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Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.

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Saisonvorbereitung VII – Die Wahrscheinlichkeit „Direkter Wiederaufstieg“

Auch ein Zahlenspiel für uns Statistikfreunde kann auf die Saison einstimmen, wenn es zu Zuversicht führt. Auf den direkten Wiederaufstieg hoffen viele Absteiger. Realistisch ist es dann nicht für alle. Wenn ich mich etwa in Paderborn umhöre, gibt es dort deutlich mehr Skepsis als in Duisburg, ob die Mannschaft erfolgreich die Saison bestreiten kann. Ganz zu schweigen von der Situation in Frankfurt, wo man noch mehr im Ungewissen steht, weil lange unklar war, wie es für den Verein weitergehen wird.

Ich blicke also heute mal zurück, welche Aufsteiger der 3. Liga in der Vorsaison aus der 2. Liga abgestiegen waren. In der Tabelle beschränke ich mich auf die wesentlichste Information den direkten Aufsteiger, jenen Verein der nur eine Saison in der 3. Liga verbracht hat. Die Relegation führt natürlich zur unterschiedlichen Anzahl der Aufsteiger.

Interessant wäre es ja, genau hinzuschauen in der Hoffnung, die Kontinuität im Kader hätte zum direkten Wiederaufstieg geführt. Diese kleinere sportwissenschaftliche Hausarbeit überlasse ich aber den Sportstudenten. Manchmal hilft es sehr, die Variablen in der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu beschränken. Besonders dann wenn die Arbeit sonst zu umfangreich wird.

2008/2009    von 3:  SC Paderborn
2009/2010    von 3: Vfl Osnabrück, FC Ingolstadt
2010/2011     von 3: Hansa Rostock
2011/2012     0   von 3
2012/2013     von 2: Karlsruher SC
2013/2014     0   von 3
2014/2015     von 2: DSC Arminia Bielefeld
2015/2016     von 3: FC Erzgebirge Aue
2016/2017     ?

Von 23 Zweitligaabsteigern (4 Absteiger 2. Liga in der Saison 2007/2008) sind 7 Vereine direkt wieder aufgestiegen.

Dieses 7 Vereine gehörten zu 24 möglichen Aufsteigern, die Relegation inklusive.

In 6 von  8 Spielzeiten gab es mindestens einen direkten Wiederaufsteiger.

Das Ausrechnen der entsprechenden Wahrscheinlichkeit überlasse ich euch. Rein vom Gefühl her sage ich als Anhänger eines Top- und Aufstiegsfavoriten, so ein direkter Wiederaufstieg ist nicht unwahrscheinlich. Das klingt gut.

Der Höhepunkt des Straßenkarnevals

Nicht oft findet der Höhepunkt des rheinischen Straßenkarnevals in Ostwestfalen statt. Ganz zu schweigen davon, dass der bedeutsamste Umzug des Tages nicht stur einem vorgeplanten Straßenverlauf folgt, sondern als frei gestaltete Sternfahrt zu einem Rasenplatz in Bielefeld durchgeführt wird. Wir werden uns schließlich vor allem an einer Ecke dieses Grüns aufstellen und nicht auf Kamelle sondern auf Tore von der richtigen Mannschaft hoffen.

Endlich ist der Schwebezustand der Winterpause zu Ende. Endlich wird sich zeigen, ob wir zurecht das Spiel gegen den VfL Bochum vergessen haben. Endlich wird sich zeigen, ob die von allen Trainern gebrauchte Floskel, jeder könne in dieser Zweiten Liga jeden schlagen vom MSV Duisburg öfter als bislang in der Wirklichkeit umgesetzt wird.

Als beliebtes Psychospielchen zu Karneval gibt es ja in den Magazinen der Tageszeitungen oft die Rubrik, was verrät dein  Karnevalskostüm über deine verdeckten Wesenszüge. Ich weiß nicht genau, mit welchen zusätzlichen Accessoires sich ein Fußballspieler seinen Spieldress in ein Siegerkostüm verwandeln kann. Vielleicht die ein oder andere Naht sprengen, als ob die jubelnden Mitspieler schon an einem herumgerissen haben? Ein bisschen Rasengrün vor dem Anpfiff hier einreiben, ein bisschen Erde dort? Und noch einen dünnen Fanschal mit aufs Spielfeld nehmen, als hätte ein siegestrunkener Anhänger des MSV bereits mit seinem Lieblingsspieler am Zaun abgeklatscht? So was in der Art könnte vielleicht helfen, und dann auf die rückwirkende Kraft der Küchenspsychologie hoffen?

Liebe Spieler des MSV, zeigt heute euren wahren Wesenskern. Verkleidet euch als Sieger und steht dazu. Ihr werdet sehen, es ist wunderbar, ein Sieger zu sein. Auch im Alltag, ohne Karneval ist das Sieger-Sein nichts, für das man sich schämen muss. Ihr müsst ihn nur finden diesen euren Wesenskern. Dann kann aus eurer heutigen Verkleidung das werden, was ihr für den Rest der Saison normalerweise anzieht.

25 Punkte wollt ihr noch erreichen. Je mehr Spiele gewonnen werden, desto besser. Das ist banal. Nicht banal ist aber der erinnernde HInweis, je mehr Spiele gewonnen werden, desto mehr Niederlagen kann sich die Mannschaft leisten. Das klingt paradox, aber wir alle wissen, das ist die Konsequenz der 3-Punkte-Regel. So gelängen die 25 Punkte mit 8 Siegen und einem Unentschieden bei 6 Niederlagen. Bei nur zwei Siegen weniger müssten schon 7 Unentschieden her, und die Mannschaft könnte sich nur noch zwei Niederlagen erlauben.

Aber wir wollen nur von Spiel zu Spiel denken, natürlich nur auf uns schauen und dazu die anderen Ergebnisse des Spieltags komplett vergessen. Das gehört auch noch zur Verkleidung, die Fußballmuffeligkeit bis zum heutigen Tag. Denn wir wissen alle, was es normalerweise bedeutet, wenn die Ergebnisse des Spieltags unsere Hoffnungen auf die Fußballwunder beim MSV befeuern. Vergesst also alles, was ihr von Freitag bis Sonntag aus der 2. Liga gehört und gesehen habt. Volle Konzentration auf den Höhepunkt des Straßenkarnevals in Ostwestfalen. Und wenn sich die Bielefelder vielleicht schon mal ins Niederlagenkostüm schmeißen könnten? Andere Mannschaften, die das übernehmen würden, sehe ich gerade nicht für den heutigen Abend.

Mehr Zebrastreifenblog für Gino Lettieris Stimmung

Gestern war die Pressekonferenz des MSV Duisburg vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC. Wenn ich zu dieser Pressekonferenz den Artikel in WAZ/NRZ lese, weiß ich zwei Dinge. Gino Lettieri liest zu wenig den Zebrastreifenblog, und Gino Lettieri fühlt sich schnell angegriffen. „Ich habe nicht ein gutes Wort gehört“, so wird Gino Lettieri in dem Artikel zitiert, als er über die zweite Halbzeit des Spiels gegen Arminia Bielefeld sprach. Anscheinend war er nicht einverstanden mit der öffentlichen Meinung über das Spiel. Schon zu Beginn der zweiten Halbzeit habe der MSV besser gespielt, nicht erst nachdem die Bielefelder nur noch zehnt haben spielen müssen.

Einige gute Worte, auch über den Anfang der zweiten Halbzeit, hätte er am Montag im Zebrastreifenblog lesen können. Wenn ich an die Zukunft des MSV denke, sollte er öfter mal einen Blick hier reinwerfen. Sich hier in diesen Räumen ein wenig positive Stimmung abholen wäre wahrscheinlich einfacher, als grundlegend die Persönlichkeit zu verändern. Die negative Bewertung des Spiels war ja nicht völlig aus der Luft gegriffen. Gino Lettieri hat es nicht leicht bei manchem Fan des MSV. Er macht es ihnen aber auch nicht leicht.

Natürlich lässt sich sagen, Gino Lettieri stellt sich vor die Mannschaft. Nun sehe ich zu Beginn der Saison die Gefahr, dass sich die schlechte Laune bei einem Teil des Publikums vom MSV und bei Gino Lettieri gegenseitig aufschaukelt. Deshalb sollte er mehr hier lesen. Das Gute im Spiel des MSV entdecke ich, sobald es das gibt. Das könnte ihm helfen die eigene Stimmung zu stabilisieren, damit er dann entspannter mit den negativen Stimmen nach einem Spiel umginge.

Darum geht es mir eigentlich: Weil wir nicht wissen, wie knapp der Klassenerhalt werden kann; weil wir nicht wissen, mit wieviel Niederlagen wir Zuschauer in dieser Saison umgehen müssen, kann die Mannschaft kein widerständiges Publikum im Stadion gebrauchen. Es geht darum, dass Gino Lettieri einem ohnehin leicht erregbaren Publikum nicht zusätzlich Futter für dessen Lust am Frustgeschrei gibt, indem er seine Sicht der Dinge mit einem vorwurfsvollen Unterton versieht. Gino Lettieri wird sich nicht verbiegen. Deshalb Lesezeichen setzen: Zebrastreifenblog.

Einen Klickhinweis habe ich auch noch: Wer sich für die Spielkultur in der 2. Liga interessiert und mehr über Rahmenbedingungen für die Spielanlage des MSV wissen möchte, ist beim Rotebrauseblogger heute sehr gut aufgehoben. Eine erste umfassende Wertung der Klasse nach 3 Spieltagen.

Die erste Etappe auf der Route zum Klassenerhalt

Sagte ich vor dem Spiel nicht, ein Unentschieden im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld stimmte mich unzufrieden? Gut, dass es die Wirklichkeit gibt, die mich vom Gegenteil überzeugen kann. Nach diesem Spiel des MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld bin ich mit dem 2:2-Unentschieden nicht nur zufrieden, in diesem Spiel gegen Arminia Bielefeld habe ich sogar zum ersten Mal in dieser Saison einen MSV gesehen, der mir ein Bild vom Klassenerhalt am Ende der Saison gibt. Wenn ich die Gespräche auf dem Weg und im Stadionbus richtig deute, können nicht viele Zuschauer dieses Spiels diese Meinung teilen. Die Anfangsphase des Spiels etwa ist durch die Hilflosigkeit und Angst der Spieler im zweiten Teil der ersten Halbzeit völlig aus dem Blick geraten. Allmählich gewöhne ich mich aber an meine Minderheitenmeinung.

Im Verlauf der ersten Halbzeit begann es schon damit. Ich musste mich nicht nur über das schlechte Spiel meiner Mannschaft ärgern, sondern auch noch über die Zuschauer des MSV. Also: Wer kräftig austeilt, muss auch einstecken können. Ich meine jene Zuschauer des MSV, die ihren Unmut über das Spiel der Mannschaft im Stadion schnell zum Ausdruck bringen mussten. Im dritten Punktespiel dieser Saison eine völlig verunsicherte Mannschaft auspfeifen, das ist das Publikum des MSV, das ich schon lange kenne. Da zeigten sich Seiten, die so gar nichts mit dem viel beschworenen „Alles für den Verein“ zu tun haben. Das hat mehr mit dem Blick auf sich selbst zu tun. Den kann ich beizeiten verstehen, aber nicht zu Beginn der Saison. So etwas gefällt mir ebensowenig wie ein Zlatko Janjic, der einen halben Meter neben einem Bielefelder steht, der gerade den Ball erobert hat und der vorsichtshalber nochmal zwei Meter weg läuft, um nicht in den Zweikampf gehen zu müssen. Vielleicht hat er sich ja sogar etwas dabei gedacht, wie sich die Zuschauer etwas beim Pfeifen dachten. Erfolg verspricht beides nicht.

Denn solche Gedanken trugen nicht zum Wiedererstarken der Mannschaft bei. Wer in dieser ersten Halbzeit den „Wir-wollen-euch-kämpfen-sehen“-Klassiker anstimmt, stellt mich vor die Frage, wieviel er gerade vom Spiel wahrnimmt. Trotz ihrer Verunsicherung, trotz ihrer Angst vor weiteren Fehlern gab es auf dem Spielfeld immer wieder Pässe als Risiko in den Augen der Spieler. Zumal die offensiv ausgerichteten Pässe dann meist zum Gegner gingen. Es gab Dribbling im eins gegen eins. Es gab Tackling. Was es nicht gab, ein klares Spiel, Spielzüge. Die meisten der Spieler des MSV kämpften an zwei Fronten, zum einen gegen ihre eigene Angst vor weiteren Fehlern, zum anderen gegen den Gegner. Ich sah das Ringen des MSV, Kontrolle über die eigene Spielweise zu gewinnen. Bei all dem wirkten die Spieler des MSV überfordert. Das Timing beim Defensivverhalten stimmte nicht. Es schien so, als sei jedes Anlaufen des Gegners zugleich von der Angst bestimmt, eine Lücke hinter sich zu lassen, die genutzt werden könnte. So entstand natürlich kein Druck auf das Bielefelder Spiel, gleichzeitig gab es die Lücken dennoch, weil die Bielefelder eben zu viel Raum hatten. Die Hilflosigkeit des MSV war  nicht zu übersehn. Mit diesem Niveau der Mannschaft hat das Publikum des MSV aber in der ersten Halbzeit mühelos mitgehalten.

Kurzum, ein Tor der Arminia aus dem Nichts erschütterte in der 8. Minute die zuvor gezeigte Absicht des MSV die Oberhand in diesem Spiel zu gewinnen. Ein weiter Ball in Richtung Strafraumgrenze wirkte harmlos, ebenso die Kopfballbogenlampe Richtung Tor. Dummerweise wurde das Kopfballduell nicht nur verloren, ebenso stand Michael Ratajczak weit vor der Linie. Es sah so aus, als ob keiner der Defensivspieler rund um den Ball exakt dort stand, wo es für diesen Angriff hätte sinnvoll sein können. Das Freistoßtor circa eine Viertelstunde später gab dem MSV vermeintlich den Rest. Eroberte Bälle wurden sofort wieder abgegeben. Verlegenheitspässe landeten im Nichts oder trieben den umtriebigen Simon Brandstetter in aufreibende Zweikämpfe. Aufbauspiel gab es kaum mehr. Auch die Einwechslung von Kingsley Onuegbu konnte meine Hoffnung auf einen Anschlusstreffer nicht erhöhen. Ich sehnte die Halbzeitpause herbei und hoffte auf eine Neuausrichtung des Spiels durch Gino Lettieris Anweisungen. Ich hoffte darauf, dass der MSV sich die Arminia zum Vorbild nehmen könnte, als sie in der letzten Saison das Spiel gegen den MSV nach dessen 2:o-Führung noch drehte.

Ganz reichte es dazu dann nicht. Die Einwechslung von Nico Klotz brachte etwas mehr Schwung in die Offensive. Doch hohe Bälle auf Onuegbu in den Strafraum hatten wie in den Spielen zuvor kein Potential. Im Mittelfeld aber bot er die bekannte Anspielstation und hatte nun auch Mitspieler, auf die er ablegen konnte. Dort wirkte er so gefährlich, dass der Bielefelder Brian Behrendt ihn trotz einer bereits erhaltenen gelben Karte umriss. Gelb-rot war die Folge. Diese Karte war ein Signal. Nicht weil aus der Überzahl als solcher sich ein überlegenes Spiel ergab. Auf mich wirkte es so, als befreite diese Überzahl von Angst. Hinzu kam die Einwechslung von Stanislav Iljutcenko für Zlatko Janjic. Mit einem Mal wurde der MSV nun in seinen Offensivaktionen sicherer, Kombinationen gelangen, der Druck auf das Tor von Bielefeld wurde größer.

In der 70. Minute gelang dann Kingsley Onuegbu der Anschlusstreffer. Halbhoch wurde er an der Strafraumgrenze angespielt, Ballkontrolle, Drehung und Volleyschuss waren eine einzige fließenden Bewegung. Ein wunderbares Tor, technisch perfekt. Großartig. Der Ausgleich fiel nur wenige Minuten später: Flanke auf den langen Pfosten, Kopfball Iljutchenko. Für etwas mehr als zehn Minuten war nun alles möglich. Der MSV drückte weiter und wollte das dritte Tor. Gleichzeitig fürchtete ich die Konter der Bielefelder. Zweimal kamen sie noch vor das Duisburger Tor. Doch die Kraft fehlte für präzise Abschlüsse. Eine Direktabnahme von Thomas Bröker (?) außerhalb des Strafraums hätte der Siegtreffer noch sein können. Ein Abwehrspieler schmiss sich dem in den Weg. Danach schienen beide Mannschaften am Ende ihrer Kräfte. Das Publikum vom MSV schien wieder versöhnt. Die Emotionen waren hochgekocht. Erst auf dem Heimweg hörte ich wieder die Unzufriedenheit. Für mich wirkt dieses Unentschieden so, als habe die Mannschaft endlich eine Karte aufgeschlagen, auf der die Route zum Klassenerhalt eingetragen ist. Die erste kleine Etappe auf dieser Route ist nun zurück gelegt. Den Weg muss die Mannschaft jetzt weitergehen.

Vorbildhafte Zebras 1997

Vor dem Spiel morgen gegen Arminia Bielefeld braucht es nicht viele Worte. Im dritten Zweitligaspiel der Saison kommt der erste Gegner, mit dem der MSV zweifellos mithalten muss; mehr noch, gegen diesen Gegner müssen im Heimspiel eigentlich drei Punkte geholt werden. Der MSV sollte gewinnen. Als Notausgang gegen die Enttäuschung versuche ich mir schon seit vorgestern einzureden, ich sei auch mit einem Unentschieden zufrieden. Richtig überzeugen kann ich mich aber nicht.

Ihr wisst natürlich auch, dieser von mir gesuchte Notausgang ist der Leistung in den ersten beiden Spielen geschuldet. Wir haben noch keinen Anhaltspunkt dafür, dass wir der Mannschaft in irgendeiner Weise vertrauen können. Vielen von euch wird es genauso gehen, und wenn ich mir die Worte von Gino Lettieri und Dustin Bomheuer anhöre, habe ich den leisen Verdacht, ihrer Sache sicher sind sich Spieler und Trainer noch nicht. Beide wissen zwar, es gibt keinen Zweifel über das Ziel, mit einem Wort benannt wird es aber nicht.

Für mich klingt es milder, wenn Gino Lettieri davon redet „zu Hause zu punkten“ und Dustin Bomheuer davon, die Punkte zu behalten. Als ob es ein schlechtes Omen wäre, das Ziel auf den Punkt zu bringen. Ich will gewinnen. Wir müssen zu Hause punkten. Probiert das mal aus. Das macht einen Unterschied. Der MSV muss sich sein Selbstvertrauen noch erspielen. Bei der Arminia hat deren Torwart Wolfgang Hesl im Interview-Portrait seines Vereins über ihn weniger Schwierigkeiten das Wort „gewinnen“ auszusprechen. Auch daran ist zu erkennen, die Arminia geht etwas entspannter in das Spiel als der MSV. Noch mehr wird dort über das Auswärtsspiel der Arminia gegen den MSV aber nicht gesagt.

Zurück zum Selbstvertrauen des MSV.  Erfolg stellt sich dann eher ein, wenn man sich vor der zu lösenden Aufgabe, den Erfolg vorstellt. Wer an das Scheitern denkt, verschlechtert seine Chancen. Es gibt also innere Bilder, die beflügeln, und schön ist es, wenn man die Bilderflut heute dazu nutzen kann, diese inneren Bilder hervorzurufen. Im September 1997 hat eine andere Mannschaft des MSV mit 2:1 gegen eine andere Mannschaft der Arminia gewonnen. Probleme, Tore aus dem Spiel heraus zu erzielen, gab es damals auch.  Carsten Wolters hat damit damals sehr beeindruckend ein Ende gemacht.

Saisonabschluss Teil 1 – Soll und Haben im Tabellenrechner: 38. Spieltag

Nach all dem Feiern des Aufstiegs will ich mich mal an den Saisonabschluss in diesen Räumen hier machen. Es gibt mit dem Tabellenrechner einen losen Faden, den ich mir als erstes vornehme – aus einem einfachen Grund: Zum zweiten Mal habe ich recht gute Erfahrungen damit gemacht. Zum zweiten Mal konnte ich schon früh meine Nerven beruhigen, weil der Tabellenrechner mir große Zuversicht gab, das Saisonziel des MSV wird erreicht.

Wenn also mal wieder Not am Mann ist, kurzer Hinweis und ich schaue wieder, wie unter möglichst schlechten Vorzeichen für den MSV eine Abschlusstabelle zustande kommt, die uns allen Freude macht. Ich gebe zu, ich habe großen Spaß daran, die alles entscheidenden Tabellenplätze recht genau kalkuliert zu haben.

Eines erweist sich bei diesem Abgleichen auch noch: Bis ungefähr zum letzten Viertel der Saison haben die Trainer der in einem Spiel favorisierten Drittligisten immer wieder darauf hingewiesen, in dieser Liga könne jeder jeden schlagen. Die Zahlen bestätigen das. Bei  meiner Prognose bin ich fast immer von Favoritensiegen ausgegangen. Der erste Blick auf die Tabelle zeigt, wieviel Punkte mehr die Vereine im unteren Tabellensegment geholt haben, als es die Prognose nach der einfachsten Bewertungsgrundlage erwarten ließ.

Um so klarer wird auch erkennbar, wie sehr die ersten drei Mannschaften sich vom Rest der Liga unterschieden. Sie zeigten in jeweils unterschiedlichen Phasen der Saison stabil positive Ergebnisse. Der MSV war im letzten Viertel des Saison erfolgreich, als es entscheidend wurde. Im Rückblick lassen sich die Unentschieden zu Beginn der Saison auch anders bewerten. Was in der Anfangsphase der Saison für das Ziel Aufstieg nicht erfolgreich genug war, erweist sich in dieser Perspektive als das Fundament des Aufstiegs. Diese Unentschieden machen die Siegesserie zum Saisonende zu einem Erfolgsendspurt.

Im Abgleich seht ihr die Abschlusstabelle samt Punkten; in der ersten Klammer steht meine Prognose der Platzierung, in der zweiten Klammer meine Prognose der Punktezahl am Saisonende, daneben die endgültig Punkteabweichung von dieser Punkteprognose.

1. (1.) Arminia Bielefeld  74  (77) -3
2. (2.) MSV Duisburg 71 (70) +1
3. (3.) Holstein Kiel 69 (69) 0
4. (4.) Stuttgarter Kickers 65 (67) -2
5. (12.) Chemnitzer FC 59 (50) +9
6. (10) Dynamo Dresden 56 (54) +2
7. (6.) Energie Cottbus 56 (60) -4
8. (5.) Preußen Münster 54 (65) -11
9. (9.) SV Wehen Wiesbaden 53 (55) -2
10. (11.) Hallescher FC 53 (53) 0
11. (8.) VfL Osnabrück 52 (57) -5
12. (7.) Rot-Weiß Erfurt 51 (59) -8
13. (14.) VfB Stuttgart II 47 (42) +5
14. (13.) Fortuna Köln 46 (43) +2
15. (17.) SG Sonnenhof Großaspach 46 (36) +10
16. (18) Mainz 05 II 42 (34) +8
17. (15) Hansa Rostock 41 (41) 0
18. (17) Borussia Dortmund II 39 (30) +9
19. (16.) SpVgg Unterhaching 39 (36) +3
20. (20) Jahn Regensburg 31 (27) +4


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