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Fundstück – MSV-Geschichte in drei Sätzen

Am Samstag leitete in der Süddeutschen Zeitung eine MSV-Geschichte im Holzschnitt den Artikel über die Merkwürdigkeiten beim DFB rund um das Wirken von Rainer Koch ein. Duisburg spielte nämlich unlängst neben dem MSV eine Rolle für den deutschen Fußball.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hatte eine Anzeige gegen Unbekannt zu bearbeiten. Dass die Anzeige lediglich ein weiteres Instrument im großen Ränkespiel beim DFB war, zeigte sich deshalb, weil die Ermittlungen keine Anzeichen für das behauptete Hacken ergaben. Mit dieser Behauptung hatten journalisitische Berichte ins schlechte Licht gerückt werden sollen. Die Geschichte ist sehr kompliziert in ihren Details. Dass Rainer Koch im Zentrum steht, überrascht mich aber nicht. Hatte ich ihn doch in den ersten Pandemie-Wochen als einen Funktionär erlebt, der mit harten Bandagegen für eigene, verdeckte Interessen kämpft und die Wahrheit eines Geschehens zum eigenen Vorteil in der Öffentlichkeit zurechtbiegt.

Das alles soll heute aber nur am Rande interessieren. Wichtiger ist der Blick auf das, was erzählt wird, wenn die MSV-Geschichte auf drei Sätze reduziert wird. Die legendären vier Dietz-Toren gegen Bayern sind für uns natürlich auch immer wieder erzählenswert, als dritter Teil einer Holzschnitt-Geschichte aber in meinen Augen unpassend. In einer Zeitung aus München allerdings dienen die vier Tore gegen die Bayern der abrundenen Pointe. Mit großem zeitlichen Abstand erinnert es sich an vergangenen Ärger eben mit leisem Schmunzeln und Respekt.

Vom DFB-Geschehen auf MSV-Historie schließen

In den letzten Wochen werde ich durch die Berichterstattung über den DFB immer wieder an die MSV-Vergangenheit kurz vor 2013 erinnert. Dass beim DFB die Spitzenverantwortlichen gerade ihren Endkampf bestreiten, wird wohl jeder mitbekommen haben. Alle Verantwortlichen kommen mir vor wie der schwarze Ritter in Monthy Pythons „Ritter der Kokosnuss“. Der Ausschnitt aus dem Film bei youtube hat eine Altersbeschränkung und ihr müsst bei youtube eingeloggt sein, um ihn zu sehen, wenn ihr weiterklickt. Ohne Arme und Beine stehen sie alle allmählich da und denken, immer noch weiterkämpfen zu müssen.

Die einschlägige Berichterstattung verlinke ich hier jetzt nicht extra. Mir kommt es auf den MSV an. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass Andreas Rüttgers viel Verständnis für Fritz Keller hat, auch wenn ihm niemals ein gemurmelter Nazi-Richter-Vergleich über die Lippen gekommen wäre. Dazu scheint er mir zu freundlich in der Welt zu sein. Die Angelegenheiten beim DFB lassen uns jedenfalls einen Eindruck gewinnen, wie es nach dem Amtsantritt von Andreas Rüttgers beim MSV zugegangen sein muss. In Duisburg gab es nur nicht so ein großes Interesse an Hintergrundberichterstattung. Außerdem wäre jeder Endkampf zu Zeiten der Präsidentschaft von Andreas Rüttgers das Ende vom MSV gewesen.

Mir geht es um die identische Struktur der Auseinandersetzung. Auf der einen Seite gibt es die Geschäftsführung mit eigenen nicht näher bestimmbaren Interessen, zu denen auf jeden Fall aber die Sicherung der eigenen Position zählt. Friedrich Curtius entspricht strukturell Roland Kentsch. Auf der anderen Seite gibt es den Präsidenten des Vereins mit einem Interesse an Aufklärung über Sachverhalte der Vergangenheit. Damals haben viele Fans des MSV nicht verstanden, warum die Vereinsführung nicht mehr Druck ausübt auf die vermeintlich weiter geschlossene Allianz von Kentsch und Hellmich. Ganz abgesehen von den vorhandenen finanziellen Risiken für so ein Vorgehen, gab es Verträge, Vereinbarungen, interne Vermerke usw., in die nur die Geschäftsführung Einsicht hatte.

Gibt es dann keine vertrauensvolle Zusammenarbeit, wird Einsicht verwehrt, wie es gerade wohl beim DFB wieder einmal der Fall ist. Beim MSV arbeitete Ronald Kentsch ebenfalls mit diesem Machtmittel des kontrollierten Informationsflusses. Die Recherchen zum Geschehen beim DFB machen es nun möglich, sich ein Bild vom Handeln unter solchen Bedingungen zu machen. Man ertrinkt dann in einer Abfolge von Fakten und verliert in dieser Draufsicht den Überblick, wer jetzt noch integer handelt. Die struktulle Gleichsetzung von DFB-Vizepräsident Rainer Koch und Walter Hellmich stimmt nur annähernd. Am ehesten ähnelt sich hier das diffuse Wirken von Macht im Hintergrund, auch wenn mir Koch bislang sehr viel mächtiger vorkam als Walter Hellmich damals. Aber wer weiß.

Wie erleichternd nun, dass Fritz Keller sich in so einer Situation zum gemurmelten Nazi-Richter-Vergleich hat hinreißen lassen. Wie erleichternd für einen Teil der Beteiligten und auch für die Medien, weil damit eine schnell verständliche Teil-Geschichte erzählbar wird. Wer dagegen ein Gespür für die ganze Geschichte gewinnen möchte, muss sich die letzte Ausgabe vom Sechszehner anhören. Ewald Lienen und Michael Born sprechen mit dem ehemaligen DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg. Er holt zu Beginn des Gesprächs etwas aus, um das gegenwärtige Geschehen als Ergebnis früherer Entwicklungen zu erklären. Gerade dann steht man vor einem neuen Kausalkettenwirrwarr, das in die Gegenwart hineinwirkt und beim Erhellen des Ganzen Verantwortlichkeiten unkenntlicher macht. Machtkämpfe im Detail zu verstehen zu wollen, ist eigentlich nur was für Fachhistoriker. Ab Minute 27.45


Dritte Liga testet Regeländerung – Tim Albutat als erster betroffen

Anscheinend ist dem Kicker vertrauliches Material aus der DFB-Schiedsrichterkommission zu einer baldigen Regeländerung zugespielt worden. Das wurde gestern beim Spiel der Dritten Liga zwischen dem KFC Uerdingen und dem VfB Lübeck durch eine unbeabsichtigte Bemerkung im Live-Ticker in der 45. Minute enthüllt. Wahrscheinlich waren die Ticker-Schreiber mit den Gedanken schon in der Halbzeitpause.

Die FIFA hat den DFB mit der Testlaufphase für die Regeländerung beauftragt. Geplant sind Höchstlautstärken bei Fußballspielen. Noch ist nicht entschieden, ob unterschiedliche Spielsituationen auch unterschiedliche Höchstwerte erhalten. Heftig gestritten wird um die Frage, ob ein fünfter Offizieller sich um die Schallwertmessung kümmern soll oder ob auch die die Aufgabe des Vierten Offiziellen wird. Auf jeden Fall sitzt in Zukunft neben dem Videoschiedsrichter ein weiterer Schiri mit einem Phonometer im Kölner Keller.

Wie der anonyme Informant außerdem berichtet, wird die Schiedsrichterkommission durch HNO-Ärzte, Physiker und Hörgeräteakkustiker unterstützt, um ein gerechtes Lautstärkenprofil für alle Spieler zu finden. Chancengleichheit für glaubwürdiges Aufschreien habe höchste Priorität. Corona ist auch hier wieder schuld. Zu viel ist in den leeren Stadien zu hören. Deshalb macht sich die FIFA zunehmend Sorgen um die Glaubwürdigkeit des Fußballs und seinen guten Ruf. Die Kritik der letzten Jahre habe die Funktionäre zum Nachdenken gebracht, sagt ein Insider, der ungenannt bleiben möchte. „Die wollen jetzt wirklich was tun“ fügte er hinzu. Laut Kicker-Chefredakteur hatte er bei diesem Satz Tränen in den Augen.

Alles Gute für 2021 mit Big Data von 2020!

Weil wir im vergangenen Jahr mit diesem so grundsätzlich veränderten Leben haben zurecht kommen müssen, beschäftige ich mich heute umso lieber mit einem wiederkehrenden Ritual. Der Rückblick auf  die meistgelesenen Texte des letzten Jahres ist eine mir liebe Tradition geworden.

Diesen Rückblick verbinde ich ja jeweils mit Wünschen. Hoffentlich wirken sie dieses Mal besser als bei der letzten Gelegenheit vor einem Jahr. Bei euch sowieso. Aber gerade die für Fußballer und Verantwortlichen beim MSV waren komplett was für die Tonne. Mehr Mut fürs Aufstiegsfavoriten-Dasein hatte ich gewünscht. Soll ich angesichts der Wirkungslosigkeit jetzt erneut einen Sack Wünsche zur Westender Straße rüberschicken? Schließlich brauchen Spieler und Verantwortliche ein besseres Gelingen bei ihrem beruflichen Fortkommen noch mehr als letztes Jahr. Sie brauchen das, damit der MSV Duisburg in dieser Saison nicht so abstürzt, dass keiner das Ende eines solchen Niedergangs absehen kann. Ich wage die wichtigsten Wünsche deshalb zu Beginn, sie gelten den Spielern der Zebras: Erfolg, Erfolg und davon dann im Rest der Saison noch viel mehr!

Und nun zu den meistgelesenen Texten des letzten Jahres im Zebrastreifenblog. Inzwischen gibt es einige Beiträge außer Konkurrenz. Drei Jahre unter den Best-of war mein Anekdoten-Text dazu, wie die Bielefelder zu ihrem Namen kam. Dieses Mal gibt es nur die namentliche Erwähnung. Seit dem Bundesligaaufstieg der Arminia schickt Google an jedem Heimspieltag die Fans der Auswärtsmannschaften zu mir. Sie lesen eine amüsante Anekdote mit einem Verweis auf die andere anekdotische Wahrheit, die der Verein erzählt. Mit Verlaub, meine ist deutlich gehaltvoller. Seit der Veröffentlichung gilt auch:  Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund ist oben mit dabei. Deshalb wieder nur die namentliche Erwähnung.  Und nun zu den Platzierungen, für die sich dieses Mal thematische Blöcke anbieten.

Mit den Texten auf Platz 5 und Platz 3 werden gemischte Gefühle wach. Die Macher vom Millerton.de hatten während der Sommerpause den Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest ins Leben gerufen. Ich hatte großen Spaß am Wettbewerb, der aus Regionalentscheid, Vorentscheidung, Halbfinale und Finale bestand. Im Verlaufe des Wettbewerbs wurde die Situation für den MSV in der Liga immer unangenehmer. Der Spaßwettbwerb passte auf einmal nicht mehr zum Ligaalltag. Entsprechend war die Platzierung des Zebratwists im Deutschland-Finale. So ist Leben. Ich organisierte den Regionalentscheid hier im Blog über eine Vorrunde. Das Ergebnis der Abstimmung belegt Platz 5. Die Abstimmung samt zusammenfassender Vorstellung der MSV-Vereinssongs belegt Platz 3.

Platz 2 zeigt, wie sehr uns die Geschichte des MSV und die gemeinsame Erinnerung daran interessiert. Fragliche Erinnerungen an das Halbfinale gegen den BVB im April 1975 nannte ich vor dem Pokalspiel gegen Dortmund meinen Text, in dem ich mich über dieselbe Begegnung im Jahr 1975 geschrieben habe. Als Jugendlicher erlebte ich sie.

Die Texte auf Platz 3 und Platz 1 sind Zeugnisse für den Fußball zu Corona-Zeiten. Die Auseinandersetzung um die Fortführung der letzten Drittliga-Saison führte zu öffentlichen Worten auf Seiten des DFB, die an der Wirklichkeit des MSV vorbei gingen. Es schien so, als ginge es dem DFB in der Debatte nicht um den Austausch von Argumenten, sondern darum die Seriösität jener Vereinsvertreter zu untergaben, die Meinungen konträr zur DFB-Linie vertraten. Skandal ist ein Skandal für Liga 3 – Jeder darf mal diffarmieren beim DFB belegt Platz 3. Wenn Liga-3-Vereine nicht parieren erschien eine Woche zuvor. Der Text nahm Bezug auf einen DFB-O-Ton in einen Sportreportage-Beitrag zum Fußball im Ruhrgebiet und belegt Platz 1.

Auf zum Blick nach vorn: Hoffen wir auf den Klassenerhalt. Hoffen wir auf ein Wiedersehen im Stadion, für das der Klassenerhalt die sportlichen Voraussetzungen schafft. Während ich an zwei neuen Büchern arbeite, werde ich mit meiner multiplen Persönlichkeit auch weiter Zeit mit dem Zebrastreifenblog verbringen. Schauen wir, wieviel aktueller Sport mir dazu einen Anlass gibt. Oder ob der MSV allmählich mir nur noch Stoff für Historientext und Kulturbetrachtung gibt. Habt ein gutes Jahr. Bleibt gesund!

Schnellhilfe für die Spielverlegung

Der Versandbuchhändler Zweitausendeins wurde in den 1970ern erfolgreich als Medienhändler einer jungen, sich alternativ verstehenden Käuferschaft. In einigen Großstädten gab es sogar Ladengeschäfte für die Bücher und Schallplatten – jenes Medium, das heute für junge Käufer Vinyl genannt wird. Die Nachkommenschaft dieses Unternehmens findet sich noch unter demselben Namen. Ich glaube sogar mit Ladengeschäft, ich weiß allerdings gerade nicht mehr wo.

Das Unternehmen hatte seine Wurzeln im alternativen Milieu Frankfurts. Entsprechend gehörte gesellschaftskritische Literatur zum Standardangebot von Zweitausendeins – inklusive Handlungsanleitungen, um der Macht des Kapitals subversiv zu begegnen. Ein Longseller des Angebots war ein im Schreibmaschinen-Typoskript gedrucktes schmales Heft, das dem MSV Duisburg heute gute Dienste leisten könnte.

Den Titel weiß ich leider nicht mehr. Heute hieße die Broschüre vielleicht: Die dreißig besten Krankheiten, die zum gelben Schein verhelfen. Gesellschaftskritik bedeutete eben auch, als Arbeitnehmer Sand im Getriebe des ausbeuterischen Arbeitgebers zu sein und den Mehrwert Freizeit gewinnbringend für sich selbst abzuschöpfen.

Das Buch stellte Symptome von Krankheiten dar und beschrieb, was man beim Arzt sagen sollte, damit er die entsprechende Krankheit diagnostizieren konnte. Natürlich waren Rückenbeschwerden und Magen-Darm obligatorisch, aber es gab auch deutlich anspruchsvollere Krankheiten, die ebenso wenig wirklich therapiert werden. Schließlich wollte man ja nach Hause und nicht ins Krankenhaus.

Der DFB scheint zu glauben, der MSV habe genügend Spieler, um gegen Halle am Sonntag anzutreten. Das macht ja nichts, dass die nach der Quarantäne dann gerade mal zwei Tage zusammen trainiert haben. Vollkommen egal, wer da nun den Kader von 13 Spielern auffüllen muss. Meine Lösung wäre, Angriff ist die beste Verteidigung. Bis Sonntag können noch viele Viren von Spielern aufgenommen werden. Es muss ja nicht gerade das Coronavirus SARS-CoV-2 sein. Zweitausendeins wusste Rat. In Antiquariaten ist die bessere Broschüre sicher noch erhältlich. Den Titel wird doch einer von euch wissen?

Fürs Protokoll und zukünftige Fußballhistoriker in Sachen DFB

Energie in länger anhaltenden Ärger und Wut zu verlieren und deshalb über endgültige Entscheidungen weiter zu schimpfen, gehört nicht zu meinem Naturell. Der DFB hatte sich beim außordentlichen Bundestag den chinesischen Volkskongress dieser Tage zum Vorbild genommen und konnte durch sein Partei-Organ Kicker noch einmal den Dissidenten seines Herrschaftsgebiets ein paar Schmähungen hinterherrufen lassen. Was für eine schlechte Berichterstattung liefert dieses Medium in Sachen 3. Liga. Das macht sprachlos.

Damit kommen wir also zu Protokoll und Dokumentation. Nicht die Sieger der Beschlussfassung sollen die Geschichte schreiben. Die ist schon sehr viel anders zu erzählen, als es DFB und Kicker wünschen. Sollte in ein paar Jahren jemand auf die Idee kommen, über diese Corona-Zeit mal in einer Fußballhistorie zu erzählen, so möchte ich festhalten: Der Kicker bewertet das Geschehen in der 3. Liga, indem er die vom DFB vorgebene Meinung nahezu wortgleich übernimmt.

Daneben gibt es aber genügend überregionale viel gelesene Medien, die differenziert berichten. Sowohl bei Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung und ZDF, als auch im Lokalen bei Funkes gibt es einen kritischen Blick auf den DFB mit guten Argumenten. Viel Stoff für den zukünftigen Historiker.

Fürs Protokoll möchte ich aber besonders auf ein Medium mit wahrscheinlich etwas geringerer Reichweite als die oben genannten hinweisen: Einen der für mich umfassendsten Texte hat Dietrich Schulze-Marmeling in seinem Blog beim Werkstatt-Verlag veröffentlicht. Er greift die zentralen Stellungnahmen von DFB-Seite zum Weiterspielen auf und stellt sie in den Gesamtzusammenhang von Drittliga-Bedingungen und Corona-Entwicklung.

Interessant in dem Zusammenhang finde ich auch, wie wenig der Beschluss des Weiterspielens beim Frauenfußball diskutiert wird. Das hat natürlich mit öffentlichem Interesse zu tun. So fällt für mögliche Abbruchbefürworter das Argument nicht so ins Gewicht, Zuschauereinnahmen würden beim Weiterspielen fehlen.

Gerade deshalb lässt sich aber noch viel klarer erkennen, wie der DFB die eigenen Interessen per Definition als die der Vereine und Spieler ansieht. Der Austausch scheint nicht stattgefunden zu haben. So äußern sich Spielerinnen ohne die große Öffentlichkeit freier als ihre Kollegen, zumal es sehr viel weniger um das zu verdienende Geld geht. Was dann zu Interviews führt wie das vom SWR mit der Spielerin des SC Freiburg, Sharon Beck, die das Gefühl hat, dass der DFB die Gesundheit von Spielerinnen gegenüber den Sponsoreninteressen hinten anstellt. Ganz zu schweigen von der Wettbewerbsverzerrung dadurch, dass viele Spielerinnen berufstätig sind und die Quarantäneregeln nicht ohne Urlaub zu nehmen einhalten können. Mancheine wie auch beim MSV kann diesen Urlaub eben nicht nehmen.

Was für ein Desaster, DFB

Vorab sollte ich wahrscheinlich eines kurz erklären: Meine Meinung äußere ich nicht als Anhänger eines Fußballvereins, also als Fan vom MSV Duisburg. Mir geht es um die gesamte Liga, weil ich für ein Handeln von Institutionen vernünftige und wahrhaftig geäußerte Gründe erfahren möchte. So etwas können sich in diesen Tagen viele Menschen nicht mehr vorstellen, besonders wenn sie sich lautstark zu der speziellen Frage äußerten, wie es mit der Saison in der 3. Liga weitergehen soll und wie mit den entsprechenden Saisonentscheidungen verfahren werden kann.

Ich glaube ja immer an das Gute im Menschen und deshalb denke ich manchmal zaghaft, vielleicht hat der DFB einfach seine Kommunikation nicht im Griff. Vielleicht gibt es ja tatsächlich nachvollziehbare Argumente, warum nun qua Verfügung das Weiterspielen am 30. Mai angekündigt wurde. Vielleicht wirkt es ja nur beleidigt und rücksichtslos, was immer wieder von verschiedenen Vertretern des DFB zu hören ist. Vielleicht sind sie hinter den geschlossenen Türen ernsthaft um irgendetwas besorgt, was zu den Kernaufgaben des DFB gehören sollte, nämlich für die Gesamtheit der dem Verband angeschlossenen Vereine sich verantwortlich zu fühlen. Vielleicht gibt es ja Hilfen für Vereine, die durch das Weiterspielen in größte Schwierigkeiten geraten. Die sportlichen Fragen von Auf- und Abstieg sind damit nicht gemeint. Vielleicht gibt es ja doch auch beim DFB das Gute in den Menschen?

Je länger ich mich all das frage, desto schöner werden die Träume, desto besser male ich mir die Welt beim DFB aus. Aber dann reißt mich das MDR-Interview mit dem Sportdirektor vom Halleschen FC, Ralf Heskamp, aus diesen rosa Wolken. Mit seinen ersten Sätzen erzählt er von einer anderen Wirklichkeit. Er berichtet, 24 Stunden vor der Entscheidung „Weiterspielen“ habe der Hallesche FC die Nachricht erhalten, am Montag werde entschieden. Zur Erinnerung, dann findet der außerordentliche Bundestag vom DFB statt. Dem Halleschen FC wird also eine Grundlage für dessen Entscheidungen mitgeteilt, die eigentlich Gewicht haben sollte. Schließlich kommt mit dem Bundestag ein groß besetztes Gremium zusammen. 24 Stunden später ist davon keine Rede mehr. Das erstaunt.

Nun gibt es vielleicht Einwände, man könne so etwas ja einfach auch nur behaupten. Der Verein stehe am Ende der Tabelle auf einem Nichtabstiegsplatz und habe vielleicht deshalb ein Interesse am Saisonabbruch. So ein Einwand verkennt das grundlegende Problem, dass ein Vereinsvertreter überhaupt in dieser Weise sich an die Öffentlichkeit wendet.

Wenn so eine Stellungnahme zu hören ist, wurde zuvor miserabel gearbeitet. Offensichtlich ist der Austausch zwischen Vereinen und DFB katastrophal gescheitert. Offensichtlich hatte der DFB ein eigenes Interesse und sah sich nicht als Interessenvertreter aller seiner Vereine. Es wäre die Aufgabe des DFB gewesen, die Sorgen und Schwierigkeiten aller Vereine der 3. Liga in dieser besonderen Situation ernst zu nehmen.

Wenn von DFB-Vertretern zu hören ist, der Bestand der 3. Liga sei gefährdet, wenn nicht weitergespielt werde, dann ist dem eines entgegen zu halten. Ohne überlebende Vereine gibt es keine 3. Liga. Die 3. Liga besteht nicht, weil der DFB verfügt, es gibt eine 3. Liga, sondern weil es Vereine gibt, die Interesse daran haben, in einem hierarchischen Ligensystem Fußball zu spielen.

In der 3. Liga herrscht eine seltsame Mischung aus Unternehmertum und Amateursport. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern verweist auf die in dieser Liga kaum vorhandenen Möglichkeiten, ein Wirtschaftsunternehmen im Fußball profitabel und sportlich erfolgreich zugleich zu führen. Corona hat diese Tatsache nur in kurzer Zeit offenbart, weil die Zuschauereinnahmen als unbedingt notwendige Einkommensquelle fortgefallen sind.

Viele Stimmen haben beim DFB gesprochen und keine hat mir erklärt, wie die Schwierigkeiten fast der Hälfte der Vereine zu beheben sind. Alles wurde immer an die Vereine zurück gegeben, so als ob es dieses grundlegende Problem der 3. Liga nicht gäbe. Mit klarem Blick ist das doch mehr als misslungene Kommunikation. Mit klarem Blick gibt es ein eigenes Interesse des DFB am  Weiterspielen, für das ich keine ausreichende Erklärung bekommen habe. Für einige Vereine der 3. Liga sind die sportlichen Belange tatsächlich ein Grund. Sie haben noch Ziele, die sie erreichen können. Beim DFB ist das eine gern genommene Nebelkerze, die andere Gründe unsichtbar machen kann.

Skandal ist ein Skandal für Liga 3 – Jeder darf mal diffarmieren beim DFB

Wenn ich auf die Lage in der 3. Liga schaue, versuche ich die Stellungnahmen vom DFB nicht mehr ernst zu nehmen. Ich versuche mir mit Komik zu helfen, sonst platze ich vor Ärger. Heute morgen ist mir das wieder nicht gelungen. Wer hat sich da eigentlich noch nicht an die Öffentlichkeit gewandt, um Vereine der 3. Liga zu diffamieren? Nun nimmt Tom Eilers, der Drittliga-Ausschuss-Chef, und in Personalunion Präsidiumsmitglied beim Zweitligisten Darmstadt 98, das Wort „Skandal“ in den Mund. Damit meint er aber nicht seine Kollegen beim DFB sondern das Handeln von Vereinen in der 3. Liga.

Ich schaffe es einfach nicht, mich nicht aufzuregen. Ein Skandal sind seine Worte. Es ist Skandal, dass seriöses Argumentieren und konstruktives Aufzeigen von Alternativen zu DFB-Vorhaben derart abgewertet werden.

Wenn der Geschäftsführer von Waldhof Mannheim sachlich die eigene finanzielle und personelle Situation bei Fortführung der 3. Liga öffentlich darstellt, ist das kein Skandal sondern eine sachgemäße Information der interessierten Öffentlichkeit. Natürlich wirbt er damit auch für die Position des Abbruchs, nur hat er Argumente. Tom Eilers hat kein Argument außer den ominösen Ruf der 3. Liga. Dieser Ruf ist dummerweise immer schon nicht der Beste gewesen, weil die Vereine dort bislang unter großem finanziellen Druck standen. Ob Vereine das Wirtschaften dennoch gut hinbekommen, ist dabei kein Argument. Es geht um die schlechten Rahmenbedingungen, die sich in diesen Corona-Zeiten nur klar offenbaren.

Dass das nun ein öffentliches Thema wird, ärgert Tom Eilers. Wenn man sich ärgert, poltert man eben los, auch wenn es keine wesentlichen Antworten auf die im Raum stehenden Fragen zur Finanzierung des Weiterspielens gibt. Dabei hat er aber nicht nur die 3. Liga im Blick. Als Präsidiumsmitglied von Darmstadt 98 verfolgt er natürlich auch Interessen für die 2. Liga. Da gibt es eine Interessenkollision, die nicht weiter thematisiert wird.

Die Bundesliga und Zweitliga-Welt möchte nämlich allmählich Ruhe in Sachen öffentlicher Diskussion über den Fußball. Sie wollen ihr fragiles Konstrukt des Weiterspielens nicht gefährden, indem eine Liga tiefer mögliche Schwierigkeiten auftauchen und irgendjemand dann auf die Idee kommt, diese Schwierigkeit könne für den gesamten Fußball gelten. Kein Wort von DFB-Seite in dieser Diskussion über das Weiterspielen in Liga 3 ist offen und ehrlich.

Es gibt eine einzige Frage, die der DFB mit aller Macht versucht, aus der Öffentlichkeit zu halten. Diese Frage lautet, wie lässt sich das Weiterspielen finanzieren, ohne dass ein Verein insolvent wird. Dass der DFB diese Frage nicht ernst nimmt, ist der wirkliche Skandal.

Und der DFB zu Liga-3-Vereinen so…

Früher stand unter vielen gezeichneten Witzen lakonisch „Ohne Worte“. Das gilt nach dem Beitragtitel heute auch für diesen Clip:

Wenn wir im Bild  bleiben, ist die Frage in Sachen Liga 3 aber offen: Zählt er oder zählt er nicht?

Beim Befreiungsschlag im folgenden Clip ist das klar entscheidbar. Das Endergebnis kennen wir allerdings nicht.

 

Wenn der DFB über Konsequenzen spricht, ist das doch weder Drohung noch Erpressung

Es gibt in Thrillern ein überschaubares Repertoire an Standardszenen, wenn Menschen gefügig gemacht werden sollen. Da spricht dann freundlich jemand zum Gegenüber, dessen Miene entweder Misstrauen oder Angst widerspiegelt. Geld wird gefordert oder Mitarbeit, und im selben Moment liegt beiläufig eine Waffe auf dem Tisch, die anscheinend im Jackett unbequem geworden ist. Das Ganze geht auch ohne Waffe, indem die Zukunft des Gegenübers in dunklen Farben ausgemalt wird, wenn besagte Mitarbeit verweigert wird. Dann wären statt des jetzt doch überschaubaren Schutzgeldes noch ganz andere Kosten zu übernehmen. Die Vertreter dieser besonderen Form des Wirtschaftens meinen es immer nur gut. Sie garantieren schließlich das Funktioniren des Wirtschaftens für ihr Hoheitsgebiet. Schließlich kann jeder sein Geschäft nur betreiben, wenn alles reibungslos verläuft. Was reibungslos bedeutet, lässt sich mit einer Waffe auf dem Tisch schlecht diskutieren.

Im deutschen Fußball sind wir zivilisiert. Waffen liegen nicht auf dem Tisch. Aber einen möglichen Lizenzentzug in den Raum zu stellen gegenüber einem Mininsterpräsident, in dessen Bundesland die Corona-Regularien die Fortsetzung des Drittligabetriebs behindern, ist die pazifistischere Variante dieses Drohens, und sie besitzt Kinothrillerformat. Das Dementi folgt in dem Fall immer sogleich, denn ganz deutlich wird das nur selten gesagt. Subtiles Sprechen gehört zum learning by doing in solchen Organisationen, die Macht organisieren.

Dieser Anfang des Thrillers müsste natürlich weiter ausgearbeitet werden. Nach dem ersten Anziehen der Daumenschraube würde nun im privaten Umfeld des Ministerpräsidenten herumgestochert, um irgendeinen Dreck aufzuwühlen, der genutzt werden kann. Flankierende Maßnahmen durch Wissen, was nicht öffentlich werden soll.

Die Situation rund um die 3. Liga führt mich einfach zu solchen Gedanken. Denn eine zweite Thrillervariante sehen wir ja auch, und wie im wahren Leben des Kinothrillers gibt es für jede Drohgebärde eigene Spezialisten. DFB-Vizepräsident Rainer Koch spricht von Regressforderungen an die Vereine, sollte die Saison selbst gewählt abgebrochen werden.

So offenbart sich endlich das eigentliche Motiv für das Beharren des DFB auf das Weiterspielen. Offensichtlich steht der DFB unter Druck und hat entweder sehr ungünstige Verträge zur Vermarktung abgeschlossen oder das noch nicht eingenommene Geld schon ausgegeben. Wahrscheinlich geht es vor allem um Magenta TV. Noch einmal sei betont, anscheinend profitieren Vereine und DFB auf sehr unterschiedliche Weise von der Vermarktung der 3. Liga. Deshalb gibt es diese Konfliktlage. Was vor Corona nicht offensichtlich war, wird nun deutlich. Die 3. Liga ist ein Konstrukt, bei dem der DFB sich die Vereine zu eigenen Zwecken zunutze gemacht hat. Nur zu normalen Zeiten ist das kein Problem. Zu normalen Zeiten lässt sich diese Ungleichheit durch das Wirtschaften der Vereine in ihren lokalen Bezügen ausgleichen. Und auch das sei noch einmal betont, wie heuchlerisch war das Argumentieren mit sportlichen Belangen.

Auf Fanseite und von unabhängigen journalistischen Einzelgängern wurde das Handeln des DFB die ganze Zeit schon mit Skepsis beobachtet. Dietrich Schulze-Marmeling hat gestern in seinem Blog beim Verlag Die Werkstatt eine von Ärger getriebene Bestandsaufnahme geschrieben. Aber auch in der überregionalen Presse findet sich heute endlich die erste harsche Bewertung des Handelns beim DFB. Michael Horeni kommt am Ende seines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Bundesligastart auf den Unterschied bei der Bewältigung der Corona-Krise zwischen DFL und DFB zu sprechen. Sehr lesenwert auch im Ganzen, obwohl ich hier nur die dritte Seite verlinke. Hoffen wir auf Wirkung solcher Kritik beim DFB.


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