Posts Tagged 'Dirk Retzlaff'

Nichts Neues aus Belek oder Warten auf den Knipser

Die Textbausteine dieser Saison kommen auch für das Testspiel gegen Holstein Kiel zum Einsatz. Wennn wir in Duisburg für das Benutzen der Wörter „Sturmschwäche“ und „überfordertes Mittelfeld“ Lizenzgebühren zahlen müssten, wären wir in dieser Saison schon arm geworden. „Der MSV spielte sich – wohlwollend betrachtet – gegen Kiel zwei Torchancen heraus.“ So ist´s bei WAZ/NRZ zu lesen.

Zum tröstenden Ausgleich schildert Dirk Retzlaff eine Szene mit Ilia Gruev, die einem Spielfilm entsprungen sein könnte. Wir müssen nur mit der Emotionalität bei den Fragen etwas anziehen und aus der Figur eines Journalisten einen MSV-Verantwortlichen machen.

Trainer sitzt in Café am Tisch und bestellt auf türkisch einen Tee. Verantwortlicher kommt niedergeschlagen zu ihm, fragt: Kann ich? Gruev nickt. Tee wird serviert. Vorsichtig lässt der Trainer ein Stück Zucker in den Tee fallen und rührt langsam um. Schweigen.

Verantwortlicher: „Mein Gott.“

Trainer: „Da war kein Leben drin.“

Trainer rührt und rührt.

Verantwortlicher: „Gabs nicht irgendwas, irgend-, irgendetwas, was uns weiterhilft?“

Trainer hört auf zu rühren, nippt am Tee und schaut in die Ferne: „Nein, es ist mir nichts aufgefallen.“

Verantwortlicher sackt in sich zusammen. Trainer trinkt den Tee aus, strafft sich und steht auf. Er packt Verantwortlichen an der Schulter. Verantwortlicher steht ebenfalls auf. Beide sehen sich tief in die Augen.

Trainer: „Wir müssen weitermachen.“

Verantwortlicher atmet tief ein. „Trainer, bald kommt der Knipser.“

Trainer: „Habe ich auch gehört.“

Verantwortlicher: „Und?“

Trainer: „Ich bin bereit.“

Verantwortlicher: „Hilft uns…?“

Trainer: „Du kennst keine Knipser, oder?“

Verantwortlicher: „Ich komme aus Duisburg, war immer nur beim MSV.“

Trainer nickt wissend, klopft noch einmal beruhigend auf die Schulter des Verantwortlichen und geht ins Gegenlicht Richtung Rasen. Verantwortlicher sieht ihm bewundernd hinterher.

 

Notizen zu Präsidentenwechsel und Sponsoreneinfluss

Eins halte ich für sicher: Der MSV Duisburg ist auf dem Weg, ein Geschehen, wie das der letzten Tage als einfache Nachricht weitergeben zu können. Der Vorsitzende und der 2. Vorsitzende tauschen ihre Ämter. Noch ist der MSV Duisburg nicht so weit. Der Wechsel an der Vereinsspitze erfolgt zu einem überraschenden Zeitpunkt, was ihm eine besondere Bedeutung beimisst. Es gibt Raum für Spekulationen, die  der seriöse Teil der Lokaljournalisten sachlich und informierend vornimmt. Was wenig mit der Art und Weise zu tun hat, wie dieser Ämtertausch vom MSV kommuniziert wurde sondern mit der Haltung dieser Journalisten. Dirk Retzlaff liegt mit dem Bericht und seinem Kommentar des Geschehens wohl sehr nah an der Wirklichkeit dieses Wechsels, hingegen im Reviersport, wie es sich für den Boulevard gehört, jede Chance auf die populistische Empörungsgeste genutzt wird. Such die Emotion und den Konflikt in der Geschichte, dann blase alles auf und probiere mit dem halbtoten Story-Gaul  wenigstens den Nebenweg Randfigurenkommentar, so lautet einmal mehr die Devise.

Beim Wechsel an der Vereinsspitze lässt sich ein Grundmotiv erkennen, und das ist das Vertrauen in die handelnden Personen beim MSV Duisburg. Dieses Vertrauen ist wichtig, weil Menschen gefunden werden müssen, die bereit sind, dem MSV Duisburg Geld zu geben. Inzwischen ist wieder von fehlenden 4,5 Millionen Euro die Rede. Wir waren schon einmal bei fehlenden 2 Millionen. Dieser Unterschied in der Summe ist aber anscheinend nicht mehr wichtig. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das Vertrauen das zentrale Motiv beim Wechsel war und in der Folge dann natürlich das fehlende Geld. Wir wussten bislang übrigens auch nicht genau, welche Menschen den Vereinsverantworltichen vertrauen sollten. Waren es Sponsoren oder Investoren? Was selbstredend ein Unterschied ist, da Investoren Geld verdienen wollen. Sponsoren wollen aber immatierelle Werte geboten bekommen. Nach diesem Wechsel an der Vereinsspitze sieht es nun so aus, als werde die Aufmerksamkeit mehr auf die Sponsoren gerichtet. Aber auch das ist Spekulation.

Wenn von Sponsoren die Rede ist, taucht ein weiteres Mal das Vertrauen als Grundmotiv des Geschehens auf. Dieses Mal aber geht es um das Vertrauen der Fans in die Entscheidungsfreiheit beim MSV Duisburg. Nach der Hellmich-Zeit ist der Einfluss von Geldgebern auf den Verein ein heikles Thema. Verantwortliche und Anhänger eines Vereins wie dem MSV Duisburg kommen aber nicht umhin, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Stellen wir uns vor, warum ein Unternehmen dem MSV Duisburg Geld gibt? Wirtschaftliche Argumente finden Unternehmen selbst in der 2. Liga nur selten. Ich erinnere mich an eine Studie zu Sponsoringeffekten im Fußball, die ich auf die Schnelle jetzt nicht finde. Bezogen auf Markenwert, Steigerung der Bekanntheit usw. hat sich für kaum ein Unternehmen das Engagement im Fußballl gerechnet. Das Geld wäre besser in reine Werbung investiert gewesen. Es muss also neben den wirtschaftlichen Gründen weitere Motive geben, warum ein Unternehmen einem Fußballverein Geld gibt.

In Duisburg sind das überaus begrüßenswerte Motive. Denn Schauinsland-Reisen sicherte die Existenz des MSV Duisburg immer auch in der Absicht, den Menschen in Duisburg zu Lebensqualität zu verhelfen. – Irgendwer wird diese Steilvorlage zu Ironie und Sarkasmus puncto Leidensgeschichte mit dem MSV sicher nutzen.  – Gerald Kassner verfolgt also indirekt soziale Absichten bei seiner Entscheidung. Stellen wir uns nun also den Idealfall sponsorenunabhängige Entscheidungen beim MSV Duisburg vor. Das Unternehmen beobachtet, was geschieht und erkennt, der MSV Duisburg geht in seiner Geschäftspolitik einen Weg, der mit unseren Absichten nicht in Einklang zu bringen ist. Wir ziehen uns zurück. Alles wird offen kommuniziert. Der MSV Duisburg hat also die freie Entscheidung, überall sein Geld zu suchen. Wir wissen alle, das ist eine Illusion. Für den MSV Duisburg in der 3. Liga interessieren sich nicht viele Sponsoren. Wenn ein Verein von einem Sponsor mehr Geld erhält als von anderen, enstehen Abhängigkeiten. Daran können die handelnden Personen nichts ändern. Das sind strukturelle Bedingungen. Die völlige Entscheidungsfreiheit ist also ebenfalls eine Illusion. Das hat aber nichts mit unbotmäßiger Einflussnahme seitens des Hauptsponsors zu tun. Das ist einzig und allein eine Einsicht in die Gegebenheiten und verlangt pragmatisches Handeln.

Aus dieser Einsicht gilt es meiner Ansicht nach Konsequenzen zu ziehen. Das ist meine kritische Anmerkung zu dem Geschehen. Denn auch die von Schauinsland-Reisen in Person von Andreas Rüttgers ausformulierte Meinung, es gebe keinen Einfluss auf den MSV Duisburg ist demnach eine idealistische Illusion. Natürlich stimmt das im Grundsinn der Worte. Doch es gibt Menschen, die mit einigem Recht das anders wahrnehmen, weil sich die Bedeutung des Unternehmens sehr wohl als Präsenz in informellen Zirkeln des Vereins zeigt. Der Alltag erfordert realistische Haltungen, und ich denke, es wäre eine sauberere Lösung, wenn sich die besondere Bedeutung des Hauptsponsors Schauinsland-Reisen in den Gremien des MSV Duisburg abbildete. Im Gegensatz zu Walter Hellmich vermischt Gerald Kassner sein Engagement beim MSV Duisburg nicht mit wirtschaftlichen Interessen seines Unternehmens. Die Vorgeschichte des MSV Duisburg verlangt, dass darauf noch einige Zeit lang hingewiesen wird. Kontinuität gehört übrigens auch in diesen Zusammenhang. Die Vorgeschichte macht die häufigen Wechsel an der Vereinsspitze völlig nachvollziehbar. Dazu ein anderes Mal mehr.

Am Vorgang des Wechsels ist für mich einzig zu kritisieren, dass der MSV Duisburg mit dessen Bekanntmachung wie von der Presse getrieben wirkte. Der Verein hatte beim Verkünden des Wechsels nicht die Deutungshoheit. Vielleicht gab es Hintergrundgespräche nach den ersten Gerüchten, und der Verein braucht nicht nur dankbar sein, für die ihm dieses Mal meist gesonnene Berichterstattung. Dennoch fehlt eine starke Geschichte von Vereinsseite für seine Anhänger, die sich direkt bei dem Verein ihres Interesses informieren wollen. Wenn man sich die Strukturen im MSV Duisburg genauer ansieht, ist das Fehlen nachvollziehbar. Die Presseabteilung ist in dem Wirtschaftsunternehmen angesiedelt und übernimmt die Meldungen für den Verein mit. Es zeigt sich so eine Leerstelle der Kommunikation, die sich auch andererorts bemerkbar macht und die Hermann Kewitz in der Rheinischen Post bei seiner Bestandsaufnahme des Geschehens ebenfalls wahrnimmt. In solchem fehlenden Reden mit der Öffentlichkeit geht es immer um mehr als um den eigentlichen Sport. Im Erfolgsfall fällt das übrigens nicht auf. Ein Aufstieg in der nächsten Saison hilft also auch in dem Fall.

 

 

 

Saisonvorbereitung: Zwei falsch formulierte Fragen an Milan Sasic

Manchmal ist die sportliche Leitung beim MSV Duisburg nicht zu beneiden. Da mäkeln Fans trotz der erfolgreichen letzten Saison über die Spielerfluktutation, und Journalisten hauen in dieselbe Kerbe, wenn sie Fragen so stellen, als missachte die sportliche Leitung den vor einem Jahr aufgestellten Plan.

Den Neuaufbau hatten Sie und der damalige Manager Bruno Hübner schon vor einem Jahr angekündigt. Trotzdem mussten jetzt 14 neue Spieler her. Was ist da schiefgelaufen?

Diese Entwicklung war absehbar. Wir hatten in der letzten Saison viele Leihspieler und zudem nur wenige langfristige Verträge. Jetzt sind wir einen Schritt weiter als vor einem Jahr.

Also ein Neuaufbau im zweiten Anlauf?

Ich habe die Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr wirklich an dem Punkt sind, dass wir nur drei oder vier Leute holen müssen. Diesmal sind nur drei Leihspieler dabei, zudem laufen die meisten Verträge jetzt über zwei bis drei Jahre. Wenn wir mal den verletzten Ivo Grlic herausrechnen, haben wir eine sehr junge Mannschaft, die sich entwickeln kann.

Der Westen, 13.7.2011

Ich hätte mir die Antwort von Milan Sasic noch deutlicher gewünscht. Da ist nichts schief gelaufen. Was beim MSV Duisburg geschieht ist kein „Neuaufbau im zweiten Anlauf“, wie es die nachfolgende Frage suggeriert. In der letzten Saison stand der MSV Duisburg doch vor dem Problem mit wenig Geld eine Mannschaft zusammen zu stellen, die mit einem früh gesicherten Mittelfeldplatz Planungssicherheit für die neue  Saison gibt. Dieser Teil des Neuaufbaus ist doch wohl gelungen. Da gibt es keinen zweiten Anlauf. Jetzt wird der nächste Schritt gemacht.

Im Wirtschaftssystem Fußball hat sich in den letzten Jahren der Leihspieler als feste Größe etabliert. Dieser Leihspieler bietet allen beteiligten Parteien Vorteile, wenn der Leihspieler so etwas wie Berufsethos besitzt oder die Ausleihe als große Chance begreift. Manchmal fällt beides zusammen. Bei jüngeren Spielern wie Julian Koch ergibt sich dieses Zusammenfallen meist von selbst. Etwas größer ist das Risiko für den ausleihenden Verein bei etwas älteren Spielern wie Stefan Maierhofer. Da braucht es gute Menschenkenntnis oder genaues Wissen über die konkreten Ziele dieses älteren Spielers, um das Potential der Leihe zu bewerten. Die sportliche Leitung vom MSV Duisburg hat in der letzten Saison aus der Not eine Tugend gemacht. Sie hat mit wenig Geld sehr viel erreicht. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn mehr Spieler hätten bleiben können. Doch wenn zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Zielen abgewogen werden muss, ergeben sich Veränderungen im Spielerkader.

Der Verein brauchte neue Spieler, weil Ausleihen zu Ende gingen und Spieler mit nicht mehr lange laufenden Verträgen mit Gewinn verkauft werden konnten. Erst in diesem Jahr hat der Verein nun die Möglichkeit durch die konsolidierte finanzielle Situation zusammen mit der zurück  gewonnenen Attraktivität des Fußball-Unternehmens MSV Duisburg junge Spieler längerfristig zu binden. Für mich ist es so offensichtlich, dass nichts anderes geschieht, als den zu Beginn der letzten Saison verkündeten Plan zu erfüllen. Deshalb ist die Frage von Dirk Retzlaff falsch gestellt, selbst wenn sie Milan Sasic die Gelegenheit bietet, seine Sicht der Dinge zu erklären. Die Frage beschäftigt sich mit der Oberfläche des Geschehens. Die Frage müsste anders gestellt werden, damit Fans verstehen, die Ab- und Zugänge dieser Saison haben völlig andere Ursachen als die Ab- und Zugängen in den ersten zwei Jahren nach dem letzten Bundesliga-Abstieg. Die Ab- und Zugänge des MSV Duisburg in diesem Jahr sind werthaltiger.


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