Posts Tagged 'Dennis Grote'

Schon wieder diese anderen Zeiten

Soll ich einfach meine ersten Sätze wiederholen, die ich nach dem Spiel gegen den FSV Frankfurt geschrieben habe? In anderen Zeiten, in anderen Zeiten – dann kann ich auch gleich zum guten Erinnerungsonkel werden und mal wieder eine rundum schöne Geschichte von unserem Lieblingsverein erzählen. In anderen Zeiten wären wir über dieses 1:1-Unentschieden bei Eintracht Braunschweig ganz zufrieden gewesen. Wir hätten uns vielleicht noch über die letzten zehn bis 15 Minuten des Spiels geärgert, in denen zu wenig Spieler der Mannschaft den möglichen Sieg noch wollten. Aber so ein Unentschieden beim Tabellensechsten hätte vollauf genügt. Zumal dieses Unentschieden durch eine solide Leistung fast über das gesamte Spiel hinweg erreicht wurde. Im Moment fehlen an diesem einen Punkt aber schon wieder zwei weitere Punkte, und ich frage mich tatsächlich, ob mir nicht eine Niederlage viel lieber gewesen wäre – damit für mich endlich dieses 3-Watt-Spieltagshoffnungsaufglimmen endlich mal aufhört.

Bis zum Spieltagsmorgen plane ich momentan bereits den sofortigen Wiederaufstieg in der nächsten Saison. Am Spieltag selbst aber verwandel ich mich mit dem Aufwachen in einen Wenn-Dann-Spezialisten, der komplexe Bedingungsgefüge im Kopf erstellt, dabei  Variablen ändert und letztlich, die Welt macht, wie sie ihm gefällt. Falls in den Küstenstädten dieser Welt demnächst mal ein Klimaexperte für die gute Stimmung gebraucht wird, soll man sich mal vertrauensvoll an mich wenden. Irgendwie kriege ich das schon hin, dass der Meeresspiegel schon in den nächsten Jahren wahrscheinlich mehrere Dezimeter sinken wird.

Wir Zukunftsexperten können eben nichts dafür, dass manche Grundvariablen unserer Prognosen sich kontinuierlich anders entwickeln als es von ihrem Potential her möglich gewesen wäre. Der MSV Duisburg hätte dieses Auswärtsspiel gegen Eintracht Braunschweig tatsächlich gewinnen können, wenn die Mannschaft für eine kurze Zeit zum Spielende nur ein klein wenig besser besetzt gewesen wäre. Die Eintracht zeigte zwar die klarere Spielanlage und erarbeitete sich eine leichte optische Überlegenheit in der ersten Halbzeit, doch das beunruhigte mich kaum. Der MSV hielt recht souverän dagegen. Die Defensive stand meist gut. Nur wenige Chancen ergaben sich aus dem vermeintlich besseren Spiel der Eintracht. Unter kontinuierlichen Druck gerieten die Zebras gar nicht.

Immer wieder gelangen sogar Offensivaktionen, die allerdings öfter als bei der Eintracht vom Zufall abhingen und bei denen weniger der Spielaufbau aus der eigenen Hälfte heraus zählte, als der Kampf in der Hälfte des Gegners um den weit oder halbweit geschlagenen Ball. War der aber einmal erobert, ging es im schnellen Kombinationsspiel Richtung Eintracht-Strafraum. Stanislav Iljutcenko zeichnete sich bei diesen Kämpfen um die hohen Bälle immer wieder aus, so wie Giogio Chanturia den Pass danach oft in eine dynamische Offensivaktion umsetzen konnte. Alles in allem war es also ein offenes Spiel, in dem sich kurz vor dem Halbzeitpfiff sogar durch einen Schuss knapp außerhalb des Strafraums die Chance zur Führung ergeben hatte. Knapp ging der Ball am Tor vorbei.

Anfang der zweiten Halbzeit war das Spiel im vollkommenen Gleichgewicht. Einer Mannschaft mit besserer Spielanlange standen nun Zebras gegenüber, die noch selbstbewusster wirkten. Es schien so, als hätten die Spieler vollständig erfasst, dass die etwas begrenzteren Möglichkeiten des eigenen Spiels dennoch zum Torerfolg führen könnten. War es ein Steilpass auf Giorgio Chanturia am rechten Flügel in der 60. Minute? Ich weiß das nicht mehr, ich weiß nur noch, wie schon durch den Pass die Hoffnung auf das Tor vorhanden war, sie wieder schwand, weil sich die Braunschweiger Defensive in der Mitte formierte, während Chanturia genau dorthin zog und dennoch die Lücke fand, um den Führungstreffer zu erzielen. Was für ein Jubel. Die entscheidende Grundvariable meines Tabellengefüges hielt, was ich vor dem Spiel prognostizierte.

Unterstützung für meine Prognose hatte ich seit der Anfahrt über den Braunschweiger Bahnhof durch einen Hamburger MSV-Fan, einen gebürtigen Norddeutschen, der seit den 90ern vom MSV nicht loskommt. Er hatte vier seiner Kumpel dazu verdonnert, ihn auf die Auswärtsfahrt zu begleiten. Alle diese Kumpel waren eigentlich mit dem Herzen bei anderen Vereinen, aber für diesen Tag war ihnen der MSV nahe. So war der Jubel über das Tor in unserer kleinen Schicksalsgemeinschaft genauso groß wie die Enttäuschung über den Ausgleich, der eine Minute später fiel.

Ich sehe mir das Tor nicht im Bewegtbild an. Ich will nicht noch schlechtere Laune bekommen. Richtig habe ich dieses Tor hinter den schwenkenden Fahnen im Block nämlich nicht sehen können. Durch die wenigen klaren Blicke aufs Spielfeld weiß ich aber eins. Für dieses Tor musste sich der Gegner einmal mehr nicht sonderlich anstrengen. Manchmal schärft der Blick auf wenige Momente eines Geschehens die Wahrheit. Dieser Spielzug der Eintracht über den rechten Flügel kam mir vor wie in einem Trainingsspiel. Der Eintracht wurde es zu leicht gemacht. Das Spiel befand sich wieder im Gleichgewicht. Die Hoffnung auf den Sieg blieb.

Sie blieb, selbst als Zlatko Janjic für Tomané eingewechselt wurde. Ein unauffälliger Spieler kommt für den anderen. Die Hoffnung endete, als Dennis Grote in der 78. Minute für Giorgio Chanturia kam. Von dem Moment an war dem Spiel nach vorne jegliche Dynamik genommen. Zwei Spielszenen stehen dafür exemplarisch, der Ansatz eines Konters versandete schon durch den unpräzisen Pass auf den rechten Flügel, dem Dennis Grote hinterher-  tja, wie soll man sagen? – joggte. Ein Spieler, der kurz zuvor eingewechselt worden war, stand zwei, drei Meter näher am steil gespielten Ball als ein Defensivspieler, der die ganze Zeit auf dem Platz gestanden hatte, und dennoch erreichte der Defensivspieler den Ball eher als Dennis Grote. Ich war fassungslos.

In der anderen Szene werden die beiden Vorderspieler von der Restmannschaft allein gelassen. Wieder war steil gespielt worden, doch die Mannschaft rückte nicht mehr auf. Das gesamte Mittelfeld war unbesetzt geblieben. Das war ein klares Signal. Diese Mannschaft wollte nicht mehr auf Sieg spielen. Diese letzten zehn, fünfzehn Minuten mit der Nachspielzeit haben den Gesamteindruck des Spiels kaputt gemacht. Diese letzten Minuten führten zu dem Unmut im Block, zum Sarkasmus mit den Niederrheinpokal-Gesängen und den einzelnen Absteiger-Rufen, die die Mannschaft eigentlich nicht verdient hatte.

2016-03-06_ennatz_unscharfMir hat den Tag die Zufallsbegegnung mit den Hamburgern gerettet. Geteiltes Leid ist halbes Leid, und der Spaß unabhängig vom Fußball wirkt doppelt. Ennatz vor dem Spiel bei der Parkplatz-Suche getroffen zu haben, hätte für uns ein weiteres Trostpflaster sein können. Doch auch uns im Umfeld des MSV fehlt momentan manchmal die spielerische Qualität für den Erfolg. Weder habe ich die Technik meines Fotoapparats im Griff noch der Hamburger Jung die seines Smartphones. Wenigstens schaffte ich ein unscharfes Foto, das Selfie als Erinnerung an den Tag für Hamburg war trotz zweimaligen Auslösens vollkommen gescheitert. Wir alle beim MSV müssen an uns arbeiten, und das ein oder andere zukünftig auch ändern.

Wenn Durchhalteparolen Tagesgeschäft sind

Ist das Wort „rechnerisch“ schon gefallen? Ich habe mir die O-Töne nach dem Spiel noch nicht angesehen. Auch für Durchhalteparolen werden Ivo Grlic und Ilia Gruev bezahlt. Das ist auch gut so im professionellen Fußball. Irgendwer muss doch die Hoffnung in der Welt halten, dass der MSV Duisburg die Klasse hält. Das Klagen gibt es in unserem Fall völlig umsonst. Wobei – wenn Katar zur Handball-WM unlängst für supportende Fans bezahlte, vielleicht ist der Klagefan auch ein Geschäftsmodell?

Vor dem Spiel schon war meine Resthoffnung auf den den Klassenerhalt abhängig von der Aussicht auf ein kleines Wunder. So ein klitzekleines Heilungswunder hatte ich mir vorgestellt – für die Abschlusschwäche in der Offensive und für Abspielfehler im Spielaufbau. Nach der 2:1-Niederlage gegen Arminia Bielefeld wird das nicht reichen. Da muss noch so was wie der Wandel von Wasser zu Wein fußballgerecht adaptiert werden. Dazu ein wenig über Wasser laufen und die volle Kraft der Rettungswunder. Wahrscheinlich können wir sogar auf die Totenerweckungen nicht verzichten.

Mir persönlich fehlt momentan der Glaube an diese Dinge, aber, wie gesagt, beim MSV Duisburg gibt es ja Menschen, die extra für solch einen Glauben bezahlt werden. Was das Spiel gestern angeht, will ich es kurz machen. Durch einen soliden, selbstbewussten Spielbeginn gelang dem MSV die 1:0-Führung. Das Tor war schön herausgespielt. Thomas Bröker erzielte es nach einer sanften Kopfballvorlage von Zlatko Janjic. Endlich einmal wieder passten Janjics Kopfball-Möglichkeiten zur Spielsituation.

Bezeichnenderweise fiel der Ausgleich nach einem Konterversuch des MSV. Bezeichnenderweise leitete Dennis Grote mit einem Ballverlust nach halbherzig wirkenden Einsatz den Bielefelder Gegenangriff ein. Es blieb nicht sein letzter haarsträubender Fehler. Bezeichnenderweise wirkte es auf mich erst so, als bekomme die Defensive gerade noch einmal den Bielefelder Angriff in den Griff. Doch Fabian Klos blieb zentral vor dem Tor am Ball gegen aufgeregte Defensivspieler, die sich vor ihm zusammenfanden und ihn weder vom Ball trennen konnten, noch den Schuss verhindern. Der Ausgleich war nicht zwingend.

Die Bielefelder legten sofort nach und bauten Druck auf. Fehlpässe des MSV, die versprungenen Ballannahmen, die zuvor ohne Folgen geblieben waren, nahm die Arminia nun dankbar, um selbst gefährlich zu werden. Die 2:1-Führung folgte schnell, und wieder einmal in dieser Saison konnte ich mir nicht vorstellen, wie dieser Mannschaft des MSV ein Ausgleich ohne zusätzliches Glück gelingen könnte.

Einmal mehr bemühten sich die Spieler und kämpften. Durch die Passungenauigkeit machten sie sich ihr Leben schwer. Auch wenn sich die Zebras im Verlauf der zweiten Halbzeit eine optische Überlegenheit erspielten, es fehlte der Zug zum Tor. Es fehlte die Präzision schon bei unbedrängten Pässen, geschweige denn bei solchen unter Druck. Je näher die Mannschaft dem Bielefelder Tor kam, desto zufälliger wirkte das Mannschaftsspiel. Ein Freistoß an der Strafraumgrenze wurde zur größten Ausgleichschance. Zlatko Janjic schoss knapp über das Tor.

Interessant wäre es zu wissen, warum Ilia Gruev erst sehr spät wechselte. Sicher, der Druck des MSV nahm kontinuierlich zu, aber hätte dieser Druck nicht noch größer werden können, wenn etwa Abspielfehler von Dennis Grote durch seine Auswechslung vermieden worden wären? Die Frage stelle ich wertfrei in den Raum, einfach aus Interesse.

Schlusspfiff. Niederlage. Jeder kann jeden schlagen in der 2. Liga, so sagen die Trainer gerne alle. Dieses Trainer-„Kann“ ist im Duisburger Sprachraum ein Spezialmodus des Verbs geworden. Wir Linguisten erkennen hier den sogenannten Duisburger Irrealis, eine Verbform, die das Unmögliche als Gegenwart des Möglichen formuliert.

Ohne Tore kann der Beste nicht gewinnen

Eine Szene kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich an das Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Bochum denke. Sie kommt mir in den Sinn, während ich Mühe habe, ein paar Worte über dieses torlose Unentschieden gestern zu schreiben.

Erschöpfend war die Enttäuschung, das eine wichtige Tor vom MSV nicht gesehen zu haben. Erschöpfend bis heute morgen, und vielleicht sehe ich wegen dieser Enttäuschung James Holland immer wieder so lebendig vor mir, wie er zum Kopfball hochspringt, vollendet in der Bewegung, perfekt im Timing. Besser lässt sich ein Ball nicht treffen. Mit aller Kraft köpfte er, allerdings stand er vor dem eigenen Tor. Er klärte eine Flanke und köpfte knapp übers Eck. Wie oft sieht man einen verteidigenden Spieler vor dem eigenen Tor in solch einer Weise, die an das Offensivspiel der eigenen Mannschaft erinnert? Irgendwie scheint mir diese Szene sinnbildhaft für das Spiel zu sein.

Warum das so ist, weiß ich gerade nicht. Auf der Hand liegt das nicht. Wahrscheinlich kommt mir verrätseltes literarisches Schreiben in die Quere. Ich sage ja, ich bin zu erschöpft. Da gerät das Handwerkszeug schon mal durcheinander. Es fällt mir nicht leicht zu akzeptieren, dass eine gute Leistung des MSV nicht zum Sieg gereicht hat. Die Mannschaft hatte das Spiel im Griff. Sie begann stark und ließ den Bochumern keinen Raum für das eigene Spiel. Wie lange dauerte es, bis der VfL in den Anfangsminuten überhaupt einmal über die Mittellinie kam? Das war ein Zeichen. Allerdings kam der MSV bei diesem größeren Ballbesitz in dieser ersten Halbzeit dem Bochumer Tor kaum nahe, hingegen wir zweimal bei großem Tohuwabohu im Strafraum Angst hatten, den Bochumern könnte eine Zufallstreffer gelingen. Dem war nicht so, weil jeder Spieler des MSV sich mit großer Entschlossenheit dem Ball in diesen kurzen Szenen, ob bei Pass, Dribbling oder Schussversuch entgegenwarf. An der Stelle lässt sich nicht mehr verlangen. Die Spieler wollten den Sieg. Sie wollten ihn mit ganzem Herzen. Jeder in der Mannschaft.

Dennis Grote hat ja zu alten spielerischen Qualitäten zurückgefunden und war eine der Stützen dieses Spiels. Der ebenfalls stark spielende Tim Albutat hingegen hat sich auf ein Niveau entwickelt, das wir in Duisburg von ihm noch nicht kannten. Wie er gestern auch unter Druck in der Vorwärtsbewegung den Ball immer behauptete und den Anschlusspass noch sicher nach vorne an den Mann brachte, das machte Freude. Überhaupt wirkten alle Spieler wieder gefestigt und selbstbewusst. Ballsicherheit war zurückgekehrt. Ballsicherheit! Dass ich dieses Wort wieder schreiben kann. Eigentlich gab es die Grundlagen für starken Beifall. Wenn nur nicht die Abschlussschwäche gewesen wäre.

Nach der Halbzeitpause war das Spiel sofort offener. Beide Mannschaften versuchten entschiedener in den Strafraum zu dringen. Erneut gelang es dem MSV das Spiel in die Hand zu bekommen, und die Mannschaft schaffte es zu Abschlüssen. Wo zu Beginn der Saison der Gegner ohne Torwart hätte spielen können, musste VfL-Torhüter Manuel Riemann den Ball tatsächlich auch immer wieder aufnehmen. Allerdings hätte auch dessen Vorgänger im Tor, der suspendierte Andreas Luthe, keine Probleme bekommen. Die Torschüssse blieben zu harmlos. Der MSV erspielte sich nun Chancen, von denen die Offensivspieler einer besser platzierten Mannschaft doch sehr wahrscheinlich eine genutzt hätten. Wahrscheinlich ist das der Grund für meine wiederkehrende Erinnerung an die Szene mit James Holland, ein Sinnbild für das Unmögliche im Spiel des MSV gegen den VfL Bochum, ein eigenes Tor zu erzielen.

Wie gehen wir mit einer guten Leistung um, die ohne Sieg bleibt? Wie gehen wir mit einem torlosen Unentschieden um, wenn drei Punkte das Ziel gewesen sind? Rein rechnerisch wird die Chance auf den Relegationsplatz immer kleiner. Die Leistung der Mannschaft kann aber weiter Hoffnung machen. Einmal mehr heißt es, immer weiter, immer weiter. Die Stimme, mit der ich das sage, klingt allerdings noch ziemlich müde.

Die Flöhe husten hören

Als ich mir gerade die ersten Minuten des Vorberichts zum Spiel vom MSV Duisburg gegen den VfL Bochum angesehen habe, bin ich nervös geworden. „Warum ist es wichtig zum Jahresabschluss zu punkten?“, lautet die Eingangsfrage, die sich eigentlich nicht stellt, wenn ich an den Klassenerhalt denke.

Entsprechend antwortet Ilia Gruev auch so, als gebe es das Thema Klassenerhalt nicht. Nicht mehr? Wahrscheinlich höre ich die Flöhe husten, weil ich selbst inzwischen vor jedem Spiel zu nervös bin.

Vielleicht entlastet der Verweis auf einen guten Jahresabschluss,  auf Derby-Charakter und die Normalität, die sich darin zeigt, ja sogar die Mannschaft. Vielleicht ist diese Haltung notwendig im Denken von Spiel zu Spiel angesichts der Tabellensituation. Aber wenn die Frage schon in dieser Normalität formuliert wird, oh je. Dann muss ich doch tief durchatmen und sehr, sehr hoffen, dass die Begründung für die Wichtigkeit des Spiels nicht den letzten Rest Glauben an den Klassenerhalt untergräbt.

Denn auch wenn Dennis Grote auf die nächste Frage, was sich die Mannschaft vorgenommen habe, antwortet, für die Fans mit einem Sieg einen „versöhnlichem Jahresabschluss“ zu schaffen, dann lindert das nicht meine Nervosität. Schon wieder ein hustender Floh, aus dessen Husten ich heraushöre, sich abfinden mit dem Schicksal.

Aber wahrscheinlich sollte ich mich auch nur noch aufs Spiel konzentrieren. Ich spüre den Druck, gewinnen zu müssen vor jedem Spieltag. Wahrscheinlich werde ich deshalb hypersensibel. Auch keine gute Idee, um den Druck zu verteilen.

Hoffnung macht mir allerdings die Pressekonferenz des VfL Bochum. Wenn die Mannschaft des Vereins ebenso zäh spielt, wie die Pressekonferenz wirkt, gibt es eine klare Siegchance. Mit Geduld, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen sollte was drin sein am Sonntag für den MSV.

 

 

Gegen Nürberg schwächeln der dreizehnte und vierzehnte Mann

Wie schön kann die Zukunft sein, wenn alles noch möglich scheint. Als Superhelden des eigenen Schicksals lassen wir uns beim Denken ans Morgen keine Wünsche offen. Manchmal rückt dann dieses Morgen näher und mit jedem vergehenden Tag wird uns Superhelden etwas mehr Vorstellungskraft geraubt. Mit jedem neuen Tag schrumpfen die Möglichkeiten, wie diese Zukunft gut aussehen kann, und irgendwann sind wir Superhelden auf einmal ganz normale Allerweltsmenschen, die ganz verzweifelt mit den Armen wedeln, um superheldenmäßig abzuheben. Gut, dass uns das zumindest dabei hilft, die Balance zu halten und nicht vollends auf die Schnauze zu fallen.

Am Samstag bekam ich Superheld des mit dem MSV verbundenen Schicksals entsetzliche Schulterschmerzen, so heftig hatte ich die Arme auf- und niederwerfen müssen. Der MSV Duisburg und der 1. FC Nürnberg hatten gerade 0:0 gespielt, und ich wollte mich mit dem gefühlten Wissen des höchstwahrscheinlichen Abstiegs nicht abfinden. Ich wollte meine letzte Hoffnung lebendig halten. Vielleicht wollte ich auch einfach nur nicht hinfallen. Ein Spiel war zu Ende gegangen, in dem der MSV nicht nur uns Zuschauer als zwölften Mann gebraucht hat. Für den MSV hätten zwei weitere Spieler auf dem Platz gute Leistungen zeigen müssen: Zufall und Glück. Beide Spieler blieben blass und unauffälig,

Ist es tatsächlich so, dass diese Mannschaft nur dann defensiv sicher spielen kann, wenn sie ihre Offensivbemühungen zum Zufallsprodukt macht? Doch selbst wenn eine der wenigen Torchancen dann auftauchte, ergab sich keine wirkliche Torgefahr. Kein einziger Schuss der Duisburger Spieler zwang den Torhüter der Nürnberger, Sascha Kirschstein, zum Eingreifen. Nicht Kevin Wolze war für mich die – laut Reviersport-Schlagzeile – „tragisches Figur“ dieses Spiels, als er, freistehend, in der letzten Spielsituation den von rechts geschlagenen Ball aus sechs, sieben Metern volley nahm und über das Tor donnerte.

Giorgi Chanturia hatte in der ersten Halbzeit die sehr viel größere Chance nach sehr guter Vorarbeit von Dennis Grote. Der hatte an der Mittellinie den Ball erkämpft, nahm auf halblinks Fahrt auf Richung Tor, zog an der Strafraumgrenze nach innen, setzte sich dabei gegen zwei Nürnberger durch und legte dann auf den nachrückenden Chanturia ab. Er hatte freie Bahn zum Tor. Er hatte diesen Pass erwarten können. Der Schuss war technisch einfacher zu bewältigen gewesen als der von Kevin Wolze. Und doch schoss er am Tor vorbei. Wie Onuegbu im Heidenheim-Spiel nahm er den falschen Fuss zum Schuss.

Doch solch eine Chance ergab sich eben nicht aus einem kontinuierlichen Offensivspiel des MSV. Die Spieler des MSV erobern die Bälle und wissen dann nicht, wie es weiter gehen kann. Der Ball führende Spieler der Mannschaft ist fast immer auf sich allein gestellt. Er findet keine Anspielstationen. Es sieht nicht so aus, als hätten die Spieler Vertrauen in Laufwege ihrer Mitspieler. Sie wirken hilflos. Also, ab nach vorne mit dem Ball, das ist wenigstens weit weg vom eigenen Tor, und vielleicht wollen sich ja Glück und Zufall endlich auch mal beweisen.

Ist es tatsächlich so, dass diese Mannschaft nur mit den langen Bällen das Mittelfeld überbrücken kann, weil Spieler wie De Witt und Janjic oder auch Obinna nicht spielen können? Ist es möglich, ohne ballsicheren Spieler im offensiven Mittelfeld eine andere Taktik als Hoch und Weit für die Offensive zu wählen? Andererseits passte die Startaufstellung nicht zu dieser Spielweise. War also auch die Aufstellung von Stanislav Illjutczenko in der Sturmmitte ein Kompromiss, den Gino Lettieri eingehen musste? Was waren die Gründe dafür, ihn statt Onuegbu zu bringen? Illjutcenkos Spiel ist doch nicht die Ballbehauptung, wenn hoch und weit gespielt wird. Stark wirkt er in der Bewegung, nicht im statischen Spiel beim Ballhalten und Verteilen. Seine Aufstellung ist eine Trainerentscheidung, die begründet werden müsste in einer Situation, in der das Vertrauen in Gino Lettieri immer weiter abnimmt.

In der zweiten Halbzeit erwartete ich ab der 70. Minute das Siegtor der Nürnberger. Glück und Zufall hatten für die Offensive anscheinend keine Kraft mehr. Zumindest Glück half kurz vor Ende bei einem Kopfballversuch der Nürnberger in der Defensive mit aus. Offensiv passierte beim MSV mit Ausnahme der Nachspielzeit nichts mehr. In dieser Nachspielzeit wirkte es aber auf einmal so, als hätte die Mannschaft mitbekommen, dass sie auf jeden Fall ohne Glück und Zufall dieses Spiel gewinnen muss. Plötzlich wirkten zwei Angriffszüge unter diesem Druck des nahenden Schlusspfiffes planvoll. Das war zu spät. Der Einsatz, den diese Spieler des MSV in jedem Spiel zeigen, blieb ein vergebliches Mühen. Das ist die bittere Erkenntnis, so sehr sich die Mannschaft auch anstrengt, es reicht nicht für den Sieg.

Begleitet wird diese Erkenntnis von großen Sorgen, auf die der MSV mit seiner Spielweise keinen Einfluss hat. Momentan sieht es nicht so aus, als ob viele Mannschaften vor den Abstiegsrängen gewillt sind, mit einer der drei unten stehenden Mannschaften zu tauschen. Abstiegszone! Wie sehr wünsche ich mir, dass so eine Zone überhaupt erst einmal entsteht, ein Zönchen reichte mir sogar schon bis zur Winterpause. Damit wir beim Denken an den Relegationsplatz alle wieder Superhelden unseres mit dem MSV verbundenen Schicksals werden können. Wir Zuschauer und vor allem die Spieler.

Kaum mehr Spielraum für solche Niederlagen

Wenn eine Mannschaft am Ende der Tabelle steht, wird sie im Verlaufe der Saison klare Niederlagen hinnehmen müssen. Das ist normal. Das sind die Niederlagen, die einzukalkulieren sind, im Kampf gegen den Abstieg. Außerdem wird es knappe Niederlagen geben, allerdings auch das in Spielen, in denen eine Mannschaft sich nur bei einem äußerst günstigen Verlauf etwas ausrechnen kann. Auch solche Niederlagen sind einkalkuliert.

Schließlich aber gibt es die unnötigen Niederlagen, jene Spiele, in deren Verlauf die Mannschaft das Gefühl bekommt, sie könne am Ende erfolgreich sein. Spiele, in denen jeder einzelne Spieler an Grenzen geht und die dennoch verloren werden. Viele solcher Spiele darf sich eine Mannschaft am Tabellenende nicht erlauben. Das sind die Spiele, die zumindest mit einem Punktgewinn beendet werden müssten. Viele Möglichkeiten erfolgreich zu sein erhält eine Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg nämlich nicht. Und nicht zuletzt wird es für die Spieler immer schwieriger an sich zu glauben, wenn sie, wie gesagt, vor allem in ihren einzeln genommen Leistungen, alles geben. Wenn selbst das nicht reicht, um erfolgreich zu sein, wie schnell schwindet dann das Selbstbewusstsein?

Beim 1. FC Heidenheim gab es solch eine unnötige Niederlage. In der 83. Minute fiel das einzige Tor es Spiels. Tim Skarke erzielte es für den Gastgeber. Sicher ließe sich einwenden, der MSV Duisburg hat von Glück reden können, etwa die ersten 20 Minuten ohne Gegentor geblieben zu sein, doch danach hatte die Mannschaft das Spiel beruhigen können. Das Tempo des Heidenheimer Offensivspiels hatte sich verflüchtigt, und beide Mannschaften zeigten viel Einsatz, aber kaum mehr klare Aktionen, die in Tornähe führten. Nach der Halbzeitpause brachte der MSV  den 1. FC Heidenheim sogar in Bedrängnis. Die Zebras übernahmen ab ungefähr der 50. Minute für etwa 25 Minuten die Kontrolle des Spiels. Der Gastgeber geriet in die Defensive und kam nur noch vereinzelt vor das Tor des MSV.

Stattdessen drängten die Zebras Richtung Heidenheimer Tor. Dennis Grote hatte zwei große Torchancen. Die eine erarbeitete er sich selbst, indem er einem Heidenheimer Defensivspieler den Ball kurz vor dem Strafraum abjagte. Alleine lief er auf den Torwart zu, der im eins gegen eins erfolgreich blieb und den Schuss neben den Pfosten lenken konnte. Die zweite große Chance ergab sich nach einer Flanke. Oder war es gar eine Ecke? Ich weiß es nicht mehr. Freistehend im Elfmeterraum nahm er den Ball nicht direkt. Schon war die Chance dahin. Kingsley Onuegbu versuchte nach einem langen Ball in den Fünfmeterraum auf links den Abschluss mit rechts, was bei der Geschwindigkeit keine Ballkontrolle ergab. Auch diese große Chance mit einem Schuss links neben den Pfosten vergeben.

Wenn eine Mannschaft mit unterlegener Spielanlage solche Chancen nicht in Tore verwandelt, droht immer das Gegentor des Gegners mit den besseren spielerischen Möglichkeiten. Der 1. FC Heidenheim war grundsätzlich schneller in allen seinen Aktionen. Es wirkte so, als stände die Mannschaft des MSV vor dem Problem für eine vorsichtige, kontrollierte Spielweise zu wenig spielerische Möglichkeiten der Einzelspieler zu besitzen. So wurde aus Ballkontrolle in der ersten Halbzeit zu oft langsame Wirkungslosigkeit. In der zweiten Halbzeit war das anders.

Außerdem kam die Wirkungslosigkeit des MSV bei Standardsituationen hinzu. Auf Freistöße und Eckbälle der Zebras durften sich die Heidenheimer Anhänger freuen, weil die Wahrscheinlichkeit für eine gute Kontersituation groß wurde. Da aber die Mannschaft des MSV inzwischen anscheinend um diese Standardschwäche weiß, war sie auf diese unweigerlich entstehenden Heidenheimer Angriffe gleichfalls gut eingerichtet. Die Konter führten nicht zu Torgefahr.

Die verschiedenen Spielphasen machen es schwierig, die Leistung der Mannschaft einheitlich zu bewerten. Das Tor zur Niederlage bestimmt die Perspektive. Dieses Tor macht sowohl die guten offensiven Ansätze der zweiten Halbzeit vergessen wie auch die Coolness und Stabilität, die im Zentrum der Defensive über weite Strecken des Spiels geherrscht hat. Eines gilt aber mit Sicherheit, wenn der MSV Duisburg in der 2. Liga bleiben will, darf ein Spiel mit solchem Verlauf in Zukunft nicht mehr verloren werden.

Dem Vorbild des erfolgreichen Crowdfundings ist der MSV also nicht gefolgt. Dieses Zwischentief des Vereins unserer Zuneigung soll niemanden davon abhalten, bis 23.59 Uhr mein geplantes Buch über die letzten zwei Jahre des MSV bei startnext vorzubestellen oder ein anderes der dortigen Angebot zu buchen. Jede zusätzliche Einnahme hillft beim Entstehen eines zweiten Buches. Alles Geld über die 8000 Euro hinaus bildet den Grundstock für das „Fangedächtnis des MSV Duisburg“ , eine Art Oral History, also eine erzählte Geschichte des Pottalltags rund um den MSV.

Saisonabschluss Teil 2 – Das Heimspiel mit der langen Anreise

Leicht fällt 2015-05_einlaufes, von anderen etwas zu fordern, was einem selbst schwer von der Hand geht. Noch einmal etwas Gutes schaffen, wenn das eigentliche Ziel schon erreicht ist, ist ein Beispiel dafür. Die einen sollten Fußball spielen und gewinnen, was nur teilweise gelang. Nun will ich noch schreiben über diese Auswärtsniederlage, die wenig Gewicht hat, bei all der Freude über den Aufstieg. Es geht um Konzentration, um eine Aufgabe gut zu erledigen, deren Bedeutung sich bei genauem Hinsehen auflöst.

Die innere Einstellung lässt sich nicht leicht so hinbiegen, wie man sie haben will, so sehr wir uns alle anstrengen – die Fußballer des MSV Duisburg und ich. Das Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden war ein Heimspiel mit langer Anreise. Von 9000 Zuschauern im Stadion kamen 8000, um den Aufsteiger MSV Duisburg zu feiern. Blau-weiß war nicht nur der Gästeblock hinter dem Tor, auch die Geraden, die eine zur Hälfte und die andere komplett, gehörten dem MSV Duisburg. Die Stimmung auf den Rängen war ausgelassen. Sie wurde befeuert durch Spieler in Aufstiegslaune, die mit mehr blau als blauweiß gefärbten Haaren zum Aufwärmen aufliefen. Nur die Bärte von Zlatko Janjic und Sascha Dum kamen farblich perfekt in weiß und blau zur Geltung. Ich wollte mich überraschen lassen, welche Auswirkungen das Feiern zu Beginn der Woche auf das Spiel haben würde.

2015-05_janjicNachteile im Fernduell mit Armina Bielefeld um die Meisterschaft waren nicht zu erwarten, feierten beide Mannschaften doch auf Mallorca sogar gemeinsam den fest stehenden Aufstieg. Doch als ich die Mannschaftsaufstellung sah, vermutete ich bestimmt nicht als einziger, mit dieser bis auf Branimir Bajic neu zusammengestellten Defensive würde ein Tor für einen Sieg nicht reichen. Außerdem erwartete ich ohne Martin Dausch wenig Dynamik beim Spiel nach vorne. Deshalb überraschte mich, wie druckvoll der MSV  die ersten zehn Minuten des Spiels anging. Die Mannschaft verkörpert inzwischen in jeder Besetzung den Geist des Aufstiegs. Wer so auftritt, weiß um die eigene Stärke. Nach vorne ging es schnell. Der Ball sollte rein in dieses Tor vom SV Wehen Wiesbaden. Die Wiesbadener Offensivversuche waren mit einer Ausnahme kurz nach Spielbeginn souverän unterbunden worden.

2015-05_bajicDu warst zu vorschnell, das sieht gut aus“,  so was Ähnliches ging mir durch den Kopf, als etwa in der zehnten Minute ein langer Wiesbadener Ball erneut abgefangen wurde. Halbherzig liefen die Wiesbadener die Duisburger Defensivspieler an, und gerade holte Christopher Schorch aus, um den Ball nach vorne zu schlagen. Stattdessen aber spielte er ihn punktgenau als etwas schwierig zu kontrollierenden Pass auf einen Wiesbadener Mittelfeldspieler. Besser hätten viele Stürmer als klassische Wandspieler den Konter auch nicht eingeleitet. Ich weiß nicht mehr, ob der Wiesbadener Spieler selbst am Flügel entlang marschierte oder einen Mitspieler schickte. Bilderbuchmäßig, sagt der Sportreporter gerne, wenn er von solch einem Konter spricht. Die Flanke kam, und weil Christopher Schorch den Wiesbadener Spieler im Sturmzentrum gut begleitete, übernahm er für ihn höflicherweise den Torschuss. Gelungenes Dreiecksspiel. Es stand 1:0, und ich merkte, ganz so egal war mir das Ergebnis doch nicht.

Ich kann dagegen nichts machen. Egal in welcher Sportart bei welchem Wettbewerb ich gerade unterwegs bin, egal ob ich selbst aktiv bin oder ob ich nur zuschaue, ich will, dass „meine“ Mannschaft gewinnt. Ich beginne mich zu ärgern, wenn Pässe nicht ankommen. Mich beschleicht Missmut, wenn ein Torschuss wieder daneben geht. Ich begann um meine Aufstiegsparty-Stimmung zu kämpfen. Dabei kam es mir zugute, dass neben mir zufällig ein alter Schulfreund saß. Vor dem Spiel gegen Kiel sind wir uns das erste Mal nach mehr als  30 Jahren über den Weg gelaufen, beim Auswärtsspiel gegen Wiesbaden schon wieder. Ein Zufall, der viel über die Zeit seit der Lizenzverweigerung erzählt. Denn im Netz tauschten wir uns schon seit dem Sommer 2013 wieder aus. So viele Anhänger des MSV Duisburg haben sich in den letzten zwei Jahren näher kennen gelernt, sind sich nach langer Zeit wieder begegnet und sind durch den Fußball beim MSV Duisburg in einem Kontakt, der über den Fußball hinaus wirkt.

2015-05_nach_1Mit der Führung der Wiesbadener verlor das Spiel des MSV Duisburg den kontinuierlichen Druck. Es gab noch zwei, drei Chancen zum Ausgleich. Die größte Chance in der ersten Halbzeit vergab Zlatko Janjic, der schön frei gespielt, halblinks alleine aufs Wiesbadener Tor zulief und sich anscheinend nicht recht entscheiden konnte, ob er schlenzen oder hart schießen sollte. Die Mischung macht´s, heißt es ja gern; in dem Fall machte sie es dem Torwart einfach, den Schuss zu halten.

2015-05_nach_2Die Chancen der Wiesbadener waren klarer, und nach meinem Gefühl waren es auch mehr. Gezählt habe ich sie nicht, und Gefühle können trügen. Sicher bin ich mir aber, dass sich zu Beginn der zweiten Halbzeit an meiner kaum vorhandenen Zuversicht auf den Ausgleichstreffer nichts änderte. Erst als als um die 55. Minute herum Kevin Scheidhauer, Martin Dausch und etwas später Michael Gardawski eingewechselt wurden, entwickelte die Mannschaft noch einmal Zug zum Wiesbadener Tor. Die klare Chance gab es nicht mehr. Kevin Scheidhauer verzog einen recht offenen Schuss  an der Strafraumgrenze. Das war es aber auch.

2015-05_nach_3Die Spieler hatten sich ohne Zweifel angestrengt. Während des Spiels war zu sehen, wie sie sich ärgerten über vergebene Chancen, über Fehler im Zusammenspiel, über slapstickartiges Zusammenprallen, wenn sie sich gegenseitig in den Weg liefen. Dann war die Pflicht erfüllt. Das letzte Spiel der Saison endete mit einer 1:0-Niederlage. An der guten Stimmung auf den Rängen hatte der Rückstand ohnehin nichts geändert. Das Spielfeld war in kurzer Zeit ins Blau der Aufstiegsshirts und in das Blau-Weiß von Schals und Trikots getaucht. Begeisterung gab es letzte Woche. Dieses Mal sah es mehr nach Spaß und Freude aus.

Noch einmal stieg die Mannschaft auf die Tribüne und feierte gemeinsam mit all denen, die ihren Platz auf dem Spielfeld eingenommen hatten. Noch einmal wurde versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten, indem die Anhänger der Zebras zurück auf ihre Plätze gebeten wurden. Noch einmal war das ein vergebliches Unterfangen. Und dieses Mal wurde gemeinsam gefeiert – ein Bild, das wir auch letzte Woche in Duisburg gern gesehen hätten. 2015-05_nach_4Die Wiesbadener Anhänger brauchten den Schutz der Polizeikette nicht. Wer immer auch vor den Wiesbadener Block lief, wollte ein Zeichen setzen – am Ende einer Saison sind wir alle eins, Menschen mit Spaß am Fußball und mit Einsatz für ihren Verein.

In Worten, Bild und Ton – Der MSV ist wieder da

auto_aufstiegVerdrängen oder intensiv bearbeiten – zwei Möglichkeiten, die das Leben bietet, um mit belastenden Erfahrungen umzugehen. Dabei hat das Verdängen nicht den besten Ruf bei den Lebenshilfe-Profis. Doch seitdem am Samstag das Spiel des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel abgepfiffen wurde, arbeitet in mir anscheinend einiges daran, die Vergangenheit zu verdrängen. Anscheinend möchte ich mit einem Schlag jeden Fußball der 3. Liga vergesssen. Vielleicht habe ich auch mit dem Schreiben hier in den letzten zwei Jahren  genug bearbeitet von dem, was die Meldung vom Zwangsabstieg und dessen Folgen uns an unangenehmen Gefühlen bereitet hat. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, seitdem mit dem 3:1-Sieg des MSV der Aufstieg der Mannschaft in die Zweite Liga feststeht, fällt es mir schwer, mich an etwas anderes als an Jubeln und Begeisterung zu erinnern, geschweige denn dass ich über etwas anderes schreiben möchte. Denn dieses Schreiben hieße die Vergangenheit der 3. Liga noch einmal zum Leben erwecken.

Ich sehe einen leeren Rasen im ausverkauften Stadion. Das Spiel findet auf den Rängen statt. Dreimal wissen wir alle nicht wohin mit unserer Freude. Schemenhaft tauchen in diesen Momenten sogar blauweiß gestreifte Fußballspieler auf, die mitjubeln. Die erzielten Tore sind uns so selbstverständlich wie das Atmen. Auch darüber verlieren wir nur selten Worte. Dann wieder sehe ich sofort den Strom der Menschen auf das Spielfeld nach dem Abpfiff. Ich sehe irrwitziges Mienenspiel, ungelenkes Hüpfen und glücksvergessenes Tanzen. Ich höre unverständliches Stammeln und gegrölte Sätze, die Liedtexte sein sollen. Ich sehe Umarmungen, gezückte Handys, die ununterbrochen mitfilmen und mitfotografieren, was gerade geschieht. Sie nehmen Jauchzen und Schreien auf, komische Laute, die pures Glück sind. Raus, raus, raus, immerzu nur raus mit diesen ganzen überschwänglichen Gefühlen. Raus mit diesem Glück. Der MSV Duisburg ist der Grund. Der MSV ist wieder da, von der Elbe bis zur Isar, 2. Liga, wunderbar.

geschaeft_geschlossenAll das ist die Gegenwart meines Erinnerns. Alles andere ist in dieser Gegenwart schon die Vergangenheit der 3. Liga. Unwichtig geworden. Durchgangsstation. Allenfalls möchte mich ich noch an die erwartungsvolle Stimmung vor dem Spiel erinnern. In der Stadt machte sich wie im Juni 2013 die Bedeutung des Vereins bemerkbar. Nach zwei Jahren geschah das unter ganz anderen Vorzeichen. Wieviel Arbeit auf allen Ebenen steckte dahinter. Welche anders gelagerte Hoffnung konnte sich an diesem Tag zeigen. So früh waren die meisten von uns am Stadion. So früh waren die Stehplätze voll. So laut wie schon lange nicht mehr in diesem Stadion walzte ein Lied schon eine Stunde vor dem Anpfiff über den Rasen: „Werdet zur Legende, kämpfen ohne Ende für die Zweite Liga. EM – ES – VAU!“

Vielleicht ist dieses Fußballspiel aber auch verblasst, weil ich mir des Sieges so sicher war. Wenn ich vom Spiel sprach, erwahnte ich der Pflicht halber noch das Unentschieden als mögliches Ergebnis, das dem MSV auch noch alles offen hielt. Aber das Auftreten der Mannschaft in den letzten Spielen versprach etwas anderes. Diese Spieler hatten sich zu einem Spitzenteam gefunden. Wann haben wir in Duisburg, dieses Wort „Spitzenteam“ einmal ausgesprochen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Mannschaften der Zweitligaaufstiegsjahre ein derart großes Selbstbewusstsein ausgestrahlt haben. Wie sehr haben meine Freunde und ich uns in den letzten Jahren eine Mannschaft gewünscht, die das Spiel bestimmt und die ein Rückstand nicht aus der Bahn wirft.

traktor_fansIn den letzten Wochen der Saison konnten wir so eine Mannschaft erleben. Als ob es eines letzten Beweises bedurft hätte, geriet diese Mannschaft in dem entscheidenden Spiel gegen Holstein Kiel tatsächlich nach zehn Minuten in Rückstand. Michael Ratajczak hätte den scharf geschossenen Freistoß normalerweise halten können. Leicht war das nicht, aber auch nicht zu schwierig. Mannschaft und Zuschauer hatten etwas zu verdauen. Für meine Siegesgewissheit kam das Tor früh genug. Viel Zeit blieb, um das Spiel zu drehen. Denn eigentlich bestimmte der MSV in dem Moment dieses Spiel vollkommen. Von Anfang an drang die Mannschaft energisch auf ein Tor. Früh wurden die Kieler angegangen. Aggressiv gingen die Zebras in die Zweikämpfe. Um jeden Ball wurde intensiv gerungen. Jedem Ball wurde nachgegangen, selbst wenn die Chance ihn vor dem Aus zu retten noch so klein war.

Etwa zehn Minuten später war zu merken, der Druck des Anfangs auf das Kieler Tor war wieder vorhanden. Dieses Mal trieb Martin Dausch den Ball nach vorne. Die ganze Kieler Defensive zog er bei diesem beeindruckenden Antritt auf sich, um im perfekten Moment auf den frei gewordenen rechten Flügel zu spielen, wo Enis Hajri nachgerückt war und nun alleine auf das Kieler Tor zumaschieren konnte. Wer im Fußball gerne „ausgerechnet“ sagt, durfte das wieder machen. Ausgerechnet Hajri, den wir in Duisburg nicht als einen der ballsichersten Spieler kennengelernt hatten. Doch alleine aufs Tor zugehen ist etwas anderes als im defensiven Mittelfeld früh gepresst zu werden. Alleine behielt er die Nerven und verwandelte zum Ausgleich.

Begeisterung, die erste. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht. Der MSV fing den Angriffsversuch nach dem Wiederanstoß ab. Kingsley Onuegbu erhielt den Ball auf dem linken Flügel und trieb ihn nicht allzu schnell, aber wie in einem Hochsicherheitstrakt abgeschirmt Richtung Torauslinie der Kieler. Waren es vier, fünf, sechs Kieler, die er stehen ließ? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls erwarteten wir zweimal den Pass in die Mitte, und er ging einfach immer weiter unbeirrt Richtung Kieler Torauslinie. Dort zog er leicht nach innen, flankte genau, und der völlig frei stehende Michael Gardawski nickte per Kopf ein.

Begeisterung, die zweite. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht – wenn auch etwas mehr als nach dem Ausgleich. Wir alle spürten, nicht nur auf den Rängen wollte jeder die noch sicherere Führung. Auch die Mannschaft drängte weiter, als ob die Kieler Sparringspartner waren. Doch es war ernst. Es ging um den direkten Aufstieg. Der MSV spielte gegen eine Mannschaft, die in diesem Jahr noch nicht verloren hatte, eine Mannschaft, die viele ihrer Tore in den letzten Minuten erzielte, eine Mannschaft, die sich nicht aufgab. Deshalb war ein drittes Tor kein so schlechter Gedanke. Sechs Minuten dauerte es dieses Mal. Einwurf am linken Flügel durch Kevin Wolze, schneller Rückpass auf ihn, Flanke und dieses Mal macht Michael Gardawski das Tor mit dem Fuß.

12_mannAus Begeisterung wird Ekstase. So ließ sich der Rest des Spiels beruhigt angehen. Der Siegeswille der Kieler war zerbröselt. Kurz lebte er zu Beginn der zweiten Halbzeit noch einmal auf. Was auch daran lag, dass sich der MSV wie gewohnt zu sehr zurückzog und den Kielern die Initiative überließ. Doch in dem Spiel verließ sich der MSV nicht alleine darauf, dass aus dieser tiefer stehenden Defensive irgendwann mal ein Konter gelingt. In dem Spiel begann die Mannschaft nach etwa zehn Minuten der zweiten Halbzeit wieder höher zu verteidigen und vorbei war es mit dem Kieler Druck. Harmlos blieb die Mannschaft. Souverän sicherte der MSV bis zum Abpfiff den Vorsprung. Die bekannte Stärke der Kieler in der Schlussphase kam in Duisburg nicht zum Tragen.

Na, ein paar Erinnerungen an das eigentliche Spiel habe ich ja doch noch hervorkramen können. Manchmal muss man sich selbst ein wenig überlisten, dann klappt das auch mit den Bildern der Vergangenheit. Die Lebenshilfe-Profis nennen das dann Erinnerungsarbeit. Je intensiver diese Arbeit, desto freier für das Neue, Unbelastete, für die Begeisterung, für den Jubel, für die Zweite Liga. Der MSV ist wieder da.

Und nun wieder Begeisterung pur: Die sieben Minuten Übermacht MSV Duisburg mit dem sich überschlagenden Kommentar von ZebraFM – Großartig.

Fast ohne Worte – Der MSV ist wieder da

Wie oft werden wir die Geschichten dieses Tages noch erzählen müssen, damit wir das Gefühl haben, nun endlich hätten wir es wirklich geschafft? Wir hätten endlich ganz genaue Wörter gefunden, sie zu Worten gemacht und hätten nun so genau wie möglich beschrieben, wie es sich angefühlt hat in all den fantastischen Momenten dieses Tages, als der MSV Duisburg mit einem 3:1-Sieg gegen Holstein Kiel den Aufstieg besiegelte.

Es war ja nicht nur das Glück beim Schlusspfiff. Es war die sich steigernde Begeisterung, als innerhalb von sieben Minuten der Kieler Siegeswille zerbröselt wurde. Es war diese so klar erkennbare Bedeutung, die der MSV Duisburg an diesem Tag für die Stadt hatte. Es war die erwartungsvolle Spannung auf der Hinfahrt zum Stadion mit all ihren zufälligen Begegnungen zwischen Anhängern dieses MSV Duisburg, die aus ganz Deutschland nach Duisburg gekommen waren. Es ist die anhaltende Freude.

Ein paar Mal werde ich es noch erzählen müssen. Bis dahin sprechen erst einmal die Bilder.

Die Duisburger Außenstelle der Paderborner Firmfeier

Als ich mich am Sonntagmorgen früher als gewöhnlich auf den Weg ins Stadion machte, sprachen mich viele Reisende am Bahnhof an. Sie sahen das Blau meines Schals. Sie alle wollten den Sieg spüren zusammen mit einem, der ihn mit eigenen Augen gesehen hat. Den Auswärtsieg des Vereins ihrer Stadt. In Paderborn, der angeheirateten Heimat, stand ich am Bahnhof. „Nein, ich war nicht in Freiburg. Mein Verein ist der MSV Duisburg.“ Wenn der SC Paderborn den Abstieg tatsächlich noch verhindern sollte, ist es vorbei mit der Vorstellung, in Ostwestfalen seien die Menschen mundfauler als anderswo. Dann kann das Rheinland in Sachen Redefluss einpacken. Da die Paderborner in mir zweifellos einen Sieg verkörpert sahen, nahm ich diese Gewissheit schon mal vorsichtshalber mit auf den Weg nach Duisburg.

Ich hatte in Paderborn am Bahnhof gestanden, weil der Patensohn meiner Frau an diesem Sonntag gefirmt werden sollte. Zu meinem Ärger gibt es zwischen  katholischer Gemeinde und dem DFB keine Absprachen bei den Rahmenterminplänen. So begannen vor einiger Zeit multilaterale Verhandlungen zwischen meiner Frau, der Mutter des Firmlings, die eine langjährige Freundin von ihr ist, und mir. Mit dem Ergebnis konnten alle Beteiligten zufrieden sein. Nach gemeinsamer früher Anreise am Vortag der Feier blieben meine Frau und mein Sohn in Paderborn. Als Außenstelle der Firmung richteten wir das Stadion in Duisburg ein. Das wurde möglich, weil wir die Glaubensinhalte der Firmung geringfügig erweiterten.

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Ich war mir sicher, ich glaubte an den MSV und seinen Wiederaufstieg in die Zweite Liga. Ich wollte das mit einem Sieg bestätigt sehen, zumal mir eine Feier ohne etwas zu feiern komisch vorgekommen wäre. Als ich am Stadion ankam, wusste ich, so ging es immer mehr Anhängern des MSV. Schon mit der Öffnung der Stadiontore strömten die Zuschauer herbei. Innerhalb kurzer Zeit wuchsen die Schlangen. Vor allem die Stehplätze waren früh besetzt. Selbst das Aufwärmen der Spieler wurde immer wieder von Gesängen begleitet. Auf den Rängen ging es mehr oder weniger euphorisiert zu. Auch ich wehrte mich nicht gegen die Stimmung und wusste zugleich, was für Voraussetzungen, um so richtig eins auf die Fresse zu bekommen. Das sind wir in Duisburg gewohnt, das erwarten wir mit spöttischem Gleichmut, das ist unser Leben.

Doch nichts deutete in der ersten Halbzeit auf diesen Schlag hin. Die Mannschaft hielt dem Erwartungsdruck stand. Die Euphorie auf den Rängen hemmte sie nicht. Beflügelt wirkten die Spieler aber auch nicht. Dazu stand Preußen Münster zu tief. Die Spieler des MSV erhielten zu wenig Raum, um eine dynamische Offensive aufzuziehen. Geduld war gefragt und sehr wache Köpfe in der Defensive, weil den Preußen bei eigenem Druckaufbau entsprechend viel Raum für ihr schnelles Umschaltspiel gelassen werden musste. Wenn die Münsteraner den Ball eroberten ging es meist über deren rechten Flügel nach vorne. Oft kam es dann zur Flanke, doch in der Mitte gab es nie jemanden, der damit etwas hätte anfangen können. Harmlos blieben die Angriffe, auch wenn uns das schnelle Zusammenspiel der Preußen immer wieder sorgte.

Ganz rund lief es beim MSV nicht. Wenn einmal Platz in der Offensive war, versprang der Ball bei jenem Spieler, der hätte in den freien Raum sprinten müssen. Besonders Kevin Scheidhauer spielte bei allem Einsatz in solchen Momenten sehr unglücklich. Zwischendurch konnte man weniger eine gelungene Aktion von ihm bewundern als seinen Mut, noch etwas mit dem Ball im eins zu eins zu wagen. Wir wünschten ihm ein Duseltor als Akutmaßnahme gegen Zitterfüße. So erspielte sich der MSV Vorteile, ohne zwingend überlegen zu werden. Wir hatten Geduld und warteten auf die flüssigen Momente in dem zäher werdenden Spiel. Die 1:0-Führung war einer dieser Momente. Auf dem rechten Flügel hatte Steffen Bohl etwas Platz, um zu flanken. Eine klare Chance war daraus nicht unbedingt zu erwarten. Doch Dennis Grote stand in der linken Hälfte des Strafraums so alleine, dass er den Ball volley ins Tor hämmerte. Die Mannschaft spielte die Halbzeit souverän zu Ende und eigentlich wirkte sie sicher auf dem eingeschlagenen Weg zum Ziel.

Damit war es in der zweiten Halbzeit aber schnell vorbei. Eine etwas defensivere Ausrichtung des MSV, zusammen mit den aggresiver auftretenden Preußen verschob das Spiel in die Duisburger Hälfte. Nach vorne ging so gut wie gar nichts mehr. Auch wenn die Preußen aus dem Spiel heraus weiterhin harmlos blieben, wissen wir alle doch, wie schnell ein Tor durch einen Standard fällt, wie unerbittlich das Schicksal zuschlagen kann, wenn das Glück auf der falschen Seite zum Mitspieler wird. Michael Ratajczaks Reflex auf der Torlinie ist es zu verdanken, dass der Ausgleich nicht fiel. Ab etwa der 60. Minute wurde es so anstrengend sich das Spiel anzusehen, weil dieser so sicher geglaubte Sieg immer bedrohter schien. Jedes Mal wenn der Ball über die Mittellinie Richtung Preußen-Tor rollte, hoffte ich auf das 2:0 aus eben diesem Nichts für den MSV.

Als Nico Klotz für den gelb-rot gefährdeten Dennis Grote eingewechselt wurde, hoffte ich außerdem auf dessen Schnelligkeit. Denn lange Bälle nach vorne waren das Mittel der Wahl des MSV. Einmal ergab sich eine Chance – nicht aus dem Nichts, sondern durch einen Konter über Nico Klotz und Martin Dausch sehr gut herausgespielt. Doch wurde Martin Dausch vor seinem Torschuss zu weit an die Torauslinie gedrängt, ehe er zum Abschluss kam. Der Winkel wurde zu spitz, und der Ball ging rechts am Tor vorbei. Dann musste Zlatko Janjic ausgewechselt werden, und unser Bangen wurde wieder stärker, weil ein ballsicher Spieler weniger auf dem Platz war. Selbst die Standardauswechslung von Martin Dausch vergrößerte nur die Angst vor dem Ausgleich. Es war die 83. Minute, und er war schon länger Platz geblieben als sonst. So lange war noch bis zum Schlusspfiff zu spielen. So langsam verging die Zeit.

Doch die Erlösung folgte vier Minuten später. Nach einem weiten Abschlag von Michael Ratajczak wehrt ein Spieler der Preußen den Ball zu ungenau ab. Der Ball kommt zu Kevin Wolze auf Höhe der Mittellinie, erneut schlägt er den Ball weit Richtung Strafraum in den Lauf von Kingsley Onuegbu. Schon das gesamte Spiel über war konnten ihn höchstens drei Gegenspieler vom Ball trennen. Wie sollte ein einziger Gegenspieler ihn nun aufhalten? Wuchtig schoss er zum 2:0 ein. Was für ein Jubel! Was für eine Erleichterung.

Für einen Moment verblüffte uns wenige Minuten später der Anschlusstreffer für Preußen Münster, als jeder schon den Abpfiff erwartet hatte. So richtig habe ich dieses Tor immer noch nicht begriffen. Anscheinend waren die Spieler vom MSV ebenso schon bereit zum Schlussjubel wie wir auf den Rängen. Die Nachspielzeit war lange schon angezeigt worden und so richtig ernst nahm niemand mehr diesen Angriff der Preußen. Doch dann hielt Marc Heitmeier aus der Distanz einfach mal drauf. Schneller ist ein Tor in Duisburg in den letzten Wochen nicht vergessen worden. Ein Wochenende wie gemalt – von der Paderborner Auswärtssiegfreude mitten rein in die Duisburger Heimsiegbegeisterung.


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