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Halbzeitpausengespräch – Jan Josef Liefers braucht Nachhilfe

Heutzutage muss man konzertiert auftreten, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Nun meinen einige Schauspielerinnen und Schauspieler also etwas zu Corona-Maßnahmen, zu bestimmtem Verhalten der Menschen dieser Gesellschaft oder auch zu den Medien. Die Aktion heißt „alles dichtmachen“. Gesehen habe ich nur den Clip von Jan Josef Liefers, und der hat mir schon gereicht. Der hat mich wütend gemacht, weil der Schauspieler populistisch und pauschal die (!) Medien angreift und damit ins Herz der Demokratie zielt. Ich kann nur hoffen, dass er das nicht will. Den Effekt nimmt er aber in Kauf.

Ich verstehe ihn nicht. Ich verstehe nicht, wie in dieser Gegenwart jemand ernsthaft sich nur einseitig informiert fühlen kann. Ich verstehe nicht, dass Jan Josef Liefers tatsächlich die „Medien“ mit gleichgeschalteter Berichterstattung am Werke sieht. Das mag in den Anfangswochen von Corona des letzten Jahres so gewesen sein. Diese Haltung des Zusammenstehens galt aber für fast alle in diesem Land. Wir schienen etwas großes Unbekanntes bewältigen zu müssen. Da mussten wir uns alle erst einmal orientieren, wie so was geht.

Nicht lange danach sind die ersten Stimmen von Wissenschaftlern und Ärzten gegen den „Mainstream“ publiziert worden und natürlich auch von seriösen Medien, sei es Print, TV oder Radio, eingeordnet worden. Das möchte ich auch. Ich möchte wissen, in welchem Verhältnis und mit welchem wissenschaftlichen Hintergrund eine Stimme zu Corona spricht. Das hat etwa die Süddeutsche Zeitung gemacht. Die habe ich old school im Print-Abonnenment. Das hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk gemacht. Die anderen großen seriösen Medien habe ich punktuell im Netz ebenfalls mit anderen Stimmen wahrgenommen. Dann gibt es das große weite Internet, wo jede Stimme gehört werden kann.

Und jetzt kommt Jan Josef Liefers um die Ecke mit seinem ironischen Statement zur Medienberichterstattung in dieser Coronazeit. Er fühlt sich nicht gut informiert, weil alle dasselbe schreiben und sagen. Er meint natürlich die etablierten Medien. Das ist schon klar. Ich fass es nicht. Als ob die Corona-Maßnahmen die ganze Zeit kritiklos bejubelt werden. Er missachtet doch vollkommen die Wirklichkeit von Berichterstattung und Kommentaren.

Wo lebt der Mann? Welche Verantwortung trägt er da gerade.

Schon faseln irgendwelche Leute vom Mut so etwas zu sagen.

Ich kann das einfach nicht glauben, dass Jan Josef Liefers den Journalismus der Gegenwart derart naiv betrachtet und das nun für eine gewichtige, mutige Meinung gehalten wird. Sein Clip hat auf dem Kanal „alles dichtmachen“ die meisten Aufrufe. Stellt sich Jan Josef Liefers nur dumm für seinen Kunstgriff Ironie oder glaubt er tatsächlich an seine Verschwörungsmeinung?

Ich habe nichts daran auszusetzen, wenn jemand die in Deutschland beschlossenen Corona-Maßnahmen kritisiert, sie für falsch und übertrieben hält. Darüber lässt sich diskutieren. Daneben gibt es den vorhandenen demokratischen Prozess eines Beschlusses. Wenn jemand aber meint, die „Medien“ würden daran arbeiten, irgendeine Stimmung hochzuhalten, damit Politiker reibungslos Beschlüsse durchwinken können, arbeitet ebenso und zwar daran, diese Demokratie zu zerstören. Demokratie braucht eine ständige Kritik aller maßgeblichen Institutionen. Diese Kritik ist aber nur konstruktiv für diese Demokratie, wenn sie auf konkrete Sachverhalte hin geäußert wird. Wer pauschal Institutionen wie die Medien diffamiert, arbeitet allen in die Hände, die diese Demokratie beseitigen wollen.

Ich fühle mich gut informiert. Auch durch etablierte Medien. Und daneben gibt es im Netz die ganze Welt der noch abseitigsten Meinungen und Informationen. Da kommt auf den WDR eine neue Kostenstelle für den Tatort zu. Der Mann braucht einen Medienpädagogen am Set. Keine Frage.

Spieltagslyrik – Auf nach Duisburg, ihr Hupen

 

Auf nach Duisburg, ihr Hupen!

Seit Ewigkeiten suchen Hupen
nach Erfüllung ihres Lebens.
Eingebaut in Autokörpern,
unfrei, war das meist vergebens.

Sechszehn zwingt ins Daseinsschicksal,
Paragraph, StVo.
Bleib‘ im Auto Warnsignal!
Beim Lebenssinn: ein Griff ins Klo.

Deshalb, auf nach Duisburg, Hupen!
Parkplatz, Stadion, der Ort
Zebra-Fans sind solidarisch.
mit Corona-Hup-Support

Euren Schall wellt auf den Rasen,
Torschusssound statt Hupbeschränkung,
Helft dem EM ES VAU beim Siegen.
Heilt die Paragraphenkränkung.

Enthält Spuren von MSV-Fans

Jüngst tauchten im Stadtbild Duisburgs viele neue Bekenntnisse zum MSV auf durch Plakate, Banner und Aufkleber. Letztere schätze ich übrigens nur bedingt. Das gehört zu meinem Vorrecht eines älter gewordenen Anhängers dieses Vereins. Erinnern mich Aufkleber im öffentlichen Raum doch immer auch daran, wie an mancher Stelle dieser Stadt der Konflikt zwischen dem ungestörten Anblick eines geschlossenen, womöglich gar kunstvoll gedachten Ensembles und dem Ausdruck von Vereinsliebe zum Nachteil des MSV gereicht. Die dann nur schwer zu beseitigende Spuren von MSV-Zuneigung ärgern mich doch mehr, als dass sie mich freuen.

Das aber nur am Rande. Denn schon bevor diese konzertierte Aktion sichtbar wurde, hatte sich die Künstlerin Stacey Blatt aufgemacht, um Spuren des MSV im Stadtbild zu finden. Stacey Blatt kommt gebürtig aus Los Angeles und lebt seit dem Jahr 2000 in Duisburg. Schon bald begeisterte sie sich für die besondere Atmosphäre im Stadion und den MSV Duisburg. Sie gründete den MSV-Hermann-Kurz-Gedächtnis Fanclub, der nicht nur die MSV-Fans unter den Duisburger Künstlern sammeln sollte, sondern auch besagten Hermann Kurz ehren.  Auch der 2006 verstorbene Duisburger Künstler war MSV-Fan.

Ihre Spurensuche war eine Art Therapie gegen die entstandene Melancholie, kein Spiel des MSV im Stadion sehen zu können. Aus ihren Funden schnitt sie einen kurze Clip zusammen mit ganz unterschiedlichen Bekenntnissen zum MSV. Die knapp 13 Minuten wirken geradezu meditativ auf mich. Allerdings bin ich ich mir im nachhinein nun nicht sicher, ob all diese Bekenntnisse meine Melancholie nicht vergrößern. Vielleicht schafft Abhilfe nur die kreative Arbeit selbst, getreu bekannter Erklärungen der Psychologie zu Kreativität und Kunstproduktion.

Alles Gute für 2021 mit Big Data von 2020!

Weil wir im vergangenen Jahr mit diesem so grundsätzlich veränderten Leben haben zurecht kommen müssen, beschäftige ich mich heute umso lieber mit einem wiederkehrenden Ritual. Der Rückblick auf  die meistgelesenen Texte des letzten Jahres ist eine mir liebe Tradition geworden.

Diesen Rückblick verbinde ich ja jeweils mit Wünschen. Hoffentlich wirken sie dieses Mal besser als bei der letzten Gelegenheit vor einem Jahr. Bei euch sowieso. Aber gerade die für Fußballer und Verantwortlichen beim MSV waren komplett was für die Tonne. Mehr Mut fürs Aufstiegsfavoriten-Dasein hatte ich gewünscht. Soll ich angesichts der Wirkungslosigkeit jetzt erneut einen Sack Wünsche zur Westender Straße rüberschicken? Schließlich brauchen Spieler und Verantwortliche ein besseres Gelingen bei ihrem beruflichen Fortkommen noch mehr als letztes Jahr. Sie brauchen das, damit der MSV Duisburg in dieser Saison nicht so abstürzt, dass keiner das Ende eines solchen Niedergangs absehen kann. Ich wage die wichtigsten Wünsche deshalb zu Beginn, sie gelten den Spielern der Zebras: Erfolg, Erfolg und davon dann im Rest der Saison noch viel mehr!

Und nun zu den meistgelesenen Texten des letzten Jahres im Zebrastreifenblog. Inzwischen gibt es einige Beiträge außer Konkurrenz. Drei Jahre unter den Best-of war mein Anekdoten-Text dazu, wie die Bielefelder zu ihrem Namen kam. Dieses Mal gibt es nur die namentliche Erwähnung. Seit dem Bundesligaaufstieg der Arminia schickt Google an jedem Heimspieltag die Fans der Auswärtsmannschaften zu mir. Sie lesen eine amüsante Anekdote mit einem Verweis auf die andere anekdotische Wahrheit, die der Verein erzählt. Mit Verlaub, meine ist deutlich gehaltvoller. Seit der Veröffentlichung gilt auch:  Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund ist oben mit dabei. Deshalb wieder nur die namentliche Erwähnung.  Und nun zu den Platzierungen, für die sich dieses Mal thematische Blöcke anbieten.

Mit den Texten auf Platz 5 und Platz 3 werden gemischte Gefühle wach. Die Macher vom Millerton.de hatten während der Sommerpause den Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest ins Leben gerufen. Ich hatte großen Spaß am Wettbewerb, der aus Regionalentscheid, Vorentscheidung, Halbfinale und Finale bestand. Im Verlaufe des Wettbewerbs wurde die Situation für den MSV in der Liga immer unangenehmer. Der Spaßwettbwerb passte auf einmal nicht mehr zum Ligaalltag. Entsprechend war die Platzierung des Zebratwists im Deutschland-Finale. So ist Leben. Ich organisierte den Regionalentscheid hier im Blog über eine Vorrunde. Das Ergebnis der Abstimmung belegt Platz 5. Die Abstimmung samt zusammenfassender Vorstellung der MSV-Vereinssongs belegt Platz 3.

Platz 2 zeigt, wie sehr uns die Geschichte des MSV und die gemeinsame Erinnerung daran interessiert. Fragliche Erinnerungen an das Halbfinale gegen den BVB im April 1975 nannte ich vor dem Pokalspiel gegen Dortmund meinen Text, in dem ich mich über dieselbe Begegnung im Jahr 1975 geschrieben habe. Als Jugendlicher erlebte ich sie.

Die Texte auf Platz 3 und Platz 1 sind Zeugnisse für den Fußball zu Corona-Zeiten. Die Auseinandersetzung um die Fortführung der letzten Drittliga-Saison führte zu öffentlichen Worten auf Seiten des DFB, die an der Wirklichkeit des MSV vorbei gingen. Es schien so, als ginge es dem DFB in der Debatte nicht um den Austausch von Argumenten, sondern darum die Seriösität jener Vereinsvertreter zu untergaben, die Meinungen konträr zur DFB-Linie vertraten. Skandal ist ein Skandal für Liga 3 – Jeder darf mal diffarmieren beim DFB belegt Platz 3. Wenn Liga-3-Vereine nicht parieren erschien eine Woche zuvor. Der Text nahm Bezug auf einen DFB-O-Ton in einen Sportreportage-Beitrag zum Fußball im Ruhrgebiet und belegt Platz 1.

Auf zum Blick nach vorn: Hoffen wir auf den Klassenerhalt. Hoffen wir auf ein Wiedersehen im Stadion, für das der Klassenerhalt die sportlichen Voraussetzungen schafft. Während ich an zwei neuen Büchern arbeite, werde ich mit meiner multiplen Persönlichkeit auch weiter Zeit mit dem Zebrastreifenblog verbringen. Schauen wir, wieviel aktueller Sport mir dazu einen Anlass gibt. Oder ob der MSV allmählich mir nur noch Stoff für Historientext und Kulturbetrachtung gibt. Habt ein gutes Jahr. Bleibt gesund!

Wir haben nichts zu verschenken, lieber TSV 1860 München!

Die gestrigen Spiele in Liga 3 haben schon gezeigt, dass mein frommer Wunsch vor dem Neustart wahrscheinlich nicht für alle der Vereine wirklich wird, denen er gegolten hat. Ich halte es allerdings immer noch für einen schönen Gedanken, wenn am Ende der Saison jene Befürworter des Saisonabbruchs, die die Tabelle vor dem Neustart anführten, den Aufstieg feiern könnten und jene die am Tabellenende standen, den heute noch unwahrscheinlichen Klassenerhalt schafften. Wie sich die anderen Vereine der Fortsetzungsbefürworter dann auf die unteren Plätze verteilen, könnten die ruhig unter sich ausmachen.

Vielleicht muss ich mich bei meinem Wunsch besser auf den Verein konzentrieren, der mir am nächsten ist. So geschieht es ja momentan wohl auch grundsätzlich in dieser Gesellschaft in Sachen Corona. Einer Umfrage gemäß hat sich allmählich das solidarische Leben unter 80 Millionen etwas verausgabt. Wenn Beschränkungen dann bitte nur noch für die anderen, heißt es. Irgendwann muss man auch mal sehen, wie man wieder für sich selbst ein bisschen Normalität hinbekommt. Ich schaue ja auch, wie ich wieder Lesungen bestreite. Ist einfach schwierig Interessen von Millionen Menschen unter einen Hut zu bringen. Abstand halten, könnte allerdings eine Möglichkeit sein.

Wenn Fußballer in 90 Minuten ihre Defensivreihen kontinuierlich dem Spielgeschehen anpassen und dabei die Abstände zu den Mitspielern im Blick haben, sollte das doch beim viel langsameren Geschehen unter Freunden und Bekannten auch möglich sein.

Ich hoffe ja, dass der MSV in der Hinsicht heute Mittag ein gutes Vorbild ist. Mir gefiele es nämlich sehr, wenn gerade 1860 München den Neustart-Auftakt verlieren würde. Die Verantwortlichen und Sascha Mölders hatten sich beim Verfolgen der eigenen Interessen doch gegenüber den anderen Vereinen sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Belehrt mich eines besseren, aber gab es irgendeinen Verantwortlichen der Abbruchbefürworter, der beim Argumentieren den Befürwortern des Weiterspielens Vorwürfe machte? Ich kann mich an keine erinnern. Zu hören waren Argumente. Wenn die von harten Worten begleitet wurden, richteten die sich gegen den DFB. Das war in München anders. Da wurde doch sehr gegen die Abbruch-Befürworter geschossen. Als ob diese Position moralisch verwerflich war. Das hat mir gar nicht gefallen.

Nicht nur deshalb wollte ich ganz persönlich 1860 München auch nichts schenken. Dieser Verein aus München soll mal schön zu seinem nervigen Investor gehen. Von mir gibt es kein Geld für nicht erbrachte Leistung. Das will ich zurück. Soll ich etwa Konkurrenten der Zebras auch noch selbstlos stärken? Da ist mir das Duisburger Hemd aber deutlich näher als die Jacke münchner Herkunft. Da ist das Hemd im Grunde Haut, aus der ich nicht komme. Und drei Punkte gibt es stattdessen auch nicht. Eine während der ersten vier Bundesligaspieltage erkennbare Tendenz könnte dabei helfen. Im nächsten Spiel wird das für die Zebras natürlich wieder anders. Es gab so viel mehr Auswärtssiege als sonst – zumindest in meiner Wahrnehmung. Auf geht’s Zebras, zeigt lahmen Löwen eure Hufe!

Und der DFB zu Liga-3-Vereinen so…

Früher stand unter vielen gezeichneten Witzen lakonisch „Ohne Worte“. Das gilt nach dem Beitragtitel heute auch für diesen Clip:

Wenn wir im Bild  bleiben, ist die Frage in Sachen Liga 3 aber offen: Zählt er oder zählt er nicht?

Beim Befreiungsschlag im folgenden Clip ist das klar entscheidbar. Das Endergebnis kennen wir allerdings nicht.

 

Wenn der DFB über Konsequenzen spricht, ist das doch weder Drohung noch Erpressung

Es gibt in Thrillern ein überschaubares Repertoire an Standardszenen, wenn Menschen gefügig gemacht werden sollen. Da spricht dann freundlich jemand zum Gegenüber, dessen Miene entweder Misstrauen oder Angst widerspiegelt. Geld wird gefordert oder Mitarbeit, und im selben Moment liegt beiläufig eine Waffe auf dem Tisch, die anscheinend im Jackett unbequem geworden ist. Das Ganze geht auch ohne Waffe, indem die Zukunft des Gegenübers in dunklen Farben ausgemalt wird, wenn besagte Mitarbeit verweigert wird. Dann wären statt des jetzt doch überschaubaren Schutzgeldes noch ganz andere Kosten zu übernehmen. Die Vertreter dieser besonderen Form des Wirtschaftens meinen es immer nur gut. Sie garantieren schließlich das Funktioniren des Wirtschaftens für ihr Hoheitsgebiet. Schließlich kann jeder sein Geschäft nur betreiben, wenn alles reibungslos verläuft. Was reibungslos bedeutet, lässt sich mit einer Waffe auf dem Tisch schlecht diskutieren.

Im deutschen Fußball sind wir zivilisiert. Waffen liegen nicht auf dem Tisch. Aber einen möglichen Lizenzentzug in den Raum zu stellen gegenüber einem Mininsterpräsident, in dessen Bundesland die Corona-Regularien die Fortsetzung des Drittligabetriebs behindern, ist die pazifistischere Variante dieses Drohens, und sie besitzt Kinothrillerformat. Das Dementi folgt in dem Fall immer sogleich, denn ganz deutlich wird das nur selten gesagt. Subtiles Sprechen gehört zum learning by doing in solchen Organisationen, die Macht organisieren.

Dieser Anfang des Thrillers müsste natürlich weiter ausgearbeitet werden. Nach dem ersten Anziehen der Daumenschraube würde nun im privaten Umfeld des Ministerpräsidenten herumgestochert, um irgendeinen Dreck aufzuwühlen, der genutzt werden kann. Flankierende Maßnahmen durch Wissen, was nicht öffentlich werden soll.

Die Situation rund um die 3. Liga führt mich einfach zu solchen Gedanken. Denn eine zweite Thrillervariante sehen wir ja auch, und wie im wahren Leben des Kinothrillers gibt es für jede Drohgebärde eigene Spezialisten. DFB-Vizepräsident Rainer Koch spricht von Regressforderungen an die Vereine, sollte die Saison selbst gewählt abgebrochen werden.

So offenbart sich endlich das eigentliche Motiv für das Beharren des DFB auf das Weiterspielen. Offensichtlich steht der DFB unter Druck und hat entweder sehr ungünstige Verträge zur Vermarktung abgeschlossen oder das noch nicht eingenommene Geld schon ausgegeben. Wahrscheinlich geht es vor allem um Magenta TV. Noch einmal sei betont, anscheinend profitieren Vereine und DFB auf sehr unterschiedliche Weise von der Vermarktung der 3. Liga. Deshalb gibt es diese Konfliktlage. Was vor Corona nicht offensichtlich war, wird nun deutlich. Die 3. Liga ist ein Konstrukt, bei dem der DFB sich die Vereine zu eigenen Zwecken zunutze gemacht hat. Nur zu normalen Zeiten ist das kein Problem. Zu normalen Zeiten lässt sich diese Ungleichheit durch das Wirtschaften der Vereine in ihren lokalen Bezügen ausgleichen. Und auch das sei noch einmal betont, wie heuchlerisch war das Argumentieren mit sportlichen Belangen.

Auf Fanseite und von unabhängigen journalistischen Einzelgängern wurde das Handeln des DFB die ganze Zeit schon mit Skepsis beobachtet. Dietrich Schulze-Marmeling hat gestern in seinem Blog beim Verlag Die Werkstatt eine von Ärger getriebene Bestandsaufnahme geschrieben. Aber auch in der überregionalen Presse findet sich heute endlich die erste harsche Bewertung des Handelns beim DFB. Michael Horeni kommt am Ende seines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Bundesligastart auf den Unterschied bei der Bewältigung der Corona-Krise zwischen DFL und DFB zu sprechen. Sehr lesenwert auch im Ganzen, obwohl ich hier nur die dritte Seite verlinke. Hoffen wir auf Wirkung solcher Kritik beim DFB.

Wenn Liga-3-Vereine nicht parieren, knallt die DFB-Peitsche

Zum Video mit Klick auf den Link im Text.

Manchmal brauchen Worte länger, bis sie wirken. Manchmal ist anderes wichtiger. Gestern nahm ich in dem Sportreportagen-Beitrag von Claudio Luciani nur den geradezu liebevollen Blick auf die zweite bis dritte Reihe des Pottfußballs wahr. Die Fußballwirklichkeit beim MSV, bei RWE und RWO wurde mit ihren Schwierigkeiten und Besonderheiten in Kürze lebendig. Es war erkennbar, in dieser Welt wirkt etwas anderes als im Glitzerwelt-Fußball der Unterhaltungsindustrie. Vor Jahren schrieb ich im Vorwort meines Buchs 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss: „Wer das Herz des Ruhrgebiets sucht, wird unweigerlich den Fußball finden“. Nun freute ich mich, Bewegtbilder zu sehen, die meinen Satz von damals bestätigten, so dass ich einige andere Worte in diesem Beitrag gar nicht wichtig nahm.

Heute morgen klangen mir diese Worte mit einem Mal in den Ohren, und in mir wuchs der Ärger über die Heuchelei beim DFB. Die ganze Zeit schon erweist sich das Covid-19-Virus als aufklärerisches Instrument für diese Gesellschaft. So auch beim Unterhaltungsbetrieb Fußball im Allgemeinen und Liga-3-Fußball im Besonderen. Im Beitrag werden auch die Corona-Folgen thematisiert, so die Uneinigkeit über den weiteren Saisonverlauf in Liga 3. Der DFB-Vizepräsident Peter Frymuth äußert sich zu dieser Uneinigkeit mit deutlicher Kritik: „Ich war schon irritiert darüber, verwundert, man könnte auch noch deutlichere Worte finden, wie stark doch Einzelinteressen in den Vordergrund gestellt wurden, die doch offensichtlich – das wurde doch journalistisch aufgearbeitet – auch etwas mit dem Tabellenbild zu tun haben.“

Ich schreibe diese Worte und in mir kocht der Ärger hoch. Was für ein frecher Versuch, Meinung zu manipulieren. Was für eine Heuchelei sondergleichen. Er ist sich sogar nicht zu schade seine Meinungsmache mit der Pseudo-Objektivität von Journalisten zu bekräftigen, die auch nur eine Meinung haben. Die Journalisten holt er sich ran, um das Eigeninteresse des DFB zu verschleiern. Dieses Eigeninteresse unterscheidet sich deutlich von denen einiger Vereine.

Davon ab war die Entscheidungsfindung vom MSV pro Abbruch sehr viel komplexer als es diese polemische Stellungnahme suggeriert. Der MSV wollte ja weiterspielen, aber eben unter normalen Wettbewerbsbedingungen. Da diese nicht zugesichert werden konnten, wurde für Saisonabbruch gestimmt. In dem ZDF-Beitrag ist der MSV der einzige Verein der 3. Liga, und auf diesen Verein ist die unpassende Kritik von Peter Frymuth gemünzt. Dieser DFB will auch in Liga 3 weiterspielen lassen auf Teufel komm raus, und dann stört es natürlich, wenn den Machthabern unwilliges Fußvolk dazwischenkommt.

Was für ein Irrwitz, dass in Liga 3 der sportliche Wettbewerb zu einem Argument wird, wo in den Diskussionen über den Spielbetrieb zur Corona-Zeit in Bundesliga und Liga 2 so gut wie keine Rolle spielte. So erhält der Irrwitz einen weiteren Dreh, wenn man diese Frymuth-Worte neben die Diskussionen um das Weiterspielen in Bundesliga und Zweiter Liga stellt. In diesen Diskussionen ging es in erster Linie um wirtschaftliche Fragen. Wer da Meister werden kann oder absteigt, interessierte überhaupt nicht. Es ging nur darum, die Bedingungen zu schaffen, damit das TV-Geld gezahlt wird. Es ging also nur um die Existenz der Wirtschaftsunternehmen, die zufällig auch Fußballvereine waren. Das ist zumindest wahrhaftig, auch wenn es von vielen Seiten kritisiert wurde. Mich berührt dieser Fußball ohnehin nicht.

Groteskerweise wäre diese Zuspitzung auf ökonomische Fragen für die Dritte Liga 3 dringend notwendig. Die im Beitrag genannten 7,5 Millionen Euro Solidarfonds-Geld reichen vorne und hinten nicht, um die Verluste der Vereine auszugleichen. Wenn Peter Frymuth die Vereine mit ihrer Stimme pro Saisonabbruch als zu egoistisch aus sportlichen Interessen darstellt, versucht er nichts anderes als den wahren Grund für die Stimmabgabe zu ignorieren. Der DFB gibt dieser Dritten Liga keine ausreichende ökonomische Perspektive, und das wird in dieser Corona-Zeit eben überaus deutlich.

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Für die Vereine pro Abbruch ist der Tabellenstand nichts anderes als der sportliche Ausdruck für ökonomische Planungssicherheit, die der DFB als Verband nicht gibt. Denn der DFB hat eigene Interessen bei der Frage, ob die 3. Liga weiterspielen soll oder nicht. Der DFB nimmt gegenüber den Vereinen der 3. Liga eine andere Rolle ein als die DFL bei den Bundesliga- und Zweitligavereinen. Die DFL vertritt deren Interessen sehr viel klarer als der DFB die jener Vereine zwischen Profi- und Amateurfußball. Vor zwei, drei Wochen hatte Hajo Sommers dafür in einem Interview deutliche Worte gefunden, als er fragte, welche Drogen die dort beim DFB genommen hätten. Das könnte man als Bonmot einfach so stehen lassen, wenn die Situation nicht noch ernster geworden wäre. Das Lachen darüber bleibt im Halse stecken, denn die DFB-Politik gefährdet inzwischen die Existenz vieler Vereine unterhalb von Liga 2 noch mehr.

Erkenntnis ist nicht Meinung

Wenn in den Zeitungen nahezu jeder Text seit Wochen einen Bezug zu Corona hat, darf das hier hin und wieder auch der Fall sein. Denn über den Fußball und den MSV erreiche ich sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Meinungen. Darum geht es mir heute – um Meinungen im Gegensatz zu Erkenntnissen.

Die öffentliche Meinung zum Umgang mit der Pandemie spaltet sich momentan in immer unversöhnlichere Lager auf. Eine grundsätzliche, nützliche Unterscheidung, um die Dinge zu bewerten, gerät dabei unter die Räder. Denn mancheiner verfolgt die eigenen Interessen mit alten rhetorischen Mitteln. Die Lehre der Rhetorik kümmert sich nur wenig um ethische Fragen. Wenn ein Mittel erfolgreich war, dann her damit.

Beschädige den Ruf des Gegners! Das gehört zur Grundausstattung jedes Rednerhandbuchs. Das geschieht spätestens seit dem letzten Wochenende subtil oder brachial mit Virologen. Zerstört werden soll das Vertrauen in deren Arbeit, die Grundlage für politisches Handeln ist.

Deshalb sei daran erinnert, Virologen sind Wissenschaftler und suchen bei ihrer Arbeit Erkenntnis. Fakten sind die Grundlage für ihre Bewertungen. Sie tragen keine Meinungen vor, sondern im Fall von Covid-19 vorläufige Ergebnisse ihrer Forschung. Diese werden wiederum von anderen Wissenschaftler überprüft und bestätigt oder widerlegt. Dieses System der Wissenschaft war überaus erfolgreich und hat die Spezies Mensch dazu gebracht, immer mehr zuvor tödliche Krankeiten behandeln zu können. Die Nebenwirkungen dieses Erfolgs lassen wir jetzt mal außer Acht. Wissenschaftler ändern also nicht ihre Meinungen, sondern stellen immer neue Ergebnisse ihrer Forschungen vor.

Meinungen haben einen anderen Charakter. Der MSV war zum Beispiel der Meinung, die 3. Liga solle nur fortgesetzt werden, wenn alle Entscheidungen sportlich ausgetragen werden. Dafür führt der Verein ein wesentliches Argument an. Die Saison ohne Abstieg zu Ende spielen, führe zur Wettbewerbsverzerrung. Dieses Argument beruht aber wahrscheinlich nicht auf wissenschaftlichen Überlegungen sondern auf intuitiven Überzeugungen, wie sich Mannschaften ohne Wettbewerbsziel im Spiel verhalten. Ich vermute, der MSV hat vor der Entscheidung keine sportwissenschaftlichen Arbeiten zurate gezogen.

Wissenschaftlich fundiert, also von Erkenntnis getragen, wäre diese Meinung aber, wenn sie mit einer Statistik begründet worden wäre, die sämtliche Spielergebnisse von Mannschaften in Endphasen der Saison erfasste. Dann müsste man die Spiele von Mannschaften im gesicherten Mittelfeld sowie feststehende Aufsteiger und Absteiger gesondert betrachten. Zu prüfen wäre, ob diese Mannschaften statistisch signifikant häufiger verlieren als erwartet werden kann. Das ist wahrscheinlich nicht geschehen. Deshalb hat eine Meinung deutlich mehr mit einem persönlichen Glauben als wissenschaftliche Erkenntnis.

Wissenschaftler ändern Wissen. Eine Meinung kann auch unabhängig von Wissen verändert werden. Manchmal muss man das sogar. Die Beweggründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Wenn Politiker den Unterschied zwischen Erkenntnis und Meinung aber verwischen, sollte das gegenüber der Meinung dieser Politiker misstrauisch machen.

Corona vor dem Tor – Will der DFB auch in 3. Liga die Dramedy?

Heute tagt das DFB-Präsidium, um zu überlegen, wie es in der 3. Liga und im DFB-Pokal weitergehen kann.  Entscheidungen werden noch nicht verkündet. Für eine solche Entscheidung braucht es die Kommunikation mit den Vereinen, die in der nächsten Woche ihre Präferenz in einer geheimen Abstimmung herausfinden wollen.

Wenn man sich ein paar realistische Gedanken macht über eine mögliche Fortführung per Geisterspiele sind die für mich entstehenden Bilder abenteuerlich. Als alter Freund guter Geschichten steckt darin natürlich ein großes Potential für dramatische Szenen, tragische Momente, gefährliche Situationen und Möglichkeiten zu großer Komik. Ich bedauere es deswegen sehr, dass jede rationale Entscheidung eigentlich den Saisonabbruch erfordert. Mein Unterhaltungsbedürfnis würde dann sehr enttäuscht.

Dabei denke ich sogar nur an die sportliche Seite, an einen Fußball unter extremen Hygienebedingungen. Wenn ich die Überlegungen zum Weiterspielen in erster und zweiter Liga lese, muss ich nur an einen Passus denken und beginne über all die absehbaren komischen Momente zu lachen. Sinngemäß erinnert heißt es, jeder unnötige nahe Kontakt auf dem Spielfeld werde unterbunden. Kein Mannschaftsfoto, kein gemeinsamer Torjubel und all die anderen Szenen nahen Beisammenseins. Schnell wird sich niemand mehr daran erinnnern, was Rudelbildung überhaupt bedeutete. Wahrscheinlich werden die Schiedsrichter ihre Karten zu Hause lassen, weil der Fußball sich allmählich an den Anfangszeiten des Basketballs als körperloses Spiel orientieren wird.

Dieser Fußball wird so kurios, dass der sportliche Wert eine gesonderte Tabelle nötig machte. Von jetzt auf gleich wird ja nach Wochen des Einzelsportlerdaseins wieder Mannschaftssport betrieben. Die Voraussetzungen werden andere sein. Kontinuität zu den Ergebnissen der Vor-Corona-Zeit ist ein Traumgebilde. Das sind die tragischen Momente dieser Geschichte. Viele Träume der Vergangenheit werden in Erster und Zweiter Liga zerplatzen. Die Momente der Gefahr sind natürlich die Infekte. Irgendeinen in diesem Betrieb wird es erwischen. Zu viele Menschen sind dabei. Im richtigen Fuballleben wird sicher wie in einer Dramedy alles getan, um das Problem möglichst klein zu reden. Dann wird taktiert und Regeln werden gebrochen. Das Böse wird sich zeigen. Was für ein herrlicher Stoff.

Hoffen wir, dass die 3. Liga diesem Stoff entgeht, auch damit der MSV nicht noch mehr Verluste macht als ohnehin schon. Was würde dieser Betrieb ohne Zuschauereinnahmen kosten. Die 300.000 Euro der DFL-Vereine helfen da nicht groß weiter. Sie sind eine symbolhafte Zahlung, ein Versuch den Fußball der Unterhaltungsindustrie mit jenem zu vereinen, der vor der Tür steht und in Teilen darauf hofft, diesem Geschäftsmodell beitreten zu können. Es ist der Versuch zu suggerieren, man säße in einem Boot, obwohl die Bedingungen des jeweiligen Fortbestands der Vereine sich grundsätzlich unterscheiden.

Im finanziellen Effekt gleichen diese 300.000 Euro den 2.000 Euro Soforthilfe für Künstler und Kreative des Landes NRW. Man erhält ganz kurz Liquidät und begleicht die dringlichsten der dringlichen laufenden Kosten. Im Fall der NRW-Soforthilfe war übrigens das Zeichen der Solidarität glaubhaft und das zur Verfügung stehende Budget für die Zahl der Antragssteller extrem unterfinanziert. Das nun ist bei der Hilfe der DFL-Vereine genau umgekehrt.


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