Posts Tagged 'Cauly Oliveira Souza'

Erst dachte ich, es sind 10 unvergessliche Anmerkungen zum MSV und zu Aue. Doch dann geschah das

1. Hei..eimsieg…Hei..eimsieg….Hei…eimsieg….Oh, wie ist das schön…oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen…so schön, so schön.

2. So einen Sieg wie gegen den FC Erzgebirge Aue haben wir tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen. 3:0 hat der MSV gewonnen. Der Sieg in dieser Höhe ist verdient. Souverän hat der MSV diesen ersten Heimsieg der Saison erspielt.

3. Vom Anpfiff an sah es so aus, als spielten zwei Mannschaften von deutlich unterscheidbarem Spielvermögen gegeneinander. Wenn Aue etwas anderes als ein torloses Unentschieden hat erreichen wollen, verheimlichte das die Mannschaft perfekt. In Zeitungsberichten lese ich von einer Chance Aues. Das war ein geschlenzter Ball, der über die Latte strich. Wenn ich mich nicht aufrege und ich kein Gegentor fürchte, gibt es keine Chance. Das wollen wir mal ein für allemal festhalten. Sollte ich jemals Beruhigungmittel brauchen, werde ich mir Spiele vom FC Erzgebirge Aue gegen den MSV in Dauerschleife ansehen. Ich bin in diesem Spiel völlig entspannt gewesen. Ich fürchtete nicht einmal ein Glückstor des Gegners.

4. Erst sah es so aus, als wollte der FC Erzgebirge Aue dem MSV Duisburg den Sieg schenken. Fehlpass um Fehlpass in der Nähe des eigenen Strafraum luden die Zebras weniger zum Konter ein als zum direkten Abschluss auf das kaum mehr verteidigte Tor. Aber die Zebras wollten weder das Mitleid der Gäste, noch wollten sie unhöflich sein. Also taten sie so, als ob sie die Gastgeschenke annahmen und vermieden es auf diese geschenkte Weise ein Tor zu erzielen. Ich wäre weniger stolz gewesen und hätte schon in der ersten Halbzeit gerne eine dieser großen Chancen verwandelt gesehen.

5. Solch große Chancen gegen den tief stehenden Gegner Aue aus dem eigenen Aufbauspiel heraus zu entwickeln ist mühsam und verlangt Geduld. Wir hatten die Geduld, weil wir den Anfang der Saison noch lebhaft in Erinnerung hatten. Spannend ist die Frage, wie so ein geduldiges Aufbauspiel ohne Ertrag auf die Stimmung im Stadion wirkt. Anscheinend beruhigte dieses Spiel nicht nur mich. Ist mein Eindruck falsch, dass wir alle freundlich dem Spiel zusahen, aber die Anspannung den Spielern überließen?

6. Nach der Halbzeitpause wollte Aue gerne so weiterspielen wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV wollte druckvoller sein. Die Mannschaft stand etwas höher in der Defensive als in der ersten Halbzeit.

7. Der MSV war erfolgreicher bei seinem Vorhaben.

8. Zunächst verlor Stanislav Iljutcenko die Orientierung bei einem Kopfball komplett. Völlig frei stehend köpfte er gut acht Meter am Tor vorbei. Kurz waren wir ratlos bei uns in der Ecke. Wie sollte nur ein Tor fallen, wenn solch große Chancen in diesem Spiel mit dieser so dichten Defensive vergeben wurden? Doch kurz danach hatte Stanislav Iljutcenko beim Kurzpassspiel die Orientierung wieder gefunden. Schnell ging es über halblinks Richtung Strafraum, Iljutcenko wurde angespielt, leitete den Ball per Hacke zur Mitte in den Lauf von Cauly Souza weiter. Ein Abwehrspieler meinte, den Pass noch etwas korrigieren zu müssen. Der Ball kam nun noch genauer in den Lauf, so dass der Abschluss keine Schwierigkeit mehr bereitete. Große Freude über das verdiente 1:0.

9. Aue erinnerte sich, dass ein Ball auch schnell nach vorne gespielt werden kann. Die MSV-Defensive weiß das schon sehr lange und war vorbereitet auf mögliche Gefahren.

10. Cauly Souza wird halbrechts angespielt. Er führt den Ball kurz, stoppt ab und zwei Auer Spieler aus der Defensivkette laufen auf den rechten Flügel raus. Vielleicht wunderte sich Souza genauso wie ich. Ich hatte jedenfalls keine Pass- oder Dribblefinte von Souza in dem Moment gesehen. Lucky-Luke-Cauly, der Mann täuscht schneller als sein Schatten. Souza zieht nicht nach rechts, sondern in die Mitte und sucht den direkten Abschluss. Zwischen Pfosten und Torwarthand passte wahrscheinlich nichts mehr als der Ball. Eine frühe 2:0-Führung machte Hoffnung. Wir gebrannten Späte-Ausgleichs-Kinder wünschten uns ein drittes Tor herbei.

11. Zwei Chancen hatte Aue, bei denen meine Entspannung leicht irritiert wurde.

12. Der MSV hatte weiter deutlich bessere Chancen als Aue. Stanislav Illjutcenko lief in einen abenteuerlichen Querpass an der Strafraumgrenze und hatte nur den Torwart vor sich. Allerdings blieb ihm keine Zeit zum Abschluss, und er vergab den Schuss im Fallen. Moritz Stoppelkamp versuchte einen geschlenzten Ball nach einem Konter statt weiter in die Mitte zu ziehen und hart abzuschließen. Cauly Souza schoss einen zweiten Ball zu flach und traf seinen Mannschaftskollegen Iljutcenko, der Mitleid mit der überforderten Auer Defensive hatte und sie kurz als liegende Mauer verstärkte.

13. Der MSV hielt den Druck auf das Auer Tor hoch. Der Mannschaft gelang die perfekte Balance zwischen Defensive und Offensive.

14. Meine Entspannung war trotz vereinzelter Auer Angriffsbemühungen wieder vollkommen.

15. Das dritte Tor gelang bei einem Angriff im zweiten Anlauf. Moritz Stoppelkamp setzte sich im Strafraum auf engstem Raum wunderbar durch, flankte und Boris Tashchy köpfte perfekt ein.

16. Abstiegszone, die – das Wort muss ich mir aufschreiben, damit ich es nicht vergesse.

Advertisements

Ihr seid nur ein Fastnachtsverein, Faschingsverein, Karnevalsverein

Eigentlich bin ich weder der Mann für Maskottchenbashing noch einer für Schmähgesänge. In den Räumen hier beschäftigt sich Der Stig gerne damit, doch nach dem 1:0-Sieg des MSV gehen mir diese Karnevalsteufelchen aus dem Vorprogramm beim FC Kaiserslautern nicht aus dem Kopf. Das mag an meiner kölschen Fasteloovend-Vertrautheit liegen, aber was machen diese Teufelchen aus der Fußtruppe eines Karnevalsumzugs nur auf dem Rasen beim 1. FC Kaiserslautern? Wie soll ein Verein der sein Vorprogramm dauerhaft mit dem Personal von Fastnacht, Fasching oder Karneval bestreitet nur die Klasse halten? Das wird sehr, sehr schwer, liebe Anhänger, Spieler und Verantwortliche aus Kaiserslautern. Diese Wahrheit muss ich euch leider ins Gästebuch schreiben. Von der Leistung eurer Mannschaft muss ich dabei gar nicht erst sprechen.

Denn erst einmal spreche ich über den MSV Duisburg. Wenn dieser Auftritt des MSV in Kaiserslautern die Balance ist, von der nach dem Braunschweig-Spiel Moritz Stoppelkamp gesprochen hat, müssen wir uns um nichts mehr Sorgen machen. In Zeitungsberichten wurde vor dem Spiel die erneute defensive Ausrichtung beider Mannschaften vermutet. Doch nichts da. Vom Anpfiff an war der 1. FC Kaiserslautern alleine auf dem Platz mit seiner defensiven Ausrichtung. Die Zebras zeigten sofort, in diesem Spiel auf dem Betzenberg wird das Aufbausspiel des Gegners wieder früh gestört, nicht schon in Strafraumnähe wie in den ersten Spielen, aber auf jeden Fall in dessen Defensivhälfte. Zudem wird auch schnell nach vorne gespielt, Sicherheitspässe werden nicht bei jeder Balleroberung gebraucht. Manchmal werden sie noch benötigt, nur um aus der Sicherheit heraus, das Spiel wieder zu beschleunigen. Diese Zebras wollten den Sieg. Das war von der ersten Minute an zu sehen. Zugute kam dem MSV die Verunsicherung bei den Spielern des 1. FC Kaiserslautern. Anhaltendes Selbstbewusstsein hat der Erfolg in den letzten beiden Spielen jedenfalls nicht gegeben.

Klare Chancen ergaben sich aus der Überlegenheit des MSV zunächst keine. Ein Schuss von Moritz Stoppelkamp, nachdem Boris Tashchy und Kingsley Onuegbu in gemeinsamer Arbeit einen hohen Ball in den Strafraum in den eigenen Reihen halten konnten. Geduld war gefragt. Ein Konter der Kaiserslautern machte in der Mitte der ersten Halbzeit einmal Angst. Da hieß es kurz durchatmen, mehr kam aber nicht. Die Defensive stand sicher. Jedem hohen Ball in Richtung Strafraum der Zebras wurde die Gefahr genommen. Andere Mittel fanden die Kaiserslauterner nicht. Das Spiel über deren Außen wurde durch Kevin Wolze und Enis Hajri nahezu komplett unterbunden.

Stattdessen bohrten die Zebras das Defensivbollwerk des Gegners unermüdlich an. Wenn es irgend ging, wurde das Kurzpassspiel versucht, oft waren die halblangen Bälle auf Kingsley Onuegbu oder Boris Tashchy das Mittel der Wahl, hin und wieder wurde das Flügelspiel über Moritz Stoppelkamp oder Cauly Souza gesucht. Die Mannschaft versuchte schnell zu spielen, ohne die Defensive zu entblößen. Ich rufe demnächst immer, da ist sie, die Balance, die Balance, wenn ich das beglückt sehe.

Zwischendurch: Heute geht es hier um das gesamte Spiel. Morgen bekommt der King einen eigenen Text. Das wird ein Plädoyer für Nachsicht. So viel sei schon mal verraten. Und dieses Plädoyer schreibe ich nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern weil mein realistischer Blick auf die Möglichkeiten dieser Mannschaft das verlangt. Ich sehe zu viel Ärger über den King.

Ein Pass auf den durchstartenden Cauly Souza, der wird vom Torwart berührt und fliegt in hohem Bogen durch die Luft. Der Schiedsrichterpfiff und kurze Unsicherheit über die Entscheidung. Elfmeter, ja. Nun wissen wir, die Mannschaft braucht einen weiteren Elfmeterschützen. So weit wie Moritz Stoppelkamp über das Tor schoss, so groß war die Enttäuschung. Dabei dachte ich zunächst Enis Hajri würde schießen. Er hatte den Ball zurecht gelegt. Die Führung wäre verdient gewesen. Es blieb zur Pause beim torlosen Unentschieden.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wollten die Kaiserslauterner mutiger sein. Sie versuchten nun den MSV schon am eigenen Strafraum zu stören. Pressing konnte man das nicht nennen. Das war eher ein lästiges Herumwuseln, was die Zebras grundsätzlich gut beiseite wischten, auch wenn wir gebrannten Anhänger-Kinder immer das größtmögliche Unglück eines Gegentores vermuten. Gefährlicher wurde es für den MSV also zunächst nicht.

Erst nach dem Führungstor durch Dustin Bomheuer entstand so etwas wie Druck auf das Tor des MSV, auch weniger weil die Kaiserslauterner besser wurden als durch die Möglichkeit auf Seiten des MSV etwas zu verlieren. Wenn die Angst vor dem Ballverlust nur minimal größer wird, schon gibt es Situationen, in denen im Strafraum Hektik entsteht und der kurzfristige Verlust von Spielkontrolle. Alles kann dann möglich sein. Zwei-, dreimal sahen wir ein wildes Gebolze, um den Ball aus dem Strafraum zu bekommen. Dennoch hielten die Zebras weitest gehend die Spielkontrolle, wurde versucht Ruhe zu bewahren. Tim Albutat wurde nach seiner langen Verletzungspause zum ersten Mal wieder eingewechselt. Was eigentlich als Beruhigung gedacht war, machte mich schnell nervös. Er wirkte etwas desorientiert in dieser hektischen Schlussphase und ermöglichte zweimal Durchbrüche der Kaiserslauterner auf Strafraumhöhe. Er braucht momentan auf jeden Fall eine ruhige Spielphase, um wieder auf den Platz zu kommen. Vielleicht braucht die jeder Spieler nach so einer Verletzung.

Die Zeit verstrich zudem mit ein paar Aufgeregtheiten, die genutzt wurden, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Natürlich holte sich Enis Hajri eine gelbe Karte ab, die fünfte. Was mich Böses für das Union-Spiel ahnen lässt. Der Schlusspfiff kam nicht als Befreiung vom Dauerdruck, aber doch als Rettung vor einem ungnädigen Schicksal, das wahllos Fanseelen ins Unglück stürzen kann.

 

 

 

 

 

 

Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: