Posts Tagged 'Champions League'

Fußballgefühle wie früher

Faszinosium Fußball – das Finale der Champions League zwischen Atletico und Real erinnerte mich tatsächlich an die Spiele vom MSV Duisburg. Was habe ich mich gestern gelangweilt. Wie erinnerte die Dynamik des Spiels an die meist ergebnislosen Bemühungen um Schnelligkeit beim MSV. Was habe ich dem Überangebot im Netz gedankt für ablenkende Zerstreuung. Über weite Strecken des Spiels musste ich fortwährend an den MSV Duisburg beim Auswärtsspiel gegen Paderborn in der letzten Saison denken.

So jung habe ich mich dabei gefühlt. Früher, in den 70ern und 80ern war das eigentlich immer so für mich. Viel mehr als Fußball mit deutscher Beteiligung bekam man im TV ohnehin nicht zu sehen, und weil Fußball meist über lange Strecken eines Spiels langweilig war, war für mich nur der Fußball des MSV Duisburg wirklich wichtig. In Abstufungen kamen die Länderspiele und Europapokalspiele deutscher Mannschaften hinzu. Faszinosium Fußball hieß früher Sieg oder Niederlage meines Vereins.

Eine Zeit lang wurde das anders, weil die technischen Fähigkeiten der Spieler besser wurden. Weil es tatsächlich interessant wurde, die Kunstfertigkeit in anderen Spielen sich anzusehen. Heute aber fühle ich mich allzu oft an meine Jugend erinnert. Heute geht es mir wieder immer mehr so, dass mich nur noch Sieg oder Niederlage meines Vereins interesssiert. Denn ich bin ungnädiger geworden, wenn ich Fußballspiele ohne meinen Verein sehe, die mir als besondere Fußballspiele dargeboten werden. Wir wissen das, diese sollen ein konkurrenzloses Unterhaltungsangebot sein. Ein Angebot der Unterhaltungsindustrie aber, das nicht unterhaltsam ist, ist ein schlechtes Angebot. Das Eis ist dünn geworden für den Fußball als Angebot der Unterhaltungsindustrie. Zumindest bei mir. Ob es da wieder rausgeht?

Fundstücke III: Gianlucca Vialli über sein Verhältnis zu Ex-Vereinen

Vor dem Spiel des FC Bayern München gegen den FC Chelsea wurde einer der großen italienischen Fußballspieler der 90er Jahre von der Süddeutschen Zeitung interviewt. Der 1964 geborene Gianlucca Vialli spielte ab 1996 für den FC Chelsea und wurde 1998 Spielertrainer bis 2000. Seine Vereine zuvor waren Cremonese, Sampdoria Genua und Juventus Turin. Auf die Frage, ob er den „Blues“, dem FC Chelsea, noch nahe stehe, holte er weiter aus und fand ein schönes Bild für das Verhältnis von Fußballprofis zu ihren ehemaligen Vereinen.

Mit den ehemaligen Vereinen verhält es sich wie mit Ex-Frauen oder -Freundinnen. Manche hasst man, manche mag man, manche sind einem wichtig – und man will, dass es ihnen gut geht. Aber nicht zu gut, sie liegen ja jetzt mit einem anderen im Bett. Cremonese, Sampdoria, Juve, Chelsea – ich hatte nur Frauen in meinem Leben. Und ich mag sie alle.
Süddeutsche Zeitung, 18. Mai 2012

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß haben mitverloren

Vier Tage war ich aus der Welt gefallen. Zur einzigen Verbindung mit dem, was diese Welt interessiert, wurde auch bei mir am Samstagabend das Finale der Champions League. Nun bin ich wieder in der Welt, vernetzt und muss mal eben im Gefühl des sicheren Abstands ein paar Worte zu den Reaktionen auf die Niederlage des FC Bayern München gegen den Chelsea FC los werden.

Natürlich ist so eine Niederlage bitter, wenn eine Mannschaft überlegen gespielt hat. Natürlich wird sie bitterer, wenn ein Sieg ein gewisser Ausgleich für zuvor erlittene Niederlagen in Bundesliga und DFB-Pokal gewesen wäre.  Und natürlich ist es bitter, diese Niederlage bei einem Finalspiel im eigenen Stadion hinnehmen zu müssen. Aber wenn ich von Karl-Heinz Rummenigges Worten bei der Bankettrede lese, diese Niederlage sei bitterer als die im Finale des Jahres 1999 gegen Manchester United, bin ich erstaunt.  Mich hätte diese Niederlage von 1999 in einem Doppelschlag nach der regulären Spielzeit fassungsloser gemacht als jene in diesem Jahr, bei der schon recht schnell deutlich wurde, es kann für den FC Bayern München ganz schlecht laufen. Das Finale erinnerte doch schon nach wenigen Minuten an das Halbfinale von Chelsea gegen den FC Barcelona.

Gefühle sind Gefühle. Karl-Heinz Rummenigge kann niemand sein Empfinden wegreden. Für mich ist dieses Empfinden aber ein Zeichen, wie Karl-Heinz Rummenigge und die Führung dieses Vereins diese Niederlage mittragen. Ich glaube, sie fühlen sich weniger verantwortlich, als sie sich fühlen müssten. Sie tun ja alles aus ihrer Sicht. Sie kaufen gute Fußballer, entlassen und verpflichten Trainer zur rechten Zeit. Mehr können sie ja gar nicht tun. Glauben sie wahrscheinlich. Und liegen falsch.

Wer die Niederlage des FC Bayern München gegen Chelsea tatsächlich als bitterer empfindet, muss blind gewesen sein für die Möglichkeit dieser Niederlage. Unerwartete Niederlagen können im Fußball immer geschehen. Auf mich macht es den Eindruck, als gebe es beim FC Bayern München durch die Haltung der sportlichen Verwaltung vorgegeben keinen produktiven Umgang mit negativen Gefühlen bei Niederlagen. Diese Niederlage hat deshalb auch etwas mit den zweiten Plätzen in Bundesliga und  DFB-Pokal zu tun.

Wieso sollte der FC Bayern nicht eine ungerechten Niederlage im Finale erleiden? Wieso klingt die Trauer in München nun nach Aufbäumen gegen die Wirklichkeit und nach Nicht-Wahr-Haben-Wollen? Das ist für mich der Knackpunkt dieses in München so empfundenen Komplettversagens in dieser Saison. Dieser Verein hätte gemeinsam mit den Fans am nächsten Tag auf dem Marienplatz trauern müssen. Doch dieser Verein war längst zu sehr mit dem Gewinn dieser Champions Leaque beschäftigt, als dass an so ein gemeinsames Trauern  – und damit bewältigen – anscheinend überhaupt gedacht wurde.

Dieser auf Bewältigungsstrategien und damit auf die Psyche des Vereins bezogene Gedanke lässt sich aber noch in einer anderen Perspektive wiederfinden. Fußball ist ja ein schillerndes Phänomen der Gegenwart, Teil der Unterhaltungsindustrie und Kulturgut zugleich. Und in dieser Richtung weiter nachgedacht, erweist sich der Fußball des FC Bayern München trotz aller emotionalen Bedürfnisse nach Erfolg von Uli Hoeness als reines Unterhaltungsangebot. Und so ein Unterhaltungsgebot kennt kein Scheitern. Wer scheitert, versagt am Markt. Das ist die wahre Botschaft hinter dieser Niederlage.

Ich bedauer all die Anhänger dieses Vereins, die dort tatsächlich auch das Kulturgut Fußball suchen. Wir wissen alle, man kann sich die Anhängerschaft nicht unbedingt aussuchen. Aber nach der Niederlage wäre es am Sonntag ein würdiges gemeinsames Trauern auf dem Marienplatz geworden. Da bin ich mir sicher. Es hätten nicht einmal alle Spieler dabei sein müssen. Der Verein hätte nur da sein müssen. Diese Trauer um die Niederlage hätte einfach nur einen Ausdruck gebraucht. Sie hat sie nicht gefunden. Ich glaube, diese Haltung gegenüber Niederlagen im Verein hat bei dieser letzten Möglichkeit des allein gültigen Erfolgs zur Niederlage beitragen. In so einem Fall versagen schon mal die Nerven. Wenn einfach alles, aber auch alles von einem einzigen Torschuss abhängen soll.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – I –

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog ab heute in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

                                                                                                                              Den Auftakt zu dieser Reihe mit den schönsten Fußballtorten der Welt kann am Tag nach dem ersten Halbfinale der Champions League nur eine Torte machen, zum Trost und zu Ehren der Mannschaft des F.C. Barcelona und aller seiner Anhänger. Nicht jeder wird den Gedanken mögen, dass mit dem Ausscheiden aus der Champions League der F.C. Barcelona dem Fußball einen größeren Dienst erwies als mit dem Erreichen des Finales. Diese Niederlage stärkt den Glauben daran, dass in einem Fußballspiel alles erreichbar ist, selbst für die schwächsten Mannschaften gegen übermächtige Gegner. Es muss immer wieder große Mannschaften geben, die ihn bestätigen. Und nun nehmt euch 1 Minute und 47 Sekunden Auszeit für eine F.C. Barcelona-Torte im Bewegtbild.


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