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Die anderen Plätze – ein Dokumentarfilm über arbeitslose Fußballprofis

Die 41. Duisburger Filmwoche wurde im letzten November mit der Deutschlandpremiere eines Fußballfilms eröffnet. Die anderen Plätze zeigt die Lebenssituation von arbeitslosen Fußballprofis. Gedreht wurde der Film vor allem in der Stadt seiner Deutschlandpremiere, eben in Duisburg, denn in der Sportschule Wedau bietet die VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler, während der Sommerpause ein Trainingscamp für arbeitslose Fußballer an. Die Fußballer können sich fit halten, während sie auf späte Aktivitäten auf dem Transfermarkt hoffen.

Den beiden Filmemacher Simon Quack und Marco Kugel ging es um die Lebenssituation von  Fußballprofis der hinteren Reihen und den Arbeitsmarktbedingungen für sie. Das sind jene Fußballer, die nicht mehr, noch nicht oder noch nie als erste auf den Nachfragelisten der Sportdirektoren stehen und gestanden haben. Am VDV-Camp nehmen ganz junge Spieler teil und Spieler, die das Ende der aktiven Laufbahn schon in Erwägung ziehen. Es gibt Spieler, die zwar nicht auf allerhöchstem Niveau gespielt haben und dennoch mit einem Verein in der Bundesliga außergewöhnlich erfolgreiche Zeiten erlebt hatten. Es gibt Spieler, die von Verein zu Verein ziehen.

Zwar gibt es in Die anderen Plätze einzelne Spieler, die häufiger zu Wort kommen, doch der Lebenszusammenhang in diesen Sommermonaten erscheint als unüberschaubares Ensemble von Menschen, in dem die Spieler vereinzelt sind und bei dem dennoch ein Zusammenhalt als Glauben beschworen werden muss. Denn dieser Zusammenhalt ist zugleich Leistungsvoraussetzung in Fußballkadern heutiger Tage.

Marco Kugel und Simon Quast entfalten die Wirklichkeit der arbeitslosen Fußballprofis ohne starke Geschichten von einzelnen Hauptfiguren, sie wollen atmosphärisch sein und nicht zu analytisch. So verliert der Film im zweiten Teil Dynamik. Höhen und Tiefen nähern sich an und der Alltag der arbeitslosen Fußballprofis wird zum melancholisch dahintreibenden Bilderfluss.

Auf verschiedenen Filmfestivals wird der Dokumentarfilm zu sehen sein. Zudem besteht die Aussicht auf Ausstrahlung im Fernsehen. Die Veröffentlichung auf DVD ist ebenfalls geplant.

Für uns in Duisburg bietet der Film die Begegnung mit einigen bekannten Gesichtern. Dietmar Hirsch ist im Camp Trainer gewesen. Beim MSV war er Spieler von 1995 bis 2000 und noch einmal von 2003 bis 2005. Philipp Bönig kommt oft zu Wort, und auch wenn seine Karriere wahrscheinlich eher mit dem VfL Bochum verbunden wird, beim MSV hat er seine ersten beiden erfolgreichen Profijahre von 2001 bis 2003 verbracht. Ich war damals enttäuscht, als er nach Bochum ging. Mit Christopher Schorch läuft auch ein Spieler aus der jüngsten Vergangenheit durchs Bild, ohne dass er im Film sich weiter äußert.

Bei der Duisburger Filmwoche gehören protokollierte Diskussionen über die gezeigten Dokumentarfilme direkt nach den Filmvorführungen zum Festivalprogramm.  Zum Protokoll der Diskussion über die Die anderen Plätze geht es mit einem Klick.

Zwei Tage nach der Premiere in Duisburg habe ich Simon Quast und Marco Kugel getroffen, um mit ihnen über ihren Dokumentarfilm zu sprechen. Simon Quast erwies sich als Anhänger von Borussia Mönchengladbach, hingegen der Hamburger Marco Kugel  zwar fussballinteressiert ist, doch keinem Verein besonders anhängt.

Zebrastreifenblog: Zwischen den Spielzeiten bietet der VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler ein Traininigscamp für arbeitslose Fußballer in der Duisburg Sportschule an. Wie seid ihr auf dieses Thema eures Dokumentarfilms „Die anderen Plätze“ gestoßen?

Simon Quack: Wir wollten einen Film über Arbeitslosigkeit machen. Dazu gab es verschiedene Überlegungen und Recherchen. Dann hat uns während einer Filmwoche hier in Duisburg jemand von dem Fußballcamp für arbeitslose Fußballprofis erzählt. Weil wir uns für Fußball interessieren, aber davon noch nie gehört hatten, hat uns das neugierig gemacht. Schon im Jahr darauf, 2014, haben wir uns dann angesehen, wie dieses Fußballcamp läuft und wie das aufgebaut ist.

Zebrastreifenblog: Habt ihr in dem Jahr auch begonnen zu drehen?

Marco Kugel: Nein, wir haben vor allem im Sommer 2015 gedreht und noch einmal vier, fünf Tage im Jahr 2016. Dietmar Hirsch, der verantwortliche Trainer in dem Camp, bekam zum Ende des Camps einen neuen Job beim VfB Oldenburg, und so haben wir uns entschlossen, wir fahren nach Oldenburg und sehen, wie es ihm dort geht.

Zebrastreifenblog: Seid ihr mit eurem Vorhaben beim VDV auf offene Ohren gestoßen?

Marco Kugel: Doch, ja, es gab nur eine einzige Bedingung. Der VDV wollte prüfen, ob wir seriöse Filmemacher waren. Es gab wohl schlechte Erfahrungen, und sie hatten die Befürchtung, dass es den Film niemals geben wird. Wir sollten also zeigen, dass eine Produktionsfirma hinter uns steht, dass wir Geld für die Produktion hatten und wir den Film fertig machen konnten.

Zebrastreifenblog: Und wie begegneten euch die Fußballer selbst? Als Dokumentarfilmer braucht ihr ja Menschen, die sich euch so weit wie möglich öffnen. Fußballer heute lernen aber mit als erstes gegenüber dem Medienbetrieb vorsichtig zu sein.

Marco Kugel: Wir hatten mit den Spielern vereinbart, wer keine Lust zum Sprechen hat, der sagt es einmal und den lassen wir in Ruhe. Es kam aber fast nie dazu. Die Spieler waren sehr offen und sehr reflektiert. Der erste Schritt in die Öffentlichkeit für die Spieler war ja schon die Anmeldung zum Camp. Die Spieler, die das gemacht haben, haben sich damit zu ihrer Situation bekannt.

Simon Quack: Vielleicht gab es zu Beginn eine kleine Irritation bei den Spielern. Sie wussten beim Campauftakt noch nicht, dass wir dabei sind. Wir wurden aber nur wenige Male gebeten, die Kamera auszumachen und das waren Momente, in denen es vollkommen nachvollziehbar war.

Marco Kugel: Dabei ging es um Datenschutz, bei denen Einzelheiten aus Verträgen mit Vereinen zur Sprache kamen. Das hat uns auch nicht interessiert.

Zebrastreifenblog: Erinnert ihr euch noch daran, welche Vorstellungen ihr über den möglichen Film bei Drehbeginn hattet?

Marco Kugel: Es gab eine inhaltlich klare Vorstellung, aber im Fortlauf gehört dann ja noch viel mehr dazu, den Film zu machen. Wichtig war es für uns den Blick für den Fußball als Arbeit zu bewahren. Wir versuchten uns immer daran zu erinnern: was wir sehen ist deren Job. Das ist deren Beruf, was auf dem Platz und auch abseits des Platzes stattfindet. Das war viel wichtiger, als die große Vorstellung zu besitzen, wo es hingeht. Wir wollten eben keine Lobhudelei des Sports machen. Wir wollten den Leistungssport als Arbeit ernst nehmen. Wir wollten das Angestelltenverhältnis der Spieler ernst nehmen.

Zebrastreifenblog: Im fertigen Film rücken einzelne Spieler in den Vordergrund. Philipp Bönig oder Dietmar Hirsch etwa kommen öfter zu Wort, dazu noch Maximilian Riedmüller und Anel Hodzic. Gab es beim Dreh Enttäuschungen, weil ihr euch für bestimmte Fußballer mehr interessiert habt und ihr dann mit denen während eurer Drehzeit keine runde Geschichte erzählen konntet?

Marco Kugel: Nein, wir hatten einen anderen Ansatz. Wir wollten von vorherein am liebsten gar keine Protagonisten. Wir wollten wirklich 30 Leute zeigen, 50, 80, um auch der Realität näher zu kommen. Es gibt einen krassen Durchsatz in den Ligen und im Camp auch. Der eine wird aus dem Camp wegverpflichtet, dann kommen zwei neue. Du hast keinen Schimmer an dem einen Montag, wer am nächsten Montag noch da ist. Alles verändert sich immer noch ein bisschen schneller. In den Ligen eben auch. Nach vier Jahren siehst du kein bekanntes Gesicht mehr. Wir wollten mit allen sprechen, und wie es dazu kam, wer am Ende im Film zu sehen war, hing zum Teil von Zufällen ab.

Simon Quack: Wir haben uns beim Dreh in der Sommerpause noch nicht groß Gedanken darüber gemacht, wen wir nach der Camp-Zeit besuchen wollten. Es war uns zum Beispiel währenddessen nicht klar, dass Anel Hodzic jemand wird, den wir später noch besuchen, weil wir die Busfahrt mit ihm hatten und er dabei uns relativ lange, auch sehr intim von sich erzählt hat.

Marco Kugel: Wir wollten auch nicht unbedingt die Leute, die die beste Story hatten. Wir sind fast demütig daran gegangen. Wir haben uns aus bestimmten Gründen mit einem Spieler verabredet und ob der jetzt aus einer dramaturgischen Perspektive für den Film spannend ist, das war nicht so wichtig, weil jeder am Schluss ein Schicksal erzählen kann. Deswegen gab es auch keine Enttäuschung.

Zebrastreifenblog: Mit diesem Anspruch und dem Verzicht auf einzelne Protagonisten war es aber bestimmt schwierig, den Spannungsbogen für den Film zu entwickeln?

Marco Kugel: Wir haben tatsächlich als Kritik schon gehört, warum seid ihr nicht an dieser Person drangeblieben? Bei Maximilian Rietmüller etwa wurde gefragt, warum ist der nicht mehr im Film? Darauf antworten wir, weil das die Wirklichkeit abbildet. Es dreht sich auch sonst keiner nach den Jungs um, wenn sie nicht mehr spielen. Wir wollten nicht das größte Glück oder die tiefste Trauer zeigen. Es ging uns darum, Strukturelles offen zu legen.
Andererseits haben sich dann ja doch einige Spieler in den Vordergrund geschoben. Sie bilden im Grunde die verschiedenen Möglichkeiten ab, wie es nach dem Camp weitergeht. Dietmar Hirsch hatte einen neuen Trainerjob bekommen. Philipp Bönig ist gerade an der Schwelle zum Karriereende gewesen. Er sagte sich, ich bin 35 Jahre alt, ich komme nirgendwo mehr unter, dann fange ich einen neuen Job an. Da war Maximilian, der wegen seiner Verletzung aufhören muss, der mit einer Physiotherapie-Ausbildung anfängt und da gibt es den jungen Anel, der zwar aus dem Camp heraus einen Verein findet aber in der Winterpause dann schon wieder freigestellt wird.

Zebrastreifenblog: In dem Zusammenhang fallen mir dann sofort Worte von Dietmar Hirsch ein, die geradezu als Leitmotiv im Film immer wiederkommen. Wenn die innere Einstellung vorhanden sei, werde man belohnt, sagte er in seinen Ansprachen. Gleichzeitig zeigt der Film aber, so ist es eben nicht immer. Trotz der richtigen inneren Einstellung bleiben viele nun einmal ohne Belohnung.

Simon Quack: Das stimmt zwar, aber letztlich appeliert Dietmar vielleicht an die einzige Möglichkeit, um aus der Situation, in der sich die Spieler befinden, etwas Positives zu ziehen.

 

Trailer „Die Anderen Plätze“ von Marco Kugel und Simon Quack (2017) from Sein+Hain Film on Vimeo.

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Saisonabschluss Teil 2 – Das Heimspiel mit der langen Anreise

Leicht fällt 2015-05_einlaufes, von anderen etwas zu fordern, was einem selbst schwer von der Hand geht. Noch einmal etwas Gutes schaffen, wenn das eigentliche Ziel schon erreicht ist, ist ein Beispiel dafür. Die einen sollten Fußball spielen und gewinnen, was nur teilweise gelang. Nun will ich noch schreiben über diese Auswärtsniederlage, die wenig Gewicht hat, bei all der Freude über den Aufstieg. Es geht um Konzentration, um eine Aufgabe gut zu erledigen, deren Bedeutung sich bei genauem Hinsehen auflöst.

Die innere Einstellung lässt sich nicht leicht so hinbiegen, wie man sie haben will, so sehr wir uns alle anstrengen – die Fußballer des MSV Duisburg und ich. Das Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden war ein Heimspiel mit langer Anreise. Von 9000 Zuschauern im Stadion kamen 8000, um den Aufsteiger MSV Duisburg zu feiern. Blau-weiß war nicht nur der Gästeblock hinter dem Tor, auch die Geraden, die eine zur Hälfte und die andere komplett, gehörten dem MSV Duisburg. Die Stimmung auf den Rängen war ausgelassen. Sie wurde befeuert durch Spieler in Aufstiegslaune, die mit mehr blau als blauweiß gefärbten Haaren zum Aufwärmen aufliefen. Nur die Bärte von Zlatko Janjic und Sascha Dum kamen farblich perfekt in weiß und blau zur Geltung. Ich wollte mich überraschen lassen, welche Auswirkungen das Feiern zu Beginn der Woche auf das Spiel haben würde.

2015-05_janjicNachteile im Fernduell mit Armina Bielefeld um die Meisterschaft waren nicht zu erwarten, feierten beide Mannschaften doch auf Mallorca sogar gemeinsam den fest stehenden Aufstieg. Doch als ich die Mannschaftsaufstellung sah, vermutete ich bestimmt nicht als einziger, mit dieser bis auf Branimir Bajic neu zusammengestellten Defensive würde ein Tor für einen Sieg nicht reichen. Außerdem erwartete ich ohne Martin Dausch wenig Dynamik beim Spiel nach vorne. Deshalb überraschte mich, wie druckvoll der MSV  die ersten zehn Minuten des Spiels anging. Die Mannschaft verkörpert inzwischen in jeder Besetzung den Geist des Aufstiegs. Wer so auftritt, weiß um die eigene Stärke. Nach vorne ging es schnell. Der Ball sollte rein in dieses Tor vom SV Wehen Wiesbaden. Die Wiesbadener Offensivversuche waren mit einer Ausnahme kurz nach Spielbeginn souverän unterbunden worden.

2015-05_bajicDu warst zu vorschnell, das sieht gut aus“,  so was Ähnliches ging mir durch den Kopf, als etwa in der zehnten Minute ein langer Wiesbadener Ball erneut abgefangen wurde. Halbherzig liefen die Wiesbadener die Duisburger Defensivspieler an, und gerade holte Christopher Schorch aus, um den Ball nach vorne zu schlagen. Stattdessen aber spielte er ihn punktgenau als etwas schwierig zu kontrollierenden Pass auf einen Wiesbadener Mittelfeldspieler. Besser hätten viele Stürmer als klassische Wandspieler den Konter auch nicht eingeleitet. Ich weiß nicht mehr, ob der Wiesbadener Spieler selbst am Flügel entlang marschierte oder einen Mitspieler schickte. Bilderbuchmäßig, sagt der Sportreporter gerne, wenn er von solch einem Konter spricht. Die Flanke kam, und weil Christopher Schorch den Wiesbadener Spieler im Sturmzentrum gut begleitete, übernahm er für ihn höflicherweise den Torschuss. Gelungenes Dreiecksspiel. Es stand 1:0, und ich merkte, ganz so egal war mir das Ergebnis doch nicht.

Ich kann dagegen nichts machen. Egal in welcher Sportart bei welchem Wettbewerb ich gerade unterwegs bin, egal ob ich selbst aktiv bin oder ob ich nur zuschaue, ich will, dass „meine“ Mannschaft gewinnt. Ich beginne mich zu ärgern, wenn Pässe nicht ankommen. Mich beschleicht Missmut, wenn ein Torschuss wieder daneben geht. Ich begann um meine Aufstiegsparty-Stimmung zu kämpfen. Dabei kam es mir zugute, dass neben mir zufällig ein alter Schulfreund saß. Vor dem Spiel gegen Kiel sind wir uns das erste Mal nach mehr als  30 Jahren über den Weg gelaufen, beim Auswärtsspiel gegen Wiesbaden schon wieder. Ein Zufall, der viel über die Zeit seit der Lizenzverweigerung erzählt. Denn im Netz tauschten wir uns schon seit dem Sommer 2013 wieder aus. So viele Anhänger des MSV Duisburg haben sich in den letzten zwei Jahren näher kennen gelernt, sind sich nach langer Zeit wieder begegnet und sind durch den Fußball beim MSV Duisburg in einem Kontakt, der über den Fußball hinaus wirkt.

2015-05_nach_1Mit der Führung der Wiesbadener verlor das Spiel des MSV Duisburg den kontinuierlichen Druck. Es gab noch zwei, drei Chancen zum Ausgleich. Die größte Chance in der ersten Halbzeit vergab Zlatko Janjic, der schön frei gespielt, halblinks alleine aufs Wiesbadener Tor zulief und sich anscheinend nicht recht entscheiden konnte, ob er schlenzen oder hart schießen sollte. Die Mischung macht´s, heißt es ja gern; in dem Fall machte sie es dem Torwart einfach, den Schuss zu halten.

2015-05_nach_2Die Chancen der Wiesbadener waren klarer, und nach meinem Gefühl waren es auch mehr. Gezählt habe ich sie nicht, und Gefühle können trügen. Sicher bin ich mir aber, dass sich zu Beginn der zweiten Halbzeit an meiner kaum vorhandenen Zuversicht auf den Ausgleichstreffer nichts änderte. Erst als als um die 55. Minute herum Kevin Scheidhauer, Martin Dausch und etwas später Michael Gardawski eingewechselt wurden, entwickelte die Mannschaft noch einmal Zug zum Wiesbadener Tor. Die klare Chance gab es nicht mehr. Kevin Scheidhauer verzog einen recht offenen Schuss  an der Strafraumgrenze. Das war es aber auch.

2015-05_nach_3Die Spieler hatten sich ohne Zweifel angestrengt. Während des Spiels war zu sehen, wie sie sich ärgerten über vergebene Chancen, über Fehler im Zusammenspiel, über slapstickartiges Zusammenprallen, wenn sie sich gegenseitig in den Weg liefen. Dann war die Pflicht erfüllt. Das letzte Spiel der Saison endete mit einer 1:0-Niederlage. An der guten Stimmung auf den Rängen hatte der Rückstand ohnehin nichts geändert. Das Spielfeld war in kurzer Zeit ins Blau der Aufstiegsshirts und in das Blau-Weiß von Schals und Trikots getaucht. Begeisterung gab es letzte Woche. Dieses Mal sah es mehr nach Spaß und Freude aus.

Noch einmal stieg die Mannschaft auf die Tribüne und feierte gemeinsam mit all denen, die ihren Platz auf dem Spielfeld eingenommen hatten. Noch einmal wurde versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten, indem die Anhänger der Zebras zurück auf ihre Plätze gebeten wurden. Noch einmal war das ein vergebliches Unterfangen. Und dieses Mal wurde gemeinsam gefeiert – ein Bild, das wir auch letzte Woche in Duisburg gern gesehen hätten. 2015-05_nach_4Die Wiesbadener Anhänger brauchten den Schutz der Polizeikette nicht. Wer immer auch vor den Wiesbadener Block lief, wollte ein Zeichen setzen – am Ende einer Saison sind wir alle eins, Menschen mit Spaß am Fußball und mit Einsatz für ihren Verein.

In Worten, Bild und Ton – Der MSV ist wieder da

auto_aufstiegVerdrängen oder intensiv bearbeiten – zwei Möglichkeiten, die das Leben bietet, um mit belastenden Erfahrungen umzugehen. Dabei hat das Verdängen nicht den besten Ruf bei den Lebenshilfe-Profis. Doch seitdem am Samstag das Spiel des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel abgepfiffen wurde, arbeitet in mir anscheinend einiges daran, die Vergangenheit zu verdrängen. Anscheinend möchte ich mit einem Schlag jeden Fußball der 3. Liga vergesssen. Vielleicht habe ich auch mit dem Schreiben hier in den letzten zwei Jahren  genug bearbeitet von dem, was die Meldung vom Zwangsabstieg und dessen Folgen uns an unangenehmen Gefühlen bereitet hat. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, seitdem mit dem 3:1-Sieg des MSV der Aufstieg der Mannschaft in die Zweite Liga feststeht, fällt es mir schwer, mich an etwas anderes als an Jubeln und Begeisterung zu erinnern, geschweige denn dass ich über etwas anderes schreiben möchte. Denn dieses Schreiben hieße die Vergangenheit der 3. Liga noch einmal zum Leben erwecken.

Ich sehe einen leeren Rasen im ausverkauften Stadion. Das Spiel findet auf den Rängen statt. Dreimal wissen wir alle nicht wohin mit unserer Freude. Schemenhaft tauchen in diesen Momenten sogar blauweiß gestreifte Fußballspieler auf, die mitjubeln. Die erzielten Tore sind uns so selbstverständlich wie das Atmen. Auch darüber verlieren wir nur selten Worte. Dann wieder sehe ich sofort den Strom der Menschen auf das Spielfeld nach dem Abpfiff. Ich sehe irrwitziges Mienenspiel, ungelenkes Hüpfen und glücksvergessenes Tanzen. Ich höre unverständliches Stammeln und gegrölte Sätze, die Liedtexte sein sollen. Ich sehe Umarmungen, gezückte Handys, die ununterbrochen mitfilmen und mitfotografieren, was gerade geschieht. Sie nehmen Jauchzen und Schreien auf, komische Laute, die pures Glück sind. Raus, raus, raus, immerzu nur raus mit diesen ganzen überschwänglichen Gefühlen. Raus mit diesem Glück. Der MSV Duisburg ist der Grund. Der MSV ist wieder da, von der Elbe bis zur Isar, 2. Liga, wunderbar.

geschaeft_geschlossenAll das ist die Gegenwart meines Erinnerns. Alles andere ist in dieser Gegenwart schon die Vergangenheit der 3. Liga. Unwichtig geworden. Durchgangsstation. Allenfalls möchte mich ich noch an die erwartungsvolle Stimmung vor dem Spiel erinnern. In der Stadt machte sich wie im Juni 2013 die Bedeutung des Vereins bemerkbar. Nach zwei Jahren geschah das unter ganz anderen Vorzeichen. Wieviel Arbeit auf allen Ebenen steckte dahinter. Welche anders gelagerte Hoffnung konnte sich an diesem Tag zeigen. So früh waren die meisten von uns am Stadion. So früh waren die Stehplätze voll. So laut wie schon lange nicht mehr in diesem Stadion walzte ein Lied schon eine Stunde vor dem Anpfiff über den Rasen: „Werdet zur Legende, kämpfen ohne Ende für die Zweite Liga. EM – ES – VAU!“

Vielleicht ist dieses Fußballspiel aber auch verblasst, weil ich mir des Sieges so sicher war. Wenn ich vom Spiel sprach, erwahnte ich der Pflicht halber noch das Unentschieden als mögliches Ergebnis, das dem MSV auch noch alles offen hielt. Aber das Auftreten der Mannschaft in den letzten Spielen versprach etwas anderes. Diese Spieler hatten sich zu einem Spitzenteam gefunden. Wann haben wir in Duisburg, dieses Wort „Spitzenteam“ einmal ausgesprochen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Mannschaften der Zweitligaaufstiegsjahre ein derart großes Selbstbewusstsein ausgestrahlt haben. Wie sehr haben meine Freunde und ich uns in den letzten Jahren eine Mannschaft gewünscht, die das Spiel bestimmt und die ein Rückstand nicht aus der Bahn wirft.

traktor_fansIn den letzten Wochen der Saison konnten wir so eine Mannschaft erleben. Als ob es eines letzten Beweises bedurft hätte, geriet diese Mannschaft in dem entscheidenden Spiel gegen Holstein Kiel tatsächlich nach zehn Minuten in Rückstand. Michael Ratajczak hätte den scharf geschossenen Freistoß normalerweise halten können. Leicht war das nicht, aber auch nicht zu schwierig. Mannschaft und Zuschauer hatten etwas zu verdauen. Für meine Siegesgewissheit kam das Tor früh genug. Viel Zeit blieb, um das Spiel zu drehen. Denn eigentlich bestimmte der MSV in dem Moment dieses Spiel vollkommen. Von Anfang an drang die Mannschaft energisch auf ein Tor. Früh wurden die Kieler angegangen. Aggressiv gingen die Zebras in die Zweikämpfe. Um jeden Ball wurde intensiv gerungen. Jedem Ball wurde nachgegangen, selbst wenn die Chance ihn vor dem Aus zu retten noch so klein war.

Etwa zehn Minuten später war zu merken, der Druck des Anfangs auf das Kieler Tor war wieder vorhanden. Dieses Mal trieb Martin Dausch den Ball nach vorne. Die ganze Kieler Defensive zog er bei diesem beeindruckenden Antritt auf sich, um im perfekten Moment auf den frei gewordenen rechten Flügel zu spielen, wo Enis Hajri nachgerückt war und nun alleine auf das Kieler Tor zumaschieren konnte. Wer im Fußball gerne „ausgerechnet“ sagt, durfte das wieder machen. Ausgerechnet Hajri, den wir in Duisburg nicht als einen der ballsichersten Spieler kennengelernt hatten. Doch alleine aufs Tor zugehen ist etwas anderes als im defensiven Mittelfeld früh gepresst zu werden. Alleine behielt er die Nerven und verwandelte zum Ausgleich.

Begeisterung, die erste. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht. Der MSV fing den Angriffsversuch nach dem Wiederanstoß ab. Kingsley Onuegbu erhielt den Ball auf dem linken Flügel und trieb ihn nicht allzu schnell, aber wie in einem Hochsicherheitstrakt abgeschirmt Richtung Torauslinie der Kieler. Waren es vier, fünf, sechs Kieler, die er stehen ließ? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls erwarteten wir zweimal den Pass in die Mitte, und er ging einfach immer weiter unbeirrt Richtung Kieler Torauslinie. Dort zog er leicht nach innen, flankte genau, und der völlig frei stehende Michael Gardawski nickte per Kopf ein.

Begeisterung, die zweite. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht – wenn auch etwas mehr als nach dem Ausgleich. Wir alle spürten, nicht nur auf den Rängen wollte jeder die noch sicherere Führung. Auch die Mannschaft drängte weiter, als ob die Kieler Sparringspartner waren. Doch es war ernst. Es ging um den direkten Aufstieg. Der MSV spielte gegen eine Mannschaft, die in diesem Jahr noch nicht verloren hatte, eine Mannschaft, die viele ihrer Tore in den letzten Minuten erzielte, eine Mannschaft, die sich nicht aufgab. Deshalb war ein drittes Tor kein so schlechter Gedanke. Sechs Minuten dauerte es dieses Mal. Einwurf am linken Flügel durch Kevin Wolze, schneller Rückpass auf ihn, Flanke und dieses Mal macht Michael Gardawski das Tor mit dem Fuß.

12_mannAus Begeisterung wird Ekstase. So ließ sich der Rest des Spiels beruhigt angehen. Der Siegeswille der Kieler war zerbröselt. Kurz lebte er zu Beginn der zweiten Halbzeit noch einmal auf. Was auch daran lag, dass sich der MSV wie gewohnt zu sehr zurückzog und den Kielern die Initiative überließ. Doch in dem Spiel verließ sich der MSV nicht alleine darauf, dass aus dieser tiefer stehenden Defensive irgendwann mal ein Konter gelingt. In dem Spiel begann die Mannschaft nach etwa zehn Minuten der zweiten Halbzeit wieder höher zu verteidigen und vorbei war es mit dem Kieler Druck. Harmlos blieb die Mannschaft. Souverän sicherte der MSV bis zum Abpfiff den Vorsprung. Die bekannte Stärke der Kieler in der Schlussphase kam in Duisburg nicht zum Tragen.

Na, ein paar Erinnerungen an das eigentliche Spiel habe ich ja doch noch hervorkramen können. Manchmal muss man sich selbst ein wenig überlisten, dann klappt das auch mit den Bildern der Vergangenheit. Die Lebenshilfe-Profis nennen das dann Erinnerungsarbeit. Je intensiver diese Arbeit, desto freier für das Neue, Unbelastete, für die Begeisterung, für den Jubel, für die Zweite Liga. Der MSV ist wieder da.

Und nun wieder Begeisterung pur: Die sieben Minuten Übermacht MSV Duisburg mit dem sich überschlagenden Kommentar von ZebraFM – Großartig.

Fast ohne Worte – Der MSV ist wieder da

Wie oft werden wir die Geschichten dieses Tages noch erzählen müssen, damit wir das Gefühl haben, nun endlich hätten wir es wirklich geschafft? Wir hätten endlich ganz genaue Wörter gefunden, sie zu Worten gemacht und hätten nun so genau wie möglich beschrieben, wie es sich angefühlt hat in all den fantastischen Momenten dieses Tages, als der MSV Duisburg mit einem 3:1-Sieg gegen Holstein Kiel den Aufstieg besiegelte.

Es war ja nicht nur das Glück beim Schlusspfiff. Es war die sich steigernde Begeisterung, als innerhalb von sieben Minuten der Kieler Siegeswille zerbröselt wurde. Es war diese so klar erkennbare Bedeutung, die der MSV Duisburg an diesem Tag für die Stadt hatte. Es war die erwartungsvolle Spannung auf der Hinfahrt zum Stadion mit all ihren zufälligen Begegnungen zwischen Anhängern dieses MSV Duisburg, die aus ganz Deutschland nach Duisburg gekommen waren. Es ist die anhaltende Freude.

Ein paar Mal werde ich es noch erzählen müssen. Bis dahin sprechen erst einmal die Bilder.

Wenig Worte – viele Fotos

Nach dem 2:0-Sieg gegen Rot-Weiß Erfurt muss ich es anders machen als nach dem Auswärtssieg gegen Dresden. Erst kommen die Fotos und später meine Worte zum Spiel. So ganz habe ich noch nicht zurück gefunden zur Stimmung, die für das Schreiben nötig ist. Ich bin ein wenig erschöpft – sowohl von der Siegesfreude als auch von meiner leichten Nervositätshysterie, die ab etwa der 30. Minute bis zum Moment des zweiten Tores trotz aller zuversichtlichen Konzentriertheit des Morgens bei mir ausgebrochen war. Die Autofahrt als weiterer Grund nicht zu vergessen, mit einem herausfordernden Stau bei Leverkusen kurz vor dem Ziel. Ich lass also erstmal Bilder sprechen und erhole mich weiter. Samstag, so viel ist gewiss, wird alle Kraft wieder nötig sein.

Zu viele Schwächen machen stark

Prolog am frühen Samstagabend

2015-02-14_#dscmsv

Gespieltes Spiel

Erzieherische Hinweise auf Fehler wirken nur, wenn Fehler Folgen haben. Altes Elternwissen gilt auch für die Sportschau-Redaktion und Reinhold Beckmann. Dieser Fehler in der Sportschau vom Samstag bei der Prognose der möglichen Drittliga-Tabelle hat nun gar keine Folgen, weil die Spieler vom MSV Duisburg mir in den Rücken gefallen sind. Nach der 4:2-Niederlage der Zebras gegen Arminia Bielefeld werden sie bei der Sportschau weiterhin denken, sie hätten die Tabellen der Welt fest im Griff und irgendein öffentlich-rechtlicher Social-Media-Mitarbeiter sagt sich, was labert uns der MSV-Typ von der Seite an?

Dabei hat dieses Spiel des MSV Duisburg bei Arminia Bielefeld sehr überzeugend begonnen. Die Zebras strotzten vor Selbstbewusstsein. Vom Anpfiff an war spürbar, die Mannschaft spielt auf Sieg. Diese Mannschaft will in Bielefeld drei Punkte holen. Mit den ersten 15 Minuten verschaffte sich der MSV Duisburg Respekt. Die Bielefelder kamen vielleicht einmal überhaupt in Tornähe, während der MSV mit schnellen Kombinationen, ob nun durch sicheres Kurzpassspiel oder per halblangem Pass auf den Flügel samt Flanke, bereits Torgefahr ausstrahlte.

Kingsley Onuegbu beeindruckte erneut, und zwar über das gesamte Spiel hinweg, mit seiner  Präsenz und Ballsicherheit. Inzwischen kommt ein dritter gegnerischer Spieler zu ihm, um den Ball zu erobern, wenn der Pass erst einmal bei ihm angekommen ist.  Als die Arminia etwas besser ins Spiel gefunden hatte, waren aber auch schon erste Schwachstellen beim MSV zu erkennen. Für den verletzt ausgefallenen Thomas Meißner spielte Christopher Schorch, der nicht ganz die Ruhe und Souveränität von Meißner ausstrahlte. Als Fehler machte sich das auch bemerkbar. Zweimal nacheinander klärte er per Kopf in die gefährliche Zone an der Strafraumgrenze. Es waren misslungene Versuche, einen Angriff der Bielefelder sofort in einen kontrollierten Spielaufbau zu verwandeln.

Auch Rolf Feltscher zeigte in der Rückwärtsbewegung Schwächen. Die Bielefelder selbst waren in dieser Spielphase noch zu unpräzise, um diese Fehler zu nutzen. Aber wir wussten, worum wir uns Sorgen zu machen hatten. Zumal Kevin Wolze auf seiner linken Verteidigerseite schon früh eine gelbe Karte erhielt. Für mich eine zu harte Entscheidung, nachdem der Ball ihm gegen den Oberarm gesprungen war. Die gelbe Karte kurz darauf erhielt Branimir Bajic allerdings zurecht. Er war der Retter in höchster Konternot, nach einem leichten Ballverlust im Mittelfeld. Noch ein Hinweis auf mögliche Gefahren.

Doch alle Hinweise auf die Gefahren waren schnell vergessen, als Zlatko Janjic das wunderbar herausgespielte Führungstor erzielte. Auch Trainer reden manchmal ziemlichen Blödsinn. Wie Norbert Meier bei der Pressekonferenz nach dem Spiel auf die Idee kommt, dieses Tor sei aus dem Nichts heraus gefallen, ist mir schleierhaft. Sicher, große Torchancen hatte es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben, obwohl das Spiel hin und her  ging. Aber ein Tor aus dem Nichts bedeutet für mich: eine harmlose Mannschaft hat unverdient Erfolg. Dem war nicht so, noch immer wirkten die Angriffe des MSV durchdachter und souveräner als die der Bielefelder, wo vieles Ergebnis eines Zufalls war. Die Flanke von Rolf Feltscher ging in den offenen Raum nahe der Strafraumgrenze und Zlatko Janjic stieß in diesen leeren Raum hinein, um den Ball auf artistische Weise, volley ins Netz zu schießen. Ein sehenswertes Tor, und Zlatko Janjic legte nach.

Etwa 30 Meter vor dem Tor erhielt der weiter angreifende MSV einen Freistoß. Zlatko Janjic führte aus, traf perfekt und der Ball vollzog den bekannten Strich nach bis ins Netz hinein. Eine nur vermeintlich beruhigende Führung. Obwohl die Arminia immer noch spielerisch wenig überzeugte, kam sie zu Chancen. Denn der hohe Ball in den Strafraum, ob bei Standardsituation oder aus dem Spiel heraus, sorgte schon für Gefahr. Gesucht wurde dabei Fabian Klos, der im Strafraum unermüdlich arbeitete. Kurz vor der Halbzeitpause stürzte er bei einer Flanke, nachdem Christopher Schorch geschoben hatte und Dennis Grote von der anderen Seite her in den Weg kam. Nicht immer wird solch körperliches Spiel abgepfiffen. Aber die Zweifelsfälle der Regelauslegung gingen in dem Spiel zugunsten der Bielefelder aus. Der Elfmeter brachte den Anschlusstreffer.

Aus der Halbzeitpause kamen die Bielefelder sehr entschlossen. Der stärker gewordene Druck der Arminia machte offensichtlich, nicht nur die Defensivreihe des MSV hatte keinen guten Tag. Der Abwehrreihe fehlte auch genügend Unterstützung durchs Mittelfeld. Jede Schwäche für sich genommen war nicht so groß. Zusammengenommen aber machten diese Schwächen die Arminia nun stark. Der Ausgleich durch einen Kopfball von Fabian Klos fiel schnell, und der MSV wirkte von nun an hilflos. Das Spiel war gekippt, kein kein geordneteter Spielaufbau gelang mehr. Es ging nun noch darum, dem Druck der Arminia irgendwie stand zu halten. Erfolgreich eine ganze Halbzeit lang? Das war ein verwegener Gedanke. Flanke auf Flanke kam in den Strafraum, und Fabian Klos ist nun einmal ein sehr guter Kopfballspieler. In der 76. Minute ging die Arminia in Führung. Fast sofort danach flackerte kurz die Hoffnung auf den Ausgleich auf, als noch einmal eine schöne Kombination gelang. Schussversuch Nummer eins landete am Pfosten. Als Michael Gardawski den Abpraller verwandelte, soll er abseits gestanden haben. Erneut eine knappe Entscheidung zugunsten der Bielefelder. Damit solche Unklarheiten nicht mehr für Unruhe im Stadion sorgen konnten, entschied Fabian Klos wieder nur ein, zwei Minuten später das Spiel mit einem weiteren Treffer. Und wie sollte es anders sein? Per Kopfball.

In diesem Spiel hat sich gezeigt, so breit der Kader des MSV auch ist, der Ausfall von vier Defensivspielern kann nicht ohne Verlust an spielerischer Qualität der Mannschaft kompensiert werden. Eine starke Offensive reicht bei der in dieser Spielzeit einzig überlegenen Mannschaft der 3. Liga nicht, um diese Mannschaft zu bezwingen. Aber nicht jeder Gegner hat einen Fabian Klos in der Mannschaft. Der MSV muss in den nächsten Wochen an die Leistung der ersten Hälfte anknüpfen und kann dabei hoffentlich bald auf die gegen Bielefeld ausgefallenen Defensivspieler zählen. Dann ist weiterhin machbar, was ich von nun an erst einmal wieder nicht aussprechen möchte.

Epilog

2015-02-15_#dscmsv

Dreckiger Sieg oder Das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen

Während der MSV Duisburg am Samstag bei Fortuna Köln spielte, war ich mit meiner Basketballmannschaft beim Teambuilding im Mittelrheintal. Auf der Wanderung über den Rheinsteig von St. Goarshausen nach Kaub beschränkte sich die Versorgung mit den Grundinformationen zum Fußballnachmittag auf die Bundesliga. Schlechte Aussichten also für uns, das mal wieder erkärte Saisonziel zu erreichen, bei möglichst vielen Siegen nicht aufzusteigen. Ist der Zusammenhalt dieser im Kern seit Jahrzehnten bestehenden Mannschaft des Deutzer TV etwa nicht gefährdet, wenn ich mit den Sorgen über den Spielausgang die letzten Kilometer Wegstrecke bewältigen musste, während einige Mitspieler  bereits beflügelt wurden durch die 2:0-Führung ihres FC? Ihr seht, ich könnte die Liste unentwegt fortschreiben, warum der MSV Duisburg in der nächsten Saison nicht mehr in der 3. Liga spielen sollte.

Durch den knappen Sieg gegen Fortuna Köln werden meine Hoffnungen auf das Unaussprechliche jedenfalls bis zum Spiel gegen den VfL Osnabrück erst einmal bestärkt. Ich weiß, die Spielweise der Mannschaft gab dazu keinen Anlass. Schönfärberisch heißt es bei Spielern und wohlwollenden Anhängern, es sei ein dreckiger Sieg gewesen. Stelle ich mir das Spiel vor, scheint mir diese Wertung für die erste halbe Stunde  unpassend. Recht einhellig wird von der zunehmenden Überlegenheit der Fortuna geschrieben. Diese halbe Stunde sollte sich Gino Lettieri also noch einmal genauer ansehen. Erst was nach dem Platzverweis für Christopher Schorch und dem verschossenen Elfmeter der Fortuna kam, liegt für mich  in besagter Schublade, einen Sieg irgendwie nach Hause bringen.

Aber auf eines können wir uns einigen: Besser schlecht spielen und gewinnen, als schlecht spielen und verlieren? Vielleicht müssen wir uns noch einmal die Aufsteiger der letzten Jahre ansehen? Wieviele Mannschaften hat es gegeben, die zum Aufstieg verpflichtet waren und durchweg souverän durch die Saison gegangen sind? Souveräne Aufsteiger waren nach meiner Erinnerung immer die Mannschaften, die ohne Druck die Saison bestreiten konnten. Mannschaften, für die der Aufstieg erklärtes Ziel war, spielen nicht durchweg auch guten Fußball. Vielleicht müssen wir uns tatsächlich auf eine Saison einrichten, in der wir nur die Ergebnisse für unsere Zuversicht haben? Anders wäre es schöner, vor allem beruhigender, und auch auf diese andere Spielweise dürfen wir nach der Verpflichtung von Kevin Scheidhauer erst einmal für einige Zeit hoffen. Der bislang fehlende Stürmer ist da, und die Unwucht in der Kaderzusammenstellung beseitigt.


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