Posts Tagged 'Bruno Hübner'

Die Klatschkolumnen der Sportpresse

Mit der einstigen Fan-Freundschaft zwischen Duisburgern und Frankfurtern wird die lang erwartete Nachricht aus dem Eintracht-Haus nichts zu tun gehabt haben. Armin Veh verlängerte seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Sämtliche Sätze über Kosta Runjaic und seine wie-auch-immer-Beziehung zu Bruno Hübner mit Ablösesummen fordernden Folgen für den MSV Duisburg  wurden zu jener heißen Luft, die einem von Anfang an um die Ohren wehte, als in der  Frankfurter Rundschau in einem abschließenden Absatz zum Veh-Vertragspoker mal kurz überlegt wurde, wer denn so als Nachfolger in Frage käme.

Aus dieser Überlegung wurde dann fast schon die Verpflichtung. Was für ein Wahnsinn! Der Zug fährt los und jeder will mit, obwohl keiner weiß, wohin er überhaupt fährt. Hauptsache Bewegung.  Kosta Runjaic muss also irgendwas dementieren, während eigentlich ganz andere Dinge seine Zeit erfordern, wie noch ein Tag zuvor breit berichtet wird. Die neue Saison will vorbereitet werden. Als ich von diesen durchdachten Vorbereitungen las, war ich begeistert. Was mich mich hingegen nicht interessiert, sind  Spekulationen. Unterschriften unter Verträge zählen, alles andere nervt. Solche Pseudo-Meldungen wie die zu Runjaic und Frankfurt kommen mir inzwischen vor wie die Sport-Entsprechung zum Yellow-Press-Celebrity-Klatsch. Wer wurde neulich mit wem gerade hinter dem Rücken seines Partners beim Knutschen gesichtet oder kam es etwa schon zum Äußersten? Von den einen lässt sich dann später die gerettete Ehe erzählen. Die anderen sind mehr der Typ one-night-stand mit der Endlosgeschichte von der heißen neuen nächsten Liebe. Da wird das Melodrama gegeben – mit den Standardzutaten großes Gefühl und  Geld. Aus einer etwas anderen Perspektive stellte Fokus Fußball den Informationsgehalt von Sportnachrichten in Frage. Es gibt keine verlässlichen Informationen mehr.  Da bleibt als Konsequenz doch nur, konzentrieren wir uns auf den Sport.

Doch selbstverständlich gibt es auch Graubereiche des Interesses, wenn es um die Zusammenstellung des Spielerkaders in der neuen Saison geht. Da gibt es ja Fakten durch bestehende Verträge. Allerdings muss auch  im Fall Julian Koch erst einmal die marktschreierische Beklemmung beiseite geschoben werden. Wenn ein Spieler einen Leihvertrag für ein Jahr besitzt, kann es schon mal sein, dass er in der nächsten Saison bei einem anderen Verein spielt. Auch wenn Zeitungsseiten gefüllt werden müssen, es gibt keine Geschichte zu erzählen über Julian Koch. Es geschieht das, was erwartet werden konnte. Die Geschichte wäre zu erzählen, wenn Julian Koch auch in der nächsten Saison für einen MSV Duisburg spielt, dessen Liga-Budget im unteren Drittel der Zweiten Liga angesiedelt ist. Dagegegen ist Dustin Bomheuer tatsächlich eine kleine Geschichte wert. Aber auch in dem Fall fehlt mir jeglicher Sinn für Spekulationen. Es gibt alleine die Geschichte vom schnellen Aufstieg, und ob da jetzt tatsächlich Bundesligavereine Interesse an der Verpflichtung haben, gehört bereits zur Vertragsverhandlung. Der Rahmen der Zukunft ist in meinen Augen klar gesteckt. Ein vernünftiger Spielerberater würde ihm einen Vertrag mit dem MSV Duisburg aushandeln, der einen Ausstieg mit festgelegter Ablösesumme beinhaltet. Er würde Kosta Runjaics Worte vom zu früh kommenden Wechsel in Liga 1  ernst nehmen. Bleiben Dustin Bomheuers Leistungen stabil, könnte er in der nächsten Saison den André Hoffmann geben. Und dann ist da noch Jürgen Gjasula, für den der MSV Duisburg auch mal eine recht attraktive Braut abgibt. Über seine Zukunft wird noch gar nicht spekuliert. Man sieht, Geschichten sind auch ohne große Gerüchte zu erzählen.

Und nun zu etwas ganz anderem: Etwas unverbunden und leicht verspätet komme ich nochmals auf den Geburtstag von Bernard Dietz zu sprechen. Maurice Exslager wurde von den Medienleuten des MSV ein Mikro in die Hand gedrückt, um mit Bernard Dietz ein Gespräch zu führen. So entspannt wie Ennatz wirkt er zwar nicht, aber wer auch immer den Clip noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich ansehen. Selten habe ich Ennatz bei einem öffentlichen Auftritt vor einer Kamera derart unbeschwert gesehen. Da ist eine halbprivate Atmosphäre entstanden. Sehr, sehr schön!

Peter Neururers Biografie – Als Besprechungspreview: Ein Special zum MSV

Eins ist gewiss, Peter Neururer kannte schon früh den Nutzen eines guten Netzwerks. Boulevardjournalisten gehörten selbstverständlich dazu. Wahrscheinlich lässt BILD ihn aus dieser alten Verbundenheit heraus per Umweg Werbung für seine Biografie machen. Der Umweg heißt „Neururers Rettungsplan“ für den VfL Bochum und den MSV Duisburg. Dieser aber gibt uns schon jetzt einen Ausblick auf Peter Neururers zukünftige dritte Karriere als Horoskop-Autor. Wenn es nach ihm ginge, müssten die Zebras nämlich zur Verbesserung der Tabellensituation „Tacheles reden und an den richtigen Schrauben drehen“. Das sind mal Maßnahmen, auf die ich so gar nicht gekommen wäre. Und was dann, wenn die Zebras mit dem Schraubendrehen fertig sind? Die Sterne raten meiner Meinung nach zur Vorsicht vor falschen Freunden, zu vermehrter Aufmerksamkeit im Beruf und zum handfesten Zupacken, wenn sich die Möglichkeit des Erfolgs abzeichnet.

Der „Rettungsplan“ in der BILD endet schließlich beim Verweis auf Peter Neururers Biografie, über die hier heute nur mit dem Schwerpunkt MSV Duisburg  die Rede sein soll. Ein „Special“ zu deren vorletztem Kapitel, das da heißt „Eine Dreiecksbeziehung“. Diese Dreiecksbeziehung fand Peter Neururers bei seiner letzten Station als Trainer beim MSV Duisburg vor. Wer sich die Biografie bis dahin zu Gemüte geführt hat, weiß schon, auch in Duisburg bewies Peter Neururer, dass er immer zu seinem Wort steht und bei allem was er tut,  gut wegkommt. Ein paar wertende Worte über das anekdotenhafte Buch werde ich in den nächsten Tagen schreiben. Schon mal so viel: Angesichts des Berufs von Peter Neururer staunt man doch, wie wenig über das Fußballspiel selbst in diesem Buch die Rede ist.

Hier aber nun zu dem, was Peter Neururer dem Autor Thomas Lötz über seine Zeit in Duisburg erzählt hat. Wir erinnern uns, Rudi Bommer wurde im November 2008 entlassen und wenig später Peter Neururer im heute journal als dessen Nachfolger auf Schalke vorgestellt. Wir in Duisburg wussten es besser, wo er den Aufstieg in die Bundesliga schaffen sollte. Walter Hellmich selbst hatte Peter Neururer kontaktiert. Danach kam es zu einem ersten Gespräch mit Bruno Hübner, mit dem Peter Neururer auf einer Wellenlänge gelegen haben will, so dass sie zu Walter Hellmich für die Vertragsverhandlungen fahren konnten. Selbstlos nahm Neururer „ordentliche Einbußen“ beim Gehalt hin und unterschrieb den Vertrag.

Am ersten Trainingstag erhielt er von Walter Hellmich den Auftrag von den 32 Profis mit Vertrag neun bis zur Winterpause an andere Vereine abzugeben. Christian Tiffert sollte auch dabei sein, doch Peter Neururer holte ihn zurück in den Kader und machte ihn zum „Leistungsträger“ der Mannschaft. Wir erinnern uns auch an den Wechsel im Tor, von Marcel Herzog zurück zu Tom Starke, der damals noch einen schweren Stand beim Publikum hatte. Marcel Herzog hatte ihn ersetzt, gut gespielt und besaß bei vielen Zuschauern große Sympathien. Thomas Lötz beschreibt Neururers schwere Wahl: „Neururer kennt Starke. Herzog kennt er nicht. Im Training bieten sich beide durch gute Leistung an, sind etwa gleich stark. Neururer geht zu Herzog, um ihm seine Entscheidung für Starke zu erklären. ‚Ich versuche, objektiv zu bleiben‘, sagt er dem Schweizer, ‚und ich hab eigentlich keine Meinung zu dir, weil ich dich nie hab spielen sehen. Aber Tom kenne ich, und er ist für mich ab sofort wieder die Nummer eins.'“

Wenn das tatsächlich so geschehen ist, muss ich Marcel Herzog einen Großmeister des Gleichmuts und der Beherrschung nennen. Ich hätte ihn verstanden, wenn er nach so einer Begründung vor Wut das Trainingsgelände zerlegt hätte. Der „objektive“ Peter Neururer, der zu Marcel Herzog keine Meinung hat und deshalb ganz „objektiv“ Starke für den besseren Torwart hält. Großartig, wie sich Menschen ihr Leben zurecht erzählen.

Peter Neururer hat auch Bruno Hübner den Arbeitsplatz gerettet. Walter Hellmich soll ihm nämlich angeboten haben, die alten Zeiten mit Norbert Meier als Vorbild zu nehmen, den Verein zu zweit ohne Sportdirektor zu führen. Neururer lehnte entschieden ab. Schließlich hätte Bruno Hübner ihn verpflichtet.

Im weiteren erzählt Thomas Lötz das Geschehen in Duisburg als Daily-Soap, in der die Beteiligten immer etwas im Schilde führen, was sie dem anderen gerade nicht erzählen. Walter Hellmich verkündete die vorzeitige Verlängerung des Vertrags mit Peter Neururer in der entscheidenden Phase der Saison und ohne es mit ihm abzusprechen. Peter Neururer wollte hinschmeißen, Bruno Hübner redete ihm gut zu, und so verlängerte er schließlich doch. Die Hoffnung auf den Aufstieg gab es noch, der war erst nach der „unglücklichen Niederlage“ gegen Mainz 05 „verdaddelt“. Welches Resumée daraufhin von Thomas Lötz im Namen von Peter Neururer gezogen wird, lässt mich wieder schmunzeln. Welche Chuzpe dieser Peter Neururer besitzt: „Das ausgegebene Ziel ist verfehlt, dennoch hat der MSV Duisburg eine gute Saison gespielt, der Zuschauerzuspruch ist gestiegen, manch einer in Duisburg spricht gar von Aufbruchsstimmung.“ Liebe Leute, den möchte ich kennenlernen, der damals diese Gefühl hatte. Wird ein interessanter Kerl sein, mit eigenwilligem Blick auf die Welt.

Neururer verlängerte übrigens unter einer „ungewöhnlichen“ Voraussetzung. Er wollte keine neuen Spieler für die nächste Saison verpflichtet wissen. Er werde den Aufstieg mit der Mannschaft schaffen, die so gut zueinander gefunden habe. Es kam dann anders. Walter Hellmich meldete sich zu Beginn der neuen Saison, fragte nach dem teuersten Spieler und bedauerte, dass man ihn verkaufen müsse. Dorge Kouemahas Verkauf nach Brügge  rettete die Lizenz für den MSV Duisburg.  Dennoch lief es „in die richtige Richtung, Richtung Aufstiegsplatz.“ Wieo dann plötzlich alles doch nicht so gut ist, dazu schweigen Thomas Lötz und Peter Neururer. Stattdessen befinden wir uns sofort im Auge des Orkans: die 0:5-Klatsche im Pokal beim FC Augsburg. Doch Peter Neururer hat noch alles im Griff. Er „beruhigt die Anhänger, entschuldigt sich für die peinliche Darbietung – von Präsident Hellmich und von Manager Hübner ist in dieser unangenehmen Situation nichts zu sehen.“

Dennoch erhielt Peter Neururer am Tag drauf einen Anruf von Bruno Hübner, Walter Hellmich wolle ihn entlassen. Im Ton der folgenden Zeilen dürfen wir die große Enttäuschung Peter Neururers mitlesen. So schlecht ist die Welt: Hellmich nicht Manns genug, die Nachricht selbst zu überbringen, Hübner nicht so loyal wie Neururer noch wenige Wochen zuvor. Und dann fragt ihn Bruno Hübner sogar noch einige Zeit später, ob er nicht bis zum Saisonende auf sein Gehalt verzichten könne, als eine Art Anleihe, damit der MSV Duisburg von diesem Geld drei neue Spieler verpflichten könne. Neururer lehnte empört ab. Ich höre gleichsam: was für ein unanständiges Angebot. Dabei hätte er, seine Einwilligung vorausgesetzt, vielleicht noch ein Jahr länger Geld verdienen können. Schließlich hätte sich sein Vertrag bei einem Aufstieg automatisch verlängert.

Es kam wieder anders, sein Nachfolger Milan Sasic stieg mit der Mannschaft nicht auf, redet aber schlecht über die Arbeit seines Vorgängers. Nur deshalb, so Peter Neururer, brach er mit einem seiner Prinzipien. Von da an kritisierte er zurück und urteilte, Milan Sasic sei „ein ganz mieser Kollege.“ Es war das letzte Geplänkel, das Peter Neururer noch eng an den MSV Duisburg band. Danach begegnete er dem Verein nur noch als TV-Experte. Dieses Sportfernsehen ist wahrscheinlich Peter Neururers Zukunft. Der MSV Duisburg wäre damit die letzte Trainerstation für ihn gewesen. Neulich ging es ja schon durch die Presse: Wenn er in dieser Saison nicht noch einmal als Cheftrainer oder Sportdirektor arbeitet, sei ihn für ihn Schluss. Im Buch steht noch: Dann werde er sich zu „100 Prozent“ als Experte oder „wie auch immer“ im Fernsehen engagieren.

Dem ein oder anderen meiner Sätze merkt man es wahrscheinlich schon an. Diese Biografie sollte nur kaufen, wer zwanghafter Sammler von Fußballliteratur ist. Die ausführlicherere Begründung dazu reiche ich nach. Die Zitate aber, so denke ich, geben schon einen ersten Hinweis für meine Meinung.

Thomas Lötz: Peter Neururer. Aus dem Leben eines Bundesliga-Trainers. Delius Verlag, Bielefeld 2012. 192 Seiten. 19,90 €

Mitgenommen

Da hieß es doch vor geraumer Zeit, es bestünden für den MSV Duisburg Aussichten auf die Kooperation mit einem Verein der englischen Premier League. Welcher das hätte sein können, darüber konnte nur spekuliert werden. Es war die Zeit, als die Welt noch in Ordnung schien, und Bruno Hübner viel herum telefonierte. Mit den Engländern hatte er demnach auch mehrmals gesprochen. Einmal hieß es sogar, er sei dorthin geflogen. Wohin auch immer.

Heute kann ich bei der Lektüre der Süddeutschen Zeitung feststellen, ein Engländer steht zu seinem Wort. Allerdings fühlt sich der Engländer mehr dem Menschen als der Institution verpflichtet. Andererseits wissen wir durch die Nachrichten aus Frankfurt jetzt, worum es damals ging: „Vielleicht wird der Manager Hübner auf der Suche nach Verstärkungen bei Manchester City fündig. Durch Kontakte zu Entscheidungsträgern beim englischen Tabellenführer bahnt sich eine Kooperation mit den neureichen Blues an.“

Vielleicht sollten die Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt nun aber auch beginnen, sich Sorgen zu machen. Nachdem solch hoffnungsfrohe Nachrichten in die Welt gegeben werden, könnte Bruno Hübner demnächst von jetzt auf gleich den Verein wechseln – mitsamt den Kontakten. Online gestellt ist der Artikel noch nicht.

Wehmut beim Lesen eines Interviews mit Bruno Hübner

Wenn ich nun vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt das Interview im Reviersport mit Bruno Hübner, werde ich wehmütig. Da denke ich an seine Arbeit nach der Entlassung von Peter Neururer. Von da an hatte er die Möglichkeiten zu gestalten, ohne dass über seinen Kopf hinweg entschieden wurde. Ich finde jetzt auf die Schnelle nicht den Artikel des Kollegen Retzlaff in der NRZ, in dem er nebenbei die Anekdote erzählt, wie Bruno Hübner den Kopf auf den Tisch fallen lässt, als er nach einem Spiel mit anhören muss,  wie Walter Hellmich der Öffentlichkeit erklärt, Peter Neururer sei der neue Trainer vom MSV Duisburg.

Den sachlichen Ton seiner Ausführungen im Interview kennen wir. So bringt Bruno Hübner in Erinnerung, der Erfolg in der Pokalrunde der letzten Saison hat die schon damals bestehende Uneinigkeit zwischen Aufsichtsrat des Vereins und Verantwortlichen in der KgAa nur in den Hintergrund gerückt.  Vor allem aber benennt er jene wichtige Rolle eines Sportdirektors, die dem MSV Duisburg im Moment am meisten fehlt: „Gerade in der momentanen Situation bräuchte der Trainer die sportliche Leitung, um konstruktive Gespräche zu führen. Außerdem gibt es zwischen Vorstand, Trainer und Mannschaft keinen Puffer.“ Ich bin fest davon überzeugt, sein Weggang hat das Machtgefüge innerhalb des Vereins derart aus dem Gleichgewicht, dass auf die krisenhafte Entwicklung in dieser Saison bislang nicht ausreichend reagiert werden konnte. Dummerweise würde selbst ein neuer Sportdirektor nicht auf Anhieb die entstandene Lücke so füllen, wie es notwendig wäre für die innerbetriebliche Atmosphäre. Um in den Verein hinein zu wirken, müsste ein neuer Sportdirektor sich sein Standing erst erarbeiten. Und das braucht Zeit.

Saisonvorbereitung – Spieler kommen, Spieler gehen

Ich sagte es schon, in dieser Sommerpause geht mir alles zu viel schnell, und das liegt nicht nur an meinem Alltag. Allein die Abfolge der Spielerverpflichtungen für die neue Saison machte den MSV Duisburg zu einem heißen Anwärter auf den ersten von der DFL ausgelobten Speed-Transfering-Award. Oder wäre der DFB als Hüter der Tradition mit der Wolfgang-Fahrian-Medaille der besser geeignete Preisverleiher?

Wie viele neue Namen mussten wir lernen, und wie schnell musste der Verein sich für Schreibweisen dieser Namen entscheiden. So viel Bildung ist dabei ganz nebenbei möglich. Wann etwa wird statt der slawischen Endung „-ow“ die andere slawische Endung „-ov“ gechrieben? Der MSV Duisburg schreibt nun Karimow für den Karimov andererorts. Ebenfalls wäre herauszubekommen, wann das slawische Doppel-Binnen-i zum  „-iy“ wird? Oder welche der Buchstabenkombination ist überhaupt slawisch? Der MSV Duisburg schreibt  „Domovchiyski“. Vielleicht liesse sich lernen, dass slawisch gar nicht slawisch ist.

Und so einen asiatischen Namen wie Jiayi Shao könnte man bestimmt auch anders transkribieren. Vielleicht sogar Chinesischer? Etwas mehr Beijing statt Peking? Ich müsste ihn mal seinen Namen sprechen hören. Fremde Namen klingen immer gleich fremd. Doch für die Regeln, wie sie geschrieben werden, gibt es auch so was wie Zeitgeist.

Ich schweife ab, dabei haben wir so wenig Zeit. Die Spielzeiten gehen dieses Jahr ineinander über. Wollte ich nach dem Pokalfinale erstmal einen Moment durchschnaufen, schon war ich mit der möglichen Verpflichtung des nächsten neuen Spielers beschäftigt. Und schon verließ Bruno Hübner kurz darauf den Verein. Und schon änderte das überhaupt nichts an der Qualität der schon wieder gemeldeten nächsten Spielerverpflichtung. Wird hier denn gar nichts über neue Spieler geschrieben? Das, so dachte ich zwischendurch mal, wäre ein passender Titel für einen Beitrag. Ich kam nicht mit. Wollt ihr mal eine Chronologie der Kaderzusammenstellung per MSV-Seite sehen mit entsprechendem Speed-Commenting? Die Abfolge der Ereignisse war selbst für den Verein so schnell, dass es weder für den Wechsel von Sefa Yilmaz im Juni in die Türkei noch für die Ausleihe von Daniel Beichler eine offizielle Bestätigung auf der Seite gibt. Das ging nur per Pressemitteilung raus, und wurde von den Medien entsprechend verbreitet. Wenn sich die Ereignisse überschlagen …

30.3.  „MSV verpflichtet Stürmer Emil Jula für drei Jahre“. Früh werden die Weichen für die nächste Saison gestellt.  Gefällt mir sehr!

5.5.     „Aus Wolfsburg: Abwehrspieler Karimov wird ein Zebra„. Damals noch mit „-ov“ geschrieben. Der erste Eindruck bestätigt sich. Den Plänen wird gefolgt!

9.5.     „Perfekt: Shao wechselt zu den Zebras“. Mehr ein Zeichen für die  zurück gewonnene Attraktivität des MSV Duisburg als Arbeitgeber, als dass ich beim Namen in Jubel ausbreche.

12.5    „MSV verpflichtet Kevin Wolze vom VfL Wolfsburg„. Perspektive! Wenig Geld! Perfekter Sasic-Spieler.  Gute Erfahrung mit Wolfsburgs zweiter Reihe in der letzten Saison.

19.5.   „Neues Zebra: Gjasula kommt für zwei Jahre!“ Noch ein klassischer Sasic-Spieler, dieses Mal der älteren Art! Wird noch stärker beim MSV Duisburg als in der lezten Saison!

25.5.    „Sportdirektor Bruno Hübner verlässt den MSV Duisburg„. Schock! Schwere! Not! Enttäuschte Zuneigung. Dann geh doch!

27.5.   „MSV Duisburg leiht Mittelfeldspieler Zvonko Pamic aus“. Business as usual! Das Angefangene wird abgearbeitet. Gut so! Mir doch egal, wenn er weg ist.

29.5.  „Goran Sukalo bleibt – und verlängert bis 2013!
Na also, auch Spieler mit einem musternden Seitenblick
auf fremde Vereine, erkennen, beim MSV Duisburg sieht
die Zukunft vielleicht rosiger aus.

1.6.      „MSV leiht Mittelfeldspieler Vasileios Pliatsikas aus“. Noch eine alte Geschichte wird zum Ende gebracht.

13.6.   „Drei neue Zebras da: Domovchiyski, Fromlowitz & Brosinski!“ Was für eine Mischung! Alte Verhandlungen zum Abschluss gebracht, und offensichtlich etwas ganz Neues mit Fromlowitz eingestielt. Es läuft.

16.6.   „MSV verpflichtet Stürmer Flamur Kastrati„. Und noch ein einer, der unter Sasic seine Schwächen ablegen möchte und Konstanz in die schon gezeigten sehr guten Leistungen bringen möchte. Der MSV ist wieder eine gute Adresse.

18.6.   „Neu beim MSV: Markus Bollmann wird ein Zebra„. Günstig Erfahrung einkaufen. Die gelungene Mischung des Kaders wird im Blick behalten. Bruno Hübner ist endgültig Geschichte.

2.7.      „Klasse: „Baja“ mindestens bis 2013 in Zebrastreifen!
Und noch jemand, der weiß, was gut für ihn und den
MSV Duisburg ist.

4.7.      „Nach Leverkusen: David Yelldell verlässt den MSV“
Gibt dem Torwartgefüge eine weniger konfliktträchtige
Struktur. Bei finanziellem Gewinn.

6.7.    „Keeper Felix Wiedwald wird ein Zebra.“ Und schon ist die Alternative parat. Sagte ich schon, dass die Sache auch ohne Bruno Hübner sofort rund läuft?

Eigentlich halte ich es bei einem Verein wie dem MSV Duisburg nicht für sehr sinnvoll, jeden einzelnen Spieler zu bewerten. Bei einem Verein wie dem MSV Duisburg wirkt das noch mehr wie Kaffeesatz-Leserei als es sonst schon der Fall ist. Und ein Verein wie der MSV Duisburg ist nahezu jeder Verein in der 2. Liga – entsprechend den gesteckten Zielen.

Ich will das erklären. Natürlich lässt sich aus der Karriere eines Spielers etwas über den potentiellen Wert dieses Spielers für den Kader eines Zweitliga-Vereins hochrechnen, aber in dieser 2. Liga ist weniger der einzelne Spieler entscheidend für den möglichen Erfolg des Vereins als die Verwirklichung einer Strategie. Ob der einzelne Spieler die Mannschaft stärken wird, ist schon eine falsch gestellte Frage angesichts der Fluktuation in den Kadern während der Sommerpause. Zehn bleibende Spieler und 17 oder noch mehr hinzukommende. Da muss jemand vorher ein Bild vom Ganzen haben, in das er die Spieler möglichst vorteilhaft platziert.

Verfolgt man die Spielerverpflichtungen des MSV Duisburg, wird deutlich, dieses Bild ist im Verein vorhanden. Das hat bei aller Enttäuschung über den Zeitpunkt des Vereinswechsels von Bruno Hübner mit seiner Arbeit zu tun. Er hat schon früh in der abgelaufenen Saison begonnen, weiter an der Verwirklichung des auf drei Jahre angelegten Plans zum Aufstieg zu arbeiten. Wenn nach seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt die Nachrichten zu neuen Spielerverpflichtungen unterbrechungslos gemeldet werden konnten, wird er dafür Vorarbeit geleistet haben. Welcher Spieler genau als erster völlig ohne seine Dazutun verpflichtet wurde, lässt sich von außen gesehen gar nicht sagen.

Florian Fromlowitz erzählt etwa irgendwo – ich such jetzt nicht extra danach – , der erste Kontakt zum MSV Duisburg sei durch einen Anruf von Milan Sasic zustande gekommen. Da hätten wir die originäre Leistung ohne Bruno Hübner, die beweist, die kleine Krise durch seinen Weggang wurde sehr gut bewältigt. Das ist etwas, was übrigens David Nienhaus mit seinem Contra-Kommentar zur Fromlowitz-Verpflichtung ganz übersieht. Es geht bei diesen Verpflichtungen nicht nur um den einzelnen Spieler. Es geht um das Gefüge. Und das Gefüge auf der Position des Torwarts hat bei aller Leistung von David Yelldell in der letzten Saison nicht gestimmt. Zudem hat die Verpflichtung Strahlkraft, weil da ein Torwart kommt, der seine Erfahrung in der Bundesliga gemacht hat und zwar in einer Zeit, die überaus schwer für ihn gewesen ist. Das wirkt über die einzelne Spielerverpflichtung hinaus. Florian Fromlowitz hat bereits einen Namen, welche Schwächen  auch immer er hat. Seine Verpflichtung ist ein Zeichen für die Öffentlichkeit, für den Spielermarkt und für Gegner. Die Begründung für so eine Verpflichtung ist viel komplexer als ein direkter Vergleich des Leistunsvermögens von David Yelldell und Florian Fromlowitz. Genau das belegt die erfreute Reaktion von uns Fans.

Die Verpflichtung von Florian Fromlowitz bestätigt den Eindruck, beim MSV Duisburg wird planvoll gehandelt und Chancen werden nur im Sinne des Plans ergriffen. Ich erkenne anhand der Spielerverpflichtungen die Konturen eines Bildes, auf das ich hoffnungsfroh neugierig bin. Wenn ich recht überlege, ist die Sommerpause eigentlich doch mindestens eine Woche zu lang. Es könnte heute Abend endlich wieder beginnen.

In einem Raum mit Bruno Hübners Neuem, als es um TV-Rechte ging

Nur selten berührt der Fußball mein Schreiben außerhalb dieses Blogs. Gestern war das anders, und prompt stand ich vor der Aufgabe mit Bruno Hübners Neuem einen Raum zu teilen. Der Mann kennt mich Gott sei Dank nicht. Was hätte das für peinliche Szenen geben können. Wer weiß, wozu ein Mann fähig ist, der Bruno Hübner an unserem großen Tag in Berlin zur Vereinbarung von Vertragsgesprächen angerufen haben soll. Weiß ich, wozu ich fähig bin?

Da saß Heribert Bruchhagen also auf einem Podium beim Medienforum.NRW und sollte die DFL-Meinung beim zukünftigen Verkauf der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga zum besten geben. Die Fernsehrechte für die Übertragung von Bundesligafußball sind zwar noch für zwei Jahre bis zum Ende der Saison 2012/2013 vergeben, doch schon in diesem Jahr sollen neue Verträge festgezurrt werden. Von Anfang an machte Heribert Bruchhagen den Eindruck, als beginne auf dem Podium vorne die erste Runde der Verhandlung. Denn ebenfalls gestern wurde der Entscheid des Bundeskartellamts öffentlich, demnach eine Highlight-Verwertung im Internet ab 19 Uhr bei gleichzeitiger Free-TV-Verwertung erst ab 21.45 Uhr möglich wird. Bei so einem Verwertungs-Modell bliebe die ARD-Sportschau ohne Bilder vom Fußball.

Wie positioniert man sich in Verhandlungen? Man besinnt sich auch hier zunächst einmal auf das Zwischenmenschliche und macht dem Lieblingspartner schöne Augen. Da lobte also Heribert Bruchhagen den Pay-TV-Anbieter Sky in höchsten Tönen dafür, durch die samstägliche TV-Konferenz der Fußballspiele die Familien als Zuschauer der Fußball-Bundesliga gewonnen zu haben. Ich hatte immer gedacht, das mit den Familien und dem Fußball sei eine Idee in den 90ern gewesen. Neue Stadien brachten neue Zielgruppen. Aber eigentlich sind solche Überlegungen auch egal, weil Heribert Bruchhagen gegenüber dem ebenfalls anwesenden ARD-Sportkoordinator, Axel Balkausky,  nur die enge Verbundenheit der DFL mit Sky zeigen wollte. Das lief anders als mit Bruno Hübner. Da wurde dieses Mal nicht heimlich sondern vor allen Augen mit dem anderen Partner geflirtet. Das steigert die eigene Attraktivität ungemein. Heribert Bruchhagen hat´s echt drauf, und denkt natürlich an so etwa wie „Freunde bleiben wollen“, wenn er über die Sportschau redet und die ARD in höchsten Tönen für die vergangene Zeiten lobt. Aber wer weiß, vielleicht erweist sich die alte Braut doch noch als die bessere Partie, wenn sie erstmal noch genauer ihre Besitztümer bilanziert hat.

Schließlich geht es um die Frage, wer soll das viele Geld bezahlen, das nach Meinung der DFL die Fußball-Bundesliga als „Premiumprodukt“ wert ist. Verwertungsrechte findet auch Yahoo interessant. Dort will man durch die Erfahrung aus den USA und Großbritannien gestärkt aus der im Internet  bislang „schwach aufgestellten Fußball-Bundesliga“ ein besseres Internet-Angebot machen. Immer nur, wenn es sich rechnet. Doch wenn selbst kaum ein TV-Sender die bislang verlangten Geldsummen refinanzieren kann, halte ich es doch für sehr unwahrscheinlich, dass durch den  Verbreitungsweg per Internet und Smartphone-Applikation das entsprechende Geld verdient wird. Doch diese Einnahmen müssen sein, wenn die Liebe zur ARD als Rechteverwerter nurmehr noch glimmt.

Ich habe den Raum nach der Veranstaltung schnell verlassen. Ich musste einen Text schreiben, und heute dann noch diesen hier. Ich merke, das hat meinem Verhältnis zu Heribert Bruchhagen ganz gut getan.

Bruno Hübner kümmert sich um die Arbeitsbedingungen

Wer so plötzlich den Arbeitgeber wechselt wie Bruno Hübner, kann am neuen Arbeitsplatz nicht lange Ausschau halten, was alles zu tun ist. Da geht es gleich in die Vollen: Interview hier und Stellungnahme dort. Die gute Stimmung muss geschaffen werden. Denn Bruno Hübner gilt in Teilen des Umfelds von Eintracht Frankfurt angesichts der im Vorfeld gemutmaßten möglichen Besetzungen des Sportdirektors wohl als eine schwächere Lösung.

Für die gute Stimmung braucht es große Worte. Wir sind noch immer empfindlich in Duisburg. Deshalb versetzt seine „Herzensangelegenheit“ Eintracht uns noch einen kleinen Stich, auch wenn das nur auf der Internet-Seite von Eintracht Frankfurt steht. Wo, wenn nicht dort, ist der Raum für solche bekannten und ewig gleichen Sätze. Ich liebe dich, das will ein Mensch auch in der fünften Ehe noch hören.

Die gute Stimmung im Umfeld lässt sich auch durch Interviews verbessern, gerade wenn sich in diesem Interview klare Gedanken zu Eigenheiten und Qualitäten des Fußballs in der 2. Liga finden. Für uns fallen bei Bruno Hübners Interview mit der Frankfurter Rundschau aber auch noch ein paar Seitenblicke auf seine Arbeit beim MSV Duisburg ab. Wir müssen natürlich ein paar Abstriche bei seinen Aussagen vornehmen. Jeder Arbeitnehmer schönt an einem neuen Arbeitsplatz die Vergangenheit ein wenig. Jüngste Erfolge erhellen dann auch die durchwachsene Zeit der Anfänge mit. Bruno Hübner etwa kann sich heute kein Kompetenzgerangel mehr mit Heribert Bruchhagen vorstellen, schließlich habe er sich auch „gegen Walter Hellmich in Duisburg durchsetzen“ müssen, und Walter Hellmich sei „einer, der meint, alles besser zu wissen.“ Das ist uns aufmerksamen Beobachtern des MSV Duisburg wahrlich nicht verborgen geblieben. Bruno Hübner wird für sein Vorstellungsgespräch per Interview deshalb weder an die Personalie Markus Brzenska gedacht haben noch an die im Verantwortungsdreieck mit Walter Hellmich und Peter Neururer entschiedenen Spielerverpflichtungen, die mit dem damals öffentlich verbreiteten Konzept für den MSV Duisburg so gar nicht zusammenpassten. Man behält eben vor allem die schönen Momente der Vergangenheit in Erinnerung.

Dann müssen wir also mal ganz schnell b-planen

Wie oft gibt uns der Fußball die Gelegenheit zu großen Gefühlen. Wie schnell wechseln sie sich für uns Zuschauer ab. Wem es wann immer auch gelingt, dieses gesamte Spektrum der Gefühle von grenzenloser Begeisterung zu abgrundtiefer Enttäuschung stets fließend ausklingen zu lassen, ist ein begnadenswerter Mensch. Erlebt er doch in einem Spielfeld seines Lebens zutiefst wahre Gefühle, ohne im eigentlichen Leben dauerhaft Schaden zu nehmen. Gestern aber fürchtete ich beim Lesen der Pressemeldung vom MSV Duisburg, dass da bei mir in der nächsten Zeit erst einmal nichts ausklingen würde. Dabei ging es nicht einmal um ein Spiel. Mein Gefühl der Enttäuschung blieb so ernst, dass ich im ersten Augenblick nichts anderes hier habe reinstellen wollen als den Clip mit der jüngsten Hymne der Enttäuschten. Es ist nicht die Hymne meiner Generation, aber schon vor fünf Jahren konnte ich mich bei jüngeren Freunden in ihr wiedererkennen. Und gestern dachte ich in einem ersten trotzigen Aufwallen bei allem, was ich über Bruno Hübner und sein Verhältnis zum MSV Duisburg in den nächsten Wochen las, irgendsowas ähnliches wie Scheiß auf Freunde bleiben.

Natürlich verstehe ich sofort die Gründe, warum es Bruno Hübner zu Eintracht Frankfurt zieht. Die Nähe zur Heimat, die besseren finanziellen Möglichkeiten für die Arbeit, die lokale Marktführerschaft der Eintracht, was weiß ich, alles spricht für den zukünftigen Konkurrenten des MSV Duisburg in der 2. Liga. Ich glaube auch gerne, dass ihm der Entschluss schwer gefallen ist. Dennoch verschwindet nicht das Gefühl, hintergangen worden zu sein. Ich weiß selbst, so ein Gefühl wirkt angesichts dieses Geschehens im Unterhaltungsbetrieb Fußball  etwas lächerlich. Ich kann nichts dagegen tun.

Wenn ich lese, dass in der Zeit vor dem Pokalfinale die Verhandlungen zwischen Heribert Bruchhagen und Bruno Hübner geführt wurden, komme ich mir vor, als habe meine Freundin im Nebenzimmer mit nem Typen rumgemacht, während ich noch vom nächsten Sommerurlaub schwärme. Vielleicht ist das ungerecht, und normalerweise habe ich keine Schwierigkeiten damit, den Fußball als Wirtschaftszweig mit sehr eigenen Vertragsverhältnissen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern anzuerkennen. Doch wegen des Zeitpunkts und der Umstände der Kündigung von Bruno Hübner beim MSV Duisburg brauche ich noch etwas Zeit, meinen Sinn für Realismus wiederzufinden.

Nun muss sich der MSV Duisburg um einen Plan B kümmern, an den dort, laut Geschäftsführer Roland Kentsch, niemand gedacht hat. Mit unerwarteten Ereignissen rational umzugehen, das gehört zum Tagesgeschäft der MSV-Führung.  Dafür wird sie bezahlt. Einmal mehr vertraue ich auf die Kontakte von Roland Kentsch. Es wird sich ein Sportdirektor finden. Dieser Sportdirektor wird andere, aber hoffentlich genauso gute Kontakte wie Bruno Hübner haben. In der Enttäuschung von so vielen am MSV Duisburg Interessierten drückt sich auch gar nicht die Sorge aus, Bruno Hübner liesse sich nicht ersetzen. In dieser Enttäuschung zeigt sich das Wissen, für den Erfolg eines Vereins wie dem MSV Duisburg ist mehr nötig als das Abarbeiten von Aufgaben auf sportlicher Ebene.

Für den Erfolg eines Vereins wie dem MSV Duisburg braucht es einen Geist des Zusammenhalts, der von Menschen im Verein gelebt und nach außen getragen wird. Diese Menschen müssen in realistischer Weise voranweisende Gedanken in die Öffentlichkeit bringen. Bruno Hübner hat für mich diesen Realismus und den Plan für die Zukunft verkörpert. Diesen Wert für den Verein hat er ungeachtet seiner Spielerverpflichtungen bewiesen. Bislang haben sich weder Dieter Steffen noch David Karpathy in der Öffentlichkeit als Stimme des MSV Duisburg sonderlich stark positioniert. Der MSV Duisburg braucht aber eine Stimme, die dem Unternehmen MSV Duisburg ein Bild seiner selbst vermittelt.

Der Zusammenhalt scheint nun auch wieder gefährdet. Es wird spekuliert, welche weitere Geschichte hinter der Geschichte der Kündigung steht. Bruno Hübner selbst deutet Schwierigkeiten zwischen „Verein und Gmbh“ an. Die Kräfte im MSV Duisburg scheinen sich zunächst einmal wieder nicht zu bündeln. Wenigstens beruhigt mich an der Situation der schon fortgeschrittene Aufbau des Spielerkaders für die neue Saison. Für den Erfolg des MSV Duisburg ist das gegenseitige Vertrauen der sportlich Verantwortlichen aber genauso wichtig. Ich hoffe sehr, wenn Milan Sasic den zukünftige Sportdirektor kennenlernt, wird die Phase mit dem „Freunde bleiben“ schnell vergessen sein. Das kennen wir doch alle, wenn die Chemie stimmt, verblasst die Vergangenheit.  Dann können wir endgültig den Frankfurtern die Überlegung überlassen, ob sie nicht in Wahrheit Iggy Pop als Sportdirektor verpflichtet haben. Und ob der sich im deutschen Fußball gut auskennt?

Traurige Tage

Gab es früher in den Ladenlokalen eigentlich diese handgeschriebenen Pappschilder wirklich: „Wegen Trauerfall vorübergehend geschlossen“? Oder ist das nur eine Erfindung für den Spielfilm? So ein Schild spart lange Erklärungen. So ein Schild ist ein erzählerischer Trick, um dem Helden die nächste Schwierigkeit seines Heldenlebens zu präsentieren. Ganz selten schickt es den den Zuschauer auch in bange Erwartungen. Immer wieder gibt es zurzeit Momente, in denen ich ein abfotografiertes Pappschild als nächsten Beitrag auf diese Seiten setzen möchte. Die Nachrichten über den MSV Duisburg fügen sich in meine Grundstimmung dieser Tage.

Schon wieder ist ein Wochenende vergangen, das Hoffnung nimmt und das eine Niederlage als befürchteten Ausgang des DFB-Pokalfinales ein wenig wahrscheinlicher macht. Nach Srdjan Baljkas Verletzung beim Spiel gegen den FC Energie Cottbus fällt ja nicht nur ein weiterer wichtiger Spieler dieser Mannschaft aus. Es braucht auch innerhalb der Mannschaft zusätzliche Energie nach jedem Rückschlag neue Zuversicht zu entwickeln. Im Fall Baljak gilt das besonders, weil er gerade dabei war, an sehr gute Leistungen der Vergangenheit anzuknüpfen.

Die Niederlage war erwartbar gewesen. Zu groß war das Bedürfnis in Cottbus, einen Ausgleich zu schaffen für all das, was dort tatsächlich Niederlage war, als Niederlage empfunden wurde oder als unangemessene Behandlung beim Aufenthalt in Duisburg. Der MSV Duisburg und Bruno Hübner haben Claus-Dieter Wollitz, Pele genannt, an wunden Punkten getroffen. Anders ist seine Reaktion auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, wie sie hier bei Der Westen geschildert wird, mir nicht erklärbar. Da geht es meiner Meinung nach mehr um ein Selbstbild und dessen Gefährdungen als um strategisches Handeln eines Trainers und das tatsächliche Fußballgeschäft.

Die Niederlage spielt nur eine kleine Rolle. In Cottbus mag sie Genugtuung verbreiten. In Duisburg wird sie mit Achselzucken zur Kenntnis genommen. In Duisburg geht es um Größeres. Es geht um das Weiterleben der Hoffnung auf den Erfolg im DFB-Pokalfinale. Diese Hoffnung wird zurückkommen. Denn Leben in jeder Form bleibt immer Dasein. Wir können nicht anders als zu hoffen, egal ob auf die Ewigkeit dieses Lebens oder auf den Sieg im DFB-Pokalfinale.

Warum Ioannis Amanatidis keine Verstärkung gewesen wäre

Warum kurz vor Ende der Transferzeit, das Gerücht aufkam, der MSV Duisburg könne den Stürmer Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt ausleihen, habe ich nicht genau verfolgt. Am letzten Wochenende musste ich aber noch einmal an dieses Gerücht denken. In der Süddeutschen Zeitung ging es um die in Deutschland übliche Zurückhaltung über das eigene Einkommen zu reden. Der Verfasser des Artikels brachte diese Zurückhaltung in Zusammenhang mit der Leistungsbereitschaft der Gehaltsempfänger und kam zu dem Schluss, das Schweigen zu Gehältern kommt dem Betriebsklima sehr zugute. Die meisten Menschen beginnen schließlich ganz schnell über Gerechtigkeit nachzudenken, wenn es um sie selbst geht. Der Maßstab für die Zufriedenheit eines Arbeitnehmers ist nämlich nicht die absolute Höhe des Gehalts sondern die relative Höhe im Vergleich zum Kollegen.

Soll dieselbe Arbeit für weniger Geld erledigt werden, trägt das nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben. In schlechter Stimmung wird aber weniger geleistet. Mancheiner macht das dann sogar bewusst als Trotzreaktion. Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno Frey interessiert sich für eine sehr lebensnahe wirtschaftswissenschaftliche Forschung und hat solche Effekte der Ungleichbehandlung bei der Entlohnung untersucht. Der Erfolg von Fußballmannschaften als Ausweis der Leistungsbereitschaft ihrer Gehaltsempfänger, der Fußballspieler, war für ihn sowie Sascha L. Schmidt und Benno Torgler die Ausgangsüberlegung der Untersuchung. Zur Fußball-WM 2006 wurden erste Ergebnisse, aufbereitet für die Zeitungsleser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, veröffentlicht. Der abschließende wissenschaftliche Aufsatz mit entsprechendem Statistikteil erschien zwei Jahre später.

Behalten wir das Gefühl des Neids im Blick, können wir also als Nachtrag zur letzten Transfer-Periode feststellen: Selbst wenn der MSV Duisburg das Geld zur Ausleihe von Ioannis Amanatidis gehabt hätte, das Risiko ihn zu verpflichten wäre groß gewesen und zwar nicht, weil er selbst vielleicht nicht die Verstärkung gewesen wäre, die man sich von ihm erhofft hätte, sondern weil seine Anwesenheit andere Spieler schlechter hätte machen können. Gefühle lassen sich nicht unterdrücken.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: