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Fundstück: Klaus Wunders Aufgabe bei Bayern München

Für den Abschiedstext am Samstag über Arjen Robben und Frank Ribery in der Süddeutschen Zeitung hat Christof Kneer ein Interview mit Gerd Müller aus dem Archiv hervorgeholt. Die Interview-Reminiszenz sollte verdeutlichen, wie sehr sich das Bayern-Flügelspiel der Gegenwart mit Robben und Ribery vom immer während erfolgreichen Bayern-Spiel der Vergangenheit über die Sturmmitte unterschied.

Nach den Worten von Gerd Müller wurde Klaus Wunder vom MSV Duisburg nur deshalb gekauft, um die Spannung unter den etablierten Spielern hoch zu halten. So wie Gerd Müller es erzählte, gab es für Klaus Wunder nie eine wirkliche Chance, um sich bei den Bayern durchzusetzen. Es gab keine Absicht, die übliche Bayern-Taktik zu verändern. Klaus Wunder musste nur im Kader vorhanden sein, um ein Drohszenario zu inszenieren.

Natürlich ist diese Erinnerung nicht mehr als eine Anekdote. Die endgültige Wahrheit dieser Verpflichtung gibt es nicht. Wahrscheinlich hätte Robert Schwan was ganz anderes erzählt, geschweige denn der Trainer. Dennoch bestätigt die Anekdote in dieser Perspektive von Gerd Müller ein Muster bei Spielerverpflichtungen durch den FC Bayern München. Der Verein verpflichtet neue Spieler oft eben in dem Luxus, sie nicht unbedingt wegen ihres direkten Nutzens als aktiver Part der spielenden Elf. Oft gibt es andere Motive, für die sich die abgebenden Vereine und die Spieler hoch bezahlen lassen.

 

Ich weiß noch, wie zwiespältig ich als Kind diese Verpflichtung von Klaus Wunder durch den FC Bayern erlebt habe. Zum einen war mir als Zwölfjähriger bewusst, dass durch den Weggang von Klaus Wunder die spielerische Qualität der Mannschaft des MSV leiden könnte. Zudem war der Abschied selbst eine besondere Nachricht, die meine Stimmung drückte. Man muss sich vergegenwärtigen, ständige Wechsel von bedeutenden Spielern einer Mannschaft waren in diesen frühen 1970er Jahre nicht die Regel. Man verabschiedete sich am Ende einer Saison nicht von unzähligen Spielern, die während der Saison Stammspieler waren. Man begrüßte nicht zu Beginn der Saison eine halbe Mannschaft neu. So eine Nachricht erhielt also eine besondere Bedeutung.

Zum anderen war es der erfolgreiche FC Bayern München, der tatsächlich einen Spieler des MSV Duisburg verpflichtete. In den 1960er Jahren war das schon einmal passiert, aber nicht in meiner bewussten Zeit mit dem MSV. Diese Bayern bezahlten mit knapp unter einer Millionen Mark für damalige Verhältnisse unfassbar viel Geld für Klaus Wunder. Auf den MSV und damit auf mich als Anhänger der Mannschaft strahlte das auszeichnend ab. Der MSV spielte für einen Moment eine besondere Rolle in Fußballdeutschland. Das wiederum war gut. Mein Stolz auf diesen Wechsel bedeutete aber auch für mich, Klaus Wunder musste in München in die Startelf. Nur dann hätte dieser Wechsel für mich einen Sinn gehabt. Das geschah nicht. Je weniger er spielte, desto mehr verlor sich auch mein Stolz auf die beim MSV gezeigte Leistung von Klaus Wunder. Was habe ich damals schon von verdeckten Motiven der Bayern gewusst.

Fundstück: Christof Kneer über Arne Friedrich in der Süddeutschen Zeitung

Gerade lese ich im Sportteil der Süddeutschen Zeitung und stoße auf  einen schönen Absatz, den Christof Kneer über Arne Friedrich schreibt.

„So haben die Leute das jedenfalls wahrgenommen: 2006 war Arne Friedrich der Spielverderber. 2010 hat er dem Gegner den Spaß verdorben. Fußball ist ab einem gewissen Niveau immer auch Geschmackssache, und es kommt auch immer darauf an, in welche Zeit ein Spieler gerade gerät. 2006 war nicht die Zeit für Arne Friedrich, 2010 dagegen sehr.“

Christof Kneer nimmt die unterschiedliche Bewertung von Arne Friedrichs Leistung während der beiden Weltmeisterschaften 2006 und 2010 als Beispiel, um die spielerischen Möglichkeiten der deutschen Defensive während dieser WM zu umreißen. Zum gesamten Artikel geht es mit einem Klick weiter.

Sehr schön ist dabei übrigens auch festzustellen, wie selbstverständlich die avancierte Fußballberichterstattung und der Kulturjournalismus sich inzwischen derselben Deutungsmuster bedienen. Die unzeitgemäße Begegnung von Kunstwerk und Öffentlichkeit ist ja als Topos der Kultubetrachtung nicht unbekannt.


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