Posts Tagged 'Duisburg'

Großstadtfußball im Podcast – Duisburg, Köln, München

Neulich habe ich schon einmal auf interessante Podcasts hingewiesen, die sich der Fußballhistorie widmen. Nick Kaßner mit seinem Podcast Hörfehler gehörte dazu. Nun sprach er in der letzten Folge seines Podcasts, der Nummer 90, mit seinen drei Gästen aus Duisburg, Köln und München allerdings nur kurz über die Fußballhistorie. Vor allem ging es um die Situation des Amateurfußballs in den drei unterschiedlichen Städten.

Den Duisburger Christian Lenke kenne ich durch sympathische Begegnungen im Stadion. Als gebürtiger Thüringer, der nun auch schon lange in Duisburg lebt, geht er regelmäßig zu den Zebras. Auch wenn er in frühen Jahren sein Herz an den jüngst stark gebeutelten Rot-Weiß Erfurt hängte. Er ist Jugendtrainer beim SV Duissern 1923 und arbeitet zudem auf Verwaltungsebene seines Vereins mit. Er beschreibt den Duisburger Amateurfußball.

Der Autor und Journalist Holger Hoeck gibt die Einblicke in die Kölner Amateurfußballszene. Tim Frohwein lebt in München und arbeitet am Projekt Mikrokosmos Amateurfußball mit, das die gesellschaftliche Perspektive des Amateurfußballs beleuchtet. Unschwer war auch im Gespräch seine soziologische Perspektive beim Blick auf den Amateurfuball Münchens erkennbar.

Alle drei arbeiten an dem von Hardy Grüne ins Leben gerufene Fußballmagazin Zeitspiel mit, der journalistische Ort für einen Fußball abseits der Unterhaltungsindustrie.

In der Folge entwickelte sich schnell ein interessantes Gespräch, das zu einer Bestandsaufnahme des Breitensports Fußball in der Großstadt wurde. Grundlegende Erfahrungen auf dem Bolzplatz wurden beleuchtet. Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Fußballs in den so unterschiedlichen Städten wurden deutlich. Schwierigkeiten und Entwicklungen des Amateurfußballs kamen zu Sprache. Der Stadt-Land-Gegensatz war immer wieder Thema. Die Folge macht Lust, sich intensiver mit dem Thema Großstadt-Fußball zu beschäftigen.

In eigener Sache: Duisburg für Klugscheißer

Wenn ich unter unterschiedlichen Namen meine Texte schreibe, steckt überall zwar auch Ralf Koss mit bestimmten Anteilen in diesen Pseudonymen, und doch haben die Namen ein eigenes Dasein mit Eigenheiten entwickelt. Im letzten Jahr dachte sich etwa der Martin Wedau in mir, warum darf Kees Jaratz im Zebrastreifenblog eigentlich regelmäßig zu Worte kommen und ich habe schon lange nichts mehr zu tun gehabt.

Er ging mir etwas auf die Nerven, weil ich gerade mit dem Manuskript von 111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss fertig geworden war. Zudem hatte ich mit dem Bühnenprogramm Nach dem Anpfiff alles möglich anderes im Blick. Aber dieser Martin Wedau gab keine Ruhe. Er hatte die Anfrage vom Klartext Verlag mitbekommen, ob ich mir vorstelle könne, ein Buch über Duisburg zu schreiben.

Der Martin in mir sagte: Duisburg, das ist doch dein Thema.
Ralf: Sofort noch ein Sachbuch über eine Stadt?
Martin: Klar, ich mach das doch für dich.
Ralf: Aber da bin ich trotzdem dabei.
Martin: Wirklich? Auch wenn ich das übernehme?
Ralf: Wir sind immer noch ich.
Martin: Und wenn du Tina fragst?
Ralf: Du gibst wohl erst Ruhe, wenn ich ja sage.

Martin grinste. Er wusste, ich hatte schon längst ja gesagt. Kurzum, Tina Halberschmidt machte mit, und Martin Wedau durfte endlich wieder was schreiben. Die gemeinsame Arbeit mit Tina Halberschmidt an Duisburg für Klugscheißer hat großen Spaß gemacht – nicht zuletzt, weil ich für alle Autorenpersönlichkeiten in mir interessante Themen entdeckte, selbst wenn nur Martin Wedau geschrieben hat.

Wir suchten das besondere Wissen über Duisburg. Wir suchten es für die bekannten identitätsstiftenden Orten und in den unbekannteren Ecken. Wir suchten solches Wissen in der Geschichte der Stadt und im Sport. Dem MSV galt also auch unser Blick. Nun ist Duisburg für Klugscheißer erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Tina Halberschmidt/Martin Wedau: Duisburg für Klugscheißer. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten.
104 S., Klartext Verlag, Essen 2020.
€ 14,95
ISBN 978-3-8375-2237-2

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 43: Illegale Farben mit Duisburg

So weit ich mich erinnere, habe ich solch einen Song in meiner Heimatliedsektion Duisburg noch nicht präsentiert. Selbst wenn der Text die Stadt nicht weiter vorstellte, so tauchte doch zumindest das Wort Duisburg in einem Text auf. Nun gibt es Gelegenheit zu intensiver Textauslegung, heißt der Song der Kölner Band Illegale Farben doch Duisburg, ohne dass die Stadt im Text selbst auch nur einmal erwähnt wird. Mehr noch, zu hören ist ein Song über Selbstbezogenheit.

Die Musik erweist sich als luftige Gute-Laune-Melodie von einer Band, die sich zwischen Punk, NDW-Reminiszenz und Indie-Rock bewegt. Also, deutet schön und überlegt, ob Duisburg vielleicht doch mit dem „Du“ des Textes angeredet wird. Spricht die erste Strophe gar die Alltagswirklichkeit an? „Du bist verloren“, heißt es da. Und hören wir mit dem Refrain nicht das große Seufzen der Stadt? „Alles dreht sich nicht um dich. Alle drehen sich nur um sich.“

Ich darf ein wenig herumspinnen, weil es in Wahrheit eine sehr sympathische Erklärung für diesen Titel gibt, bei der einer der rührigen Kulturorte Duisburgs, das djäzz, eine gewichtige Rolle spielt. Mehr spoiler ich jetzt aber nicht. Wer es genau wissen will, hört in den zweiten Clip hinein, in dem die Band über das Entstehen des Songtitels redet und über ihr sehr hörenswertes Verhältnis zur Stadt.

Des Rätsels Lösung im Making of ab Minute 1.50.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Halbzeitpausengespräch: Duisburg im Kriegstagebuch von Erich Kästner

Momentan ist jeder Beitrag hier ja eigentlich so etwas wie ein Halbzeitpausengespräch zu normalen Zeiten. Unterhaltung statt Fußballspiel. Neulich aber bin ich auf etwas gestoßen, was Stoff für das Halbzeitpausengespräch während der Spielzeiten ist, ein Thema also, das rein gar nichts mit dem Fußball zu tun hat. Dennoch denke ich, dass es für euch von Interesse sein könnte.

Ich beschäftige mich gerade für ein Lese- und Hörstück intensiv mit dem letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs. Dazu habe ich mir auch „Das Blaue Buch“ von Erich Kästner vorgenommen. Er schrieb sein „Geheimes Kriegstagebuch“ von 1941 bis 1945. Seine Bücher hatten die Nazis verbrannt. Dennoch war er in Deutschland geblieben, was seinerzeit verwunderte und heute aus seiner Persönlichkeit heraus vielschichtig deutbar wäre.

Unter seinem wahren Namen durfte er nicht mehr publizieren. Doch auch der Nationalsozialismus kannte Klüngel, und so konnte er bis 1943 mit Kollegen unter Pseudonymen schreiben und damit Geld verdienen. Sogar das Drehbuch für den UFA-Film Münchhausen war sein Werk. Erst danach war im jegliches Schreiben zum Lebensunterhalt untersagt.

Wie populär ist Erich Kästners Werk für Erwachsene eigentlich heute noch? Ein paar seiner Gedichte gehören ja zur Standardsetlist der meisten Lyrik-Compilations. Ist sein Roman „Fabian“ aber noch Schullektüre? Ich weiß es gar nicht. Sei es drum, in seinem geheimen Tagebuch waren auch Zeitungsausschnitte eingeklebt. Einer dieser Ausschnitte, eine Todesanzeige, verweist auf die Duisburger Lebenswirklichkeit im Mai 1943. Kommentarlos war sie eingefügt.

Die Anzeige war in der Kölnischen Zeitung erschienen. Ob auch in der Duisburger Presse eine Anzeige erschien, müsste recherchiert werden. Die Familie muss wohlhabender gewesen sein. Darauf deuten sowohl die Anzeige außerhalb von Duisburg als auch die „langjährige Hausgehilfin“ Käthe Hoff hin, der die Todesanzeige ebenfalls gilt.

Die Todesanzeige macht die Folgen eines Luftangriffs auf Duisburg erkennbar. Diese einzige Todesanzeige gilt gleich acht Verstorbenen. Die Ursache wird nicht beim Namen genannt. Ein „tragisches Geschick“ habe die Toten ereilt.

Der Ehemann von Franziska Zimmermann überlebte. Warum war Josef Zimmermann nicht zu Hause, als die Bomben fielen? Musste er sich schon für den Kriegsdient an einem anderen Ort bereit halten? Noch war er ein „Hauptmann der Reserve zur Verfügung“. Den Zusatz deute ich so, dass er vermutlich eben noch nicht im Einsatz war.

Eine seiner Töchter und der Schwiegersohn Ferdinand Bolte lebten in Osnabrück und waren mit ihren zwei Kindern anscheinend zu Besuch in Duisburg.

Erich Kästner wurde wahrscheinlich durch die hohe Opferzahl aufmerksam, gleichwohl muss die Todesanzeige für ihn etwas ausgesagt haben, was über dieses persönliche Schicksal hinaus führt. Meines Erachtens haben die Toten in Duisburg haben für ihn auf die Kriegslage im Mai 43 im Allgemeinen hingewiesen und damit auf ein Schicksal, das der gesamten deutschen Bevölkerung hat drohen können. Deutsche Truppen hatten am 12. Mai in Nordafrika kapituliert. An der russischen Front mehrten sich die Zeichen der russischen Armee unterlegen zu sein. Seit Anfang 43 unterstützte die US-Luftwaffe die englischen Bombardements auf deutsche Städte. Während die Propaganda etwas anderes erzählt, offenbart sich die Wirklichkeit für Kästner im Leid der Bevölkerung und Zerstörung deutscher Städte.

Die Beerdigung der Duisburger Opfer fand auf dem Ehrenfriedhof statt. Dieses abgrenzte Terrain war zu Beginn des Zweiten Weltkrieges auf dem damals Neuer Friedhof genannten heutigen Waldfriedhof für gefallene Soldaten angelegt worden. Ob zu dem Zeitpunkt auch schon an zivile Opfer gedacht worden ist?

Vor 75 Jahren gab es keinen Fußball in Deutschland

Heute vor 75 Jahren trat die bedingslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Generaloberst Jodl hatte am Tag zuvor die Kapitulationsurkunde in Reims unterzeichnet. Wir sparen uns die Geschichte der Wiederholung in Berlin. Warum schreibe ich heute über dieses Kriegsende, da an Fußball in dieser Zeit niemand dachte?

Mit meinem Gedenken könnte ich erinnern, dass vom Kriegsende an die Verbrechen der Nationalsozialisten auch in Deutschland Verbrechen genannt werden durften. So könnte ich über Fußballer wie den Nationalspieler Julius Hirsch schreiben, der in Auschwitz wegen seines jüdischen Glaubens ermordet wurde. Er steht für viele weniger prominent gewordene Opfer der Nazis in ganz Deutschland, unter denen sicher Menschen waren, die den Fußball liebten und, weil sie Gewerkschafter, Sozialdemokraten oder Kommunisten waren, von den SA-Trupps der Nazis sofort nach der Machterübernahme 1933 ermordet wurden.

Ich könnte über Fußballspieler des MSV Duisburg schreiben, die im Krieg gefallen sind. Ich kenne keine Namen. Überhaupt weiß ich wenig über den MSV Duisburg in der Zeit des Nationalsozialismus. Womöglich gibt es schon Literatur? Womöglich ist da eine Lücke der Historie, die gefüllt werden sollte.

Bediene ich damit die Rituale des üblichen Gedenkens, bei dem mancher der Leser hier schon die Augen verdreht? So oft wurde von den Gräuel der Nazis gesprochen. Immer wieder wurde nachdrücklich versucht, die bestehende Verantwortung in der jeweiligen Gegenwart für die gesamte deutsche Geschichte bewusst zu machen. Kann das nicht endlich einmal vorbei sein?

Schon bald nach Kriegsende gab es dieses Aufstöhnen in Deutschland, wenn vom Nationalsozialismus geredet werden sollte. Schon im Mai 1945 waren die Nazis in Deutschland verschwunden. Komplett. Diese Erfahrung machten nicht nur Journalisten aus aller Welt, auch die Deutschen selbst staunten in Tagebüchern und Briefen, wo all die Parteimitglieder geblieben waren. Niemand war wirklich ein Nazi gewesen, außer denen da oben, die jetzt ja, Gott sei Dank, ihre Strafe durch die Alliierten bekommen sollten. Es gab immer harmlose Gründe, um in die Partei eingetreten zu sein. Deshalb war es doch nur zu verständlich, wenn später endlich Schluss sein sollte mit dem Erinnern. Auch von den damaligen Kindern wollten viele als Erwachsene bis in die Gegenwart hinein das Reden von der besonderen Verantwortung beendet wissen. Da wurde es dann auch verständlich für viele, die Helmut Kohls „Gnade der späten Geburt“ erfahren hatten. Das waren prominente Deutsche auf Podien und weniger prominente in privaten Gesprächen.

Doch jedes Gedenken kann lebendige Beschäftigung mit der Vergangenheit sein, um etwas über sich selbst zu begreifen, um das eigene Handeln und dessen mögliche Folgen besser zu verstehen, um die Bedingungen von sozialen Ereignissen zu erkennen. Denn der Wahlerfolg der Nazis war ein soziales Geschehen. Er kam nicht über die deutsche Gesellschaft als plötzliches Schicksal. Die Deutschen handelten. Viele ermöglichten durch Sprechen und Schreiben, das gehandelt werden konnte. Und das hieß, den Nazis die Macht überlassen.

Darum geht es beim Gedenken: wie können wir dazu beitragen, wie können wir verhindern, dass ein demokratisches Land Politikern die Macht ermöglicht, die zuvor schon mit Allmachtsbildern und Gewaltfantasien zur Öffentlichkeit gesprochen haben? Die Nazis hielten sich auch mit Terror an der Macht. Sie wurden aber zugleich von der Zustimmung der deutschen Bevölkerung getragen.

Momentan erleben wir die Diskussion, ob dieser 8. Mai auch in Deutschland Feiertag sein kann. Der AfD-Fraktionschef Alexander Gauland erklärte, er könne so einen Feiertag niemals begehen. In dem Fall zeigt sich Alexander Gauland allerdings nicht sehr klug, weil er doch glauben machen möchte, wie fern nationalsozialistisches Denken seiner Partei sei. Welch einfaches Entlastungszeugnis könnte sich die AfD ausstellen lassen, wenn auch diese Partei sich für den 8. Mai als Tag der Befreiung einsetzte.

Darin zeigt sich das Zwiespältige für jeden Deutschen, wenn er auf den 8. Mai nur als Tag der Befreiung schaut. Ein Tag der Befreiung könnte auch den wahrhaftigen Blick auf die Vergangenheit behindern. Er könnte der alten Erzählung von den Nazis, die immer die anderen waren, neue Kraft geben. Der Nationalsozialismus kam nicht von Außen auf ein unschuldiges Land, das dann von den Guten zum Glück befreit wurde. Der Nationalsozialismus entstand aus der deutschen Gesellschaft heraus. Wähler gaben ihre Stimme den Nationalsozialisten, obwohl Hitler und Goebbels sich zu ihren Absichten gegenüber den politischen Gegnern offen bekannten. An die Macht aber kamen die Nazis erst, weil nationalkonservative Politiker glaubten, mit ihnen für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen paktierten zu können

Alexander Gauland kommt sein rechtskonservativer Nationalismus beim Blick auf das Kriegsende in die Quere. Deshalb kann er in dem Fall nicht taktisch handeln. Ihm ist es unmöglich, seine Partei vom rechtsextremen Denken reinzuwaschen, indem er einen Feiertag der Befreiung befürwortet. Ihm ist es unmöglich, weil mit der „absoluten Niederlage“ der deutschen Wehrmacht seiner Meinung nach auch der Verlust deutscher Gestaltungsmöglichkeiten einherging.

Das kommt dabei heraus, wenn man sich wie Alexander Gauland nicht der gesamten historischen Wahrheit stellt. Diese Gestaltungsmöglichkeiten hatten sich trotz der Niederlage nämlich angedeutet. Großadmiral Dönitz als Nachfolger von Adolf Hitler führte nach Kriegsende noch für wenige Tage eine deutsche Regierung weiter an. Es gab Kabinettssitzungen, bei denen die Illusion gelebt wurde, eigenständig verantwortlich für Deutschland zu sein. Heute kurios anmutende Gespräche gab es, bei denen Dönitz keinen Zweifel daran ließ, welche Zukunft er für Deutschland sah. Er brach nicht mit Adolf Hitler. Etwas anderes als einen Führerstaat konnte er sich nicht vorstellen. Parteien hatten laut Dönitz weiter nichts in einem Deutschland der Volksgemeinschaft zu suchen.

Das sind die Handlungsmöglichkeiten, die Alexander Gauland vielleicht nicht im Sinn hatte, die aber nur vorhanden gewesen sind, wenn das Kriegsende nicht grundsätzlich auch als Tag der Befreiung angesehen wird. Wer sich auf Handlungsmöglichkeiten der Deutschen bezieht, kann nur die damaligen Machthaber ohne Macht meinen. Denn wenn es die nicht sein sollen, können es nur die Nazis davor sein. Niemand anders stand für Deutschland 1945. Nur diese Männer hätten Handlungsmöglichkeiten gehabt, wenn der Krieg nicht verloren gegangen wäre. Wer sich also auf den Verlust von Handlungsmöglichkeiten durch das Kriegsende bezieht, greift die Demokratie der Gegenwart an. Er schreibt eine autoritäre Regierungsform in der Gegenwart fort. Weil diese Angriffe momentan aus allen möglichen Ecken geschehen, erinnere auch ich heute in einem Fußballblog an das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Am 5. März 1933 stimmten 33,77 Prozent der Duisburger für die NSDAP. Zwölf Jahre später sah Duisburg beim Überflug so aus wie in den folgenden zwei Clips.

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 42: Jestic mit Immer noch hier (Duisburg-Lied)

Nach dem Zeitvertreib mit dem kabarettistisch inspirierten Ruhrstadt-Heimatlied von Matthias Reuter am Donnerstag habe ich heute eine neue Stadtteilfolge der Reihe für euch. Der Rap erweist sich mal wieder auch für Das Heimatlied Duisburg als ergiebige Quelle. Martin Lukas nennt sich als Rapper Jestic. Bei Facebook ist er mit seinen Projekten präsent.

Begonnen hat Jestic mit dem Rappen schon als Jugendlicher, was wir auch in seinem Song „Immer noch hier“ erfahren. Er reiht markante Erinnerungen seines Lebens in Duisburg aneinander. Blitzlichter wirft er auf seine Jugend in Hamborn und Marxloh; der MSV wird erwähnt, ein erster Videodreh. Seitdem sei viel passiert, und er sei immer noch hier. Die Erklärung dafür ist die Stadt selbst, und das Wortspiel mit dem emblematischen DU für Duisburg kennen und mögen wir:

„Immer wieder du
bist, was ich brauch, i
mmer wieder du,
du fängst mich auf,
immer wieder du
bist meine Frau.“

 

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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 41: Frank Reuter – Ich bin DU

Es gibt einen Versuch in Duisburg, meine Sammlung Heimatlied – Sektion Duisburg  institutionell zu unterstützen. Oder sagen wir, ich nehme diesen Musikwettbewerb mal als institutionelle Unterstützung. Ich meine, momentan wird erneut zu einem Wettbewerb rund um Duisburg-Lieder aufgerufen. Ich weiß allerdings nicht, ob es dieselben Veranstalter sind. Letztes Jahr kooperierten Musik- und Kunstschule der Stadt Duisburg mit der Gitarrenschule Peter Bursch, und das Ganze nannte sich „Ich bin DU!“  oder „Ich und meine Stadt Duisburg“.

Die Zielgruppe des Wettbewerbs hatte sich erweitert. Zunächst waren vornehmlich Kinder und Jugendliche angesprochen. Die Teilnehmerliste im Jahr 2018 aber zeigte, gestandene Musiker der Duisburger Szene hatten sich ums Heimatlied – Sektion Duisburg gekümmert. Philipp Eisenblätter war mit seinem auch in meiner Sammlung schon aufgenommen Duisburg-Lied dabei und hat gewonnen. Anna Maria Schroeter hat nach ihrer Duisburg-Hymne eine Ballade zur Stadt aufgenommen und wurde zweite. Das Lied finde ich leider nicht in einer Version im Netz, die ich hier einbinden kann; auf der oben verlinkten Seite ist es zu hören. Die drittplatzierten Die Krauses mit ihrem von Punk bestimmten Sound habe ich bereits vorgestellt. Ebenfalls schon vorgestellt Platz vier: Exemplarischer Lebenszyklus eines Duisburgers von Max und Florian

Fehlt Platz fünf mit Ich bin DU von Frank Reuter. Er versucht im Text mit einem realistischen Blick auf die Gegenwart Duisburgs die Probleme der Stadt anzureißen. Der Anblick tue oft weh, Verfall an allen Ecken, doch die Stadt gebe niemals auf. Die Stadt werde niemals untergehen und Duisburger werden immer zu ihr stehen. Denn zu Heimat fällt Frank Reuter nur Duisburg ein. Stimmlich kommt er in dem Lied an seine Grenzen, was die Musik, die überhaupt nicht von einer Gitarre bestimmt wird, in Richtung Liedermacher-Sound zieht.

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Der Blick zurück – Duisburger Fußballstadtmeisterschaft 1946

Der Fußball organisierte sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs recht schnell wieder und half dabei, Normalität des Alltags in den Besatzungszonen wieder herzustellen. Der sportliche Wettbewerb konnte diesen beginnenden Alltag rhythmisieren. So wurde in Duisburg schon für die Saison 1945/1946 ein Stadtmeister ausgespielt.

Auf der der Historie des Duisburger Spielvereins gewidmeten Seite im Netz finden sich grundlegende Informationen zu dem Wettbewerb und Bemerkungen zu dem Finale, das in Hin- und Rückspiel im Mai 1946 zwischen dem Meidericher Spielverein und dem Duisburger Spielverein ausgetragen wurde.

Beide Vereine qualifizierten sich über Gruppenpiele für das Finale. Die Ruhr bildete dabei die Grenze für eine Süd- und Nordgruppe, in die die teilnehmenden Fußballvereine Duisburgs eingeteilt wurden. Im Süden spielten Duisburger SV, VfL Hüttenheim, TuS Duisburg 48/99, VfL Wedau, Duisburger FV 08, Duisburger SC 1900, Kaßlerfelder BC, TuRa 88 Duisburg, SV Wanheim 1900, SV Neuenkamp, Viktoria Buchholz und DSC Blau-Weiß 01.

Im Norden starteten Meidericher SV, SV Hamborn 07, SV Union Hamborn, SV Beeckerwerth, VfVB Ruhrort/Laar, SV Westende Hamborn, Gelb-Weiß Hamborn, Sportfreunde Hamborn 20, SV Laar 21, SV Hamborn 90, Grün-Weiß Beeck und Schwarz-Weiß Hamborn.

Das Hinspiel des Finales gewann der Meidericher SV mit 5:1 vor 12.000 Zuschauern an der Westender Straße. Der Sieg fiel laut vom DSV-Historiker zitierten Beobachter zu hoch aus: „Während dem Gegner einfach alles glückte, gelang unserer Mannschaft gar nichts. Wenn Meiderich auch besser war, so ist das Resultat viel zu hoch. 1:2 oder 2:3 wäre gerechtfertigt gewesen.“ Das Rückspiel gewann der DSV mit 1:0. Durch das bessere Torverhältnis war der Meidericher SV der erste Stadtmeister Duisburgs nach dem Zweiten Weltkrieg.

Man beachte die Ehrenpreise, Ölgemälde einer Industrielandschaft, die wertvoll (!) gewesen sind. Die Zeitungsauschnitte habe ich ohne Quellenangabe und Veröffentlichungsdatum erhalten.

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 40: Icy Rose – Aus Kohle und Stahl

Es gibt einen Versuch in Duisburg, meine Sammlung Heimatlied – Sektion Duisburg  institutionell zu unterstützen. Oder sagen wir, ich nehme diesen Musikwettbewerb mal als institutionelle Unterstützung. Ob er nun „Ich bin DU!“  oder „Ich und meine Stadt Duisburg“ heißt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Musik- und Kunstschule der Stadt Duisburg kooperiert jedenfalls mit der Gitarrenschule Peter Bursch, und Lieder über Duisburg sollten eingereicht werden.

Die Zielgruppe des Wettbewerbs hatte sich in diesem Jahr erweitert. Ich meine, es waren zunächst vornehmlich Kinder und Jugendliche angesprochen. Die Teilnehmerliste dieses Jahres aber zeigt, gestandene Musiker der Duisburger Szene haben sich ums Heimatlied – Sektion Duisburg gekümmert. Philipp Eisenblätter war mit seinem auch in meiner Sammlung schon aufgenommen Duisburg-Lied dabei und hat gewonnen. Anna Maria Schroeter hat nach ihrer Duisburg-Hymne eine Ballade zur Stadt aufgenommen und wurde zweite. Das Lied finde ich leider nicht in einer Version im Netz, die ich hier einbinden kann; auf der oben verlinkten Seite ist es zu hören. Die drittplatzierten Die Krauses habe ich bereits vorgestellt.

Icy Rose habe ich ebenfalls über die Wettbewerbsseite kennengelernt. Mit einem Klick geht es zur Icy-Rose-Seite im Netz, mit dem anderen Klick zur Seite bei FacebookDie Band spielt Rock, „Akustik-Rock“ so schreiben sie selbst auf ihrer Seite. In „Aus Kohle und Stahl“ wird Duisburg zum einen im Text als „du“ angesprochen, zum anderen werden die Sätze als plakative positive Aussagen in die Welt gesungen. Der Gegensatz von gutem Lebensgefühl und äußerem schlechten Eindruck wird in der ersten Strophe durch das Verlieben überwunden.

Wenn das passiert ist, erlebt man nicht nur die Menschen als besonders sondern auch das Kulturangebot mit Theater am Marientor. Man fühlt den Lebenswert der Stadt durch Landschaftspark sowie den Sport mit Zebras und Wellenbad im Mattlerbusch. Das sind gängige Versatzstücke des Duisburger Stadtmarketings. Im Refrain heißt es dann Duisburg, „auf Kohle gebaut, aus Stahl deine Haut, aus Eisen deine Lunge, die Adern der Rhein, hast kein Herz aus Stein“. Dahinter steht der Stolz auf die Heimatstadt.

 

 

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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 39: Pilz Herb – Heimspiel MSV Edition

Noch nicht lange her ist meine Frage, ob der Song „Ruhrpott“ von Pilz Herb immer noch einfach „Rock“ heißt. Aufgenommen habe ich den Song in die Heimatliedsammlung auch ohne eindeutige Antwort.

Pilz Herb findet man bei Facebook, wo die Seite aktueller wirkt als deren Webseite.

Dass ich nun so schnell einen zweiten Song von Pilz Herb in die Sammlung aufnehme, versteht sich angesichts des Songinhalts im Zebrastreifenblog von selbst. „Heimspiel“ gehört definitiv zum Rock, auch ohne nähere Spezifierung. Der Song ist neu gestaltet, und Pilz Herb widmen ihn dem MSV Duisburg.

Die Botschaft des Songs stimmt perspektivisch hoffentlich nach dem Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln sowohl für uns Anhänger als auch für die Mannschaft. „Wir sind wieder da“. „Mit neuer Energie“. „Gemeinsam durch die Hölle“, dann ist man siegreich. Schließlich jener Vers, der auf den Zwangsabstieg gemünzt scheint, und doch zugleich auch für die Gegenwart gilt: „Wir waren schon am Abgrund, aber jetzt geht’s nur bergauf“. Und, ja, man kann in einem dem MSV gewidmeten Song eine Strophe nur mit der Aufzählung von Namen bestreiten.

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