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Nicht MSV, nur ich, ich, ich beim Pfiff

Fünf Minuten blieben dem MSV noch Zeit, um mit Glück und weiteren hohen Bällen in den Strafraum den Ausgleich im Spiel gegen den SV Meppen zu erzielen. Bis dahin spielte der MSV miserabel, aber das Unentschieden war immer noch besser als nichts. Was machen dann Zuschauer, denen ihr Verein wirklich am Herzen liegt? Sie stellen ihren berechtigten Ärger zurück und werden nicht laut, wenn ein Spieler eingewechselt wird, der ihnen nicht passt – aus welchen Gründen auch immer. Denn dieser Spieler ist groß und könnte im Strafraum vielleicht… Sie halten sich zurück, wenn sie sich über den Trainer ärgern und nehmen den hilflosen Spielern nicht auch noch zusätzliche Energie bei deren Bemühen um ein Tor. Nach dem Spiel bleibt dafür Zeit, wenn der Unmut unbedingt raus muss. In der Schlussphase des Spiels zu pfeifen ist eine Frechheit – dem Verein mit seiner Geschichte gegenüber, dem eingewechselten Spieler gegenüber und allen Zuschauern gegenüber, die immer noch auf den Ausgleich hofften. Das Pfeifen war laut, und dennoch hoffe ich, es war wie so oft eine Minderheit, die sich mit Lautstärke in den Vordergrund spielt, während die Mehrheit solch ein Verhalten missbilligt.

Was für eine Selbsttäuschung von jedem, der gestern im Stadion bei der Einwechslung von Dominik Schmidt gepfiffen hat. Jeder dachte in dem Moment nur an sich und nicht an den MSV Duisburg. Er dachte nicht an den Verein, der ja im selbstbeduselten Lobsprech auf das eigene Fantum die ewige Liebe ist. Wahre Liebe ist selbstlos, Leute. Sie dachten nicht an die ewig gleiche Formel von der Größe des MSV, von einer Bedeutung, die Spieler, Verantwortliche und Fans überdauert. Was für ein Unsinn, wenn so einer dann sagte, der MSV sei größer, als wir alle zusammen. Sie dachten nur an sich und ihren Ärger. Sie fühlten nur, dass dieser Ärger doch endlich mal raus muss. Sie sahen nur sich selbst und wurden erlöst durch dieses befriedigende Gefühl, ihrer Wut freien Lauf zu lassen. Welch Befreiung für sie, dass endlich Dominik Schmidt eingewechselt wurde. Welch Befreiung, dass endlich der Gefühlshaushalt in Ordnung gebracht wurde. Welch schönes wohliges Leben in solch einer Selbsttäuschung.

Schade, dass nicht jeder sich diesem so selbstgerechten Gefühl hingeben kann. Schade, dass viele, viele Zuschauer sich gestern erst über das Spiel und dann zusätzlich sich über das Pfeifen ärgern mussten. Diese unterirdische Leistung der Mannschaft verstörte und als Krönung gab es dieses Pfeifkonzert in der Schlussphase. Ein Samstag für die Tonne.


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