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Köln, der Nachbarstadtteil von Duisburg

Ich weiß nicht, wie die Stadt heißt, aber auf meiner inneren Landkarte sind  Duisburg und Köln seit vier, fünf Jahren zu einem einzigen städtischen Raum zusammengewachsen. Nicht immer merke ich die Existenz dieses Gebildes meiner Gedankenkraft, und dass einige Gemeinden zwischen den beiden Stadtteilen liegen, stört mich nicht. Die A3 oder die Eisenbahnstrecke zwischen Köln-Mülheim und Duisburg Hauptbahnhof sind exterritoriale Gebiete, die mir die Illusion geben, meinen gedachten, einzigen städtischen Raum nicht zu verlassen. Dieser zwei Stadtteile umfassende städtische Raum ist mir zwar nicht immer als Idee, als innere Vorstellung präsent, aber manchmal merke ich es an meinem eigenen kurzen Stutzen, wenn Duisburger Freunde von Köln als einem entfernt liegenden Ort reden oder die Kölner von Duisburg in gleicher Weise. Dann erlebe ich einen winzigen Moment der Überraschung, wie fern sich für andere das befindet, was in meinem Innersten zusammen liegt.

Heute geht mir das ganz besonders so, weil zwischen Duisburg und Köln viel Bewegung sein wird. Duisburger werden sich auf den Weg machen, um sich in Köln den FCR 2001 Duisburg im DFB-Pokalfinale der Frauen anzusehen, und eigentlich wäre mein Platz an diesem Nachmittag auch in Müngerdorf gewesen. Doch gleichzeitig feiert in Duisburg die Basketballabteilung des V.f.v.B. Ruhrort-Laar ihr 60jähriges Bestehen. In einer gegenläufigen Bewegung werde ich mich also nach Duisburg aufmachen. Nicht nur weil ich selbst in diesem Verein begonnen habe, Basketball zu spielen, auch weil dieser Verein im Leben meiner Mutter eine große Rolle spielt.

Vor zwei Jahren wollte ich die Geschichte dieser Basketballabteilung gerne in einem kleinen Dokumentarfilm erzählen.  Das notwendige Geld habe ich bis jetzt nicht zusammen bekommen. Der V.f.v.B. gehörte 1950 zu einem der ersten Sportvereine, in dem im Nachkriegsdeutschland Basketball gespielt wurde. Zu dieser Zeit war Basketball in Deutschland ein exotischer Anblick. Das galt für den Universitätssport Basketball gerade im Arbeitermilieu des Ruhrgebiets. In Duisburg-Ruhrort lebende Franzosen hatten das Basketballspiel in die Ruhrgebietsstadt gebracht. Mit jungen Deutschen zusammen spielten sie regelmäßig auf einer Freifläche in Duisburg-Laar. Was Staatsmänner in ihren Reden propagierten, lebten diese jungen Deutschen und Franzosen im Alltag beim Sport, die deutsch-französische Aussöhnung. Ohne Vereinszugehörigkeit waren aber Wettkämpfe unmöglich. Deshalb erhielt der V.f.v.B. Ruhrort-Laar, vormals nur  für Fußball und Tennis zuständig, eine Basketballabteilung, die kurz darauf zu den Gründungsmitgliedern des Westdeutschen Basketballverbands gehörte.

Weiterhin glaube ich an die Geschichte des V.f.v.B. als Teil der Ruhrgebietshistorie, weil sich mit den Veränderungen im Verein bis in die Gegenwart hinein sowohl vom Strukturwandel im Ruhrgebiet erzählen lässt als auch von der unterschiedlichen Bedeutung dieses Vereinslebens für Menschen der verschiedenen Generationen. Meine Mutter stand zusammen mit einer alten Mannschaftskameradin bis noch vor zwei Jahren, da war sie 74, in Beeck in der Turnhalle, um Basketballanfänger zu betreuen. Diese Basketballanfänger kamen zum großen Teil aus Familien mit Migrationshintergrund. Da prallten immer wieder sehr unterschiedliche Welten aufeinander, doch meiner Mutter lag der Fortbestand dieser Basketballabteilung auf eine Weise am Herzen, dass sie alle Irritationen gegenüber dem Fremden aushielt. Dennoch spiegeln sich die schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des nördlichen Ruhrgebiets auch im weniger vitalen Vereinsleben wieder. All das wäre zu erzählen. Ich hoffe, dass es mir noch irgendwann gelingt.

Während ich in Duisburg mit den alten Basketballkollegen zusammen sitze, werden sich in Köln schon ein paar Blogger zum DFB-Pokalfinale der Frauen getroffen haben. Mit Trainer Baade und Torsten Wieland werden zwei Duisburger dabei sein, mit denen – und vielen anderen – ich das Herren-Endspiel nach meiner Rückkehr am frühen Abend wiederum in der Kölner Hammond Bar mir ansehen werde. Es gibt also viel hin und her zwischen Duisburg und Köln, was den Städteverbund in meinem Kopf doch eigentlich einigermaßen erklärbar macht. Auch wenn ich mit meinem Rheinstadt-Gedanken eine sehr kleine Minderheit bin, könnten Ruhrstadt-Bewohnern aber erkennen, Identität ist machbar.

MSV-Umfeld mit großer Zukunft? – Kein Selbstlob, sondern Ansporn für den Verein

Ich stehe vor der schwierigen Aufgabe, darauf hinzuweisen, dass am Montag der MSV Duisburg in der deutschsprachigen WordPress-Welt am frühen Morgen das  Thema des angesagtesten Beitrags gewesen ist. Eine schwierige Aufgabe ist das deshalb, weil es vielleicht bei dem ein oder anderen zu dem Missverständnis führt, hier würde doch nur jemand versuchen, sich selbst zu promoten. Davon bin ich als Verfasser dieses angesagtesten Beitrags aber weit ab. Mir geht es nur darum, dass alle Welt weiß, der MSV Duisburg ist ein Thema, das manchmal mehr interessiert als alles andere – na gut, in einem eng umrissenen Zeitraum und in der WordPress-Welt. Dass ich zufälliger Weise die Worte über dieses Thema verfasst habe, tut nichts weiter zur Sache. Gerade in dieser Zeit des Übergangs brauchen wir Interessierten am MSV jetzt die Hoffnung. Und Hoffnung speist sich aus Momenten von Größe, so klein sie mancheinem auch erscheinen mögen.

Die schlechte Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Bei der Bearbeitung von Screen-Shots hat sich auch das MSV-Umfeld noch nicht erstligareif gezeigt.

Alte MSV-Geschichten durch die Vereinsbrille Preußen Münsters gesehen

Die folgende Geschichte zeigt einmal mehr, wie kompliziert manchmal das Leben ist. Bei der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ arbeitet mit Thomas Knüwer ein Journalist, der unter dem Namen „Indiskretion Ehrensache“ auf der Web-Seite seiner Zeitung einen der populären deutschen Blogs schreibt. Häufig geht es ihm dort um Medienthemen, um das, was gemeinhin Web 2.o genannt wird und die seiner Meinung nach notwendigen Veränderungen im Journalismus, die etwa die Blog-Welt hervorruft. Darüber hinaus zeigt er sich aber immer wieder auch mit seinen privaten Interessen. Wenn man längere Zeit bei ihm mitliest, bleibt es einem nicht verschlossen, Thomas Knüwer ist Fan von Preußen Münster.

Als solcher Fan erinnerte er nun neulich an aufregende Zeiten seines Vereins und stellte diesen Beitrag mit der Frage ins Netz, „War der MSV Duisburg bestechlich?. Er verweist dabei auf einen Artikel, der bei „westline“ erschienen ist und an die zwei Oberliga-Spielzeiten 1987/88 und 1988/89 erinnert. In einem der wenigen Kommentare zu dem Beitrag klingt bereits jene Frage an, die auch ich an Thomas Knüwer stellen würde. Wenn man bei „westline“ nachliest, müsste der Titel seines Blogbeitrags eigentlich lauten: „War Preußen Münster bestechlich und machte der MSV Duisburg das Angebot, sich bestechen zu lassen?“ Eine Antwort auf die Frage habe ich nicht. Im Gegensatz zur Behauptung bei „westline“ habe ich in Duisburg noch nie von Bestechungsvorwürfen gegenüber Hertha BSC gehört. Die muss es in Duisburg dann wohl in Kreisen geben, in denen ich nicht verkehre. Und dass ein Verteter des MSV Duisburg in der folgenden Saison an Preußen Münster mit der Frage nach Geld herangetreten ist, hat dieses damalige Vorstandsmitglied natürlich in Duisburg auch nicht lauthals verkündet. Diese alte Geschichte wäre also eine ausgezeichnete Übung in Sachen investigativer Journalismus. Ehrgeizige, junge Kollegen hervorgetreten!

Die Wahrheit des Geschehens liegt also im Dunkeln. Was dem Blog-Beitrag von Thomas Knüwer nicht sofort anzumerken ist. Ihm ist es natürlich anzurechnen, dass er darauf hinweist, er sei Vereinsmitglied von Preußen Münster. Dennoch macht das den Blog-Beitrag in meinen Augen nicht weniger problematisch und zwar nicht, weil ich als Fan vom MSV Duisburg meine, den Verein verteidigen zu müssen, sondern weil Thomas Knüwer verschiedene Haltungen des Schreibens vermischt. Er selbst würde das wahrscheinlich als Errungenschaft des Bloggens ins Positive kehren, ich aber sage, das ist ein Verlust an journalistischem Standard. Schließlich agiert er nicht als Privatperson auf der Seite des Handelsblatt. Er schreibt als vom Handelsblatt angestellter Journalist. Es ist das aufklärerische Pathos des Journalismus, das er in dem Beitrag anzapft. Es ist das Gewicht der Institution Journalismus, die seiner Frage überhaupt Wert verleiht. Diese Frage aber bezieht sich auf eine verkürzte Darstellung des Geschehens. Sein Recht auf Verkürzung bezieht er gleichzeitig aus seinem Schreiben als Fan und Blogger.  Sicher, er gibt Gelegenheit, zumindest die Quelle zu überprüfen. Diese leichte Überprüfung hätte es ohne Web 2.0 nicht gegeben. Dennoch bleibt dieses Unterschreiten eines journalistischen Standards.

Er weicht also journalistische Regeln im Blog auf, während er gleichzeitig durch das Medium „Handelsblatt“ als Journalist wahrgenommen wird. Nun kann er sagen, seine Leser sind klug genug, den Blogger und den Print-Journalisten auseinander zu halten. Doch einerseits gibt es da die Zeit des Lesers. Nicht jeder Leser hat die Zeit die in den Raum gestellte Frage in den Zusammenhang des gesamten Geschehens zu bringen. Die Seite vom „Handelsblatt“ aber besitzt einen Vertrauensvorschuss und damit auch der bloggende Handelsblatt-Journalist Thomas Knüwer, der diesen Vertrauensvorschuss für eine doch einseitige Darstellung eines Geschehens nutzt. Er unterfüttert zudem die den MSV anklagenden Worte mit allgemein gehaltenen, moraliserenden Vorwürfen gegenüber dem DFB, bei denen er auf breite Zustimmung hoffen kann. Was es noch schwieriger macht, die Wahrheit seines Beitrags aufzudröseln. Man sieht also, bei allem Web-2.0-Enthusiasmus über die Möglichkeiten des einzelnen öffentlich zu wirken, die journalistische Grundregel ein Geschehen so umfassend wie nötig und möglich zu schildern, sollte auch beim Bloggen gelten, besonders dann, wenn der Blog als Teil des traditionellen Mediums Zeitung funktioniert.


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