Posts Tagged 'Eintracht Trier'

In Duisburg spielt der Referenzverein Real Madrids

Lieber Oliver Fritsch,

eigentlich brauchen Sie sich gar nicht entschuldigen, wenn Sie in Ihrem Spielbericht bei zeitonline über das gestrige Halbfinale der Champions League Real Madrid gegen den FC Bayern München den MSV Duisburg als Referenz erwähnen, um Ihren Lesern die Spielweise Real Madrids anschaulicher zu machen.

Bayern ließ das königliche Real an dessen Heimstätte ordinär aussehen. Abwehrspieler kloppten den Ball nicht erst in der Schlussphase auf die Ränge, als trügen sie die Trikots von (pardon) MSV Duisburg oder Eintracht Trier. Spieler blieben nach Zweikämpfen am Boden liegen, hielten sich vor Scheinschmerz die Schienbeine, um Luft zu holen und Zeit zu schinden.

Ich glaube, weder in Madrid noch in Duisburg hätte jemand Einwände gegen diesen Vergleich vorgebracht. In Madrid wird man hoffentlich realistisch genug sein, die eigene Spielweise korrekt einzuschätzen und wir in Duisburg nehmen diesen Vergleich mit unserem eigenen Humor als Ansporn und als Hinweis darauf, in welchen Ligen wir jederzeit und ohne Anpassungsschwierigkeiten mitspielen können. Ich würde nur das Zeitschinden nicht als Zebra-typisch ansehen. Das ist doch in jedem Stadion ein fußballgesellschaftlich akzeptiertes Mittel. Was natürlich dennoch nur bei eigenem Vorteil gutzuheißen ist.

Aber wenn ich recht überlege, entschuldigen Sie sich wahrscheinlich bei uns in Duisburg für die vorschnelle Reihung des MSV Duisburg mit Eintracht Trier. Und dafür tuen Sie es sicher recht. Allein um des Effektes Willen zwei so unterschiedliche Vereine auf Linie zu bringen, das könnte den ein oder anderen in Duisburg ärgern. Was keineswegs dadurch aufgehoben wird, wenn es in Trier irgendjemandem schmeicheln sollte. Ich nehme die Entschuldigung aber an, weil ich aus langer Stadionerfahrung weiß, wie gut es sich anfühlt, mit jenen von Ihnen angesprochenen Mitteln einen überlegenen Gegner besiegt zu haben. Mit Ihrem insgesamt schönen Spielbericht haben Sie mich daran erinnert. In dem Sinne, nehmen Sie den MSV Duisburg immer wieder gerne als Referenzverein für Siege.

Viele Grüße
Ihr Kees Jaratz

 

Halbfinale im DFB-Pokal mit Duisburger Beteiligung

Und noch etwas zum Zeitvertreib: Mehr für euch als für mich, denn es gibt nur wenig mehr als Daten. Vielleicht sind sie Anstoß für Erinnerungen. Meine ausführlicheren Geschichten dazu erzähle ich ein anderes Mal. Die Zeit kann heute nämlich auch ganz von selbst mit den Anforderungen des Alltags vertrieben werden. Die Verlinkungen führen zu weltfussball.de, wo die jeweiligen Spieldaten am ausführlichsten gelistet sind.

Nicht der Meidericher SV war die erste erfolgreiche Duisburger Mannschaft im DFB-Pokal sondern Hamborn 07. In der Saison 1960/61 trat am Mittwoch, den 23. August 1961, Hamborn 07 gegen den  1. FC Kaiserslautern im Halbfinale des DFB-Pokals an und verlor 1:2. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Hausgeburten waren damals in Städten eher die Ausnahme. Und selbst wenn es im Elisabeth-Krankenhaus Radios gegeben hätte, verstanden hätte ich mit Sicherheit nicht, worum es bei diesen fremden Geräuschen ging.

Das war in der Saison 1974/75 am Mittwoch, den 30. April 1975, schon anders. Da spielte der MSV Duisburg gegen Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals. Ich stand auf der Gegengerade im „Mob“, wie es damals hieß, an einem Wellenbrecher und hoffte, das Anrennen des MSV nach dem Rückstand in der 58. Minute könnte noch Erfolg haben. Tatsächlich fiel der Ausgleich in der 88. Minute. In der Verlängerung schoss Bernard Dietz das Siegtor. Das großartige Gefühl des Jubels vermengt sich in meiner Erinnerung mit einem kurzen Schrecken, als irgendwann die Menge um uns herum in Bewegung geriet. Dortmunder kamen aus der Südkurve rüber und wollten Rabbatz machen. Ich meine, in dieser Zeit gab es über dem Marathontor noch nicht einmal ein verschließbares Gitter. Als es vorhanden war, wurde es nur bei solchen Derbys verschlossen. Die Menge in Bewegung war äußerst unangenehm, weil ich vom Wellenbrecher nicht wegkam und sich die Qerstange in meinen Körper drückte. Erst bei einem kurzen Nachlassen des Drucks der Masse konnte ich ich an der Stange entlangrutschen und mit den anderen davonfluten.

Obwohl ich in der Saison 1977/78 am Mittwoch, den 25. Januar 1978, mit Sicherheit nach Düsseldorf gefahren bin, habe ich das Auswärtsspiel des MSV Duisburg bei Fortuna Düsseldorf aus meinem Gedächtnis getilgt. Da gibt es kein Fitzelchen Erinnerung an die hohe 1:4-Niederlage.

In der Saison 1990/91 wurden die Pokalspiele nach einem Unentschieden zwar verlängert, aber nicht durch Elfmeterschießen zur Entscheidung gebracht. Es kam zu einem Rückspiel beim Gegner.  Der MSV Duisburg als damaliger Zweitligist erspielte sich am Dienstag, den 23. April 1991, gegen den Erstligisten 1. FC Köln ein 0:0 nach Verlängerung. Zwei Wochen später fand am Dienstag, den 7. Mai 1991, das Entscheidungsspiel in Köln statt. Obwohl im Hinspiel der Einzug ins Finale möglich gewesen war, blieb der MSV Duisburg in Köln chancenlos und verlor 3:0. Es war jenes Spiel, nach dem „mach et, Otze“ zum geflügelten Wort wurde. Der damalige Trainer des 1. FC Köln Erich Rutemöller hatte es zu Frank Ordenewitz gesagt, der eine gelbe Karte erhalten hatte und deshalb im Finale wegen einer Gelbsperre nicht hätte dabei sein dürfen. Die Sperre für eine gelb-rote Karte hätte er dagegen im Liga-Alltag ableisten müssen oder können. Zum Leidwesen Rutemöllers und von Ordenewitz waren die TV-Kameras zu nah, und der DFB musste handeln.

An das DFB-Pokalhalbfinale in der Saison 1997/98 gegen Eintracht Trier erinnere ich mich so, als sei das Spiel vor etwa zwei, drei Jahren gewesen. Am Mittwoch, den 18. Februar 1998, stand es bei dem Auswärtsspiel 1:1 nach der Verlängerung. Ich hatte nicht nach Trier fahren können und war von Köln aus zu Freunden nach Duisburg gefahren. Es war das erste Elfmeterschießen, das ich sah, an dem sämtliche Spieler beider Mannschaften teilnehmen mussten und nach dem es bekanntermaßen am Ende 10:9 für den MSV Duisburg stand.

Bleibt die Saison 2010/2011, am Dienstag, den 1.3. 2011 spielt der MSV Duisburg gegen den FC Energie Cottbus. Endstand? Egal wie, siegen und bis es so weit ist, denke ich immer mal wieder zwischendurch an diese Kulisse in dem ausverkauften Stadion. Es wird gut werden.

Das Foto eines Torhütertreffens

Vor einiger Zeit hatte mir Trainer Baade dankenswerter Weise eine seiner Google-Trouvaillen zur gefälligen Verwendung geschickt. Manchmal ist es mit überraschenden Geschenken aber so, dass bei aller mit ihnen verbundenen Freude sie erst einmal unbenutzt und ohne Verwendung für den Alltag in der Wohnung stehen. Man kommt einfach nicht dazu, sich um sie zu kümmern. Da müssten etwa Gebrauchsanweisungen gelesen werden, wobei mit dem gewohnten alten Gerät die anstehende Arbeit deshalb natürlich schneller erledigt ist. Oder das als Einzelstück so ausdrucksstark wirkende Foto stört an jedem Platz der Wohnung das innere Bild einer sehr persönlichen Harmonie. Das Neue muss hineinwachsen ins eigene Leben.  Und es benötigt Zeit, sich mit diesem Neuen zu beschäftigen, weil dessen Nutzung nur abseits des eingespielten Alltags zu finden ist.

Irgendwann muss man sich deshalb gezielt darum kümmern, solche überraschende Geschenke zu einem Teil des eigenen Lebens zu machen. Sonst wird das nichts mehr. Dann verschwinden sie in Schränken, diese überraschenden Geschenke, und jedes Mal, wenn ich so ein Geschenk dann zufällig einmal wieder in den Händen halte, überlege ich etwa, könnte ich das beim Kochen nicht eigentlich gut gebrauchen? Oder ich denke, das ist viel zu schade, dass es hier liegt. Das sieht schön aus. Wo hänge ich das nur hin? Danach lege ich solche Geschenke zunächst wieder zurück, nehme das eigentlich Gesuchte mit und vergesse den Schrankinhalt bis zum nächsten Mal.

Das nun soll mit diesem Foto von drei Torhütern nicht geschehen. Sie begegneten sich auf dem 2. Internationalen Torhüter-Kongress 2009 und tragen nicht nur deshalb keine Arbeitskleidung. Alle drei Torhüter hatten zu dem Zeitpunkt ihre Karrieren als Fußballer beendet. Thomas Gill, in der Mitte, legt seine Arme auf die Schultern von Gintaras Staučė, links, und Jürgen Rollmann, rechts. Gill und Staučė waren von 1997 bis 1999 Konkurrenten beim MSV Duisburg, wobei Gill, der schon seit 1996 beim MSV spielte, zunächst unangefochten die Nummer 1 war. Gill verließ den MSV im Sommer 1999, nachdem er in der vorhergehenden Saison 98/99 seinen Stammplatz an Staučė verloren hatte. Staučė blieb beim MSV bis zum Jahr 2001. Jürgen Rollmann hingegen hat die beiden Torwart-Kollegen während seiner Zeit beim MSV Duisburg nicht kennen gelernt. Er spielte von 1992 an in Duisburg bis es kurz nach Beginn der Saison 1994/95 zum Streit mit dem damaligen Trainer Ewald Lienen kam. Ich meine, das Ganze endete sogar in einem Arbeitsgerichtsverfahren.

Unweigerlich und wenig überraschend weckt der Name Thomas Gill die intensivsten Erinnerungen, verbinde ich doch mit ihm besonders das Halbfinalspiel im DFB-Pokal der Saison 1997/98 bei Eintracht Trier. Nie zuvor hatte ich ein Elfmeterschießen erlebt, in dem alle elf Spieler der Mannschaft antreten mussten, selbst die Torhüter. Es sind die immer selben Bilder, die lebendig werden. Da ist zunächst Gills Weg an den Elfmeterpunkt und dieser entschlossene Blick aus den tief liegenden, dunkel umrandeten Augen. Dann folgt der sichere Schuss ins Tor, und ich erkenne meine leise aufkommende Hoffnung von damals, weil ich im Verhalten des Trierer Torhüters kleine Anzeichen von Unsicherheit zu entdecken glaubte. Wir wissen, sein Schuss ging tatsächlich am Tor vorbei. Und Thomas Gill riss sich das Trikot vom Körper  und rannte wie von Sinnen quer über den Platz zu den mitgefahrenen Fans.

Mit diesem Gill-Erinnerungsfitzelchen will ich es hier belassen, da mir für vertiefende Recherchen zur Torhüterhistorie des MSV die Zeit fehlt. So bleiben die Bilder von Staučė und Rollmann heute im Unscharfen, zumal mir ständig ein anderer Gedanke in die Quere kommt und anscheinend von größerer Bedeutung für mich ist. Das Erinnerungsfoto an eine Begegnung dreier Männer während dieses Torhüter-Kongresses kommentiert nämlich ebenfalls den gegenwärtigen Fußball.

Die drei Torhüter finden sich auf diesem Foto ja deshalb zusammen, weil ihre Gemeinsamkeit neben dem ehemaligen Torhüter-Berufsleben der MSV Duisburg ist. Sie waren nicht einmal gleichzeitig Kollegen und teilen deshalb keine durch gemeinsames Erleben geweckte Erinnerungen. Sie verbindet etwas, was auf dem Foto nicht sichtbar ist. Damit findet ihr ehemaliges Torhüter-Dasein auf diesem Foto einen Sinn, der über die einzelnen Karrieren hinausweist. Die Geschichte des MSV Duisburg gibt dem Foto seinen Sinn, und dieses Foto entfaltet seine Bedeutung für den Betrachter vor allem dann, wenn er das zusätzliche Wissen über die Bedeutung dieses Vereins für die drei Männer besitzt. Aus diesem Grund hat das Foto jene erklärende Bildunterschrift erhalten, die man beim Weiterklicken nur über die Fotogalerie der Rollmann-Webseite zu sehen bekommt und nicht über den direkten Link zum Foto. Der Subtext des Fotos offenbart sich in diesen Worten. Ohne den MSV Duisburg wäre das Foto ein Foto dreier sich zufällig begegnender Fußballer, die einst auf derselben Mannschaftsposition gespielt haben. Erst der MSV Duisburg macht dieses Foto zu einer Besonderheit und die spezielle Geschichte dieser Männer auf dem Foto erzählenswert. An einer unvermuteten Stelle taucht jene identitätstiftende Kraft eines Fußballvereins auf, die seit den 90er Jahren sehr wirksamen, von Fans misstrauisch beobachteten Einflüssen ausgesetzt war.

Es wäre interessant, die gegenwärtige Entwicklung auf den Fan-Rängen einmal in Bezug zu setzen zu der von den Vereinsverantwortlichen lange Zeit nur wenig beachteten Perspektive der Tradition ihres jeweiligen Vereins. Wo Fans, allen voran die Ultra-Bewegung,  sich lautstark bemerkbar machen, geht es im Zentrum der Auseinandersetzungen immer um die Frage der Identität des Vereins und wer sich um diese Identität am besten kümmert. Die Geschichten, die in den Medien über Jahre vor allem über den Fußball der Gegenwart in die Öffentlichkeit kamen, ließen jene atmosphärisch wirkenden Bedeutungen eines Vereins für die Zuschauer vergessen. Es ging um ökonomische Fragen und um den sportlichen Erfolg. Andere Geschichten hatten abseits des Sportjournalismus Autoren mit Fußballinteresse übernommen und nicht von ungefähr erzählten sie Geschichten der Erinnerung an die Helden der Vergangenheit.

Im gegenwärtigen Fußball ist da allerdings wieder viel in Bewegung geraten. Aus Geldmangel der Vereine. Talente der Region, heißt das Stichwort. Und eine in letzter Zeit wieder gerne erzählte Mediengeschichte ist jene von dem jungen Bundesliga-Profi, der als Jugendlicher auf den Zuschauerrängen seines Vereins gestanden hat. Wie sich das weiter entwickelt, bleibt abzuwarten.


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