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Pokaltagslyrik als Spieltagsvorausschau – Ein Wunsch

Nach dem Einzug ins Achtelfinale

Nicht Pokal mit seinen „eigenen Gesetzen“,
nicht besonders, sondern nur ein Spielzeitspiel,
ganz normal, gewinnen, gleich auf welchen Plätzen.
Das gefiele mir mit Blick aufs Ligaziel.

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Die Wahrheit ist die Pflicht

Gerade habe ich mir mal eben meinen Eindruck vom 1:0-Sieg des MSV Duisburg gegen TuS Dassendorf zusammengesucht. Kurzbericht hier, Kommentare im Netz dort und das Portals-Stimmengewirr dazu. Ich selbst hatte vom Spiel nämlich nichts mitbekommen außer dem Ergebnis. Dieses Ergebnis alleine hatte mich am Samstag schon gefreut, zumal es sich ja einreihte in die meisten anderen Pokalspiele höherklassiger Vereine gegen niederklassige gerade an diesem Samstag. Nicht oft konnte man in dieser ersten Runde durch das Ergebnis auf den Klassenunterschied rückschließen. Was nun keine Kritik verhindern soll, sondern nichts mehr als die Wahrheit ist.

Wer sich äußert und das Spiel gesehen hat, sagt meist dasselbe. Bewertet wird das allerdings sehr unterschiedlich. Die einen regen sich über ein schlechtes Spiel des MSV auf, die anderen sahen einen MSV, der den Gegner nicht unterschätzt hat und mit wenigen Ausnahmen keine Chance des Gegners zugelassen hat. Einig ist man sich darin, dass die Chancenverwertung hätte besser sein müssen. Das sagt selbst Ilia Gruev in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Dennoch hat das Tor ein Stürmer erzielt. Darauf weist er auch hin.

Die einen nehmen das Spiel, um eine schwere Saison vorherzusagen, die anderen sehen keine Rückschlüsse für die nächste Ligabegegnung gegen Darmstadt. Rund um das Spiel gibt es also viel Spekulation und Deutung. Die einzige Wahrheit dieses Spiels ist das Ergebnis. Dieses Ergebnis war die Pflicht zu siegen. Womit ich wieder bei meinem Eindruck vom Samstag bin. Manchmal reicht das nackte Ergebnis für die leicht erzählte Wahrheit. Alles andere liegt nicht auf der Hand, sondern muss mühsam und langwierig begründet werden. Am besten mit Fakten.

Zukunft durch Produktkonzentration nach Pokal-Aus

Bei uns in der Selbsthilfegruppe haben wir schon viele solcher Geschichten wie über den MSV am Sonntag gehört. Oft fließen dann Tränen. Wir Anonymen Unternehmenslenker kennen die Härten des Lebens. Da sitzen dann alte Herren der Familienunternehmen neben den CEOs von international operierenden Branchenführern, und ein paar Frauen haben wir auch dabei. Das ist gut, und es werden mehr. Alle kommen sie immer gerade von irgendeiner Besprechung. Alle haben eigentlich kaum Zeit, aber alle nehmen sie sich. Denn jeder von uns hat es schon erlebt, und wir wissen, es kann jeden von uns wieder treffen. Einer beschäftigt sich gerade mit Sicherheit wieder in seinem Unternehmen mit einem Produkt, bei dem es nicht so läuft. Irgendeiner muss gerade versuchen, das Beste draus zu machen. Oft steht dann am Ende die Entscheidung, weg vom Markt, hin zur Produktkonzentration.

Wenn das jemand schließlich ausgesprochen hat, ist alle Trauer auch fast schon verflogen. Dann sehen wir alle nach vorne. Das gilt immer. Ich war auch im Stadion beim Pokalspiel gegen Union Berlin. Was war das für eine Enttäuschung, diese 2:1-Niederlage nach Verlängerung.  Aber sprecht das mal nach: Wir bekommen nicht das, was wir uns wünschen, sondern das, was wir brauchen. So Sachen sagen wir Anonymen Unternehmenslenker ständig. Das hilft. Ivo, kann ruhig mal vorbeikommen und das ausprobieren.

Wenn die Mannschaft aus diesem Spiel Selbstvertrauen schöpft, ist mir um die 3. Liga nicht bange. In der ersten Halbzeit hat der MSV das Spiel bestimmt, und es wurde deutlich, woran es hapert. Je schneller das Spiel wird, je schneller die Gegenspieler den ballbesitzenden Spieler pressen, desto mehr geraten einige wenige Spieler des MSV so unter Druck, dass ihre Zielgenauigkeit im Umgang mit dem Ball leidet. Direkt vor dem Tor ist der Zeitdruck immer hoch. Deshalb braucht die Mannschaft auch viele Chancen, um ein Tor zu erzielen. Dennoch war eindrucksvoll zu erkennen, wie sehr diese Mannschaft inzwischen organisiert ist. Im Unterschied zu den letzten drei Spielzeiten verwirklicht sie sowohl offensiv als auch defensiv den Plan, den der Trainer dem Spiel zugrunde gelegt hat. Es gibt eine klare Struktur und aus dieser Struktur heraus entwickelt sich das Zufällige eines jeden Fußballspiels.

Dieses Spiel ist nicht mehr nur von der Dynamik des Augenblicks abhängig, die sich im Verlaufe eines Spiels durch den Erfolg einzelner entwickelt. Es macht Spaß, das zu sehen, und deshalb ist die Enttäuschung nach dem Spiel um so größer. Bis etwa fünf Minuten vor dem Schlusspfiff der normalen Spielzeit gab es alle Chance auf einen verdienten Sieg. Nichts wäre durch Glück ermöglicht worden. Alles wäre eigener Verdienst gewesen. Diesen Sieg gab es nicht zu feiern, weil die Kraft in der Verlängerung fehlte. Schon in den letzten fünf Minuten ließ sich vermuten, dass Unions Chance auf den Sieg größer geworden war.

Eine zweite Halbzeit lag hinter uns, in der der MSV zunächst weiter die Spielkontrolle behielt, wenn auch Union etwas stärker wurde. Dass das 1:0 für Union fiel, schien mir aber auch schon ein Zeichen erster Schwäche zu sein. Zu leicht fiel dieses Tor. Zu offen war die Defensive, irriritiert war die Konzentration der Defensive, als der Stürmer von Union im Zentrum des Strafraums völlig frei stand. Wider Erwarten ließ dieser Rückschlag die Mannschaft nicht resignieren. Sie spielte weiter, mühte sich in der engen Defensive um den Ausgleich und war erfolgreich.

Das ist ebenfalls eine gute Botschaft aus diesem Spiel. Die Mannschaft wird von einem taktischen Gerüst getragen, das ihr hilft nach Rückschlägen zurück zu kommen. Sie muss nicht auf Einzelaktionen vertrauen. Die Enttäuschung kann aufgefangen werden und mündet sofort in nächste Offensivaktionen. Stanislav Iljutcenko erzielte den Ausgleich nur kurze Zeit nach dem Rückstand, und alles schien wieder offen, wenn auch die Aktionen vor dem Tor nicht mal mehr zu Chancen wurden. Mark Flekken bewahrte kurz vor Schluss mit einem großartigen Reflex das Unentschieden. Das war das deutlichste Zeichen, es könnte schwer werden in der Verlängerung.

In der Verlängerung wurden die Offensivaktionen des MSV nicht mehr wirklich gefährlich. Dagegen kam Union dem Tor deutlich näher. Wir hofften auf das Glück. Dieses Glück blieb dem MSV vorenthalten. Es fiel der Siegtreffer für Union, in einer Spielsituation, in der einige Spieler des MSV so wirkten, als hätten sie auf den Pfiff des Schiedsrichters gewartet. Ein Handspiel bei Union wurde kurz reklamiert. Einige schienen verlangsamt zu reagieren, während Union munter weiterspielte. Den ersten Schuss von der Strafraumgrenze konnte Mark Flekken noch klären, den zweiten aus ähnlicher Distanz dann nicht mehr. Erst im Nachhinein zeigten die TV-Bilder, dass vor allem Fabian Schnellhardt dem Ball die Geschwindigkeit gegeben hat und der Stürmer Unions den Ball allenfalls etwas berührte.

Der MSV mühte sich weiter, doch kein kontinuierlicher Druck auf das Berliner Tor gelang. Die letzte Spielaktion war bezeichnend für das gesamte Spiel. Eine Chance, kein Tor. Noch einmal wurde der Ball hoch in den Strafraum geschlagen. Ich meine, es war Dustin Bomheuer, der den Ball per Kopf in Richtung hinteren Pfosten verlängerte, wo Simon Brandstetter vollkommen frei stand. Kein Torwart hätte seinen Ball aus dem Eck herausgeholt. Doch diese letzte Riesenchance wurde vergeben. Der Ball ging neben das Tor.

Wenn ich morgen wieder im Gemeinderaum mit meinen Anonymen Unternehmenslenkern zusammensitze, werde ich vom MSV erzählen. Mit dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal verliert der MSV  von jetzt auf gleich den Zugang zum Pokalmarkt, aber ich bin sicher, das wird nur vorübergehend sein. Wenn die Mannschaft sich nun auf ihre Kernkompetenz beschränkt, kann sie gestärkt in der nächsten Saison diesen Pokalmarkt angehen. Als Aufstiegsfavorit gehört die Mannchaft zu den Branchenführern der 3. Liga. Manchmal führt die Konzentration auf einen Markt erst zu dem Erfolg, der eine solide Basis schafft und alles weitere möglich macht. Wir Anonymen Unternehmenslenker wissen, wovon wir sprechen.

Wer den Blick aus Berlin kompakt haben möchte, ist beim Textilvergehen gut bedient, samt weiterführenden Links zu den lokalen Medien.

Saisonvorbereitung IV – Auswärtsstadion-Check, -Europapokal, -Gegner, -potentiell

Am Aufstiegsfavoriten-Sein gefällt mir der Blick auf den Erfolg sehr. Dieser Blick schafft Möglichkeiten. So besitzt der MSV Duisburg in dieser Saison gleich dreimal die Chance zur Qualifikation für die Euroleague. Sollte die Sache mit dem DFB-Pokal in dieser Saison nicht so laufen wie erhofft und wir verpassen den Sieg im Endspiel, braucht ein erfolgreich absolvierter Niederrheinpokal dieser Saison nur die entsprechenden Anschlusserfolge wiederum im DFB-Pokal der Saison 2017/18, um im besagtem Europapokal…ihr wisst schon.

Das besäße den Charme, auf der Welle erfolgreicher Pokalspiele bis in die Bretagne surfen zu können. Den Aufstieg und die damit verbundene Qualifikation für den Pokalwettbewerb schätze ich aber auch nicht gering. Ihr seht, warum ich von der dreifachen Chance spreche. Deshalb gibt es eine von Wettbüros sicher auch mit guten Quoten bedachte Wahrscheinlichkeit, dass der MSV Duisburg demnächst auf europäischer Ebene bei dem französischen Pokalsieger zu Gast ist.

Guingamp_Stadion_3Da ich gerade zufällig vor Ort war, habe ich direkt bei einem nicht unwahrscheinlichen potentiellen Gegner für euch das Stadion geckeckt. Umfassende Vorbereitung ist alles, auch im Umfeld eines Vereins. Das zeichnet einen erfolgshungrigen Aufstiegsfavoriten aus. Guingamp, im Norden der Bretagne gelegen, hat etwas mehr als 7.000 Einwohner und ein Stadion für etwas mehr als 18.000 Zuschauer, das Stade de Roudourou. Das Stadion ist die Heimspielstätte von EA Guingamp. EA steht für En Avant (de),  was dem deutschen Vorwärts entspricht. Der Verein belegte in der letzten Saison den 16. Platz der französischen Ersten Liga. Zweimal war der Verein französischer Pokalsieger, in der Saison 2008/2009 und in der Saison 2013/2014; Erfolge, die dem Verein nicht zugetraut worden sind. Die Älteren unter uns nicken zudem anerkennend bei dem Erfolg im Intertoto-Cup. Den gewann der Verein in der Saison 1996/97.

Wenn sich einer von euch vor dem Auswärtsspiel in Guingamp mit der Historie des Vereins näher beschäftigen möchte, empfehle ich Wikipedia en francais. Für den Auswärtssieg reicht aber auch die deutsche Kurzfassung der EA-Guingamp-Geschichte.

Die Eintrittspreise sind moderat, wenn auch die Gästekasse so aussieht, als werde sie nicht oft frequentiert. Ihr werdet also Geduld haben müssen, wenn ihr vor Ort noch Karten kauft. Die Kassierer werden einen Ansturm, wie er durch uns entstehen wird, nicht gewohnt sein.

Anscheinend besitzt das Stadion auch deshalb ein Fassungsvermögen, das größer ist als die Einwohnerzahl der Stadt, weil die Getränkepreise sehr günstig sind. Unschlagbare 2,50 Euro für ein Bier, das in den Brasserien der Umgebung gerne auch mal das Doppelte kostet. So etwas nennen wir Marketingexperten ein Lockvogelangebot.

 

Guingamp_Getränkepreise

 

Das Stadion liegt am Rand der Stadt, direkt neben einem Wohnviertel. Das Zentrum der Stadt selbst ist fußläufig erreichbar. Ein paar Impressionen zur Orientierung.

 

Auch in Frankreich dürfen viele Sachen nicht mit ins Stadion genommen werden. Es fällt auf, in der Gästekurve sind Arbeitsschuhe erlaubt, in der Heimkurve nicht. Bei der überschaubaren Zahl der anreisenden Fans – siehe Kartenverkauf Gästekurve – hat es sich aber vielleicht auch erübrigt die alte Tafel auf den neuen Stand zu bringen. Unter zwanzig Leuten kommt vielleicht einer gerade aus dem Betrieb, und das dauert dann nicht lange, wenn er seine Schuhe abgeben muss.

Der schnellste Weg in einen europäischen Wettbewerb kann also beginnen. Die Karte für das Pokalspiel gegen Union Berlin werde ich in dieser Woch noch im Haus haben.

Stimmungs-Check Ego

Mit den Spielern des MSV weiß ich mich vor dem Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 einig. Morgen gehe ich ganz ohne Druck in das Pokalspiel. Im Gegensatz zu den Spielern des MSV weiß ich allerdings noch nicht, ob das für meine Leistung  gut oder schlecht ist. Die zwei Niederlagen gegen den 1. FC Kaiserslautern und gegen den VfL Bochum haben ihre Spuren hinterlassen. Ein befreites Auftreten wird man von mir als Zuschauer zum Spielbeginn jedenfalls nicht sehen. Ich werde abwartend stehen und die Mannschaften erstmal kommen lassen. Das ist nicht schlimm. Ich gehe nur realistisch in das Spiel.

Denn seit letztem Samstag ist mir klar, wie sehr der Aufstieg des MSV Duisburg ein Stückwerk war. Bei ruhigem Nachdenken hätte ich es schon längst wissen können. Einer Saison mit einem Mannschaftsaufbau praktisch aus dem Nichts folgte sofort eine Saison, in der das Ziel Aufstieg ab dem März klar in den Vordergrund trat. Tatsächlich wurde in dieser zweiten Saisonhälfte immer mehr von Spiel zu Spiel gedacht. Die Floskel des Fußballer-Interviews entsprach der Wirklichkeit. Eine mittelfristige Entwicklung musste dem untergeordnet werden. Daran war nichts zu ändern. Erfolg folgt dem Erfolg, und deshalb durfte der Flow der Mannschaft nicht gestört werden. Alles daran setzen, dass es bleibt, wie es ist. Das muss die Devise gewesen sein.

Darin unterscheidet sich der MSV Duisburg von den Aufsteigern der Vorsaison. Bei diesen drei Mannschaften hatte es über längere Zeit eine Entwicklung gegeben, an die in der 2. Liga angeknüpft werden konnte. Es war ein Weitergehen auf einem schon länger eingeschlagenen Weg. Der Erfolg dort ergab sich in einem Kontinuum. Der MSV Duisburg kann nur bedingt an diesen Aufstieg anknüpfen. Dieser Erfolg war ein Kraftakt. Jetzt befinden wir uns alle auf einem Plateau, und jeder sieht sich um, wie er sich auf der Fläche zurechtfindet. Deshalb ist jeder Spieler vor allem auf seine individuellen Fähigkeiten zurückgeworfen. Die Mannschaft als taktische Einheit ist noch nicht so weit, dass sie jedem ihrer Spieler zu seiner besten Leistung verhilft. Jetzt erst kann die Mannschaft weiter entwickelt werden. Wenn nur nicht die deutlichen Niederlagen zu sehr auf die Stimmung schlagen. Wenn nur nicht die so deutliche Unterlegenheit in den Punktespielen das Selbstbewusstsein der einzelnen Spieler zu sehr untergräbt. Wenn nur nicht die Angst vor dem direkten Wiederabstieg zu groß wird.

Schon wieder kann der Entwicklung die Gegenwart in die Quere kommen. Hoffen wir, dass dem nicht so ist. Hoffen wir, das alle im und um den MSV die Ruhe bewahren. Hoffen wir, dass Gino Lettieris öffentliches Reden dazu beiträgt. Hoffen wir, dass er mit seiner „Kritikerschelte“ den Druck  von der Mannschaft nehmen wollte. Sonst verstehe ich ihn nämlich nicht, sonst muss ich denken, er ist zu dünnhäutig und reagiert leicht über. Ich kenne niemanden, der nach den zwei Punktspielniederlagen alles in Frage stellt, wie in WAZ/NRZ zu lesen war. Vielleicht gibt es irgendwo vereinzelt grundsätzliche Kritik an Gino Lettieri. Eine große Öffentlichkeit finden diese Kritiker aber nicht. Ich lese fast immer nur große Sorge über die Möglichkeiten dieser Mannschaft, die mit nichts anderem begründet werden, als mit dem was auch Gino Lettieri als sehr verbesserungswürdig ansieht, die Schnelligkeit des Handelns und Reagierens in erster Linie. Also, mal sehen, wie die Mannschaft und ich uns morgen präsentierten werden.

Beeindruckende Pokalbilanz gegen Schalke

Bei Auslosungen des DFB-Pokals bin ich normalerweise immer hin- und hergerissen. Was soll ich nur bevorzugen? Weiterkommen gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner oder Heimspiel gegen Vereine, die ein besonderes Spiel erwarten lassen mit der Möglichkeit des Scheiterns? Diesem inneren Zwiespalt war ich bei der Auslosung der ersten Runde der kommenden Saison von vornherein nicht ausgesetzt. Durch die Aufteilung der teilnehmenden Vereine in zwei Lostöpfe war sicher, der Gegner wird ohnehin ein Verein der Bundesliga der Saison 2014/2015 oder einer der Zweiligisten von Platz 1 bis 14.

So weckt der FC Schalke 04 als Gegner der ersten Pokalrunde in der Saison 2015/2016 eine Vorfreude ohne Zweifel. Wenn schon keine Möglichkeit besteht sich gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner in die Pokalsaison einzugrooven, dann aber, bitte schön, möchte ich auch ein Pokalspiel als Fußballfest.

Erstrundenbegegnung im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04, Freundschaftsspiel gegen den FC Porto –  der spielt jetzt in einer ganz anderen Liga, heißt es ja gerne, wenn man im richtigen Leben Veränderungen zum Besseren betonen will. Manchmal wird man daran erinnert, wo diese übertragene Bedeutung eigentlich herkommt. Dunkel erinnere ich mich nur noch an Großaspach, zweite Mannschaften, kleine Stadien.

Übrigens hat der MSV eine ausgezeichnete Pokalbilanz gegen den FC Schalke 04. Noch nie sind die Zebras gegen die Schalker im Pokal ausgeschieden. Allerdings gab es auch nur ein einziges Spiel ums Weiterkommen. Am 19.02. siegte der MSV im Jahr 1966  datumsgerecht 6:0. Finale sind  eine andere Spielkategorie und gehören zu den Streichresultaten des Wettbewerbs.

Ein großes Pokalspiel ohne glückliches Ende für den MSV

Heute morgen bin ich immer noch völlig erschöpft, nachdem für die lange Anspannung beim Pokalspiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln die Nacht viel zu kurz gewesen ist. Meine innere Leere aber füllen langsam die Worte. Gestern Abend noch habe ich mir nicht vorstellen können, einen einzigen Satz über das Spiel schreiben zu können.

Ich hatte das Elfmeterschießen gefürchtet und offensichtlich nicht nur ich. Mit Beginn dieses Elfmeterschießens schien das gesamte Stadion mit Ausnahme der Gästeblöcke wie gelähmt. Es war still geworden. Es gab nur noch Hoffnung und nicht mehr das Vertrauen auf das eigene Können. Wenn es uns auf den Rängen schon so geht, müssen Fußballspieler besondere Fähigkeiten haben, sich völlig aus der Gegenwart herauszuziehen in eine eigene Welt. Das gelang Dennis Grote und Zlatko Janjic nicht. Sie besaßen wie wir nur noch Hoffnung und waren sich ihres Schussvermögens nicht mehr sicher. Dem MSV Duisburg erging es gestern wie den Essenern im Niederrheinpokal. Auch die Essener mussten beim Elfmeterschießen auf die Gästekurve zulaufen. Auch die Essener spürten von jetzt auf gleich die ungeheure Last, dass dieses Weiterkommen im Pokal nur noch von wenigen völlig freien Schüssen abhängt. Auch die Essener hatten während des Spiels den klassenhöheren Gegner MSV an den Rand der Niederlage gebracht. So viel Einsatz war vergeblich geleistet worden, und nun hing alles von den freien Schüssen ab. Ich habe mir die ersten beiden Elfmeter vom MSV Duisburg nicht ansehen können. Für mich wie für die ersten beiden Schützen war dieses Elfmeterschießen zu viel.

Der MSV Duisburg hat dem 1. FC Köln ein offenes Spiel geliefert. Von Anpfiff an zeigte diese Mannschaft, dass sie sich zutraut dem zwei Klassen höher spielenden Gegner offensiv zu begegnen. Die Kölner waren zunächst viel zu sehr damit beschäftig, sich der Angriffe des MSV zu erwehren, als dass sie selbst in die Nähe des Duisburger Strafraums hätten kommen können. Erst nach einiger Zeit gelangen erste Angriffe und in jedem einzelnen Angriff blitzten überlegene individuelle spielerische Qualitäten der Kölner Spieler zwar auf, dennoch gelang es der Defensive des MSV diese Angriffe fast immer in ungefährliche Spielaktionen zu verwandeln.

Die Mannschaft des MSV hat so sehr als Einheit gewirkt, dass ich lange nachdenken muss, um mich an einzelne Spielaktionen zu erinnern. Das Spiel wogte hin und her und war im ständigen Fluss. Auch die Kölner wirkten in dieser ersten Halbzeit als einziger Körper, der sich mal hierhinschiebt und mal dorthin, der sich ausbuchtet, je nachdem, wo sich der Ball gerade befindet. Es gab kaum Ruhephasen. Ständig passierte etwas. Es war ein sehr gutes Pokalspiel, in dem es schließlich auch auf beiden Seiten zu Torchancen kam. Nur bei diesen Torchancen deutete sich der Klassenunterschied an, die der Kölner waren klarer herausgespielt und eine ihrer Chancen war zudem die größte des Spiels. Michael Ratajczak war schon in die eine Ecke gesprungen, während der Ball in die andere Richtung trudelte. Die Fußabwehr sah sehr nach einer Spitzentanzfigur im Liegen aus und womöglich wäre der Ball im Tor gewesen, trüge Michael Ratajczak zwei, drei Größen kleinere Fußballschuhe.

Wie wir erwartetet hatten, versuchte der FC in der zweiten Halbzeit überlegener aufzutreten. Man spürte das Bemühen, mehr Torgefahr zu entfalten und zu zeigen, welche Mannschaft zwei Ligen höher spielt. Ein paar der Kölner Spieler schienen dann genervt davon zu sein, dass sich der MSV Duisburg davon nicht beeindrucken ließ. Den Zebras gelang es immer wieder die vermeintliche spielerische Überlegenheit im Keim zu ersticken, auch wenn es einzelne Situationen gab, in der ein einzelner Kölner Offensivspieler drei, vier Duisburger Defensivspieler beschäftigte. Dennoch begann ich mir Sorgen zu machen, die augenblicklich verschwanden als der eingewechselte Slawomir Peszko die rote Karte erhielt. Ich nehme an, in der nächsten Session wird er als „Doof Nuss“ im Karneval auf die Bühne gehen. Ein Freistoß war den Kölner zugesprochen worden. War es Tim Albutat, der die schnelle Ausführung mit Dazwischenstochern behindern wollte? Peszko hatte schon zum Tritt ausgeholt und zog dann einfach durch, als der Ball wegkullerte und sich das Schienbein Albutats als Ballersatz anbot. Da lässt sich eine wunderbare Slapsticknummer draus machen. Am Timing müsste Tim Albutat dann nur ein wenig arbeiten. Er fiel etwas spät. Sei es drum. Köln spielte fortan mit nur zehn Mann sehr viel defensiver.

Geduldig versuchte der MSV diese dicht gestaffelte zwei Reihen auszuspielen. Für mich war es überraschend, dass das sogar besser gelang als in der 3. Liga. Die Mannschaft ging das Risiko ein, was nötig ist, um mit Pässen freie Räume zu nutzen. Dennoch gelang es nicht, die eine große, unfehlbar auszunutzende Torchance zu erspielen. Es war einfach schwierig, den Druck zu erhöhen und gleichzeitig defensiv keine Blößen zu geben.

Wie gefährlich die Kölner auch in Unterzahl sein können, zeigte sich in der Verlängerung. Ihr präzises Passpiel auch über große Strecken machte ihnen einen Konter möglich, bei dem Michael Ratajczak schon ausgespielt war und der Ball aus halbrechter Position langsam auf das leere Tor zurollte und ich schon verzweifelte über diese nun doch eintretende Enttäuschung, die aber erst einmal noch verschoben wurde. Unfassbar langsam kullerte der Ball an den Pfosten und die Siegchance war noch da.

Unfassbar waren auch die zwei Pfiffe, mit der der Schiedsrichter zwei Spielaktionen von Kingsley Onuegbu nacheinander am Ende der ersten Hälfte der Verlängerung unterband. Eine gelbe Karte zeigte er dem Spieler sogar nach dem ersten Pfiff. Was hat er da gesehen? In beiden Situation setzt sich der „King“ zwar eckig, aber ohne Foulspiel durch. Das waren Pfiffe nach Augenschein, aus Sorge ein kämpferisches Spiel könne in rohe Gewalt umschlagen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Aus beiden Spielsituationen hätte Torgefahr entstehen können. Ich darf nicht darüber nachdenken, sonst wird aus Enttäuschung nur wieder Ärger.

Das Siegtor für den MSV fiel nicht mehr. Eine große Chance durch Dennis Grote gab es noch kurz vor Schluss, und als das Spiel abgepfiffen wurde, mischte sich meine Hoffnung bereits mit dem Aufbäumen gegen eine drohende Enttäuschung. Keine guten Voraussetzungen für ein Elfmeterschießen.

Als Trost erträumte ich mir auf dem Heimweg einen sicheren Aufstiegsplatz  ab Mitte März. Vielleicht kann Fabian Schnellhardt ein Gewinner dieses Spiels werden. War doch zum ersten Mal erkennbar, wie sehr der Mannschaft bei engen Räumen seine technischen Fähigkeiten nützen. Vielleicht aber kann auch die gesamte Mannschaft noch etwas gewinnen, wenn sie das Selbstbewusstsein in den Ligaalltag mitnimmt, ein Spiel bei engen Räumen auch gestalten zu können.


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