Posts Tagged 'Daniel Reiche'

MSV Museum stellt sich vor – Impressionen vom Tag

Beim Cup der Traditionen gab der MSV Museumsverein einen Eindruck davon, wie eine zukünftige Dauerausstellung aussehen könnte. Eine Sonderausstellung zu den vier Pokalfinalendes MSV war improvisiert. Natürlich kann das heute nur eine Schau möglicher Exponate sein, aber deutlich wird die konzeptionelle Arbeit, die schon jetzt beim Aufbau des Museums geleistet wird. Außerdem haben Spieler verschiedener Generationen Autogramme gegeben. In den nächsten Tagen werde ich auch die Interviews online stellen, die ich gemacht habe. Sie müssen noch transkribiert werden. Deshalb zunächst erste Impressionen vom Ausstellungstag per Bild.

 

Wer das MSV Museum unterstützen will, findet auf der Seite des Museums die entsprechenden Kontaktinformationen.

Selbstvertrauen durch guten Sommerfußball

Besser kann die Vorbereitungszeit auf ein wichtiges Spiel einer Saison nicht verlaufen. Unter Wettbewerbsbedinungen wird gegen die Gegner gesiegt. Die Mannschaft merkt, sie kann sehenswert Fußball spielen und festigt sich weiter als Einheit. Weil außerdem die Gegner nicht ganz ohne Ehrgeiz antreten, werden die Schwachstellen der Mannschaft offenbart und können im Training noch einmal gesondert angegangen werden. Während die Spieler der Mannschaft also Selbstvertrauen gewinnen, wird in der gleichen Zeit die Stimmung beim Gegner durch Niederlagen immer schlechter.  Das klingt wirklich gut. Rund um den FC Schalke 04 kitzeln Angst und Sorge die Seelen, während rund um den MSV Duisburg eine leistungssteigernde Atmosphäre aus Lampenfieber, Freude durch Erfolgserlebnisse und Zuspruch immer spürbarer wird.

Flow heißt das Zauberwort, das die Psychologie als den erstrebenswertesten Zustand bei einer Tätigkeit beschreibt, und so wie die Mannschaft im Moment spielt, scheint beim MSV Duisburg so etwas wie ein Gruppenflow vorhanden zu sein. Da gelingt die Konzentration auf die anstehende Aufgabe. Da stabilisiert sich das Gefühl, die Kontrolle über die eigenen Fähigkeiten zu besitzen. Und vor allem durchdringen sich Handlung und Bewusstsein während eines Spiel gegenseitig. Keinen Spieler hemmt sein Denken. Der MSV Duisburg befindet sich im Flow! Es deutet vieles darauf hin, dass dieser Flow bis ins Finale anhält. Was dort dann mit und dank dieses Flows passiert, werden wir sehen.

Wie  sehr kann nämlich das Denken zum falschen Zeitpunkt im Sport den Erfolg verhindern. Ich glaube, bei Manuel Schäffler zeigt sich das im Moment. Allerdings kommt die Spielanlage des MSV Duisburg ohne Stefan Maierhofer wahrscheinlich auch den spielerischen Qualitäten von Manuel Schäffler sehr entgegen. Er braucht anscheinend den Ball mit schnellem Kombinationsspiel, flach vorgetragen. Welche Selbstsicherheit hat er gestern gezeigt. Da läuft er in der zweiten Halbzeit nach einem Zuspiel auf ihn auf vier Gegenspieler zu, hat keine Abspielmöglichkeit und läuft in hohem Tempo einfach weiter. Irgendwie gelingt es ihm dann, diese vier Paderborner zu überspielen. Er zieht den Ball unter dem Fuß des Gegners durch, spielt zwischen die Beine des nächsten Verteidigers oder nimmt den Ball beim Vorbeigehen einfach mit. Am Abschlus nach so einer Aktion muss er noch arbeiten. Schon das Tor zum 2:0 ließ dieses Selbstbewusstsein erkennen. Elegant schiebt er den Ball rechts am Verteidiger vorbei, um selbst an dessen linker Seite vorbeizusprinten, um dann in fließender Bewegung von links neben dem Tor in die Mitte zu ziehen und souverän abzuschließen. Natürlich war es hilfreich, dass ein Verteidiger der Paderborner leicht ausrutschte, aber das schmälert die Leistung von Manuel Schäffler in keiner Weise. Das ist so wichtig in diesen Spielen. Es erzielen die richtigen Spieler der Mannschaft die Tore. Manuel Schäffler brauchte das Gefühl so sehr, dass er alles das kann, weshalb er vom MSV Duisburg ausgeliehen wurde.

Den Führungstreffer erzielte Ivo Grlic, der sich seiner Fähigkeiten natürlich eigentlich sicher ist. Aber nach einer langen Pause verbessern solche individuellen Erfolgserlebnisse das Ankommen eines Spielers im sportlichen Wettbewerb dann doch auch sehr wahrscheinlich. Und schließlich führte zudem die erfolgreiche Freistoßvariante der Hinrunde zum Erfolg. Den von Benjamin Kern geschlagenen Ball köpfte Goran Sukalo ins Tor. In den Spielen vor Frankfurt war es für mich die Hauptfrage, wer erzielt nach dem Ausfall von Srdjan Baljak und Stefan Maierhofer die Tore für den MSV Duisburg. Die Mannschaft hat gezeigt, wie sie dieses Problem lösen will.

Die Schwächen zeigten sich gestern dagegen bei ein paar Momenten des Spiels in der Defensive. Direkt am Anfang wirkte der SC Paderborn für kurze Zeit wacher, und auch direkt nach Halbzeitpause war der Anschlusstreffer keine wirkliche Überraschung. Der MSV Duisburg hatte sich zu weit zurückgezogen, und es gelang der Mannschaft nicht, in dieser defensiveren Grundhaltung genügend Druck auf die angreifenden Paderborner auszuüben. Dazu musste der Sieg erst einmal als gefährdet erscheinen. Bei Eckstößen bereitete mir außerdem die Zuordnung am jeweils hinteren Pfosten ein paar Sorgen. Da kamen  zwei Paderborner Spieler nach zwei Ecken jeweils frei zum Kopfball. Dagegen scheint Daniel Reiche sich gefangen zu haben, und David Yelldell bewies auf der Linie weiterhin seine Stärke.

Jetzt folgt die Generalprobe beim VfL Bochum, der gewinnen muss, um mit Sicherheit den dritten Tabellenplatz zu behalten. Ein Sieg des MSV Duisburg könnte den fünften Tabellenplatz zur Folge haben. An meiner Hoffnung auf den Erfolg im Pokalfinale wird das Ergebnis in Bochum aber nichts mehr ändern. Lebensweisheiten  unterstützen mich bei dieser Haltung. Wir wissen nämlich alle, verpatzten Generalproben, folgen gelungene Premieren. Und wenn ich daran denke, dass schon bei der Generalprobe fast alles klappt, dann kann bei der Premiere eigentlich nichts mehr schief gehen.

Wir sind Schmetterlinge, die mit ihren Flügeln schlagen

Auch Nachbetrachtungen zu einem Ligaspiel brauchen einen starken Gedanken, um den herum sich die Beobachtungen zum Spiel anordnen lassen. Den habe ich gestern für das Spiel des MSV Duisburg gegen Hertha BSC Berlin nicht gefunden, und ich bin mir nicht sicher, ob das heute der Fall sein wird. Es gibt zu viel, was mich vom Spiel selbst ablenkt. Unweigerlich bringe ich jedes Geschehen im Spiel mit dem DFB-Pokalfinale in Verbindung. Kaum steht ein Spieler des MSV Duisburg nach einem Foul nicht sofort wieder auf, schon hake ich innerlich den nächsten Ausfall eines Spielers ab. Wenn ich mich etwa an den Einsatz von Olivier Veigneau am Montagabend erinnere und an die Intensität seiner Spielweise, so lautet die beste Nachricht des Abends, es gibt keine weiteren Verletzten.

Es ist mir am Montag nicht mehr gelungen, im Moment des Abends zu bleiben. Ständig irritierten mich abschweifende Gedanken. Ich überlegte, ob auch Olivier Veigneau gehen würde. Wir wussten vor dem Spiel noch nichts von seiner Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern. Sah ich Olivier Veigneau, sah ich die ungewisse Zukunft des Vereins. Ich dachte an Professionaliät, die ich immer wieder von Fußballern gefordert hatte, und dachte ebenfalls, nun lässt sich diese Professionalität beim MSV Duisburg erkennen. Olcay Sahan geht und versucht bis zum Abschied sein Bestes zu geben. Leihspieler wie Stefan Maierhofer kommen für ein Jahr und treten so auf, dass sie zum Publikumsliebling werden. Die Verantwortlichen des Vereins informieren stilvoll über die Zukunft der Spieler des Vereins, und gleichzeitig wird deutlich, die Mannschaft dieser Saison ist dabei, Vergangenheit zu werden. Da mischte sich Abschiedsmelancholie in die Überlegungen zum DFB-Pokalfinale in Berlin. Da mischte sich in die Überlegungen zum DFB-Pokalfinale eine leichte Unruhe durch die Gedanken an die nächste Saison. Da tauchte in der Unruhe die Verpflichtung von Emil Jula als beflügelnder Gedanke auf, und ach ja, das Spiel auf dem Platz unten lief ja auch noch.

Es war eigentlich ein Spiel, das mit einem Unentschieden hätte enden müssen. Die Berliner wollten eigentlich nicht  mehr als dieses Unentschieden, um danach aufgestiegen zu sein. Als sie aber in der ersten Halbzeit recht unvermittelt die Chance auf ein Tor erhielten, schlugen sie das Angebot nicht aus. So eine Chance kann sich in jedem Spiel ergeben, wenn Verteidiger des Gegners für einen Moment nicht an ihrem Platz sind. So Tore ergeben sich aus Spielsituationen, die wie ein Versuchsballon des Angriffs wirken. Warum nicht mal eine Flanke von rechts auf den hinteren Pfosten schlagen? Vielleicht bleiben die zwei Mann frei?  Und da sie dann frei blieben, wurde das Angebot zu einem Tor angenommen, und die Hertha war des Aufstiegs schon recht früh im Spiel ganz sicher.

Der MSV Duisburg war mit dem Unentschieden zwar nicht zufrieden, und die Mannschaft bemühte sich von Anfang an sehr, den Ball druckvoll in die gegnerische Hälfte zu bringen. Doch meist schon vor dem Strafraum unterband die Hertha jegliche Gefahr verheißende Spielaktion des MSV Duisburg. Spätestens im Strafraum aber war die Defensivleistung der Hertha dann fehlerlos. Nur in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit konnte der MSV Duisburg mit sicherem Kombinationsspiel und aggressivem Pressing genügend Druck entwickeln, um die Defensive der Hertha zu verunsichern. Zwei Chancen nach Flanken wurden nicht genutzt. Die gesamte zweite Halbzeit investierte der MSV Duisburg viel. Die Mannschaft wollte den Ausgleich und wurde nicht belohnt, weil sie zwar bis zum Strafraum ansehlich spielte, danach aber keine Torgefahr entwickelte.

Die Mannschaft denkt wahrscheinlich weniger an das DFB-Pokalfinale als wir Fans. Man merkte, diese Mannschaft will auch in Liga-Spielen weiter gewinnen. Ich hingegen versuche aus den restlichen Spiele der Saison vor allem noch die kleinsten guten spielerischen Momente zu sammeln, um angesichts der vielen Ausfälle von Stammspielern nicht nur an ein Wunder von Berlin glauben zu müssen. Was mich am Montagabend erneut zufrieden stimmte, war der sich entwickelnde Kombinationsfußball des MSV Duisburg,  der gegen eine sehr gut deckende Berliner Mannschaft immer wieder ins Rollen kam. Da steht eine Mannschaft auf dem Platz, die mitspielen will und nicht nur auf die eine Chance durch den Standard setzen muss.

Allmählich frage ich mich auch, sollten wir nicht alle beginnen, diese Mannschaft stark zu reden? Da gehen dann weniger Allmachtsphantasien mit mir durch, als dass ich weiß, gerade in Zeiten von Verunsicherung wirkt das Lob als sinnvollstes pädagogische Prinzip der Veränderung. Dann denke ich, die Spieler wissen ohnehin, welche Fehler sie machen und wo ihre Schwächen im Moment immer wieder deutlich werden. Daniel Reiche wird wissen, dass sein Passspiel erneut durch Totalversagen bedroht war. Wie schon im Spiel gegen Aachen schenkte er den Ball zweimal ohne Not her. Ein Sportpsychologe wäre da vielleicht eine Option, aber vielleicht auch die Meinung, dass er eigentlich ballsicher genug ist für den ersten Pass aus der Abwehr heraus. Wenn er zudem Lob für sein eigentlich auch gutes Defensivverhalten erhielte, könnte er an die Leistung vom Beginn der Saison anknüpfen. So Sachen gehen mir durch den Kopf. Oder auch, dass wir uns auf David Yelldells Leistungen auf der Linie verlassen können. Es ist nicht nur zu spät in der Saison für die Einzelkritik, ich stehe auch auf schwankendem Boden und weiß nicht mehr, mit welchem Ziel ich hier schreibe. Wahrscheinlich hat das alles doch mit meinem Wunsch zu tun, an den Aussichten für den MSV Duisburg beim Pokalfinale in Berlin irgendetwas drehen zu können. Ich will beeinflussen – mit welchem Schmetterlingsflügelschlag auch immer.

Geteilte Meinungen über ein Spiel am frühen Abend

Es gibt noch kein abschließendes Urteil darüber, ob Fußball dieses oft beschworene einfache Spiel ist, von dem meist die Stürmer-O-Töne zeugen, oder ob er als ungeheuer komplexer Sport gelten kann, der selbst von Fachleuten nur unzureichend durchdrungen wird. Diese Meinung verbreiten eher die Trainer und Sachbuchautoren. Nimmt man die Meinungsvielfalt zum Maßstab, kann das Spiel des MSV Duisburg gegen Alemannia Aachen am frühen Freitagabend kann ganz klar als Argument für die Komplexitäts-Theorie gelten.

Ich selbst habe am Freitag ein überaus unterhaltsames und spannendes Spiel zweier guter Mannschaften gesehen, bei dem Spieler beider Mannschaften sich eine überschaubare Zahl von Fehlern erlaubten.  Zu meiner Überraschung las ich sowohl bei Der Westen als auch in der Rheinischen Post Spielberichte, in denen die Fehler anders gewichtet waren. Der Ton der Berichte ließ die Leistung des MSV Duisburg schlechter erscheinen, als ich sie gesehen hatte. In den Spielberichten von Kicker und Reviersport sah das anders aus. Da fand ich mein Urteil bestätigt.  Auch Meinungen im MSVPortal zur Leistung einzelner Spieler gehen weit auseinander.

Im Fokus steht da vor allem Daniel Reiche. Natürlich fiel der Ausgleich zum 1:1 kurz vor dem Halbzeitpfiff nach dem Abspielfehler von Daniel Reiche und auch beim zweiten Tor der Aachener stand er unglücklich zum Gegenspieler und rutschte zudem weg. Doch auf das gesamte Spiel bezogen habe ich ihn als gleichwertigen Ersatz für Bruno Soares gesehen – sogar mit einem kleinen Vorteil für ihn beim Spielaufbau. Da müssen eigentlich Fakten her für ein Urteil und wer Zeit hat, analysiere die „Spiel-Matrix“ bei Bundesliga.de. Nur erinnere man sich dann daran, dass auch diese Daten nur die Interpretation von – wenn auch geschulten – Beobachtern des Spiels sind. Ob etwa ein misslungenes Tackling nur dem Spieler zuzurechnen ist oder in Teilen auch der misslungenen Aktion eines Mitspielers kurz zuvor, das steht nicht in diesen Daten. Deshalb überlasse ich für heute der sportlichen Leitung meines Vertrauens die abschließenden Urteile über die Leistungen der Spieler.

Denn meine Zufriedenheit nach dem Freitagsspiel gegen Aachen beruht nicht nur auf der Leistung der Mannschaft sondern auch auf Entscheidungen der sportlichen Leitung zur Spielweise dieser Mannschaft. Das schnelle Passspiel mit einem kontrollierten Spielaufbau schon aus der Defensive heraus war als taktische Anweisung für die Spieler deutlich zu erkennen. Die bevorzugten Anspielstationen waren die Flügel, doch wurden die Angriffe auch variiert, indem Flügel und Mittelfeldspieler zum Anspiel immer wieder auch mehr nach innen rückten. Die Spieler schienen zu wissen, der Fehler bei diesem Passspiel war eher erlaubt als der lange Pass als Notausstieg. Der unbedingte Versuch, Sicherheit und Vertrauen der Spieler in diese nach dem Ausfall von Stefan Maierhofer notwendige Spielweise zu bringen war für mich ein klares Bekenntnis zur vorhandenen Qualität der Mannschaft. So etwas ist ein Signal an die Spieler auch und gerade im Hinblick auf das Pokalfinale. Diese Spielweise lässt hoffen.

Beim Wechsel von Filip Trojan für Sefa Yilmaz war ich allerdings nicht auf der Seite der sportlichen Leitung meines Vertrauens. Das war ein uninspirierter Standardwechsel. Eigentlich war ich schon im Begriff angenehm überrascht zu sein, als ich Olcay Sahan im Moment des Wechsels zur Seitenlinie gehen sah. Diesen Wechsel hätte ich mutig gefunden, vor allem richtig, weil leistungsgemäß. Vielleicht ist aber auch bei diesem Wechsel alles viel komplexer, und das Verbleiben von Sahan war in einem von mir nicht durchschauten Gesamtsystem notwendiger als das von Sefa Yilmaz. Ausreichend erklären könnte Milan Sasic mit Sicherheit den Wechsel.

Der guten Nachrichten sind noch nicht genug. Srdjan Baljak gewinnt rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt seine Klasse zurück. Er erläuft sich die Bälle wieder wie in der Hinrunde, selbst aus härtesten Pässen nimmt er bei der Annahme elegant die Geschwindigkeit, so dass sie ihm nicht mehr verspringen und im Zweikampf gewinnt er seine Durchsetzungsfähigkeit zurück. Die Notlösung Jürgen Säumel auf der linken Seite in der Defensive entpuppte sich vor allem im Spiel nach vorne als folgerichtige Option. Man merkt aber, sein Spielverständnis ist auf einen Platz im Mittelfeld ausgerichtet und ihm mangelt es an Automatismen auf der hintersten Linie der Mannschaft. Aber das hat mit der Sicherheit von Branimir Bajic an seiner Seite im Laufe des Spiels immer besser funktioniert. Auch Maurice Exslager hatte sich offensichtlich vom inneren Druck befreien können. In den Spielen bislang wirkte er schnell etwas übertourig und hastig. Davon war in diesem Spiel nichts mehr zu merken, um so schöner, dass er den Ausgleich erzielen konnte. Das Spiel rundete sich mit dem Siegtreffer durch Goran Sukalo. Er hatte zu Beginn den Elfmeter verschossen und bildete die letzte Anspielstation nach einer Dreierkombination von jeweils steil gespielten Pässen. Gerade diese Kombination mit dem erfolgreichen Abschluss weist in die Zukunft. Sie ist das Ergebnis von vorhandener Sicherheit im Kurzpassspiel und der Möglichkeit zum Tempo bis zum Abpfiff.

Um stärker besetzte Gegner zu schlagen, ist für eine Fußballmannschaft das Gefühl, von einer guten Stimmung getragen zu werden, keineswegs hinderlich. Solche Spiele schaffen diese Stimmung in der Mannschaft und im Umfeld. Dazu tragen dann auch die Momente nach dem Spiel bei. Julian Koch und Stefan Maierhofer waren im Stadion. Sie kamen nach dem Spiel mit ihren Krücken auf das Spielfeld gehumpelt, um sich gemeinsam mit den Kollegen zu freuen. Es war zunächst Julian Koch, den der „Stimmungsblock“ hochleben ließ, so dass er sich mit seinen Krücken auf den Weg Richtung KöPi-Tribüne machte. Kurze Zeit später eilte Stefan Maierhofer hinterher. Am Zaun angekommen boten beide tanzend und hüpfend den Fans nicht nur ein erinnerungswürdiges Bild für die MSV-Historie, sondern lieferten ihnen damit auch die Vorlage für ein witziges Gemeinschaftswerk. Titel des Ganzen: „Wer nicht hüpft, der ist kein Zebra“.

Wer´s verpasst hat, bitte schön …

Das Duisburger Fußballgesetz: Doppelpack von Spielern über 1,90m Körpergröße

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Verleger von Deutschlands Tageszeitungen aus Sorge um die verkaufte Auflage ihrer Zeitung allmählich zu ungewöhnlichen Marketing-Maßnahmen greifen, um die weiterhin vorhandene Relevanz ihres Mediums der Öffentlichkeit zu  verdeutlichen. Möglicherweise hat Alfred Neven DuMont, Verleger des Kölner Stadt-Anzeiger, selbst dafür gesorgt, dass die A3 hinter dem Hildener Kreuz wegen Bauarbeiten am Samstagmittag nur einspurig befahrbar war.  Schließlich widmete sich seine Zeitung am selben Tag als Aufmacherthema dem Verkehrskollaps in NRW. Samstagmittag, ein zehn Kilometer langer Stau, völliger Stillstand auf der A3 anderthalb Stunden vor dem Anpfiff des Spiels vom MSV Duisburg gegen die SpVgg Fürth kurz hinter der Ausfahrt Langenfeld, und die Zukunft der Regionalzeitung scheint wieder etwas gesicherter, denn der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet „kritisch“ und kennt die Hintergründe. Wir aber kennen die Ausweichstrecken und kommen etwa drei Minuten nach dem Anpfiff im Stadion an.

So brauchte ich mich nicht vor dem Fürther Abseitstor erschrecken, sondern konnte mich in Ruhe erst einmal orientieren. Erwartungsgemäß spielte Branimir Bajic wieder für Daniel Reiche. Dass Manuel Schäffler nicht spielte, war ebenfalls möglich gewesen, wenn auch der ihn ersetzende Filip Trojan sich offensichtlich auf einer anderen Position wohler fühlt als als Stürmer. Aber wieso spielte Benjamin Kern als rechter Außenverteidiger und Julian Koch im Mittelfeld für Ivica Grlic? Die Frage ging an den Nebenmann, und ich erfuhr, dass Grlic keineswegs verletzt war, sondern aus taktischen Gründen auf der Bank saß. Wenn das klappte, so dachte ich, war es ein Beweis mehr für die Qualität des MSV Duisburg in dieser Saison. Die Mannschaft erwiese sich als  variabler in der Spielanlage, wenn sie auf einen  Spieler verzichten könnte, der zu den ersten Erfolgen dieser Saison entscheidend beigetragen hat. Was von Milan Sasic geplant war, gelang tatsächlich, allerdings nur in der ersten Halbzeit.

Die Mannschaft des MSV Duisburg wirkte schnell leicht überlegen und schien das Spiel im Griff zu haben. Torgefahr ergab sich einmal recht früh durch Stefan Maierhofer und schließlich nach einem von Benjamin Kern geschossenen Freistoß durch einen Kopfball von Goran Sukalo. Den Ball hatte ich schon im Tor gesehen, doch der Fürther Torwart Max Grün zeigte einen glänzenden Reflex und lenkte den Ball noch über die Latte. Während ich noch zum Freund sagte, allmählich schießen sie sich ein, flog der von Filip Trojan getretene Eckball schon in den Strafraum und erneut kam Goran Sukalo zum Kopfball. Dieses Mal hatte Max Grün keine Chance zur Abwehr. Der MSV Duisburg führte 1:0. Ich konnte mich immer wieder an gelungenen Einzelaktionen freuen, sah den erneut beeindruckenden Auftritt von Julian Koch und zwei weitere große Chancen, ein Kopfball durch Koch knapp über das Tor und ein ungemein harter Schuss aus etwa achtzehn Metern durch Olcay Sahan. Erneut zeigte Max Grün seine Klasse und verhinderte ein weiteres Tor des MSV.

Kurz vor der Halbzeitpause blitzte mit einem Mal die Torgefahr der Fürther auf. Die MSV-Abwehr wurde mit einem steilen Pass überspielt, doch David Yeldell konnte den schwachen Schuss des Fürther Stürmers aufnehmen. Dieser Angriff war eine Art Vorausblick auf die zweite Halbzeit. Dass der MSV Duisburg die Führung in dieser zweiten Halbzeit behaupten konnte, war weniger der guten Abwehrleistung zu verdanken als der Abschlussschwäche der Fürther. Zwei sehr, sehr große Fürther Chancen endeten als Schüsse über das Tor. Neben diesen sehr, sehr großen Chancen gab es noch eine Reihe von großen Chancen. Die Mannschaft des MSV Duisburg hatte sich zu weit zurückgezogen und konnte keinen Gegendruck entwickeln, als die Fürther Angriffe erst einmal ins Rollen gekommen waren. Auch David Yelldell erwies sich in dieser Phase als Torwart der guten Reflexe.

Die Spieler des MSV Duisburg kämpften zwar aufopferungsvoll, doch ich fürchtete immer mehr, es könnte nicht reichen, die Führung über die Zeit zu bringen. Eine einzige Chance gab es in diesem Spielabschnitt für den MSV Duisburg. Doch Filip Trojan ist nicht der schussstarke Strafraumstürmer, den es in dieser Situation brauchte. Ab der fünfundsiebzigsten Minute herum keimte meine Hoffnung auf den Sieg wieder auf. Olcay Sahan verhinderte auf seiner Seite kurz nacheinander nicht nur mit eindrucksvollem Einsatz Angriffe der Fürther, sondern die gewonnenen Bälle konnten nun wieder durch kontrollierte Angriffe in die Fürther Hälfte gebracht werden. Schließlich die Erlösung: Goran Sukalo köpfte nach einer Ecke von Benjamin Kern sein zweites Tor. Was für eine Erleichterung! Im Bericht der Sportschau war stellvertretend für unser aller erleichtertes Seufzen nach dem Jubel Milan Sasic bei der gemeinsamen Freude mit Bruno Hübner zu sehen. Auch er seufzte erleichtert aus, auch er hatte offensichtlich um diese Führung gebangt.

In den letzten Minuten wurde deutlich, wie viel Kraft die Spieler des MSV Duisburg in diesem Spiel gelassen hatten. Diese Spieler gingen an ihre Reserven. Dennoch gab es Chancen auf ein drittes Tor. Olcay Sahan war in diesen Minuten weiter unermüdlich in seinem Vorwärtsdrang und in seinem Willen den verlorenen Ball zurück zu erobern. Eigentlich müssten allesamt erwähnt werden. Der eingewechselte Maurice Exslager etwa zeigte ein paar gelungene Aktionen und konnte nach einem Anspiel fast immer etwas Sinnvolles mit dem Ball anfangen.

Stefan Maierhofer will ich trotzdem noch gesondert erwähnen. Einen Spieler dieser Persönlichkeit habe ich beim MSV Duisburg lange vermisst. Dieser Mann verkörpert auf dem Spielfeld den bedingungslosen Siegeswillen. Er braucht anscheinend Reibereien und Aufregung für sein Spiel, ob das nun die Gegenspieler sind oder Balljungen, die den Ball zu schnell dem Gegner geben. So meine ich jedenfalls den leichten Rüffel verstanden zu haben, der da hinter die Bande ging. Eine Mannschaft braucht in solchen Spielen der Bedrängnis solche Typen. Mit seiner Präsenz auf dem Spielfeld entwickelt er nicht nur psychische Energie für das eigene Spiel, sondern die psychische Energie der Mannschaft wächst ebenfalls, was wiederum auf die Zuschauerränge überschlägt und von dort erneut zurückgegeben werden kann.

Dann tragen auch wir Zuschauer zur mannschaftlichen Stärke bei. Als die Führung des MSV Duisburg am gefährdesten schien, war von den Rängen dieses unterstützende „EM-ES-VAU-EM-ES-VAU“ zu hören. Wenn dieser Schlachtruf im ganzen Stadion laut wird, spüren wir, in dem Moment geht es um alles. Mit diesem Rufen soll  in Duisburg seit jeher den Spielern zu allerletzter Kraft verholfen werden. Mit diesem Rufen lösen wir Zuschauer die Grenze zwischen uns und den Spielern auf. Wir verschmelzen mit ihnen und werden zu einem Körper. Das sind die Momente, in denen das Gefühl von uns vollends Besitz ergreift, ein Teil von Sieg oder Niederlage zu sein. Das sind die Momente, in denen wir unsere Mannschaft größer machen können und uns selbst natürlich auch, wenn wir aufgehen in diesem großen Ganzen MSV Duisburg. Deshalb ist Fußball mehr als ein Geschäft. Deshalb überlege ich, ob ich es nicht doch am nächsten Sonntag nach Aachen schaffe.

Und für die Zukunft noch der kurze Hinweis an alle autofernreisenden MSV-Fans: eine erste Orientierung zur Verkehrslag bietet im Netz die Seite Verkehrsinfo.nrw. Und wo wurde die Technik dieser Seite entwickelt? An der Universität Duisburg! Auch wenn ich das aus lokalpatriotischen Überlegungen für eine erwähnenswerte Sache halte, will ich nicht so weit gehen und behaupten, die regelmäßige Anreise von Zuschauern des MSV Duisburg über die A3 war der hauptsächliche Anlass für die Entwicklung dieser Software.

Der rechte Zeitpunkt

Es hätte nur einen besseren Zeitpunkt für eine Niederlage des MSV Duisburg geben können, und der wäre so ungefähr um den 28. Spieltag der laufenden Saison gewesen, wenn die Mannschaft sich gegenüber den Verfolgern auf den Nichtaufstiegsplätzen bereits einen uneinholbaren Vorsprung erspielt hätte. Gesehen oder gehört habe ich von dem Auswärtsspiel gegen den FC Erzgebirge Aue nichts, und dennoch habe ich eine Meinung, nicht unbedingt zur Leistung des MSV Duisburg, sondern zu dem, was die Niederlage für die Mannschaft bedeuten kann.

Schon vor dem Spiel war klar, der FC Erzgebirge Aue ist in seinem eigenen Stadion ein unangenehmer Gegner. Dennoch scheint der MSV Duisburg viel richtig gemacht zu haben. Wenn ich den Nachberichten bei Der Westen oder im Kicker glauben darf, waren der Plan und die daraus resultierende Spielanlage klar zu erkennen. So können Niederlagen hingenommen werden. Sofort verständlich ist außerdem, dass Tore vom MSV Duisburg nicht unbedingt bei nur zwei wirklichen Chancen erzielt werden, wenn Sefa Yilmaz und Olcay Sahan zu diesen klaren Chancen kommen. Wir wissen schon länger über Olcay Sahan, das Tor und er sind erst auf dem Weg gute Freunde zu werden, und Yilmaz hielt sich in den Spielen zuvor so streng an sein Flügelspiel, dass er nur wenig Gelegenheit hatte, sich an Tornähe überhaupt gewöhnen zu dürfen. Es geht für Sahan und Yilmaz nicht anders, als auch den Abschluss immer und immer wieder zu trainieren. Was sie und Milan Sasic aber sicher selbst wissen. Wenn ich Milan Sasic in Pressekonferenzen vor Spielen höre, wirkt er auf mich mit seinen von ihm oft zitierten Statistiken wie ein sehr faktenhungriger Mensch, der solche Statistiken zu Stärken und Schwächen dann wahrscheinlich auch über die eigenen Spieler anfertigen lässt. Wenn so und so viel Prozent aller Tore durch Standards fallen und Sasic sie deshalb intensivieren trainieren lässt, wird er auch wissen, dass Sahan so und so viel Prozent seiner Schüsse am Tor vorbei setzt und ihm deshalb hoffentlich ein entsprechendes Trainingsprogamm geben.

Die Niederlage gibt der Mannschaft nun die Möglichkeit, so ein Gefühl des Rückschlags in einer Zeit zu erleben, in der dieser Rückschlag auf längere Sicht noch keine großen Auswirkungen haben muss. Die Mannschaft kann nun mit einem auszuhaltenden Druck lernen, damit umzugehen, das gesteckte Ziel einmal nicht erreicht zu haben. Durch so eine Erfahrung kann jeder einzelne weiter wachsen, und so die Mannschaft stärker machen. Das wäre ein idealtypischer Schritt im weiteren Saisonverlauf. Gedanken mache ich mir allerdings über die Spielsperre, die Bruno Soares und Daniel Reiche für ihre gelb-roten Karten erhalten. Da wird also gegen einen eingespielten FC Augsburg eine Mannschaft des MSV Duisburg antreten, die auf ihren Positionen etwas durcheinander gewirbelt sein wird. Ein Handicap, das mit zunehmender Spieldauer wir am Mittwoch hoffentlich vergessen werden.

Es hätte also nur einen besseren Zeitppunkt für den Einsatz von Babak Rafati in einem Spiel des MSV Duisburg geben können. Dummer Weise schlägt die Niederlage mir dennoch ein wenig auf die Wochenanfangstimmung. Auch ich muss wieder lernen, damit umzugehen, dass der Blick zurück nicht ganz so freudig stimmt wie die Arbeit für die Zukunft.

Saisonauftaktauswärtssieg in der Habe-ich-ohnehin-vergessen-Arena

Diese Reiseunterbrechung auf dem Weg nach Berlin, gestern in Osnabrück, hat sich gelohnt. Wie anders war dieses erste von mir gesehene Spiel des MSV Duisburg in der Saison als in den letzten beiden Jahren. Nicht wegen des 3:1-Sieges im Gegensatz zu den Heimspiel-Unentschieden dieser Vergangenheit. Damals waren bei diesen  Unentschieden vom MSV Duisburg auch schon mit die besten Saisonleistungen gezeigt worden. Wir sahen damals gelingendes Zusammenspiel und ansprechende Spielzüge. Es reichte nicht für Siege. Dann mussten wir aber erleben, dass diese spielerische Qualität nicht gefestigt werden konnte, geschweige denn verbessert. Gestern haben wir mit Sicherheit noch nicht die beste Saisonleistung gesehen, und das wissen die Spieler auch. Was im Laufe der Saison bei der Entwicklung des Spielvermögens der Mannschaft eine ganz andere Dynamik möglich machen könnte.

Auch wenn der Sieg meinem Tipp entsprach, wirklich daran geglaubt hatte ich vorher nicht. Ich habe einfach bessere Laune, wenn ich vor dem Spiel Siege erwarte. Die erste halbe Stunde habe ich das Spiel ganz ausgeglichen gesehen im Gegensatz zum Journalisten des Sportinformationsdienstes, dessen Text sowohl die Rheinische Post als auch der Kicker aufgenommen haben. „Feldvorteile“ Osnabrücks stimmt meiner Meinung nach nicht. Nur in der Viertelstunde Spielzeit nach dem Ausgleich entstand bis zur Halbzeitpause der Eindruck, das Spiel des MSV Duisburg wäre aus dem Tritt geraten. Da klappte der Spielaufbau überhaupt nicht mehr. Vorher hatte man erkennen können, wie die Angriffe gedacht sind. Vollendet mit Torgefahr wurden sie meist noch nicht. Aber deutlich war das Potential zu erkennen im Zusammenspiel von Stefan Maierhofer und Srdjan Baljak und den jeweiligen Mitspielern, die über die Außenbahnen kommen.

Die Defensive steht schon gut, und gerade die Innenverteidigung mit Bruno Soares und Daniel Reiche wirkt abgeklärt und ruhig. Julian Koch ist tatsächlich eine große Verstärkung für die Mannschaft, auch wenn er gestern nicht fehlerlos gespielt hat und damit meine ich nicht, dass ihm der Ball unglücklich gegen die Hand sprang. Die Fehler passieren ihm im Spiel nach vorne. Wenn er den Ball an der Mittellinie verliert, werden bessere Mannschaften als der VfL Osnabrück daraus ihre Tore machen. Aber ich bin sicher, das wird sich mit mehr Erfahrung legen. Das muss man nämlich auch sagen, oft torgefährlich waren die Osnabrücker nicht.

Ivo Grlic, den „wertvollen Oldie“, werden wir in dieser Saison wahrscheinlich noch ein wenig öfter mehr als Spieler denn als Funktionär sehen. Ich sage mal Funktionär, denn die offizielle Bezeichnung habe ich vergessen. Zum Nachschlagen habe ich jetzt ebenso keine Zeit mehr wie zu weiteren Spielerkommentaren. Berlin wartet. Mehr auf meinen Sohn als auf mich. Gestern war es umgekehrt, da hat die Habe-ich-ohnehin-vergessen-Arena in Osnabrück mehr auf mich als auf ihn gewartet. Was mir immer mal wieder über die MSV-Tradition in meiner Familie zu denken gibt. Das aber ist eine längere Geschichte, die hier nichts zu suchen hat.

Der Umbruch bis ins Marketing hinein?

Gestern sprach ich ja schon nebenbei von der Psychologie eines Geschehens. Das lässt sich heute nahtlos fortsetzen. Marcel Herzog, Kevin Grund, Daniel Reiche, das sind drei Vertragsabschlüsse, die  an einem Tag verkündet werden. Das klingt gut, auch weil die Vertragsverhandlungen mit den einzelnen Spielern sehr unterschiedliche Voraussetzungen hatten. Marcel Herzog sprach sich am deutlichsten für den MSV Duisburg aus und kein anderer Verein war für die Öffentlichkeit im Gespräch. Das war bei Kevin Grund anders. Zwar war auch für ihn der MSV Duisburg erster Ansprechpartner, doch das Interesse von weiteren Vereinen wurde vertragsgesprächsbegleitend vermeldet. Von Daniel Reiche las ich nur einen Artikel über ein anfängliches Interesse des MSV Duisburg. Danach war nichts mehr zu lesen, wie es dort weiterging.

Drei Vertragsabschlüsse, die an einem Tag verkündet werden. Wie anders klingt das als die Meldungen von fehlgeschlagenen Vertragsabschlüssen vor der letzten Saison. Da geht es nicht um die zu erwartende Leistung der Spieler, sondern um die Stimmung, die sich im und um den Verein herum verfestigt. Es entsteht ein anderes Selbstbewusstsein im und um den Verein herum, wenn ein Spieler lieber beim MSV Duisburg bleibt als zu wechseln. Deshalb hat diese Meldung von drei Vertragsabschlüssen an einem Tag einen Wert über die reine Information hinaus. So eine Meldung schafft Stimmung.

Dazu passt die gestrige Pressemeldung vom Beginn des Dauerkartenverkaufs, die auch auf der MSV-Seite zu finden ist. Da hat sich jemand Gedanken gemacht, das lässt sich anerkennend feststellen. Nicht nur, dass ein Dauerkartenkauf bis zum ersten Heimspiel mit einer Verlosung von3 x 10 Logenkarten verbunden ist:

Dem Gewinner, wie bis zu neun weiteren MSV Fans seiner Wahl (Personen mit Stadionverbot ausgeschlossen), winkt der Besuch einer Loge, mit den damit verbundenen Vorteilen wie ausreichende Bewirtung vor und nach dem Spiel.

Diese Marketing-Aktion verbuche ich noch unter der Rubrik beliebiges Schrottschuss-Instrumentarium – ein Aktionismus, der in allen Branchen immer wieder gerne gezeigt wird, wenn „wir mal wieder was besonderes für unsere Kunden brauchen“. Es ist eine symbolische Geste für die Bestandskunden, die für Neukunden keine Relevanz hat. Ich jedenfalls kenne niemanden, den solch eine Verlosung in seiner Entscheidung für den Dauerkartenkauf beeinflusst. Dennoch halte ich solch eine symbolische Geste für notwendig!

Es muss nur etwas hinzukommen, und das geschieht in der nächsten Saison:

Neben den bereits bekannten Vorteilen beim Kauf einer Dauerkarte erhält jeder Dauerkartenkunde den exklusiven Schal „DAUERZEBRA“. Dieser Schal ist nicht käuflich zu erwerben, sondern wird nur an echte DAUERZEBRAS ausgegeben.

Ich hätte zwar ein anderes Wort gesucht, um die Dauerkartenkäufer zu benennen, doch halte ich diese Aktion für ein sehr gutes Vorhaben, das mehr als eine symbolische Geste ist. Der Dauerkartenkauf erhält auf diese Weise einen emotionalen Moment, der über die rein geschäftliche Transaktion hinaus geht. Darüber denken im Fußball der Gegenwart alle nach, wie passen das Geschäft und die Fußballwerte der Anhänger zusammen. Mit dem Schal, der sich nicht kaufen lässt, und der eine besondere Zugehörigkeit zum MSV Duisburg ausdrückt, gelingt diese so schwer herzustellende Einheit von Geschäft und Fußballwerten der Anhänger vorbildlich. Vielleicht wirkt sich der Umbruch der Mannschaft in allen Bereichen aus? Vielleicht deutet sich hier ein neuer Geist im Verein an? Die Finanzlage zwang zu einem Umbruch. Bislang war immer nur von der Mannschaft die Rede, vielleicht erleben wir den Umbruch nun auch auf anderen Ebenen des Vereins.

Allerdings muss ich auch noch erwähnen, all diese Zukunftsmusik wird nun angestimmt, obwohl es noch immer keine offizielle Bestätigung gibt, dass die Lizenz-Auflagen erfüllt wurden. Wir sehen, alles geschieht gleichzeitig und manches, was hinter den Kulissen geschehen ist, muss später nachgereicht werden, weil es Statuten und Regeln so vorschreiben. So will ich das mal deuten.


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