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Sportjournalismus und die Wirklichkeit des Baumgart-Interviews

Seitdem mir eine Baumgart-Schlagzeile nach der anderen in meine Timelines gespült wird, denke ich mal wieder, angemessenes Sprechen ist sehr förderlich für gelingendes Zusammenleben. Damit meine ich nicht, wie Steffen Baumgart die Schiedsrichterentscheidung kommentiert. Ich meine die Schlagzeilenproduzenten. Mir ist schon klar, dass ich an den Regeln des Marktes beim Buhlen um Aufmerksamkeit und den Allgorithmen, die das Emotionale nach oben spülen, nichts ändere. Dennoch will ich als Schmetterlingsflügelschlag im Erzählstrom über die Wirklichkeit festhalten:

Steffen Baumgart tobt nicht.

Steffen Baumgart flippt nicht aus

Steffen Baumgart rastet nicht aus.

Einen Baumgart-Ausraster gibt es nicht.

Steffen Baumgart ist wütend. Steffen Baumgart ist zornig. Aber er redet kontrolliert. Er kritisiert und urteilt hart über die Schiedsrichter-Entscheidung sowie das Schiedsrichter-Verhalten. Ich sehe keine Affekt-Reaktion, wie sie die Schlagzeilen suggerieren.

Die entsprechenden Schlagzeilen mit einer fantasierten Wirklichkeit von Sport 1, RTL, Westfälische Allgemeine, BILD, Eurosport und anderen Lokalmedien Deutschlands, die anscheinend eine Agenturmeldung übernommen haben, finden sich mit der Google-Suche.

Alles Gute für 2021 mit Big Data von 2020!

Weil wir im vergangenen Jahr mit diesem so grundsätzlich veränderten Leben haben zurecht kommen müssen, beschäftige ich mich heute umso lieber mit einem wiederkehrenden Ritual. Der Rückblick auf  die meistgelesenen Texte des letzten Jahres ist eine mir liebe Tradition geworden.

Diesen Rückblick verbinde ich ja jeweils mit Wünschen. Hoffentlich wirken sie dieses Mal besser als bei der letzten Gelegenheit vor einem Jahr. Bei euch sowieso. Aber gerade die für Fußballer und Verantwortlichen beim MSV waren komplett was für die Tonne. Mehr Mut fürs Aufstiegsfavoriten-Dasein hatte ich gewünscht. Soll ich angesichts der Wirkungslosigkeit jetzt erneut einen Sack Wünsche zur Westender Straße rüberschicken? Schließlich brauchen Spieler und Verantwortliche ein besseres Gelingen bei ihrem beruflichen Fortkommen noch mehr als letztes Jahr. Sie brauchen das, damit der MSV Duisburg in dieser Saison nicht so abstürzt, dass keiner das Ende eines solchen Niedergangs absehen kann. Ich wage die wichtigsten Wünsche deshalb zu Beginn, sie gelten den Spielern der Zebras: Erfolg, Erfolg und davon dann im Rest der Saison noch viel mehr!

Und nun zu den meistgelesenen Texten des letzten Jahres im Zebrastreifenblog. Inzwischen gibt es einige Beiträge außer Konkurrenz. Drei Jahre unter den Best-of war mein Anekdoten-Text dazu, wie die Bielefelder zu ihrem Namen kam. Dieses Mal gibt es nur die namentliche Erwähnung. Seit dem Bundesligaaufstieg der Arminia schickt Google an jedem Heimspieltag die Fans der Auswärtsmannschaften zu mir. Sie lesen eine amüsante Anekdote mit einem Verweis auf die andere anekdotische Wahrheit, die der Verein erzählt. Mit Verlaub, meine ist deutlich gehaltvoller. Seit der Veröffentlichung gilt auch:  Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund ist oben mit dabei. Deshalb wieder nur die namentliche Erwähnung.  Und nun zu den Platzierungen, für die sich dieses Mal thematische Blöcke anbieten.

Mit den Texten auf Platz 5 und Platz 3 werden gemischte Gefühle wach. Die Macher vom Millerton.de hatten während der Sommerpause den Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest ins Leben gerufen. Ich hatte großen Spaß am Wettbewerb, der aus Regionalentscheid, Vorentscheidung, Halbfinale und Finale bestand. Im Verlaufe des Wettbewerbs wurde die Situation für den MSV in der Liga immer unangenehmer. Der Spaßwettbwerb passte auf einmal nicht mehr zum Ligaalltag. Entsprechend war die Platzierung des Zebratwists im Deutschland-Finale. So ist Leben. Ich organisierte den Regionalentscheid hier im Blog über eine Vorrunde. Das Ergebnis der Abstimmung belegt Platz 5. Die Abstimmung samt zusammenfassender Vorstellung der MSV-Vereinssongs belegt Platz 3.

Platz 2 zeigt, wie sehr uns die Geschichte des MSV und die gemeinsame Erinnerung daran interessiert. Fragliche Erinnerungen an das Halbfinale gegen den BVB im April 1975 nannte ich vor dem Pokalspiel gegen Dortmund meinen Text, in dem ich mich über dieselbe Begegnung im Jahr 1975 geschrieben habe. Als Jugendlicher erlebte ich sie.

Die Texte auf Platz 3 und Platz 1 sind Zeugnisse für den Fußball zu Corona-Zeiten. Die Auseinandersetzung um die Fortführung der letzten Drittliga-Saison führte zu öffentlichen Worten auf Seiten des DFB, die an der Wirklichkeit des MSV vorbei gingen. Es schien so, als ginge es dem DFB in der Debatte nicht um den Austausch von Argumenten, sondern darum die Seriösität jener Vereinsvertreter zu untergaben, die Meinungen konträr zur DFB-Linie vertraten. Skandal ist ein Skandal für Liga 3 – Jeder darf mal diffarmieren beim DFB belegt Platz 3. Wenn Liga-3-Vereine nicht parieren erschien eine Woche zuvor. Der Text nahm Bezug auf einen DFB-O-Ton in einen Sportreportage-Beitrag zum Fußball im Ruhrgebiet und belegt Platz 1.

Auf zum Blick nach vorn: Hoffen wir auf den Klassenerhalt. Hoffen wir auf ein Wiedersehen im Stadion, für das der Klassenerhalt die sportlichen Voraussetzungen schafft. Während ich an zwei neuen Büchern arbeite, werde ich mit meiner multiplen Persönlichkeit auch weiter Zeit mit dem Zebrastreifenblog verbringen. Schauen wir, wieviel aktueller Sport mir dazu einen Anlass gibt. Oder ob der MSV allmählich mir nur noch Stoff für Historientext und Kulturbetrachtung gibt. Habt ein gutes Jahr. Bleibt gesund!

Der Spieltagskommentar kommt von den Lassie Singers

Nun, es kam, wie erwartet. Dass diese Erwartung einer Pokalniederlage gegen Borussia Dortmund sich mit fünf Gegentoren erfüllte, von denen vier von sehr unglücklichen Umständen begleitet wurden, gibt dem Ganzen eine besondere Note. Ich sehe aber nicht, dass ohne diese unglücklichen Umstände keine Gegentore gefallen wären.

Dieses Spiel gibt mir keinen Aufschluss über die zukünftige Spielstärke der Mannschaft. Zu besonders war dieses Pokalspiel, als dass es nicht auf die Psyche und damit auf die fußballerischen Möglichkeiten der einzelnen Spieler gewirkt hätte. Einige schienen zunächst etwas gehemmt – auch Torsten Lieberknecht spricht vom Respekt, aber sicher wirkte das Spiel zwischendurch auch besonders motivierend. Andere Anhänger des MSV ziehen dennoch aus dem Spielverhalten prognostizierende Schlüsse – mit sich widersprechendem Ergebnis. Alles ist schon fast wie immer.

Heißt für mich, bis zum Spiel gegen Rostock der ewig gültigen Wahrheit der Lassie Singers zu folgen.

 

Ist es übrigens nicht überaus passend, dass die einzige bei youtube gelistete Liveaufnahme von dem Song aus Oberhausen stammt? Ein Mottolied für die Ruhrstadt.

Zufällige Möglichkeit für ein Spieltagssymbolfoto – Rustikal und ausdrucksstark

So weit ich weiß, erhalten die Spieler der Fußballnationalmannschaft zur Vorbereitung auf Länderspiele nicht nur eine fußballbezogene Vorbereitung – mancher sagt auch Training dazu. Sie werden auch mit Länderdossiers versorgt. Durch diese Rundumvorbereitung auf den Gegner wird einerseits sicher gestellt, dass kein Spieler sich der Presse gegenüber zu ewig lustigen Fußballersprüchen hinreißen lässt oder sich gar zu politisch heiklen Bewertungen von autoritären Regimen verleiten lässt. Dieses Recht haben nur die DFB- und Vereinsfunktionäre.

Andererseits werden so auch die Kleinigkeiten beeinflusst, von denen es oft ja heißt, sie seien spielentscheidend. Ein Stürmer, der seinen Verteidiger in eine erregte Diskussion über irgendein umstrittenes Geschehen in dessen Herkunftsland verwickeln kann, gewinnt vielleicht einen entscheidenden Vorteil. Der Verteidiger ist abgelenkt durch aufkommenden Ärger, der nichts mit dem Fußball zu tun hat. So stelle ich mir das vor. Oder landesübliche Animositäten können beim Trash-Talk besser bedient werden. Manchmal braucht es auch schmutzige Tricks, um ein Spiel zu gewinnen.

Ich hätte da Dortmunder Empfindlichkeiten zu bieten. Vor einem Jahr um diese Zeit war mir nicht klar, dass ich mich weit vorausschauend auch für den MSV engagiert habe. Ich war seinerzeit für mein Buch 111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss intensiv mit Geschichte und gegenwärtigem Alltag von Dortmund beschäftigt. Ich kenne mich also sehr gut aus in der Stadt. Ich kenne die Empfindlichkeiten, die aus Niederlagen in der Historie sich ergeben haben. Vielleicht bringt ja so ein hingerotzter Trash-Talk heute Abend etwas. Mein Vorschlag dazu: Als Dortmunder musst du erst nach München gehen, um mit dem FC Bayern einen wirklich guten Fußballverein zu gründen. Das machte der Dortmunder Bildhauer Benno Elkan, der schon in Dortmund Fußball gespielt hatte und in München zu den jungen Männern gehörte, die den FC Bayern gründeten.

Aber ob das was bei Norwegern und Engländern in der Mannschaft nutzt? Ich hätte ein internationaler angelegtes Dossier anlegen müssen. Das ist der Nachteil beim Vereinsfußball gegenüber Länderspielen. Die kulturelle Vorbereitung muss viel individueller auf die Vereinsspieler aus aller Herren Länder und deutschen Regionen angelegt sein.

Schauen wir also, hoffen ist immer erlaubt. Zumal ich gestern zufällig die Gelegenheit zu einem wunderbaren Symbolfoto bekam. Meine Freundin räumte auf und fand eine Devotionaliendose, das Geschenk ihrer Freundin, die komische Vorlieben im Fußball pflegt. Der Inhalt der Dose war aufgegessen, sie konnte weg, und ich rief laut, ich mache das. Ich schmeiß sie in den Müll. Vielleicht hilft magisches Denken ja. Wenn nicht, bin ich mir ohnenhin mit den neuen Spielern bei den Kurzinterviews einig. Bei der Frage, Aufstieg oder Pokalsieg?, lautet die Antwort immer Aufstieg.

Fragliche Erinnerungen an das Halbfinale gegen den BVB im April 1975

Am 30. April 1975 spielte der MSV das bislang einzige Mal gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal. Es war das Halbfinale, der MSV gewann 2:1 nach Verlängerung, und ich frage mich heute, ob das mein erstes Spiel war, bei dem ich abends mit den Freunden, ohne Begleitung von Erwachsenen mitten in der Woche ins Stadion durfte. Ich war 13 Jahre alt. Am nächsten Tag ging es früh in die Schule. Ich weiß es nicht mehr, weil meine einzigen mir unzweifelhaft scheinenden Erinnerungen an ein Abendspiel vom MSV gegen den BVB ein unfassbarer Torjubel und Panik sind. Beides ist an dem Abend möglich gewesen. Sicher bin ich mir nicht.

Wir standen damals im alten Wedaustadion immer rechts neben dem Marathontor mit Blick aufs Spielfeld, im Mob, wie der Platz im Stadion für Fans damals genannt wurde. Die anderen im Stadion waren Zuschauer und keine Fans. Im Mob standen wir mit blau-weißer Fahne und der Bereitschaft, die Mannschaft andauernd anzufeuern. In die „Kurve“ ging es erst später. Wir waren stolz darauf, im Mob zu stehen. Es war zudem aufregend, weil dort auch die Gefahr am größten war, von Fans des Gegners angegriffen zu werden. Das waren immer die Fans der Mannschaften aus dem Pott. Einen Schutz durch Ordner oder Polizei gab es damals nicht. Wir waren auf die Stärke der Älteren angewiesen. Wir kannten niemanden von diesen Älteren, und setzten darauf, irgendwie dazu zu gehören. Ich hatte immer wieder Angst, und natürlich versuchte ich, sie zu verbergen.

Nach dem Stadionbesuch waren wir immer stolz, heiser zu sein. Es gab uns das Gefühl, mitgekämpft zu haben. Wir gewannen und verloren gemeinsam mit der Mannschaft. Es gab keine kritische Distanz. Die einen spielten den Fußball, wir sorgten für Stimmung. Zusammen waren wir der MSV. Zusammen waren wir die Zebras. Wir gaben immer alles. Das überlegten wir uns nicht. Das machten wir so, weil es selbstverständlich war. Heiser zu sein, hieß aber auch, wir gingen alleine ins Stadion, ohne Begleitung von Erwachsenen. Wo wir uns aufhielten, das war unser Raum. Erwachsene hatten da nichts zu suchen.

Unsere Eltern interessierten sich zwar auch für Fußball und den MSV. Wir aber gingen in den Mob. Wir fühlten uns groß und unabhängig. Diese Unabhängigkeit spürten wir noch am ersten Tag nach einem Stadionbesuch in der Schule. Wir fühlten uns cool. So sagt man heute. Ich erinnere mich an kein entsprechendes Wort damals, das unser Lebensgefühl ausdrückte. Meine Stimme erholte sich nach den Bundesligaspielen fast immer vom Samstag auf den Montag. So konnte in der Schule niemand mehr hören, dass ich im Stadion war. Das war bei einem Freund anders. Der krächzte immer noch auch am Montag, und ich beneidete ihn dafür.

Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich an jenem Pokalabend im Wedaustadion war. Ich kann mich an kein Gefühl des Sieges mehr erinnern. Ich frage mich, wo versteckt sich meine Freude, das Finale im DFB-Pokal erreicht zu haben? Anstattdessen spüre ich immer tief in mir diesen jähen Wechsel zwischen enthusiastischer Begeisterung und Panik während eines unkonkreten Abendspiels gegen den BVB. An diesem erinnerten Abend war es unfassbar eng im Mob. So eng war es zuvor noch nie gewesen. Ich trug einen Parka. Um meinen Hals war der blau-weiße Zwei-Meter-Schal gewickelt. Eine Freundin meiner Mutter hatte ihn gestrickt. Meine Fahne hatte ich nicht mitgenommen. Es war mir zu gefährlich gewesen, sie bei dem Abendspiel mitzunehmen. Ich hatte Sorge, sie würde mich behindern. Ich hatte auch Sorge, jemand könne sie mir klauen.

Wir waren früh im Stadion und standen an einem Wellenbrecher auf mittlerer Höhe der Stehplätze. Am linken Ende des Wellenbrechers war mein Platz, die Freunde standen rechts von mir. Meine fernen Erinnerungen der Begeisterung passen zum Spielverlauf – mit Klick zum Spielschema beim DFB. Der MSV lag lange 0:1 zurück. Fetzen der schwindenden Hoffnung auf Erfolg bekomme ich zu packen. Zwei Minuten vor Abpfiff fiel der Ausgleich durch Walter Krause, und ich spüre diese wogende Menge des Jubels. Diese Menge steht so eng, dass sie eins ist und jede Bewegung von der einen Seite sich fortsetzt auf den Nebenmann. Ich sehe kaum Bilder des Spiels, hin und wieder weht der Geruch des feuchten Rasens in meine Nase, und dann fällt ein Führungstreffer, erneut wogt die Menge. Sie beruhigt sich nicht. Jetzt noch einmal alles geben. Das Tor im Halbfinale erzielte Bernard Dietz.

Dieser Jubel geht in meiner Erinnerung sofort über ins Anfeuern. Noch kann alles passieren. Die erste Hälfte der Verlängerung ist noch nicht einmal zu Ende gespielt. Doch plötzlich gerät die Menge links von mir unter Druck. Die Leute schieben sich von dort und von hinten gleichzeitig auf meine Freunde und mich vor den Wellenbrecher. Um uns rufen einzelne hektisch, die Dortmunder kommen. Die Gästefans standen auf der anderen Seite vom Marathontor und konnten über die Gegengerade ungehindert in die Nordkurve wechseln. Wenn das geschah, dann kurz und heftig mit viel Bewegung innerhalb des Mobs. Nicht alle dort wollten sich prügeln. Andere, die sich wehren wollten, preschten nach vorne. Die Enge im Mob verhinderte die flüssige Bewegung zwischen denen, die sich dem Angriff stellen wollten und denen die sich zurückzogen.

Ich hatte versucht links am Wellenbrecher vorbeizurutschen, um nach unten zu kommen. Doch der Druck der Menge presste mir den linken Pfosten des Wellenbrechers in Bauch und Brust. Ich kam nicht vor und zurück. Der Druck nahm zu. Während ich sah, dass die anderen es geschafft hatten, unter dem Wellenbrecher wegzutauchen, geriet ich in Panik. Der Wellenbrecher drückte tief in meinen Körper. Ich bekam kaum Luft und versuchte mich immer dünner zu machen. Endlich flutschte ich an dem Pfosten vorbei. Eine Stufe tiefer hielt der Wellenbrecher nun den Druck der Menge von uns. Zudem kehrte allmählich wieder Ruhe ein. Alle um uns herum richteten die Aufmerksamkeit wieder auf das Spiel, und damit verblasst meine Erinnerung an den Sieg des MSV bei jenem Abendspiel gegen den BVB, das möglicherweise das Halbfinale im DFB-Pokal 1975 gewesen ist. In der ARD-Mediathek findet sich ein kurzer Spielbericht jener Tage von dem Halbfinalsieg. Sehr schöne Bilder, die meine Erinnerung dennoch nicht schärfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles Gute für 2020 mit Big Data von 2019!

Die Welt verändert sich, so auch das Schreiben im Zebrastreifenblog. Nicht mehr zu jedem Spiel des MSV in dieser Saison gibt es meine Worte. Das hat unterschiedliche Gründe. Einen gewichtigen habe ich immer mal wieder erwähnt. Ich wollte mich in meinen Texten nie nur auf das Sportliche konzentrieren. In elf Jahren Zebrastreifenblog sind schon viele Gedanken aufgeschrieben worden, die über den eigentlichen Fußball hinausführen. Das Neue wird weniger. Ich möchte mich aber auch nicht wiederholen. Schauen wir, wo das noch hinführt. Heute auf jeden Fall zu Wünschen.

Auch dieses Jahr möchte ich mit allen Teilen meiner multiplen Persönlichkeit, euch alles Gute für das Jahr 2020 wünschen. Gerade die Herren Koss und Jaratz in mir rufen besonders laut, gib bloß auch Fußballern und Verantwortlichen vom MSV was mit auf den Weg. Damit Torsten Lieberknecht immer mehr vom Understatement abrücken kann und den Favoriten uneingeschränkt für diese Saison im Selbst- und Manschaftsbild verankern wird.

Wie in den Jahren zuvor verbindet sich mit den Wünschen für das neue Jahr der Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des vergehenden Jahres. Im Zebrastreifenblog gibt es inzwischen Beiträge außer Konkurrenz. Denn über mehrere Jahre belegten die Fußballtorten aus Dortmund Platz 1 und 2 der meist gelesenen Texte des Jahres. Auch dieses Jahr ist Folge eins der zwei Beiträge vorne mit dabei.  Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund bekommt eine namentliche Erwähnung. Und nun zu den Platzierungen.

Der Text auf Platz 5 liegt noch nicht lange zurück. Die Ironie einer Geschichte über junge deutsche Fußballer ist mein Kommentar zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung über die Erfolgsaussichten von deutschen Jugendspielern in Profiverein. Der MSV diente als Drittligist einer journalistischen Pointe, die die gegenwärtige Wirklichkeit für junge deutsche Fußballer beim MSV außer Acht ließ. Dazu musste ich etwas schreiben.

Platz 4 bis Platz 2 zeigen, wie sehr wir auf den Klassenerhalt in der letzten Saison hofften und wie wir uns um die mannschaftliche Einheit Gedanken machten. Platz 4 belegt Kräfte bündeln mit dem Tabellenrechner. Ich hatte Ende Februar nach dem torlosen Unentschieden in Aue trotz großer Zweifel zu meinem bewährten Hausmittel gegen Abstiegsangst gegriffen. Im Gegensatz zu den früheren Jahren vertraute ich aber meiner Rechnung nicht sehr. Ich fühlte mich im Gegensatz zu den Vorjahren alleine gelassen von der Mannschaft und befürchtete daher, dass meine Vorhersagekraft den Klassenerhalt alleine sichern müsste. Ein wenig Aberglauben ist ja in Ordnung, aber so viel? Wie wir wissen, zweifelte ich zurecht.

Auf Platz 3 findet sich Soll und Haben beim Tabellenrechner – 24. Spieltag. Ich denke, die hohen Klickzahlen für den Tabellenrechner zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison zeigen, wie sehr wir Anhänger des MSV überall nach einem Funken Hoffnung suchten und wie wenig wir der Mannschaft vertrauten.

Auf Platz 2 befindet sich Nach der Niederlage ein 0:0 erschreiben. Das ist der Spielbericht vom Auswärtsspiel im Februar gegen Greuther Fürth, in dem der MSV in den letzten Spielminuten das Tor zur 1:0-Niederlage hatte hinnehmen müssen. Es war mein verzweifelter Versuch, trotz der Niederlage die Mannschaft nicht abzuschreiben. Ich suchte nach den Zeichen eines verbesserten Zusammenhalts. Ich deutete und deutete. Wie die Klickzahlen wieder zeigen, suchte nicht nur ich nach diesen kleinen Zeichen der Hoffnung.

Im zweiten Jahr befindet sich auf Platz 1: Das ist mal eine Anekdote über die Bielefelder Alm. Den Text habe ich schon 2010 geschrieben, als mir die Anekdote zur Namensgebung auf der Arminia-Seite beliebig und langweilig vorkam. Mit Dokumenten belegt ist die Geschichte bei der Arminia ebenso wenig wie meine Geschichte. Google schickte erneut viele Leser zu mir, die wissen wollten, warum die Bielefelder Alm so heißt, wie sie heißt. Ich denke, im nächsten Jahr wird auch dieser Text außer Konkurrenz im Jahresranking vom Zebrastreifenblog vertreten sein,

Und nun der Blick nach vorn: Ich werde mit meiner multiplen Persönlichkeit auch 2020 einen Teil meiner Arbeitszeit mit dem Zebrastreifenblog verbringen. Vielleicht findet sich ja irgendwann der Mäzen oder Sponsor, dessen Zuwendung es mir erlaubt, jedes Spiel einer Saison mit einem Gedicht zu kommentieren. Daran hätte ich wieder großen Spaß. Bis dahin schreibe ich, wie es gerade passt. Kommt morgen gut ins neue Jahr!

Wir sehen uns im Stadion, wir lesen uns und hoffen gemeinsam, dass der MSV ab Ende Januar Woche für Woche den Punktevorsprung auf Platz 3 vergrößert.

Das zweifache Wachstum

Mit Sprache lässt sich die Wirklichkeit nur unzulänglich einfangen. Das fällt im Fußball manchmal deutlicher auf als in unserem Alltag, allerdings nur, wenn die Beteiligten des Spiels sich nicht hinter Floskeln verstecken, dann wenn sie genau sein wollen und Fragen ernst nehmen. Das ist nicht einfach in einem Unterhaltungsbetrieb, der immerfort neue Inhalte produzieren will. Das ist nicht einfach in einer Welt, in der das immerselbe auf immer neue Weise gesprochen werden soll. Dann kommt es zu überraschenden Sprechweisen, wenn die Wahrheit eines Geschehens öffentlich gesprochen wird.

Torsten Lieberknecht war auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FSV Zwickau mit der Frage konfrontiert, ob die Leistung der neu zusammen gestellten Mannschaft auch für ihn überraschend sei. Für uns Betrachter von außen heißt die Antwort uneingeschränkt ja. Die Frage hat nun eine Nebenwirkung. Sie führt direkt und tief ins Zentrum einer Leistungsbeurteilung und zwar jener der sportlichen Leitung. Gleichzeitig berührt sie das Erleben der Gegenwart und das eigene, sehr persönliche Verhältnis, wie ein Mensch zur Zukunft steht.

Die scheinbar einfache Frage erweist sich als schwierige Aufgabe für Torsten Lieberknecht, weil er sich mit der Antwort ja auch indirekt zur Qualität der eigenen und Ivo Grlics Arbeit äußert. Deshalb holt er weiter aus und fasst  zusammen – ab Minute 12.25 -, wie er die Vorbereitung erlebt hat. Er erläutert gute Anzeichen bei den Spielern für den Erfolg. Dennoch gab es angesichts des als nicht einfach bewerteten Auftaktprogramms „Fragezeichen“. Für diese Unsicherheit bei gleichzeitiger Zuversicht findet Torsten Lieberknecht die schöne Formulierung, man hätte ein Gefühl dafür gehabt, „dass da was wächst, was eben immer noch im Wachstum ist“. Sprache stößt hier an ihre Grenzen. Es geht um zwei verschiedene Perspektiven des Wachsens. Es geht um Zustand und um den Prozess mit ein- und demselben Wort, das ja eigentlich nur das Prozesshafte beschreibt. Torsten Lieberknecht sieht mittel- und langfristige Ziele, zugleich will er den Leistungsstand der Gegenwart ausdrücken.

Welch komfortabler Saisonanfang, der uns nicht nur Vorfreude auf das Spiel gegen Zwickau bringt sondern auch noch anhand der Sprache von Torsten Lieberkneckt zeigt, die Mannschaft wird sich weiter entwickeln. Die Spiele des MSV kann ich nun wieder sehr viel entspannter erleben. Gestern habe ich das letzte Foto gemacht für mein neues Buch  „111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss“. Ich habe dabei auf dem Weg zu den jeweiligen Orten viel fotografiert. Ein Foto dieser Sammlung möchte ich euch nicht vorenthalten. Wer über Dortmund schreibt, kommt an Orten zum BVB nicht vorbei. Das werden im Buch nicht die bekannten Stadien sein. Ich wollte es schon origineller machen.

Dennoch war ich auch an der Strobelallee, und eins war mir zuvor noch nie aufgefallen, es gibt am Stadion des BVB einen Container, bei dem man Gästefans abgeben kann. Ich bin mir nicht sicher, ob sie in dem kleinen Dingen auch ein Bällebad haben oder welche Attraktionen sie sonst für aufbewahrte Gästefans anbieten. Die Mitarbeiter werden es jedenfalls nicht einfach haben. Ich hoffe, sie sind sozialpädagogisch geschult. Wir können doch davon ausgehen, so ein Gästefan will normalerweise das Spiel seiner Mannschaft sehen. Mit dem Menschlichen vertraut, weiß ich aber auch, irgendwas kann immer passieren, dass man Kumpel, Ehemann oder Freundin mal für ’ne Zeit loswerden will. Der BVB – einmal mehr Vorreiter in Sachen Zuschauerservice.

 

 

Alles Gute für 2019 mit Big Data von 2018!

Zwar war Der Stig in diesem Jahr im Zebrastreifenblog als Autor nicht präsent, doch lässt er es sich nicht nehmen, in Duisburg wieder Silvester zu feiern. So können wir euch wieder zu dritt ein frohes neues Jahr zurufen. Ralf, Der Stig und ich als Belegschaft im Zebrastreifenblog wünschen euch alles Gute. Fußballer und Verantwortliche im Verein unserer Zuneigung bekommen von diesen Wünschen wieder einen großen Sack abgepackt. Auf dass die Familie der Neururer-Unken möglichst bald wieder das Gegenteil von dem unken kann, was gerade in der Pott-Welt von ihnen über den MSV zu lesen ist. Wir ersparen uns die Details.

Wie in den Jahren zuvor verbindet sich mit den Wünschen für das neue Jahr der Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des letzten Jahres. Im Zebrastreifenblog gibt es seit dem letzten Jahr Beiträge außer Konkurrenz. Denn über mehrere Jahre belegten die Fußballtorten aus Dortmund Platz 1 und 2 der meist gelesenen Texte des Jahres. Wahrscheinlich gab es 2018 für BVB-Anhänger weniger Frustessen mit Süßkram. Denn nur noch Folge eins der zwei Beiträge ist dieses Mal vorne mit dabei. Statt Zucker brachte der sportliche Erfolg des BVB im letzten Jahr den Anhänger-Flow. Nur noch Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund bekommen eine namentliche Erwähnung.

Die Texte auf Platz 5 und Platz 4 zeigen, wie groß in der letzten Saison unsere Abstiegsangst war, wie wir versuchten sie in Schach zu halten und welch Feier der Klassenerhalt zwei Spieltage vor Saisonschluss gewesen ist. Platz 5 belegt der Spielbericht vom 4:1-Heimsieg gegen Jahn Regensburg am 32. Spieltag: Das Abschiedsspiel für den Tabellenrechner brachte den Klassenerhalt.

Auf Platz 4 landete Soll und Haben beim Tabellenrechner – 31. Spieltag. Der Tabellenrechner ist mein bewährtes Hausmittel gegen Abstiegsangst. Frühzeitig versuche ich mit ihm meine Nerven und die des MSV-Umfelds zu beruhigen, indem ich den Klassenerhalt bei möglichst schlechten Ergebnissen für den MSV errechne. Ich befürchte, auch in der laufenden Saison werden wir auf den Tabellenrechner nicht verzichten können.

Auf Platz 3 findet sich der Spielbericht zum sensationellen Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln: Wie? Ihr steigt auf und wir steigen ab.. Der MSV gewann als Tabellenletzter beim Tabellenführer mit 2:1.

Seit dem letzten Jahr schickt Google viele Leser zu mir, die wissen wollen, warum die Bielefelder Alm so heißt, wie sie heißt. Wenn das so weiter geht, wird auch dieser Text bald außer Konkurrenz im Zebrastreifenblog vertreten sein, auf Platz 2: Das ist mal eine Anekdote über die Bielefelder Alm. Den Text habe ich schon 2010 geschrieben, als mir die Anekdote zur Namensgebung auf der Arminia-Seite beliebig und langweilig vorkam. Mit Dokumenten belegt ist die Geschichte dort ebenso wenig wie meine Geschichte.

Auf Platz 1 befindet sich ein Text, in dem es um politische Haltung im Stadion ging. Beim Auswärtsspiel in Darmstadt wurde die Zaunfahne der Faninitiative „Zebras stehen auf“ vom Zaun herunter gerissen. Die Faninitiative Zebras stehen auf engagiert sich für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung. Wie so oft gibt es eine öffentliche Erzählung von dem, was geschehen ist, und eine, bei der in der Fanszene um Deutungshoheit gerungen wird, wer vor Ort welche Verantwortung für Handgreiflichkeit zu tragen hatte. Bezogen auf die öffentliche Erzählung entstand: Zebras stehen auf und bleiben standhaft.

Und nun der Blick nach vorn: Der Stig, Ralf und ich, wir werden auch 2019 einen Teil unserer Arbeitszeit mit dem Zebrastreifenblog verbringen. Wahrscheinlich wird es aber nicht mehr zu jedem Spiel einen Spielbericht geben. Wer hier regelmäßig liest, weiß, ich habe das Gefühl, auf meine Weise habe ich das meiste über ein Spiel des MSV schon einmal geschrieben. Ich will mich aber nicht wiederholen und auch keine normale Sportberichterstattung betreiben. Der Mäzen für meine Spieltagslyrik hat sich zudem noch nicht gefunden. Also, ich muss mal sehen, mit welchen Themen ich mich bei weniger vorhandener Zeit hier beschäftige.

Nun auf ins neue Jahr! Wir sehen uns im Stadion, wir lesen uns und wissen hoffentlich schon bald den MSV auf einem sichereren Weg zum Klassenerhalt als in der Hinrunde der Saison.

Helikopter-Eltern schuld an deutschem WM-Aus

In der letzten ZEIT gibt es ein Interview von Jörg Krämer mit Peter Hyballa. Als Jugendtrainer war er sehr erfolgreich mit den U19-Mannschaften von Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg, später trainierte er unter anderem Alemannia Aachen. Seit Juli arbeitet er beim slowakischen Erstligisten DAC Dunajská Streda, nachdem er im Mai erst beim DFB als Trainer-Ausbilder angefangen hatte. Ich vermute, seine Kündigung beim DFB machte neugierig auf seine Meinung zur Entwicklung des deutschen Fußballs.

Die Quintessenz des Interviews: Die Strukturreform im deutschen Fußball brachte als Nebenwirkung Einheitlichkeit und Stromlinienförmigkeit der Spieler mit sich. Die Individualität der Spieler wurde systematisch beschnitten. Große Spieler brauchen aber Freiräume zur Entfaltung. Zudem fehlen in der Trainerausbildung die Praktiker. Solche Aussagen haben wir schon öfter gehört, dennoch ist das Interview wegen der klaren Meinung und praxisbezogener Aussagen interessant.

Das Schlussstatement hat mich schließlich schmunzeln lassen. Denn Peter Hyballa erzählt uns, dass Jugendtrainer heutzutage sich gerne mit an Lehrer-Stammtische setzen würden. Gemeinsamer Ärger über ehrgeizige Eltern, die für schlechte Leistungen ihrer Kinder die Schuld bei den Pädagogen suchen, hebt schon mal die Laune sehr. Anekdotenhaft wird in Berichten über den Lehreralltag ja immer die Klage gegen Zeugnisnoten angeführt. Ich warte also auf Eltern, die vom Spielerberater mit dem entsprechenden Anwalt versorgt, den Startelfplatz für ihren Sohn einklagen.

 

Alles Gute für 2018 mit Big Data von 2017!

Der Stig ist gestern aus Aarhus wieder zurückgekommen. Anders als in den letzten Jahren wollte er Silvester in Duisburg feiern. So sind Ralf, Der Stig und ich hier im Zebrastreifenblog zum ersten Mal gemeinsam vor Ort, um euch alles Gute für das neue Jahr zu wünschen. Es hat sich bewährt, den Fußballern und den Verantwortlichen im Verein unserer Zuneigung von diesen Wünschen einen großen Sack abzupacken und mit auf deren Weg zu geben. Im letzten Jahr hat der große Wünscheverwalter das sehr wohlwollend in Erfolge des Vereins umgewandelt.

Wie in den Jahren zuvor verbindet sich mit den Wünschen für das neue Jahr der Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des letzten Jahres. Allerdings habe ich von nun an die Regeln geändert. Im Zebrastreifenblog gibt es nun zwei Beiträge außer Konkurrenz. Der Stig ist ja immer leicht erregbar und hatte schon rumgeschrien, ich soll die zwei Beiträge endlich löschen. Der Zebrastreifenblog sei ein modernes Medium mit  journalistischem Anspruch. So Katzenbilder könnten sich alle sonstwo hinstecken. Er meinte die BVB-Torten. Sie sind so was wie die Katzenbilder des Zebrastreifenblogs. Populärer als diese BVB-Fußballtorten waren wie in den hundert Jahren zuvor keine anderen Beiträge. Von nun an erhalten Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“ und Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge XXV – Borussia Dortmund Teil 2″ nur noch eine namentliche Erwähnung. So können sie bei der Party dabei sein, aber still in der Ecke sitzend.

Der Stig hatte natürlich komplett vergessen, dass diese Tortenbilder auch einen nicht zu verachtenden Werbeeffekt haben. Der Mensch will visuell eingefangen werden, um ihn dann mit neuen Reizen so lange wie möglich auf der Plattform zu halten. Alles, was Facebook kann, kann ich viel besser. Denn ich mache es für den guten Zweck. Vielleicht findet der ein oder andere Leser von den Torten zu Worten mit Gewicht über den wirklich wichtigen Verein etwa in diesen Räumen hier.

Gerade dieses Mal gibt es unter den meistgeklickten Texten des letzten Jahres zwei, die vom eigentlich Sport hin zu grundlegenden Fragen unserer Gesellschaft führen.  Platz 5 belegt:  Mit welcher Botschaft weht eine türkische Fahne? Den Text habe ich nach dem letzten Drittligaspiel geschrieben. Die Spieler feierten Aufstieg und Drittligameisterschaft auf dem Rasen. Tugrul Erat legte sich dabei zunächst eine Fahne der Türkei um. Was für mich in Ordnung gewesen wäre, wenn die Fahne in jenen Wochen damals in Deutschland nicht von den Erdogan-Unterstützernn okupiert worden wäre. Sie war für mich nicht mehr das Staatssymbol. Das ließ sich natürlich auch anders sehen. Mein Text stieß leider nur bei Facebook eine Debatte an, und um diese Debatte ging es mir eigentlich. Öffentliche Debatte heißt Austauch von Argumenten und nicht Gegenüberstellen von Meinungen mit anschließendem Krakelen. Diese Argumente wurden damals ausgetauscht.

Für den drittplatzierten Beitrag des Vorjahres hoffte ich sehr auf Konstanz in der Klickhäufigkeit. Tatsächlich findet sich dieser Beitrag 2017 erneut in meiner Bestenliste, auf Platz 4, wieder. Über die Zeit habe ich den Text zweimal angepasst, denn das Buch über die Rettung des MSV im Sommer 2013 und die anschließende Zeit bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre ist nun ein Jahr in Duisburger Buchhandlungen, beim Online-Oligarchen und eben mir weiterhin erhältlich. Also, erneut auf Wiederholung gehofft für: Jetzt bestellen – Mehr als Fußball. Das Buch über Duisburg im Sommer 2013 und den Wiederaufstieg des MSV. Und natürlich auch gerne noch bestellt, denn die zweite Auflage liegt weiterhin bereit.

Auf  Platz 3 findet sich der Spielbericht zum Heimspiel des MSV gegen Magdeburg: Wenn das Versprechen auf ein Spitzenspiel gehalten wird. Die Klickzahl ist auch mit Hilfe der Auswärtsfans erreicht worden. Sie hatten schon in Duisburg die Süd beeindruckend gefüllt und ihre Mannschaft so supportet, wie es bis dahin an der Wedau in den letzten Jahren meiner Erinnerung nach nicht geschehen war. Das Spiel endete Unentschieden, und wir dachten seinerzeit noch, wir hätten zwei mögliche Aufsteiger gesehen. Aufgestiegen ist dann ja doch nur die uns nächste Mannschaft unserer Zuneigung.

Platz 2 belegt: Der TSV 1860 München als Gegenbild vom MSV.  Auch hier spielte das Interesse der Fans aus München bei der Klickzahl eine Rolle. Für mich zeigten Insolvenz und Folgen bei 1860 noch einmal, welch besonderes Geschehen der Zusammenhalt im Sommer 2013 rund um den MSV in Duisburg gewesen ist. Denn Fans, die für ihren Verein einstehen, sind das eine. Das reicht aber nicht, um einen bedrohten Verein zu retten. Ohne all diejenigen, die mit dem MSV finanziell verbunden waren und sich ebenfalls für den Verein und Duisburg verantwortlich fühlten, wäre dieser Zusammenhalt ins Leere gelaufen.

Auf Platz 1 befindet sich ein Text, der uns hilft, den Zufall als Erfolgsprinzip im Leben zu akzeptieren. Nicht wegen seines Inhalts, wegen des besonderen Grunds für die Klickzahl. Die meisten Klicks des Jahres galten: Das ist mal eine Anekdote über die Bielefelder Alm. Den Text habe ich schon 2010 geschrieben. Populär wurde dieser Text sieben Jahre später, als im Forum der Frauenzeitschrift Brigitte die Frage aller Bielefeld-Fragen aufkam, warum die Alm wohl Alm heißt. So kam der Text zu später Popularität. 2010 hatte auch ich mal nachgesehen und mich über die  langweilige, recht beliebig wirkende Alm-Geschichte auf der Arminia-Seite amüsiert und gedacht, so eine Anekdote als Erklärung anzuführen, das kann ich unterhaltsamer. Gedacht, geschrieben und nun ist eine zweite Erklärung in der Welt, die manche Brigitte-Leserinnen und -Leser nun vielleicht für genauso wahr halten können wie jede andere Anekdote. Fake-News sind übrigens etwas ganz anderes.

Und nun der Blick nach vorne. 2018, wir im Zebrastreifenblog, wir sind bereit. Der Stig, Ralf und ich, wir werden auch in diesem Jahr einen Teil unserer Arbeitszeit in diesen Räumen hier verbringen und weiter vom neuen MSV-Gefühl schwärmen. Meine Art über den Fußball zu schreiben hat mich in dieser Saison immer wieder auch zu anderen Textformen geführt, weil ich viel von dem, was in einem Spiel über den Fußball hinausgeht, schon einmal gedacht und in Worte gebracht hatte. Die Spieltagslyrik als andere Form meines Schreibens machte mir große Freude, und manchmal stelle ich mir einen Mäzen vor, der es mir ermöglichte, eine Saison lang nach jedem Spiel ein Spieltagsgedicht zu verfassen; ein Spieltagsgedicht, das nicht schnell geschrieben werden muss, bei dem ich mir Zeit lassen kann, um formal und sprachlich noch anspruchsvoller zu sein, um jene Kunst zu schaffen, die so leicht daher kommt, dass sie den besten spielerischen Momenten des MSV entspricht. Mal sehen, wir auf den Rängen dürfen auch manchmal träumen.

Also, 2018, wir gehen ins Stadion, wir sehen uns, wir lesen uns. Klingt verdammt gut, 2018, so kann es weitergehen.


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