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7000 – Siebentausend!

Schon seit zwei, drei Wochen staune ich. Dieses Staunen ist ein angenehmes Gefühl, weil immer wieder neue Zahlen für eine Stimmung rund um den MSV Duisburg stehen. Ich freue mich über die offensichtlich gute Stimmung rund um den MSV Duisburg. Siebentausend Dauerkarten sind vier Wochen vor Saisonbeginn verkauft. Siebentausend Dauerkarten! Vier Wochen vor der Saison! In Duisburg! Für eine Saison in der Zweiten Liga!

Wir müssen ein Jahr zurückschauen, um diese Zahl einzuordnen und mein Staunen zu begreifen. Aber vielleicht staunt ihr ja auch? Vor einem Jahr konnte ich nicht nachvollziehen, warum der Dauerkartenverkauf in der Sommerpause eher schleppend voranging. Die Verkaufszahlen blieben unter meinen Erwartungen. Siebentausend Dauerkarten waren erst knapp nach Saisonbeginn verkauft. Damals schien es so, als hätte der Wiederaufstieg des MSV den Zuschauern keinerlei Vorfreude auf die nächste Saison gemacht.

Natürlich überlegten Freunde und ich, woran das gelegen haben könnte. Das manchmal zähe Spiel der Aufstiegssaison wurde als möglicher Grund immer wieder genannt. Wirklich nachvollziehbar war mir das nicht. Die Mannschaft hatte den Aufstieg unter schweren Bedingungen souverän geschafft. Im Grunde genommen war ich leicht resigniert und sah vor meinem geistigen Auge ein überkritisches MSV-Publikum zu Hause herummäkeln.

In diesem Jahr ist es anders. Diese siebentausend verkauften Dauerkarten vier Wochen vor der Saison sind bemerkenswert. Ob diese Verkaufszahl endlich das Vertrauen ausdrückt, das die Verantwortlichen beim MSV, ob in Verein oder dem Unternehmen MSV, für ihre Arbeit verdienen? Ist die Vorfreude gegenüber dem letzten Jahr größer, weil in Interviews ob mit Ingo Wald, Ivo Grlic oder Ilia Gruev immer wieder deutlich wird, wie bodenständig und seriös gedacht wird, wie Ziele realistisch formuliert werden und dabei der ganz große Erfolg dennoch weiter im Blick gehalten wird?

Ich möchte gerne an das Gute dieser Welt glauben, und es wäre schön, die Verkaufszahlen seien eine Art Belohnung für die seit dem Zwangsabstieg geleistete Arbeit beim MSV. Es wäre auch eine Belohnung für uns selbst, weil wir Anhänger immer wieder mit dazu beitragen, diese Stimmung stabil zu halten. Für wieviele Anhänger ich mit einem solchen Satz spreche, weiß ich nicht, wenn ich an den aufgekommenen Unmut während der Talfahrt nach dem Auswärtsspiel in Kiel denke. Es ist schon verblüffend. Der Saisonverlauf im letzten Jahr, rein bezogen auf den Erfolg, unterschied sich gegenüber der Aufstiegssaison nicht wesentlich. Dennoch fühlt es sich rund um den MSV besser an.

Nun gibt es vier weitere Wochen für die Anhänger des MSV, um durch den Kauf einer Dauerkarte die Saison für den MSV kalkulierbarer zu machen. Gute Voraussetzungen für sportlichen Erfolg, damit unsere gute Stimmung nicht getrübt wird.

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Ein Bild sagt etwas anderes als zwei Worte – Die Dauerkarten-Mailingaktion

Wo ich mir gestern ohnehin über die Veränderungen auf der Verwaltungsebene beim MSV Duisburg ein paar Gedanken gemacht habe, kann ich heute noch einen Hinweis anschließen, weil die Dauerkartenbesitzer Post erhalten haben. Da fische ich also ein Werbebrieflein aus dem Briefkasten und denke kurz, was tun denn „echte Zebras“ so in Irland?

Beim Umdrehen des Umschlags sehe  ich, der Fußballverein meines Vertrauens denkt an mich als Kunden. Diese Zebras sind also gemeint. Also öffnen, und sie tun es dann anscheinend doch nicht alle, denn da werden „echte Zebras“ aufgefordert: „Lasst uns Gras fressen!“.

Wir Fans sollen also mit diesem Aufruf bei einer unserer tiefsten Sehnsüchte gepackt werden. Aber warum sollen auch wir Fans Gras fressen? Als Zeichen unserer tiefen Verbundenheit mit dem Verein? Unsinn. Selbst damals im Wedaustadion wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Pionierpflanzen auf den Steintreppen herauszukratzen, um sie in den Mund zu nehmen. Im Beton der Arena-Stufen gibt es solche Pflanzen nicht mal mehr. Um das Gras fressen, darum können sich nur die Spieler kümmern, und wenn ich die Aufbauarbeit des Kaders beobachte, werden es die Spieler demnächst hoffentlich auch wieder tun.

Sicher, es wird keine Dauerkarte weniger verkauft wegen solcher Lappalien. Dieser Brief ist aber ein Symptom für die Qualität der Marketingarbeit des Vereins. Die Grundidee des Briefs hält nicht einmal für einen kurzen Moment dem Nachdenken stand. Sämtliche beabsichtigten Botschaften zur Identität des MSV Duisburg fallen in sich zusammen.

Denn der verpatzte Appell wird durch die bildhafte Aufnahme des Motivs „Gras fressen“ geradezu in sein Gegenteil verkehrt. Gras fressen. Etwa so friedlich und ungestört, wie es ein einzelnes (!) Zebra normalerweise tut.  Soll ich nochmals schreiben? In Irland? Aber vielleicht erkennt ihr ja auch andere Landstriche. Eins ist aber sicher, keine Fressfeinde sind vor Ort. Da lebt es sich ganz angenehm als Zebra in Irland. Ist vielleicht ein bisschen einsam und düster bei so einem heran ziehenden Dauerregen, aber dafür gibt es dann ja auch immer saftig-grünes Gras. Eine Wellnesserfahrung scheint dieses Gras Fressen für so ein Zebra zu sein.

Wahrscheinlich gibt es dafür sogar irgendein Marketing-Fachbegriff, wenn Bildaussagen Wortbedeutungen unterlaufen. „Gras fressen“ als fußballspezifischer, bildhafter Ausdruck für „sich anstrengen“ passt eben nicht zu einem realen Gras fressenden Zebra. Da müsste sich einer schon mal Gedanken über eine Pointe für das Zebrabild bei aufgeklapptem Umschlag gemacht haben.

Solche Verwirrung entsteht gerne, wenn man zu viele bildhafte Ausdrücke miteinander kombiniert. Wenn es nur um Sprache ginge, würden wir jetzt über Stilblüten und unfreiwillige Komik reden. Also, nicht, dass Sie diese Baustelle vergessen, Herr Kentsch, solche Marketing-Aktionen, meist in der Verantwortung von eigens beauftragten Agenturen, brauchen mehr fußballspezifische Kompetenz, so ist mein Eindruck. Schließlich ist mit den Aktionen rund um den Dauerkarten-Verkauf der richtige Weg bereits eingeschlagen.

Davon ab, ich kaufe mir natürlich eine Dauerkarte. Trotz der Mailingaktion.


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