Posts Tagged 'Dieter Steffen'

Ein paar Gedanken zur Meinungsbildung rund um den MSV durch die lokale Sportpresse

Seit letzten Dienstagabend weiß die Öffentlichkeit, für den MSV Duisburg geht es ums Überleben. Zuvorderst geht es um das Weiterbestehen von Fußball auf professionellem Niveau in Duisburg. Es geht aber auch um ein Kulturgut der Stadt. Es geht um das Zugehörigkeitsgefühl vieler Menschen. Es geht für die Stadt und für die Anhänger um Identität. Außerdem geht es um Geld, das Investoren verlieren können. Es geht um Arbeitsplätze rund um den eigentlichen Sport. Die drohende Insolvenz ist also ein vielschichtiges Thema, über das man sich besser nicht in den lokalen Printmedien informiert.

Halt, ich will genauer sein, weil mich auch die fehlende Genauigkeit in den seit Dienstag erschienenen Artikeln zur Finanzsituation ärgert. Genauer sein, das heißt in dem Fall, ich empfehle die Berichterstattung in der Rheinischen Post  als einigermaßen neutral und faktenbasiert. Dort ist  das Bemühen bemerkbar, ein komplexes Thema zunächst mit Fakten angereichert darzustellen. Selbst wenn direkt nach dem Rücktritt von Andreas Rüttgers auch dort Sätze in den Artikel eingestreut wurden, die Stimmung machen, weil sie nur vermeintlich argumentativ unterfüttert sind. Als es etwa anfänglich um die Forderung nach mehr Unabhängigkeit für die Kapitalgesellschaft gegenüber dem eingetragenen Verein ging, hieß es: „Die Bundesligavereine machen es vor. Dort hat kein Verein eines Klubs derart viel Mitsprache gegenüber der KGaA.“

Ich nehme nicht an, dass die Journalistin sämtliche Verträge jener Vereine nachgeprüft hat, die diese Organisationsform in der Bundesliga aufweisen. Da hätte sie tief in die Materie einsteigen müssen, ohne Zeit dafür zu haben. Hinzu kommt, nicht alle Bundesligavereine haben diese Organisationsform. Es gibt tatsächlich auch noch Bundesligavereine, in denen der gemeinnützige Verein auch das geschäftsführende Organ für den Profibetrieb ist.  Bei Wikipedia findet sich in dem Artikel zur „50+1-Regelung“ eine Auflistung der unterschiedlichen Organisationformen der Bundesligaklubs. Das Argument nirgendwo sonst ist es so wie in Duisburg, entpuppt sich also als heiße Luft. Solche Sätze wie der zur reformbedürftigen Organisationsstruktur folgen der von der Investorengruppe gesteuerten Deutung des Geschehens. Und um diese Deutung dreht sich im Kern die Berichterstattung. Wie ist zu bewerten, was da gewollt wird?

Ich stelle mir vor, eigentlich müsste man die Berichterstattung über das Geschehen so beginnen: Es gibt Finanzprobleme beim MSV Duisburg, weil die laufenden Kosten schon seit langer Zeit höher sind als die Einnahmen. Nun kommt eine Investorengruppe und bietet Geld an. Damit die Investorengruppe Kontrolle über die Verwendung des Geldes hat, ist die Bedingung, Einfluss auf die Geschicke des ausgelagerten Profibetriebs. Dazu soll der Verein auf Einfluss verzichten. So weit, so verständlich.

Nun wäre es die Aufgabe des Lokaljournalismus auf ein paar weitere Fakten hinzuweisen, die nicht ganz so offensichtlich sind, die aber wichtig für die Bewertung des Geschehens sind. Zuvorderst wäre anzumerken, da gibt es besagte 50+1-Regel, die seitens des DFB den Einfluss des Vereins auf den Profibetrieb sichern soll. Dagegen darf nicht verstoßen werden. Darüber hinaus wäre der Hinweis nicht schlecht gewesen, wenn die Investorengruppe mehr Einfluss möchte, gehört mit Walter Hellmich jener Mann dazu, dessen strategische Entscheidungen zu dem Defizit des MSV Duisburg beigetragen haben. Die gerade im Reviersport so deutlich inszenierte Wirklichkeit von professionellen Wirtschaftsfachleuten gegenüber eitlen amateurhaften Vereinsfunkionären erweist sich bei näherem Hinsehen also als Karikatur der Wirklichkeit. Ich will zugunsten des Journalisten sogar annehmen, dass es diese Eitelkeiten auf Vereinsseite tatsächlich hin und wieder gibt, aber wo wurde Profibetrieb durch den Verein behindert? Das ist interessant zu wissen, gesagt wird es nicht.

Natürlich müssen Hierarchien der Entscheidung vorhanden sein, doch das Ausspielen des Profibetriebs gegen den Verein führt in die falsche Richtung. Gerade Vereine wie der MSV Duisburg leben vom Mythos ihrer Geschichte. Diesen Mythos zapft das Wirtschaftsunternehmen Profibetrieb vom Verein an. Gleichzeitig muss ein professionelles Arbeiten möglich sein. Dazu braucht es Strukturen. Die muss man schaffen, wenn sie nicht vorhanden sind. Ob sie nicht vorhanden sind, kann ich als Leser der Printmedien nicht entscheiden. Deshalb ist auch nicht zu bewerten, was die Forderung nach mehr Einfluss bedeutet. Es ist unlauter, wenn Journalisten diese Bewertung vornehmen, ohne dazu Fakten zu liefern.

Im Grund geht es im Moment auch um die Deutung der Hellmich-Ära und damit um die Verlagerung der Verantwortung für die wirtschaftliche Situation. War er ein erfolgreicher Präsident oder war er es nicht? Dass es darum geht, zeigt auch sein Auftritt gestern Abend in der Lokalzeit Duisburg des WDR. Hier gibt es ihn in der Mediathek noch eine Woche einen Klick weiter, Sendung vom 19.11. Wieso kommt er zum Studiogespräch? Das ist Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, weil er zum Gesicht der Investorengruppe wurde. Was er sagte, mag im Wortlaut stimmen, die Kritik an ihm lässt das nicht verstummen. Natürlich verdient er am Stadion des MSV Duisburg im Moment kein Geld. Natürlich sind die Mieteinnahmen ein durchlaufender Posten für Zinsen und Tilgung. Aber wenn ich Vertrauen in mein Handeln schaffen will, kann ich die Schwierigkeiten nicht auf die Schultern meiner Nachfolger abladen und behaupten, ich hätte in achteinhalb Jahren erfolgreich gearbeitet.

Diese zwei Nachfolger, Dieter Steffen und Andreas Rüttgers,  haben eine Finanzsituation übernommen, die sich in der Verantwortung von Walter Hellmich entwickelt hat.  Dafür war die Fehlkalkulation, der MSV wird dauerhaftes Mitglied in der ersten Liga“ verantwortlich. Die Miete für das Stadion ist in der 2. Liga nicht zu erwirtschaften. Warnungen vor dem jetzt eingetretenen Szenario gab es schon lange vor dem Rücktritt von Walter Hellmich. Seine Stellungnahme befeuert nun die Befürchtungen, erneut ginge es nur um das vorübergehende Beheben der Liquidtätsschwierigkeiten, ohne das Grundproblem in den Griff zu bekommen. Vertrauen schaffen für die Investorengruppe sieht also anders aus. Um dieses Vertrauen geht es aber, weil über die Vereinbarungen zwischen den Vertretern der Investorengruppe und dem Aufsichtsrat des eingetragenen Vereins die Vereinsmitglieder entscheiden.

Jetzt hat es mich weggetragen von der anfänglichen  Medienkritik zur Zukunft des MSV Duisburg. Die liegt mir anscheinend doch etwas mehr am Herzen.

Nachtrag: Nun rundet es sich doch noch mit der Medienkritik: Mit den unterschiedlichen Meinungen in der Investorengruppe  über den Weg zur Rettung gibt es einen weiteren Beleg, wie sehr die anfänglichen Darstellungen von Gut und Böse vor allem in Reviersport und WAZ an der Wirklichkeit vorbei gingen. Die Beteiligten sehen unterschiedliche Wege, und nichts anderes hatte Andreas Rüttgers als Vereinsvertreter auch im Sinn, einen anderen Weg. Wie all diese Wege zu bewerten sind, dazu fehlen letztlich Fakten. Da lässt sich trefflich spekulieren.

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Ohne Blick auf Gründe interessiert das Klima nicht

Als Journalist darf man Meinungen haben. Keine Frage. Allerdings missfällt es mir, wenn Meinungen sich in einen Neutralität vorgebenden Artikel einschleichen. Dann ist die Meinung nur unzulänglich greifbar, wird nur als Ton deutlich und wirkt tendenziös. Wenn ich diesen Artikel bei Der Westen über „Ein Klima voll Neid und Missgunst“ lese, scheint der Autor nach meinem Eindruck Sympathien für die Position von Dieter Steffen zu empfinden. Die darf er haben, aber dann muss er auch offen sagen, warum. Mir langt es da nicht, mit der Moral zu kommen und möglicherweise intrigantes Verhalten von Streitbeteiligten aufzudecken. Das interessiert mich alles gar nicht, wer da wie gegen wen „böse“ ist. Das ist Klatsch und gehört, wenn es so in den Vordergrund rückt,  in den Boulevard.

In diesem Streit beim MSV Duisburg geht es mir nicht um das Klima, in dem der Streit stattfindet. Die wichtigste Information in diesem Artikel ist doch die Frage des Aufsichtsrates der  KGaA des Vereins an den Vereinsvorsitzenden nach den Verträgen. Alleine in diesem Fall geht es um Strukturen des Vereins. Da scheint etwas Wichtiges vorgefallen zu sein. Da geht es nicht nur um das Klima zwischen zwei Vertretern des Vereins und dem „mein Schäufelchen kriegt der aber nicht“. Da ist etwas geschehen, was die Frage nach der Macht stellt. Da müsste nachgefragt werden. Das müsste in jedem Artikel über die Führungskrise beim MSV Duisburg in den Vordergrund gerückt werden. Alles andere drumherum kennen wir in den unterschiedlichsten Sphären unserer Gesellschaft als unappetitliche Machtkampfgeräusche. Das lässt sich in den Partein finden, bei großen Wirtschaftsunternehmen und eben auch in Sportvereinen. In den Vordergrund gestellt verdecken diese Machtkampfgeräusche die wichtigen Fragen, um die es geht. Über diese Gründe des Machtkampfes wäre zu berichten, und gleichzeitig wären die Beteiligten wahrscheinlich gezwungen, sich bei all dem Krach, den sie veranstalten, auch mal zu dem zu äußern, worum es ihnen nochmals ging.

Nachtrag: Bei den Gremien bin ich angesichts der täglichen Nachrichten durcheinander gekommen. Also, Hans-Werner Tomalak ist natürlich Vorsitzender des Aufsichtsrates des Vereins MSV Duisburg, und er hat dem Vorsitzenden Dieter Steffen Fragen unterbreitet, die sich sowohl auf das Arbeiten in der KGaA bezogen als auch auf das Handeln des Vorstands. Dieter Steffen wiederum wies ein die auf die KGaA bezogenen Fragen anscheinend zurück und beantwortete die auf dem Nebenschauplatz Vorstandsarbeit.

Als Grund für Streit ist Eitelkeit zu kurz gedacht

David Karpathy ist gestern zurückgetreten. Er war der Aufsichtsratschef der KGaA. Damit ist die gesamte neu gefundene Führungsebene des MSV Duisburg der Nach-Hellmich-Zeit Geschichte. Was bedeutet das nun? Klaus Wille schreibt bei Der Westen einen Kommentar, den er folgendermaßen einleitet: Der MSV Duisburg ist Spielball persönlicher Interessen und Eitelkeiten geworden.“ Mit diesem Kommentar macht er nichts anderes, als was alle am MSV interessierten Menschen auch können. Er schimpft und meckert über die Zustände. Erhellend ist dieser Kommentar nicht. Klaus Wille vertritt Volkes Stimme, ohne diesem Volk auch Argumente für diese Meinung mitzugeben. Was sollen denn diese persönlichen Interessen sein? Das hätte ich gerne gewusst. Persönliche Interessen, das scheint mir ein hingeschmissenes Schlagwort zu sein, das ungedeckt immer gerne gelesen wird, weil ja jeder inzwischen nur noch das Schlimmste denkt von dem, was die Eliten in unserer Gesellschaft bei ihrem Handeln antreibt. Willkommen beim Populismus.

Also, was bedeutet das Geschehen nun? So eine Berichterstattung könnte ja auch einmal davon ausgehen, dass das Geschehen einen anderen Hintergrund hat, als den der persönlichen Interessen und Eitelkeiten. Diese Eitelkeit legt sich natürlich über die eigentliche Ziele, und es ist billig sich daran zu reiben. Interessant wäre es, vermutete Beweggründe für das Verhalten der beiden Parteien aufzuzeigen. Danach kann man sich immer noch über das Alpha-Männchen-Gehabe mokieren. Zu den persönlichen Interessen habe ich schon was gesagt.

Noch einmal, anscheinend geht es bei der Auseinandersetzung in der Führungsebene ja doch auch um Strukturen im Verein, wenn David Karpathy mit genau der Begründung zurück tritt, den Weg für Veränderungen freimachen zu wollen. Wir erinnern uns, er musste ja seinerzeit zum Aufsichtsratsstuhl nahezu getragen werden. Aus tiefstem Herzen hatte er das Amt nicht gewollt. Um so leichter fällt ihm nun der Abschied. Dieter Steffen ist da ein anderes Kaliber, wenn man seine Vita betrachtet. Zwar wurde auch er anscheinend in einem längeren Prozess für das Amt gewonnen, aber er scheint das Gefühl zu mögen, etwas gestalten zu können – auch wenn in seiner Amtszeit bislang davon beim MSV Duisburg nicht viel zu merken war. Auf mich wirkt es jedenfalls stimmig, dass er nicht ohne weiteres den Vorsitz des Gesamtvereins hat aufgeben wollen. So weit erneut die Oberfläche.

Journalisten hätten nun zu fragen, wie die beiden Parteien im Verein sich zu den Strukturen verhalten. Wenn dann keine Antworten gegeben werden, ist das auch etwas, was berichtet werden kann. Aber um diese Fragen geht es, wie wollte Dieter Steffen mit dem jährlichen Verlust des MSV Duisburg in der 2. Liga umgehen? Welche Vorstellung bewegt Hans-Werner Tomalak stellvertretend für den Aufsichtsrat des Gesamtvereins? Möchte er tatsächlich, wie im MSVportal vermutet wird, an bestehende Verträge ran und mit „härteren Bandagen“ verhandeln?

Vielleicht wurden diese Fragen schon irgendwo gestellt und ich habe es nur nicht mitbekommen. Hinweise sind hier dankend erbeten. Ansonsten lässt sich nichts anderes machen, als den Ball flach zu halten und darauf zu hoffen, dass Herr Tomalak weiß, dass er so eine Auseinandersetzung nicht hat anfangen dürfen, wenn er nicht schon längst eine Lösung für die Führungsfragen ausgearbeitet hat.

Zwischen Auswärtssieg und Machtpolitik

Die gute Nachricht ist, der 2:1-Auswärtssieg des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue hat am Freitag zu keinem Unfall auf der A3 zwischen Limburg und Bad Camberg geführt. Ich befand mich medial nicht auf der Höhe der Zeit. Ohne mobiles Internet im Auto war ich auf das Radio angewiesen. Zwar hörte ich auf keinem empfangbaren Sender eine Reporterstimme aus Aue kommentieren, doch der hessische Privatsender FFH liefert mit der Senderkennung Textmeldungen als Wortlaufband mit. Das Unentschieden begleitete mich bis Limburg. Seitenblicke auf die Mittelkonsole werfen und unfallfrei Autofahren geht dann doch meist gut, und zum großen Glück gibt es nur ganz selten jene Glücksmomente der 90. Minute irgendwo im Osten, während ich das Ende des Spiels hochrechne und auf die Bestätigung des Endergebnisses warte.

Gesehen habe ich also nichts, gehört habe ich nichts und begnüge mich daher an diesem Wochenende mit den zusammenfassenden Augenzeugenberichten. Lese ich den Spielbericht im Kicker, so bestätigt sich mein Eindruck aus dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig. Spielerisch bleibt weiterhin Luft nach oben. Die Möglichkeiten der Mannschaft reichen aber ohne Frage auch im Moment, um dauerhaft genügend Punkte Abstand zum Abstiegs-Relegationsplatz zu halten. Das gelingt durch angstfreies Spiel jedes einzelnen. Das kommt durch das gestiegene Selbstbewusstsein. Die Mannschaft braucht nicht mehr zu hadern, weil ihr Einsatz ohne Ergebnis bleibt. In solchen Momenten kehrt Glück zurück, und dann trifft ein Ball in der letzten Spielminute nach einem steilen Pass von Emil Jula auf eine Unebenheit des Rasens und macht eine minimale, unerwartete Bewegung, so dass der herauslaufende gegnerische Torwart ihn beim Abwehrversuch nicht trifft und Maurice Exslager das Angebot zum Siegtreffer annehmen kann.

Während der sportliche Erfolg zurückkehrt, wird unser aller Aufmerksamkeit aber weiterhin auch von den Streitereien auf der Vorstandsebene in Anspruch genommen. Ich habe zu wenig Zeit, um diesen Streit genauer nachzuzeichnen. Das wäre hilfreich, weil dann die Vermutungen über die Gründe dieser Auseinandersetzung mit Argumenten belegt werden könnten. Grob zusammen gefasst scheint es ja sehr wohl um inhaltliche Fragen zu gehen und nicht nur um persönliche Animositäten und Eitelkeiten. Über allem steht die Frage, wie lässt sich der Spielbetrieb in der 2. Liga für den MSV Duisburg finanzieren? Wie können bestehende vertragliche Vereinbarungen aus der Zeit der Präsidentschaft Walter Hellmichs so verändert werden, dass der strukturell sich ergebende, jährliche Verlust des MSV Duisburg in der 2. Liga sich verringert? Vermutet wird im MSVportal, dass Dieter Steffen daran wenig ändern wollte und Hans-Werner Tomalak für diejenigen steht, die das sehr wohl machen wollen. Das wäre die Erklärung, die die Beteiligten in die Guten und die Bösen unterteilt. So entsteht ein Bild in schwarz-weiß, ich selbst glaube in solchen Fällen ja mehr an Grautöne.

Die Berichterstattung in der lokalen Presse vernachlässigt diese inhaltlichen Gründe. Da muss man im MSVportal bei den betreffenden Themen mitlesen, dort die sachlichen Äußerungen identifizieren und sich selbst eine Meinung bilden. Etwa hier: „Neuer Vorstand – neuer MSV“, oder hier: „Wirtschaftliche Situation beim MSV Duisburg“ . So wie über den Streit im Moment in der lokalen Presse berichtet wird, weckt das nur den Unwillen aller am MSV Interessierten. Bei dieser Medieninterpretation des Streits interessiert es irgendwann nur noch die direkt Beteiligten, wer denn welchen Anteil am Streit hat. Alle anderen interessiert nur, wann dieser unangenehme Zustand denn endlich vorbei ist. So stehen in den lokalen Zeitungen an unterschiedlichen Stellen ja inzwischen Nachrichten unkommentiert nebeneinander, die nicht alle stimmen können. Zum Beispiel hat entweder Dieter Steffen, wie im Reviersport berichtet, einen neuen Kandidaten für den Vorstandsposten genannt oder er hat es,  wie bei Der Westen berichtet wird, nicht gemacht. Beides zusammen geht nicht.

Was mir in der Berichterstattung also zu kurz kommt, ist die Frage, wie mit der Auseinandersetzung auch Inhalte verbunden sind. In der regelmäßigen Berichterstattung liegt das Augenmerk auf dem Streit-Bericht selbst. Es wird quasi Oberfläche nachvollzogen, die natürlich nicht mehr ist als das Reviersport-Urteil „Schmierentheater“. Ich allerdings möchte bei dem Ganzen auch an das Interesse der Beteiligten am MSV Duisburg glauben.

PS: Habe gerade im Sky-Spielbericht die Aktion von Emil Jula vor dem Pass auf Maurice Exslager gesehen. Großartig, wie er den Ball annimmt und sich mit dieser Bewegung vom Gegenspieler freimacht! Anderthalb Scorer-Punkte! Mindestens.

Wieder großartig: Hermann Gerland im Bochumer Schauspielhaus

Wem von den Querelen im Vorstand des MSV Duisburg heute Morgen die Laune verdorben ist, der kann hier jetzt schnell weiterklicken zu diesem Mitschnitt von Hermann Gerlands Talk-Auftritt im Bochumer Schauspielhaus anlässlich von „100 Jahre anne Castroper“. Ich habe da gerade meine alte Liebe zu ihm aufgefrischt. Und ich garantiere euch mit Hermann Gerlands Erzählungen über Jungprofis in der Gegenwart und Gewichtsproblemen, die als „Weiberarsch“ erkennbar sind, wird euch der Tag schöner. Jeder halbwegs an Fußball interessierte Mensch sollte Hermann Gerland stundenlang zuhören können. Dieser Mann besitzt so viel Humor, Lebensklugheit und Fußballwissen. Er strahlt Herzenswärme aus bei gleichzeitiger Klarheit in seinen Urteilen über die Wirklichkeit. Und wer den Fußball tatsächlich nur aus Zebra-Perspektive im Blick hat, für den fallen auch zwei Nebensätze zum Duisburger Publikum ab.

Für Worte zu den Entwicklungen auf der Vorstandsebene fehlt mir heute die Zeit. Da müsste tiefer gebohrt werden, damit mehr bei rumkäme, als meine Hoffnung, dass diese Machtspiele inhaltliche Gründe haben, mit deren Weiterverfolgen der Verein vielleicht seine finanziellen Schwierigkeiten in den Griff bekommt. Gegenseitige Abneigung, Eitelkeiten und persönliche Interessen als Hintergrund dieses Konflikts wären ein Desaster.

Die Pressekonferenz zur Entlassung von Milan Sasic im Bewegtbild

Wer sagt denn endlich was zum Trainer?

Eine Woche können wir uns den Anblick nun schon gönnen. Die Tabelle der Zweiten Liga zeigt den MSV Duisburg vor dem Heimspiel gegen den SC Paderborn auf einem Relegationsplatz. Dummerweise erhält dieser Relegationsplatz nicht die Hoffnung auf den Aufstieg. Es ist der Relegationsplatz des Tabellenendes, und er bringt uns Schicksalsmonate eines Bielefelder Retter-Lienens näher. Ich schreckte sogar schon einmal nachts auf, weil ich von einer Auswährtsfahrt träumte nach Darmstadt, der heimlichen Hauptstadt der  Blümchenmustertapete. Und Freunde schwören, ein verschämtes Wispern aus dem Wasser des Rhein-Herne-Kanals  gehört zu haben: „Ihr vermisst uns doch auch! Zusammen hatten wir so viel Spaß beim Kleeblattsuchen und dem Wassertreten in meinen Kanalkurven-Containerklo-Pfützen.“

Was für eine Woche! Es was eine Woche, die uns verdeutlichte, konzeptionelles Arbeiten braucht immer auch Menschen, die sich für Konzepte verantwortlich fühlen. Beim MSV Duisburg ist aber seit dem Weggang von Bruno Hübner nicht so ganz klar, wer da welche Verantwortung trägt oder tragen möchte. Wenn dann ein 16. Tabellenplatz als Möglichkeit genutzt wird, um Zeitungsseiten mit Schicksalsspielgeraune zu füllen, bleibt es erstmal still im Verein. Dann wird noch irgendwas hinterhergeschoben von Spielern, die über eine Sasic-Entlassung sprechen und allmählich merken die Verantwortlichen, jetzt müssten sie auch erstmal was sagen. Nur diese Verantwortlichen kennen sich außer Roland Kentsch im Fußball nicht sonderlich gut aus. Deshalb klingen die Worte von Dieter Steffen und David Karpathy auch mehr nach Getriebenwerden als nach Herren des Geschehens sein. Erst als Roland Kentsch sich bemerkbar machte, hatte ich endlich zu meiner Beruhigung den Eindruck, da versucht einer die Deutungshoheit über die Situation beim MSV Duisburg zurückzugewinnen.

Man kann den 16. Tabellenplatz in Zeitungen übrigens auch zu sachlichen Überlegungen nutzen. Das kann als Bestandsaufnahme des Qualitätsverlusts im Kader geschehen wie von Dirk Retzlaff bei Der Westen am Montag oder als kommentierende Analyse des Gesamtzusammenhangs wie von dessen Essener Kollegen aus der Zentralredaktion Ralf Birkhahn einen Tag später.

All diese Worte bisher haben noch gar nichts mit der Frage zu tun, ob Milan Sasic in der Situation ein guter Trainer für die Mannschaft ist oder nicht. Meine Sorge galt ja bislang zunächst gar nicht der fachlichen Kompetenz, sondern den Möglichkeiten, die Milan Sasic besitzt, um diese Mannschaft anderer Charaktere zu einer Einheit zu formen. Diese Sorge wird gerade durch die Berichterstattung beruhigt. Die Stimmung in der Mannschaft sei gut, heißt es im Reviersport.  Bleibt also, sich den fußballspezifischen Fragen zu widmen. Und da hätte ich gerne mehr erläuternde Worte von Milan Sasic gegenüber der Öffentlichkeit. Das würde ebenfalls die Stimmung beruhigen. Argumente für einen Trainerwechsel werden ja nur deshalb gesammelt, weil Unverständnis gegenüber Entscheidungen herrscht. Unverständnis lässt sich mit Erklärung begegnen.

Und natürlich mit einem Erfolg gegen den SC Paderborn.  Der Verein dort lässt für mich die Hellmich-Ära noch einmal so richtig lebendig werden, wird er doch von einem Bruder im Geiste geführt. Dort im Ostwestfälischen kann sich der Patriarch als Vereinspräsident noch richtig austoben und dem Selbstbild gemäß auch große Ziele einmal aussprechen. Vielleicht können wir als einst aufstrebende dritte Fußballkraft im Revier unser Wissen weitergeben, wie solche Fantasien durch die Wirklichkeit ausgebremst werden. Per praktischer Anschauung den Finkschen Träumereien vom „Aufstieg“ einen Dämpfer geben. Fände ich persönlich ganz gut.

Der Missbrauch des MSV Duisburg verpufft im Nichts

Manchmal trifft es sich gut, wenn zu wenig Zeit ist, um den immer fließenden Strom des Welt- und Provinzgeplappers sofort zu kommentieren. Am Montag nach dem Pokalendspiel schrieben die einen in Duisburg vom „Sauerland-„, die anderen vom „Pokal-Eklat“. Seid empört, Skandal, Skandal, hörte ich es skandieren. Doch nach der Gratisbewirtschaftung der Lokalzeitungen durch den MSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Werner Tomalak wurde nur eine Pseudo-Geschichte hochgerülpst, über die heute niemand mehr spricht. Mir gibt der Rülpser aber gleich Gelegenheit, an einem Beispiel, das in Duisburg jeder versteht, meinem soziologischen Hobby zu frönen und ein wenig die öffentliche Meinungsbildung unter die Lupe zu nehmen.

Statt mich also darum kümmern zu müssen, wie der MSV Duisburg von Vereinsverwaltern für eigene Zwecke missbraucht wird, sehe ich zufrieden, die für den Fußball bezahlten Menschen beim Verein erledigen trotz aller Widrigkeiten professionell alles, um in der nächsten Saison möglichst erfolgreich zu sein. Es beruhigt mich, wie die Aufgaben von Bruno Hübner so umverteilt werden, dass der Spielerkader weiter Form annimmt. Daniel Beichler und Zvonko Pamic werden ausgeliehen, Goran Sukalo verlängert seinen Vertrag. Milan Sasic macht sich um die Position des Torwarts Gedanken.

Inzwischen hat sich Milan Sasic außerdem so viel Reputation erworben, um als Stimme des Vereins in die Öffentlichkeit zu treten. Seine Sätze auf der Internet-Seite des MSV Duisburg waren notwendig, um nach der Duisburger Lokalpolitikposse den Blick auf das Notwendige zu lenken. Das Unternehmen MSV Duisburg im Verein MSV Duisburg hat nicht nur die sportlichen Belange gut im Blick, der Unternehmensbereich Kommunikation weiß auch um die notwendig gute Stimmung im Umfeld.

Im Verein MSV Duisburg machte sich nun bemerkbar, dass niemand aus eigenem Impuls heraus, die Führungsaufgabe Vereinsvorsitz hat übernehmen wollen. Der Vereinsvorsitzende besitzt nicht nur eine Verwaltungsfunktion. So eine Person bündelt im besten Fall die verschiedenen Strömungen im Verein, vor allem wirkt er als erster Repräsentant für die Idee des Vereins in der Öffentlichkeit. Er steht mit seinem Namen für den Verein. Wahrscheinlich muss Dieter Steffen erst noch ein Gespür für diesen notwendigen Teil seiner Aufgabe entwickeln. Sonst werden sich immer wieder Stimmen vernehmen lassen, die in der Öffentlichkeit allein durch ihre dortige gleichgewichtige Präsenz den Eindruck erwecken, ihre Stimme hätte dieselbe Bedeutung wie die des Vereinsvorsitzenden vom MSV Duisburg.

Diese Aufgabe Dieter Steffens ist um so wichtiger, wenn die anderen Stimmen für den MSV Duisburg in der Öffentlichkeit Interessen verfolgen, die über Vereinsbelange hinausgehen. Als das CDU-Mitglied Hans-Werner Tomalak der Rheinischen Post gegenüber nicht allzu viel Wert auf das Briefgeheimnis legte und die eigenen Worte an den Parteifreund Adolf Sauerland der Redaktion steckte, kümmerte er sich doch wenig bis gar nicht um den Ruf des MSV Duisburg, sondern um den des Oberbürgermeisters aus den eigenen Reihen.

Interessant an dieser Geschichte ist nun keineswegs die Frage, ob Adolf Sauerland vom MSV Duisburg eingeladen war oder nicht. Der MSV Duisburg schreibt in einer Pressemitteilung, er sei eingeladen gewesen. Interessant ist viel mehr die Tatsache, dass diese Frage nicht nur vierzehn Tage später keine Rolle spielt, sondern sie noch am Tag der Berichterstattung in den meisten Online-Kommentaren zu der Geschichte ohne Belang war. Das Ganze wurde meist abgehakt unter Parteiengezänk. Darüber hinaus hatte die Sauerland-muss-weg-Fraktion einmal wieder einen Anlass, sich zu äußern; und die Sauerland-ist-nicht-an-allem-schuld-Fraktion konnte ebenfalls endlich mal wieder vom Leder ziehen.

Die Meinungen beim Thema Adolf Sauerland sind fest zementiert, und ein aktuelles Geschehen weckt nur die nach der Loveparade-Katastrophe entstandenen Haltungen. Adolf Sauerland müsste der NRW-Landesregierung dankbar sein, die gesetzliche Grundlage für ein Abwahlverfahren gegen ihn geschaffen zu haben. Erst dieses Abwahlverfahren wird helfen, die Lethargie und die Zerrissenheit Duisburg zu überwinden, egal ob der Oberbürgermeister abgewählt wird oder nicht. Selbst wenn er sein Amt behalten sollte, hätte Adolf Sauerland zumindest endlich wieder ein Argument, um Mitarbeiter zu überzeugen und zwar nicht unbelastet, aber mit gutem Recht vor die Öffentlichkeit zu treten. Im Moment besitzt er nichts als seinen Willen durchzuhalten. Als ob das  ein Wert an sich ist. Wer eine Stadt so spaltet wie Adolf Sauerland, kann unabhängig von allen anderen Fragen nur erster Bürger dieser Stadt sein, wenn er kraftvolle Visionen für sein Wirken in dieser Stadt hätte. Adolf Sauerland macht diesen Eindruck nicht. Wäre ich Bürger Duisburgs, ich würde für seine Abwahl stimmen.

Der MSV Duisburg reagierte übrigens mit einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe von Hans-Werner Tomalak, die hier ausschnittweise zitiert sei:

Anders als unter Bezugnahme auf das Schreiben des Aufsichtsrates des MSV Duisburg 1902 e.V. dargestellt, ist der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland regulär und frühzeitig vom MSV zum Bankett am Abend nach dem DFB-Pokalfinale zwischen dem MSV und Schalke 04 in Berlin eingeladen worden. Von einer kurzfristigen Einladung kann keine Rede sein; der Oberbürgermeister ist zum selben Zeitpunkt wie alle anderen Gäste des Abends eingeladen worden.

Der MSV ist nach Abpfiff des Pokalfinales am Samstag, 21. Mai 2011, also unmittelbar vor Beginn des festlichen Abends im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz, von Sicherheitskräften unmissverständlich angewiesen worden, sowohl den Verlauf des Abends als auch das Placement an den Tischen so zu gestalten, wie es dann geschehen ist. Trotz Protestes des MSV hat sich der Club diesen Anweisungen fügen müssen.

„Der Aufsichtsratsvorsitzende des MSV e.V. Hans-Werner Tomalak ist von mir unmittelbar am gleichen Abend über diese Umstände informiert worden. Deshalb kann ich den Schritt des Aufsichtsrates, ein nicht den Tatsachen entsprechendes Bild zu verbreiten, nicht nachvollziehen. Wir sind auch deswegen so stark geworden, weil wir es in den vergangenen Monaten geschafft haben, alle Probleme intern zu diskutieren und zu lösen, und das werde ich weiter so halten. Die jetzt getätigten, unrichtigen Aussagen beschädigen das Bild und Ansehen des MSV enorm“, sagte Dieter Steffen, Vorstandsvorsitzender des MSV Duisburg 1902 e.V.

Nach dieser Pressemitteilung weiß ich mich glücklich, keine Einladung zu dem Empfang erhalten zu haben. Wie unentspannt muss eine Veranstaltung sein, wenn Sicherheitskräfte – die von Hannelore Kraft? – den Abend bestimmen. Aber so kennen wir sie ja, die Männer mit Sonnenbrille und Ohrknopf, mit unbeweglicher Miene starren sie durch die Gegend und letztlich weiß man nicht, ob dahinter nicht das heimliche Lächeln eines Schalke-Fans steckt.

Wäre die Frage einer Einladung von Adolf Sauerland durch den MSV Duisburg wirklich wichtig gewesen, hätte der ein oder andere Journalist nachfragen können, was das denn zu bedeuten habe, Sicherheitskräfte schreiben den Verlauf des Abends vor. So verhilft uns die Berichterstattung zum „Eklat“ sogar noch zu ein wenig Sicherheit in der unübersichtlich gewordenen Welt. Erinnerte sich die Rheinische Post mit CDU-Tomalak doch an die christlich-konservative Grundhaltung von ehedem. Ob es beim WAZ-Konzern sich verbietet, mit einem CDU-Mann so offensiv wie die Rheinische Post ins Horn zu stoßen oder ob in diesem Medienhaus rein journalistische Prinzipien zur Geltung kamen, lässt sich allerdings nicht genau sagen.


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