Posts Tagged 'Claus-Dieter Wollitz'

Traurige Tage

Gab es früher in den Ladenlokalen eigentlich diese handgeschriebenen Pappschilder wirklich: „Wegen Trauerfall vorübergehend geschlossen“? Oder ist das nur eine Erfindung für den Spielfilm? So ein Schild spart lange Erklärungen. So ein Schild ist ein erzählerischer Trick, um dem Helden die nächste Schwierigkeit seines Heldenlebens zu präsentieren. Ganz selten schickt es den den Zuschauer auch in bange Erwartungen. Immer wieder gibt es zurzeit Momente, in denen ich ein abfotografiertes Pappschild als nächsten Beitrag auf diese Seiten setzen möchte. Die Nachrichten über den MSV Duisburg fügen sich in meine Grundstimmung dieser Tage.

Schon wieder ist ein Wochenende vergangen, das Hoffnung nimmt und das eine Niederlage als befürchteten Ausgang des DFB-Pokalfinales ein wenig wahrscheinlicher macht. Nach Srdjan Baljkas Verletzung beim Spiel gegen den FC Energie Cottbus fällt ja nicht nur ein weiterer wichtiger Spieler dieser Mannschaft aus. Es braucht auch innerhalb der Mannschaft zusätzliche Energie nach jedem Rückschlag neue Zuversicht zu entwickeln. Im Fall Baljak gilt das besonders, weil er gerade dabei war, an sehr gute Leistungen der Vergangenheit anzuknüpfen.

Die Niederlage war erwartbar gewesen. Zu groß war das Bedürfnis in Cottbus, einen Ausgleich zu schaffen für all das, was dort tatsächlich Niederlage war, als Niederlage empfunden wurde oder als unangemessene Behandlung beim Aufenthalt in Duisburg. Der MSV Duisburg und Bruno Hübner haben Claus-Dieter Wollitz, Pele genannt, an wunden Punkten getroffen. Anders ist seine Reaktion auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, wie sie hier bei Der Westen geschildert wird, mir nicht erklärbar. Da geht es meiner Meinung nach mehr um ein Selbstbild und dessen Gefährdungen als um strategisches Handeln eines Trainers und das tatsächliche Fußballgeschäft.

Die Niederlage spielt nur eine kleine Rolle. In Cottbus mag sie Genugtuung verbreiten. In Duisburg wird sie mit Achselzucken zur Kenntnis genommen. In Duisburg geht es um Größeres. Es geht um das Weiterleben der Hoffnung auf den Erfolg im DFB-Pokalfinale. Diese Hoffnung wird zurückkommen. Denn Leben in jeder Form bleibt immer Dasein. Wir können nicht anders als zu hoffen, egal ob auf die Ewigkeit dieses Lebens oder auf den Sieg im DFB-Pokalfinale.

Cotthausen zieht die letzte Karte! Alles ist möglich

Was für ein Tollhaus herrscht im Moment beim nächsten Gegner vom MSV Duisburg. Vorgestern verkündete der Vorstand von Rot-Weiß Energie Cotthausen, die Doppelspitze auf der Trainersposition sei gescheitert. Während der eine Head-Coach des Vereins Hans-Günter Bruns nach der Niederlage gegen den VfL Osnabrück noch sagte, alles sei möglich in dieser Saison, die Mannschaft bräuchte nur eine Serie von drei, vier Siegen, wurde sein Head-Coach-Partner Claus-Dieter Wollitz, „Pele“ genannt, mit der Begründung entlassen, man hätte einfach die letzte Karte ziehen müssen, um der Mannschaft einen zusätzlichen Schub für das anstehende DFB-Pokal-Halbfinale zu geben. Den Aufstieg hätte die Vereinsführung trotz der acht Punkte Rückstand auf den zweiten Platz auch noch nicht aus den Augen verloren.

Wegen der Ereignisse im westlichen Ruhrgebiet haben die lokalen Medien Urlaubssperren erlassen. Allen voran berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung seit zwei Tagen in einem Ausmaß über Rot-Weiß Energie Cotthausen, wie es in der Sportberichterstattung des WAZ-Konzerns noch nicht zu sehen gewesen ist.  Ein Medium, das sich als Hauszeitung der Region versteht, muss einfach alle Kräfte bündeln, wenn noch einmal eine hoffnungsfrohe Stimme, ein Zeichen für den immer wieder neu zu leistenden Aufbruch im Revier setzt.  Außerdem betrachtet man auch wirklich fassungslos das Handeln eines Vereins, der sich seit drei, vier Jahren als der bodenständige und sympathische Ruhrpott-Underdog im Haifischbecken Fußball-Business präsentierte.

Auch die meisten Fans von Rot-Weiß Energie Cotthausen zeigen wenig Verständnis für die Entlassung des Mannes, der den Verein nach langer Zeit im Amateurfußball wieder nach oben gebracht hat. Die Fans kommentieren mit deutlichen Worten, die zahlreichen Artikel des WAZ-Konzerns oder nehmen ausführlich und sehr nachvollziehbar auf eigenen Seiten im Netz Stellung, indem sie das Fußballgeschäft als Bedingung für die Möglichkeiten des Vereins Rot-Weiß Energie Cotthausen miteinbeziehen.

Im Windschatten der allgemeinen Aufregung versucht der MSV Duisburg seine Spielvorbereitung auf das nächste Spiel gegen Rot-Weiß Energie Cotthausen wie gewohnt zu absolvieren. In Duisburg kommt es zum ersten Mal zu einem Fußballspiel, das sich über fünf Tage erstreckt. Es wird in vier Vierteln ausgetragen und der Spielort wechselt in der drei Tage andauernden Halbzeitpause vom Niederrheinstadion in die Schauinsland-Reisen-Arena, unter Freunden auch Wedaustadion genannt. Die Vereine hatten sich darauf geeinigt, auch Teileintrittskarten des Spiels in den Verkauf zu bringen.  Allerdings ist die zweite Hälfte des Spiels schon seit einiger Zeit ausverkauft. Die unterschiedlichen Verkaufszahlen der Eintrittskarten ließen bei vielen Zuschauern den Eindruck entstehen, es handele sich bei diesem besonderen Spiel des MSV Duisburg eigentlich um zwei gewöhnliche Fußballspiele von normaler Spieldauer. Die sportliche Leitung des MSV Duisburg ist sich der Bedeutung dieses besonderen Spiels bewusst und möchte alle Viertel des Spiels gewinnen. Dann könnte der MSV Duisburg auch am Ende dieses besonderen Spiels gegen Rot-Weiß Energie Cotthausen ohne Zweifel als Sieger vom Platz gehen.

Losglück lässt „Pele“ Wollitz auf Anerkennung hoffen

Für den Trainer vom FC Energie Cottbus Claus-Dieter Wollitz ging bei der Auslosung des DFB-Pokal-Halbfinales ein Traum in Erfüllung. Endlich dürfen er und seine Mannschaft im Pokalwettbewerb bei einer Gastspiel-Reise ihr Können zeigen. Endlich werden sie in Duisburg vor einem Publikum auftreten, das Fußballkunst zu schätzen weiß. Das wahre Brot des Fußballers ist der Applaus, und den vermisst der „Pele“ genannte Claus-Dieter Wollitz in Cottbus im Moment sehr. Für ihn war es eine schwere Aufgabe beim FC Energie Cottbus etwas Neues aufzubauen, doch zur gesundheitsgefährenden Anstrengung wird sie für Wollitz nur deshalb, weil in Cottbus die von ihm inszenierte DFB-Pokal-Kunst mit den nur etwas über 15.000 Zuschauern im Grunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Wenn man Claus-Dieter Wollitz für einen akribischen Arbeiter und genialen Taktiker hält, wird er einem nicht gram. Die Lausitzer Bevölkerung aber hat ihn nun zu einem radikalen Vertreter der Publikumsbeschimpfung gemacht. Nach dem Sieg des FC Energie Cottbus im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen die TSG Hoffenheim war es für ihn offensichtlich geworden, die  Lausitzer Bevölkerung braucht die Erziehung zum Fußballpublikum durch einen Mann wie ihn. Er und seine Mannschaften haben das Recht, für ihre Leistung wahrgenommen zu werden. Sollten die Lausitzer etwa ihr Glück auf andere Weise finden wollen als durch den Fußball, den er dem FC Energie Cottbus beigebracht hat? Das war unvorstellbar. Manchmal müssen Menschen eben zu ihrem Glück gezwungen werden.

Nun ist er froh, ersteinmal in Duisburg das bisschen Anerkennung, das er braucht, zu finden. Er wollte diese Gastspiel-Reise auf jeden Fall. Sofort nachdem in Cottbus durchgesickert war, dass Daniel Brühl das Halbfinale des DFB-Pokals auslost, lag innerhalb von zwei Stunden die DVD mit den besten Spielszenen Daniel Brühls auf dem Schreibtisch von Wollitz. Obwohl Wollitz sich kurze Zeit später beschwerte, es seien zu wenig Ballkontakte Brühls zu sehen gewesen, kannte er  Stärken und Schwächen des großen Multitalents Daniel Brühl, als er zusammen mit der Mannschaft im TV-Raum des Energie-Trainingszentrums zur Pokalauslosung antrat.

Wie er es seiner Mannschaft vor der Auslosung eingetrichtert hatte, zog Brühl die Lose mit seiner starken linken Hand.  Die Mannschaft setzte sich konzentriert zu Werke, und saß ab dem Moment sofort sicherer, als Daniel Brühl den MSV Duisburg als erstes Team des Halbfinales zog. Nur kein Heimspiel in den ersten fünf Minuten, war die Marschroute von Claus-Dieter Wollitz für seine Mannschaft. Dass es dann in diesen fünf Minuten sofort zum Auswärtsspiel reichen könnte, war die insgeheime Hoffnung des Taktik-Fuchses „Pele“ Wollitz.

Der Gastspiel-Reise nach Duisburg sieht Wollitz mit Vorfreude auf die Zuschauerzahl entgegen. Er wird das Bad in der Menge genießen und betrachtet das Spiel auch als erzieherische Maßnahme für die Bevölkerung in Cottbus. „Ich habe schon mit dem Bürgermeister von Cottbus gesprochen und wir lassen eine kurzfristige Rechtsverordnung zur TV-Pflicht beim Halbfinale prüfen“, so Claus-Dieter Wollitz beim Morgeninterview mit dem Zebrastreifenblog. Wenn alle Lausitzer am Fernsehen das Spiel sehen müssten, werden sie sicher merken, was sie immer verpassten, vermutet Wollitz. Er war sich sicher, dass manch TV-Zuschauer vor dem Fernseher weinen werde, wenn er den FC Energie so „geil“ Fußball spielen sehe. Nächste Saison könnten die Cottbusser dann beweisen, ob sie aus der Lektion etwas gelernt hätten. Claus-Dieter Wollitz verriet, sein alter Freund Peter Neururer hätte ihn schon per SMS beglückwünscht. Sie seien aus demselben Holz geschnitzt, erklärte Wollitz, schließlich habe auch Peter zu seiner Zeit in Duisburg mal den Zuschauern in den Hintern treten müssen, damit sie kommen. Der Peter habe ihm versichert, das habe großartig funktioniert. Ein Wort nur vor dem Spieltag, und das Stadion war voll. Doch Wollitz weiß, in Cottbus ist es noch ein langer Weg, bis seine Worte diese Wirkung haben werden.


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