link gesehen und Rathaus abgehakt. Rathaus kommt aber gar nicht vor) einem Interview mit Organisator Hajo Schneider. Danach geht es zu der Stelle der Menschenkette auf der Düsseldorfer Straße, an der sich Oberbürgermeister Sören Link zusammen mit Bernard Dietz und MSV-Präsident Udo Kirmse eingereiht hat. Sören Link gibt ebenfalls ein Interview. Welches Gruppenbild  sich dann vor dem Eckfrisör anschließt, wird mir nicht klar. Auf jeden Fall zeigt es die Stimmung nach Auflösung der Menschenkette.

Eins geht mir nach den Worten von Sören Link noch durch den Kopf. Man müsste ihm wahrscheinlich sagen, dass bei der DFL das Argument Tradition wenig Resonanz findet. Im Gegenteil. Neulich wirkte Andreas Rettig sehr genervt, als er in einem Interview – ich weiß nicht mehr wo – auf diesen Gegensatz zwischen Tradition und aufstrebenden Projektvereinen angesprochen wurde. Wenn man strategisch denkt, sollte man die Tradition also mal schnell vergessen und tatsächlich nur auf die Gegenwart verweisen, auf alles, was der MSV Duisburg bei den Menschen heute bewegt. Das reicht vollkommen.

Weitere Clips baue ich gerne ein. Weist mich auf andere Bewegtbilder hin.

Die Klatschkolumnen der Sportpresse

Mit der einstigen Fan-Freundschaft zwischen Duisburgern und Frankfurtern wird die lang erwartete Nachricht aus dem Eintracht-Haus nichts zu tun gehabt haben. Armin Veh verlängerte seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Sämtliche Sätze über Kosta Runjaic und seine wie-auch-immer-Beziehung zu Bruno Hübner mit Ablösesummen fordernden Folgen für den MSV Duisburg  wurden zu jener heißen Luft, die einem von Anfang an um die Ohren wehte, als in der  Frankfurter Rundschau in einem abschließenden Absatz zum Veh-Vertragspoker mal kurz überlegt wurde, wer denn so als Nachfolger in Frage käme.

Aus dieser Überlegung wurde dann fast schon die Verpflichtung. Was für ein Wahnsinn! Der Zug fährt los und jeder will mit, obwohl keiner weiß, wohin er überhaupt fährt. Hauptsache Bewegung.  Kosta Runjaic muss also irgendwas dementieren, während eigentlich ganz andere Dinge seine Zeit erfordern, wie noch ein Tag zuvor breit berichtet wird. Die neue Saison will vorbereitet werden. Als ich von diesen durchdachten Vorbereitungen las, war ich begeistert. Was mich mich hingegen nicht interessiert, sind  Spekulationen. Unterschriften unter Verträge zählen, alles andere nervt. Solche Pseudo-Meldungen wie die zu Runjaic und Frankfurt kommen mir inzwischen vor wie die Sport-Entsprechung zum Yellow-Press-Celebrity-Klatsch. Wer wurde neulich mit wem gerade hinter dem Rücken seines Partners beim Knutschen gesichtet oder kam es etwa schon zum Äußersten? Von den einen lässt sich dann später die gerettete Ehe erzählen. Die anderen sind mehr der Typ one-night-stand mit der Endlosgeschichte von der heißen neuen nächsten Liebe. Da wird das Melodrama gegeben – mit den Standardzutaten großes Gefühl und  Geld. Aus einer etwas anderen Perspektive stellte Fokus Fußball den Informationsgehalt von Sportnachrichten in Frage. Es gibt keine verlässlichen Informationen mehr.  Da bleibt als Konsequenz doch nur, konzentrieren wir uns auf den Sport.

Doch selbstverständlich gibt es auch Graubereiche des Interesses, wenn es um die Zusammenstellung des Spielerkaders in der neuen Saison geht. Da gibt es ja Fakten durch bestehende Verträge. Allerdings muss auch  im Fall Julian Koch erst einmal die marktschreierische Beklemmung beiseite geschoben werden. Wenn ein Spieler einen Leihvertrag für ein Jahr besitzt, kann es schon mal sein, dass er in der nächsten Saison bei einem anderen Verein spielt. Auch wenn Zeitungsseiten gefüllt werden müssen, es gibt keine Geschichte zu erzählen über Julian Koch. Es geschieht das, was erwartet werden konnte. Die Geschichte wäre zu erzählen, wenn Julian Koch auch in der nächsten Saison für einen MSV Duisburg spielt, dessen Liga-Budget im unteren Drittel der Zweiten Liga angesiedelt ist. Dagegegen ist Dustin Bomheuer tatsächlich eine kleine Geschichte wert. Aber auch in dem Fall fehlt mir jeglicher Sinn für Spekulationen. Es gibt alleine die Geschichte vom schnellen Aufstieg, und ob da jetzt tatsächlich Bundesligavereine Interesse an der Verpflichtung haben, gehört bereits zur Vertragsverhandlung. Der Rahmen der Zukunft ist in meinen Augen klar gesteckt. Ein vernünftiger Spielerberater würde ihm einen Vertrag mit dem MSV Duisburg aushandeln, der einen Ausstieg mit festgelegter Ablösesumme beinhaltet. Er würde Kosta Runjaics Worte vom zu früh kommenden Wechsel in Liga 1  ernst nehmen. Bleiben Dustin Bomheuers Leistungen stabil, könnte er in der nächsten Saison den André Hoffmann geben. Und dann ist da noch Jürgen Gjasula, für den der MSV Duisburg auch mal eine recht attraktive Braut abgibt. Über seine Zukunft wird noch gar nicht spekuliert. Man sieht, Geschichten sind auch ohne große Gerüchte zu erzählen.

Und nun zu etwas ganz anderem: Etwas unverbunden und leicht verspätet komme ich nochmals auf den Geburtstag von Bernard Dietz zu sprechen. Maurice Exslager wurde von den Medienleuten des MSV ein Mikro in die Hand gedrückt, um mit Bernard Dietz ein Gespräch zu führen. So entspannt wie Ennatz wirkt er zwar nicht, aber wer auch immer den Clip noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich ansehen. Selten habe ich Ennatz bei einem öffentlichen Auftritt vor einer Kamera derart unbeschwert gesehen. Da ist eine halbprivate Atmosphäre entstanden. Sehr, sehr schön!

Ennatz als Ikone auch geeignet für die Linke

Eine Legende, sicher, das ist Bernard Dietz. Doch wir wissen alle, für ihn, für Ennatz braucht es eigentlich mehr, ein bedeutsameres Wort, das ihn noch einmal etwas heraushebt aus all den anderen Spielern des MSV Duisburg, die ebenfalls wichtig für den Verein waren. Dieses Gefühl stellt sich sofort ein, und ebenso schnell stoßen wir an Grenzen.

Ennatz die Superlative hinterher zu schreiben kommt mir nicht richtig vor, obwohl seine Bedeutung für den MSV Duisburg unbestritten einzigartig ist. Bernard Dietz wird heute 65 Jahre alt, gemeinhin ein Geburtstag, der zur Erinnerung einlädt. Das Entscheidende über ihn wird immer wieder neu erzählt und ist doch schon unzählige Male gesagt worden. Die Entwicklung im Profi-Fußball ließ ihn in den 1990er Jahren Abstand nehmen von dem zum Unterhaltungsbetrieb werdenden Teil dieses Sports. Heute wird seine Haltung zum Fußball und zum Leben überhaupt allmählich wieder modern.

Natürlich geschieht das in verwandelter Form, aber für einen Verein wie den MSV Duisburg ist die Hinwendung zu vertrauensvollem Arbeiten mit einer strukturellen Basis in der Region überaus notwendig. In den Glückwunschen für Ennatz schwingt deshalb auch Bewunderung für seine gelebte Haltung mit.

Und wer sich einmal in der Öffentlichkeit gegen kapitalistischen Wildwuchs im Fußball äußerte, gerät auch in den Fokus jener linken Gegenöffentlichkeit, der sich die die Tageszeitung junge Welt zugehörig fühlt. Selbst dort erhält Bernard Dietz einen würdigenden Text. Was als erinnerswert hervorgehoben wird, unterscheidet sich dort nicht von dem, was auch wir in Duisburg an ihm schätzen und was von der lokalen Presse hier bei WAZ/NRZ und hier in der Rheinischen Post nur in sehr viel mehr Worte gefasst wird. Es ist das Maßhalten im Erfolg und ein Festhalten an Werten, die heute wieder mehr gefragt sind als noch in den 1990er Jahren. Herzlichen Glückwunsch, Bernard Dietz!

Die Zwischenzeit

Machen wir es heute kurz. Das hat also nicht geklappt von „zero to hero“ im Auswärtsspiel gegen den TSV 1860 München. Allerdings gehört das von mir erhoffte Mottolied des Tages auch in das Finale des Disney-Films „Hercules“ und bis dahin musste unser Held eine Reihe von Prüfungen bestehen. Er musste sich zum Held erst entwickeln. Insofern wäre ein Song aus dem Film, der  früher erklingt, als Mottolied  sehr viel realistischer gewesen. „Bleibt nur eine Hoffnung“ wird da in der deutschen Fassung gesungen, und zu dem Zeitpunkt wirkt unser Held noch etwas tölpelhaft, macht viele Fehler, ist aber gewillt sich ausbilden zu lassen, um all die bevorstehenden Kämpfe zu bestehen und als Held in den Olymp zurückkehren zu können. Ich möchte sagen, das beschreibt ungefähr den Eindruck, den die Mannschaft gestern bei der 0:3-Niederlage auf mich gemacht hat.

Zum ersten Mal in dieser Saison habe ich eine Mannschaft gesehen, die sich trotz des Gegentores bemühte mitzuspielen.  Der frühe Rückstand gehört noch in die Kategorie tölpelhafte Fehler. Im Gegensatz zu den ersten Spielen dieser Saison stand danach aber die Niederlage noch nicht fest. Zum ersten Mal konnten wir für einige Zeit auf Chancen zum Ausgleich hoffen. Das ist ein Fortschritt. Egal, ob TSV 1860 München nun schlechter als sonst gespielt hat. Wir wissen aus dem Dresden-Spiel, bislang musste das nicht erwähnt werden, weil das Spiel des MSV Duisburg losgelöst von allen Umständen miserabel war. Nun beginnen wir uns Gedanken zu machen, warum die Mannschaft eine bessere Leistung zeigte. Man geht erfolgreicher durch das Leben, wenn man auch kleine Erfolge wahrnimmt und sie sich als eigene Leistung zuschreibt. Das all denen gesagt, die unken, da habe sich nichts getan, die anderen seien nur schlecht gewesen.

Dennoch hat der MSV Duisburg hoch verloren. Das gehört mit zu dem erhofften Erfolg in der Zukunft: die realistische Einschätzung der eigenen Leistung. Die Mannschaft muss sich weiter verbessern. Mit der in München gezeigten Qualität steigt sie trotzdem ab. Bis Kosta Runjaic die Arbeit aufnimmt, befinden wir uns aber nur in einer Zwischenzeit. Die weitere Verbesserung scheint mir deshalb nicht unwahrscheinlich. Zumal im Laufe der Saison zumindest ein Teil der nun verletzten Spieler zu guter Form finden sollte. Wie anders wirkte die Mannschaft alleine dadurch, dass sie sehr viel früher als in den ersten Spielen den Gegner attackierte. Das trauten Ivica Grlic und Bernard Dietz der Mannschaft trotz all der Verletzten also zu. Diese Einschätzung stimmt mich hoffnungsfroh, weil auch Kosta Runjaic, so seine Verpflichtung morgen hoffentlich verkündet wird, seine Mannschaften wohl meist früh den Gegner angreifen lassen möchte. Die Spieler brauchen also vor allem Orientierung. Kosta Runjaic kann sie ihnen geben und ist damit aber nicht in der Rolle des Herkules, wie die Kollegen von der WAZ prophezeien. Er ist eher der Lehrer des Hercules, Philoctetes, der mit seiner erfolgreichen Arbeit, die Grundlage für die glorreichen Taten unseres Helden legt. Denn die Herkules-Arbeit muss die Mannschaft bewältigen, die bei realistischer Betrachtung nach dem sechsten Spieltag einen Punkt aus dem Spiel gegen den VfL Bochum haben wird. Es versteht sich von selbst, ich erhoffe mir mehr. Noch immer braucht es dazu aber sehr viel Glück.

Filmtipp – auch für die Spieler vom MSV Duisburg

Eigentlich sollte dieser Kurzfilm Pflichtprogramm für den Kader des MSV Duisburg sein. Beim Mannschaftsabend per Beamer an die Wand geworfen, und wahrscheinlich würde mancher dann erst begreifen, warum da nun neben Ivo Grlic dieser legendäre Bernard Dietz mit auf dem Trainingsplatz steht. Sie werden ihn sicher schon mal flüchtig kennengelernt haben, diesen Bernard Dietz, doch was die Anwesenheit von Bernard Dietz für sie selbst bedeuten müsste, das, so vermute ich, haben die meisten wahrscheinlich noch nicht vollends in sich aufgenommen.

Mit dem sehr gelungenen kurzen Film von Tom Theunissen aus dem Jahr 2008 könnte das gelingen. Die Spieler könnten mit diesem Film noch einmal erfahren, wie sehr die Grundlage für jedes Spielen in Systemen die Einstellung des einzelnen ist. Eigentlich müssten sie dankbar sein, dass sie nun wahrscheinlich 14 Tage lang mit Bernard Dietz trainieren dürfen. Er selbst wird so etwas niemals hören wollen. Die Spieler könnten viele Sympathien zurück gewinnen. Sie bräuchten dazu nicht einmal beim TSV 1860 München gewinnen. Sie müssten nur im Spiel durchweg zum Ausdruck bringen, was Bernard Dietz den Kindern in seiner Fußballschule weitergeben will. „Was ich erreicht habe … Ich habe mir das erarbeitet, durch meine Einstellung. Und das wollte ich den Jungs vermitteln, dass sie heute die Möglichkeit haben, sich im Fußball eine Existenz aufbauen zu können.“ Das sagt er bei Minute 9.25.  Ob diese Pädagogik durch gelebtes Vorbild auch bei mehr oder weniger erwachsenen Spieler wirkt? Ich hoffe es sehr. Der Dank gilt ZebraMoviez fürs Hochladen

Die profane Gegenwart findet sich sowohl für etwas mehr als 2 Minuten auf der Seite des MSV in einem Clip von Studio47 als auch in einem Clip bei Goal.com. Der Tag nach der Entlassung von Oliver Reck auf dem Trainingsgelände mit O-Tönen von Goran Sukalo, Felix Wiedwald und Maurice Exslager.


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