Posts Tagged 'Duisburger Akzente 2018'

In eigener Sache: Akzente 2018 – Unsere geprägten Leben im Ruhrorter Lokal Harmonie

Statt eines weiteren Beitrags im inoffiziellen Akzente-Programm des Zebrastreifenblogs gibt es heute  einen Hinweis in eigener Sache auf das offizielle Programm der Akzente morgen Abend.

In Duisburg leben Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkünfte, die den Krieg aus eigener Erfahrung kennen. Die älteren Duisburger haben als Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebt. Duisburger im mittleren Alter wissen vom Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre zu berichten. Noch jünger sind oft jene Menschen, die vor dem gegenwärtigen Syrienkrieg flohen. Im Ruhrorter „Lokal Harmonie“, Hamorniestraße 41, bringe ich morgen, am Freitag, den 16. März, um 19 Uhr im Rahmen der Duisburger Akzente fünf Duisburger bei einer Lesung aus persönlichen Erinnerungen an den Krieg in einen Dialog.

Eigentlich hatte ich vor, diesen Dialog als von mir geschriebenen Text mit einer szenischen Lesung auf die Bühne zu bringen. Doch während der Gespräche mit den Zeitzeugen veränderte sich das Konzept für den Abend. Denn diese Zeitzeugen haben das Bedürfnis ihre berührenden Erfahrungen im Krieg als eigene geschlossene Geschichte zu erzählen. So wird der Dialog über Haltungen zum und dem Erleben im Krieg live auf der Bühne entstehen – unter uns Auftretenden und mit dem Publikum.

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Akzente 2018 inoffiziell – Von deutsch-französischer Freundschaft im Duisburg der 50er Jahre

Am vorletzten Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Für den heutigen Beitrag zur deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte greife ich noch einmal auf einen Text zurück, der in dem Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen erschienen ist. Auch in diesen Räumen hatte ich ihn schon einmal veröffentlicht. Das Akzente-Thema dieses Jahres bietet Gelegenheit für eine Wiederholung. Denn bei der Beschäftigung mit dem Krieg brauchen wir immer auch Hoffnung auf die Möglichkeit zu Versöhnung und Frieden. Im Ruhrorter Hafen arbeiteten kurz nach dem 2. Weltkrieg Männer aus Frankreich und Deutschland in derselben französischen Spedition. Aus Kollegen wurden Freunde. Die jahrzehntelange Feindschaft zwischen beiden Nationen wurde nicht mehr vererbt. Aus Ferne war Nähe geworden. Im Ruhrorter Hafen wurde etwas gelebt, was als Hoffnung für beide Nationen erst später auf politischer Ebene zum Ausdruck gebracht wurde.

Der Basketballfreiplatz am Ruhrdeich
Von deutsch-französischer Nachkriegsfreundschaft

Als 1950 der französische Außenminister Robert Schuman dem Misstrauen zwischen Frankreich und Deutschland mit der Vision eines gemeinsamen Wirtschaftens begegnet, dachte er noch nicht an Freundschaft. In Ruhrort ist das damals schon anders. Jene Freundschaft, die dann 13 Jahre später Konrad Adenauer und Charles De Gaulle mit dem Élysée-Vertrag endgültig vertiefen wollen, ist in dem Hafenstadtteil schon bald nach dem Krieg gelebter Alltag für junge Franzosen und Deutsche.

Der Basketball vereint diese Männer. Bei den Franzosen ist der Sport beliebt, und die jungen Ruhrorter finden das in Deutschland noch exotisch wirkende Mannschaftsspiel interessant. Eine Art Betriebssportgruppe entsteht. Denn alle diese jungen Basketballer arbeiten bei der französischen Staatsspedition Compagnie Générale Du Rhin. Allerdings fehlt ihnen ein richtiges Basketballfeld. An eine Sporthalle ist gar nicht erst zu denken.

Da trifft es sich gut, dass der Platzwart der Tennisanlagen des VfvB Ruhrort/Laar in dem Schifffahrtsunternehmen nach Arbeit fragt. Neben diesen Tennisanlagen am Ruhrdeich gibt es eine Brachfläche. Der Franzose Jean Amiot wird zur treibenden Kraft bei der Anlage des Basketballplatzes. Mit Spaten und anderem Gartenbaugerät wird eine plane Fläche hergerichtet, Sträucher werden gerodet, grobe Steine beiseite geräumt. Die Bretter für die Basketballkörbe werden im Schifffahrtsunternehmen gezimmert. Als zwei Jahre später die jungen Männer Meisterschaftsspiele bestreiten wollen, erhält der VfvB Ruhrort/Laar, vormals nur für Fußball und Tennis eine Adresse, offiziell eine Basketballabteilung.

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Akzente 2018 inoffiziell – Flucht vor der Verantwortung im Duisburger Stadtwald

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Südlich vom Worringer Reitweg, östlich der A 3 deutet im Duisburger Stadtwald nichts darauf hin, dass dort Mitte April 1945 Walter Model, der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B der Wehrmacht den Kampf um das Ruhrgebiet aufgab. Für das von mir als Ralf Koss geschriebene Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen habe ich den folgenden kurzen Text zu diesem Ereignis geschrieben. Die Historie des Ruhrgebiets lässt mich weiterhin nicht los. „Orte, im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen“ heißt mein Blog zum Thema. Pressestimmen und Informationen zum Buch gibt es dort ebenfalls.

Flucht vor der Verantwortung

Die Munition ist aufgebraucht, Lebensmittel sind kaum vorhanden. Nach und nach nehmen die US-amerikanischen Truppen die Städte des Ruhrgebiets ein. Bald ist der Krieg zu Ende. Am 17. April 1945 gibt der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B den geordneten Verteidigungskampf auf. Den im Ruhrkessel eingeschlossenen etwa 300.000 Soldaten stellt er frei, in Gruppen kämpfend die feindliche Linie zu durchbrechen oder sich einzeln durchzuschlagen, zivil oder in Uniform. Vier Tage später greift Walter Model in einem Duisburger Waldstück nahe Lintorf zu seiner Waffe und erschießt sich.

Als fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus will er die Niederlage erklären: »Unter dem Druck der Kriegsereignisse zeigt sich, daß noch immer weite Kreise des deutschen Volkes und damit auch der Truppe vom jüdischen und demokratischen Gift der materialistischen Denkweise verseucht sind.« Ein Kapitulationsangebot hat er abgelehnt, und fast bis zuletzt ist er bereit, seine sinnlosen Befehle unter Androhung von standrechtlichen Erschießungen durchzusetzen.

Anfang März war die US-Army bei Remagen über den Rhein gesetzt. Nach der britischen Großoffensive nahe Wesel kann das Ruhrgebiet in einer Zangenbewegung umschlossen werden. Großen Widerstand gibt es nicht, während sich die alliierten Truppen im Hinterland des Ruhrgebiets aufeinander zubewegen. Am 1. April treffen sie bei Lippstadt aufeinander. Der Ruhrkessel ist geschlossen

Indem der Kessel enger gezogen wird, gelingt das erhoffte »mopping up«, das »Aufwischen« der deutschen Truppen, ohne große Verluste der Alliierten. Als ein letztes Mittel des Kampfes bleibt den Nationalsozialisten, die Wirklichkeit zu verdrehen: »Wir wissen mehr, als der Gegner weiß« heißt es auf einem Flugblatt vom Gauleiter Westfalen-Süd, Albert Hoffmann. Das Schließen des Ruhrkessels sei ein großer Erfolg der Wehrmacht und von der Führung geplant gewesen.

 

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Akzente 2018 inoffiziell – Best of Netz: AKUF – Die Wissenschaft zu Kriegen seit 1945

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

In dieser Gegenwart werden Fakten immer häufiger nicht mehr grunsätzlich als Ergebnis eines rationalen Erkenntnisprozesses wahrgenommen. Fakten werden als Meinung behandelt und Meinung als Fakten. Ich nehme eine immer stärkere Bewegung hin zur Meinung ohne argumentative Grundlage durch verbürgte Fakten wahr. Um so notwendiger ist das Beharren auf Fakten und Stärken all jener Institutitonen in dieser Gesellschaft, die Fakten sammeln und sie in einem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess in Frage stellen lassen. Im besten Fall werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit auf leichte Weise zugänglich gemacht.

An der Universität Hamburg gibt es am Sozialwissenschaftlichen Institut mit der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung, kurz AKUF, eine Institution, die Fakten über die Kriege in der Welt nach 1945 sammelt und sie online stellt. Auf diese Seite lassen sich Strukturen und Verläufe von Kriegen nachlesen. Die theoretische Grundlage der Analysen wird in einem kürzeren Text zu Kriegsdefinition und -typologie offen gelegt. Wer über Krieg nachdenkt, ob künstlerisch, ob politisch, findet bei AKUF die grundlegenden Fakten für sein Nachdenken.

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Akzente 2018 inoffiziell – Frank Baier und Die Grenzgänger mit Bei Duisburg sind viele gefallen

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Der Duisburger Liedermacher Frank Baier widmete politischen Liedern früh seine Aufmerksamkeit. Nicht nur dass er sie in seine Konzertprogramme aufnahm, er gab schon in den vorvernetzten Zeiten Sammlungen dieser Lieder als Liederbücher heraus. So haben ihn auch jene Lieder interessiert, die begleitend zum Ruhrkampf entstanden sind.

Bei Duisburg sind viele gefallen besingt den Tod von Arbeitern im Ruhrkampf, der als bewaffneter Arbeiterwiderstand gegen den Kapp-Putsch in der Weimarer Republik im März 1920 begann. Dieser Widerstand führte zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen der Arbeiterarmee und den die Demokratie bedrohenden Freikorps. Die Arbeiterarmee konnte trotz unterlegener Bewaffnung die Freikorps besiegen. Als in den Ruhrgebiets-Städten später Teile der Arbeiterschaft zudem die politische Macht ergreifen wollten, gerieten sie in Konflikt mit der Regierung in Berlin. Die Reichswehr wurde in Marsch gesetzt. Deren Oberbefehlshaber zog zur Unterstützung Teile jener Freikorps heran, die sich wenige Wochen zuvor als Feinde der Weimarer Republik erwiesen hatten.

Mit der Folkband Die Grenzgänger hat Frank Baier für sein Programm mit Liedern aus dem Ruhrkampf zusammengearbeitet.

 

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Akzente 2018 inoffiziell – Tränen des Vaterlandes von Andreas Gryphius

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Eröffnen möchte ich das inoffizielle Akzente-Programm mit Tränen des Vaterlandes, einer zeitlosen Klage über den Krieg, die der Barockdichter Andreas Gryphius 1637 geschrieben hat. Das im Dreißigjährigen Krieg erfahrene Leid hat Gryphius als traumatische Erfahrung beschrieben und damit gleichsam in einen modernen psychologischen Zusammenhang gebracht. Gryphius wusste, der kriegerischen Verwüstung der Welt entspricht die der menschlichen Seele. Dieses Sonett von Andreas Gryphius ist als Kriegsklage für die deutsche Literatur so bedeutsam, dass es auch bei einer Veranstaltung des offiziellen Programms vorgetragen werden könnte. Von einer weiß ich sicher, jener an der ich mitwirke, am 16. März im Ruhrorter Lokal Harmonie.

Tränen des Vaterlandes von Andreas Gryphius – 1637

Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret!
Der frechen Völcker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blutt fette Schwerdt, die donnernde Carthaun
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrath auffgezehret.

Die Türme stehn in Glutt, die Kirch ist umgekehret.
Das Rathhauß ligt im Grauß, die Starcken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Hertz und Geist durchfähret.

Hir durch die Schantz und Stadt rinnt allzeit frisches Blutt.
Dreymal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flutt,
Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen,

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest und Glutt und Hungersnoth,
Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

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In eigener Sache: Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in Ruhrort – 20. Januar, 15 Uhr

Unsere geprägten Leben

Bei den 39. Duisburger Akzenten möchte ich Kriegserfahrungen von Duisburgern bei einer szenischen Lesung zu einer Art Gespräch werden lassen. Das Ganze findet im Ruhrorter Lokal Harmonie statt. Gespräch nenne ich diese Lesung deshalb, weil Duisburger sehr unterschiedliche Kriege erlebt haben. Die älteren Duisburger kennen den Zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche. Duisburger flüchteten aber auch vor den Jugoslawienkriegen der 1990er, vor den Bürgerkriegen Afrikas oder in der Gegenwart vor dem Syrienkrieg. Über die eigenen zum Teil traumatischen Erfahrungen zu sprechen ist nicht leicht. Deshalb möchte ich zur Vorbereitung der Lesung im März am 20. Januar von 15 bis 18 Uhr zu einem Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in das Gemeindehaus Ruhrort, Dr.-Hammacher-Str. 6, einladen. Aufgerufen sind Duisburger aller Generationen und Herkünfte. In dieser Erinnerungswerkstatt wird das persönliche Erleben durch Aufzeichnung zur bleibenden Zeitzeugenschaft.

Wenn an diesem Termin jemand keine Zeit hat oder wenn jemand nur im persönlichen Gespräch von seinen Erfahrungen erzählen will, kann er mich gerne über das Kontaktformular anschreiben, um einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren.


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