Posts Tagged 'Duisburger Akzente 2017'

Akzente 2017 inoffiziell – Der Umbruchsvierzeiler für den MSV des Sommers 2013

Die diesjährigen Duisburger Akzente sind zu Ende gegangen, und damit gibt es auch in diesen Räumen hier den letzten Programmtag. Das Motto des Kulturfestivals lautete Umbrüche. Bei diesem Motto darf ein Beitrag zum MSV Duisburg nicht fehlen.

Manchmal ist uns von Anfang klar, dass uns ein Umbruch bevorstehen kann. Das ist so, wenn unser Leben von einer einzigen Entscheidung abhängig ist, die wir nur bedingt beeinflussen können. Das war für viele Duisburger so im Sommer 2013, als sie merkten, wie sehr der MSV Duisburg zu ihrem Leben dazu gehört. Der MSV hatte keine Lizenz für die 2. Liga erhalten. Dem Verein drohte das Ende. Es war keine Frage, für den MSV Duisburg würde es so oder so einen Umbruch geben, und damit sahen auch die Anhänger des Vereins ein Umbruch auf sich zukommen, den sie fürchteten. In dieser Krisenzeit standen in Duisburg Menschen zusammen, die zunächst sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Handeln hatten. Tatkraft und Energie waren zu spüren. Damit diese gute Geschichte Duisburgs immer wieder erzählt werden kann, habe ich sie in „Mehr als Fußball“ aufgeschrieben.

So eine Umbruchzeit bringt aber auch andere Gefühle mit sich. Schließlich heißt Umbruch auch Veränderung und Abschied. Nachdem der Einspruch des MSV gegen den abschlägigen Lizenzentscheid abgelehnt wurde, verließen nahezu alles Spieler des Zweitligakaders den MSV Duisburg. Das hieß Abschiedsschmerz. Ich bewältigte den schreibend, getreu dem Heinz Erhardtschen Motto  „noch ’n Gedicht“.

Bewältigen mit lyrischem Fragment

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun!
Und immerzu denke ich: Lücken.
Mit Trümmern etwas Neues aufbau’n,
das macht man nicht aus freien Stücken.

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Akzente 2017 inoffiziell – Als der Bergmann Heinrich Kämpchen ab 1890 zu dichten begann

Momentan finden die  38. Duisburger Akzente statt. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Berufsinvalidität bringt Zeit fürs Dichten. Diese Kurzformel verweist auf das lyrische Werk des 1847 im heute zu Essen gehörenden Burgaltendorf geborenen Bergmanns Heinrich Kämpchen – zu Wikipedia geht’s per Klick. Er war einer der ersten Arbeiterdichter, die mit ihren Worte nicht nur agitieren wollten. Ihm ging es nicht um die Lyrik als Mittel zum klassenkämpferischen Zweck. Er wollte sich selbst ausdrücken. Unweigerlich bekamen seine Gedichte deshalb einen bürgerlicheren Ton, auch wenn sie das Leid und Schicksal von Bergleuten aufgriffen. Er schrieb wie bürgerliche Dichter über die Natur als Gegenwelt zur Arbeit. Er schrieb über Gefühle. Sein dritter Gedichtband aus dem Jahr 1909 steht bei Wikisource online.

Hier veröffentliche ich ein früheres Gedicht über das Leben als Bergmann.

Ideal und Prosa

Wer nie im Schacht die Keilhau schwang,
Wer nie, vom Pulverdampf umgeben,
Nach Luft und Atem röchelnd rang,
Der kennt dich nicht, du Bergmannsleben.

Man wirft uns in die Gruft hinein,
Wer bürgt, daß nicht zerschmettert färben
Wir unten blutig das Gestein?
Es geht auf Leben und Sterben.

Und wer den Bergbau besang
Und wer ihn pries in Melodieen,
Er wolle nur zwei Monde lang
Mit uns durch seine Grüfte ziehen.

Er habe nur wie wir im Schacht,
Durchleuchtet nie von Tageshelle,
So manche schwere Schicht vollbracht,
Den bleichen Tod als Mitgeselle.

Und meinen Kopf setz ich zum Pfand,
Ihm sind die Lieder ausgegangen –
Das Schaumgold ‚Ideal‘ verschwand
Dort, wo die ‚Prosa‘ angefangen.

 

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Akzente 2017 inoffiziell – An der Knieenden kam auch Klaus Thies nicht vorbei

Momentan finden die  38. Duisburger Akzente statt. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Als Die Knieende, die Skulptur von Wilhelm Lehmbruck, Ende der 1920er Jahre in Duisburgs innerstädtischem Tonhallenpark aufgestellt wurde, fand das wenig Zustimmung in der Duisburger Öffentlichkeit. 50 Jahre später hatte sich das geändert. Die Knieende wurde zum Grundmotiv eines Werbeplakats für das Lehmbruck Museum. Nur dass nicht die Skulptur selbst zu sehen war, sondern Duisburger aller Gesellschaftsschichten. Für die „111 Fußballorte, die man gesehen haben muss“ habe ich daran, erinnert, dass auch der damalige Spieler des MSV, Klaus Thies, auf dem Plakat zu sehen gewesen ist. Mit einem Klick geht es zum Portrait der Ballerina Greetje Groenendyk für das Plakat auf der letzten Seite der Katalogvorschau.

Unter kunstinteressierten Fußballfreunden sei für Duisburg folgender Vergleich erlaubt: Im Werk des 1881 in Meiderich geborenen
Bildhauers Wilhelm Lehmbruck ist die »Kniende« wie das Spiel der Spiele von Bernard Dietz, der 1977 fast im Alleingang für den 6:3-Sieg des MSV Duisburg gegen den FC Bayern München sorgte. Anstrengung, das Ringen um das Ergebnis und die Zweifel am Erfolg sieht man dem Endstand genauso wenig mehr an wie der lang gestreckten Skulptur in Überlebensgröße. 1911 entstand ein erster Bronzeguss, und ein weiterer präsentiert sich rechts vom Weg zum Museumseingang, während die Steinskulptur in dessen Räumen betrachtet werden kann.
Ein Werk von solcher Bedeutung für Künstler und Kunstgeschichte wird dann genutzt, wenn wie 1976 das Museum eine Werbekampagne startet. Beauftragt war der Fotograf Gerd Jansen, dem ein doppeldeutiger Slogan einfiel, Zustandsbeschreibung und selbstbewusstes Statement zugleich: »An der Knienden kommt keiner vorbei«. Für die Fotos zum Slogan ließ Gerd Jansen Duisburger aller Gesellschaftsbereiche sich niederknien. Eine Ballerina etwa gab sich anmutsvoll, ein Müllmann massig, und der damals 25-jährige Klaus Thies vom MSV Duisburg zeigte sich an der Seitenlinie im Wedaustadion fußballerisch.
Vielleicht waren es seine glatten, etwas längeren Haare und sein eher hagerer Körperbau, die ihn als Lookalike der »Knienden« geeignet machten. Die Zeit hat die Erinnerung verwischt. Deutlicher konturiert sie sich für MSV-Fans der älteren Jahrgänge beim Namen Thies, obwohl er in der Historie des MSV Duisburg kein bedeutender Spieler wurde. Ihnen fällt sofort das Pokalfinale 1974 gegen Eintracht Frankfurt samt der einen großen Chance zum Führungstreffer ein, die Klaus Thies vergab. Vergessen ist dabei, dass sich der Spieler mit einem Sololauf über das halbe Spielfeld die Chance selbst erarbeitet hatte. Erinnerungen sind manchmal ungerecht.

Entnommen ist der Text dem Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. Im Buchhandel ist es nicht mehr erhältlich. Bei mir lässt es sich noch für € 9,90 inklusive Versand statt € 14,95 bestellen.

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Akzente 2017 inoffiziell: Heinrich Heine kannte Deutschland im Jahr 2017

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Heinrich Heines literarisches Werk wurde in Deutschland bis Anfang der 1980er Jahre immer wieder herabgesetzt, weil er sich auch als politischer Schriftsteller verstand, als politischer Lyriker gar. Der romantische Dichter Heine wurde gegen den politischen Schriftsteller ausgespielt. Ein rechts-konservatives Milieu der deutschen Gesellschaft wollte von solchen Werken nichts wissen, die eine konkrete politische Entwicklung kommentieren.

Wer sich Heines Gedicht „Die Wahlesel“ anhört oder es liest, wird sofort verstehen warum. Auch in der Gegenwart wirkt es als satirischer Kommentar zu nationalistischem Populismus jedweder Art. Die Zeiten haben sich geändert, nationalistischer Populismus ist derselbe geblieben.

Das Gedicht ist im Nachlass erschienen. Das genaue Entstehungsjahr habe ich auf die Schnelle nicht herausbekommen. Wahrscheinlich wird es Ende der 1840er Jahre entstanden sein, als Kommentar zu Debatten in der Frankfurter Paulskirche, wo ab Mai 1848 die Nationalversammlung tagte.

Und nun Herr Heine, bitte schön.

Die Wahlesel

Die Freiheit hat man satt am End,
Und die Republik der Tiere
Begehrte, dass ein einzger Regent
Sie absolut regiere.

Jedwede Tiergattung versammelte sich,
Wahlzettel wurden geschrieben.
Parteisucht wütete fürchterlich,
Intrigen wurden getrieben.

Das Komitee der Esel ward
Von Alt-Langohren regieret.
Sie hatten die Köpfe mit einer Kokard,
Die schwarz-rot-gold, verzieret.

Es gab eine kleine Pferdepartei,
Doch wagte sie nicht zu stimmen.
Sie hatte Angst vor dem Geschrei
Der Alt-Langohren, der grimmen.

Als einer jedoch die Kandidatur
Des Rosses empfahl, mit Zeter
Ein Alt-Langohr in die Rede ihm fuhr,
Und schrie: Du bist ein Verräter!

Du bist ein Verräter, es fließt in dir
Kein Tropfen vom Eselsblute.
Du bist kein Esel, ich glaube schier,
Dich warf eine welsche Stute.

Du stammst vom Zebra vielleicht, die Haut
Sie ist gestreift zebräisch.
Auch deiner Stimme näselnder Laut
Klingt ziemlich ägyptisch-hebräisch.

Und wärst du kein Fremdling, so bist du doch nur
Verstandesesel, ein kalter.
Du kennst nicht die Tiefen der Eselsnatur,
Dir klingt nicht ihr mystischer Psalter.

Ich aber versenkte die Seele ganz
In jenes süße Gedösel.
Ich bin ein Esel, an meinem Schwanz
Ist jedes Haar ein Esel.

Ich bin kein Römling, ich bin kein Slaw.
Ein deutscher Esel bin ich,
Gleich meinen Vätern. Sie waren so brav,
So pflanzenwüchsig, so sinnig.

Sie spielten nicht mit Galanterei
Frivole Lasterspiele.
Sie trabten täglich, frisch-fromm-fröhlich-frei,
Mit ihren Säcken zur Mühle.

Die Väter sind nicht tot! Im Grab
Nur ihre Häute liegen,
Die sterblichen Hüllen. Vom Himmel herab
Schaun sie auf uns mit Vergnügen.

Verklärte Esel im Gloria-Licht!
Wir wollen Euch immer gleichen
Und niemals von dem Pfad der Pflicht
Auch nur einen Fingerbreit weichen.

O welche Wonne, ein Esel zu sein!
Ein Enkel von solchen Langohren!
Ich möcht es von allen Dächern schrein:
Ich bin als ein Esel geboren.

Der große Esel, der mich erzeugt,
Er war von deutschem Stamme.
Mit deutscher Eselsmilch gesäugt
Hat mich die Mutter, die Mamme.

Ich bin ein Esel, und werde getreu,
Wie meine Väter, die Alten,
An der alten, lieben Eselei,
Am Eseltume halten.

Und weil ich ein Esel, so rate ich Euch,
Den Esel zum König zu wählen.
Wir stiften das große Eselreich,
Wo nur die Esel befehlen.

Wir alle sind Esel! I-A! I-A!
Wir sind keine Pferdeknechte.
Fort mit den Rossen! Es lebe, hurra!
Der König vom Eselsgeschlechte!

So sprach der Patriot. Im Saal
Die Esel Beifall rufen.
Sie waren alle national,
Und stampften mit ihren Hufen.

Sie haben des Redners Haupt geschmückt
Mit einem Eichenkranze.
Er dankte stumm, und hochbeglückt
Wedelt er mit dem Schwanze.

 

Es gibt zwei wunderbare Rezitationsfassungen des Gedichts von Lutz Görner. Nehmt euch die kurze Zeit und hört euch wenigstens eine dieser ausdrucksstarken Auftritte an. Bei dem älteren Bühnenauftritt überraschte mich die Reife der Rezitationsstimme schon des jungen Lutz Görner. Mir war das nicht bewusst, auch wenn ich ich ihn bereits Mitte der 1980er Jahre im Kölner Schauspielhaus gesehen habe. Er war es, der mir zum ersten Mal die Gedichtrezitation als ein bereicherndes Kulturerleben nahe brachte.

In der anderen Fassung ist Lutz Görner einige Jahre älter und nicht minder ausdrucksstark. Die Wahlesel, ab Minute 4.17

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Akzente 2017 inoffiziell – Als in den 1920ern im Park der Tonhalle die Knieende aufgestellt wird

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Wo sich früher der Tonhallenpark befand, steht heute das CityPALAIS.

Dieser innerstädtische Park Duisburgs entsteht, als die Tonhalle 1887 gebaut wird. Er macht dem wachsenden Bürgertum der Stadt das neue Konzerthaus repräsentativer, wird er wie bei einem herrschaftlichen Anwesen doch von einer halbhohen Mauer mit schmiedeeisernem Zaun umschlossen. Bei Konzerten Zutritt erlaubt! Das ändert sich erst 1927, nachdem der Rat der Stadt beschließt, die Mauer einzureißen und den Park in eine öffentliche Grünanlage umzuwandeln. Derart dem städtischen Leben anvertraut, soll dort auf dem Rasen für die Duisburger auch die Begegnung mit bildender Kunst möglich sein. Schon lange schlagen der Museumsverein und sein Vorsitzender, Professor Dr. August Hoff, vor, den bekanntesten Künstler der Stadt, den Meidericher Bergarbeitersohn Wilhelm Lehmbruck, mit der Aufstellung eines seiner Werke zu ehren. So wird ein Bronzeguss der 1911 geschaffenen »Knienden« probeweise aufgestellt.

Die lang gestreckte Frauenfigur in Überlebensgröße gilt als eines der bedeutendsten Werke Lehmbrucks. In Duisburg kommt es nun zum innerstädtischen Streit. Schimpfende Passanten können sich durch die konservative Presse bestärkt fühlen. Als »Volkes Stimme« versteht sich diese und befeuert mit hetzerischen Worten die Empörung gegen die »Neandertalerin« und das »Produkt einer irregeleiteten Phantasie«. Publizistische Unterstützung erhält die Stadtführung nur von außerhalb. Die linken und liberalen Zeitungen Duisburgs berichten zurückhaltend neutral. Gehandelt wird auch: Schülerinnen verhängen die Skulptur mit einem Laken. Junge Männer beschädigen sie schwer, indem sie sie umstoßen. Trotz des Widerstands bleibt der Rat der Stadt bei seinem Entschluss. Die weiterhin erscheinenden Polemiken gegen die »Kniende« verebben nun langsam. Doch deren Unterton wird politischer. Die hetzerischen Worte gegen die »Kniende« sind eines der Vorzeichen für die Nazi-Diktatur.

Entnommen ist der Text aus dem von mir als Ralf Koss geschriebenen Buch „111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen. Emons Verlag.“ Die Historie des Ruhrgebiets hat mich seitdem nicht losgelassen. „Orte, im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen“ heißt mein Blog zum Thema. Pressestimmen und Informationen zum Buch gibt es dort ebenfalls.

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Akzente 2017 inoffiziell: Vom Akzente-Vorwort und Ruhr hoch n nebst Spardosen-Terzett sowie Reuter/Eisenberg

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Im Vorwort des Akzente-Programmhefts spricht Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link mit seinem ersten Satz selbstbewusst davon, die Wirtschaft- und Sozialgeschichte der letzten 150 Jahre habe die Duisburger zu „Fachleuten des Umbruchs“ gemacht. Das klingt sehr technisch. Diese technische Sprache verweist für mich auf ein grundsätzliches Problem Duisburgs, wobei Duisburg nur stellvertretend für das Ruhrgebiet steht.

Es gibt ja eine Wahrheit in diesem Satz, die im Alltag der Bürger dieser Region zu finden ist. Die Bürger des Ruhrgebiets nehmen seit Generationen Wandel sehr bewusst wahr. Denn über Jahre war dieser Wandel ein meist von außen auferlegter Teil ihrer Lebens- und spezieller Arbeitswelt. Im technischen Klang der Sprache nun zeigt sich der Zugang zu diesem Wandel durch die politischen- und ökonomischen Eliten dieser Region. „Fachleute“ haben ihre Angelegenheiten im Griff. Obwohl Sören Link mit seinem Satz die Duisburger gerne alle zu Fachleuten machen möchte, geht dieser Satz an der Lebenswirklichkeit der Duisburger vorbei.

In dem Wort „Fachleute“ scheint ein Selbstbild dieser Region auf, dass diese Bürger nach meinem Eindruck gerade außen vor lässt. Ich vermute, nur wenige Duisburger werden sich als Fachleute des Umbruchs verstehen, auch nicht bildhaft. Die technische Sprache erinnert daran, wie schwer es das Ruhrgebiet mit dem Bild seiner selbst hat.

Andererseits gibt mir dieser Satz die Gelegenheit an einen Song vom Spardosen-Terzett zu erinnern, den ich schon längere Zeit in die Heimatliedsammlung Sektion Ruhrstadt habe aufnehmen wollen. In regelmäßigen Zyklen wird im Ruhrgebiet versucht außerhalb der Region ein gutes Bild abzugeben. Das führt dann schnell dazu, dass „Fachleute“ so ein Bild kommunizierbar machen sollen. Manchmal sind das Imagekampagnen, 2008 aber ging es nur um einen Slogan. Anstatt vor Ort im Ruhrgebiet über solch einen Slogan nachzudenken, wurde eine Düsseldorfer Agentur beauftragt. Ruhr hoch n – Team-Work-Capital war das gut bezahlte Ergebnis. Der  Slogan war zwar ohne große Wirkkraft aber gut geeignet, ihn in die Mangel zu nehmen.

 

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Auch Matthias Reuter und Benjamin Eisenberg hatten sich des Slogans angenommen.

 

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Akzente 2017 inoffiziell – Die Goldenen Zitronen mit Duisburg

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Seit Jahren möchten das Ruhrgebiet und als ein Stadteil dieser Ruhrstadt auch Duisburg anders wahrgenommen werden. Dahinter steht ein Streben nach großstädtischer Bedeutsamkeit, das in großen Teilen durch ein ökonomisches Bedürfnis angetrieben wird. Das Ruhrgebiet soll als attraktiver Standort für Unternehmen und Arbeitskräfte wahrgenommen werden. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 führte dieser Wunsch nach großstädtischer Bedeutsamkeit zum Unglück bei der Loveparade. Die Goldenen Zitronen haben 2013 einen Song über das Unglück gemacht. Zu hören ist zunächst keine eingängige Musik, sondern der Song erinnert an Klangkunstwerke. Erst später entwickelt sich eine Melodie und im Text wird die Kritik an den Organisatoren der Veranstaltung zum Abgesang auf die kulturelle Kraft der Loveparade-Bewegung insgesamt.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg- und Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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