Posts Tagged 'Cedrick Makiadi'

Ein Qualitätsbeweis? SC Freiburg sucht gerne Verstärkung beim MSV

Ob Cedrick Makiadi noch mit Armin Veh gesprochen hat, wie es seine Absicht nach dem letzten Spiel für den MSV Duisburg war? Ich kann es mir nicht vorstellen, so schnell wie jetzt der Vertragsabschluss von ihm mit dem SC Freiburg verkündet wurde. Nachdem die Freiburger mit Mohamadou Idrissou schon einmal mit der Verpflichtung eines Stürmers vom MSV Duisburg zufrieden sein konnten, sind sie laut Sportdirektor Dirk Dufner jetzt auch von den „spielerischen Fähigkeiten“ des nächsten MSV-Stürmers überzeugt. Zumal Makiadi als erfolgreicher Stammspieler nach Freiburg wechselt und Idrissou bei seinem Wechsel in der Winterpause 2008 zwar in der Hinrunde dieser letzten Bundesliga-Saison des MSV 2007/2008 auch regelmäßig zum Einsatz kam, er in der damaligen Zeit aber eine Formkrise durchlebte. Unvergessen sein Platzverweis beim Auswärtsspiel gegen Bayern München kurz vor Ende des Spiels, als man nicht wusste, ob sein Nachtreten gegen Oli Kahn dem ganzen Frust über die eigene Leistung geschuldet war oder ob das nur den nicht bewusst angestrebten Höhepunkt jenes damaligen Unvermögens darstellte. Das letzte Spiel der Hinrunde wurde damit zum letzten Spiel Idrissous für den MSV Duisburg. Die Enttäuschung über diesen Auftritt Idrissous in München hat Rudi Bommer, wir erinnern uns, damals noch Trainer, anscheinend in die Winterpause mitgenommen und nicht mehr überwunden.

Makiadi kommt da mit einem anderen Selbstbewusstsein nach Freiburg und braucht für seine zukünftigen Bundesligaeinsätze nicht erst aufgebaut zu werden. Trotz seiner Tore beim MSV halte ich Makiadis Erfolg in Freiburg aber für keinen Selbstläufer. Dazu spielte er mir nicht konstant genug auf hohem Niveau als Teil des Mannschaftsgefüges. Solch eine Leistung hängt natürlich wiederum von den Nebenleuten ab, und deshalb ist die Prognose über die zukünftige Leistung immer mit einem Unsicherheitsfaktor verbunden. Fußball ist nun mal ein Mannschaftssport und die Zusammenstellung einer Mannschaft bestimmt, wie sich das Potential eines Spielers entfaltet. Besäße man jetzt die Sicherheit zu sagen, Makiadi spielt in der 1. Liga für Freiburg konstant auf hohem Niveau, hätte er in dieser vergangenen Saison für den MSV nicht gespielt. Dann wäre er so gut, dass er auch ohne die entsprechende Leistung seiner Nebenleute in jedem Spiel sein ganz persönliches Können gezeigt hätte und damit so gut, dass er für den Verein aller Vereine gar nicht erst erschwinglich gewesen wäre. Man sieht, Fußball ist ein kompliziertes Geschäft.

Von passgenauer Gegenwehr beim Saisonabschluss

An diesem Fazit komme auch ich nicht vorbei, es war ein versöhnlicher Saisonabschluss. Da brauche ich gar nicht origineller sein wollen als Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann bei der NRZ oder Tina in ihrem Blog. Es hatte sich schon in Kaiserslautern angedeutet und setzte sich vor allem in der ersten Halbzeit gegen den Vfl Osnabrück fort. Wenn es nur um das Tagesergebnis geht, lässt es sich wohl angenehm spielen.

Der Zusammenhang von Leistungsvermögen und Angst, einen Fehler zu begehen und damit etwas Großes zu verspielen, scheint mir beim MSV Duisburg für die Niederlagen oder mühseligen Unentschieden in den letzten Wochen offensichtlich zu sein. Ähnlich muss es dem Vfl Osnabrück gestern gegangen sein. Merkte man dieser Mannschaft doch nicht an, dass sie die kleine Hoffnung auf die direkte Rettung am Leben erhalten wollte. Alleine ein kurzes Aufbäumen nach dem Anschlusstreffer war zu erkennen, doch auch da verpuffte nach fünf Minuten jegliche Energie. Die Körpersprache vieler Osnabrücker Spieler ließ schon in der ersten Halbzeit erkennen, dass sie ihre inneren Widerstände ans körperliche Limit zu gehen nicht überwinden konnten. Denn das hätte geschehen müssen, weil der MSV in der ersten Halbzeit voller Spielfreude kombinierte. Man sah Spielzüge über mehrere Stationen und konnte sich an ansehlichem Fußball freuen. Maicon machte das Spiel des MSV sicherer und unberechenbarer im Vergleich zu vielen Auftritten der Mannschaft in der Rückrunde. Natürlich muss man auch bedenken, es gab Freiräume, die die Spitzenmannschaften nicht gelassen hatten. Makiadi machte nicht nur wegen seines Tores deutlich, warum er zu den besseren Spielern der 2. Liga gehört, wenn er im Dribbling nacheinander gegen vier, fünf ihn körperlich hart angehende Gegenspieler den Ball behauptete. Und auch wenn Tinas Fragen zu Sandro Wagner gerade für die zweite Halbzeit ihre Berechtigung haben, dennoch zeigt er sich zum Ende der Saison hin verbessert. Den größten Fortschritt hat er wohl beim Timing seines Kopfballspiels gemacht. Die Abwehr stand letztlich gegen diesen Osnabrücker Sturm sicher, dennoch gab es immer mal wieder leichte Unsicherheiten, die von stärkeren Mannschaften ausgenutzt worden wären.

Und damit komme ich zu einer vielleicht überraschenden Wende. Denn trotz dieses sicheren Sieges in überzeugender Spielweise war auch in diesem Spiel zu erkennen, warum diese Mannschaft den Aufstieg nicht geschafft hat. Den Gedanken hatte ich in der zweiten Halbzeit, als die Chancen des MSV reihenweise vergeben wurden. Man erkannte dankenswerter Weise, die Spieler wollten dem Publikum etwas gönnen. Die Angriffe sollten mit schönen Toren abgeschlossen werden. Dazu luden die Osnabrücker fast schon ein und genau das schien die Stürmer zu überfordern. Sie hatten zu viel Platz, um den gewohnten Zweikampf aufzunehmen und gleichzeitig zu wenig Platz, um den gewünschten spielerischen Zauber zu entfalten. So kam es zu Verstolpern, verspätetem Abspiel und ungenauem Schuss. Ich stelle das nur fest und mecker darüber nicht. Für mich ist es ein Hinweis darauf, dass die spielerische Klasse der einzelnen Spieler nicht ausreicht, um in jedem Spiel die richtige Entscheidung zu treffen. Zur Klasse einer Mannschaftsleisung  trägt aber die Summe der richtigen Entscheidungen nicht unwesentlich bei. Ich meine gar nicht, die alte Trainermaßgabe, wir müssen dem Gegner unsere Spielweise aufzwingen. Mir geht es darum, dass die Spieler des MSV ihre spielerischen Möglichkeiten nur dann zur Entfaltung bringen können, wenn die Spielstärke des Gegners passgenau auf die aktuelle Befindlichkeit der Mannschaft trifft. Einige Spieler scheinen sich ihrer Möglichkeiten nicht so sicher zu sein, so dass ihre Angst vor Fehlern sie gegen starke Mannschaft hemmt. Dagegen lassen schwächere Mannschaften ihnen häufig zu viele Optionen für ihr Spiel.

So, das war es also, wir können nach vorne gucken, uns mit unübersichtlichen Anstoßzeiten beschäftigen und Fernreisen zu Auswärtsspielen planen. Osnabrück kann ich leider nicht allzu viel Glück wünschen in der Relegation, weil mir Paderborn als kommender Zweitliga-Gegner sehr viel besser in persönliche Reisepläne passt. Paderborn als Ort von Familientreffen und Auswärtsspielbesuch an einem einzigen Wochenende, der Gedanke gefällt mir jedenfalls immer wieder sehr gut.

Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!

Gestern der Besuch in Duisburg bei Muttern mit kurzem Blick in die NRZ, bei dem ich meine Vorüberlegungen zum Freitagspiel auch durch den Print-Kollegen von Marco Röhling bestätigt sah. Nicht alle am Spiel Beteiligten hatten offenbar die selben Interessen. Da erweist sich dann der Fußball der Gegenwart als so anders als der Fußball der 60er, wie er etwa in der Doku am Freitagabend zu erleben war. Da erweisen sich heute viele Fußballer eben in erster Linie als Arbeitnehmer, die von ihrem direkten Vorgesetzten gerade zum Ende einer Saison hin besonders motiviert werden müssen.  Was häufig dann misslingt. Da fühlt sich etwa ein Makiadi eben nicht mehr wie ein Spieler in den Anfangstagen der Bundesliga seinem Verein besonders verbunden. Woraus sich früher dann die selbstverständliche Verpflichtung zur Anstrengung ergeben hat. Oder auch das  mögliche Malocher-Schicksal ist nicht mehr so präsent. Da geht es nicht mehr um sozialen Aufstieg. Der ist geschafft. Das führt mich natürlich wieder zu einem meiner Lieblingsthemen, dem Selbstverständnis heutiger Fußballprofis. Darüber werde ich demnächst noch was schreiben, wenn ich mehr Zeit habe. Denn das Selbstverständnis eines Unterhaltungskünstlers anderer Sparten kann sich ein Makiadi eben nicht so einfach zum Vorbild nehmen. Auch wenn ich es als Zuschauer manchmal gerne so hätte. Leistung im Fußball beruht aber auf komplexeren Gegebenheiten als die wiederholbare Leistung eines Artisten oder Schauspielers. Das soll hier für heute erst einmal genügen.

Denn gestern habe ich auch mit den Berichten, wie etwa hier, vom ersten Aufsteiger in der 3. Liga schon wieder einen Blick nach vorne geworfen. Spätestens in dem Moment wurde jeder Ärger vom Vortag durch Vorfreude beiseite geschoben. Und diese Vorfreude muss nicht mal die schönste Freude bleiben, wenn die Wirklichkeit das Ausgedachte doch auch einlösen kann. Also, der Vorsatz steht, dort in der nächsten Saison dabei zu sein.

Mitten in Meiderich – Folge 9

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Soll ich böse sein? Eigentlich widerstrebt das meinem Naturell, aber auch ich gerate immer wieder in die Zwänge der seriellen Form. Neues muss her! Und ich habe keinen Kader, den ich interviewend abarbeiten könnte. Ich habe immer nur Vorgaben, auf die ich reagiere. Variiere ich also heute die Form und zwinge ich mich dazu, sarkastisch zu sein. Ich sage: „Mitten in Meiderich“ öffnet sich in dieser Folge dem Experimentalfilm.  Für 6 Minuten und 20 Sekunden wird dem Zuschauer die Bereitschaft abverlangt,  die Chronologie des Geschehens zum Teil selbst zusammen zu setzen. Allerdings führen die Macher ihre Zuschauer nur ganz vorsichtig auf dieses ungewohnte Terrain und es braucht keine große gedankliche Anstrengung, diese Aufgabe zu erfüllen.

Ein Geschehen vom Freitag und vom Sonntag, zwei Erzähllinien also, schneiden die Macher zusammen und jede dieser Erzähllinie behält für sich ihre zeitliche Abfolge. Die neunte Folge beginnt wieder mit immergleichen Bildern von Fans,  in diesem Fall vor der Auswärtsfahrt ins weit entfernte Ingolstadt. Und was machen Fußballfans auf Auswärtsfahrten? Sie packen natürlich Bierkisten in den Gepäckraum des Busses. Welche Überraschung! Es folgen Bilder von Fahrt und Ankunft und erneut erfahre ich durch solche  Bilder nichts, was ich nicht ohnehin schon vom Fantum weiß. Dagegen geschnitten werden Bilder und O-Töne von Cedrick Makiadi auf der Fahrt zum und beim Training, die am Freitag davor aufgenommen wurden. Inhaltlich führt diese Anleihe beim Experimentalfilm, das Zusammenschneiden zweier Zeitebenen, aber nicht weit, da beide Ebenen überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Alleine die notwendige Abwechslung ist der Grund für dieses formale Versatzstück.

Cedrick Makiadi allerdings lernen wir ein wenig näher kennen, und erfahren von ihm, für den Erfolg müsse man manchmal über Leichen gehen. Sein Wolfsburger Trainer Magat ist so hart drauf. Er selbst sei es aber nicht. Ist er deshalb weniger erfolgreich? Diese Frage wird nicht gestellt, solche Fragen wären aber die interessanten Fragen. Allerdings weiß ich auch, solche Fragen sind Fragen eines anderen Formates. Aber wie kommt man dann raus aus dem Thema? Ich gebe zu, das ist ein nicht leicht zu lösendes Problem für die Macher.

Am Ende geht es wieder um ein Resumée des aktuellen Spiels. Der repräsentative Fan kommt mit erwarteten Sätzen zu Wort, und welchen Spieler sehen wir am Ende, damit die Folge auch gar nicht erst in Gefahr gerät als Einheit wahrgenommen werden zu können: Natürlich nicht Cedrick Makiadi sondern Olivier Veigneau. Er gibt ein Standard-Statement zum Spiel und spricht Standardworte eines Profis zur eigenen Vertragsverlängerung. Alles, also, wie gehabt. Wenn der Blick aufs Alltagsgeschäft nur wenig Raum einnimmt, verliert die einzelne Folge dramatisch an Qualität.  Da nutzt dann auch keine formale Anleihe beim  Experimentalfilm etwas.

Klagechor hat eine Stimme mehr

Der dreistimmige Klagegesang in der Besetzung Jochen, Tina und Thorsten wird ja bereits von einem vielstimmigen Hintergrundchor unterstützt. Da muss ich nur noch leise mitsummen. Es gibt also kein stabiles Leistungsvermögen dieser Mannschaft. Da bleibt nicht mehr als resigniertes Seufzen nach einem Sonntagnachmittag bei Kaffee, Kuchen und Duisburger Familienbesuch in Köln, während einmal mehr im Hintergrund Marco Röhling ununterbrochen um Worte rang, die schlechte MSV-Leistung erzählbar zu machen. Und dann: „Was für ein Graupentor! Aber egal…!“ So ganz egal war es mir nicht, weil so ein Tor dann immer wieder meine Hoffnung kitzelt, wenn ich nichts mit eigenen Augen sehe. Der Glaube versetzt dann schon mal den ein oder anderen Hügel auf dem inneren Weg zum Anschluss an die Spitzenplätze. Vielleicht sollte ich ja ohnehin demnächst eher die Spiele des Vereins aller Vereine imaginieren. Dann sind die Niederlagen wenigstens schön anzusehen. Ach, es war ja ein Unentschieden gegen TuS Koblenz. So etwas vergisst man angesichts der gehörten Worte und der im SWR gesehenen Bilder ganz. Andererseits, dieses Tor zum Ausgleich wird mir im Gedächtnis bleiben. Das hatte was vom choreografierten Chaos einer Slapstick-Komödie, als Mihai Tararache an die linke Eckfahne schoss, um ins Tor zu treffen, und Björn Schlicke da hineinrannte, flankte und in der Mitte Cedrick Makiadi einschoss.  Leider ist so was ja beim Verein aller Vereine eher selten wiederholbar. Denn im Gegensatz zur Slapstick-Komödie, in der dann das Spiel auf perfektem Timing beruht, scheint es sich beim MSV ja meist eher doch um Zufall zu handeln.


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