Posts Tagged 'Deutsche Nationalmannschaft'

Die Ironie einer Geschichte über junge deutsche Fußballer

Gestern gab es in der Süddeutschen Zeitung eine kleine Geschichte über junge deutsche Fußballer zu lesen. Denn momentan spielen mehrere deutsche Junioren-Nationalspieler in niederländischen Vereinen. Sie erhalten dort Spielzeit, die ihnen deutsche Vereine verwehren. Letzeres bedauern DFB-Verantwortliche wie der Junioren-Cheftrainer des DFB, Meikel Schönwitz, oder  U21-Bundestrainer Stefan Kuntz. Das ist die eine einfach erzählte Geschichte, die in der Pointe mündet, selbst in den A-Jugend-Bundesliga würden die Vereine sich inzwischen zu wenig für deutsche Talente interessieren. Der Transfermarkt für ausländische Spieler blühe.

Dann aber soll ein Verein, den wir alle kennen, als letztes ausdrucksstarkes Beispiel herhalten, um diesen Trend in der A-Jugend zu untermauern. Selbst dieser Verein der 3. Liga habe einen Neuzugang vom FC Watford.

Welch Ironie dieser Geschichte, dass der MSV Duisburg als Beispiel für die These gelten soll, junge deutsche Spieler erhielten zu wenig Aufmerksamkeit bei den Vereinen. Wir brauchen nicht davon zu sprechen, dass Lukas Daschner, Vincent Gembalies und Migel-Max Schmeling in dieser Saison ihre Spiele für den MSV machen. Welchen sportlichen Weg sie bislang gegangen sind, müsste man dann wohl mal weitergeben. Es mag ja sein, dass es für junge deutsche Spieler andererorts schwer ist, Einsatzzeiten zu erhalten. Wenn man den MSV dieser Saison aber als Beispiel für einen vom DFB bedauerten Zustand beim Jugendfußball nimmt, offenbart sich einmal mehr, dass die Wirklichkeit hinter der einfachen Geschichte sehr viel komplexer ist.

Original und Kopie

Montagabend habe ich in der VHS einen Vortrag über die Identität des Ruhrgebiets gehalten. Ein interessanter Vortrag übrigens, wenn ich das mal so unbescheiden sagen darf. Führte er doch zu einer grundsätzlichen Diskussion über Selbstbewusstsein, Stärken und Schwächen des Ruhrgebiets, wie sie eigentlich in einem ruhrgebietsweiten Debattenforum immerzu geschehen müsste. Dieses Forum gibt es nicht. So ein fortwährendes öffentliches Reden wäre nötig, denn natürlich interessiert die Identität des Ruhrgebiets vor allem deshalb, weil mit ihr ein Image verbunden wird und dieses Image leider immer wieder nicht so ist, wie die Wirtschaftsförderer dieser Region es gerne möchten.

Während der Vorbereitung dieses Vortrags war ich vom täglichen Geschehen etwas abgelenkt. Gestern, sehr spät abends habe ich mir deshalb einen Stapel Zeitungen vorgenommen. Zu meiner großen Überraschung las ich dann in der Süddeutschen Zeitung dieses gestrigen Dienstags einen großen Artikel über das Spiel vom MSV gegen Fürth. Ich konnte das erst nicht glauben. So lange nach dem Spieltag? Aber ich las „Der Mangel an Treffsicherheit ist zur unangenehmen Gewohnheit geworden.“ Ich las vom „Gegentor“, bei dem ein Schulz, den Ball hätte wegschlagen müssen.  Aber das war doch Nauber, dachte ich noch und schimpfte auf die Journalisten, die sich mal wieder überhaupt nicht auskennen. Erst als ich vom „Zufallstor“ las, habe ich noch einmal von vorne angefangen zu lesen. Dieses Zufallstor war ja gegen Fürth eben nicht gefallen. Darauf hatten wir doch nur gehofft.

Natürlich wisst ihr das schon längst, die SZ hatte über das Länderspiel Deutschland gegen Peru berichtet. Sowohl dieses Spiel als auch das gegen Frankreich habe ich nicht gesehen. Das war wohl eine gute Entscheidung. Ich schau mir doch nicht die Kopie an, wenn ich fast jede Woche das Original haben kann. Bleibt die Frage was uns die Erkenntnis verrät, dass Ilia Gruev vor denselben Schwierigkeiten steht wie Joachim Löw.

Der vergessene Torjäger Heinz Bohnes – Teil 2

Wenn es gestern um die Eckdaten der Fußballerkarriere von Heinz Bohnes ging samt dem fotografischen Blick auf typische Spielsituationen für ihn, stehen heute zunächst Fotos im Mittelpunkt, die ihn beim Auswahltraining der Nationalmannschaft zeigen. Im Oktober 1956 erhielt Heinz Bohnes die Einladung zu einem  einwöchigen Lehrgang mit der Nationalmannschaft. Sepp Herberger leitete den Lehrgang. Unterstützt wurde er durch Helmut Schön, der seit Mai Herbergers Assistenztrainer war sowie Georg „Schorsch“ Gawliczek, der gerade erst in ähnlicher Assistentenfunktion vom DFB unter Vertrag genommen worden war.

bohnes_9_lehrgang

Außerdem gibt es weitere Fotos aus Heinz Bohnes Zeit beim MSV Duisburg. Meinem Eindruck nach war er bei diesen Spielen noch sehr jung. Vermutlich sind das also Spiele aus seiner ersten und zweiten Spielzeit beim Meidericher SV – die Jahre 1955 bis 1957.

Abschließend bleibt noch das jüngste Dokument der Sammlung zu zeigen. Es ist der Trainerschein von Heinz Bohnes, der ihn auf einem Passfoto als Mann mittleren Alters zeigt.

bohnes_trainerschein

Erst nach Fürbitte und Gesang wurde gegen Österreich eindrucksvoll gesiegt

Wie gut die deutsche Fußballnationalmannschaft am Freitag gegen Österreich gespielt hat, wurde durch die TV-Übertragung anscheinend leider nicht ganz deutlich. Die Bildregie des ZDF ließ da wohl Zweifel aufkommen, ob schwacher Gegner oder Spielweise der deutschen Mannschaft für den überzeugenden 6:2-Sieg gegen Österreich verantwortlich gewesen ist. Gut, dass ich einen Freund habe, dem das Anklicken von ebay immer noch ein liebes  Freizeitvergnügen ist. Da kommen dann überraschende Nachrichten ins Haus: Sei am Freitag um 19 Uhr in Duisburg, wir fahren nach Gelsenkirchen, hieß es im Laufe der Woche.

Deshalb kann ich versichern, diesen hohen Sieg hat sich eine großartige Offensive mit einem sehr starken Mittelfeld erspielt. Ob die Abwehrreihe diese hohe Qualität tatsächlich nicht hält, kann ich guten Gewissens nicht beurteilen. Natürlich waren bei den Gegentoren österreichische Spieler so frei, wie sie es nicht sein sollten. Aber ich frage mich angesichts solcher druckvollen offensiven Spielweise immer, ob freie Spieler des Gegners nicht die zwangsläufige Konsequenz einer grundsätzlichen gedanklichen Orientierung nach vorne sind.  Fehlerfrei zu bleiben gelingt nun einmal kaum, und je näher am Tor ein Fehler passiert, desto wahrscheinlicher wird das Gegentor. Banal, aber wahr.

Wie gut die deutsche Mannschaft gewesen ist, lässt sich auch an der Anzahl der Fouls ablesen. Ich suche das jetzt nicht nach, aber der Schiedsrichter hat in der ersten Halbzeit so gut wie kein Foulspiel pfeifen müssen. Zum einen war der Ball meist längst abgespielt, ehe ein österreichischer Gegenspieler überhaupt die Möglichkeit gehabt hätte, um zu foulen. Zum anderen kam die gemeinsame defensive Arbeit der deutschen Mannschaft wahrscheinlich schon sehr nah dem Bewegungsideal als Einheit, so dass der freie Raum der Österreicher nur vermeintlich frei war. Im Grunde genommen war dieser freie Raum Hoheitsgebiet der deutschen Mannschaft. Diese gemeinsame defensive Bewegung musste es aber auch geben, weil die österreichische Mannschaft versucht hat, mitzuspielen. Diese Mannschaft wollte ein ähnliches Spiel wie die deutsche Mannschaft spielen und kam nicht dazu.

Bei meinem Länderspieldebut als Stadionbesucher und ganz „in ernst“ war ich also von der deutschen Nationalmannschaft beeindruckt. Gegen Dänemark war ich zwar in Duisburg dabei, aber das Testspiel entpuppte sich damals mangels elf tatsächlicher Nationalspieler ja als eine So-tun-als-ob-Veranstaltung. Nur die durchchoreografierte Zeit vor dem Anpfiff hielt das Niveau sonstiger Begegnungen der Nationalmannschaft. Doch fehlte der Unterhaltung vor dem Spiel damals die Bedeutsamkeit. Wenn ich nun nach dem DFB-Pokalfinale in diesem Jahr eine zweite Großveranstaltung des nationalen Fußballs auf mich wirken lasse, so lässt sich nicht übersehen, wie sehr der Fußball die Suche dieser Gesellschaft nach kollektiven Gesten und überhöhtem Sinn aufnimmt.

Die feierliche Inszenierung der Veranstaltung ist längst unstrittig. Herumgetastet und ausprobiert wird nur noch, wann und zu welchem Anlass wünschenswerte Grundlagen unseres Zusammenlebens öffentlich bekundet werden sollen. Zumindest bei den Fußballspielen von nationaler Bedeutung sind wir aber schon weit damit gekommen, Rituale alter Sinnzusammenhänge neu zu beleben. Wenn Philipp Lahm als Mannschaftskapitän vor dem Spiel sein Bekenntnis zum Fairplay vorliest, hört sich das sehr nach den Fürbitten der katholischen Messe an. Noch fehlt die Bekräftigung der Fürbitte durch die Fußballzuschauer als Gemeinde. Doch die feierlichen Worte des Bekennens und der etwas leiernde Ton beim Vorlesen ließen mir das gemeinsam gemurmelte  „Erhöre uns“ als nicht mehr allzu fern erscheinen. Dass sich heute aber dieser Appell nicht an ein höheres Wesen richtet, sondern an jeden Zuschauer selbst ist nicht allen klar. Da muss das Fußballpublikum noch etwas erzogen werden. Selbst im eher harmlosen Länderspielpublikum fanden sich Zuschauer, die zu Beginn der österreichischen Nationalhymne erst einmal pfeifen wollten. Zu wenige taten mit, also wurde mit dem Pfeifen wieder aufgehört. Anschließend präsentierte der Sprecher des Abends mit sonorer Stimme die Nationalhymne als Messgesang: „Wir singen jetzt gemeinsam die deutsche Nationalhymne“, sagte er und ließ den Hinweis auf den Videowürfel als Ersatz für den Gesangbuchverweis folgen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Teilhabe des Fußballpublikums am Geschehen vor dem Spiel weiter ritualisiert wird.

Deutschland gegen Österreich: Cordoba – wie es wirklich war

Aus meiner Sicht spielt die deutsche Nationalmannschaft viel zu selten gegen Österreich. Sonst hätte ich öfter die Gelegenheit, auf mein Dinner for one zum Länderspiel heute Abend hinzuweisen. Es ist die Parodie eines Fußballspielberichts vom deutsch-österreichische Kabarettisten-Duo Stermann & Grissemann. Auf sehr eigenwillige Weise kommentieren Stermann & Grissemann das Spiel zwischen Deutschland und Österreich während der ersten Finalrunde bei der Fußballweltmeisterschaft 1978, das Österreich durch ein Tor von I-wer‘-narrisch-Krankl mit 3:2 gewann. Die Reportagen-Parodie dauert nicht so lang wie Dinner for one, gehört aber in jede Klassikersammlung deutschsprachiger Komik.

Für uns, die wir am MSV Duisburg etwas mehr interessiert sind als an der deutschen Fußballnationalmannschaft, sei noch hinzugefügt, der gebürtige Duisburger Dirk Stermann hält anscheinend in seiner Heimat Wien die Erinnerung an die erste Mannschaft seines Lebens sehr lebendig. Er gilt in den Kreisen von Fans der Wiener Großvereine als prominenter Anhänger des MSV Duisburg. Was natürlich weiterer Aufklärung bedarf. Wir bleiben an der Geschichte dran.

Klinsmann für Klose und Bajic für Fahrenhorst

„Klinsmann für Klose“ las ich heute morgen als Überschrift einer kurzen Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger. Seufzend bedauerte ich Mario Gomez, und dachte, nun wird es noch mehr Ärger mit den Engländern geben. Wenn Jürgen Klinsmann statt Miroslav Klose gegen Serbien stürmt, muss die FIFA dem DFB die Sondererlaubnis gegeben haben, einen Spieler nachzunominieren. Dieser gute Draht des DFB zur FIFA gibt den Engländern zwar einen ganzen Stall voll Sündenböcke für ihr Ausscheiden, aber Mario Gomez wird auf seinem Zimmer heimlich fluchen, wenn Jürgen Joachim Löw ihm so einen Michael Schumacher des Fußballs vorzieht. Was haben wir überlegt, wieviel der so herrlich anzusehende und überlegen erspielte Sieg gegen Australien Wert ist. Nach der Meldung von Klinsmanns Aufstellung wissen wir es immer noch ebenso wenig wie die Antwort auf die Frage, warum Miroslav Klose nicht spielen kann. Im ersten Moment erschreckt man vielleicht, wenn Löws Kumpel aus alten Sommermärchen-Tagen der Mannschaft weiterhelfen soll. Aber vielleicht ist es genau andersrum, die Mannschaft spielt so gut, dass sie als eine Art Jungbrunnen dem Kumpel aus alten Tagen durch seine Schaffenskrise als Trainer bringen wird. Im Fußball ist es Gott sei Dank häufig entweder so oder doch ganz anders, wahrscheinlich nur deshalb, damit wir immer was zu reden haben.

In Duisburg bietet dazu eine Spielerverpflichtung die Gelegenheit. Branimir Bajic scheint so eine Art Frank Fahrenhorst von Milan Sasic zu sein, auch wenn er ihn in Koblenz nicht mehr trainiert hat. Da verlasse ich mich mal auf die statistischen Daten bei fussballdaten.de. Wir wissen aber, in der Region seines ehemaligen Arbeitgebers kennt sich Milan Sasic noch immer bestens aus. Wie viel besser muss es also früher gewesen sein, als er die meiste Zeit seines Tages noch im direkten Einzugsgebiet verbracht hat. So wirkt diese Spielerverpflichtung wie eine Maßnahme zur Basissicherung. Grundnahrungsmittel müssen eben auch im Haus sein. Wenn man am Supermarkt mit der einen Buttermarke nicht mehr vorbeikommt, geht man zu dem anderen, der nun auf dem Weg liegt und greift zur anderen Buttermarke.

Die Planungen für die Abwehr sind nach der RevierSport-Kürzestmeldung jedenfalls abgeschlossen, bleibt die offene Frage, wie lange noch sich Fahrenhorst und Schlicke demnächst auf Meidericher Nebenplätzen fit halten werden. Überraschend wäre die Entwicklung nur noch dann, wenn wenigstens einer von beiden plötzlich doch wieder im regulären Vereinsbetrieb auftauchen würde. Bis dahin unterhalten wir uns über die Perspektiven von Bruno Soares.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: