Posts Tagged 'Cauly Oliveira Souza'

Ein Fußball für St.Pauli- und Zebra-Fans

Wenn keine Tore in einem Spiel fallen und wir dennoch nicht gelangweilt sind, muss in diesem Spiel etwas zu erleben gewesen sein, für das sich der Fußball in seiner schon immer vorhandenen Weise lohnt. Das Spiel vom MSV Duisburg beim FC St. Pauli war das komplette Gegenmodell zum Fußball als Unterhaltungsprodukt. Es war ein Spiel für die Anhänger dieser zwei Mannschaften auf dem Platz. Es war ein Spiel ohne viele Torgelegenheiten. Es war ein Spiel voller Fehler, über die wir uns ärgern konnten. Es war ein Spiel, in dem wir dennoch immer wieder neu auf ein Tor hoffen konnten, ein Tor aus dem Nichts, wie es nun einmal im Zufallssport Fußball geschehen kann.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dass mich dieses Spiel gepackt hat, macht mich für sämtliche Super-Hyper-Mega-Fantasie-Ligen mit irgendwelchen Super-Hyper-Mega-Stars als Zielpublikum ungeeignet. Gerade habe ich gelesen, die Generation der 20-30jährigen empfindet das aufgesplittete Fußballangebot als attraktiv. Ich weiß nicht, wer die Umfrage gemacht hat. Wahrscheinlich waren es die, die mit dem Unterhaltungsangebot Fußball nicht nur Geld verdienen wollen, sondern getreu dem Leitgebot unserer Welt Umsätze steigern und Profite maximieren wollen. Was mit einem Zufallssport nur unter erschwerten Bedigungen geschieht. Es sei denn, man kontrolliert immer mehr die Zufälle. Bei Klub-WM jedenfalls denke ich an Zirkus oder Wrestling und nicht mehr an einen Wettbewerb.

Der eine Punkt auf St. Pauli ist für mich ein Erfolg. Ich gehöre nicht zu der doch zahlreichen Anhänger-Fraktion, die mangelnden Mut beklagt und die vergebene große Chance auf drei Punkte bedauert. Ich habe keinen mangelnden Mut gesehen. Im Gegenteil, wenn ich diese Mannschaft in den letzten Spielen sehe, wie sie sich aus der eigenen Defensive mit kurzen Pässen ins Mittelfeld spielt, ob gegen starkes Pressing oder halbherziges Anlaufen, dann bin ich immer wieder vom Mut dieser Spieler beeindruckt. Da sehe ich, wie aus Mut Sicherheit geworden ist. Natürlich gab es im Verlauf des Spiels zwei bis drei Ballverluste auf dieser Strecke, die mich in Schockstarre fallen ließen. Aber diese verlorenen Bälle führten in diesem Spiel zu keinen großen Chancen der Hamburger.

Ich weiß, die Forderung nach mehr Mut bezieht sich auf das Offensivspiel. Doch mehr Offensivkraft bedeutet weniger Stabilität in der Defensive. Dieses Risiko muss in den Spielen gegen Ingolstadt und Sandhausen eingegangen werden. Gegen St. Pauli war dieses Risiko fehl auf dem Platz.

Die wirklich großen Chancen für St. Pauli hatte es nur in den ersten sechs Minuten gegeben. Einen Dreischritt haben wir gesehen von einer großen Chance über die sonst vom freien Alex Meier im Schlaf verwandelte Chance hin zum Billardball, der bei nur minimal veränderten Abprallwinkeln am Nauber- oder Wiedwaldkörper ins Tor getrudelt wäre. Damit war der Druck auf das Duisburger Tor aber fast schon vorbei. Danach gewannen die Zebras ihre Sicherheit und versuchten sich selbst im Spiel nach vorne.

Vor dem Tor von St. Pauli wurde das dann eine übersichtliche Angelegenheit. Der Ball kam einfach nicht in die Spitze zu John Verhoek. Wenn es Torgefahr gab, entstand sie durch Dribblings aus dem Mittelfeld heraus. Meist war es Cauly Souza, der sich beim Zug Richtung Tor versuchte. Sein Schuss ging auch an den ausgestreckten Arm von St. Paulis Defensivmann. Natürlich gab es schon genügend Elfmeterpfiffe in solchen Situationen. Der MSV bekam diesen Elfmeter nicht. Schiedsrichter nutzen Entscheidungsspielräume. Wahrnehmung ist individuell. Als Erklärung für die Entscheidung gab es wohl die Nähe des Verteidigers zum Schützen. Nun ja, diese Distanz war nicht wirkich nah, aber auch nicht deutlich weit. Wir Menschen legen Regeln aus, zum Nachteil des MSV in diesem Fall.

In der zweiten Halbzeit habe ich im Grunde genommen nur auf das Glückstor des MSV gehofft und das Glückstor St. Paulis befürchtet. Zwar versuchte St. Pauli mehr Druck zu entfachen. Es gelang ihnen nur nicht. Zwei Schüsse blieben das Ergebnis. Einmal war es noch wirklich gefährlich, doch Felix Wiedwald reagierte stark. Den zweiten Schuss brauchte er nur aufzunehmen. Ein freier Schuss genau auf Mann, den nehmen wir gerne.

Als Ahmet Engin für John Verhoek eingewechselt wurde, hoffte ich kurz auf die etwas andere Spielweise des MSV vor dem Strafraum. Harvard Nielsen war in die Mitte gerückt. Er ist wendiger als Verhoek, aber bei hohen Bällen natürlich weniger präsent. Doch Engin konnte sich am Flügel kaum durchsetzen. So kam es gar nicht erst zu Kombinationsversuchen mit Nielsen oder anderen Spielern vor dem Strafraum. Gefährlich wurde es für St. Pauli nicht mehr. Hans Albers mit seinem Trostlied musste nicht hervorgeholt werden.

In meinem Tabellenrechner war eine Niederlage verzeichnet. Der MSV ist nun einen weiteren Punkt im Plus. Wir wissen aber alle, entscheidender sind die Spiele gegen Ingolstadt und Sandhausen.

Dänen lügen nicht über den Hinrundenabschluss gegen den HSV

Die letzten vier Mannschaften der Zweiten Liga arbeiten an einem neuen Rekord des MSV Duisburg. Vermutlich werden die Zebras am Ende der Saison 2018/2019 nicht nur der erste Verein an der Tabellenspitze mit einem negativen Torverhältnis gewesen sein. Der MSV Duisburg wird nach der Saison auch der erste Verein der Bundesligageschichte sein, der mit nur 26 Punkten den Klassenerhalt sichert. Danke Sandhausen, danke Ingolstadt, und danke Magdeburg in spe – hoffe ich jedenfalls im Vertrauen auf den FC. Ich möchte allerdings lieber schon recht früh in der weiteren Saison absehen können, dass der MSV diesen Rekord verfehlen wird und zwar nicht, weil nach Erreichen von 25 Punkten nicht mehr gewonnen wird.

Zur Niederlage brauche ich einmal mehr nicht viel zu schreiben. Allerorten findet sich dieselbe Wertung der 2:1-Niederlage des MSV gegen den Hamburger SV. Die Zebras wurden schwindlig gespielt in den ersten Minuten. Dann kamen sie besser ins Spiel. Mitgehalten. Tödlicher Pass für die eigene Abwehr durch Fröde. Schneller Ausgleich nach Eckball, schnelles Glück, schnell verweht. Durch erwartbares Freistoßtor aus jener Entfernung. Ausgleichschancen. Vergeben. Stoppelkampf mit der größten Chance. Fröde schlecht, Souza schlecht. Sukuta-Pasu richtig gut. Gelungener Notbehelf durch Aufstellungsüberraschung mit Wiegel als Innenverteidiger. Regäsel und Seo als Außenverteidiger waren für mich angesichts dieser sehr guten HSV-Offensive ebenfalls in Ordnung. Albutat verbesserte das Mittelfeldspiel in Halbzeit 2. Blöde gelb-rote Karte, aber was macht der Hamburger überhaupt in der Nähe des Balles beim Freistoß? Da fiel der Schiedsrichter schon auf dessen Schauspielerei rein. Das meiste davon gelesen.

Eigentlich hätte deshalb der ehemalige Zebrastreifenblog-Hospitant aus Aarhus, Der Stig, heute schreiben müssen. Denn er ist ja Harmonie-Allergiker. Er ist immer für eine polternde Meinung gut. Doch noch ist er nicht wieder zurück in Deutschland. Vielleicht schafft er es im neuen Jahr, im Zebrastreifenblog regelmäßig zu schreiben. Am Telefon hat er jedenfalls sofort losgeschimpft, was denn dieser Blödsinn solle, diese resignative Zufriedenheit nach der Niederlage. Auch diese Niederlage sei doch bezeichnend für den Tabellenstand. Ob jetzt einer gegen den HSV aus kurzer Entfernung über das Tor schießt oder gegen Heidenheim, das sei doch vollkommen egal. Drüber sei drüber. Und wenn gegen den HSV bei solchen Chancen nicht getroffen werde, wie solle das dann gegen Dresden geschehen.

Ich habe versucht, ihn zu bremsen, weil es doch auch um den Aufwand ginge, sich solche Chancen bei einer so guten Mannschaft wie dem HSV überhaupt zu erarbeiten. Eben, sagt der zu mir. Gegen Dresden wird es wieder noch weniger Torchancen geben. Außerdem könne er kotzen, wenn da auf dem Platz das Spiel eingestellt wird, sobald da einer der Meinung ist, der Schiedsrichter hätte pfeifen müssen. Fehlpass und reklamieren, so ein Mist. Der Stig, wie man ihn kennt. Ich glaube, wenn er mal wieder hier schreibt, muss ich vorher prüfen, ob das den Zebras überhaupt hilft. Die Kleinigkeiten, die entscheiden, ihr wisst schon.

20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen den 1. FC Magdeburg, die die Welt noch nicht gesehen hat

  1. Am Donnerstag in einer englischen Woche muss ein Text schneller als an einem Montag nach einem Wochenendspiel entstehen. Deshalb gibt es keine Rücksicht auf stilistische Feinheiten.
  2. Das 3:3-Unentschieden des MSV gegen gegen den 1. FC Magdeburg hat mich an den Rand der mir erträglichen Verzweifelung gebracht. Verzweifelung über den Lauf der Dinge. Verzweifelung über kurz unaufmerksame Spieler des MSV. Verzweifelung über eine Schiedsrichterentscheidung.
  3. Nach dem 2:1-Rückstand dachte ich kurz, ich könne mir das Spiel im Neudorfer Ostende nicht weiter ansehen. Im Stadion ertrage ich jegliche Spielverläufe. Vor dem Fernseher geht das nicht. Dort komme ich an gesundheitsgefährdende Grenzen. Als durch den Freistoß das zweite Tor für Magdeburg fiel, wurde die Ohnmacht unerträglich, einer erneuten Niederlage des MSV ausgesetzt zu sein. Ich merkte, jegliche Hoffnung meines Lebens war in diesem Moment auf den MSV gerichtet. Das war zu viel Hoffnung an der falschen Stelle. Ich wollte aus dem Ostende fliehen. Kevin Wolzes schnell folgendes Freistoßtor zum Ausgleich war ein betäubendes Schmerzmittel. Ich konnte es nicht bejubeln. Die Ohnmacht war einer gefühllosen Beruhigung gewichen.
  4. In der ersten Halbzeit hat der MSV gut gespielt. Die Magdeburger wurden früh bei ihrem Aufbauspiel gestört. So konnte immer wieder schnell umgeschaltet werden. Der MSV wirkte auf mich für Phasen spielbestimmend.
  5. Diese Wahrheit gab es aber auch: Das einer Balleroberung folgende Umschaltspiel führte auch hin und wieder zu spekulierenden Pässen ins Nichts. Es waren hilflose Pässe im Wissen darum, auf diese Weise bleibt der Ball nicht im Spiel. Auf diese Weise unterbindet man einen Konter der Magdeburger. Solche Pässe sind dann weniger ein Instrument der Offensive als der Defensive. Besser geht es in dem Moment nicht. Das müssen wir akzeptieren.
  6. Vier sehr gute Torchancen ohne Torerfolg für Magdeburg in der ersten Halbzeit belegen nicht das Glück für den MSV sondern die Tatsache, dass es in der Liga Mannschaften gibt, die mit denselben Schwierigkeiten umgehen müssen wie der MSV. Diese vier Torchancen sind eigentlich ein Beleg dafür, wie schwer es für den MSV in dieser Saison ist und wie wenig ein anderer Trainer als Ilia Gruev an der Situation ändern können wird.
  7. Die Mannschaft des MSV spielt offensiv so gut, wie sie es kann. Sie spielen inzwischen gut genug, um ein Spiel zu gewinnen.
  8. Die Führung des MSV war verdient. Nach einem schlechten Versuch zu flanken, verlor Kevin Wolze den Ball und eroberte ihn sofort zurück. Der Flankenversuch zwei in den Lauf von Stanislav Iljutcenko gelang. Der Raum für den Stürmer war da und souverän schob er den Ball ins Tor.
  9. Zuvor schon hatte der MSV mit variablem Spiel die Defensive von Magdeburg unter Druck gesetzt – zum einen über die Flügel, gefahrvoll oft durch Andreas Wiegel; zum anderen durch Mittelfeldläufe von Cauly Souza und Fabian Schnellhardt mit folgendem Pass ins Zentrum auf Tashchy oder Iljutcenko.
  10. Die Spieler des MSV sind defensiv bei Spielunterbrechungen immer wieder nicht präsent. Der Ausgleich zum 1:1 fiel auf dieselbe Weise wie in Dresden das Tor zur Niederlage. Das Tor wäre einfach zu verhindern gewesen, wenn Sebastian Neumann den Ball die ganze Zeit im Blick gehalten hätte und der Einwurfsituation nicht den Rücken gekehrt hätte. Die Spieler des MSV versuchen bei Spielunterbrechungen aber oft als erstes, ihre Position in der Defensivformation einzunehmen und verlieren den Blick dafür, dass das Spiel unterdessen weitergeht. Grundsätzlich muss beides zugleich beachtet werden, wo ist der Ball und wo bin ich im Verhältnis zu meinen Mitspielern. Das geschieht immer wieder einmal nicht. Das führt zu Toren vom Gegner. Das führt zu Wut und Verzweifelung bei mir, weil ich schon vor der Ballberührung des Gegners sehe, dass Gefahr droht. Ich kenne das aus dem Basketball. Dort ist es am Spielfeldrand oder auf dem Spielfeld einfacher. Spieler reagieren, wenn ich schreie. Sebastian Neumann hat mich in Magdeburg nicht gehört.
  11. Schon der Klärungsversuch von Sebastian Neuman, der zum Ausball führte, war der Anfang der Fehlerkette. Er hatte sich nicht entscheiden können zwischen präzisem steilen Pass und Ballwegschlagen. Es wurde irgendwas dazwischen, so dass der Ball zu nah am eigenen Tor ins Aus flog.
  12. Kurz darauf folgt ein Freistoß für Magdeburg nahe der Strafraumgrenze. Die Mauer bei diesem Freistoß stand nicht gut. Der Ball brauchte nicht viel Effet, um rechts dran vorbei zu fliegen. Magdeburg führte 2:1.
  13. Die Anforderungen an Kevin Wolzes Schusstechnik bei dem Freistoß zum 2:2-Ausgleich waren größer. Solche Freistoßtore kennen wir von ihm.
  14. Nach dem 2:2 entwickelte sich ein offenes Spiel. Ist meine Vereinsbrille der Grund dafür, dass ich den MSV mit leichten Vorteilen sah? Auf mich wirkten die Zebras spielerisch variabler als Magdeburg, sicherer im Ballbesitz, bissiger beim Stören der Gegenspieler.
  15. Jeder ruhende Ball für die Magdeburger machte mir Sorgen. Deshalb verzweifelte ich schon vor dem Eckstoß, der zum 3:2 führte über die Fehlentscheidung des Schiedsrichters. In welchem Winkel stand der Schiedsrichter zu Kevin Wolze und dessen Gegenspieler? Der Gegenspieler sprang nicht nur höher, sondern befand sich auch zwischen Wolze und der Torauslinie. Unabhängig vom TV-Bild schien es mir unmöglich zu sein, dass ein von Wolze berührter Ball auf direktem Weg ins Aus hat gehen können. Quasi überall um ihn herum war sein Gegenspieler, der von einem über Wolze kommenden Ball danach berührt werden musste.
  16. Ich habe keine Erinnerung an eine solche dichte Abfolge von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, die so spielbeeinflussend gewesen sind. Denkt nur nicht, dass ich damit die Niederlagen erklären will. Dennoch sind diese Fehlentscheidungen Mühlsteine angesichts der momentanen spielerischen Möglichkeiten des MSV.
  17. Die Ecke war die klassische Gegentor-Ecke der Zebras. Die erneute Führung der Magdeburger erschöpfte mich. Ich fügte mich ins Schicksal der Niederlage.
  18. Die Spieler des MSV fügten sich nicht in die Niederlage. Sie hielten an ihrem Plan fest. Die Mannschaft brach nicht in sich zusammen.
  19. Der Ausgleich zum 3:3 war verdient und gerecht. Im Moment des Ausgleichs kam ein wenig Glück hinzu. Denn Lukas Daschner drückte einen eroberten Ball ins Netz, der zuvor im Magdeburg Strafraum einmal herumgeflippert war. Das Glück hatte aber erarbeitet und erspielt müssen. Dem Glück zuvor gingen Glaube der Mannschaft an die Mischung von spielerischer Lösung und hohem Ball in den Strafraum sowie Gedankenschnelle von Lukas Daschner. Daschner musste erst einmal im rechten Moment am rechten Ort sein. Das ist Können und kein Glück.
  20. Im Stadion beim notwendigen Sieg gegen Regensburg werde ich die Anspannung leichter ertragen als vor dem Fernseher.

Ein Spiel zum Verzweifeln

Am Morgen nach der 1:2-Niederlage des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue bin ich immer noch in einer Art Duldungsstarre. Zwar habe ich mir gestern Abend mit Rico Brömseklöten noch eine Dosis Gegengift gegeben, so dass mich das Wort Erzgebirge fortan nicht nur noch in tiefe Verzweifelung stürzt. Doch solches Gegengift hilft anscheinend zunächst nur als Akutmaßnahme.

Für längeres Wohlbefinden muss anderes hinzukommen. Am besten natürlich ein erfolgreicherer MSV Duisburg. Allerdings vertraue ich auf diese begleitende Unterstützung momentan nicht wirklich. Wo soll das Vertrauen auch herkommen, wenn ich mir die Leistung der Mannschaft im Spiel gegen Aue genau ansehe?

Die Zebras haben in der ersten Halbzeit gut gespielt. Sie waren so gut, wie sie im Moment sein können. Sie haben sich in dieser ersten Halbzeit eine so sichere Torchance erspielt, dass ich den Torwart habe vergeblich hechten sehen. Ich war bereit zum Jubeln. Boris Tashchy hat den freien Schuss über das Tor gesetzt. Einen nicht ganz so freien Schuss setzte Cauly Souza zudem an die Latte. Mit der Jubelbereitschaft kam ich nicht hinterher. Dazu gab es zwei, drei Chanchen, die nicht ganz so klar waren, die aber in anderen Spielen von anderen Spielern in ähnlichen Situationen schon genutzt wurden, um Tore zu erzielen. Der MSV konnte sie nicht nutzen. Auch in einem dieser Momente hatte ich meine Arme schon erhoben.

Ich sorgte mich nicht mehr, der MSV könne in Gefahr geraten in diesem Spiel. Die Defensive stand sicher, mit einer Ausnahmen kurz nach Anpfiff. Daniel Mesenhöler klärte auf der Linie mit einem guten Reflex. Ein Konter hatte zu einem freien Schuss aus zwölf Metern geführt. Kurz vor der Pause hieß es zwar nicht drei Ecken, ein Elfer, doch drei halbe Jubel hatten diese Folge. Boris Tashchy wurde bei der Ballannahme gegen den Fuß getreten und fiel. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter sicher.

Kurz nach der Halbzeitpause pfiff Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck erneut Elfmeter. Dieses Mal gegen den MSV. Wahrscheinlich haben die meisten Zuschauer wie wir bei uns in der Kurve diesen Elfmeterpfiff nicht richtig mitbekommen. Es war merkwürdig still geblieben im Stadion. Schließlich hatte es keine offensichtlich elfmeterreife Spielsituation gegeben. Wir konnten das Bedrohliche des Moments erst nicht erkennen, dann wollten wir es nicht wahrhaben. Aus heiterem Himmel verschwand die Zuversicht für dieses Spiel. Aus heiterem Himmel waren alle Sorgen wieder da. So ungerecht fühlte sich das an. Der Elfmeterpfiff war ungerecht.

Für die Spieler des MSV hatte dieser Pfiff anscheinend eine ähnliche Wirkung wie für mich. Gefährliche Chancen konnte sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit nicht mehr erspielen. Es war nicht leicht mit anzusehen, wie sehr sich jeder einzelne Spieler anstrengte, ohne dass diese einzelnen Anstrengungen vor dem Auer Tor sich bündelten. Es fehlten Ideen für das Zusammenspiel in der Nähe des Auer Strafraums.

Der Boden war tief. Lange hatte es geregnet, und zu Beginn des Spiels hatten sich alle, samt Schiedsrichter, an die Glätte des Rasens gewöhnen müssen. Man war ausgerutscht und geschlittert. Nun war bei den Sprints die zusätzliche Kraft erkennbar, die die Vergeblichkeit der Anstrengung noch spürbarer machte. Es war zum Verzweifeln. Wenn es doch wenigstens beim Unentschieden geblieben wäre. Doch ein Ballverlust von Joseph-Claude Gyau auf dem linken Flügel nach einem harten Tackling führte zu einem Konter, der mit einem Schuss, der nicht oft so gelingt, abgeschlossen wurde. Die 1:2-Niederlage stand fest. Es blieben noch ein paar Minuten mit hohen Bällen in den Strafraum. Ein aussichtsloses Hoffen auf den Zufall. Es war zum Verzweifeln. Ich sehe nicht, dass die Mannschaft besser spielen kann. Ich sehe Spieler, die alles geben. Ich sehe Spieler, die mit ihrem derzeitigen Können alles versuchen. Ich sehe Spieler an ihre Grenzen kommen. Es ist zum Verzweifeln.

Drei Stahlarbeiter stehen inzwischen nur noch vor dem Spiel auf dem Rasen. Beim letzten Heimspiel waren es vier. Beim ersten Spiel zehn? Ich weiß es nicht mehr genau. Überall sehe ich nur noch Zeichen des Niedergangs. Es ist zum Verzweifeln.

Erst dachte ich, es sind 10 unvergessliche Anmerkungen zum MSV und zu Aue. Doch dann geschah das

1. Hei..eimsieg…Hei..eimsieg….Hei…eimsieg….Oh, wie ist das schön…oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen…so schön, so schön.

2. So einen Sieg wie gegen den FC Erzgebirge Aue haben wir tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen. 3:0 hat der MSV gewonnen. Der Sieg in dieser Höhe ist verdient. Souverän hat der MSV diesen ersten Heimsieg der Saison erspielt.

3. Vom Anpfiff an sah es so aus, als spielten zwei Mannschaften von deutlich unterscheidbarem Spielvermögen gegeneinander. Wenn Aue etwas anderes als ein torloses Unentschieden hat erreichen wollen, verheimlichte das die Mannschaft perfekt. In Zeitungsberichten lese ich von einer Chance Aues. Das war ein geschlenzter Ball, der über die Latte strich. Wenn ich mich nicht aufrege und ich kein Gegentor fürchte, gibt es keine Chance. Das wollen wir mal ein für allemal festhalten. Sollte ich jemals Beruhigungmittel brauchen, werde ich mir Spiele vom FC Erzgebirge Aue gegen den MSV in Dauerschleife ansehen. Ich bin in diesem Spiel völlig entspannt gewesen. Ich fürchtete nicht einmal ein Glückstor des Gegners.

4. Erst sah es so aus, als wollte der FC Erzgebirge Aue dem MSV Duisburg den Sieg schenken. Fehlpass um Fehlpass in der Nähe des eigenen Strafraum luden die Zebras weniger zum Konter ein als zum direkten Abschluss auf das kaum mehr verteidigte Tor. Aber die Zebras wollten weder das Mitleid der Gäste, noch wollten sie unhöflich sein. Also taten sie so, als ob sie die Gastgeschenke annahmen und vermieden es auf diese geschenkte Weise ein Tor zu erzielen. Ich wäre weniger stolz gewesen und hätte schon in der ersten Halbzeit gerne eine dieser großen Chancen verwandelt gesehen.

5. Solch große Chancen gegen den tief stehenden Gegner Aue aus dem eigenen Aufbauspiel heraus zu entwickeln ist mühsam und verlangt Geduld. Wir hatten die Geduld, weil wir den Anfang der Saison noch lebhaft in Erinnerung hatten. Spannend ist die Frage, wie so ein geduldiges Aufbauspiel ohne Ertrag auf die Stimmung im Stadion wirkt. Anscheinend beruhigte dieses Spiel nicht nur mich. Ist mein Eindruck falsch, dass wir alle freundlich dem Spiel zusahen, aber die Anspannung den Spielern überließen?

6. Nach der Halbzeitpause wollte Aue gerne so weiterspielen wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV wollte druckvoller sein. Die Mannschaft stand etwas höher in der Defensive als in der ersten Halbzeit.

7. Der MSV war erfolgreicher bei seinem Vorhaben.

8. Zunächst verlor Stanislav Iljutcenko die Orientierung bei einem Kopfball komplett. Völlig frei stehend köpfte er gut acht Meter am Tor vorbei. Kurz waren wir ratlos bei uns in der Ecke. Wie sollte nur ein Tor fallen, wenn solch große Chancen in diesem Spiel mit dieser so dichten Defensive vergeben wurden? Doch kurz danach hatte Stanislav Iljutcenko beim Kurzpassspiel die Orientierung wieder gefunden. Schnell ging es über halblinks Richtung Strafraum, Iljutcenko wurde angespielt, leitete den Ball per Hacke zur Mitte in den Lauf von Cauly Souza weiter. Ein Abwehrspieler meinte, den Pass noch etwas korrigieren zu müssen. Der Ball kam nun noch genauer in den Lauf, so dass der Abschluss keine Schwierigkeit mehr bereitete. Große Freude über das verdiente 1:0.

9. Aue erinnerte sich, dass ein Ball auch schnell nach vorne gespielt werden kann. Die MSV-Defensive weiß das schon sehr lange und war vorbereitet auf mögliche Gefahren.

10. Cauly Souza wird halbrechts angespielt. Er führt den Ball kurz, stoppt ab und zwei Auer Spieler aus der Defensivkette laufen auf den rechten Flügel raus. Vielleicht wunderte sich Souza genauso wie ich. Ich hatte jedenfalls keine Pass- oder Dribblefinte von Souza in dem Moment gesehen. Lucky-Luke-Cauly, der Mann täuscht schneller als sein Schatten. Souza zieht nicht nach rechts, sondern in die Mitte und sucht den direkten Abschluss. Zwischen Pfosten und Torwarthand passte wahrscheinlich nichts mehr als der Ball. Eine frühe 2:0-Führung machte Hoffnung. Wir gebrannten Späte-Ausgleichs-Kinder wünschten uns ein drittes Tor herbei.

11. Zwei Chancen hatte Aue, bei denen meine Entspannung leicht irritiert wurde.

12. Der MSV hatte weiter deutlich bessere Chancen als Aue. Stanislav Illjutcenko lief in einen abenteuerlichen Querpass an der Strafraumgrenze und hatte nur den Torwart vor sich. Allerdings blieb ihm keine Zeit zum Abschluss, und er vergab den Schuss im Fallen. Moritz Stoppelkamp versuchte einen geschlenzten Ball nach einem Konter statt weiter in die Mitte zu ziehen und hart abzuschließen. Cauly Souza schoss einen zweiten Ball zu flach und traf seinen Mannschaftskollegen Iljutcenko, der Mitleid mit der überforderten Auer Defensive hatte und sie kurz als liegende Mauer verstärkte.

13. Der MSV hielt den Druck auf das Auer Tor hoch. Der Mannschaft gelang die perfekte Balance zwischen Defensive und Offensive.

14. Meine Entspannung war trotz vereinzelter Auer Angriffsbemühungen wieder vollkommen.

15. Das dritte Tor gelang bei einem Angriff im zweiten Anlauf. Moritz Stoppelkamp setzte sich im Strafraum auf engstem Raum wunderbar durch, flankte und Boris Tashchy köpfte perfekt ein.

16. Abstiegszone, die – das Wort muss ich mir aufschreiben, damit ich es nicht vergesse.

Ihr seid nur ein Fastnachtsverein, Faschingsverein, Karnevalsverein

Eigentlich bin ich weder der Mann für Maskottchenbashing noch einer für Schmähgesänge. In den Räumen hier beschäftigt sich Der Stig gerne damit, doch nach dem 1:0-Sieg des MSV gehen mir diese Karnevalsteufelchen aus dem Vorprogramm beim FC Kaiserslautern nicht aus dem Kopf. Das mag an meiner kölschen Fasteloovend-Vertrautheit liegen, aber was machen diese Teufelchen aus der Fußtruppe eines Karnevalsumzugs nur auf dem Rasen beim 1. FC Kaiserslautern? Wie soll ein Verein der sein Vorprogramm dauerhaft mit dem Personal von Fastnacht, Fasching oder Karneval bestreitet nur die Klasse halten? Das wird sehr, sehr schwer, liebe Anhänger, Spieler und Verantwortliche aus Kaiserslautern. Diese Wahrheit muss ich euch leider ins Gästebuch schreiben. Von der Leistung eurer Mannschaft muss ich dabei gar nicht erst sprechen.

Denn erst einmal spreche ich über den MSV Duisburg. Wenn dieser Auftritt des MSV in Kaiserslautern die Balance ist, von der nach dem Braunschweig-Spiel Moritz Stoppelkamp gesprochen hat, müssen wir uns um nichts mehr Sorgen machen. In Zeitungsberichten wurde vor dem Spiel die erneute defensive Ausrichtung beider Mannschaften vermutet. Doch nichts da. Vom Anpfiff an war der 1. FC Kaiserslautern alleine auf dem Platz mit seiner defensiven Ausrichtung. Die Zebras zeigten sofort, in diesem Spiel auf dem Betzenberg wird das Aufbausspiel des Gegners wieder früh gestört, nicht schon in Strafraumnähe wie in den ersten Spielen, aber auf jeden Fall in dessen Defensivhälfte. Zudem wird auch schnell nach vorne gespielt, Sicherheitspässe werden nicht bei jeder Balleroberung gebraucht. Manchmal werden sie noch benötigt, nur um aus der Sicherheit heraus, das Spiel wieder zu beschleunigen. Diese Zebras wollten den Sieg. Das war von der ersten Minute an zu sehen. Zugute kam dem MSV die Verunsicherung bei den Spielern des 1. FC Kaiserslautern. Anhaltendes Selbstbewusstsein hat der Erfolg in den letzten beiden Spielen jedenfalls nicht gegeben.

Klare Chancen ergaben sich aus der Überlegenheit des MSV zunächst keine. Ein Schuss von Moritz Stoppelkamp, nachdem Boris Tashchy und Kingsley Onuegbu in gemeinsamer Arbeit einen hohen Ball in den Strafraum in den eigenen Reihen halten konnten. Geduld war gefragt. Ein Konter der Kaiserslautern machte in der Mitte der ersten Halbzeit einmal Angst. Da hieß es kurz durchatmen, mehr kam aber nicht. Die Defensive stand sicher. Jedem hohen Ball in Richtung Strafraum der Zebras wurde die Gefahr genommen. Andere Mittel fanden die Kaiserslauterner nicht. Das Spiel über deren Außen wurde durch Kevin Wolze und Enis Hajri nahezu komplett unterbunden.

Stattdessen bohrten die Zebras das Defensivbollwerk des Gegners unermüdlich an. Wenn es irgend ging, wurde das Kurzpassspiel versucht, oft waren die halblangen Bälle auf Kingsley Onuegbu oder Boris Tashchy das Mittel der Wahl, hin und wieder wurde das Flügelspiel über Moritz Stoppelkamp oder Cauly Souza gesucht. Die Mannschaft versuchte schnell zu spielen, ohne die Defensive zu entblößen. Ich rufe demnächst immer, da ist sie, die Balance, die Balance, wenn ich das beglückt sehe.

Zwischendurch: Heute geht es hier um das gesamte Spiel. Morgen bekommt der King einen eigenen Text. Das wird ein Plädoyer für Nachsicht. So viel sei schon mal verraten. Und dieses Plädoyer schreibe ich nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern weil mein realistischer Blick auf die Möglichkeiten dieser Mannschaft das verlangt. Ich sehe zu viel Ärger über den King.

Ein Pass auf den durchstartenden Cauly Souza, der wird vom Torwart berührt und fliegt in hohem Bogen durch die Luft. Der Schiedsrichterpfiff und kurze Unsicherheit über die Entscheidung. Elfmeter, ja. Nun wissen wir, die Mannschaft braucht einen weiteren Elfmeterschützen. So weit wie Moritz Stoppelkamp über das Tor schoss, so groß war die Enttäuschung. Dabei dachte ich zunächst Enis Hajri würde schießen. Er hatte den Ball zurecht gelegt. Die Führung wäre verdient gewesen. Es blieb zur Pause beim torlosen Unentschieden.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wollten die Kaiserslauterner mutiger sein. Sie versuchten nun den MSV schon am eigenen Strafraum zu stören. Pressing konnte man das nicht nennen. Das war eher ein lästiges Herumwuseln, was die Zebras grundsätzlich gut beiseite wischten, auch wenn wir gebrannten Anhänger-Kinder immer das größtmögliche Unglück eines Gegentores vermuten. Gefährlicher wurde es für den MSV also zunächst nicht.

Erst nach dem Führungstor durch Dustin Bomheuer entstand so etwas wie Druck auf das Tor des MSV, auch weniger weil die Kaiserslauterner besser wurden als durch die Möglichkeit auf Seiten des MSV etwas zu verlieren. Wenn die Angst vor dem Ballverlust nur minimal größer wird, schon gibt es Situationen, in denen im Strafraum Hektik entsteht und der kurzfristige Verlust von Spielkontrolle. Alles kann dann möglich sein. Zwei-, dreimal sahen wir ein wildes Gebolze, um den Ball aus dem Strafraum zu bekommen. Dennoch hielten die Zebras weitest gehend die Spielkontrolle, wurde versucht Ruhe zu bewahren. Tim Albutat wurde nach seiner langen Verletzungspause zum ersten Mal wieder eingewechselt. Was eigentlich als Beruhigung gedacht war, machte mich schnell nervös. Er wirkte etwas desorientiert in dieser hektischen Schlussphase und ermöglichte zweimal Durchbrüche der Kaiserslauterner auf Strafraumhöhe. Er braucht momentan auf jeden Fall eine ruhige Spielphase, um wieder auf den Platz zu kommen. Vielleicht braucht die jeder Spieler nach so einer Verletzung.

Die Zeit verstrich zudem mit ein paar Aufgeregtheiten, die genutzt wurden, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Natürlich holte sich Enis Hajri eine gelbe Karte ab, die fünfte. Was mich Böses für das Union-Spiel ahnen lässt. Der Schlusspfiff kam nicht als Befreiung vom Dauerdruck, aber doch als Rettung vor einem ungnädigen Schicksal, das wahllos Fanseelen ins Unglück stürzen kann.

 

 

 

 

 

 

Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.


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