Posts Tagged 'Borussia Dortmund'

Die ganze Region? Aber, Herr Weinzierl!

Wenn ein Bayer der Süddeutschen Zeitung in einem Interview über seinen Eindruck spricht, welche Bedeutung der FC Schalke 04 hat, dann weiß man als Ruhrstädter sofort, der Mann ist noch nicht lange im Ruhrgebiet zu Hause. Schalke-Trainer Markus Weinzierl weiß noch nicht viel über das Ruhrgebiet, wenn er die drei Wörter „ganze Region“ und „Schalke“ in einem Satz unterbringt. Also, Herr Weinzierl, Sie können ja nichts dafür, aber das sollten Sie Herrn Heidel auf jeden Fall  raten, der FC Schalke 04 braucht für seine neuen Mitarbeiter noch eine Einführung in Heimatkunde. Das Ruhrgebiet – eine Region der Fußballstadttteile, oder so ähnlich.

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Alles Gute für 2017 mit Big Data von 2016!

Alles Gute für das Jahr 2017 wünscht euch die Belegschaft vom Zebrastreifenblog. Zwar hat sich Der Stig in den letzten Monaten hier sehr zurückgehalten, in Arhus ist er gerade ohnehin wieder, dafür rufen Ralf und ich euch im Duett um so lauter die Wünsche zu. Wie immer erhalten Fußballer und die Verantwortlichen im Verein unserer Zuneigung ebenfalls ein großes Wünschepaket. Im letzten Jahr war das leider nicht groß genug, um die Relegationsspiele siegreich zu bestreiten. Deshalb packen wir in diesem Jahr noch vier Kilo Wünsche obendrauf, damit der angestrebte Erfolg in dieser Saison ganz ohne Relegation gelingt. Der große Wünscheverwalter wird das hoffentlich berücksichtigen, wenn es ernst wird.

Mit dem hoffnungsvollen Blick nach vorne verbinden wir hier ja jedes Jahr den Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des Jahres. Früh schon zeichnete sich ab, dass auch 2016 in Dortmund weiter eifrig Kuchen gebacken wird. Jeden Tag finden deshalb die BVB-Fans unter den Kuchenbäckern zum Zebrastreifenblog, um sich bei unserer Reihe rund um die schönsten Fußballtorten der Welt inspirieren zu lassen. Auf Platz 2 der meistaufgerufenen Beiträge im Zebrastreifenblog findet sich wie im Vorjahr „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“, Noch öfter wurde 2016 nur der zweite Teil der BVB-Torten angeklickt. Auf Platz 1 steht „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge XXV – Borussia Dortmund Teil 2″.  Trainer wechseln, Spieler gehen, die BVB-Torten bleiben.

Auf eine gewisse Konstanz bei der Platzierung in der Klickhitliste hoffen Ralf und ich auch bei dem Beitrag, der sich auf Platz 3 befindet. Obwohl dieser Beitrag nicht einmal einen Monat in diesem Jahr online war, interessierten sich so viele Besucher des Zebrastreifenblogs für die Ankündigung unseres Buches über die Rettung des MSV im Sommer 2013 und die anschließende Zeit bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später, dass der Text die Klickhitparade stürmte. Für Jetzt bestellen – Mehr als Fußball. Das Buch über Duisburg im Sommer 2013 und den Wiederaufstieg des MSV hoffen wir auf eine Wiederholung der Platzierung beim nächsten Jahresrückblick.

Wie im letzten Jahr gibt es auf einem der ersten fünf Plätze auch einen Text, in dem es um das Verhalten von Fans geht und wie es von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Platz 4 belegt Chaos vor dem Gästeeingang – Fortuna-Fans berichten. Ich habe seinerzeit zum vermeintlichen Gewaltausbrauch am Gästeeingang beim Heimspiel des MSV gegen Fortuna Düsseldorf eine Mischung aus Presseschau der Fortuna-Blogwelt und Kommentar geschrieben.

Auf Platz 5 befindet sich ein Text zu jenem Spiel gegen den TSV 1860 München im Abstiegskampf der letzten Saison, das jedem der dabei war, immer noch Gänsehaut verursacht. Wenn ein Stadion die Abstiegsangst wegschreit holt noch einmal die unfassbare explosionsartige Ekstase hervor, als kurz vor dem Abpfiff der Siegtreffer gelang.

Und nun der Blick nach vorne. 2017, wir kommen. Auch 2017 werde ich dem Zebrastreifenblog einen Teil meiner Arbeitszeit widmen. Allenfalls werde ich nach dem hoffentlich erfolgten Wiederaufstieg über meine regelmäßigen Spielberichte nachdenken. Ich habe das Gefühl, nach acht Jahren habe ich dann sämtliche möglichen Saisonverläufe für den MSV mit Worten begleitet. Abstieg, vermiedener Abstieg,  Aufstieg, verpasster Aufstieg und das jetzige Favoritendasein. Meine Art über den Fußball zu schreiben braucht Ideen, die über den Fußball hinausgehen und die sind nicht mehr nach jedem Spiel vollkommen neu. Da muss ich was ändern. Wie, weiß ich noch nicht. Was ich weiß, ich werde weiterschreiben, aber anders. Also, 2017, wir gehen ins Stadion, wir sehen uns, wir lesen uns. Klingt verdammt gut, 2017, so kann es weitergehen.

Zu welchem Saisonerfolg führen 1:0-Siege

Vorab, mit diesem Text trage ich zum Marketing für einen Wettanbieter bei, aber gute Arbeit muss auch einmal belohnt werden, und die Mail vom Mitarbeiter des Wettanbieters an den Zebrastreifenblog war definitiv gute Arbeit. Mit dieser Mail hat der Mitarbeiter mich auf einen Text auf der Seite des Wettanbieters aufmerksam gemacht. Der Bezug des Textes zum MSV mitsamt des Marketingeffekts für den Wettanbieter ergab sich aber nur für jemanden, der sowohl das Fußballgeschehen in Deutschland aufmerksam beobachtete, als auch den Zebrastreifenblog auf dem Schirm hatte. Jemand hatte sich Gedanken gemacht. Aber vielleicht ist der verantwortliche Mitarbeiter auch MSV-Fan, wer weiß?

Sollte mir jemand Illusionen rauben wollen und auf eine Massenversendung über die Mailingliste Fußballblogs des Wettanbieters verweisen, mache ich mir heute Morgen trotzdem die Welt so, wie sie mir gefällt. Denn das muss ich mit Blick auf das Erreichen des Saisonziels vom MSV ohnehin machen, wenn ich die Statistik des Wettanbieters als Prognoseinstrument benutze. Mit Hilfe des Wettanbieters erfahren wir nämlich eine unangenehme Wahrheit über 1:0-Siege in der Bundesliga während der letzten zehn Jahre. Nur einmal ist die Mannschaft mit den meisten 1:0-Siegen in einer Saison auch Meister der Saison geworden. Das war Borussia Dortmund in der Saison 2008/2009. Gut, einmal ist die betreffende Mannschaft mit den meisten 1:0-Siegen der Saison Zweiter geworden. Das würde dem MSV für den direkten Aufstieg ja auch noch reichen. Aber ansonsten, Pustekuchen. In Deutschland führen 1:0-Siege in der Summe nicht zum ganz großen Erfolg.

Wenn ich an die 1:0-Siege des MSV in dieser Saison denke, macht mir allerdings der Gedanke Hoffnung, dass die Wettbewerbsbedingungen in Liga 3 ganz andere sind als in der Bundesliga. Von dieser Liga wird ja immer wieder gerne gesagt, jeder könne jeden schlagen. Dann sind 1:0-Siege vermutlich wahrscheinlicher als in einer Liga, in der die Leistungsunterschiede groß sind und die Mannschaften der oberen Tabellenregion mit der Ausnahme des einen Überraschungsteams schon vor der Saison feststehen. Also, im Grunde spricht die Statistik für den MSV, man muss sie nur richtig zu deuten wissen.

Beim Wettanbieter findet sich die Statistik für alle großen europäischen Ligen. Auch da gibt es Unterschiede bei den Erfolgsaussichten der Minimalisten. Wer sich das ansehen will, weiter mit einem Klick.

Ablenkung beim Warten aufs Endspiel – Wolfgang aka Walter Hellmich

2015-05-13_1Mit dem morgigen Spiel des MSV gegen RB Leipzig ist es wie mit dem Unheimlichen. Es fasziniert und bereitet Sorgen zugleich. Wir müssen hinschauen und fürchten zugleich die Folgen. Eigentlich hatte ich mich zu Beginn der Woche mit dem Sonntag überhaupt nicht beschäftigen wollen, ehe es nicht Sonntag ist. Nun schleiche ich täglich drum herum. Ich hübsche meinen FB-Account mit Traditionstrikot hier auf, drapiere dort den Fanschal von der einen Seite der Garderobe an die andere und suche verzweifelt mein allererstes MSV-Trikot, das ich zur Kommunion als Teil einer Fußballgrundausstattung bekommen habe. Dieses Trikot im 60er-fashion-style kann ich im Gegensatz zu meinem zweiten Trikot nicht mehr anziehen.

Das Hummel-Trikot aber wird wesentlicher Bestandteil meines 70er-Jahre-Looks am morgigen Sonntag sein. Irgendwo habe ich auch noch eine weiße Schlagjeans. Es wird nur an den Clogs mangeln, ein kleiner Makel an der Aura erfolgreicher Zeiten, die wir alle auf den Rängen verbreiten werden müssen. Auf dass mein Friseur bis Ende Mai weiter auf meinen Anruf für einen Termin warten muss.

Um diese Stunden bis zum Anpfiff etwas erträglicher zu machen, habe ich noch was. Christoph Biermann hat mit „Wenn wir vom Fußball träumen“ ein lesenwertes Buch geschrieben, in dem er die Entwicklung des Fußballs in den letzten Jahren mit der Betrachtung des gegenwärtigen Ruhrgebiets kurzschließt. Er erzählt vom Fußball als bedeutsamen Sinnstifter der Region, erinnert sich an sein Aufwachsen mit dem Fußball von Westfalia Herne und dem VfL Bochum und deutet die regionale Entwicklung dieses Fußballs mit der Mentalität der Region. Er schreibt über das, was mich auch umtreibt und kommt zu Schlüssen, die ähnlich auch in diesen Räumen schon zu lesen waren. So wird es euch nicht überraschen, dass ich dieses Buch eben als sehr lesenwert empfehle. Es ist im besten Sinne zudem Heimatliteratur. Es regt zum Nachdenken über das Ruhrgebiet an, über die Hindernisse in dieser Region und Selbstbeschränkungen, die sich in der Ruhrstadt ergeben.

Nicht zuletzt schenkt er uns in Duisburg einen Moment des Schmunzelns. Natürlich schreibt er auch über den MSV Duisburg, und wenn er über die jüngste Geschichte des Vereins schreibt, fehlt in dem Kapitel Walter Hellmich als Protagonist des Geschehens nicht. Später aber greift er den MSV in einer Reihe von Vereinen noch einmal als Beispiel für Pott-Mentalität auf, und dabei beginnen die Bilder in meinem Kopf doch einen schönen Tanz. So wie wir Walter Hellmich in der Öffentlichkeit haben kennengelernt, legt er doch großen Wert auf die äußeren Zeichen seines erfolgreichen Unternehmertums. Ein Ailton etwa kam zum MSV wegen der besonderen Geschichte, die auch auf Walter Hellmich abstrahlte. Es gibt viele dieser Beispiele auch außerhalb des Fußball.

So ein Mann ist empfindlich, so vermute ich, er ist empfindlich, wenn es um diese äußeren Zeichen dieser Gesellschaft geht, die seine erreichte Position zum Ausdruck bringen. Wie empfindlich muss er erst sein, wenn es um seinen Namen geht. Vergänglich ist aller Ruhm, Schall und Rauch sogar die Namen, bald vergessen. Auf Seite 187 beginnt das Vergessen schon mit einem falschen Vornamen. Ob es Höchsstrafe für einen Patriarchen wie Walter Hellmich ist, weiß ich nicht genau, aber einen Stich wird es ihm vermutlich versetzen. So er denn davon erfährt.

 

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Alles Gute für 2016 mit Big Data von 2015!

Der Zebrastreifenblog mit seiner ganzen Belegschaft wünscht euch alles Gute für das Jahr 2016! Stig ist wie jedes in Aarhus und feiert Silvester mit alten Freunden. Ralf als spiritus rector im Hintergrund braselt weiter mit dem MSV-Buch rum. Auch zwischen den Jahren führt er  seine Interviews und ist in den Tagen selbst zum Ruhrgebietsfußball gefragt. So bleibt das Schreiben wieder an mir hängen.

Wie im letzten Jahr sind unsere Wünsche nicht uneigennützig. Wie im letzten Jahr hoffen wir mit euch allen auf durchschlagende Wunschwirkung auch bei der Mannschaft und den Verantwortlichen vom MSV Duisburg. Ein Paket also auch dorthin geschickt. Allerdings wird es in diesem Jahr schwieriger für den großen Wunschverwalter etwas zu bewirken. Aber man wächst ja an seinen Aufgaben. Gelobt sei die Zuversicht. Gelobt seien die Geschichten mit gutem Ausgang. Gelobt sei der große Wunschverwalter – aber nur wenn er es wieder so hinbiegt, dass auch im Rückblick des nächsten Jahres ein Text rund um eine Erfolgserzählung vom MSV Duisburg einer der fünf meistgeklickten Texte des Jahres ist.

Das war meine große Hoffnung vor einem Jahr, die sich erfüllt hat. Deshalb beginne ich auch mit Platz 4 der meistgeklickten Texte des letzten Jahres, der eine kleine Überraschung für mich ist. Diese Platzierung ist aber gleichzeitig sehr symbolhaft für die Aufstiegssaison. „Was einem 4:1-Sieg nicht alles folgt“ ist der Spielbericht über den Auswärtssieg gegen BVB II, jener Sieg, der in einer besonderen Diss-Erfahrung für mich am Köln-Mülheimer Bahnhof endete. Es war jener Sieg, bei dem zum ersten Mal der Siegeswille der Mannschaft als Aufstiegswille deutlich spürbar war. Es gab noch Rückschläge, doch in Dortmund war eine Mannschaft erkennbar geworden, die kompromissloser war, die Siege erzwingen wollte.

Auf Platz 3  steht Wie man aus aufgeblasenen Skandal-Bannern die Luft rauslässt“. Mit dem Text kommentierte ich die zum wohlfeilen Skandal aufgeblasene Berichterstattung über das Banner im Spiel gegen den FC Schalke 04, mit dem auf die Demenz-Erkrankung von Rudi Assauer angespielt wurde. Noch immer halte ich meine Kritik an der Berichterstattung aufrecht. Noch immer glaube ich, dass solche vom Boulevard inspirierten Geschichte die Seriösität des jeweiligen Mediums untergräbt.

Und nun zum Dauerbrenner dieses Blogs, die Fußballtorten. Die Älteren unter uns werden sich vielleicht an die Schlagerralley bei WDR 2 erinnern. In dieser Radiosendung habe ich zum ersten Mal das Dauerabonnement auf einen ersten Platz erlebt. Zumindest erinnere ich das so. In dieser Hörerhitparade besetzte Bohemian Rapsody von Queen über ein Jahr lang den ersten Platz. Den Jüngeren ist das Phänomen vielleicht von den O-Ton-Charts bei 1live bekannt, wo der Steinflüsterer seit fast zwei Jahren nicht aus den Top 5 verdrängt wird. Als Give-away bekommt ihr hier den Originalauschnitt der TV-Sendung.

Bohemian Rhapsody und Steinflüsterer dieses Blogs sind auf Platz 1 der meistgelesenen Texte im Zebrastreifenblog wie im Vorjahr „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“, knapp gefolgt auf Platz 2 von „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge XXV – Borussia Dortmund Teil 2″. Jeden Tag kommen per Google und anderen Suchmaschinen die Tortenbäcker zu mir. Überall in der Welt müssen ununterbrochen Borussia-Kuchen gebacken werden. Unabhängig vom sportlichen Erfolg der Mannschaft wird Süßkram gegessen, was das Zeug hält. Warum das in Braunschweig in diesem Jahr ebenfalls so gewesen ist, ist mir ein Rätsel. Den 5. Platz nimmt jedenfalls „Die schönsten Fußballtorten der Welt – XI: Eintracht Braunschweig – Anlässlich des Aufstiegs“ ein. Erneut wird an dieser Platzierung klar, warum jemand auf den Long Tail als Theorie der Internet-Ökonomie gekommen ist.

Auch 2016 werde ich mich nicht auf Backwerke spezialisieren. Auch 2016 werden meine Themen breit gefächert sein. Auch 2016 gucke ich über den Tellerrand des Fußballs und des MSV Duisburg hinaus. Aber wenn ich an die Top 5 des Jahres denke, sollte wieder ein Text über den Fußball des MSV dabei sein. Dann wäre alles gut geworden. Wir werden sehen. Guten Rutsch!

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 19: Erwin Weiss – Ährwin

In einer zu erzählenden Geschichte des Heimatlieds – Sektion Ruhrgebiet, erhielte Erwin Weiss, unter uns Heimatliedkennern auch „Ährwin“ genannt, ein großes Kapitel. Zum einem war er wahrscheinlich der erste Sänger, mit dem von einer Plattenfirma das Marktsegment Ruhrpott-Schlager besetzt wurde, zum anderen ließe sich genau deshalb mit ihm auch die Entwicklung deutscher Popmusik näher beleuchten. Begann seine regionale Karriere doch in den 1970er Jahren, als deutscher Schlager für fast alle junge Menschen eine Musik zum Weglaufen war. Das Heimatlied – Sektion Ruhrstadt war damals etwas für die Älteren.

In den Schlagern von Erwin Weiß finden sich manchmal auch Spuren Volksmusik, und die Texte zeigten eine rosige, weichgezeichnete Kumpel-Welt des Ruhrgebiets, das Heimatglück des genügsamen, einfachen Pott-Typen. In der Wirklichkeit lagen die großen Demonstrationen gegen die Zechenschließungen gerade ein paar Jahre zurück. Nun machten die Zechen ohne lauten begleitenden Protest ihre Tore zu. Erst die Schließung der Stahlwerke brachte die Menschen wieder auf die Straßen.

Im Grunde sind alle Schlager von Erwin Weiß Heimatlieder der Sektion Ruhrstadt. Eine Auswahl kann es hier nur sein. Dat muss doch auch ma‘ sein  ist der 1970er-Jahre-Schlager in der Pott-Variante und besingt eher eine Art Lebensmotto für den Pott-Menschen

Das Ruhrgebiet selbst wird in anderen Liedern als idealer Lebensort besungen.

Bei uns anne Ruhr

Ich bau mich mein Häusken nur anne Ruhr

Zudem wird Erwin Weiß  heute meist auch mit dem Liedgut vom FC Schalke 04 in Verbindung gebracht. Anscheinend war er dort zur rechten Zeit am richtigen Ort, so dass dieser Teil seiner Schlagerkarriere mehr in Erinnerung blieb als seine BVB-Vergangenheit zu Beginn seiner Karriere.  „Wir halten fest und treu zusammen“ hat in den 1970er Jahren so dicke Wurzeln in noch weiter zurückliegenden Zeiten, dass die Gegenwartspflanze BVB-Vereinslied diesen Wurzeln gegenüber kaum auffällt. Zumindest habe ich ständig Schwarz-Weiß-Bilder im Kopf, wenn ich das höre.

Ein paar Jahre später ist moderner Schlager-Lack übers Fußballied drübergepinselt worden. Die Vereinsfarben sind nun blau-weiß, und anscheinend ist Erwin Weiß beim FC Schalke 04 erfolgreicher gewesen als bei den Schwarz-Gelben. Es blieb nicht nur bei einem Lied.

Schalke, Schalke

Schalke 04, Liebe in Revier

Ist dieser Wechsel der Vereinsliebe eigentlich in Schalker und BVB-Fankreisen irgendwann mal Thema gewesen, diese doppelte emotionale Bindung des Erwin Weiß? Hat er sich dazu mal geäußert? Wäre interessant zu wissen.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Der BVB – Stark wie die potemkinsche Mauer oder der Zwergen-Treueschwur-Zaun?

Samstag spielt der MSV Duisburg in Dortmund gegen die zweite Mannschaft vom BVB. Einmal mehr zählt nur der Sieg. Deshalb will ich über das Spiel selbst gar nicht so viele Worte verlieren. Ich möchte nach Dortmund fahren und eine Mannschaft des MSV sehen, die ihre Spielweise weder vom zerfurchten Rasen des Stadions noch von der gegnerischen Mannschaft irritieren lässt und dabei ein Tor mehr als der Gegner erzielt.

bvb_treueschwur_potemkin_1Dann könnte ich auch endlich meinen schon länger in der BVB-Schublade wie neu herumliegenden Vergleich nutzen. Irgendwas wie: Der BVB zeigte sich gerade mal so groß wie der hauseigene Treueschwur-Zaun. Ist der euch schon aufgefallen vor dem August-Lenz-Haus? Zwischen Stadion Rote Erde und dem Westfalenstadion, das unter uns Freunden diversifizierter Fußballunternehmensfinanzierung bekanntermaßen ja auch Dingensversicherungs-Park heißt.

Als ich diesen Zaun gesehen habe, musste ich grinsen. Der Fanshop befand sich damals noch in dem Haus, und ich dachte so vor mich hin, ein schöneres Motiv für ein Symbolfoto zur Kommerzialisierung dieses Fußballs habe ich noch nie gesehen. Zugespitzt zeigt sich hier nicht nur die Komplizenschaft zwischen Fans und Fußballvereinen, sondern der gesamte Wohlfühl-Service-Gedanke, der den Besuch eines Fußballspiels ja zum „Erlebnis“ machen will. Fußball als Ware der Unterhaltungsindustrie, als Konsumgut ist an diesem Ort in Dortmund auf den Punkt gebracht.

Die Liebe ist im Fußball seit einiger Zeit allgegenwärtig. In Dortmund heißt das:  „Echte Liebe“. Kollege Werber sagt dazu, ein „catchy brand slogan“ und begeistert sich anschließend an der Markenstärke des BVB. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, wir Anhänger und die Fußballunternehmen haben uns gegenseitig darin befeuert, eine der wichtigsten Sinngebungsideen der Gegenwart, die romantische Liebe, auf den Fußball auszuweiten. Für das Geschäft ist das eine unfassbare Entwicklung. Denn die flüchtige Liebe braucht unentwegt Beweise ihrer Existenz.

bvb_treueschwur_potemkin_2 So findet der Fußball eben den Anschluss an jede Mode der zwischenmenschlichen Liebe. Schlösser an Brückengeländer hängen, braucht ohne vorhandene Brücke höchstens kreative Lösungsansätze. Warum nicht einen völlig unnützen Drahtzaun in die Gegend stellen? So wirkt es zunächst. Das Symbol deiner „Echten Liebe“ kaufst du im Fanshop, um es an der dir vorgeschriebenen Stellwand sofort anzuschließen. Bequemer geht’s nicht. Wenn überhaupt, wäre der eigentliche Ort für dieses Schloss der Stadionzaun. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Schloss länger als einen Tag am Zaun vom Dingensversicherungs-Park hinge.

 

bvb_treueschwur_potemkin_3Die Fotos sind knapp ein Jahr alt. Ich weiß nicht, wie das BVB-Unternehmen die Geschäftsidee weiter entwickelt hat. Samstag werde ich mir das ansehen. Ich bin übrigens  auch so ein Anhänger, der das alles mit am Laufen hält. Ich kaufe nur beim Konkurrenzunternehmen MSV Duisburg. Und das wollte ich auch noch sagen: Manchmal ist die Geschichte besser als die Wirklichkeit. Ich bin ziemlich sicher, dass der Zaun nicht erst für die Schlösser dorthin gestellt wurde. Der Zaun schützt eine potemkinsche Mauer in gelb. In Stein steht dort nämlich nichts, das ist Kunststoff, der ohne Gitterzaun wahrscheinlich bald beschädigt wäre. Weiterer Stoff für schöne Vergleiche. Alles nur Fassade, BVB. Ich red gerade wieder vom Spiel am Samstag.


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