Posts Tagged 'Borussia Mönchengladbach'

In fußballlosen Zeiten Interviews lesen – Der Zufall auf dem Rasen

Ohne aktuelle Sportereignisse bleibt viel Platz auf den Sportseiten einer Tageszeitung. Wenn dieser Platz mit solchen Interviews gefüllt wird, wie es Javier Cáceres mit Winfried Schäfer für die Süddeutsche Zeitung geführt hat, können Bundesliga und Zweite Liga gerne noch ein paar Wochen Pause machen. Online ist es nur für Abonnenten lesbar.

Anlass des Interviews ist die erste Deutsche Meisterschaft von Borussia Mönchengladbach vor 50 Jahren. Winfried Schäfer erzählt vom Binnenverhältnis in der Mannschaft jener Zeit. Man kann sich mit ihm gut an Hennes Weisweiler erinnnern, und erfährt einiges über die Kaderbildung in Mönchengladbach Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre.

Außerdem bekennt er in dem Interview, dass er den durchgeplanten Fußball eines Pep Guardiola nicht mag. Er begründet seine Meinung mit einer schönen Anekdote über den immer vorhandenen Zufall im Fußball, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

 

Jubiläumswochen – Eine Erkenntnis zur Verwandtschaft von MSV- und FC-Hyme vom 26. 2. 2009

Zehn Jahre gibt es den Zebrastreifenblog, ein Anlass, um in den Jubiläumswochen bis zum Saisonstart zurückzublicken. In einem frühen Text des Zebrastreifenblogs habe ich versucht, ein wenig Licht in das Entstehen der MSV-Hymne zu bringen. Ein Zufall hatte zu diesem Text geführt. In dem Fall war es eine Top- und Flopliste vom Kölner Stadt-Anzeiger, die die Karnevalssession 2008/2009 zusammenfassen sollte. Ein Flop beschäftigte sich mit der Frage, wer darf wo seine Aufwartung machen, genauer, wo dürfen die Höhner mit welchen Vereinsinsignien auftreten? Ist das nicht interessant, wo überall so etwas wie Loyalität und Identität als Konfliktgrund auftauchen? Da Köln nicht Deutschland, Mönchengladbach nicht die Türkei und eine Mönchengladbacher Karnevalsgesellschaft kein autokratischer Staatspräsident ist, mussten die Höhner nicht beim damaligen Bundespräsidenten von Köln, Oberbürgermeister Fritz Schramma, ihren Karnevalsauftritt in Mönchengladbach erklären. Ich aber hatte einen Anlass, um über die MSV-Hymne zu schreiben.

Was verbindet MSV Duisburg, 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach?

Die eine Antwort auf die oben gestellte Frage wird euch sofort einfallen, und ihr werdet genauso schnell vermuten, dass es mir wahrscheinlich darum hier nicht geht. Regelmäßiger Auf- und Abstieg in den letzten Jahren soll nicht das Thema sein. Es geht im weitesten Sinn um Musik und im engeren Sinn um die Aktivitäten einer populären Kölner Karnevalsband in Sachen Fußball.

Dazu muss ich nun etwas ausholen. Gestern wurde vom Kölner Stadt-Anzeiger ein Resumée der zurück liegenden Karnevalsaison gezogen. Das geschah nun nicht in einem rückblickenden Artikel, sondern ganz im Zeichen einer journalistischen Mode der jüngsten Vergangenheit als Ranking von „Hits und Flops der Session“. Was ich als Platz 5 bei den Minuspunkten las, empfand ich aber als etwas kleingeistig. Man schimpfte nämlich darüber, dass die „eingefleischten FC-Fans“, De Höhner, auf der Karnevalssitzung von Borussia Mönchengladbach mit einem Fanschal der Borussia um den Hals aufgetreten sind. Die moralische Keule wurde herausgeholt und den anscheindend heftig diskutierenden FC-Fans nach dem Mund geredet. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ hieß es da abschätzig und vergessen wurde, dass die Musiker der Karnevalsband in erster Linie als Unterhaltungskünstler einen Beruf ausüben und nicht beim 1.FC Köln angestellt sind. Das ist purer Populismus, wenn dieser Auftritt in eine Reihe mit  Karneval-Hooligans und „Kids“, die „saufen“, gestellt wird. Ich kann das nicht ernst nehmen, hatte aber ein Thema für den Blog.

Ich fragte mich nämlich, was nur werden solche Fans sagen, wenn sie etwas ganz anderes über De Höhner erfahren, etwas, was sich bislang, nun fast schon fünf Jahre, anscheinend unterhalb des Empörungsradars befunden hat. Und vielleicht gibt es MSV-Fans, die demnächst genauso heftig schimpfen, wenn ich an dieser Stelle wieder zur Musik komme, genauer gesagt zur MSV-Hymne. Als diese Hymne 2004 zum ersten Mal gespielt wurde, traute ich meinen Ohren nicht. Ich war kurze Zeit zuvor bei einem Heimspiel des 1. FC Kölns gewesen und erinnerte mich noch gut an das beeindruckende Spektaktel kurz vor dem Spiel mit dem Zusammenschnitt des kölschen Liedguts. Nun hörte ich in Duisburg etwas, was mir vom Sound her durch meine Kölner Stadionbesuche sehr bekannt vorkam.

Gab es da etwa ein Verbindung nach Köln? Woher kam diese Hymne nach Duisburg zum MSV?  Kurze Zeit später erhielt ich die CD mit der Hymne geschenkt und wusste sofort des Rätsels Lösung. Wer in Köln lebt, kennt unweigerlich nach einiger Zeit die Namen Henning Krautmacher und Janus Fröhlich und weiß sie als Mitglieder von den Höhnern einzuordnen. Unter dem zweiten Stück auf der CD nun fand ich beide Namen. Für Komponist und Texter der MSV-Hymne habe ich erst heute dann noch ein wenig gegoogelt. Der neben C. Ledwig für Text und Musik verantwortliche H. Schöner erweist sich als Hannes Schöner und ist Bassist bei den Höhnern.

Jetzt wisst ihr, was den MSV Duisburg, den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach verbindet. Und tatsächlich stimmt es wortwörtlich, wes Brot ich ess, des Lied ich sing. De Höhner sind Musiker und verdienen ihren Lebensunterhalt mit Musik. Damals, als ich die Hymne das erste Mal hörte, hatte das ein G´schmäckle für mich, aber heute ist dieser Kölner Hintergrund der MSV-Hymne für mich verschwunden.  Sie klingt durch das ausdauernde Abspielen vor jedem Spiel so, als sei diese Art Musik immer schon nur in Duisburg gespielt worden.

Wie es genau dazu gekommen ist, dass De Höhner die MSV-Hymne eingespielt haben, kann ich natürlich einmal mehr nur vermuten. Ich weiß nur, dass in jenem Jahr 2004 im Innenhafen die „Höhner Rockin´ Roncalli Show“ gastierte. Für Duisburg war das ein kulturelles Ereignis, das sich bestimmt auch die lokale Prominenz samt Walter Hellmich angesehen hat. Damals wurde der MSV Duisburg ja rundum erneuert. Und wenn man schon mal beim After-Show-Event mit jemanden zusammensteht, der schon einmal sein Fußballhymnen-Können bewiesen hat, warum nicht auf dieses Know-How für die aufgefrischte corporate identity zurückgreifen? So stelle ich mir vor, ist es dazu gekommen, dass es nun zwei Vereinshymnen gibt, für die sich De Höhner-Musiker verantwortlich zeichnen. Dass De Höhner bei der Hymne für den MSV diskreter sein mussten und nicht als ausführende Band auf die CD wollten, kann ich angesichts des G´schmäckles natürlich verstehen. Jetzt aber, wo diese Hymne vom Publikum längst angenommen ist, sollte die Wahrheit auf den Tisch. Da könnten dann auch neue Zeiten anbrechen. Was wäre etwa mit einer Fan-Freundschaft zwischen dem FC und dem MSV, die mit einem Höhner-Medley besiegelt wird. Ich, als Vermittler zwischen beiden Kulturen, hätte da nichts gegen.

In den Kommentaren damals wurde darauf hingewiesen, dass Höhner-Mitglied Henning Krautmacher sogar schon für den FC-Rivalen aus Leverkusen als Hymnenproduzent aktiv war. Wir stehen also quasi vor einem Stadionhymnen-Imperium.

Hymnen auf Belek

Winterpausenlob

O Belek, in deutschkalten Wintern, du heilender Ort.
Wer deine so heiligen Rasen voll Glauben betritt,
dem fegst du die Hinrundenschuld und -fehler hinfort.

So viele gewannen durch dich ihren Glauben zurück.
Die Blinden erzielten die Tore  aus weiter Entfernung,
Die Lahmen erliefen sich Bälle und weinten vor Glück.

O Belek, wir werden dich immerzu  loben und preisen.
Du hilfst bei der Angst vor dem Abstieg und Meisterschaftssorgen.
O Belek, den Zweifelnden werden Siege im Spiel es beweisen.

 

Winterpausenlob (2015 dub remix)

O Belek, zuerst bei dir der SV Werder Bremen vom 6. bis 14. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, bei dir der VfL Borussia Mönchengladbach vom 8. bis 15. Januar.
O Belek, der DSC Arminia Bielefeld bei dir vom 9. bis 17. Januar.

Neuer Mann kommt gut. Neu ist gut, neu ist gut!

O Belek, der FC Augsburg bei dir vom 11. bis 19. Januar
O Belek, Hannover 96 bei dir vom 11. bis 20. Januar

Abstiegsangst. Abstiegsangst. Abstiegsangst.

O Belek, der 1. FC Kaiserslautern bei dir vom 12. bis 22. Januar.
O Belek, der FC St. Pauli bei dir vom 12. bis 22. Januar.

Der Geist im Team, der Trainingsspotter Muezzin.

O Belek, der SC Paderborn bei dir vom 13. bis 22. Januar.
O Belek, der BSC Freiberg bei dir vom 16. bis 23. Januar.

Über. Stark. Siege. Mut. Über. Stark.

O Belek, die SpVgg Greuther Fürth bei dir  vom 16. bis 24. Januar.
O Belek, Hertha BSC in Belek vom 18. bis 24. Januar.

Sonne, Tore  und  Erfolg.

O Belek, der 1. FC Nürnberg bei dir vom 19. bis 26. Januar.
O Belek, und auch die Offenbacher Kickers kommen vom 2. bis 9. Februar.

Alle kommen. Alle kommen. Alle hoffen. Alle hoffen.

Fundstück: Der Gesellschaftskritiker Hans Meyer

Wenn Hans Meyer, dem früheren Fußballtrainer und jetzigen Vorstandsmitglied von Borussia Mönchengladbach, Fragen gestellt werden, genügen ihm oft keine einfachen Antworten. Einmal mehr ist das zu sehen in der ZEIT dieser Woche bei einem lesenwerten Interview, das Christof Siemes mit Hans Meyer geführt hat. Online steht es noch nicht. In dem Interview beschreibt sich Hans Meyer als Realisten. Gleichzeitig „beneidet“ er Menschen, die aus großen Träumen von der Zukunft ihre Kraft gewinnen.  Was seinen Blick für die sozialen Verhältnisse, in dem solches Träumen geschieht, aber nicht behindert.

ZEIT: Aber tragen Träume einen nicht weiter, als man es ohne je schaffen würde?

Meyer: Genau das bezweifel ich. Das wollen die Journalisten den Spielern und Verantwortlichen einreden. Man muss es nur wollen., dann klappt es. Das ist ein großer Trugschluss der ganzen Gesellschaft. Damit tut man Millionen Menschen unrecht. Weil es suggeriert, dass jeder selbst schuld ist, wenn es ihm beschissen geht. Weil er nicht genug wollte. Aber neben den zehn Prozent Faulpelzen gibt es Millionen, die objektiv keine Chance haben.

 

 

Europaweite Ausbildungsmängel beim Kopfstoß-Opfer-Sein

Was beim Theaterschauspieler, wie etwa das richtige Fallen, zur regulären Ausbildung gehört, muss sich ein Fußballspieler in eigenständiger Weiterbildung selbst aneignen. Ohne professionelle Unterstützung ist das nicht einfach. Verbände und Fußballvereine beschränken sich meist, zumindest nach außen hin, auf die Vermittlung rein fußballerischer Fähigkeiten.  So überrascht es nicht, wenn wir etwa im Bereich des Kopfstoß-Opfer-Seins große Defizite bei der Aufführung feststellen können.

Deshalb bekommen wir solch gänzlich misslungene Vorstellungen zu sehen wie die Mutter aller Kopfstoßschauspiele im Dezember 2005 während des Bundesligaspiels vom MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln.  Norbert Meier bekam nach dieser misslungenen Premiere gerade noch die Kurve und schwor dem Kopfstoßschauspiel ab. Albert Streit erholte sich dagegen von der desaströsen Aufführung nicht mehr. Bei sämtlichen weiteren Engagements auf den Fußballbühnen Deutschlands färbte das Misslingen auf seine fußballerischen Qualitäten ab, so dass er vor kurzer Zeit nur noch bei einer kleinen Privatbühne in Köln Unterschlupf suchte.

Wenige Jahre später kam es im DFB-Pokal bei der Begegnung zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach zu einer Einlage, in der Igor de Camargo seine neu erworbenen Kopfstoß-Opfer-Sein-Kenntnisse dem Publikum zeigen wollte. Mit seiner Darbietung erreicht er schon ein höheres Niveau, auch wenn erneut eine Jury notwendig war, die ein Auge zudrückte, um ihm zum erhofften Erfolg zu verhelfen. Sein Partner bei der Aufführung war damals Roman Hubnik, der bis dahin nur die erste Unterrichtseinheit im Kopfstoß-Opfer-Sein mitgemacht hatte, sich aber zur Mitwirkung dennoch sofort bereit erklärte. Er wollte seinen ambitionierten Kollegen gerne unterstützen.

Der Blick über die Grenze zeigt, auch im europäischen Ausland mangelt es an einer vernünftigen Ausbildung. Vielleicht sollte uns Polen dennoch ein Vorbild sein, urteilt dort die Schiedsrichter-Jury nicht so nachsichtig wie in Deutschland und fordert damit mehr Anstrengung bei der Ausbildung heraus.

Auch Alexander Baumjohann und Goran Sukalo müssen noch viel an ihrer Darbietung arbeiten, die sie letzten Sonntag im Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern zur Aufführung brachten – bei Sky mit einem Klick weiter ab Minute 1’15“. Sie hatten es alleine einer erneut nachsichtigen Schiedsrichter-Jury zu verdanken, dass ihre dilletantische Aufführung nicht in Dieter-Bohlen-Manier in Grund und Boden gestampft worden ist. Ich hoffe, beiden Spielern stehen ehrliche Berater zur Seite, die ihnen den großen Abstand zu einer hervorragenden Leistung deutlich machen. Beide Spieler wirken in ihren Stellungnahmen nach dem Spiel nämlich merkwürdig wirklichkeitsfremd. Goran Sukalo schien gar nicht mehr zu wissen, dass auch er das Kopfstoß-Opfer-Sein in Norbert-Meier-Manier zur Aufführung brachte. Während Alexander Baumjohann trotz des Misslingens weiterhin von der Wirklichkeit eines Kopfstoßes faselte. Das Publikum beider Seiten ist da ehrlicher. Sowohl in Kaiserslautern als auch in Duisburg wissen alle, wie erbärmlich diese Aufführung gewesen ist.

Ohne Sinn für die Realität bleiben wir aber im  Kopfstoß-Opfer-Sein ein Entwicklungsland, geschweige denn dass wir die hohe Schule der Fußballschauspielerei in Deutschland einmal zu sehen bekommen. In Südamerika kann schon mehr gewagt werden, wenn auch das Ergebnis noch nicht vollends befriedigen kann. Zur Aufführung kommt hier sogar: Der Gegner schlägt mir beim Zweikampf ins Gesicht.

Die schönsten Fußballtorten der Welt IV – Borussia Mönchengladbach

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

                                                                                                                              Nachdem Borussia Mönchengladbach gestern das Hinspiel der Qualifikation zur Champions League gegen Dinamo Kiew mit 1:3 verloren hat, können Verein und Fans wahrscheinlich Trost gebrauchen. Nebenbei: Heißt die Qualifikation eigentlich jetzt offiziell Play-Off-Spiele? Mal wieder was verpasst? Oder klingt´s den Journalisten nur schöner im Ohr. Ich such da jetzt nicht hinterher. Ihr sagt´s mir, wenn ich was  wissen muss.  Trost bietet nach so einem Spiel, bei dem aus der Quantität, nämlich der Tore, nicht ganz auf die Qualität, nämlich der Spielanlage, rückgeschlossen werden kann, etwas  bei dem es genau umgekehrt ist. Der äußere Eindruck  zählt hier mehr als die Größe des Kuchens.

Zudem erweist sich der kurze Clip von jenem Borussia Mönchengladbach gewidmeten Backwerk als ein medienkritisches Stück der Laienvideokunst. Für den aufmerksamen Betrachter offenbart sich zu Beginn der Aufnahme, dass der gezeigte Kuchen vom Bildschirm eines Computers abgefilmt wurde. Wir verirren uns deshalb beim weiteren Betrachten in den Wirklichkeitssphären. Das Bild einer der unzweifelhaft schönsten Fußballtorten der Welt ist nur das Bild eines Bildes, wenn auch deshalb ein einzigartiges, weil es von dem „1. Frauen-Fussball-Fanclub Borussia Mönchengladbach“ ins Netz gestellt wurde. Und nun verwirrt euch 40 Sekunden lang mal mit dem Versuch im Kopf zu behalten, wieviel Bildebenen ihr gerade seht.

Programmhinweis: Tom meets Zizou – kein Sommermärchen, WDR 22.30 Uhr

Es war die Sommerpause nach der  Saison 2005/2006. Ein Abstieg war wieder mal zu verkraften gewesen. Beim MSV Duisburg, aber auch beim 1. FC Köln, der wie der Mitabsteiger sofort wieder zurück wollte in die Bundesliga. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie deshalb in Köln die Verpflichtung von Thomas Broich als ein hoffnungsvolles Zeichen dafür angesehen wurde, dass die Wirklichkeit dem Vorhaben folgen werde.

Thomas Broich kam von Borussia Mönchengladbach nicht von der Bank. Auch wenn seine Leistung nicht durchweg den Erwartungen vom Beginn seiner Karriere entsprach, er spielte öfter von Anfang an, als dass er eingewechselt wurde. Eingesetzt wurde er in fast jedem Spiel der vorangegangenen Saison. Zu Borussia Mönchengladbach war er wegen seiner überragenden technischen Qualitäten gekommen, auf die nun der FC und seine Fans hofften. Die Hoffnungen erfüllten sich nur mit Einschränkungen. Der FC brauchte ein Jahr länger als der MSV für den Wiederaufstieg, und auch Thomas Broich blieb mit seinen Leistungen nicht ununmstritten.

Heute Abend lässt sich im WDR um 22.30 Uhr mit dem Dokumentarfilm „Tom meets Zizou – kein Sommermärchen“ auch dieser Teil von Thomas Broichs Karriere in den Blick nehmen. Von 2003 an begleitete der Filmemacher Aljoscha Pause den Fußballer acht Jahre auf seinem Berufsweg. Im letzten Jahr lief der Film in einer 135minütigen Fassung auf Festivals und kurz in den Kinos. Schon damals wurde er von der Kritik gefeiert nicht nur als überzeugendes Portrait eines reflektiierten Fußballers,  der im Mannschaftssport seine Individualität behaupten wollte und will. Das Portrait wurde zum Blick hinter die Kulissen des Unterhaltungsbetriebs. Die TV-Fassung hat nun die formatbedingten 90 Minuten, was man auch als Anregung nehmen kann, die DVD des Films zu erstehen.

Hier geht es zum Wikipedia-Eintrag des Films. Ein weiterer Klick führt zur Seite von Tom meets Zizou – kein Sommermärchen. Und hier folgen sechs Trailer zum Film als Vorgeschmack im Zusammenschnitt:

Das Fangedächtnis des MSV Duisburg – Zu meiner Zeit. Teil 4: MSV-Fan sein, gestern und heute

Nach der Veröffentlichung von „111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ nahm Manfred „Manni“ Wiegandt, ein alter Meidericher, heute in den USA lebend, Kontakt mit mir auf. Wir besuchten dieselbe Schule. Auch wenn er ein paar Klassen über mir war, kamen wir in dem Mail-hin-und-her ins Erinnern. So fragte ich ihn, ob ich diese Erinnerungen zusammenfassen könnte. Tatsächlich waren die Mails dann nur der Anfang eines neuen, sehr umfangreichen Beitrags für das „Fan-Gedächtnis des MSV Duisburg“, den Manfred Wiegandt schrieb. Er ist so lang gewordne, dass ich ihn in mehreren Teilen veröffentliche.

Im heutigen letzten Teil der Erinnerungen von Manfred Wiegandt geht es um sein Erweckungserlebnis im Stadion und deren Folgen bis heute – trotz der inzwischen gewachsenen räumlichen Distanz zu Spielorten des Verein seiner und unserer  Zuneigung. Wir erinnern uns, im Folgenden ist zunächst die Bundesliga-Saison 1970/71 gemeint.

Zu meiner Zeit – Teil 4 –

von Manfred Wiegandt

Am letzten Spieltag der Saison dann beim Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München waren die Bayern im brechend vollen Wedau-Stadion zu Gast. Da waren weit mehr als 40.000 Zuschauer drin. Manche hingen in den Bäumen, um etwas sehen zu können. Dies war mein zweites MSV-Spiel, das ich im Stadion sah. Ich hatte ein Schülerticket zum Preis von 1 DM beim Kassierer in der Vereinsgaststätte Worm ergattert. Der MSV gewann 2:0 (zweimal Budde in der zweiten Halbzeit). Obwohl es für den MSV um nichts mehr ging, wurde der Platz damals zweimal von den Fans gestürmt, ohne dass die Bayern-Spieler sich in die Hose machten wie – angeblich – letztens die Herthaner. Borussia Mönchengladbach wurde Meister – verdientermaßen. Dieses Spiel begeisterte mich so, dass ich in der nächsten Saison alle Heimspiele des MSV sah und nur fünf Auswärtsspiele verpasste, darunter das im relativ nahe gelegenen Schalke. Zu den weiten Auswärtsspielen in Bremen, Frankfurt, Stuttgart und Braunschweig schwänzte ich damals sogar mit Wissen meiner Eltern gleich viermal in einem Schuljahr den samstäglichen Unterricht. Ich hatte mir das Würmli-Ticket bei der Bahn (Kinder aus kinderreichen Familien fuhren damals zum halben Preis), die Eintrittskarte und die obligatorische Bratwurst dadurch erspart, dass ich meiner Mutter im Haushalt half, wobei ich mir fürs Abwaschen zehn und fürs Einkaufen zwanzig Pfennig anschreiben konnte. Meine Mutter brauchte in dieser Zeit nie lange um Hilfe zu betteln. Beim ersten Heimspiel des MSV in der Saison 1971/72 gegen den BVB hoffte ich auf ein Unentschieden, weil mein Herz noch etwas an Dortmund hing. Beim Rückspiel in der Kampfbahn Rote Erde war ich dann ganz Meidericher und freute mich über den für lange Zeit einzigen Auswärtssieg der Zebras in Dortmund.

Obwohl ich mit Leib und Seele MSV-Fan war, besaß ich damals aber weder Schal noch Trikot und eigentlich überhaupt keine Fan-Utensilien. Von den bekloppten und betrunkenen Fans hielt ich mich, soweit es ging, fern. In Dortmund mussten wir uns gegenüber den berüchtigten Borussen-Fans auf dem Weg zum Stadion als BVB’ler verstellen, weil wir Angst hatten, verhauen zu werden. Gegen Schalke musste mein kleiner Bruder sogar einmal im eigenen Stadion die Fahne einrollen, weil die Schalker Hooligans über die Zäune in den Duisburger Fanbereich kamen, als deren Niederlage fest stand. Im Wedau-Stadion hatte ich meinen Stammplatz auf halber Höhe auf der Geraden neben dem Marathontor auf der Nordkurvenseite, der Fan-Kurve. Es kamen immer die gleichen Leute; man kannte sich. Meist kam man eine Stunde vor Spielbeginn. Wenn Bayern, Schalke oder Gladbach gastierten, auch mal bis zu zwei Stunden vor Anpfiff. Die Jugendkarten (2 Mark) gab es nicht im Vorverkauf und man musste oft früh genug an der Stadionkasse sein, um sie rechtzeitig zu bekommen. In der Saison 1971/72 gab es bei jedem Heimspiel ein Preisausschreiben in der Stadionzeitung, bei dem Haupttribünenkarten zu gewinnen waren. Ich habe in der Saison gleich dreimal gewonnen und dann auch meinen kleinen Bruder mit auf die Tribüne nehmen können, die bei den meisten Spielen nicht komplett gefüllt war. Ich habe ihn auch mit zu den West-Auswärtsspielen genommen, z. B. nach Oberhausen oder Bochum, wo das Spiel fast wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste, was wir erhofften, nachdem Klaus „Caesar“ Wunder vom Platz gestellt worden war. Auf der Zugrückreise von Mönchengladbach (0:3) blieb mein Bruder nicht immer an meiner Seite. Als er zu mir zurück kam, berichtete er, dass die Fans Sitze aus dem Fenster würfen. Danach bekamen MSV-Fans für längere Zeit keine vergünstigten Bahnkarten mehr.

Ich hatte eine Cousine in meinem Alter, die in Hattingen wohnte und sich immer freute, wenn ihre drei Cousins zu Besuch kamen. Dann hatte sie endlich geeignete Partner zum Bolzen. Sie hatte nur einen Fehler; sie war Bayern-Fan. Einmal luden wir sie nach Duisburg ein, als Bayern bei uns gastierte. Es war eines der ersten großen Bundesligaspiele des damals erst 17-jährigen Ronnie Worm. Die Zebras wuchsen mal wieder, wie so oft gegen Bayern, über sich hinaus und gewannen 3:0. Alle Treffer fielen in den letzten zwanzig Minuten. Worm erzielte zwei Tore; beim zweiten nahm er den Ball am Strafraum mit der Hacke, hob ihn über einen gewissen Weltklassespieler namens Beckenbauer hinweg und schoss volley gegen den machtlosen Weltklassetorwart Maier zum 3:0-Endstand ein. Mein Lieblingsspieler beim MSV und mein großes Vorbild war indes Bernard Dietz, zumal ich selbst meist Außenverteidiger spielte. Das größte Spiel war natürlich der 6:3-Sieg unter Flutlicht gegen die Bayern, bei dem Dietz vier Tore – sein Gegenspieler ein gewisser Rummenigge – schoss (kicker-Schlagzeile: „MSV Dietzburg gegen Bayern München 6:3“). Auf Ennatz war stets Verlass. Nur einmal habe ich miterlebt, wie er trotz aller Anstrengungen regelrecht an die Wand gespielt wurde. In der Saison 1977/78 kam der hoch gelobte englische Star Kevin Keegan zum HSV und musste sich im ersten Saisonspiel beim MSV von Ennatz den Schneid abkaufen lassen. Beim Rückspiel im Januar – ich war zu der Zeit beim Bund in Schleswig-Holstein und konnte so das Spiel im Volkspark-Stadion besuchen – war es dann aber genau umgekehrt und Keegan spielte Bernhard Dietz regelrecht schwindelig. Irgendwie beeindruckt war ich auch von Eisenfuß Detlef Pirsig, der immer mit herunter gekrempelten Stutzen spielte, aber beinhart zur Sache ging. Ich habe die herunter gekrempelten Stutzen und sein Reingrätschen dann beim Bolzen kopiert; anders als Detlef war ich aber immer fair. Meist foulte Pirsig nämlich seinen Gegenspieler, den Mittelstürmer, in einem der ersten Duelle des Spiels so hart, dass dieser nachher vor Angst nichts mehr auf die Reihe brachte. Er kassierte fast in jedem Spiel eine gelbe Karte. Da es aber noch keine Sperre nach fünf Gelben gab, konnte er sein Unwesen von Spiel zu Spiel weiter treiben. In einem Spiel – so erinnere ich mich – foulte er gleich zwei durchgebrochene Spieler auf einmal, einen mit den Füßen, den anderen mit den Händen, sozusagen Doppel-Notbremse. Rote Karte für Notbremsen sollten jedoch erst viele, viele Jahre später eingeführt werden. Überhaupt trieb es Detlef nie so weit, dass er Rot bekam. Einmal erwischte es ihn dann aber doch – in Mönchengladbach. Er hatte schon Gelb gesehen und flog dann vom Platz, als er den Ball mit der Hand spielte. Was für eine Ironie! Da holzt jemand jahrelang die gesamte Bundesliga weg und erhält seinen ersten Platzverweis für ein Handspiel! Er bekam auch nur zwei Spiele Sperre, weil er vorher immer so fair gewesen war, sprich: noch nie vom Platz gestellt worden war.

Wenn ich daran denke, kann ich ohne Umschweife sagen, dass Alles um den Fußball für mich zu den schönsten Kindheits- und Jugenderinnerungen gehört. Es gibt so viel, über das man noch heute Schmunzeln kann. Inzwischen lebe ich schon seit langem in den USA, aber wenn ich zu Hause in Duisburg anrufe, ist eines der Themen immer noch der MSV. In meine Zeit am MPG fiel auch das Pokalendspiel in Hannover gegen Frankfurt 1975 (0:1, Tor im Platzregen durch Körbel). Ich war natürlich da; im Zug habe ich Mathe für die Schule gepaukt. Das Finale 1998 gegen Bayern in Berlin habe ich verpasst. Mein Schwager schickte mir ein Video, da es damals noch keine Möglichkeit gab, die deutschen Fußballpiele in den USA zu sehen. Den entscheidenden Nicht-Platzverweis für Tarnat halte ich immer noch für eine der übelsten Schiedsrichter-Fehlentscheidungen. Als die Zebras 2011 erneut das Finale erreichten, kam ich von Neuengland eingeflogen. Die erste Viertelstunde des Spiels war ja auch sportlich noch ganz okay, die Atmosphäre in der Stadt insgesamt phänomenal. Ich teilte die Tickets, die ich bekommen hatte, u. a. mit meinem „kleinen“ Bruder und mit meiner Cousine und meinem Cousin aus Hattingen, obwohl sie Schalke-Fans waren, für meine Cousine als ehemaliger Bayern-Fan ja schon ein kleiner Fortschritt. Radio Duisburg hatte sogar ein Live-Interview mit mir aus dem Fan-Quartier, weil ich von so weit her gekommen war. Danach sprach mich ein Fan an, der mir sagte, er komme von noch weiter her, nämlich aus Australien. Er war in Beeck aufgewachsen und hatte im gleichen Jahr wie ich Abi gemacht, allerdings an einem anderen Gymnasium, ich glaube Mannesmann. Wahrscheinlich haben wir in der Schulmannschaft gegeneinander gespielt. Als ich ihn beim Abschied fragte, wie er heiße, sagte er: Manfred. – Toller Name! So heiße ich auch.

Und den nun auch ins Fan-Gedächtnis!

Teil 1 findet sich hier.

Teil 2 findet sich hier.

Teil 3 findet sich hier.

Hauptsache Fussball – Eine DVD-Besprechung

Als ein Verliebter dem Rest der Welt sein Verliebtsein zu erklären ist nicht einfach. Letztens schwärmte ich hier von Hermann Gerland herum, sammelte im gefühligen Nebel ein paar halbwegs rationale Momente der Begründung und dachte eigentlich, wenn der Rest der Welt nicht sofort von selbst Hermann Gerland anhimmelnd zu Füßen liegt, kann denen sowieso keiner helfen. Lieber noch einmal das ungeschnittene Interview mit Hermann Gerland auf der DVD „Hauptsache Fussball – Junge Fussballprofis auf dem Weg ins Spiel“ ansehen, weiterschwärmen und schweigen. Aber gut, dass die Macher von „Hauptsache Fussball“ neben dem Bonusmaterial auch den eigentlichen Dokumentarfilm mit auf die DVD gepackt haben. Deshalb kann ich nämlich nun, statt glückselig lächelnd dazusitzen, doch noch ein paar Worte schreiben und jedem Fußballinteressierten auch mit Argumenten empfehlen, bei dieser DVD schnell zuzugreifen.

„Hauptsache Fussball“ dauert lange 140 Minuten, dazu gerechnet die 57 Minuten Bonus-Material, und nach dem Ansehen der DVD hat man nicht nur Einblicke in Denken und Handeln von unzähligen Akteuren des Fußballgeschäfts gewonnen. Außerdem sind diese Akteure mit ihren sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten überaus präsent geworden. Das ist dieser eine so beeindruckende, grundsätzliche Wert dieses Films. Dem Produzenten und Regisseur Andreas Bach und seinen Co-Regisseuren Marco Jankowski sowie Burkhard Vorländer ist es gelungen, das Vertrauen ihrer Interviewpartner so zu gewinnen, dass sie die sonst schnell aufgebaute Kulisse dieses Fußballgeschäfts beiseite schieben konnten. Der Blick war frei auf das Innenleben dieser Bühne. Für die Macher muss sich eine unglaublich große Fülle an Material ergeben haben, die es zu bewältigen galt. Viele disparate Stimmen und ebenso viele Bilder waren rund um das Grundthema „junge Profis im Fußballgeschäft“ zu einer erzählerischen Einheit zu formen.

„Hauptsache Fussball“ ist angelegt wie ein Roman mit einigen Nebenlinien der Erzählung. Das thematische Zentrum der Dokumentation sind die Erfahrungen von jungen Spielern an unterschiedlichen Arbeitsplätzen in der Unterhaltungsbranche Fußball. Das geht vom Nationalspieler Holger Badstuber bei Bayern München über zwei Torhüter mit unterschiedlichen Perspektiven auf der Suche nach dem richtigen Verein hin zu Tobias Schweinsteiger beim Drittligisten oder Fabian Bäcker als Nachwuchsspieler auf dem Sprung in den Profikader des Bundesligisten. Ihre Trainer wie Hermann Gerland, Jürgen Gelsdorf oder Michael Frontzeck kommen ebenso zu Wort wie der Spielerberater Jörg Neblung, der für die jungen Spieler passende Arbeitsplätze finden will. In den Nebenlinien geht es immer wieder um die Bedeutung von Fußball im Leben der Menschen. Es geht aber auch um das öffentliche Bild von Vereinen wie Bayer Leverkusen oder dem FC Schalke 04, es geht um Meinungen von Fans und Journalisten. Zudem nimmt der Regisseur des Films Andreas Bach das eigene Fan-Dasein und das seiner Familie als erzählerisches Moment in den Film mit hinein.

Ein erster Eindruck lässt sich durch den Trailer mit Holger Badstuber vom FC Bayern München und dem Nachwuchsspieler von Borussia Mönchengladbach Fabian Bäcker gewinnen.

In diesen Interviews mit den Akteuren des Fußballgeschäfts, den Spielern, dem Spielerberater, den Trainern, Managern oder Nachwuchskoordinatoren, in diesen Interviews wird über den beruflichen Alltag im Fußball geredet, über die Bedeutung des Fußballs für die einzelnen Sportler und immer wieder über die Bedingungen, unter denen dem Beruf nachgegangen wird. Oft ziehen  gerade die Trainer den historischen Vergleich. Sie sehen – manchmal auch mit Skepsis – auf die veränderte Gesellschaft, in der Kinder heute aufwachsen. Sie beschreiben mit welcher Persönlichkeit und mit welchen Eigenschaften Jugendliche heute in die Vereine kommen. Sie haben die Entwicklung dieses Sports in den letzten zehn Jahren im Kopf und die Folgen der so immensen Professionalisierung in den Vereinen für die jungen  Spieler.

Die Interviews sind unterhaltsam mit atmosphärischen Bildern rund um den Fußball zusammengeschnitten, so dass die Dokumentation einen filmischen Rhythmus erhält und mehr ist als die Aneinanderreihung von „sprechenden Köpfen“. Andreas Bach, Marco Jankowski und Burkhard Vorländer haben auf jeden Fall einen Film für alle Fans des Fußballs gemacht. Noch etwas besser wäre der Film geworden, hätten sich die Macher in den Nebenlinien etwas zurückgenommen und sich gerade zum Ende des Films mehr auf das Hauptthema, die jungen Profis, konzentriert. Auch ein Roman kann im letzten Drittel nicht mehr sehr weit abschweifen vom Zentrum seiner Handlung, ansonsten droht er zu zerfasern. Einen ähnlichen Eindruck macht mir das letzte Drittel der Dokumentation. Hier wäre weniger mehr gewesen.  Die 140 Minuten bekommen im letzten Drittel Längen, wenn die 11Freunde-Mitarbeiter ihre nur für Fußballfans spaßigen Scherze treiben und der Filmemacher Andreas Bach Bilder aus einer Art Filmtagebuch der eigenen Stadionbesuche in den Film schneidet. Ohne diese Längen wäre der Film überragend und auch für ein Publikum ohne Fußballinteresse durchgehend interessant, nur wir Fußballfans nehmen jedes dieser Bilder gerne. Solche Worte verträgt der Film. Sie mindern nicht die uneingeschränkte Kaufempfehlung an alle, die hier normalerweise lesen.

Mehr Informationen über den Film finden sich auf einer eigens eingerichteten Seite im Netz. Dort sind auch Trailer zu sehen, die vor dem 21. Mai in diesen Räumen hier keinen Platz erhalten können. Schließlich müssen wir am MSV Duisburg Interessierten die Kräfte für das DFB-Pokalfinale bündeln, und auch wenn ich mich sonst an jeder Fan-Geschichte erfreue, im Moment gibt es für Sympathiebekundungen auf jeden Fall ein richtig und falsch.

Hauptsache Fussball – Junge Profis auf dem Weg ins Spiel. Ein Film von Andreas Bach, ab € 15,99.

Gleich geht´s los

Wäre ich mein Trainer, wahrscheinlich würde ich mich erst in der zweiten Halbzeit einwechseln. Ich erklärte dann auf einer Pressekonferenz vor dem Spiel, nach der langen Schreibpause habe Kees Jaratz seinen Rhyhtmus noch nicht ganz wiedergefunden, um einen Text in gesamter Länge zu bewältigen. Er müsse langsam wieder an die Mannschaft herangeführt werden. Als Trainer wüsste ich natürlich, wie sehr Kees Jaratz das Spiel mit den Worten vermisst und wie schwer es ihm fällt, erst einmal auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Ich lobte Kees Jaratz für sein Verständnis und versicherte der Presse und aller Welt, wie sehr der Verein in Zukunft noch Kees Jaratz für ganze Text brauchen wird. Dann schwiege ich und überließ es dem Pressesprecher meines Vereins, nach Fragen zu fragen.

Mein Trainer hätte recht, nach der längeren Pause fehlt mir die Leichtigkeit und mein Instinkt. Ich denke zu viel. Wie der Fußballspieler nach einer Verletzungspause, frei vor dem Tor stehend, zu viele Optionen erkennt und die Chance vergibt, so taucht Gedanke um Gedanke auf und drängt darauf in Worte gefasst zu werden. Dabei vergebe ich überhastet Sinn und Bedeutung. Andererseits muss auch mal jemand Verantwortung übernehmen, gerade in einer Einzeldisziplin bleiben da nicht viele übrig. Denn um so eine Einzeldisziplin handelt es sich ja eigentlich hier, und bei so einem ersten Auftritt nach längerer Schreibunterbrechung kann ich auf den harmonischen Wortfluss nicht immer Rücksicht nehmen. Da muss auch mal ein Satz unvermittelt rausgehauen werden – als Duftmarke, wie unsere Sportreporter gerne sagen. Gleich geht´s nach Osnabrück. Das ist so ein Satz, der in seiner brachialen Durchsetzungskraft an Günter Netzers Sololauf mit anschließendem Torerfolg im DFB-Pokalfinale der Saison 1972/73 gegen den 1. FC Köln erinnert. Zumal er damals dem Trainer Hennes Weisweiler mit seiner eigenen Einwechslung während der Verlängerung vorgegriffen hat. In der Anekdote wird es zugespitzt erzählt, Netzer habe sich über ihn hinweggesetzt. So wird mir Günter Netzer zum Vorbild.

Antreten und losschreiben, egal was kommt. Irgendwie wird das Wort schon verwandelt – in Sinn. Denn Schreiben hat auch etwas von Mannschaftssport, weil erst im Vorgang des Lesens, das heißt mit Hilfe von Mitspielern, sich dieser Sinn ergibt. Leser machen mit Texten, was sie wollen.  Der Schreibende bleibt am Ende des Ganzen nicht mehr allein. Das beruhigt ein wenig und so stellt sich allmählich ein ansehnlicher Schreibfluss ein. All die vorbeigezogenen Einzelheiten der letzten Wochen muss ich dabei allerdings vernachlässigen. Mannschaftskapitän, Neuzugänge, Verwaltungsarbeit und Präsidentenfragen, all das wird erst nach und nach wieder Thema sein. Dann kümmer ich mich auch um die mir so lieben Kultur- und Strukturdebatten des Fußballs, wie sie gerade beim FC Schalke 04 und beim Hamburger SV mit unterschiedlichen Schwerpunkten geführt werden.

Heute geht es um den Saisonauftakt und Erwartungen. In dieser Saison kommt der MSV Duisburg als Antwort auf die Aufstiegsfrage nicht vor. Was die meisten von uns nach den Erfahrungen der letzten zwei Jahre doch sehr erleichtert. Mit Abstand wird Hertha BSC  als Favorit für den Aufstieg gehandelt. Da gibt es schon mal die eine Freude in dieser Saison namens, wenn Favoriten straucheln. Das tut mir leid für die Anhänger des Vereins, und ich habe überhaupt nichts gegen ambitionierte Hauptstadtvereine, die Freude ergäbe sich einzig aus dem Impuls der Überraschung. Bochum wird natürlich allein durch die Kraft des Aufstiegsroutiniers Friedhelm Funkel oben mit dabei sein. Einen beträchtlichen Vorteil hat ebenfalls der FC Augsburg mit seiner nahezu unveränderten Mannschaft. Auch der FC Augsburg wird oben mitspielen. Bei Fortuna Düsseldorf bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Ich habe nun aber nicht mehr die Geduld, mich um weitere Vereine zu kümmern. Ich denke gerade nämlich an die eine Überraschungsmannschaft der Saison. Die gibt es fast in jeder Spielzeit der 2. Liag. Und der Platz ist per definitionem am Anfang der Saison unbesetzt. Ihr kennt mein unverbesserliches Wesen inzwischen und werdet ahnen, welcher Mannschaft ich liebend gerne diesen noch zu vergebenden  Beinamen verleihen möchte. Denn es wäre eine Überraschung, könnte die neu zusammen gestellte Mannschaft des MSV Duisburg oben mithalten. Ich erwarte das aber überhaupt nicht und werde mal sehen, was da zu sehen ist. Dauerkarte ist ebenso im Haus, wie die Fahrkarte nach Berlin mit Zwischenstation in Osnabrück. Denn wenn ich schon die ersten beiden Heimspiele verpassen werde, muss ich doch wenigstens beim allerersten Punktespiel der Saison dabei sein.


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