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Wenigstens ist morgen schon das nächste Spiel

„Wenn zwei Mannschaften, deren Ziel es ist, ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen aufeinandertreffen, entsteht ein spannendes Spiel. Wenn beide ausschließlich defensiv denken und die Tor-Verhinderung im Vordergrund steht, leidet der Zuschauer.“ Eigentlich stammt dieser Satz aus dem Spielbericht in der Süddeutschen Zeitung über das 1:1-Unentschieden vom SC Freiburg gegen TSG Hoffenheim, und er ist als Anfang eines Lobes gemeint, aber warum soll ich nicht mal einen vorbeifliegenden Satz nehmen, wenn er zugleich auf das Spiel vom MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden passt und von mir keinesfalls als Lob gemeint ist.

Der MSV führte vor diesem Wochenende mit Abstand die Tabelle der 3. Liga an. Zu Gast war mit dem SV Wehen Wiesbaden der 14. der Tabelle, der 16 Punkte weniger gesammelt hatte. Doch auf dem Spielfeld sah es von Anfang an so aus, als ginge es den Spielern des MSV vor allem darum ein Tor des SV Wehen Wiesbaden zu verhindern. Das war ein Problem, und so haben wir am Samstag gelitten beim Spiel des MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden. Da sind wir uns einig, Ilia Gruev als Trainer und wir Zuschauer. Wie die Spieler dieses Spiel ausgehalten haben, weiß ich nicht so genau.

Diese Spieler des MSV haben mich in der ersten Halbzeit jedenfalls derart eingeschläfert, dass ich in der Pause die frei werdenden Stehplatzräume nutzte, um den Wellenbrecher neben mir zu erobern und mich fortan anzulehnen. Soziale Ansteckung nennt man das. Die Spieler haben mich kraftlos gemacht und desorientiert. Das Stadion um mich herum, das Spielfeld vor mir waren zwar noch vorhanden, aber ich war nicht mehr im Spiel. Ich war hundemüde, kämpfte darum stehen zu bleiben und sehnte den Schlusspfiff herbei. Dabei war noch eine Halbzeit zu spielen. Was für eine immense Aufgabe. Wie sollte ich jemals in dieser zweiten Halbzeit ein Tor bejubeln können. Das war unvorstellbar für mich. Zu meiner großen Erleichterung brachte mich die Mannschaft des MSV nicht in die Verlegenheit, meine Leistung als Zuschauer abrufen zu müssen.

Ich konnte mich über das Gegentor zwar noch ein wenig ärgern, aber Unmut passt energetisch besser zur Kraftlosigkeit. Er stellt sich auch dann noch ein, wenn Freude unerreichbar scheint.  Ich werde heute nicht mehr ins Detail des Spiels gehen. Dank der englischen Woche könnte die Leistung der Mannschaft morgen Abend schon wieder alles vergessen machen. Im Grunde bestätigte das Spiel gegen Wehen Wiesbaden nur, was wir schon länger wissen. Der Versuch ein Spiel zu kontrollieren gerät dem MSV sehr schnell zur Spielverwaltung. Den Rhythmus eines Spiels zu gestalten ist für die Mannschaft schwierig, wenn die Räume in der Offensive sehr eng sind. In den engen Räumen mangelt es den Offensivspielern an Ballsicherheit, um Tempo aufzunehmen. Besteht die Möglichkeit zum schnellen Pass fehlt oft der Mut, weil das Denken der Spieler auf Sicherheit ausgerichtet ist. Dieser Mut entsteht manchmal im Spiel nach gelungenen Aktionen. Manchmal aber, wie im Spiel gegen Wehen Wiesbaden verflüchtigt er sich völlig, weil die Spieler zu oft im eins gegen eins oder im eins gegen zwei, drei scheitern. Wenn dann der Gegner sehr gut kontern kann, ist die Niederlage nah. Wir haben das im Hinspiel gesehen. Das Rückspiel bestätigte das. Da der MSV Duisburg dennoch aufsteigen wird, müssen wir vom Angstgegner Wehen Wiesbaden gar nicht erst sprechen. Andere Liga, andere Gegner.

Wirklich Schuld an der Niederlage sind ohnehin die Stadionregie und Stadionsprecher Stefan Leiwen. Als vor dem Spiel von dieser Serie des Erfolgs die Rede war, von diesen dreizehn Spielen ohne Niederlage, wussten wir bei uns in der Ecke schon, damit war das Fundament für eine Niederlage gelegt. Das Einblenden der Blitztabelle im Spielverlauf war dann gar nicht mehr nötig.

Der Blitz- folgt immer noch die Freezetabelle

Schön, wenn der Fußball uns Geschichten gibt, aus denen wir für das Leben lernen können. Schlecht, wenn der MSV Duisburg Held jener Art Parabel ist, deren Moral aus fehlgeleitetem Handeln des Helden geschlossen wird. Wenn ich höre und lese, wie fast alle Beteiligten vollkommen ratlos davor stehen, wie das Ausgleichstor des VfB Stuttgart zum 1:1 im Spiel gegen den MSV Duisburg gefallen ist, bekomme ich den leisen Verdacht, irgendetwas hat da ins Spiel eingegriffen.

Mag es der eine Schicksal nennen, mag der andere an ein höheres Wesen denken, ab der 34. Minute scheint es oder jemand ziemlich ärgerlich über leichtfertiges Selbstlob und Anflüge von Hochmut gewesen zu sein, als sich zu viele nicht über eine Momentaufnahme still freuten, sondern das länger feierten, was ohne andauernde Bedeutung ist. Für das Aufbrausen in der Nordkurve von „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ hätte es ja wahrscheinlich noch Verständnis gegeben, aber als Stadionsprecher Stefan Leiwen auch noch meinte,  die Werbeeinblendug der Blitztabelle kommentieren zu müssen und einen historischen Moment aus dieser flüchtigen nichtssagenden Blitztabellenführerschaft zu machen, war es mit Sicherheit vorbei.

Diese voreilige Selbstbeweihräucherung hat eine Strafe verdient, wird jemand oder etwas gegrummelt haben, den knalle ich gleich mal sofort den Ausgleich vor ihren Blitztabellenführerlatz. Am besten in der 64. Minute, dann gibt es noch genügend Zeit, in der der MSV Duisburg und seine Anhänger sich erst noch vor dem Rückstand fürchten können. Wenn dann noch die Enttäuschung in den Schlussminuten über eine vergebene große Chance auf den Siegtreffer hinzukommt, sollten die ihre Lektion wohl lernen. So erkäre ich mir, warum der VfB-Trainer Jürgen Kramny auf der Pressekonferenz erstaunt bemerkt:  Da ging einfach ’ne Riesentür auf. Ich weiß nicht, wie das entstanden ist.“ Gino Lettieri weiß wenige Minuten später auch von nichts und muss sich das Ganze noch einmal ansehen. Tim Albutat weiß nichts nach dem Spiel gegenüber ZebraTV. Und auch Eric Hajri hat laut WAZ/NRZ nichts gesehen, geschweige denn, dass wir auf den Rängen etwas begriffen hätten. Plötzlich lief ein Stürmer vom VfB alleine auf Michael Ratajczak zu. Es blieb nicht einmal wirklich Zeit für die Hoffnung auf eine Rettungstat von Ratajczak.

Denke ich noch einmal zurück, kann diese Ratlosigkeit allerdings auch dadurch verursacht sein, dass bis zu diesem einen Angriff der VfB Stuttgart dem Tor des MSV Duisburg nicht gefährlich nahe gekommen war. Besonders die erste Halbzeit wirkte wahrscheinlich noch nach, in der die Stuttgarter sich weit zurück gezogen hatten und nicht ernsthaft versuchten, ein Tor zu erzielen. Der MSV kontrollierte das Spiel, ohne sich große Chancen zu erarbeiten. Dennoch konnten wir darauf hoffen, dass bei dieser Überlegenheit, ohne den Hauch eines gefährlichen Konterspiels des Gegners, irgendwann das Führungstor fallen könnte. Es gab ja hin und wieder auch die ruhenden Bälle. So einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld konnte Steffen Bohl schließlich in der 34. Minute ins Tor köpfen. Leider folgte dem kein zweites Tor. In der ersten Halbzeit war das noch kaum möglich, als beide Mannschaften trotz des Tores ihre anfängliche Taktik einfach weiter spielten, als sei nichts geschehen.

Aber zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde klar, die Stuttgarter agierten nun offensiver, entsprechend gab es auch für den MSV mehr Raum für deren Angriffspiel. Doch dazu hätten diese Angriffe schneller vorgetragen werden müssen. Das wurden sie nicht oft genug, auch weil diese Art Spiel nicht das Spiel von Kingsley Onuegbu ist. Ich hätte Michael Gardawski gerne früher für ihn eingewechselt gesehen. Nicht weil Kingsley Onuegbu zu schlecht gespielt hat, sondern weil seine Art Ballbehauptung, die in der ersten Halbzeit noch notwendig war, nun so wirkte, als würde sie  das Offensivspiel bremsen. Überhaupt blieb das Zusammenspiel im letzten Angriffsdrittel einiges schuldig. Viel zu oft wurde ein Pass zu wenig gespielt, viel zu oft wurde der freie Mann auf dem Flügel oder halbrechts und -links übersehen und der Weg durch die Mitte gewählt. Das war ein grundsätzliches Problem der Spielanlage und lässt sich, so meine ich, nicht auf die fehlende Übersicht eines einzigen Spielers beschränken.

Das Unentschieden haben sich die Stuttgarter verdient. Aus dem zweimaligen Spitzenreiter der Blitztabelle ist ein Tabellenfünfter geworden mit zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer. Vier weitere Mannschaften haben wie der MSV 24 Punkte. Preußen Münster auf Platz 8 hat 21 Punkte. Momentan sieht es so aus, als werden sich noch recht lange viele Mannschaften Hoffnung auf den Aufstieg machen. Momentan ist es ratsam Blitztabellen nicht sonderlich ernst zu nehmen. Wir sollten besser darauf hoffen, dass uns am letzten Spieltag die Moral von dieser Geschichte noch etwas bringt und wir dann die Freezetabelle mit vollkommener Berechtigung richtig feiern können.

Bleibt noch die oben erwähnte Ratlosigkeit über den Ausgleich auf der PK sowie bei Tim Albutat und Steffen Bohl.


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