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Spielvorbereitung: Stärken der Psyche mit Köbes Underground

Es ist schon einige Zeit her, dass ich mir angeregt durch den Kölner Stadt-Anzeiger darüber Gedanken gemacht habe, was schlimm sein könnte am Kölner Karneval. Die eine sehr nahe liegende Antwort habe ich damals vergessen: „Üvverall jitt et Fans vom FC Kölle“ und das entsprechende Lied dazu. Gott sei Dank, es gibt in solchen jecken Zeiten aber auch Köbes Underground, die uns  zu innerer Stärke verhelfen, zu einer Stärke, die solche Tore wie das von Markus Daun möglich macht im damaligen Premierenspiel von Christoph Daum als Trainer vom FC. Bilder dazu habe ich keine gefunden. Ich denke da an einen lang geschlagenen, gefühlvollen Heber, der sich über den weit heraus gekommenen Torwart ins Tor senkt. Stattdessen Köbes Underground, man passe den Text zumindest in Gedanken der gegenwärtigen Liga an:

Ganz Deutschland wartet auf Christoph Daums schwulen Fußballprofi-Kumpel

Nach Ostern sind hier ein paar Dinge aufgelaufen, weil ich kaum an den Schreibtisch kam. Austauschschüler fremder Länder bereichern den Alltag zwar, sind ohne Unterstützung durch die Schule in den Ferien aber auch betreuungsintensiv. So komme ich erst jetzt zu der Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger der letzten Woche, dass Christoph Daum die Gruppenbesetzung des Kölner „Come together Cups“ ausgelost hat. Dieses Fußballturnier wird von dem „schwulen Fußballclub Cream Team Cologne“ organisiert und soll die „Integration ALLER Minderheiten“ befördern. So eine schwul-lesbische Eigeninitiative ist in Köln seit langem mehrheitsfähig, interessiert Jahr für Jahr ein größeres Publikum und bot Christoph Daum noch einmal die Gelegenheit, jene Haltung zu Schwulen zu bekräftigen, die er öffentlich wirksam wahrgenommen wissen will.

„Für mich ist Homosexualität Normalität“, sagte Christoph Daum, und das klang anders als jene Sätze aus einer TV-Dokumentation vom letzten Jahr, mit denen er sich zwischen Kinder- bzw. Jugendschutz und Klischees über die Sexualität von Homosexuellen verheddert hatte.  Schon damals reagierte er auf die Kritik von unterschiedlicher Seite mit Verweisen auf seine schwulen Bekannten.

„Schwule sind für mich ganz normale Kumpels. Ganz Deutschland wartet auf den ersten schwulen Fußballer“, fügte er hinzu und meinte damit eigentlich einen sich outenden Profi-Fußballer, den er, wenn er zu ihm käme, unterstützen würde. Ganz Deutschland? Nun ja, das lassen wir mal dahin gestellt, aber ich glaube, die Bedingungen, unter denen diese Unterstützung geschehen kann, sollte man sich mal näher ansehen.

Wenn ich nämlich an meine eigenen Erfahrungen im Mannschaftssport unter Männern denke, wird man beim Reden über Schwulsein in der Männerwelt des Sports sehr schnell auch über männliche Körperlichkeit reden müssen. Wer jemals als Mann längere Zeit in einem Mannschaftssport aktiv gewesen ist, kennt diese Momente nach dem Spiel in den Umkleidekabinen oder unter der Dusche mit kleineren Spötteleien auf der Grundlage von Klischees über Schwule. Das hat oft weniger mit Ressentiments gegenüber schwulem Leben zu tun als mit der Unsicherheit gegenüber Intimität und Körperlichkeit unter Männern. Es hat mit den im männlichen Selbstbild verankerten Möglichkeiten zu tun, wie sich Männer nackt begegnen können, im besonderen Fall dort, wo der Wettbewerbsgedanke gerade noch lebendig gewesen ist. Es geht um Entblößung, sich verletztlich zeigen und den Möglichkeiten, das alles ohne Scham auszuhalten. Humor spielt dabei keine kleine Rolle. Wenn Christoph Daum also einen schwulen Profifußballer innerhalb seines Kaders unterstützen wollte, würde ich ihm raten, den betreffenden Fußballer in seinem Sinn für Witz und Humor zu bestärken. Weil Umkleidekabinen und der Fußballplatz ein halbprivater Raum sind, gelten hier andere Regeln als beim Reden in der Öffentlichkeit. Da nutzen Tabus wenig, weil das Reden über Schwulsein meist ein Symptom für etwas anderes ist. Dieses Andere wird sich einen Ausdruck suchen, und es wäre nicht nur für den Erfolg der Mannschaft besser, dass so etwas nicht verdeckt geschieht.

Dass diese Unterstützung im Mannschaftskreis noch die einfachere Aufgabe wäre, versteht sich von selbst. Für einen sich outenden Profifußballer wäre es die Herkulesaufgabe, dem Publikum in dessen düstersten Momenten zu begegnen. Da bräuchte die Unterstützung von Christoph Daum ein wenig Unterstützung vom DFB. Und selbst dann müsste so ein bekennender schwuler Profifußballer schon eine ziemlich dicke Haut haben, wenn man sieht, was trotz aller Anti-Rassismus-Kampagnen farbige Spieler immer wieder hören müssen. Dennoch haben Christoph Daums öffentlich Sätze natürlich ihren Sinn. Sie sind Ziegelreihen in einer Brandmauer gegen diskriminierenden Schwachsinn und das sogar ungeachtet der Frage, was man sonst so von Christoph Daum hält.

Ist geteiltes Leid halbes Leid?

Ich hatte es schon einmal angedeutet, das Manko in der Spielanlage des Vereins aller Vereine findet sich auch in anderen Vereinen wieder. Mehrfach. Klagen gibt es häufig über das Angriffsspiel von Mannschaften. Das Verteidigungsverhalten ist anscheinend leichter zu trainieren als das Angriffsverhalten. Schließlich kann man dabei schon mal nicht den Ball verlieren. Je perfekter das Verteidigungsverhalten, desto eingeschränkter die Optionen für das organisierte Angriffsverhalten einer Mannschaft. Es ist inzwischen eine Binse, dass technisch begabte Einzelspieler wie Marco Marin für den Erfolg einer Mannschaft immer wichtiger wurden. So könnte man im folgenden Kommentar Köln samt seiner Begebenheiten durch Duisburg ersetzen und hätte eine treffende Beschreibung der Verhältnisse beim MSV in letzter Zeit:

Das Spiel gegen Hoffenheim reiht sich nahtlos in die bisherigen Auftritte des FC ein: solide, zweikampfstark und gut organisiert in der Defensive, weitgehend planlos, langsam und unpräzise in der Offensive.

Womit wir bei der Problemzone des 1. FC Köln angekommen wären: dem offensiven Mittelfeld. Viel Kritik muss vor allem Roda Antar einstecken, der in der zentralen Position bisher tatsächlich noch keine Bundesligatauglichkeit bewiesen hat. Zu ungenau, zu langsam, zu umständlich ist sein Passspiel.

Fairerweise muss man sagen, dass das nicht allein an ihm liegt. Meist bieten sich ihm in der Offensive viel zu wenig Anspielstationen. Der FC bekommt seine Leute nicht schnell genug vor den Ball und die, die da sind, machen zu wenig aus ihren Möglichkeiten.

Die Welt – aus der Sicht der Südtribüne

Warum der Verweis auf Parallelen? Weil es immer auch um Strukturen geht und nicht nur um Personen. Ob Bommer oder Neururer, ob Daum in Köln, Luhukay oder Meyer in Mönchengladbach, mir kommt es so vor, als ob alle dasselbe Problem haben oder hatten, wenn der Ballvortrag über einstudierte Laufwege nicht funktioniert, gibt es im offensiven Mittelfeld nicht an jedem Spieltag die individuelle Klasse, um den Ball in den gegnerischen Strafraum zu bringen. Und manchmal folgen solche Spieltage dann mehrmals aufeinander. Zu unser aller Leidwesen natürlich. Da spreche ich jetzt mal vereinsübergreifend.


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