Posts Tagged 'DFB-Pokal'



Stimmungs-Check Ego

Mit den Spielern des MSV weiß ich mich vor dem Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 einig. Morgen gehe ich ganz ohne Druck in das Pokalspiel. Im Gegensatz zu den Spielern des MSV weiß ich allerdings noch nicht, ob das für meine Leistung  gut oder schlecht ist. Die zwei Niederlagen gegen den 1. FC Kaiserslautern und gegen den VfL Bochum haben ihre Spuren hinterlassen. Ein befreites Auftreten wird man von mir als Zuschauer zum Spielbeginn jedenfalls nicht sehen. Ich werde abwartend stehen und die Mannschaften erstmal kommen lassen. Das ist nicht schlimm. Ich gehe nur realistisch in das Spiel.

Denn seit letztem Samstag ist mir klar, wie sehr der Aufstieg des MSV Duisburg ein Stückwerk war. Bei ruhigem Nachdenken hätte ich es schon längst wissen können. Einer Saison mit einem Mannschaftsaufbau praktisch aus dem Nichts folgte sofort eine Saison, in der das Ziel Aufstieg ab dem März klar in den Vordergrund trat. Tatsächlich wurde in dieser zweiten Saisonhälfte immer mehr von Spiel zu Spiel gedacht. Die Floskel des Fußballer-Interviews entsprach der Wirklichkeit. Eine mittelfristige Entwicklung musste dem untergeordnet werden. Daran war nichts zu ändern. Erfolg folgt dem Erfolg, und deshalb durfte der Flow der Mannschaft nicht gestört werden. Alles daran setzen, dass es bleibt, wie es ist. Das muss die Devise gewesen sein.

Darin unterscheidet sich der MSV Duisburg von den Aufsteigern der Vorsaison. Bei diesen drei Mannschaften hatte es über längere Zeit eine Entwicklung gegeben, an die in der 2. Liga angeknüpft werden konnte. Es war ein Weitergehen auf einem schon länger eingeschlagenen Weg. Der Erfolg dort ergab sich in einem Kontinuum. Der MSV Duisburg kann nur bedingt an diesen Aufstieg anknüpfen. Dieser Erfolg war ein Kraftakt. Jetzt befinden wir uns alle auf einem Plateau, und jeder sieht sich um, wie er sich auf der Fläche zurechtfindet. Deshalb ist jeder Spieler vor allem auf seine individuellen Fähigkeiten zurückgeworfen. Die Mannschaft als taktische Einheit ist noch nicht so weit, dass sie jedem ihrer Spieler zu seiner besten Leistung verhilft. Jetzt erst kann die Mannschaft weiter entwickelt werden. Wenn nur nicht die deutlichen Niederlagen zu sehr auf die Stimmung schlagen. Wenn nur nicht die so deutliche Unterlegenheit in den Punktespielen das Selbstbewusstsein der einzelnen Spieler zu sehr untergräbt. Wenn nur nicht die Angst vor dem direkten Wiederabstieg zu groß wird.

Schon wieder kann der Entwicklung die Gegenwart in die Quere kommen. Hoffen wir, dass dem nicht so ist. Hoffen wir, das alle im und um den MSV die Ruhe bewahren. Hoffen wir, dass Gino Lettieris öffentliches Reden dazu beiträgt. Hoffen wir, dass er mit seiner „Kritikerschelte“ den Druck  von der Mannschaft nehmen wollte. Sonst verstehe ich ihn nämlich nicht, sonst muss ich denken, er ist zu dünnhäutig und reagiert leicht über. Ich kenne niemanden, der nach den zwei Punktspielniederlagen alles in Frage stellt, wie in WAZ/NRZ zu lesen war. Vielleicht gibt es irgendwo vereinzelt grundsätzliche Kritik an Gino Lettieri. Eine große Öffentlichkeit finden diese Kritiker aber nicht. Ich lese fast immer nur große Sorge über die Möglichkeiten dieser Mannschaft, die mit nichts anderem begründet werden, als mit dem was auch Gino Lettieri als sehr verbesserungswürdig ansieht, die Schnelligkeit des Handelns und Reagierens in erster Linie. Also, mal sehen, wie die Mannschaft und ich uns morgen präsentierten werden.

Werbung

Beeindruckende Pokalbilanz gegen Schalke

Bei Auslosungen des DFB-Pokals bin ich normalerweise immer hin- und hergerissen. Was soll ich nur bevorzugen? Weiterkommen gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner oder Heimspiel gegen Vereine, die ein besonderes Spiel erwarten lassen mit der Möglichkeit des Scheiterns? Diesem inneren Zwiespalt war ich bei der Auslosung der ersten Runde der kommenden Saison von vornherein nicht ausgesetzt. Durch die Aufteilung der teilnehmenden Vereine in zwei Lostöpfe war sicher, der Gegner wird ohnehin ein Verein der Bundesliga der Saison 2014/2015 oder einer der Zweiligisten von Platz 1 bis 14.

So weckt der FC Schalke 04 als Gegner der ersten Pokalrunde in der Saison 2015/2016 eine Vorfreude ohne Zweifel. Wenn schon keine Möglichkeit besteht sich gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner in die Pokalsaison einzugrooven, dann aber, bitte schön, möchte ich auch ein Pokalspiel als Fußballfest.

Erstrundenbegegnung im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04, Freundschaftsspiel gegen den FC Porto –  der spielt jetzt in einer ganz anderen Liga, heißt es ja gerne, wenn man im richtigen Leben Veränderungen zum Besseren betonen will. Manchmal wird man daran erinnert, wo diese übertragene Bedeutung eigentlich herkommt. Dunkel erinnere ich mich nur noch an Großaspach, zweite Mannschaften, kleine Stadien.

Übrigens hat der MSV eine ausgezeichnete Pokalbilanz gegen den FC Schalke 04. Noch nie sind die Zebras gegen die Schalker im Pokal ausgeschieden. Allerdings gab es auch nur ein einziges Spiel ums Weiterkommen. Am 19.02. siegte der MSV im Jahr 1966  datumsgerecht 6:0. Finale sind  eine andere Spielkategorie und gehören zu den Streichresultaten des Wettbewerbs.

Ein großes Pokalspiel ohne glückliches Ende für den MSV

Heute morgen bin ich immer noch völlig erschöpft, nachdem für die lange Anspannung beim Pokalspiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln die Nacht viel zu kurz gewesen ist. Meine innere Leere aber füllen langsam die Worte. Gestern Abend noch habe ich mir nicht vorstellen können, einen einzigen Satz über das Spiel schreiben zu können.

Ich hatte das Elfmeterschießen gefürchtet und offensichtlich nicht nur ich. Mit Beginn dieses Elfmeterschießens schien das gesamte Stadion mit Ausnahme der Gästeblöcke wie gelähmt. Es war still geworden. Es gab nur noch Hoffnung und nicht mehr das Vertrauen auf das eigene Können. Wenn es uns auf den Rängen schon so geht, müssen Fußballspieler besondere Fähigkeiten haben, sich völlig aus der Gegenwart herauszuziehen in eine eigene Welt. Das gelang Dennis Grote und Zlatko Janjic nicht. Sie besaßen wie wir nur noch Hoffnung und waren sich ihres Schussvermögens nicht mehr sicher. Dem MSV Duisburg erging es gestern wie den Essenern im Niederrheinpokal. Auch die Essener mussten beim Elfmeterschießen auf die Gästekurve zulaufen. Auch die Essener spürten von jetzt auf gleich die ungeheure Last, dass dieses Weiterkommen im Pokal nur noch von wenigen völlig freien Schüssen abhängt. Auch die Essener hatten während des Spiels den klassenhöheren Gegner MSV an den Rand der Niederlage gebracht. So viel Einsatz war vergeblich geleistet worden, und nun hing alles von den freien Schüssen ab. Ich habe mir die ersten beiden Elfmeter vom MSV Duisburg nicht ansehen können. Für mich wie für die ersten beiden Schützen war dieses Elfmeterschießen zu viel.

Der MSV Duisburg hat dem 1. FC Köln ein offenes Spiel geliefert. Von Anpfiff an zeigte diese Mannschaft, dass sie sich zutraut dem zwei Klassen höher spielenden Gegner offensiv zu begegnen. Die Kölner waren zunächst viel zu sehr damit beschäftig, sich der Angriffe des MSV zu erwehren, als dass sie selbst in die Nähe des Duisburger Strafraums hätten kommen können. Erst nach einiger Zeit gelangen erste Angriffe und in jedem einzelnen Angriff blitzten überlegene individuelle spielerische Qualitäten der Kölner Spieler zwar auf, dennoch gelang es der Defensive des MSV diese Angriffe fast immer in ungefährliche Spielaktionen zu verwandeln.

Die Mannschaft des MSV hat so sehr als Einheit gewirkt, dass ich lange nachdenken muss, um mich an einzelne Spielaktionen zu erinnern. Das Spiel wogte hin und her und war im ständigen Fluss. Auch die Kölner wirkten in dieser ersten Halbzeit als einziger Körper, der sich mal hierhinschiebt und mal dorthin, der sich ausbuchtet, je nachdem, wo sich der Ball gerade befindet. Es gab kaum Ruhephasen. Ständig passierte etwas. Es war ein sehr gutes Pokalspiel, in dem es schließlich auch auf beiden Seiten zu Torchancen kam. Nur bei diesen Torchancen deutete sich der Klassenunterschied an, die der Kölner waren klarer herausgespielt und eine ihrer Chancen war zudem die größte des Spiels. Michael Ratajczak war schon in die eine Ecke gesprungen, während der Ball in die andere Richtung trudelte. Die Fußabwehr sah sehr nach einer Spitzentanzfigur im Liegen aus und womöglich wäre der Ball im Tor gewesen, trüge Michael Ratajczak zwei, drei Größen kleinere Fußballschuhe.

Wie wir erwartetet hatten, versuchte der FC in der zweiten Halbzeit überlegener aufzutreten. Man spürte das Bemühen, mehr Torgefahr zu entfalten und zu zeigen, welche Mannschaft zwei Ligen höher spielt. Ein paar der Kölner Spieler schienen dann genervt davon zu sein, dass sich der MSV Duisburg davon nicht beeindrucken ließ. Den Zebras gelang es immer wieder die vermeintliche spielerische Überlegenheit im Keim zu ersticken, auch wenn es einzelne Situationen gab, in der ein einzelner Kölner Offensivspieler drei, vier Duisburger Defensivspieler beschäftigte. Dennoch begann ich mir Sorgen zu machen, die augenblicklich verschwanden als der eingewechselte Slawomir Peszko die rote Karte erhielt. Ich nehme an, in der nächsten Session wird er als „Doof Nuss“ im Karneval auf die Bühne gehen. Ein Freistoß war den Kölner zugesprochen worden. War es Tim Albutat, der die schnelle Ausführung mit Dazwischenstochern behindern wollte? Peszko hatte schon zum Tritt ausgeholt und zog dann einfach durch, als der Ball wegkullerte und sich das Schienbein Albutats als Ballersatz anbot. Da lässt sich eine wunderbare Slapsticknummer draus machen. Am Timing müsste Tim Albutat dann nur ein wenig arbeiten. Er fiel etwas spät. Sei es drum. Köln spielte fortan mit nur zehn Mann sehr viel defensiver.

Geduldig versuchte der MSV diese dicht gestaffelte zwei Reihen auszuspielen. Für mich war es überraschend, dass das sogar besser gelang als in der 3. Liga. Die Mannschaft ging das Risiko ein, was nötig ist, um mit Pässen freie Räume zu nutzen. Dennoch gelang es nicht, die eine große, unfehlbar auszunutzende Torchance zu erspielen. Es war einfach schwierig, den Druck zu erhöhen und gleichzeitig defensiv keine Blößen zu geben.

Wie gefährlich die Kölner auch in Unterzahl sein können, zeigte sich in der Verlängerung. Ihr präzises Passpiel auch über große Strecken machte ihnen einen Konter möglich, bei dem Michael Ratajczak schon ausgespielt war und der Ball aus halbrechter Position langsam auf das leere Tor zurollte und ich schon verzweifelte über diese nun doch eintretende Enttäuschung, die aber erst einmal noch verschoben wurde. Unfassbar langsam kullerte der Ball an den Pfosten und die Siegchance war noch da.

Unfassbar waren auch die zwei Pfiffe, mit der der Schiedsrichter zwei Spielaktionen von Kingsley Onuegbu nacheinander am Ende der ersten Hälfte der Verlängerung unterband. Eine gelbe Karte zeigte er dem Spieler sogar nach dem ersten Pfiff. Was hat er da gesehen? In beiden Situation setzt sich der „King“ zwar eckig, aber ohne Foulspiel durch. Das waren Pfiffe nach Augenschein, aus Sorge ein kämpferisches Spiel könne in rohe Gewalt umschlagen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Aus beiden Spielsituationen hätte Torgefahr entstehen können. Ich darf nicht darüber nachdenken, sonst wird aus Enttäuschung nur wieder Ärger.

Das Siegtor für den MSV fiel nicht mehr. Eine große Chance durch Dennis Grote gab es noch kurz vor Schluss, und als das Spiel abgepfiffen wurde, mischte sich meine Hoffnung bereits mit dem Aufbäumen gegen eine drohende Enttäuschung. Keine guten Voraussetzungen für ein Elfmeterschießen.

Als Trost erträumte ich mir auf dem Heimweg einen sicheren Aufstiegsplatz  ab Mitte März. Vielleicht kann Fabian Schnellhardt ein Gewinner dieses Spiels werden. War doch zum ersten Mal erkennbar, wie sehr der Mannschaft bei engen Räumen seine technischen Fähigkeiten nützen. Vielleicht aber kann auch die gesamte Mannschaft noch etwas gewinnen, wenn sie das Selbstbewusstsein in den Ligaalltag mitnimmt, ein Spiel bei engen Räumen auch gestalten zu können.

Trainerstimmen sowie: effzeh.com fragt – Kees Jaratz antwortet

Noch wenige Stunden bis zum Anpfiff des Pokalspiels vom MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln. Dank Kevin Scheidhauer herrscht in Köln über die Spielstärke des MSV keine vollständige Klarheit. Wenn ich FC-Trainer Peter Stöger auf der Pressekonferenz des 1. FC Köln höre, so verstärkt sich mein Eindruck, die gelb-rote Karte gegen Kevin Scheidhauer ist alles in allem ein Vorteil für den MSV Duisburg gewesen. Nicht nur, dass sich deshalb zwangsweise die Taktik im Spiel gegen Dynamo Dresden so verändern musste, dass die Dresdner kaum noch Vorteile aus ihrem überlegeneren Konterspiel ziehen konnten, nein, auch Peter Stöger musste ratlos nach Hause fahren. Zumindest gibt er vor, das Spiel habe ihm wegen eben dieser gelb-roten Karte nur wenig Aufschlüsse für das Pokalspiel heute geben können. Andererseits gibt es Infos anscheinend durch andere Quellen, was die ansonsten unaufgeregte Aura des hoffnungsfrohen Favoriten vollkommen erklärt.

Höre ich allerdings Gino Lettieri, so scheint mir die gelb-rote Karte doch von Nachteil gewesen zu sein. Das Spiel gegen Dynamo Dresden wurde einfach anstrengender für die Mannschaft. So ist das mit den Perspektiven, kaum vertraut man auf eine und meint die Wahrheit fest im Griff zu haben, kommt irgendein Widerspruch um die Ecke. Erst was wirklich wird, gibt einen Hinweis darauf, was wahr sein könnte. Ansonsten bemerke ich die unaufgeregte Aura des etwas weniger hoffnungsfrohen Außenseiters.

Von mir gibt es als Spielvorbereitung zwar keinen youtube-Clip, dennoch habe ich ebenfalls Fragen beantwortet – ganz im Zeichen der rheinländischen Städteverständigung. Sympathische Menschen unter den Anhängern des 1. FC Köln wie die Macher vom Online-Medium effzeh.com nutzen so ein Auswärtsspiel ihres Herzensverein nämlich in dieser Saison, um mehr über den Gegner und auch die Anhänger der fremden Vereine zu erfahren.  Fragen und Antworten waren gestern schon bei effzeh.com zu lesen. Heute biete ich „copy and paste“ als Service für die Klickfaulen unter euch. Auf dass ihr mitbekommt, welches Bild vom MSV nun bei einem Teil der FC-Anhänger in der Welt ist:

1. Der Zebra-Twist sorgt beim effzeh-Anhang stets für Erheiterung. Hat das Lied bei Euch ähnlichen Kultstatus?

Ich nehme an, du meinst Erheiterung als freundliches Lob, wenn du danach vom Kultstatus sprichst. Im anderen Fall wäre es so, als würde ich nach der FC-Hymne als diesem einen gefühlsduseligen Karnevalslied fragen. Du siehst, Kultstatus trifft es nicht ganz. Der Zebra-Twist gehört gegen alle modischen Ströme zur MSV-Identiät. Der Song hat alle Versuche, ihn in einer neuer Fassung zu modernisieren oder das Original gar durch ein anderes Stück ganz zu ersetzen überlebt. Das Original ist immer wieder zurückgekommen, weil ein sehr guter Song mit Wirkung über Generationen nicht besser zu machen ist und nicht einfach vergessen wird. Im Verlauf des Stadionhymnen-Hypes ist auch für den MSV eine Hymne hinzugekommen. Aber die steht neben dem Zebra-Twist. Ohne Zebra-Twist geht es nicht. Es gibt nicht viele Dinge, bei dem der MSV Vorreiter war. Der Zebra-Twist als Stadionsong ist es gewesen. Der MSV war der erste Fußballverein Deutschlands, in dem es vor dem Spiel ein Lied gab, in dem der Verein besungen wurde. Was in euren Ohren mehr Kult ist, ist in Duisburg starke Identität.

2. Auch der Stadionname ist eher ungewöhnlich, es sieht von außen betrachtet aus wie eine zu groß geratene Aral-Tankstelle. Ist die Duisburger Fußballheimat dennoch etwas für das Ruhrpott-Herz?

Spielte der MSV in den letzten Jahren immer nur abends gegen den FC seine Heimspiele? Abends kann einem das Blau ja schon mal in die Augen springen. Aber dieses Blau beleuchtet ein ganz gelungenes Stadion dieser Größenordnung. Wir sind damit sehr zufrieden und fühlen uns dort sehr zu Hause. Auch wenn jede spezielle Stadionfrage sofort die Hände zucken lässt, die das ganz große Hellmich-Fass aufmachen wollen. Schließlich ist die Freude über dieses Stadion ganz eng gekoppelt an die finanziellen Schwierigkeiten, die es mit sich gebracht hat. Das lassen wir heute aber. Es ist eine lange und vor allem ungeheuer komplizierte Geschichte. Wir wollen ja schließlich nicht den Anpfiff am Dienstag verpassen.

3. Das Duell gegen den effzeh wirkt auf den ersten Blick als Spiel des Jahres für die MSV-Fans. Trügt dieser Eindruck oder ist ganz Duisburg heiß auf eine Überraschung gegen uns?

Das Spiel des Jahres wird das Pokalfinale werden. Nach dem ersten Drittel der Saison bin ich noch zurückhaltend, wer weiß, was noch kommt. Aber im Ernst. Spiel des Jahres ist übertrieben, was nicht heißt, dass wir sehr gerne einen Sieg gegen den FC sehen würden. Wir Fans sehen aber sehr klar, dass der Erfolg in der Liga einen deutlich höheren Stellenwert hat als ein Weiterkommen im Pokal. Wenn am Dienstag das Stadion voll ist, kommen viele Zuschauer, die selten ins Stadion gehen. Insofern ist das Spiel schon ein besonderes Ereignis. Mit den Notwendigkeiten dieser Saison hat das aber nichts zu tun. Der Aufstieg ist so viel wichtiger als der Pokal, insofern habe ich und mit mir die meisten Anhänger des MSV die Hoffnung, dass das Spiel des Jahres im April spätestens im Mai stattfinden könnte.

4. Wir haben in Sachen DFB-Pokal nach der bitteren 1:2-Pleite vor vier Jahren noch etwas gegen den MSV gutzumachen. Wie hast du die damalige Partie und den anschließenden Zebragalopp bis ins Endspiel wahrgenommen?

Der FC war damals ja schwer angeschlagen. Ich erinner mich noch an die zum Teil hasserfüllte Stimmung auf den Rängen gegen die eigene Mannschaft. Wieder einmal waren Erwartungen enttäuscht, wurden Selbstbilder gekränkt. Ich habe diese schlechte Stimmung natürlich sehr nah mitbekommen, weil ich hier in Köln wohne, weil Freunde von mir FC-Anhänger sind. Deshalb schien mir die Außenseiterchance sehr groß zu sein, und als dann so früh der Führungstreffer für den MSV fiel, schien mir ein Sieg angesichts dieses unzufriedenen Heimpublikums immer wahrscheinlicher. Für den MSV überdeckte der Siegeszug im Pokal die Schwächen in der Meisterschaftsrunde der 2. Liga. Die Mannschaft hatte die Saison gut begonnen und spielte ab dem Herbst nur noch mäßig – außer im Pokal. Gleichzeitig rumorte es hinter den Kulissen, Gerüchte über die finanziellen Schwierigkeiten machten die Runde. Alles nicht sehr erquicklich – außer der Pokal. Dorthin konnte alle Hoffnungen auf die Zukunft hin ausgerichtet werden. Vorübergehend.

5. Derzeit läuft es beim MSV in Liga 3 eher durchwachsen, seit drei Spielen. Wo stehen die „Zebras“ derzeit? Auf was müssen wir uns gefasst machen?

In diesem Jahr wird es der FC wahrscheinlich leichter haben als bei der letzten Pokalbegegnung. Es sei denn, es passen an dem Tag viele Dinge zusammen. Grundsätzlich gibt es in dieser Saison einen Kader beim MSV mit guten Spielern, die an manchen Tagen mindestens zweitligatauglich sind. Defensiv steht die Mannschaft meist gut, und in der Offensive kommt es immer darauf an, wie sehr der Gegner das Spiel mitgestalten will. Es fehlt oft die individuelle Stärke, eine enge Defensive zu überspielen. Das geht vielen Mannschaften so in der 3. Liga. Pierre de Wit als kreativer Mann im Mittelfeld fehlt schon lange verletzt. Ich kann mir gut auch ein torloses Unentschieden als Ergebnis vorstellen, wenn ich sehe, dass auch der FC sich erst einmal defensiv orientiert.

6. Christopher Schorch und Fabian Schnellhardt waren früher beim effzeh, spielen seit dieser Saison beim MSV. Wie schlagen sich die beiden?

Christopher Schoch kommt gerade zurück in die Stammformation. Zu Beginn der Saison war er dort schon einmal, aber nach einer roten Karte kam er nicht sofort zurück in die Anfangsformation. Er ist sehr präsent und selbstbewusst, defensiv stark, das Spiel nach vorne entspricht in der Qualität nicht ganz seinem Selbstbewusstsein. Ausbaufähig und – nötig, wenn es weiter nach oben gehen soll. Fabian Schnellhardt soll sich beim MSV entwickeln, hat bisher nur Einwechselzeiten, meist in den letzten 20 Minuten, wenn ein unentschiedenes Spiel noch gewonnen werden soll. Nach blassen Anfängen nun deutlich präsenter. Wächst gerade in die Mannschaft rein. Bislang fehlte Bindung, damit er Möglichkeiten erhielt, seine starken technischen Fähigkeiten auszuspielen.

7. Du lebst selber in Köln. Wie ist dein Verhältnis zum effzeh, was verbindest du mit unserem Klub?

Ich sage immer, Köln und das westliche Ruhrgebiet sind für mich benachbarte Stadtteile meiner imaginären Heimatstadt, und natürlich kommt man als Kölner in keiner Weise am FC vorbei. Nachdem ich Anfang der 1980er Jahre nach Köln zog, wurde dieser Verein ja immer klarer Teil der Identität dieser Stadt. Der Fußball überhaupt entwickelte ja einen ganz anderen gesellschaftlichen Stellenwert. Sprich: ich verfolge, wie der Verein spielt, frozzel die FC-Fans unter meinen Freunden an, wenn es mal wieder nicht so gut läuft, hin und wieder bin ich auch ohne MSV-Beteiligung im Stadion. Selbst Basketball spielend gehört mein Herz in Köln allerdings dem Basketball, lange Zeit ja dem Erstligabasketball. Momentan kann ich sogar Anhänger meines Heimatvereins sein, des Deutzer TV. Dort spielt die erste Mannschaft in der 2. Regionalliga einen wirklich guten Ball. Neben MSV und Deutzer TV bleibt für den FC also kaum Zeit.

8. Zum Schluss: Zebras oder Geißböcke – wer macht sich auf ins Achtelfinale?

Realistisch betrachtet wird der FC mit einem Tor Anfang der zweiten Halbzeit das Spiel entscheiden. Andererseits entwickeln sich Fußballspiele, und natürlich kann ein weiterer Kölner immer mal wieder ein unfassbares Tor wiederholen, wie er es neulich geschossen hat. Michael Gardawski hob den Ball von nahezu der Grundlinie außerhalb des Strafraums ins lange Eck. Großartiges Tor, großartiger Sieg. Gefiele mir deutlich besser

Dänen lügen nicht – Bewegtbilder aus der Pokalvergangenheit gegen den FC

Neulich erzählte ich es schon, ein nach Duisburg zugezogener Däne hospitiert momentan bei mir. Der Stig kommt aus Aarhus, und  wenn sich einer dort als Jugendlicher Ende der 1990er Jahre für Fußball interessierte, ist es schon verständlicher, warum seitdem sein Herz für den MSV Duisburg schlägt. Die Geschichte wird er sicher später mal selbst erzählen.

Gestern saß er schon an seinem Premierenbeitrag hier, den ich aber erst nach dem Spiel gegen Dresden online stellen werde. Denn Der Stig hat schöne Bewegtbilder zur Pokalvergangenheit mit dem 1. FC Köln gefunden. Allerdings versteht er nicht, warum ich mich heute noch voll und ganz auf das Punktespiel gegen Dynamo Dresden konzentrieren will. Das Pokalspiel ist doch nur das wunderbare Zusatzprogramm bei der viel wichtigeren Pflicht, drei Punkte gegen Dynamo Dresden zu holen. Jetzt schon einen Blick auf Dienstag zu werfen, das lenkt zu sehr ab. Wenn wir das hier machen, geht das vielleicht auch dem ein oder anderen Spieler so. Das Risiko will ich nicht eingehen. Der Stig ist zu ungestüm.

Zumal der Spieltag gestern schon sehr gut begonnen hat. Wieder neutralisierte ein Punkteschwächerer der neun Tabellenersten den Punktevorsprung des Gegners, Arminia Bielefeld besiegte Rot-Weiß Erfurt mit 3:0. Zur Halbzeit hoffte ich zudem sogar noch auf den Sieg von Fortuna Köln gegen Preußen Münster. Mit dem 1:1-Unentschieden bin ich aber auch zufrieden.  Zum Spiel der Ersten Liga sage ich jetzt nichts, das kann Stig Sonntagabend machen bei seinem Beitrag.

Nichts da Sonntag. Dänen lügen nicht! Klingt gut. Ab jetzt immer, wenn ich es bin. Ihr habt´s mitgekriegt? Hier schreibt jetzt Der Stig. Kees hat keine Ahnung. Ihr seid doch nicht weich in der Birne. Der macht´s manchmal einfach zu kompliziert. Natürlich wisst ihr, dass es heute WICHTIG ist. Aber heute Abend, nach dem Spiel kann man sich doch schon mal ein paar Bilder von früher angucken. Hat der sie noch alle? Ich habe die Clips gefunden. Und wenn ich die Dinger online stellen will, dann stelle ich die online. Sonst bleibt euch bis Dienstag doch auch gar keine Zeit, das alles zu gucken. Eine Reportage, ein ganzes Pokalspiel mit Verlängerung. Das musst du doch über ein paar Tage verteilen.

Bevor ihr die Bewegtbilder kriegt, könnt ihr euch mal ansehen, dass die Zebras Heimspiele im Pokal gegen den 1. FC Köln noch nie verloren haben. Passt doch, oder?

1981/1982, 1. Runde:         2:1

1990/1991, Halbfinale:     0:0 n.V. , da gab es dann noch dieses blöde Rückspiel. Sach ich gleich noch was zu.

1992/1993, 2. Runde:       0:0 n. V. , 4:3 im Elfmeterschießen

Das Halbfinale in der Saison 1990/1991 war ja vor meiner Zeit. Damals spielten die Zebras als Zweitligist gegen den FC als Bundesligisten und hätten ihn im Heimspiel fast besiegt. Kees war damals dabei und hat mir erzählt, dass es im Rückspiel am 7. Mai im Müngersdorfer Stadion dann keine Chance mehr gab. Undenkbar heute, dass sich im Müngersdorfer Stadion die Kölner Hools immer auf dem Oberrang der Nordkurve einfanden, weil sie von da aus problemlos mal eben oberhalb des Gästeblocks im Unterrang rübermachen konnten. In dem Spiel aber ergebnislos, sagt Kees.

Dazu passen die ersten beiden Clips, die ich gefunden habe. Die zeigen eine Reportage über die Fahrt der Kölner Hooligans zum Halbfinale nach Duisburg. Kees meint, das sieht im Gegensatz zu der Front zwischen Polizei und Fanszenen heute richtig gemütlich aus. Keine Ahnung, ob das stimmt. Könnt ihr ja mal was zu sagen. In dem Rückspiel gab es noch eine Besonderheit, die „Mach et Otze“-Geschichte. Was für ein Ding, dass FC-Trainer Erich Rutemöller dem Stürmer Frank Ordenewitz erlaubte, eine rote Karte zu provozieren. Der wäre im Pokalfinale wegen seiner gelben Karten gesperrt worden. Die Sperre für rot gab´s damals in den Punktespielen. Am Ende ist er dann doch gesperrt worden, weil Rutemöller nach dem Spiel einfach mal erzählte, wie sie das Sperren-Ding gedreht haben.Blöd gelaufen.

Nun aber zurück zum Hinspiel am 23. April 1991, hier erstmal die Reportage in zwei Teilen – dank mitderstrassenbahn.

Teil 2:

Das Hinspiel ist sogar in voller Länge online gestellt – der Dank gilt. Qualmi1982.

Die zweite Halbzeit samt Verlängerung

Zwei auf einen Wochenendstreich

Wenn demnächst die Verantwortlichen vom MSV Duisburg auch noch den dieses Mal spielfreien Samstag für ein drittes Pokalspiel nutzen, muss auf jeden Fall ein T-Shirt mit Aufdruck her. Weitere Siege natürlich vorausgesetzt. Drei auf einen Wochenendstreich! So ähnlich stelle ich mir die Botschaft dann vor. Beim Aufwärmen vor allen Spielen stets zu tragen. Es soll ja schon mal einen Handwerker der Modebranche gegeben haben, der sich mit einem ähnlichen Spruch auf einer Schärpe Respekt und den Ruf der Unbesiegbarkeit erwarb. Eine Prinzessin gab es am Ende obendrein.

Im Ligaalltag könnte so ein Ruf der Unbesiegbarkeit dann von einigem Nutzen sein. Denn die Heimspiele des Ligaalltags werden wieder schwerer als das DFB-Pokalspiel zu bewältigen sein, und dennoch dürfen wir die Hochstimmung nach dem 1:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg weiter genießen. Und natürlich dürfen wir uns über den 9:0-Pflichtsieg im Niederrheinpokal gegen den Duisburger FV 08 freuen. Zwar hat es in der letzten Saison den Sieg gegen RB Leipzig gegeben, bei dem schon euphorische Siegesfreude überschwappte, doch mit diesem Pokalsieg gibt es für mich zum ersten Mal wieder auch Leichtigkeit mit dem MSV Duisburg, steckt in dem Sieg mehr Zukunft als notwendige Pflicht. In gewisser Weise macht dieser Sieg frei. Erst mit diesem Sieg werden all die Gefahren und Bedrohungen des letzten Jahres abgeschüttelt. Erst dieser Sieg weist nach vorne, ohne an die Beschwernisse der Vergangenheit gekettet zu sein.

Dabei kann ich mich an kein Fußballspiel erinnern, in dem der Ball so selten in Tornähe kam und ich dennoch von einem guten Spiel des MSV Duisburg schreibe. Die einzigen zwei wirklichen Torchancen hatte der MSV Duisburg. Eine davon war der Elfmeter, den Zlatko Janjic sicher verwandelte. Während des ganzen Spiels bekamen die Nürnberger den Ball nicht ein eiziges Mal gefährlich auf das Tor. Was uns auf dem Stehplatz natürlich dennoch keineswegs gelassen machte. So richtig trauen wollten wir dem sicheren Spiel des MSV Duisburg nicht. Dazu spielte der MSV Duisburg uns in der zweiten Halbzeit nach vorne nicht ambitioniert genug. Das war natürlich zum einen der großen Laufarbeit während der ersten Halbzeit geschuldet, zum anderen hieß es im Zweifelsfall, Defensive zuerst, keinerlei Risiko eingehen. Das Offensivspiel blieb so in der zweiten Halbzeit mehr oder weniger unberücksichtigt, aber keineswegs zufällig. Das Spiel lief kontrolliert und nach Plan.

Dafür war in der ersten Halbzeit ein MSV Duisburg zu sehen gewesen, der jegliches Nürnberger Spiel im Keim erstickte. So früh und ausdauernd wurde der Spielaufbau der Nürnberger gestört, dass wir darin das große Selbstbewusstsein dieser Mannschaft erkennen. Die Zebras zeigten von Anbeginn an, dass sie sich ebenbürtig fühlen. Vor allem aber konnten sie mehr als nur das Spiel des Gegners zerstören. Sie schalteten schnell um, ließen den Ball laufen und erarbeiteten sich so die einzigen zwei wirklichen Torchancen des Spiels. Hätte Zlatko Janjic den perfekt ausgespielten Konter kurz vor der Halbzeitpause zielsicherer in eine der beiden Torecken geköpft statt in die Tormitte, hätten wir vollends entspannt dem Schlusspfiff entgegen gesehen. So aber blieben die Zweifel, weil in der zweiten Halbzeit der Zufall dem 1. FC Nürnberg hätte zugute kommen können.

Dieser Zufall war die einzige Hoffnung der Nürnberger. Sie waren hilflos in ihrem Bemühen in Tornähe zu kommen. Wann habe ich so etwas einmal vom Gegner schreiben können? Das Angriffsspiel mit Kingsley Onuegbu wirkt übrigens manchmal wie ein taktischer Kompromiss. Als Anspielstation ist er unverzichtbar, beim schnellen Umschalten aber fehlt ihm natürlich die Schnelligkeit und steile Pässe in den Strafraum erreicht er niemals. Zwei, dreimal waren solche Pässe die eigentlich folgerichtigen Pässe, für die der Mannschaft momentan der Spieler fehlt. So lange dieser Kompromiss einer derart überlegenen Spielkontrolle dient, soll er mir recht sein.

Aber eines ist klar, obwohl der MSV Duisburg mit dem 1:0-Pokalsieg gegen den 1. FC Nürnberg seinen Ruhm sehr viel klarer begründete  als der zu Beginn erwähnte Modehandwerker mit dem Fliegenmord den seinen, kann auch die Fußballmannschaft in den kommenden Wochen etwas von dessen Gewitztheit bei der Lösung kommender Aufgaben gebrauchen. Keine Frage, dem MSV Duisburg gelang ein großartiger Pokalsieg, doch im Alltag der Liga wird er nur im ersten Moment des Spiels etwas wert sein. Wenn in so einer frühen Phase des Spiels der MSV nicht in Führung gehen kann, müssen originelle Lösungen für den Spielaufbau in zweiten Halbzeiten her. Wie immer ist dann die große Frage, wie die Ordnung der Defensive bewahren und zugleich den Druck der Offensive erhöhen? Aber für die Prinzessin des MSV, den Aufstieg, wird Gino Lettieri doch bestimmt was Gutes einfallen. 

Clubfans United fragt – Kees Jaratz antwortet

Das müssten mal die Bremer oder Münchner Anhänger beantworten. Strahlte Valérien Ismaël schon als Spieler nach Niederlagen eine solch grimmige Entschlossenheit aus? Wenn man den Trainer des 1. FC Nürnberg  in der Pressekonferenz seines Vereins vor dem heutigen Pokalspiel gegen den MSV Duisburg sieht, möchte ich als Journalist eigentlich nur ganz vorsichtig Fragen stellen, auch wenn ich mir seiner Höflichkeit sicher sein könnte.
 
 
Nur gut, dass solche Entschlossenheit nicht zwangsläufig auf die Spieler übergeht. Warten wir also ab, wie das, laut Dennis Grote, „Riesenbonus“-Spiel sich heute Abend entwickelt. Gegenüber den Pokalspielen der letzten Jahre nehme ich das Spiel jedenfalls sehr viel weniger wichtig. Der Erfolg in der Liga ist in dieser Saison ungleich bedeutsamer als in den Spielzeiten der jüngsten Vergangenheit. Jedes Zeichen für die weitere Stabilität der Mannschaft würde mich dementsprechend heute fast genauso froh stimmen wie ein Sieg. Fast, wohlgemerkt.
 Gestern konnte ich mich auch mal wieder als Botschafter in Sachen MSV-Fantum für regionsverbindendes Verständnis einsetzen. Alexander Endl von dem Online-Magazin Clubfans United hatte ein paar Fragen per E-Mail rübergeschickt. Seine einleitenden Worte zum Beitrag bei Clubfans United zeigen, die Anhänger des 1. FC Nürnberg hegen eine Liga höher momentan ähnliche Hoffnungen und Zweifel wie wir in Duisburg. Hier also meine Antworten auf seine Fragen; kommentiert drüben, wenn ihr bei der Einschätzung zur Lage beim MSV anderer Meinung seid.
 
[Clubfans United] Hallo Ralf, wir begrüßen Dich in unserer Interview-Reihe „Von Fan zu Fan“. Wie im Vorfeld schon mal angesprochen – und vielleicht nochmal für die Leser als Zusammenfassung – geht es bei unseren Interviews weniger um das Tagesgeschäft Fußball, sondern wir nehmen die Gelegenheit des Aufeinandertreffens unserer Vereine wahr, um euch Fans in den anderen Farben ein wenig näher kennenzulernen. Daher auch meine erste Frage: Wie wird man eigentlich Fan des MSV Duisburg und was macht den Reiz des Vereines aus?
 Zunächst mal gehöre ich ja einer Generation an, für die es noch recht wahrscheinlich war, sich vom Verein der eigenen Heimatstadt begeistern zu lassen. Allerdings hielt sich das in Grenzen bei einem Siebenjährigen, als er mit seiner Mutter und deren Cousin zum ersten Mal im Stadion war. Der MSV gegen den 1. FC Kaiserslautern. So ein Fußballspiel konnte ganz schön langweilig sein. Richtig begeistert war ich erst nach der Grundschule, als ich in der fünften Klasse neuen Freunden begegnete, mit denen ich dann samstags ins Stadion ging. In die Gerade, wo damals 1972 im Wedaustadion die Stimmung gemacht wurde – in den Mob, so hieß die „Kurve“ damals. Seitdem gehört der MSV zu meinem Leben. Und der Reiz, soll man über Gefühle weiter nachdenken? Wir passen gut zueinander, der MSV und ich. Jeder macht das, was ihm am meisten Spaß macht. Ich stehe auf dem Rang, guck zu und schreibe. Der Verein kümmert sich um den Sport. Und all die Jahre hoffe ich immer wieder, wir verändern uns nicht so sehr, dass wir uns nichts mehr zu sagen haben.

[Clubfans United] Du hast ein „Zebrastreifenblog“ – wie kam das, was passiert da und was liest man als Fan des MSV sonst so regelmäßig im Netz?

Begonnen habe ich den Blog, weil ich ein Medium abseits meines beruflichen Schreibens brauchte. Es gab ein paar Dinge, über die ich schreiben wollte, für die mir als Journalist oder Autor niemand Geld geben wollte. Ich wollte diesen Worten aber dennoch die Chance auf Öffentlichkeit geben. Das war zunächst nicht der Fußball oder der MSV als grundsätzliches Thema, ich wollte den Fußball nur zur roten Linie dieses Mediums machen. Mir ging es damals wie heute um Leben und Kultur im Ruhrgebiet und speziell Duisburg, das sich unter anderem auch beim Fußball ausdrückt. Darüber hinaus ist der Fußball in dieser Gesellschaft so wichtig geworden, dass mit ihm weitere Themen zu erzählen sind, seien es Fragen der Identität, seien es Diskussionen über Politik und Gewalt.

Was das Lesen angeht, bin ich einerseits eine Art Junkie, egal was an mir vorbeitreibt, es wird gelesen, da folge ich Links bei Twitter, Facebook oder der Link11 von Fokus Fußball. Das sind die Online-Ableger der klassischen Print-Medien. Das kann aber auch was völlig Abseitiges sein, Zufälliges. Andererseits habe ich viel zu wenig Zeit. Ich weiß, das geht fast allen so.

[Clubfans United] Und du bist ja auch Buchautor, wie kam es dazu?

Ganz pragmatisch. Ich verdiene mit Schreiben mein Geld – schon seit einer Zeit, als Texte von freien Autoren noch per Brief in die Redaktionen geschickt wurden, also lange vor dem Bloggen, und wenn ein Verlag eine Buchidee aufgreift, mache ich das Buch. 111 Fußballorte im Ruhrgebiet zu erzählen, war dann natürlich eine Herzensangelegenheit, wenn auch der Titel durch die Buchreihe bedingt etwas in die Irre führt. Gesehen haben muss man all diese Orte nicht unbedingt, doch die Geschichten dazu, die sind erzählenswert, zumal ich damit ein kleines Mosaiksteinchen zur Pott-Identität beitragen wollte.
 [Clubfans United] Zum Verein: Duisburg gilt bei uns (neben Aachen) so bisschen als Schreckgespenst. Schreckgespenst im Sinne der griechischen Mytologie des Ikarus: Zu hoch hinaus gewollt, sich die Flügel/Finger verbrannt und dann tief gestürzt. Wann immer bei uns einer rund um den Verein fordert, doch endlich mal den Stadionneubau anzugehen, zieht man Duisburg und Aachen aus der Tasche. Kann man das so einfach auf den Punkt bringen? Oder war das in Duisburg eine ganz besondere Situation?
  Natürlich gibt es in jeder Stadt Besonderheiten, auf die hier einzugehen zu weit führen würde. Grundsätzlich ist es aber bei der Erfüllung des Stadionstraums nicht anders als beim Häuslebau. Die Finanzierung des Baus braucht Spielraum für die Krisen des Lebens. Wenn ich die Baufinanzierung so knapp kalkuliere, dass kein Spielraum für die schlechten Zeit bleibt oder es keine Vertragsklauseln zur Anpassung an schlechte Zeiten gibt, braucht man sehr, sehr viel Glück, damit alles gut geht. Es ist ja ganz einfach, wenn die monatlichen Belastungen durch den Bau so hoch sind, dass die Einnahmen niemals zurückgehen dürfen, wird ein Abstieg mehr als nur die sportliche Enttäuschung. Der Abstieg ist dann die Finanzkatastrophe, die wie bei allen Hasardeur-Geschäften noch weiter vorangetrieben wird dadurch, dass im Moment der Katastrophe noch einmal alles auf eine Karte gesetzt wird. Das Risiko wird noch einmal erhöht, denn bei den anwachsenden Schulden kommt es auf einige wenige Millionen mehr auch nicht mehr an.
 [Clubfans United] Ihr seid nun im zweiten Jahr in Liga 3 – wie scheiße (sorry) fühlt sich das an, für einen Verein, der als Meidericher SV ähnlich wie der 1. FC Nürnberg eigentlich zum Bundesliga-Establishment gehören müsste? Gewöhnt man sich daran? Oder hat man mit seiner Vergangenheit längst abgeschlossen? (Was auch hier in Franken manchem gar nicht mal schlecht täte…)
  Nein, an die 3. Liga sind wir nicht gewöhnt. Ich hoffe natürlich, dass wir uns auch nicht daran gewöhnen müssen. Bundesliga-Establishement ist allerdings weit entfernt und ich glaube auch nicht, dass die meisten Zuschauer in Duisburg sich als Anhänger eines eigentlich zur Bundesliga gehörenden Vereins verstehen. Was nicht bedeutet, dass wir davon träumen, irgendwann mal wieder dahin zu kommen. Wir wären aber erstmal ganz zufrieden, wieder in die Zweite Liga aufzusteigen. Dennoch bringt gerade die Vergangenheit dem Verein Kraft für die Gegenwart. Es gibt eine Rückbesinnung auf die Tradition des Meidericher Spielvereins, auf den Stolz durch die Bindung an Arbeiter- und Stadtkultur. Daraus schöpft der Verein nach der großen Krise des letzten Sommers gerade große Kraft.
 [Clubfans United] Ihr hattet sogar noch in Liga 3 regelmäßig über 10.000 Zuschauer – wie leidensfähig ist eigentlich der Zebrafan?
  Es gibt tatsächlich diesen Stamm von etwa 10.000 Zuschauern, die bei stabilen Zweitligaverhältnissen kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Stamm in der 3. Liga dauerhaft hielte. Die MSV-Fans sind in Teilen ein sehr kritisches Publikum, das hin und wieder auch spielerische Momente einer Mannschaft sehen möchte, solange kein klares Erfolgsnahziel wie der Aufstieg oder ein Kampf gegen den Abstieg vorhanden ist. Das Niveau der 3. Liga reicht da nicht aus, obwohl wir alle natürlich sehr leidensfähig sind, was aber, so glaube ich, für die meisten Anhänger von Vereinen in der Größenordnung wie dem MSV gilt.
 [Clubfans United] Der Club zählt u.a. Richard von Weizsäcker zu seinen Fans (angeblich), beim MSV sagt man das Jürgen Hingsen nach (die Älteren werden sich erinnern). Auch Atze Schröder soll sich zu den Zebras bekennen. Ist der MSV noch irgendwie „Kult“? Was würdest du als besonders liebenswert, bemerkenswert oder kurios rund um den MSV bezeichnen?
 Da der Verein in den letzten Jahrzehnten doch eine sehr wechselvolle Geschichte erlebt hatte, komme ich noch einmal auf den letzten Sommer zurück, der eine Rückbesinnung auf notwendige Werte eines Fußballvereins wie dem MSV mit sich brachte. Verein und Anhänger sind auf eine Weise zusammen gerückt, wie es seit Jahren nicht mehr der Fall war. Natürlich liegt das auch am Personalwechsel beim MSV Duisburg, wo nun Menschen Verantwortung tragen, die ihre Visionen aus der Basis dieses Vereins heraus schöpfen und nicht aus irgendwelchen Hochglanzfantasien, die das Unterhaltungsprodukt Fußball ständig im TV präsentiert. Es gib nun ein deutliches Wissen der Verantwortlichen, dass ein Verein wie der MSV Duisburg seine Zuschauer nicht ganz so sehr als Kunden begreifen kann wie ein Erstligist im oberen Drittel der Tabelle. Als Fußballzuschauer steckt man ja in äußerst widersprüchlichen Verhältnissen zwischen Anhängerschaft und Kunde-Sein, das einem Verein bewusst sein muss. Aber auch das führt hier zu weit.
 [Clubfans United] Wie würdest du euer (Fan-)Verhältnis zum Club beschreiben? Und dein ganz persönliches?
Auf den reinen Sport bezogen fällt mir jetzt auf Anhieb keine wirkliche Besonderheit ein. Für einige hier liegt allerdings eure Fanfreundschaft mit den Schalkern schwer im Magen, nach dem Motto der Freund unserer Feinde ist auch unser Feind. Ich bin da nicht so sehr im Thema. Für mich war Nürberg in der Ära von Roth das Beispiel, wie jemand lange braucht, um zu erkennen, dass im Fußball auch andere Fähigkeiten gebraucht werden, als nur die, die einen Unternehmer groß gemacht haben. Als Walter Hellmich sich in Duisburg zum Alleinherrscher aufschwang, hatte ich kurze Zeit die Hoffnung, er könne ähnliche Einsichten gewinnen wie Roth, der ja irgendwann dann doch sich aus den sportlichen Belangen endlich raushielt. Diese Hoffnung wurde aber schnell enttäuscht. Und Roth hatte im Gegensatz zu Hellmich – so weit ich weiß –  wenigstens keine direkten wirtschaftlichen Interessen am Verein. Das war doch mehr die alte Schiene über den Fußball mit den wichtigen Menschen der Region die Kontakte pflegen?
 [Clubfans United] Der Club hat gerade sein Derby mit 1:5 verloren. Die letzten beiden Jahre schied man zuverlässig in Runde 1 gegen unterklassige Gegner aus. Duisburg hat ein Heimspiel. Also: Alles außer ein Sieg der Zebras wäre eine Überraschung. Oder? (Die Ironie daran nehmen wir da ganz zu unseren Lasten)
  Wenn du das so sagst, passt das zu meinem jetzigen Empfinden. Ich mag gerade keine Überraschungen. Ich hatte in der letzten Zeit genug davon. Ich möchte Normalität. Wird aber dennoch schwierig. Die Defensive der Mannschaft ist noch nicht die Beste. Da greift noch nicht alles ineinander, um es mit Gino Lettieri zu sagen, es geht nicht nur um die Abwehrreihe. Es geht um das Defensivverhalten im Ganzen. Ihr werde also wahrscheinlich die ein oder andere Chance erhalten, bei der ich dann nur auf Abschlussschwäche eurer Angreifer setzen kann. Dem MSV gelingen ja kurioserweise trotz ebenfalls noch vorhandenem Schwächen in der Offensive regelmäßig Tore. Also, schauen wir mal.
[Clubfans United] Wir bedanken uns schon mal für das Interview. Hat uns gefreut Dich und damit stellvertretend die Zebrafans ein wenig kennen zu lernen. Dir gehört auch das letzte Wort – also wenn du Oma grüßen willst, der Liga den Kampf ansagen oder den Weltfrieden ausrufen, dann hast du jetzt die Chance!
  Das mach ich ganz kurz, ich sag auch danke für euer Interesse und wünsche den Clubfans United mehr Erfolg als der Mannschaft, für die euer Herz im Pokalspiel schlägt.
 

Der BVB-Pokalsieg 1989 nebst dem Mantra vom eigenen Weg des MSV

Das erste Mal habe ich 1998 in Berlin vor dem DFB-Pokalendspiel des MSV gegen die Bayern kurz gedacht, für Borussia Dortmund begann die erfolgreichere Fußballgegenwart mit dem DFB-Pokalsieg 1989 gegen den SV Werder Bremen. Für wenige Stunden sah ich einen MSV Duisburg, der seine Chance ergriff, es diesem Vorbild nachzumachen. Es sollte nicht sein. Details erspare ich uns heute. Der Groll gegen den Unaussprechlichen dieser Bayernmannschaft jener Saison sitzt tief. Über die Jahre  musste ich danach immer mal wieder an diesen Initialerfolg des BVB denken, wenn der MSV Duisburg sich im Pokal auf den Weg machte. Nicht mehr so ernsthaft wie seinerzeit, eigentlich wurde daraus eine Art Mantra des eigenen Weges. Nicht mal das Pokalendpiel 2011 gegen den FC Schalke 04 hat mich für die Zukunft ernsthaft eine Duisburger Variante der Dortmunder Geschichte erkennen lassen. Irgendwas müssen wir als Anhänger der Zebras ja für unser emotionales Gleichgewicht immer mal wieder selber tun.

Dieser eigene Weg führte bekanntermaßen vor einiger Zeit ins Unterholz, wo an einigen Stellen nicht einmal mehr ein Trampelpfad erkennbar war. Nur die Richtung war zu erahnen und: dass nur noch das schwere Gerät des Schuldenschnitts weiterhelfen könnte. Im Moment geht es immer noch nur meterweise vorwärts. Andere Maschinen sind an dieser Stelle nötig, aber die müssen erstmal vor Ort gebracht werden. Wollen wir hoffen, dass das rechtzeitig gelingt. Endlich wieder einmal freie Wegstrecke vor sich zu sehen auf einer winzig kleinen Landstraße würde mir völlig reichen. Die Reststrecke zum überregionalen Straßennetz kriegen wir dann auch noch hin.

Der MSV Duisburg hat am Donnerstagabend den Niederrheinpokal gewonnen. Es ist der erste Titel des Vereins nach dem Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft 1987. Wenn das nicht ein gelungener Rahmen für eine Erzählung über den eigenen Weg ist, weiß ich es auch nicht. Beim MSV Duisburg gibt es momentan die Möglichkeit, die Zukunft realistisch zu gestalten. Ich denke weniger an den sportlichen Erfolg, den wird es auch geben, ich denke, vor allem an die Vereinsstruktur und die des Wirtschaftsunternehmens MSV Duisburg. Wenn der MSV Duisburg sich momentan an die Öffentlichkeit wendet, sehen wir den gelingenden Balanceakt, konkrete Informationen und immer auch notwendiges nichtöffentliches Arbeiten in den informativen Gleichklang zu bringen. Als letzter Beweis für die Qualität dieser Arbeit bleibt das Schließen der Finanzlücke von 2.7 Millionen Euro bis zum 27. Mai. Wenn das gelingt, ist der MSV Duisburg tatsächlich auf einem eigenen Weg in diesem Unterhaltungsbetrieb Fußball. Noch muss sich der Verein Vertrauen von Geldgebern hart erarbeiten. Doch letztlich muss sich jeder einzelne Geldgeber zu Vertrauen entschließen. Es gibt keinen letztgültigen Beweis, der einem Vertrauen erleichtert. Es muss trotz Unsicherheit der Zukunft gehandelt werden.

Wenn Zuschauer des MSV Duisburg und Anhänger dieses Vereins irgendetwas zu solch einem Entschluss von Geldgebern haben beitragen können, so ist das geschehen. Es gibt ein wachsendes Umfeld des MSV Duisburg voller Kreativität, Engagement und sozialem Bewusstsein. All das ist auch der MSV Duisburg. All das gehört zum positiven Bild dieses Vereins. Ich hoffe sehr, dass mit der Strahlkraft dieses Bildes Menschen vom MSV Duisburg überzeugt werden können, die diesem Fußballunternehmen noch nicht nahe stehen. Denn nur diese Menschen werden das noch fehlende Geld aufwenden und damit in Teilen eigene öffentlichkeitswirksame Zwecke verfolgen. Mit dem MSV Duisburg der Gegenwart werden sie diese Ziele ihrer Öffentlichkeitsarbeit erreichen können.

All das geht mir heute morgen durch den Kopf, weil der BVB heute, 25 Jahre nach diesem DFB-Pokalsieg, erneut im Endspiel steht. Damals hat der WDR in der Aktuellen Stunde am Tag nach dem Pokalsieg eine Reportage über den Tag zuvor gezeigt. Diese Reportage ist von beeindruckender Qualität, wenn ihr euch vorstellt, wie schnell diese Reportage entstanden ist. Heute wird so etwas, nur wenig länger im 45-Minuten-Format, als abendfüllende Doku gezeigt. Die Fakten zum Spiel, Atmo, das Mitfiebern der Fans und der Rückblick in die Vergangenheit des BVB, alles ist dabei. Respekt! Und nun viel Spaß bei diesem Clip als Vorspiel für heute Abend, mit schönen Momenten neben dem eigentlichen Thema Pokalgewinn, die immer wieder zeigen, wie sehr sich der Fußball als Unterhaltungskultur in diesen 25 Jahren verändert hat. Ein Stichwort etwa: die Einlasskontrolle.

Und nun die ganze Konzentration für Liga 3

Wahrscheinlich denken die Verantwortlichen vom SC Paderborn immer weiter über noch mehr Worte nach, die den 3:2-Sieg im Spiel gegen den MSV Duisburg als Resultat der eigenen Leistung beschreiben. Wenn etwas kaum vorhanden ist, bedarf es großer Erklärungen, damit die Menschen etwas so verstehen, wie man es selbst gerne wünscht. André Breitenreiter, der Trainer vom SC Paderborn, hatte nach der hohen Niederlage gegen den FC Energie Cottbus mehr Einsatz von seiner Mannschaft gefordert. Diesen Einsatz zeigten die Paderborner Spieler. Viel mehr aber auch nicht. Für den Sieg brauchte der SC Paderborn tatkräftige Unterstützung vom MSV Duisburg.

So fühlt sich diese Niederlage auf eine merkwürdige Weise unangenehm an. Es gibt verdiente Niederlagen, unglückliche Niederlagen, Niederlagen ohne notwendige Gegenwehr und diese Niederlage, die sich auf zwei Fehler reduzieren lässt, die innerhalb von einer Minute eine 0:1-Führung in einen 2:1-Rückstand verwandeln. Von weiteren Fehlern lässt sich natürlich auch erzählen. Doch diese eine Minute wirkt wie eine Skizze des Spiels, die das Wichtigste zeigt. Deshalb schillert dieses Gefühl der Enttäuschung so sehr. In diese Enttäuschung mischt sich immer mal wieder leiser Ärger, der keinen rechten Adressaten findet, weil ich dieser Mannschaft noch immer mit viel Nachsicht begegne. Zu Recht! Deshalb ist meiner Enttäuschung als Grundbass die so gegenläufige Begeisterung unterlegt.  Begeisterung über die weiter vorhandene Stimmung in diesem Stadion, aber auch über die immer klarer erkennbaren Möglichkeiten für eine druckvolle Offensive in dieser Mannschaft. Und letztlich mischt sich als Schlussakkord Sorge ein, dass diese Ansätze doch nicht in einer dauerhaften Wirklichkeit enden.

Die Mannschaft vom MSV Duisburg wollte den Sieg und im dritten Pflichtspiel der Saison war erneut ein Fortschritt zu erkennen. Die Mannschaft wollte sich den Sieg erspielen. Diese Mannschaft brauchte nicht die üblichen Mittel des niederklassigen gegen den höherklassigen Gegner. Kampf und durch begeisterte Zuschauer zusätzliche Kräfte kamen allenfalls hinzu. Die Grundlage des Spiels vom MSV Duisburg war der Versuch, schnell, geordnet und variabel den Ball nach vorne zu bringen. Die Paderborner spielten sehr zurückgezogen und attackierten nur manchmal plötzlich in der Hälft des MSV, was sofort aber ein grundsätzliches Problem im Spiel des MSV offen legte. Im zentralen Mittefeld fehlt der ballsichere Spieler als erste Anspielstation. Wenn es nicht im Klein-Klein über die Flügel gehen kann oder ein halblanger Ball als sicheres Anspiel ins Sturmzentrum kommt, wird es bei einem Angriff des MSV gefährlich und zwar für die eigene Defensive. Im schlimmsten Fall entstehen Gegentore wie das 2:1 für Paderborn.

Weil der Ärger über Fehler sich im Moment niemals gegen die eigene Mannschaft richten wird, musste im Stadion der Schiedsrichter als Sündenbock her. Verständlich, aber ohne Grund. Die gelb-rote Karte gegen Tobias Feisthammel war die Konsequenz aus seinem unsicheren Spiel auf der Position im defensiven Mittelfeld. Ob er auch immer wieder in Notsituationen gerät, weil der Mannschaftsverbund noch nicht perfekt harmonisiert, muss das Trainerteam beurteilen. Offensichtlich wird er aber immer wieder auch überfordert auf dieser Position, wenn er alleine gefragt ist und die Spielsituation lösen müsste. Das war schon in den ersten zwei Spielen so. Auf seiner Position gibt es also einige Arbeit. Überhaupt wirkt die Defensive in der Mitte anfällig, auch in der letzten Reihe. Beispielhaft ist für mich ein Freistoß der Paderborner, knapp in der MSV-Hälfte während der ersten Halbzeit. Irgendein Duisburger blieb sogar lange vor dem Ball, um die schnelle Ausführung zu verhindern. Dennoch schaffte es die Abwehrreihe nicht, sich so zu organisieren, dass der halbhohe Ball in den Strafraum kein Anspiel fand, ganz zu schweigen von dem folgenden freien Schuss. Sie durften sich dann beim Paderborner Spieler für seinen schlechten Abschluss bedanken. Vielleicht gehört der von Branimir Bajic verschossene Elfmeter in diese Schublade. Wer in der Defensive die Unsicherheit spürt, ist beim Schuss aufs Tor genauso beeinträchtigt.

Die Verpflichtung von Pierre De Witt wurde am Nachmittag bekannt gegeben, abends stand er von Anfang an auf dem Platz. Sofort wurde deutlich, seine Verpflichtung steigert die Qualität des MSV-Spiels. Wahrscheinlich hat er schon seit ein paar Wochen mit Bart und Perücke am Training teilgenommen, so gut fand er in die Mannschaft und so wenige Missverständnisse gab es zu sehen. Zehn Duisburger setzten die Paderborner weiter unter Druck. So wurde die Mannschaft anfällig für Konter. Doch auch die Konter spielten die Paderborner nur einmal mit Erfolg aus. Als nach diesem dritten Tor der Paderborner das Stadion fast sofort in den feiernden Gesang des MSV einfiel, wurde die Enttäuschung über das drohende Ergebnis das erste Mal gemildert. Wieder arbeiten die Anhänger des Vereins mit daran, dass eine Entwicklung stabil bleibt.

Zehn Minuten waren noch zu spielen und zehn Minuten wurde mit letzter Kraft das Tor der Paderborner bestürmt. Der Druck auf das Tor konnte nicht kontinuierlich hoch gehalten werden, dennoch wurde es immer wieder gefährlich, wurden die Paderborner selbst bei diesen zwei Toren Vorsprung nervös. Der verschossene Elfmeter von Branimir Bajic hätte den endgültigen Bruch im Spiel bedeuten können. Selbst das geschah nicht. Selbst in den letzten Minuten wurden Chancen erspielt und mit einem zweiten Tor durch Filip Oršula belohnt. Oršula von mir eher als schneller Flügelstürmer im Blick gewesen, behauptete im Übrigen immer wieder den Ball auch auf engem Raum gegen die mehrbeinige Defensive. Auch das sah für mich nach Zukunft aus. Eine Zukunft, die André Breitenreiter in der Pressekonfernz ausmalte, an die ich aber bislang nur mit einem heimlichen Seitenblick gedacht habe. Ab heute also, die ganze Konzentration für Liga 3 und das heimlich ins Auge genommene Unaussprechliche.

Mit einem Klick weiter zum Spielbericht der Sportschau.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel:

Hohe Erwartungen machen das Duisburger Publikum nicht nervös

Dann wollen wir auf den Rängen André Breitenreiter, den Trainer vom SC Paderborn, mal nicht enttäuschen, wenn er bei der Pressekonferenz des SC Paderborn zum Pokalspiel am Montag  die Spielstärke des MSV Duisburg durch Branimir Bajic und das Publikum bestimmt sieht: „Sie leben im Moment natürlich von der Euphorie, aufgrund dessen dass sie in kurzer Phase, kurzer Zeit eine Mannschaft zusammengestellt haben, die brutalst von den Zuschauern unterstützt wird.“ Bei Minute 7.10 des verlinkten Clips.

Die Pressekonferenz vom SC Paderborn mit einem Klick weiter.

Die Bewegtbilder vom MSV Duisburg sind zwar schon von Mitte der Woche, aber zum Zeitvertreib bis morgen Abend lässt sich auch da immer mal wieder reinklicken.


JETZT IM BUCHHANDEL
Die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte über ein Leben in Duisburg mit dem MSV

Und sonst

Statt 14,95 € nur noch 8,90 € Hier bestellen

Oder das und einiges andere mehr mit Klick

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: