Posts Tagged 'Caiuby Francisco da Silva'

Wie ist noch mal der Brasilianer?

Lebenslustig und immer voller Sehnsucht, den Ball am Fuß zu spüren, so ist der Brasilianer. Auch ein Brasilianer in Ingolstadt macht da keine Ausnahme, das weiß der Donaukurier im  Vorbericht zum Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Ingolstadt zu berichten. Diesen Brasilianer kennen wir auch, Caiuby ist sein Name und ich meine mich sogar zu erinnern, wie ich ihn einmal mit Ball am Fuß und Sambatrommeln schlagend durch die Duisburger Innenstadt habe ziehen sehen, um den trübsinnigen Duisburgern ein wenig von seiner Lebenslust zu schenken. Auf dem Spielfeld im Stadion hatte das damals ja nur unzureichend geklappt, da war seine Lebenslust ja immer wieder durch was auch immer – akute Versagensangst? – in triste Rumpelfußballer-Lethargie verwandelt worden. In Ingolstadt scheint das nun anders zu laufen. Was mich als Unterstützer eines brasilianischen Leitkultur-Gedankens zwar freut, den MSV-Fan in mir aber die Stirn runzeln lässt. Andererseits befinde ich mich in der komfortablen Lage, dass auch eine Niederlage in Ingolstadt bei meinem Plan zum Klassenerhalt eingerechnet ist. Im oben verlinkten Artikel stellt der Donaukurier einen Clip mit PK-O-Ton von Ingolstadts Trainer Tomas Oral ins Netz. Der nun geht davon aus,  35 Punkte sollten diese Saison reichen, um die Liga zu halten. Seit Rostocks Sieg gestern denke ich, vielleicht hat er ja doch recht, und meine Prognose nach der Niederlage von Aachen gegen Dresden wäre viel zu wagemutig. Meiner Rechnung gemäß langen sogar unglaubliche 28 Punkte, ein gutes Torverhältnis und, was auf jeden Fall hinzukommen muss, ein ebenso unglaublich stabiles Nervenkostüm aller Beteiligten, von Spielern, Verantwortlichen und uns Zuschauern. Ein Punktgewinn in Ingolstadt würde die Aufgabe für uns in Duisburg natürlich erleichtern. Aber wie wir Oliver Reck kennen gelernt haben, reicht ihm das nicht. Der will auch dort gewinnen. Meine Unterstützung hat er. MSV-Leitkultur voran.

Schade!

Manchmal verrennt man sich beim Nachdenken über ein Problem. Das Problem hieß: Misstrauen bei Betrachtung der zu erwartenden Leistung eines Fußballspielers zum Ende der Saison hin. Ich habe vorgestern die Verantwortung für die Lösung des Problems zu einseitig bei denjenigen gesehen, die mit dem Fußball ihr Geld verdienen. Die Zuschauer des Fußballs stehen aber ebenfalls in einer Verantwortung. Die Spieler kamen gestern ihrer Verantwortung nach, ein Teil der Zuschauer nicht. Diese Mannschaft des MSV Duisburg wollte gestern gewinnen. Diese Mannschaft versuchte, was ihr möglich war. Was sollen da Pfiffe im Stadion? Vor dem Spiel gegen Christian Tiffert, während des Spiels gegen die Mannschaft, als nach der Halbzeitpause zunächst die Versuche immer wieder scheiterten, den Ball kontrolliert in Tornähe zu bringen.

In den Fußballspielen der Gegenwart erleben wir sowohl in Bundesliga als auch in der 2. Liga so häufig solche Spielverläufe. Die Defensive  beider Mannschaften steht sehr gut und die fortwährenden Angriffe der einen Mannschaft wirken in Strafraumnähe oft hilflos. Es ist so viel einfacher, im Training die kollektive Bewegung gegen den Ball führenden Spieler zu üben als den Angriff. In Ballbesitz kommt es für den Erfolg viel mehr auf die technische Fertigkeit jedes einzelnen Spielers an. Es ist eine Binsenweisheit, dass der Raum für den Ball und damit der Raum, das Spiel zu gestalten, so gering geworden ist. Wo setzt man also beim Training an?

Zu sehen war eine zu Beginn sehr entschlossene Mannschaft des MSV Duisburg, die wusste, sie muss dieses Spiel gewinnen. Doch wir sahen wieder, wie schwierig es im heutigen Fußball ist, die Verantwortung für das Spielgeschehen zu übernehmen, ohne in der Defensive große Lücken zu schaffen. Gestern spielte der MSV Duisburg in der Defensive wirklich gut. Dennoch wurde Ballverlust manchmal gefährlich, weil unsere Außenverteidiger diese Vorwärtsbewegung mit unterstützen müssen, um den notwendigen Druck auf den Gegner zu erzeugen. Die Ballverluste geschehen aber. Diese Mannschaft steht also immer vor der Aufgabe, den notwendigen Druck zu erzeugen, ohne die Kontermaschinerie des Gegners zu füttern. Das gelang gestern gut, im Vergleich zu so vielen anderen Spielen der Saison, in denen die Mannschaft offensiv spielen sollte. Dass in der Vorwärtsbewegung eine gesicherte Ballkontrolle selten mit einer gefährlichen Aktion endete, ergibt sich aus dem Zusammenwirken von guter Defensive der Fürther und den spielerischen Möglichkeiten während der Vorwärtsbewegung des MSV Duisburg. Die Angriffe kann die Mannschaft über das gesamte Spiel hin nicht so präzise vortragen, wie es nötig wäre, weil die technischen Fähigkeiten der einzelnen Spieler bei der Ballverarbeitung nicht dauerhaft so gut sind, um Angriffe mit vielen zwingenden Chancen abzuschließen.

Die großen Chancen in der zweiten Halbzeit ergaben sich deshalb durch Standardsituationen. Wer darauf hinweist, um zu mäkeln, dem sei gesagt, das ist bei anderen Mannschaften, auch der Bundesliga, häufig nicht anders; und auch diese Standardsituationen müssen erst einmal erarbeitet werden. Außerdem: wann haben wir diese mehrmalige Torgefahr nach Ecken und Freistößen das letzte Mal gesehen? Fahrenhorst an den Pfosten und zweimal knapp vorbei.  Tiago, dessen wuchtigen Kopfball der Fürther Torhüter Max Grün mit einem beeindruckenden Reflex hält. Nicky Adler mit einem Kopfball kurz vor Spielende an den Pfosten. Das sind nur die Chancen, an die ich mich ganz klar erinnere. Es waren mehr, und es ist schade, dass nicht eine dieser Chancen zum Tor wurde.

Will man Kritik üben, muss man in der ersten Halbzeit ansetzen, als nach etwa 25 Minuten mit einem Mal Unsicherheit in der Mannschaft zu spüren war. Der Grund waren Fehlpässe im Mittelfeld. Im Gegensatz zur zweiten Halbzeit, in der die Angriffe des MSV Duisburg erst in Strafraumnähe mit einem zu unpräzisen Pass endeten, wurden in der ersten Halbzeit die Bälle auf einfache Weise hergegeben. Deshalb kamen die Fürther ins Spiel zurück und fühlten sich mit jeder Balleroberung wieder etwas stärker. So kam es zum von Caiuby verursachten Elfmeter, den Tom Starke mit eindrucksvoller Parade hielt. Die Begeisterung, mit der seine Mitspieler ihm danach gratulierten, zeigte ebenfalls, wie motiviert die Mannschaft war.

In einer idealen Fußballwelt würde dieses Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth von den Zuschauern genommen, um sich trotz aller Enttäuschung mit dem MSV Duisburg verbunden zu fühlen. In dieser idealen Fußballwelt könnte der Verein mit ein wenig Abstand die Fehler vor allem der ersten Halbzeit noch einmal benennen. Es könnte überlegt werden, dass im mittelfristigen Trainingsplan auf jeden Fall Laufwege beim Konterspiel einen Platz finden müssten. Und schließlich könnte auf kurze Frist mit dem Vertrauen auf die verbesserte Stimmung im Umfeld an das Spiel in Augsburg gedacht werden – das ja als Auswärtsspiel vielleicht mal wieder mit einem Sieg enden könnte. Ich bin gespannt, welche Momente der idealen Fußballwelt ich in der Wirklichkeit vorfinde.

Abschlussschwäche von RWO-Abwehr bringt MSV um drei Punkte

Besser konnte die Abwehr des MSV Duisburg es ihren Oberhausener Kollegen nach etwas mehr als einer halben Stunde Spielzeit einfach nicht vormachen. Tatsächlich ins eigene Tor schießen, das geht natürlich nur beim Training. Aber einem Eigentor möglichst nahe kommen, um damit dem Gegner Vorbild zu sein, das muss der MSV Duisburg mit seinen zurzeit nur selten erfolgreichen Stürmern anscheinend einfach riskieren. So kam es zu diesem perfekt vorgetragenen Zusammenspiel von MSV-Abwehr und RWO-Sturm. Über halbrechts drang ein Oberhausener Stürmer bei einem Konter in den Strafraum Richtung Torauslinie ein. Scharf folgte der Pass in die Mitte. Der Ball flog an Tom Starke vorbei. Hinter Starke hätte der halblinks in den Strafraum sprintende Oberhausener Stürmer den Ball möglicherweise ins Tor reingrätschen können. Doch sicherheitshalber wollten zwei Abwehrspieler der Duisburger ihm zuvorkommen. Der erste verpasste den Ball, der zweite aber traf, und am rechten Pfosten rollte der Ball knapp vorbei. Maßarbeit! Selbst die Stadionregie wollte diesen Versuch vorbildhaft zu wirken mit ihren Mitteln unterstützen und blendete einen neuen Spielstand ein: 2:3 stand da auf der Anzeigetafel. Das signalisierte, wenn alles klappt, liebe Oberhausener Verteidiger, wird euer Eigentor sogar hier oben lobend erwähnt. Nach etwa einer Minute wurde das Phantomtor dann wieder gelöscht. Schließlich soll man es nun auch nicht übertreiben mit der freundlichen Zuwendung.

Trotz der vorbildhaften Bemühung hat die Oberhausener Abwehr völlig versagt. Sie hat es darauf ankommen lassen, vor allem Srdjan Baljak und Caiuby bei ihren Versuchen ein Tor für den MSV Duisburg zu erzielen, allein zu lassen. Dabei hat die Duisburger Abwehr gerade in der ersten Hälfte nicht nur mit der vorbildhaften Anleitung zum Eigentor sehr viel dafür getan, um ein freundliches Klima zwischen beiden Mannschaften entstehen zu lassen. Das Zusammenspiel von MSV-Abwehr und RWO-Angriff verhalf dem Spiel zu zwei Toren. Früh schon, in der 7. Minute,  erinnerten sich die MSV-Verteidiger nämlich daran, dass die Bewegungen gegnerischer Stürmer dann besonders gut zur Geltung kommen, wenn ihnen viel Raum gelassen wird. Schnelles Eindringen in den Strafraum und ein Torschuss gelingen einfach besser, wenn niemand dabei stört. Das wussten Torschütze Moritz Stoppelkamp und seine Sturmkollegen sehr zu schätzen und versuchten diese Art Angriff deshalb gleich mehrmals. Allerdings muss bei solchen Versuchen das eigene Können auch  jedes Mal vollständig abgerufen werden, sonst braucht es noch mehr Unterstützung. Beim zweiten Stoppelkamp-Tor verhedderten sich die Oberhausener Stürmer nach der ersten Angriffswelle in den Duisburger Strafraum hinein. Sie fanden für ihren stürmerischen Ausdruck keine passenden Positionen mehr, weil der ihnen zur Orientierung dienende Ball von der Duisburger Verteidigung in Besitz genommen war. Es müssen die verloren wirkenden Blicke der Oberhausener Stürmer gewesen sein, die die Duisburger Spieler in dem Moment zutiefst rührten. Sie brachten es nicht über das Herz, den Ball aus dem Strafraum wegzuschlagen, sondern überließen ihn noch zweimal diesen unglücklichen Oberhausener Spielern.  Der Lohn dieser Geste war die Freude sämtlicher Oberhausener über die barmherzige Gabe, die sie selbstlos weiterreichten, um dem großen Ganzen, dem Spiel, ein Tor zu schenken.

An die Leistung ihrer Sturmkollegen reichte die der Oberhausener Verteidigung aber eben nicht heran. Ab Mitte der zweiten Halbzeit schienen die Verteidiger schwer angeschlagen zu sein, so dass niemand mehr ihnen einen kräftigen Schuss aufs eigene Tor hätte zugetraut.  Spätestens da war es an der Zeit, dass der MSV Duisburg so einen Schuss selbst auf  den Fuß nehmen musste. Doch reichten die Mittel der Mannschaft nicht aus, einen Gegner auszuspielen, dessen körperliche Kräfte so deutlich nachließen. Im Gegenteil, mancher von der Oberhausener Abwehr weit nach vorn geschlagene Ball fand häufig genug einen Mitspieler im Mittelfeld, so dass auch zu diesem Zeitpunkt noch der ein oder andere Oberhausener Konter Richtung Duisburger Tor gelaufen wurde.

Einmal mehr spielte die gegnerische Mannschaft bei ihren Angriffszügen präziser. Beim MSV Duisburg gab es zu wenig schnelles Zusammenspiel. Und wenn es denn einmal versucht wurde, gelang oft der letzte Pass nicht oder der Abschluss vor dem Tor blieb viel zu harmlos. Die aussichtsreichste Chance zum dritten Duisburger Tor hatte der eingewechselte Dario Vidosic, dessen Schuss aber so wirkte, als wolle er Christoph Semmler im Oberhausener Tor den Ball präzise in die Arme spielen. Auch Caiuby mit seiner meiner Meinung nach stärksten Saisonleistung kam zum Ende des Spiels hin nicht mehr gefährlich in Strafraumnähe.

Die spielerische Qualität der Mannschaft reicht einfach nicht, um ganz oben mitzuspielen. Es gibt viele kleine Unzulänglichkeiten, die in der Summe jenen Unterschied zu den obersten vier Mannschaften ausmachen. Mit Bielefeld sehe ich den MSV Duisburg auf Augenhöhe. Ich möchte es anders haben.  Aber je länger die Saison andauert, desto anstrengender werden die gedanklichen Konstruktionen, die es mir ermöglichen meine Hoffnungen gegen die Einsicht noch aufrecht zu erhalten.

Liest man die Kommentare nach dem Spiel, scheint die Stimmung in der Mannschaft zu kippen. Eine allgemeine Unzufriedenheit sucht ein Ventil. Diesen Groll in produktive Energie umzuwandeln kommt als weitere Aufgabe auf Milan Sasic und sein Trainerteam zu – neben der weiterhin notwendigen Arbeit, die spielerische Qualität der Mannschaft zu steigern.

Sehr viel mehr Glück als Spielvermögen nötig

Das Karnevalswochenende hat mir Schlimmerers beschert als ein Rosenmontagsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit einem 1:1-Unentschieden als Ergebnis. Wenn von mir zu Beginn der Stunksitzung am Karnevalssamstag erwartet wird, dem leibhaftigen Hennes VIII. zuzujubeln, dann fühlt sich die Bestätigung dessen, was wir ja eigentlich schon gewusst haben, nicht mehr ganz so schlimm an. Um am Ende der Saison den dritten Platz zu erreichen, braucht es eine sehr unwahrscheinliche Verkettung von Ereignissen – mit anderen Worten: unglaubliches Glück. Auf die eigene spielerische Qualität kann sich die Mannschaft vom MSV Duisburg jedenfalls nicht verlassen.

Die erste Halbzeit habe ich gestern fast die gesamte Zeit dennoch mit großer Erleichterung erlebt. Nicht noch einmal mussten wir eine völlige Überforderung erleben, nicht noch einmal musste ich mich zwingen, trotz aller ohnmächtiger Resignation großes Unheil mitanzusehen. Die einzige Ausnahme war das kurz aufflackernde Entsetzen nach der Kaiserslauterner Großchance in der fünften Minute, bei der Tom Starke einmal mehr seine Klasse kurz vor der Linie beweisen konnte. Danach sahen wir ein ausgeglichenes, auf das Mittelfeld konzentrierte Spiel ohne Torchancen.

Eindrucksvoll war schon zu dieser ersten Halbzeit die Stimmung im Stadion. So eine Unterstützung vom Großteil der Fans in der Nordkurve – wie ich alter Wedau-Stadiongänger manchmal gerne nostalgisch-kokett sage – so eine Unterstützung kenne ich in der MSV-Arena sonst nur in besonders umkämpften Spielphasen. Schon vor dem Spiel war der Zebra-Twist neben der Schweigeminute zur besonderen Ehrerbietung gegenüber dem verstorbenen Werner „Eia“ Krämer geworden. Die „Eia“ Krämer gewidmete Zeile des Textes steht heute auch hier noch einmal zur Erinnerung und wer es gestern Abend nicht gehört hat, der muss sie sich lauter und eindringlicher gesungen vorstellen, als er es  sonst aus der MSV-Arena kennt: „Wo alle Mann, mit Helmut Rahn, sie kämpfen, greifen an, gut abgewehrt, und wieder vor, dann Krämer, Pass und Tor!“

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wurde der MSV druckvoller. Die Mannschaft eroberte sich im Mittelfeld immer öfter den Ball, doch diese Balleroberungen führten kaum einmal zu klaren Spielzügen. Von zu vielen Zufallen war auch gestern das Angriffsspiel des MSV Duisburg abhängig. Selbst in diesem recht ausgeglichenen Spiel war zu erkennen, die Kaiserslauterner Angriffe verliefen präziser und wirkten dynamischer. Ich möchte gerne einmal erklärt bekommen, woran es liegt, dass dieses schnelle Umschalten nach der Balleroberung beim MSV Duisburg nicht zu erkennen ist. Entweder fehlt nach der Balleroberung eine Anspielstation in der Spitze, oder wenn ein freier Spieler nach der Balleroberung das Tempo beschleunigt, meist war es Srdjan Baljak, wird er zu spät angespielt und läuft deshalb ins Abseits. Die andere Variante mangelnder Torgefahr lässt sich mit Caiuby beschreiben. Er spielt Klassen besser als zu Beginn der Saison. Er gehörte zu den Spielern, die im Mittelfeld mehrmals den Ball eroberten, als die Kaiserslauterner in der Vorwärtsbewegung waren. Das machte er mit großem Einsatz und riskierte dabei oft schmerzhafte Zusammestöße mit den Gegenspielern. Er eroberte sich also den Ball und behauptete ihn sogar in der drangvollen Vorwärtsbewegung, doch die letzte Aktion misslang ihm zu oft. Sicher, Caiuby war es, der die Vorarbeit zum Ausgleich leistete, doch normalerweise kam nach eindrucksvollen Raumgewinn ein ungenaues Abspiel oder die Flanke flog hinters Tor. In meinen Augen charakterisiert seine Leistung das gestrige Spiel des MSV Duisburg in besonders typischer Weise: Sehr einsatzfreudig, mit manchmal kurz aufblitzendem Können, aber meist zu unpräzise, um torgefährlich zu werden.

Olcay Sahan geht übrigens zurzeit durch ein Tief. Kaum hatte ich nach dem Spiel gegen den FSV Frankfurt geschrieben, seine körperliche Durchsetzungsfähigkeit habe sich stabilisiert, schon war genau diese Robustheit wieder verschwunden. Gestern konnte er einem leid tun, so oft lag er ungefoult auf dem Boden, allein deshalb weil er an einem stämmigen Abwehrspieler abgeprallt war.

Natürlich fiel das Führungstor für Kaiserslautern in jener Phase, als die Hoffnung wuchs, der Verein aller Vereine könne das erste Tor erzielen. Beim Wiederanstoß sah es für einen Moment so aus, als hätten die Spieler des MSV Duisburg resigniert. Doch irgendwie haben sie es doch geschafft, sich dem entgegen zu stemmen. Vielleicht lag es daran, dass für das Gestocher im Mittelfeld kurz nach dem Tor erst mal nicht mehr als der Wille benötigt wurde, den Ball vom Gegner unbedingt zu bekommen. Diesen Willen brachten die Spieler vom MSV Duisburg wieder auf. Dann setzte sich Caiuby auf dem linken Flügel durch und flankte. Gestern wurde Srdjan Baljak noch als Torschütze angegeben, heute lese ich, es war ein Eigentor von Rodnei. Danach waren beide Mannschaften noch bemüht, das Siegtor zu schießen. Allerdings waren bei meinen weiten Blick auf das gegenüberliegende Tor von Tom Starke meine Sorgen vor dem Gegentreffer größer als die Hoffnung auf das Siegtor des Vereins aller Vereine. Richtig gefährlich wurde es für Kaiserslautern jedenfalls nicht mehr.

Es war eine komische Stimmung, in der ich nach Köln zurück gefahren bin. Da machte sich geballter Alltag bemerkbar und störte mein Wohlbefinden. Bei mir meldet sich ja die Karnevals-Abschiedsmelancholie bereits am Sonntagabend, auch wenn der Rosenmontag gemeinhin als Höhepunkt des ganzen Feierns gilt. Diese Stimmung paarte sich nun sowohl mit Aufstiegsabschiedsgedanken als auch mit Unsicherheit im Vertrauen gegenüber der MSV-Führung im besonderen und grundsätzlichem Fußballkulturpessimismus im allgemeinen. Dass ich dann doch guter Dinge in Köln angekommen bin, liegt an meinem Imi-Dasein und dem unbedingten Glauben daran, dass noch immer alles gut gegangen ist. Ein wenig Kümmern muss man sich allerdings dennoch drum, um dieses Gutgehen, sagt der Duisburger in mir.

Wellness-Therapie zum Rückrundenauftakt

Den angestrengten Arbeitsalltag überwinden manche Zeitgenossen ja gerne auch mit dem Besuch von sich selbst so nennenden Wellness-Oasen, -Paradiesen und dergleichen. Bei Ayuverda-Massage und japanischer Kräuter-Sauna braucht es dann nur noch die entsprechend hohen Eintrittspreise und schon fühlt man sich unweigerlich so richtig well.

Die Spieler des MSV Duisburg versuchten es nach ihrem harten Trainingsalltag gestern einmal mit dem Wellness-Tempel MSV-Arena und ein wenig sportlicher Betätigung. Diese Spieler fühlten sich irgendwann so wohl, dass es ansteckend wirkte. Die Zuschauer des Spiels waren ja von vornherein gerne bereit, die Hochstimmung zu teilen. Aber dass auch ein Linienrichter gegen Ende des Spiels so guter Dinge war, dass er Bonus-Geschenke verteilte, erstaunt doch sehr. Schön für ihn und für Christian Tiffert, der nun auf die Reporterfrage nach dem kuriosesten Tor seiner Karriere endlich eine originelle Antwort besitzt: Jener Lattentreffer mit anschließendem Abprallen des Balles ein bis zwei Meter vor die Linie zum 5:0 des MSV Duisburg gegen den FSV  Frankfurt.

Schon die Aufstellung deutete an, das Spiel könnte ein Versuch des Trainergespanns sein, stimmungsaufhellend wirken zu wollen.  Caiuby stand von der ersten Minute an auf dem Platz, und vielleicht konnte ja dieses überraschende Vertrauen seine von irgendwem einmal wahrgenommenen Qualitäten wieder beleben. So richtig gut ist es für ihn trotz seiner Flanke zum 1:0 und einiger erkämpfter Bälle nicht geworden, aber so richtig schlecht, wie wir es von ihm gewohnt sind, war es auch nicht. Einen Stammplatz erspielen sieht aber anders aus.

Da sollte er sich Srdjan Baljak zum Vorbild nehmen. Was für ein starkes erstes Spiel für den MSV Duisburg! Nicht nur, weil er mit einem technisch anspruchsvollen Schuss nach einer glänzenden, ebenso anspruchsvollen Ballannahme das 1:0 erzielt hat. Er strahlt Gefahr aus, weil sein Spiel nicht leicht ausrechenbar ist. Er hat einen schnellen Antritt, ist dribbelstark und sieht dennoch die Abspielmöglichkeiten. Die Abstimmung mit den Mitspielern war natürlich noch nicht immer vorhanden, aber diese Zahl von Pässen ins Nichts gab es im Spiel des MSV auch schon mal in einer längst eingespielten Mannschaft. Bleibt also festzuhalten, mit Baljaks Verpflichtung hat Bruno Hübner doch sehr wahrscheinlich alles richtig gemacht.

Der MSV begann das Spiel gegen den FSV Frankfurt stark, druckvoll und ich war mir sicher, der Führungstreffer würde schnell fallen. Er fiel dann in der 13. Minute so früh, dass der Mannschaft genügend Zeit in der ersten Halbzeit blieb, die Zuschauer allmählich zu beunruhigen. Der MSV ließ in seinem Zug zum gegnerischen Tor nach und trotz der begrenzten spielerischen Möglichkeiten kam der FSV Frankfurt immer öfter in die Nähe des Tores von Tom Starke. Vielleicht aber wollte der Rest der Mannschaft  Tom Starke auch nur einmal das Gefühl gönnen, sich wohl zu fühlen, wenn er eine große Chance der Frankfurter verhindert. Die gab es, als nach einem steilen Pass der Frankfurter Sebastian Göbig alleine auf Starke zulief. Der Starke-Klassiker „Fußbabwehr auf der Linie“ verbreitet im Übrigen auch bei den Zuschauern besonders dann großes Wohlgefühl, wenn das mögliche Unheil für einige Zeit bei seiner Entwicklung beobachtet werden kann.

Dem Spiel des MSV Duisburg war deutlich die strenge taktische Anweisung anzumerken, den Ball kontrolliert aus der eigenen Hälfte nach vorne zu bringen. Das führte zu Kurzpassspiel auf Höhe des Elfmeterraums, was leicht gewöhnungsbedürftig ist in Duisburg, weil sich das Vertrauen in dieses kontrollierte Spiel erst entwickeln muss. Ich glaube außerdem, ich muss Björn Schlicke mal ein wenig zur Seite springen, der von vielen Fans ob seiner Leistungen angefeindet wird. Nun war er auch gestern nicht der sicherste Innenverteidiger, und dennoch gilt es festzustellen, dass er für den Erfolg der Mannschaft das spielerische Terrain zu verlassen versucht, auf dem er sich sicher fühlt.

Wir wissen, dass er in Bedrängnis sehr viel lieber den Ball wegschlagen würde und wir sahen aber auch, wie er dieses Mal immer wieder diesen befreienden Schlag vermieden hat. Das wirkte holprig und er schien manchmal überfordert, dennoch ist es ihm anzurechnen, dass er etwas versucht, was seinem ureigenen Spiel erst einmal nicht entspricht. Darüber hinaus war er nicht alleine mit diesen Schwierigkeiten. Der FSV Frankfurt war deshalb ein guter Übungspartner, um das kontrollierte Spiel zu verbessern. Es wurde nicht allzu gefährlich, wenn der Ball durch die Frankfurter schnell wieder dorthin zurück kam, wo er sich drei  kontrollierte Pässe vorher gerade noch befunden hatte.

Björn Schlicke hatte übrigens großes Glück kurz vor der Pause nicht zumindest mit gelb-rot bedacht worden zu sein. Als der Schiedsrichter nach Schlickes zweitem Foul vor der Auswechselbank der Frankfurter dorthin eilte, war dessen Hand, so meine ich,  schon bei der Karte und dann erst erkannte er, dass da jener Spieler des MSV lag, dem er bereits gelb gezeigt hatte. Daraufhin beließ er es beim Freistoß.

Und dann ist da noch ein Ivo Grlic, dem ich die Ovationen nach seiner Auswechslung so sehr gönne. Er öffnete nicht nur immer wieder durch kluge Pässe das Spiel, sondern erneut schoss er zu einem wichtigen Zeitpunkt ein Tor. Dieses 2:0 kurz vor der Pause war der Sieg. Selbst wenn es die rote Karte gegen den Frankfurter Lagerblom nicht gegeben hätte, die Frankfurter waren nach dem Wiederanpfiff zu harmlos und nicht entschlossen genug. Da wurde in der zweiten Halbzeit nicht für einen Moment die Erinnerung an das Spiel gegen RW Ahlen geweckt.

Dem Klima des Wohlbefindens war es auch zuträglich, dass Olcay Sahan der Torschütze zum 3:0 wurde. Es war die Belohnung für eine immer besser werdende Leistung. Technisch beschlagen ist er ja ohnehin, doch seine Durchsetzungsfähigkeit hat sich sehr verbessert. Er braucht nicht mehr unbedingt viel Raum für sein Spiel. Auch wenn es eng wird, behauptet er den Ball in größter Bedrängnis – manchmal gegen drei Gegenspieler.

Außerdem war auch Nicky Adler eingewechselt worden, und er erhielt die Gelegenheit sein Karlsruher Torschusstrauma durch klassische Gegenkonditionierung zu verarbeiten. Wiederholte sich doch da eine Spielsituation, als er halbrechts den Ball im schnellen Lauf erhielt und ihn sich, so sah es fast aus, zu weit vorlegte und er daraufhin in eine etwas ungünstigere Schussposition leicht nach außen getragen wurde. Dieses Mal traff sein Schuss aber zum 4:0 ins Tor. So gehört es sich in einem Klima des Wohlbefindens auch.

Ich könnte mich mit der MSV-Arena als meinem persönlichen Wellness-Tempel gut anfreunden. Allerdings habe ich keine Illusionen darüber, dass es sich dabei um ein Wandergewerbe handelt. Auch wenn die Mannschaft gegen einen wirklich starken Gegner da weitermacht, wo sie gestern noch ein bisschen üben durfte, wird es solch entspannende Wohlfühlmomente in Duisburg-Wedau nicht allzu oft geben.

Ach, Caiuby!

Die Zebras agierten vor 100 Zuschauern bis zum Strafraum gefällig, konnten den Franken aber nicht gefährlich werden. Als nach knapp einer Stunde Caiuby für Nicky Adler in die Mannschaft kam, ließ der Druck noch weiter nach.

NRZ, 5.1.2010

Wenn ich den zweiten, oben zitierten Satz lese, schüttel ich resignierend den Kopf. Und doch kann ich nicht anders, als jedes Spiel aufs Neue zu hoffen, es könne dieses Mal mit Caiubys Einsatz eine andere Wendung nehmen. Zwei Sätze und wir haben das ganze Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg vor Augen.

Nur gut, dass Bruno Hübner viel telefoniert hat zwischen den Jahren.  Srdjan Baljak scheint der richtige Mann für das Anforderungsprofil zu sein. Ob durch  diese Verpflichtung die Mannschaft dann erfolgreicher wird, ist noch eine andere Frage. Aber wenn ich schon vor jedem Einsatz von Caiuby voller Hoffnung bin, wird mir die Zuversicht bei Srdjan Baljak nicht schwer fallen. Wer außerdem solche Konsonantenfolgen wie in dem Vornamen fehlerfrei aussprechen kann, scheint mir für höhere Ligen berufen, Herr Hübner. Ich habe es gerade nicht parat, gab es beim MSV Duisburg schon mal einen Spieler mit fünf Konsonanten bei sechs Buchstaben im Namen?

Ivo, geh du voran! Den Rest erledigt die Mannschaft dann

Mitfiebern! Das hieß am Freitagabend für mich, auch einmal die eigentliche Bedeutung dieses sonst nur bildhaft gebrauchten Wortes auszuprobieren. Was mir neben der  Freude über das Ergebnis des Spiels vom MSV Duisburg beim Karlsruher SC zudem die Gelegenheit gab, das Gefahrenprogramm meines Körpers mal wieder so richtig in Aktion zu erleben. Sämtliche biochemischen Prozesse verlaufen weiterhin so wie schon in jenen ostafrikanischen Zeiten des ersten tastenden Menschseins. Das kann ich zufrieden feststellen. Im Verlaufe des Spiels habe ich mich immer gesünder gefühlt. Gerade bei dem zunehmenden Ballbesitz der Karlsruher in der zweiten Halbzeit hätte ich ohne Probleme aufspringen und vor dem nahenden Fressfeind wegrennen können. Dauerhaft gesund ist der fiebernde Urzeitmensch nach so einem Hormonschub aber auch nicht gewesen. Der brauchte nach seiner Rettung erst recht den heilsamen Schlaf. Der eine oder andere Tag Ruhe, zusammen mit etwas Pflege durch die Sippe ist außerdem auch nicht schlecht. So erweist sich der Mensch besonders in Notfällen als soziales Wesen, was ihn, wie wir wissen, als Art ja einigermaßen erfolgreich gemacht hat.

Der MSV Duisburg gibt gerade ebenfalls ein weiteres Beispiel für die Wirksamkeit von sozialem Zusammenhalt ab. Sämtliche Spieler, die noch spielbereit sind, versuchen in ihren aktuellen Möglichkeiten alles zu geben, was sie können und agieren als Einheit auf dem Platz. Sie dehnen Grenzen vor allem ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit aus. Das macht jeder einzelne deshalb, weil er sich darauf verlassen kann, dass sein Nebenmann das ebenfalls so macht. So wird ein  Sieg möglich, den wir als Fans zwar erhofft haben, der aber nach rein rationaler Betrachtung der gegebenen Lage nicht sehr wahrscheinlich war.

Mitgefiebert habe ich in einer persönlichen Simultankonferenz am PC. Aus den Lautsprecherboxen im Hintergrund hörte ich Marco Röhling übers Web-Radio, während das zweite geöffnete Fenster des Browsers den erleichertenden Ausgang der von Marco Röhling immer sorgenvoller kommentierten Szene bereits im Live-Bild zeigte. Auf diese Weise war es für mich einigermaßen aushaltbar, das Spiel zu verfolgen. Daraus ergeben sich interessante Gedanken am Rande. Was ist live, wenn die Live-Signale zeitversetzt ins Haus kommen? So viel Technik steckt heute manchmal hinter der Konstruktion von Wirklichkeit.

Deshalb war ich bereits zu all den vergebenen Chancen klagend aufgesprungen, als Marco Röhling den Torschrei noch auf den Lippen hatte. Was tat nicht Nicky Adler alles dafür, um den Ball ins Tor zu schießen. Er schaffte es nicht.  Kein Vorwurf an ihn. Er geht an seine Grenzen. Dennoch bin ich enttäuscht, wenn er nicht trifft, oder das eine Mal nicht in die Mitte spielt, wo Sahan den Ball unbedrängt hätte einschieben können. Allerdings hätte ich mich bei Adlers Torerfolg dann auch am Ende des Spiels genauso fiebrig gefühlt wie zu Beginn. Dann hätte es zur Halbzeit mindestens zwei zu null gestanden und meine Aufregung hätte sich in Grenzen gehalten, weil in Halbzeit zwei das drei zu null durch Adler gefallen wäre. Änis Ben-Hatiras Kopfball ins Tor statt an die Latte hätte natürlich denselben Effekt gehabt.

Für die Tore aber ist zurzeit nur einer zuständig. Ivo Grlic! Was hat der Mann für einen Lauf! Wie lange traf er solche Freistöße in aller Regelmäßigkeit nicht mehr? Und nun findet er jene Schusssicherheit wieder, die er vor zweieinhalb Jahren schon einmal bewiesen hat. Wie wichtig er in dieser Mannschaft zudem als beruhigende Anspielstation ist, zeigte sich in der zweiten Halbzeit nach seiner notwendig gewordenen Auswechslung. Von dem Moment an blieb der Ball kaum einmal länger in den Reihen des MSV Duisburg. Deshalb vor allem wurde es immer aufregender. Nicht weil das Spiel der Karlsruher die ganze Zeit über so zwingend geriet, wie es zu Beginn der zweiten Halbzeit zunächst den Anschein hatte. Aber je öfter jemand die Gelegenheit zum Schrotschuss erhält, desto wahrscheinlicher ist ein Treffer auch mal per Zufall.

Das Spiel folgte am Ende den Regeln klassischer Dramaturgie. Die Spannung wurde auf hohem Niveau gehalten durch die breit vorgetragenen, aber kaum bis zu Starke  kommenden Karlsruher Angriffe, damit sie schließlich zu einem letzten Höhepunkt gesteigert werden konnte, als den Karlsruhern ein Flügellauf über die linke Seite gelang, der das Unglück fast wirklich werden ließ. Unser Held, die Mannschaft des MSV Duisburg, rettete sich aber in einem letzten großen Aufbäumen, nachdem mit Schlicke und Starke schon zwei der üblichen Retter überwunden waren und im Strafraum, knapp vor dem leeren Tor ich-weiß-nicht-mehr-wer den Ball vor allen möglicherweise heran eilenden Karlsruher Spielern weit weg schlagen konnte. Danach war Schluss und die Begeisterung groß.

Wenn ich nach so einem Spiel schon wieder nach vorne schaue, geschieht das zum einen mit zwei Tagen Abstand, in denen ich mich schon ausgiebig gefreut habe, zum anderen aber auch aus einem Rätseln heraus. Am Freitagabend fand Caiuby einmal mehr nicht den Anschluss an das Niveau des Mannschaftsspiels. Er muss innerhalb dieser derzeitigen Mannschaft nicht einmal gut spielen, sondern bereit sein, sich anzustrengen und jeden Fehler der egal von wem passiert, wieder auszubügeln. Änis Ben-Hatira hat das verstanden. Wenn auch in Karlsruhe für einen Moment ein kurzer Rückfall in alte Gewohnheiten zu sehen war und er Tiago nach einem zu spät gegebenen Pass anmeckerte. Was aber geht in Caiuby vor? Als Zuschauer erkennt man das nicht und ich frage mich, ob die sportlich Verantwortlichen das wissen. Das ist eine ernsthafte Frage. Der Spieler selbst gibt durch seine Leistung bislang dazu wenig Auskunft. Verstärkt seine individuelle Spielanlage diesen lethargischen Eindruck, den er jeweils macht? Dann wäre der Weg für Caiuby zu einer passablen Leistung nicht ganz so weit. Denn Nicky Adler könnte da vorne ein wenig Entlastung gut gebrauchen.

… das Wort ward nicht gebrochen

Einige Zeit ist es schon her, als das Studium der Soziologie einen Erstsemester während der Einführung in die Methodik der Sozialforschung auf direktem Weg zu gesellschaftspolitischen Debatten leitete. Damals, das war Anfang der 80er Jahre, begegnete man an den Universitäten immer mal wieder noch Frontverläufen aus der Zeit der Studentenbewegung. Dann ging es in Seminarräumen plötzlich darum, ob statistische Erhebungen nicht Machtinteressen dienten und ob uns die Erzählung vom Einzelfall im Gegensatz zur Statistik nicht sehr viel mehr über Probleme der Gesellschaft sagt.

Als Fußballzuschauer wissen wir natürlich schon immer, was in der Soziologie erst später wieder zur allgemeinen Lehre wurde, die eine Betrachtung der Wirklichkeit schließt die andere nicht aus. Die Zahlen der Tabelle spiegeln Wahrheit wider, und durch ein 2:2-Unentschieden erhält der MSV Duisburg den immer gleichen einzigen Punkt. Vor 14 Tagen war das so gegen RW Ahlen, an diesem Wochenende war es erneut so gegen den FC Augsburg. Die Qualität des 2:2-Unentschiedens spiegelt sich in den Zahlen aber nicht wieder. Diese Qualität lässt sich nur durch das Erzählen vom Spiel selbst ermitteln.

War das 2:2-Unentschieden vor 14 Tagen eine gefühlte Niederlage, so war das Spiel am Samstag ein gefühlter Sieg. In den ersten zehn Minuten war noch zu merken, wie auf dem Spielfeld um die grundsätzliche Ausrichtung des Spiels gerungen wurde. Die Augsburger wollten ins Spiel kommen, der MSV Duisburg ließ sie aber nicht. Entschlossen und früh wurde verteidigt. Es gelang, schnell auf den Angriff umzuschalten. Die Augsburger waren gezwungen, sich immer weiter in ihre Hälfte zurück zu ziehen. Allerdings stand die Augsburger Abwehr innerhalb des Strafraums ebenfalls recht sicher – bis auf den Patzer  von Uwe Möhrle, der zur Großchance mit dem Lattentreffer von Änis Ben-Hatira führte.

Auch wenn sich diese große Torchance von Änis Ben-Hatira nach einem Ballvortrag auf dem linken Flügel ergab, gefährlich wurde es immer wieder vor allem auf der rechten Seite. Zunächst zeigte Olcay Sahan dort ein großes Spiel, bis er nach der Auswechslung von Caiuby ab der 60. Minute auf dem linken Flügel damit weiter machte. Er war sicher im Dribbling, fand fast immer den rechten Moment, um abzuspielen und kam alleine oder im schnellen Passspiel immer wieder an den Rand des Augsburger Strafraums. Für die dauerhafte Torgefahr fehlte dann aber einer der verletzten Stürmer.

Selbst die 1:0-Führung der Augsburger durch ihre erste Chance per Sonntagsschuss brachte den MSV nicht aus dem Tritt. Sogar nach dem 2:0 in der 64. Minute war nur kurz die Enttäuschung bemerkbar. Die Mannschaft wollte nicht aufgeben. Trotz des ersten Elfmetertores konnte ich noch nicht an den guten Ausgang des Spiels glauben, weil es zu wenig wirklich gefährliche Chancen gab. Da kam der zweite Elfmeter natürlich zupass. Als Christian Tiffert antrat, konnte ich erst nicht hinsehen. Nur aus dem Augenwinkel sah ich den Schuss und war sofort erleichtert, weil der Ball eine halbhohe Flugbahn nahm. So sehen sicher verwandelte Elfmeter aus, das habe ich in Worten natürlich nicht gedacht, aber gefühlt. Der Ausgleich war so gerecht, so sehr hatte die Mannschaft das Spiel bestimmt, so viel hatten sie für das Spiel gegeben.

Die beiden Energiequellen des Spiels zeigten sich für mich im unterschiedlichen Jubel von Sahan und Tiffert. Da gab es den Überschwang der Freude bei Sahan und die konzentriertere, stillere Freude bei Tiffert, in der eher Bestätigung zum Ausdruck kam. Konzentrierte Arbeit bei gleichzeitiger Spielfreude waren die Schlüssel für diesen noch gelingenden Ausgleich.

Als Stichworte zu einzelnen Spielern fällt mir noch ein: Olivier Veigneau knüpft an seine starke letzte Saison an. Ivica Grlic wirkt als unverzichtbarer Ruhepol in dieser Mannschaft. Für Caiubys so häufig kraftlos wirkende Spielweise gelingt ihm zu wenig. In einer so engagiert wirkenden Mannschaft kann er von seinen Mitspielern nur mitgetragen werden, wenn er bei dieser Spielweise punktuell wirkungsvoll ist und das heißt Vorlagen geben oder Tore erzielen.  Überhaupt nicht nachvollziehbar ist für mich die  Bewertung von Kristoffer Andersen im RevierSport. Meiner Meinung nach gehörte er zu den besten Spielern des Spiels. Hinten war er als Außenverteidiger schnell und sicher am Mann, nach vorne machte er das ganze Spiel über immer wieder Druck über die rechte Seite, wenn er entweder im Direktpassspiel mit Sahan bis an die Grundlinie ging oder im Eins-gegen-Eins-Dribbling gerade zum Ende des Spiels hin alleine zwei, manchmal drei Gegner ausspielte und ihm dann noch eine vernünftige Anschlussaktion gelang.

Das Geschehen nach dem Spiel auf den Stehplätzen wird angesichts der Mannschaftsleistung zur Randnotiz.  Eins nur scheint mir so offensichtlich zu sein –  der Rest dessen, was mir zum Thema Fans durch den Kopf geht, wird einmal mehr auf einen eigenen Beitrag verschoben –  also, Konflikte entwickeln häufig eine eigene Dynamik, die die Konfliktpartner dann immer ähnlicher werden lassen. Der eigentliche Anstoß des Konflikts gerät dabei allmählich in Vergessenheit. Es ist interessant, dass das selbst in Fußballstadien bei der Auseinandersetzung zwischen einer Fangruppierung und den Vereinsverantwortlichen so ist. Die im Konflikt angewendeten Mittel dienen dann nur noch der Aufrechterhaltung des Konflikts, und der Konflikt selbst wird zum Sinn des Daseins. Auch bei Tina ist zu lesen – gerade in den Kommentaren – andere Fans haben für diese Art Auseinandersetzung mit dem Verein wenig Verständnis. Diese Fans sind nach dem Spiel zufrieden gewesen, so wie es Milan Sasic versprochen hatte.  Sein Wort ward nicht gebrochen. Es brauchte dazu nur ein Spiel Anlauf.


Eine Freistoßmauer wie das ganze Spiel

Hat man das Zustandekommen dieser Freistoßmauer in der 6. Spielminute gesehen, weiß man, wie das Spiel des MSV Duisburg gegen Rot-Weiß Oberhausen gewesen ist. Da pfeift der Schiedsrichter einen Freistoß für Oberhausen – gefährlich nah vor dem Tor des  MSV. So wirkt es jedenfalls sofort für uns, die wir direkt auf den Rängen hinter diesem Tor stehen. Während wir noch darüber reden, ob der Pfiff berechtigt war, richtet Björn Schlicke den linken Rand der Mauer aus. Tom Starke winkt, Schlicke rückt. So weit nimmt alles also seinen gewohnten Gang. Doch die neben Schlicke sich zur Mauer aufstellenden Spieler des MSV scheinen weniger beunruhigt zu sein als ich. Vier oder fünf Spieler reihen sich da auf. Allerdings lassen sie kleinere Lücken zum Nebenmann, und es sind so wenige Spieler. Das sieht überhaupt nicht so aus, als wollte diese Mannschaft sich entschlossen  gegen den Freistoß wehren. Das wirkt so, als könnten diese Spieler noch nicht glauben, der Freistoß werde gefährlich. Der Aufbau der Freistoßmauer  geschieht alles andere als zupackend und kontrolliert.

Deshalb ist der Oberhausener Spieler, der sich im Abstand von etwa einem Meter rechts neben die Mauer stellt, augenblicklich auch eine Gefahr für die Statik der Mauer. Da geht dann der rechts, als letzter in der Mauer stehende MSV-Spieler zum Oberhausener Gegner hinaus.  Damit wird doch keine gefährliche Freistoßoption unterbunden. Da entsteht eine für den Schützen verführerische Lücke. Diese Mauer ist eher Zielhilfe für den Schützen, als dass sie Verteidigungsbereitschaft ausstrahlt. Eine Mauer ist doch nicht einfach nur ein Wall aus Körpern, um den Schuss aufzuhalten. So eine Mauer dient doch auch der Verunsicherung des Schützen, ehe er den Freistoß ausführt. Nichts davon ist auf dem Feld zu spüren. Die Körpersprache dieser Spieler in der Mauer machte nicht dem Schützen sondern mir Angst. Zu recht, wie wir wissen. Der Freistoß wurde erfolgreich verwandelt. Würden Häuser mit Mauern der entsprechenden Qualität gebaut, führten Türen im dritten Stock an der Außenwand ins Bodenlose, es gäbe Wände, die nur auf halbe und dreiviertel Höhe hochgezogen wären und die ein oder andere tragende Wand fehlte mit Sicherheit ebenfalls. Diese Freistoßmauer ist ein Sinnbild für das gesamte Spiel.

Schon in den ersten sechs Minuten schaffte es diese Mannschaft, sich durch Fehlpässe und Fehler bei der Ballbehandlung zu verunsichern. An das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach erinnerte nichts mehr, und das hatte wenig mit dem Gegner zu tun. Die Mannschaft des MSV stand von Anfang an anders auf dem Platz als in Mönchengladbach. Den entschlossen auftretenden Oberhausener Spielern wurde nicht ebenso entschlossen entgegen getreten. Dabei ging es erst einmal nur darum, sich in Zweikämpfen zu behaupten. Noch ging es gar nicht um Spielzüge und Spielaufbau, es ging um die Präsenz  jedes Spielers. Diese Präsenz blitzte später immer mal wieder in einzelnen Momenten auf, verpuffte aber ebenso schnell wieder in genau diesem einzelnen Bemühen, weil an anderer Stelle gerade wieder was schief lief. Für solche Spiele scheinen die Strukturen zu fehlen, auf die sich die Mannschaft zurück ziehen kann, um Sicherheit zu gewinnen.

Es ist nun so deutlich geworden, diese Mannschaft kann das Mittelfeld im langsamen Spielaufbau nicht überbrücken. Diese Mannschaft gelangt nur in die Nähe des gegnerischen Strafraums, wenn ein Angriff schnell vorgetragen werden kann. Warum, so frage ich mich deshalb,  zeigt diese Mannschaft nicht wie alle bislang von mir gesehenen Gegner nach der Balleroberung im Mittelfeld ein schnelles Spiel über die Außenbahnen? Warum wird trotz der Schwächen beim langsamen Spiel das Tempo so oft nach Balleroberung verschleppt? Das verstehe ich nicht und hätte es gerne von Peter Neururer erklärt.

In den letzten zwei Tagen ist über die Leistungen der einzelnen Spieler schon viel geschrieben worden. Allmählich kennen wir ihre Schwächen. Ben-Hatira war bemüht, aber ohne Auge für die Mitspieler und verrannte sich dieses Mal meist im Dribbling, gerne auch über die Außenlinie. Gleiches gilt für Caiuby. Bodzek spielt zurzeit immer wieder den eröffnenden Pass für den nächsten gefährlichen Angriff  – allerdings für den des Gegners.  Larsen läuft als Wiedergänger unseres Sturms von vor einem Jahr über den Platz. Ohne Timing beim Kopfballspiel wie Sandro Wagner seinerzeit und antrittsschwach wie damals Dorge Kouemaha. Was angesichts der Entwicklung beider Stürmer für die Rückrunde hoffen lässt. Tifferts Leistungen sind eigentlich immer zumindest solide. Die Verteidigung war einmal mehr oft in Bedrängnis, weil viele Angriffe knapp hinter der Mittellinie endeten. Tom Starke als Rückhalt und so weiter und so weiter. Das kennen wir nun und haben es in Ansätzen auch während der erfolgreichen Spiele gesehen.

Wenn Peter Neururer nach dem Spiel verkündet, er werde von nun an nicht mehr die Hand schützend über seine Spieler halten, dann will ich aber auch hören, was denn die Vorgaben für diese Spieler gewesen sind. Natürlich können nach einem Spiel wie gegen Rot-Weiß Oberhausen einzelne Spieler problemlos mit ihren schlechten Leistungen in den Blick gerückt werden. Mir scheint das aber zu einfach. Schließlich war das nun das dritte Spiel, in dem die gesamte Mannschaft schlecht spielte. Nur wenn ich weiß, welche taktischen Mittel im Spiel hätten angewendet werden sollen, kann ich bewerten, ob sich tatsächlich das schlechte Spiel von einzelnen Spielern zum schlechten Mannschaftsspiel summierte. Fußball scheint zwar ein einfacher Sport zu sein, doch der Erfolg ist abhängig von so vielen Einflussgrößen. Auf dem Spielfeld sehen wir nur einen Teil davon.

Solche Siege tragen weit

Stand das Spielergebnis wenigstens einen Moment lang auf der Anzeigetafel im Borussia-Park? Bin ich als Trophäensammler in Zeiten der Digitalfotografie wegen zu ausdauerndem Jubel ungeeignet oder zog es die Stadionregie vor, dem Heimpublikum den Anblick des Unabweisbaren zu ersparen? Viel Spielzeit hatte es nicht mehr gegeben, damit die Borussia das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal abwenden konnte. Etwa 20 Sekunden? Zu wenig Zeit, um das Ergebnis anzuzeigen?

Was war das für eine Explosion des Jubels in der Gästekurve, und was war das vorher für ein Rufen und Anfeuern. Noch irgendwelche Beschwerden, was die Stimmung angeht? Zehn Minuten vor dem Spielende war so deutlich zu spüren, wie groß die Angst in Mönchengladbach war vor diesem Tor des MSV Duisburg. Auf den anderen Rängen im Stadion wurde es immer stiller, und auf dem Spielfeld wurde die Borussia immer verzagter. Zehn Minuten vor dem Spielende war es in der Gästekurve so deutlich zu spüren, diese Mannschaft des MSV Duisburg dort unten hat jetzt, noch in der regulären Spielzeit, die Möglichkeit das Siegtor zu machen. Immer mehr MSV-Fans wollten den Ball ins Tor schreien. Kaum jemand saß noch.

Zwei (?) Angriffe werden in dieser Zeit ohne große Gefahr auszustrahlen vergeben. Dann folgt in der 90. Minute der Wechsel Ivo Grlic für Änis Ben-Hatira. Kurz der Gedanke ein sinnvoller Wechsel, ein Mann mit Erfahrung für die Verlängerung und das Elfmeterschießen. Das Tempo wird er nach den 90 Minuten der anderen mithalten können. Aber der Angriff läuft schon über den rechten Flügel. Grlic auf Andersen, der zieht in die Mitte, spielt sofort ab zu Larsen und erhält den Ball im schnellen Doppelpass auf Höhe der Strafraummitte zurück, um nun direkt auf das Tor zugehen zu können. Es ist vom Oberrang so klar erkennbar, dass der Weg frei sein könnte zum Tor, wenn dieser Andersen genügend Kraft hätte, um sich von den heraneilenden Verteidigern nicht irritieren zu lassen. Und wirklich, er behält die Laufrichtung. Wann wird er schießen? Jetzt. Jetzt! Doch er läuft weitere zwei Schritte. Das Tor wird immer möglicher. Und dann der Schuss in den rechten Winkel. Der Torwart fliegt vergeblich. Schockstarre der Mönchengladbacher, dann der Abpfiff und eine MSV-Mannschaft, die auf dem Spielfeld erst jubelnd kurz übereinander fällt und dann sofort in die Gästeecke zu den Fans kommt, um einzutauchen in diesen Jubel, der runter aufs Spielfeld schwappt.

Nach so einem Spiel braucht es ein wenig Zeit, bis die Spielbetrachtung etwas sachlicher werden kann. Den ersten Zweck hatte das Spiel für mich schon in der ersten Halbzeit erfüllt. Es war zu erkennen, diese Mannschaft lebte und trat wieder so auf, wie wir es in den ersten Spielen der Saison gesehen hatten. Es waren keine falschen Versprechungen, die Peter Neururer vor dem Spiel verkündet hatte. Seine Mannschaft hatte keine Angst vor diesem Gegner. Allerdings waren auch alte Schwierigkeiten dieser Mannschaft deutlich erkennbar. Das ist zwar zugespitzt formuliert, aber mir kam es nach und nach so vor, jeder Versuch, das Spiel langsam aufzubauen und die gegnerische Abwehr zu locken, wurde zur Gefahr für das Tor des MSV. Jedes schnelle Spiel führt aber auch fast immer zumindest so weit, dass die gegnerische Balleroberung dem defensiven Mittelfeld und der Verteidigung genügend Zeit ließ, sich zu organisieren.

Überlegen spielte Borussia Mönchengladbach allerdings nicht, obwohl die Mannschaft in der ersten Halbzeit die größeren Chancen besaßen. Vor allem im Kommentar der ARD-Zusammenfassung gestern Abend klang da ein deutliches Übergewicht der Borussia an und sorgte auch bei Tina für Empörung. Im Kicker erhält der Spielbericht ebenfalls diese Färbung. Da haben die Journalisten wohl einen Erstligisten-Bonus vergeben.  Dirk Retzlaff auf Der Westen oder Hermann Kewitz bei der Rheinischen Post treffen die Wahrheit des Geschehens da genauer.

Trotz des gelingenden Spiels nach vorne, mangelte es dem MSV in der ersten Halbzeit an Torgefährlichkeit. Mit Änis Ben-Hatira und Caiuby gab es zwar zwei Spieler, die auch auf engem Raum den Ball behaupten konnten. Zudem wurden die Flügel ordentlich besetzt, so dass gleichzeitig auch schnelles Passspiel möglich war. Doch an der Strafraumgrenze war dann Schluss. Da gab es weiterhin, verständlicher Weise, immer wieder Missverständnisse zwischen Sören Larsen und den Mitspielern. Die Flanken erhielt er zudem meist auf einer mittleren Höhe, die auch jeden anderen Stürmer seines Typs vor Schwierigkeiten bei der Annahme gestellt hätte. Änis Ben-Hatira übernahm die ihm aufgebürderte Verantwortung für das Offensivspiel gut, doch behielt er in der ersten Halbzeit noch nicht genügend Überblick. Oft versuchte er den Schuss, wenn er besser hätte abgespielt und umgekehrt. Die Abwehr stand wegen des passablen Offensivspiels dieses Mal nicht so häufig unter Druck. Zumal die Mönchengladbacher keineswegs so passsicher waren wie die Bielefelder im letzten Spiel. Tiago hat sich für mich in die Mannschaft gespielt. Vor allem in der zweiten Halbzeit wirkte er immer sicherer. Die Taktik von Peter Neururer schien also aufzugehen.

In der zweiten Halbzeit kam Borussia Mönchengladbach auf den Platz mit dem Vorhaben, den MSV früher anzugreifen und das Spiel überlegener zu gestalten. Doch das blieb ein kurzer Impuls, weil der MSV sich dreister Weise wehrte, die Rolle der unterlegenen Mannschaft anzunehmen. Um sich tatsächlich ein Übergewicht zu erspielen, hätte die Borussia viel mehr Einsatzbereitschaft zeigen müssen. Ein wenig erinnerte mich diese Mannschaft an den MSV aus dem Spiel gegen Bielefeld. Je länger das Spiel dauerte, wirkte es auf mich so, als müssten die Spieler der Borussia immer aufs Neue innere Widerstände überwinden, um an die Leidenschaft für dieses Spiel heranzukommen. In der zweiten Halbzeit hatte der MSV die größeren Chancen. Einen Kopfball von Änis Ben-Hatira konnte Bailly an den Pfosten lenken und kurze Zeit später konnte Ben-Hatira nach einem Konter sich halblinks durchsetzen und kam frei zum Schuss. Wieder hielt Bailly. Sorgen machte noch einmal ein frei stehender Oliver Neuville, dessen Schuss aber hoch über das Tor ging. Und schließlich näherten sich die letzten zehn Minuten.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: