Posts Tagged 'Ennatz'

13 unvergessliche Anmerkungen zum Spiel des MSV gegen Heidenheim

  1. Ein Ausgleichstor in der 90. Minute nach einem Zwei-Tore-Rückstand fühlt sich für die ausgleichende Mannschaft und ihre Anhänger nach einem Siegtor an. Sechs Tore in einem Spiel machen den Besuch eines Stadions zu einem unterhaltsamen Freizeitangebot. Wie war der Endstand des Fußballspiels zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Heidenheim?
  2. Lasst uns doch endlich einen Moment mehr Zeit, um mit dem Ball unser Spiel aufzuziehen. Dieser Satz hing in der ersten Halbzeit immer klarer als eine große Gedankenblase auf Zebra-Seite über dem Rasen.
  3. Die Heidenheimer kauften den Zebras von der ersten Minute einen großen Teil ihres Schneids ab. Sie griffen früh an, standen hinten sehr sicher und schienen auf dem gesamten Spielfeld in der Nähe des Balls immer ein Mann mehr zu sein. Es war schnell deutlich, dieses Spiel wird nicht einfach für den MSV.
  4. Die Mannschaft des MSV stemmte sich mit aller Kraft gegen die drohende Überlegenheit der Heidenheimer. Für die engen Räume war das Kurzpassspiel des MSV meist nicht präzise genug.  Zudem gehörten lange, hohe Bälle fast immer den Heidenheimern dank ihrer Kopfballstärke.
  5. Ballverluste des MSV führten zu gefährlichen Offensivaktionen der Heidenheimer. Die Führung der Gäste zeichnete sich von Beginn an als mögliche Entwicklung des Spiels ab.
  6. Nach dem Rückstand kämpfte der MSV darum, im Spiel zu bleiben. Das misslang trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs. Ahmet Engin wurde nach schönen Pass im Strafraum gefoult. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter souverän.
  7. Die Hoffnung auf ein stabileres Spiel des MSV wurde enttäuscht. Heidenheim verhinderte weiter effektiv das Offensivspiel des MSV und brachte die im Mittelfeld eroberten Bälle schnell in die eigene Offensive. Ein zweites Tor fiel und ein drittes als Eigentor von Dustin Bomheuer. Eigentore sind besonders frustrierend, nehmen der eigenen Zuversicht noch mehr Kraft. Mit dieser Bürde ging der MSV in die Halbzeitpause.
  8. Nach dem Wiederanpfiff rangen beide Mannschaften wieder darum, das Spiel zu bestimmen. Es dauerte noch ein paar Minuten, ehe der Vorteil auf Seiten des MSV lag. Dort blieb er dann bis zum Schlusspfiff.
  9. Das Leben schreibt nicht immer die schönsten Geschichten. Sonst wäre der kitzelnde Wunsch Kevin Wolzes erhört worden. Treffe noch zum Ausgleich, raunte es verführerisch, nachdem Kevin Wolze ein zweites Mal erfolgreich gewesen war. Mit einem wunderbaren Volleyschuss traf er zum 2:3. Sein drittes Tor zum Ausgleich wollte aber nicht fallen, obwohl er es noch zweimal, dreimal (?) aus der Distanz per Brechstange versuchte. Die verführerische Stimme war in den Momenten etwas zu laut geworden. Er verkörperte aber den Willen, das Spiel zu drehen. Seine Willenskraft wirkte in die Mannschaft hinein, steckte das Publikum an, machte spürbar, in der zweiten Halbzeit ist noch alles drin.
  10. Die Kräfte der Heidenheimer schwanden. Unermüdlich rannte der MSV auf das Tor des Gegners zu. So kurz vor dem Abpfiff ging dem Ausgleich noch ein klar strukturierter Angriff voraus, bei dem Kingsley Onuegbu, am hinteren Pfosten stehend, wunderbar freigespielt wurde.
  11. In Duisburg kommen nur etwas mehr als 13.000 Zuschauer, wenn der MSV nach der Winterpause das erste Auswärtsspiel souverän gewinnt und als Aufsteiger auf dem 5. Tabellenplatz steht. Das ist enttäuschend. Aber es wäre zu kurz gedacht, wenn man dabei nur an den MSV und sein Publikum denkt. Diese Zuschauerzahl entspricht dem zwiespältigen Verhältnis, das viele Duisburger zu ihrer Stadt haben. Da Duisburger immer bereit sind, sich von der Wirklichkeit Duisburgs zu distanzieren, braucht diese Stadt besonders eindrückliche Beweise ihrer Erfolge.
  12. Ein Stehplatzsittengemälde: Selbst volltrunkene Vollidioten finden das Glück in der Liebe und schützenden Halt in der Ehe. Denn Ehefrauen von volltrunkenen Vollidioten trauen ihren Männern beim Griff zum vollen Bierbecher zu, dass sie wissen, was sie mit dem Becher tun werden. Mit hochrotem Kopf und keifender Stimme treten sie für ihren Ehemann ein, der sich nur noch undeutlich artikulieren kann. Sie wittern sogar Gefahr, wenn ich freundlich volltrunkene Vollidioten bitte, diesen Becher auszutrinken, statt ihn erneut in flacher Flugkurve auf die Menschen direkt vor ihm auszuschütten. Der Unmut der Zuschauer  entlang der flachen Schneise von etwa fünf Metern war groß gewesen. Ich hatte ihn schützen wollen vor weiterem Unbill. Er brauchte den Schutz nicht. Er hatte seine Frau. Welch hoffnungsfrohe Botschaft für den Wert einer Ehe gibt uns diese Begegnung mit einer fürsorglichen, an ihren Ehemann glaubenden Frau.
  13. Die Zuschauer, die nicht gekommen sind, fühlen sich übrigens durch das Unentschieden bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn siehe oben: Sie kommen nur, wenn der MSV für eine etwas längere Zeit besonders erfolgreich ist.
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Knapp 3 Minuten Bernard Dietz im Jahr 1978

Mir ist heute nach wenigen Worten und weiterer Stimmungsaufhellung. Deshalb ordne ich die Bewegtbilder aus dem argentinischen Archivo DiFilm auch nur sehr oberflächlich ein und freue mich, ohne melancholisch zu werden, über Bernard Dietz im Jahr 1978 in Spielszenen sowie bei der Arbeit in seinem Sportartikelgeschäft. Offensichtlich sollte mit diesem Clip „Ennatz“ anlässlich der Weltmeisterschaft in Argentinien vorgestellt werden. Welchem Publikum wird nicht ersichtlich. Vielleicht war es das argentinische TV-Publikum?

Sicher ist das jedoch nicht, weil DiFilm auch auf Quellen außerhalb Argentiniens zugreift. Das Archiv enstand – so weit ich das mit rudimentären Spanischkenntnissen verstehe – aus einer privaten Sammlung und wird weiterhin privat geführt. Die eigentliche Quelle des Clips ist auf der Archivseite nicht angeführt. Zur WM 2010 hatte sich Bernard Dietz für Die Zeit an die WM in Argentinien erinnert. Natürlich endet auch diese Erinnerung mit der 2:3-Niederlage gegen Österreich. An der Pointe mit dem Verweis auf den Österreicher Kurt Jara in der damaligen Mannschaft vom MSV Duisburg konnte der aufzeichnende Journalist nicht vorbei gehen.

Ich hingegen kann beim Erwähnen eines Länderspiels von Österreich gegen Deutschland niemals am Hinweis auf den Komik-Klassiker des deutsch-österreichischen Kabarettisten-Duos Stermann & Grissemann vorbei gehen. „Cordoba – wie es wirklich war“ – auch nach mehrmaligem Sehen einen Klick weiter wert.

Leser fragen – Kees Jaratz antwortet: Was bedeutet der Name Ennatz?

Die Tage vor den letzten Spielen der Saison fühlen sich leichter an, seitdem der MSV Duisburg sich an einem Mittelfeldplatz orientiert und auch in der nächsten Saison die 2. Liga unser Wettbewerb sein wird.  In dieser Zeit der Leichtigkeit lässt sich auch wieder der Blick auf all die Fragen werfen, die überdauern und die mir von Google regelmäßig ins Haus gespült werden. Ein Klassiker unter diesen Fragen gilt Bernard Dietz. Und ihr wisst: Wer Google um Antworten auf drängende Fragen bittet und hier landet, soll nicht vergeblich gekommen sein. Wenn ich helfen kann, mache ich das. Wer seine Fragen lieber genauer stellen möchte, als es die Google-Gepflogenheiten erlauben, kann natürlich auch direkt Kontakt mit mir aufnehmen.

Anonyme Nutzer der Suchmaschine Google: Was bedeutet der Name Ennatz?

In einem lesenswerten RevierSport-Interview mit Bernard Dietz aus dem Jahr 2008 wird im Vorspann zum Interview noch einmal die Anekdote zur Herkunft des ungewöhnlichen Spitznahmens erzählt.

Als im Alter von ungefähr sechs Jahren der junge Bernard mit seinen Freunden aus der Nachbarschaft auf der Straße kickte, schaute auch die kleine Schwester eines Freundes zu. Ihr Name: Erika. Ihr Problem: Sie konnte noch nicht richtig sprechen. In der Hektik des Spiels wurde da aus Bernard schon mal ein durch die Zähne gepresstes „Bennatz“. Sie verstand nur „Ennatz“. Und immer wenn Bernard zu Besuch war, rief sie „Ennatz kommt, Ennatz kommt.

Ergänzend sei noch hinzugefügt, eine einheitliche Schreibweise des Spitznamens setzte sich erst durch, als der MSV Duisburg für das neu geborene Maskottchen einen Namen per Internet-Voting suchte. Wir wissen, welcher Name es wurde, und Näheres zur Schreibweise erläuterte seinerzeit der Verein:

Liebe MSV-Fans, die Resonanz für die Namensvergabe des neuen Zebra-Maskottchens ist enorm hoch. Dafür schon vorab herzlichen Dank. In den ersten Stunden erhielten wir einige Proteste, dass der Vorschlag „Enatz“ doch falsch geschrieben sei. Richtig ist, dass der Spitzname von Bernard Dietz in seinem Buch „Ennatz“ geschrieben wurde. In der offiziellen MSV-Chronik wird dagegen „Enatz“ aufgeführt. Nach Rücksprache mit Bernard Dietz persönlich, versicherte er: „Da gibt es eigentlich keine feste Regel. Manche betonen meinen Spitznamen so, andere wieder so. Deshalb kann ich es selbst nicht genau sagen. Es ist für mich jedenfalls eine große Ehre vorgeschlagen zu sein.“ Auf vielfachen Wunsch der Fans führen wir jetzt in der Online-Abstimmung „Ennatz“ auf. Viel Spaß weiterhin beim voten

Und da ich schon einmal dabei bin. In dem RevierSport-Interview gibt Bernard Dietz selbst zudem die Antwort auf eine zweite hier regelmäßig einlaufende Frage. Anonyme Google-Nutzer: „warum fehlen bernard dietz zwei finger?“

Ich stand an einer Stanz- und Schweißmaschine, wo wir kleine Eisenringe vorarbeiten mussten. Die habe ich sauber gemacht. Unten war so ein kleines Pedal, das zwei backen bediente…da bin ich dann dran gekommen und es machte Batsch. An der rechten Hand waren mein Ring- und Mittelfinger zusammengequetscht. Leider konnten die Ärzte nichts mehr retten. Im ersten Moment geht da mit gerade mal 18 Jahren natürlich die Welt unter. Da hatte ich lange dran zu knabbern.

Isoliertes Wissen ist das eine, ein erzählender Bernard Dietz das andere. Ein Klick weiter, siehe oben.

Vorbildliche Zebras

Neben der üblichen Sportberichterstattung gibt es montags  in der Süddeutschen Zeitung sowohl den Kommentar zur fußballerischen Lage als auch die Glosse zum Schmunzeln. Gestern hatte sich Boris Hermann in dieser Glosse die Welt der Maskottchen vorgenommen. Ihm waren neben der zunehmenden Gewaltbereitschaft der Plüschfiguren einige ungehörige Regelüberschreitungen zu Ohren gekommen, in denen es um obszöne Gesten und Sex ging. Wer aber angesichts der deprimierenden Nachrichten die Schlusspointe zum Ausblick ins Positive nutzt, muss ein Journalist sein, der an das Gute im Maskottchen glaubt. Und wo findet er diese vorbildhaften Maskottchen? „Der blau-weiß gestreifte Duisburger „Ennatz“ wurde dieser Tage im Abstiegskampf vom baugleichen „Super-Guus“ unterstützt, der eigentlich für De Graafschap im niederländischen Doetinchem arbeitet. Immerhin die Zebras halten in dieser zunehmend lieblosen Welt noch zusammen.“ Online gibt es die Glosse leider nicht.


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