Posts Tagged 'Fabian Schnellhardt'

13 unvergessliche Anmerkungen zum Spiel des MSV gegen Heidenheim

  1. Ein Ausgleichstor in der 90. Minute nach einem Zwei-Tore-Rückstand fühlt sich für die ausgleichende Mannschaft und ihre Anhänger nach einem Siegtor an. Sechs Tore in einem Spiel machen den Besuch eines Stadions zu einem unterhaltsamen Freizeitangebot. Wie war der Endstand des Fußballspiels zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Heidenheim?
  2. Lasst uns doch endlich einen Moment mehr Zeit, um mit dem Ball unser Spiel aufzuziehen. Dieser Satz hing in der ersten Halbzeit immer klarer als eine große Gedankenblase auf Zebra-Seite über dem Rasen.
  3. Die Heidenheimer kauften den Zebras von der ersten Minute einen großen Teil ihres Schneids ab. Sie griffen früh an, standen hinten sehr sicher und schienen auf dem gesamten Spielfeld in der Nähe des Balls immer ein Mann mehr zu sein. Es war schnell deutlich, dieses Spiel wird nicht einfach für den MSV.
  4. Die Mannschaft des MSV stemmte sich mit aller Kraft gegen die drohende Überlegenheit der Heidenheimer. Für die engen Räume war das Kurzpassspiel des MSV meist nicht präzise genug.  Zudem gehörten lange, hohe Bälle fast immer den Heidenheimern dank ihrer Kopfballstärke.
  5. Ballverluste des MSV führten zu gefährlichen Offensivaktionen der Heidenheimer. Die Führung der Gäste zeichnete sich von Beginn an als mögliche Entwicklung des Spiels ab.
  6. Nach dem Rückstand kämpfte der MSV darum, im Spiel zu bleiben. Das misslang trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs. Ahmet Engin wurde nach schönen Pass im Strafraum gefoult. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter souverän.
  7. Die Hoffnung auf ein stabileres Spiel des MSV wurde enttäuscht. Heidenheim verhinderte weiter effektiv das Offensivspiel des MSV und brachte die im Mittelfeld eroberten Bälle schnell in die eigene Offensive. Ein zweites Tor fiel und ein drittes als Eigentor von Dustin Bomheuer. Eigentore sind besonders frustrierend, nehmen der eigenen Zuversicht noch mehr Kraft. Mit dieser Bürde ging der MSV in die Halbzeitpause.
  8. Nach dem Wiederanpfiff rangen beide Mannschaften wieder darum, das Spiel zu bestimmen. Es dauerte noch ein paar Minuten, ehe der Vorteil auf Seiten des MSV lag. Dort blieb er dann bis zum Schlusspfiff.
  9. Das Leben schreibt nicht immer die schönsten Geschichten. Sonst wäre der kitzelnde Wunsch Kevin Wolzes erhört worden. Treffe noch zum Ausgleich, raunte es verführerisch, nachdem Kevin Wolze ein zweites Mal erfolgreich gewesen war. Mit einem wunderbaren Volleyschuss traf er zum 2:3. Sein drittes Tor zum Ausgleich wollte aber nicht fallen, obwohl er es noch zweimal, dreimal (?) aus der Distanz per Brechstange versuchte. Die verführerische Stimme war in den Momenten etwas zu laut geworden. Er verkörperte aber den Willen, das Spiel zu drehen. Seine Willenskraft wirkte in die Mannschaft hinein, steckte das Publikum an, machte spürbar, in der zweiten Halbzeit ist noch alles drin.
  10. Die Kräfte der Heidenheimer schwanden. Unermüdlich rannte der MSV auf das Tor des Gegners zu. So kurz vor dem Abpfiff ging dem Ausgleich noch ein klar strukturierter Angriff voraus, bei dem Kingsley Onuegbu, am hinteren Pfosten stehend, wunderbar freigespielt wurde.
  11. In Duisburg kommen nur etwas mehr als 13.000 Zuschauer, wenn der MSV nach der Winterpause das erste Auswärtsspiel souverän gewinnt und als Aufsteiger auf dem 5. Tabellenplatz steht. Das ist enttäuschend. Aber es wäre zu kurz gedacht, wenn man dabei nur an den MSV und sein Publikum denkt. Diese Zuschauerzahl entspricht dem zwiespältigen Verhältnis, das viele Duisburger zu ihrer Stadt haben. Da Duisburger immer bereit sind, sich von der Wirklichkeit Duisburgs zu distanzieren, braucht diese Stadt besonders eindrückliche Beweise ihrer Erfolge.
  12. Ein Stehplatzsittengemälde: Selbst volltrunkene Vollidioten finden das Glück in der Liebe und schützenden Halt in der Ehe. Denn Ehefrauen von volltrunkenen Vollidioten trauen ihren Männern beim Griff zum vollen Bierbecher zu, dass sie wissen, was sie mit dem Becher tun werden. Mit hochrotem Kopf und keifender Stimme treten sie für ihren Ehemann ein, der sich nur noch undeutlich artikulieren kann. Sie wittern sogar Gefahr, wenn ich freundlich volltrunkene Vollidioten bitte, diesen Becher auszutrinken, statt ihn erneut in flacher Flugkurve auf die Menschen direkt vor ihm auszuschütten. Der Unmut der Zuschauer  entlang der flachen Schneise von etwa fünf Metern war groß gewesen. Ich hatte ihn schützen wollen vor weiterem Unbill. Er brauchte den Schutz nicht. Er hatte seine Frau. Welch hoffnungsfrohe Botschaft für den Wert einer Ehe gibt uns diese Begegnung mit einer fürsorglichen, an ihren Ehemann glaubenden Frau.
  13. Die Zuschauer, die nicht gekommen sind, fühlen sich übrigens durch das Unentschieden bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn siehe oben: Sie kommen nur, wenn der MSV für eine etwas längere Zeit besonders erfolgreich ist.
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Trainingsauftakt 2018

Trainingsauftakt für den MSV nach der Pause im Winter, von dem es früher in der Werbung hieß, das sei die Erkältungszeit. Mal sehen, ob heute an der Westender Straße jemand fehlt. Früher hätte ich diese Frage nicht gestellt. Denn früher waren Fussballer noch ganz harte Jungs. Die spielten mit Halswirbelbruch ebenso wie mit gebrochenener Wade. Eine Erkältung war damals gar nichts, und notfalls gab es ein überraschendes Hilfsmittel, das die Leistungskraft zurückgab, äußerlich angewendet wurde und den Ruf des Fußballs ein dopingfreier Sport zu sein nicht gefährdete.

 

 

Wer den Jahresrückblick des MSV noch nicht gesehen hat, der schaue gerne weiter. Nach meinem Geschmack gibt es etwas zu viel Historie für einen Jahresrückblick. Denn die zwei Fliegen „Jubiläum“ und „2017“ mit einer Klappe zu schlagen und auch noch beide zu treffen, passt für mich nicht zusammen. Das sind aber nur ein paar gestalterische Gedanken, die mit jedem neuen Fußballbild immer mehr verfliegen. Am Ende denkt nur noch der MSV-Anhänger in mir und sagt, schön.

 

Silvesterfeuerwerk mit Fabian Schnellhardt

Gerade versuche ich mich daran zu erinnern, ob in den seligen Fußballreporterzeiten der 60er- und 70er-Jahre-Sportschau neben der Granate und der Bombe auch die Rakete als bildhafter Verweis auf Schussgeschwindigkeiten zu hören war. Noch war das Militärische im Alltag selbstverständlich abrufbar. Für Fabian Schnellhardts Tor des vergehenden Jahres gegen Preußen Münster in der Nachspielzeit wäre solch ein Aufschrei jedenfalls sicher gewesen. Was für eine Granate! Was für ein Bombenschuss! Was für eine Rakete!  Ich nehme das jetzt aber als gegeben an. Deshalb gilt heute: die Raketen für mein Silvesterfeuerwerk in diesem Jahr gibt mir Fabian Schnellhardt in Endlosschleife. Kommt gut rein ins neue Jahr. Wir sprechen uns 2018 wieder. Dann gibt es aber so was von richtige Wünsche und den Rückblick auf die meistgelesenen Texte des Jahres 2017.

Niederrheinpokalsieger…EM…ES…VAU…weiß und blau…EM…ES…VAU

Die Mannschaft des MSV war gestern sehr viel motivierter als ich heute. Ein Text für das Ruhrort-ABC wartet, und der wird  sehr viel länger gelesen werden, als die Worte heute über den Sieg des MSV im Niederrheinpokal 2017. Das Ruhrort-ABC benötigt also meine Aufmerksamkeit sehr viel mehr als dieses Finale. Welch brisante Spiele waren das in den ersten beiden Drittligajahren vom MSV in diesem Wettbewerb. Viel war davon nicht mehr zu spüren. Das war schon im Spiel gegen RWO so.

Zum einen habe ich den Eindruck, die letzte Saison in der 2.Liga hat für viele von uns den Wert dieses Wettbewerbs gemindert. Wir sind in diese Saison mit dem Selbstbewusstsein eines Zweitligisten gegangen. Auch deshalb waren wir so oft unzufrieden mit der Leistung der Mannschaft in den Punktespielen. So war der Aufstieg das einzig wichtige Ziel und entsprechend gering war die Aufmerksamkeit für den Niederrheinpokal. Doch gerade im Niederrheinpokal war zu erkennen, das Selbstbewusstsein hat es zurecht gegeben. Am Sieg des MSV gegen RWE gab es keinen Zweifel.

Die Zebras spielten souverän. Jeder einzele Spieler schien sich seiner überlegenen Fähigkeiten sicher. Als einziger fiel Mael Corboz im defensiven Mittelfeld etwas aus der Reihe. Offensichtlich sollte er währnd der Saison im Niederrheinpokal Spielpraxis gewinnen. Er wirkte sehr vorsichtig und fast immer darauf bedacht, nur keinen Fehler zu machen. Er lief mit und muss für Einsätze in anderen Wettbewerben deutlich mehr Verantwortung übernehmen.

In der ersten Halbzeit hatte die Mannschaft das Spiel komplett im Griff. Ruhig, kontrolliert, aber stets mit Zug zum Tor wurden die Angriffe heruntergespielt. Die Führung durch Simon Brandstetter nach hervorragender Vorarbeit von Fabian Schnellhardt war verdient. Nach der Halbzeitpause dann die Pyroshow auf beiden Seiten. Fußball als Bühne für Selbstdarstellung und den Versuch, sich in dieser Gesellschaft wichtig zu fühlen. Ihr seht, ich versuche meinen Ärger etwas zu bändigen, indem ich Erklärungen anbiete. Nach der längeren Spielunterbrechung passierten den Essenern leichtere Stockfehler, die die Zebras zu gefährlichen Offensivaktionen nutzten. Die Folge: ein Freistoß nahe der Strafraumgrenze, den Kevin Wolze sehr gefühlvoll ins Toreck hob.

Die Freude von Ilia Gruev an der Seitenlinie zeigte so deutlich, wie sehr er nach dem Aufstieg in Köln auf diesen perfekten Saisonabschluss hingearbeitet hat, wie sehr er ihm am Herzen lag. Danach gelang es RWE ab der 60. Minute etwa etwas Druck zu entwickeln. Zum ersten Mal kam ein wenig Pokalkampf auf. Mit etwas Glück wäre vielleicht ein Anschlusstreffer gefallen. Ein Abseitstor fiel ja sogar, aber der MSV wirkte weiter sehr souverän angesichts der beschränkten Offensivmöglichkeiten der Essener in Strafraumnähe.

Nach dem Schlusspfiff leerte sich das Stadion schnell. Dieser Niederrheinpokal war also auch für die Essener als Wettbewerb nicht wirklich wichtig gewesen. Es gab nichts auszukosten. Auch die Spieler von RWE erhielten schließlich eine Medaille bei der Siegerehrung. Diese Siegerehrung war unscheinbarer als vor drei Jahren in Duisburg. Sie entsprach der Bedeutung dieses Wettbewerbs, der ja durch den Titel „Tag der Amateure“ und der Dauerpräsenz durch die TV-Übertragung sämtlicher Länderpokalspiele aufgewertet werden soll. Dabei offenbart sich einfach nur der Widerspruch, den professionellen Unterhaltungsbetrieb Fußball mit dem Breitensport des Amateurbereichs auszusöhnen.

Wenn ich darüber wirklich nachdenke, werde ich genauso ärgerlich wie über die Pyro-Selbstdarsteller auf beiden Seiten. Zu Ärger nach einem Finalsieg des MSV habe ich aber keine Lust. Also, Niederrheinpokalsieger EM-ES-VAU, und damit Schluss für heute, höchstens noch ein paar Fotos anschauen und Bewegtbilder.

 

Die Mannschaft wartete auf die Siegerehrung und vertrieb sich die Zeit beim gemeinsamen Feiern mit den Fans.

Ohne Aufstiegszwang gewinnt sich’s leichter

Der MSV Duisburg wollte Meister der 3. Liga werden. Damit das auf jeden Fall gelingt, musste das Spiel gegen den FSV Zwickau gewonnen werden. Anscheinend war mit dem Druck während nur eines Spiels leichter umzugehen als mit dem grundsätzlichen Druck aufsteigen zu müssen. Beim 5:1-Sieg gegen den FSV Zwickau zeigte die Mannschaft eine glänzende Leistung. Mit diesem Sieg schloss sich der Kreis dieser Saison. Denn solch souveräne Spiele hatten wir zu Beginn der Spielzeit ebenfalls schon gesehen.

Das Selbstbewusstsein der Mannschaft war für jeden erkennbar. Es drückte sich im unbedingten Offensivspiel aus. Der FSV Zwickau war allerdings auch bereit, das Spiel mit zu gestalten. Diese Zwickauer agierten nicht defensiv, sondern suchten ebenfalls ihre Chance im Angriff. So wurde diese Begegnung auch deshalb ein attraktives Fußballspiel, weil die Zwickauer etwas riskierten. Vielleicht müssen wir uns für den Rückblick auf die Saison dieses Spiel vergegenwärtigen und das Zwickauer Offensivspiel. Vielleicht werden wir dann milder mit der Vorsicht dieses MSV während der Saison, eine Vorsicht, die so schnell den Eindruck einer behäbigen Spielweise hinterließ.

Vor dem Spiel herrschte allerorten eine entspannte Stimmung. Früher als bei den anderen Ligaspielen strömten wir alle zum Stadion. Am Bahnhof die Begegnung mit den schon am Freitag angereisten Zwickauern. Der Gästeblock war voll für die weite Anreise. Was die Bedeutung des Vereins in Zwickau zeigt. Eine Bedeutung, die auch wir in Duisburg für den MSV kennen und die uns um diesen Verein während der Saison hat Zittern lassen. Nun waren wir entspannt, weil das Überleben des Vereins in der Größe, die wir uns ersehnen, nur durch den Aufstieg mögich gewesen war. Das einzig wirklich wichtige Ziel dieser Saison war erreicht. Jetzt ging es darum, die gute Laune zu bestärken.

Die Mannschaft tat uns den Gefallen. Die Spieler wollten Meister werden. Der Rückstand in der 16. Minute irritierte nur bis zum Wiederanstoß. Sofort nahm der MSV das Heft wieder in die Hand und suchte seine Chance auf den Ausgleich. Die Räume für Kombinationsspiel waren da. Schnelles Spiel über die Flügel gelang, und so ein schnelles Flügelspiel führte nur drei Minuten später zu einem scharfen Pass in den Strafraum, wo Andreas Wiegel trotz enger Deckung direkt abschloss. So selbstbewusst kann er also auch spielen. Sein zweites Tor zur Führung kurz vor der Pause schien folgerichtig. Ein weiter Pass in die Spitze, den er sich erläuft, um den Torwart zu umkurven und einzuschieben.

Die Stimmung wurde noch entspannter. Munter ging es nach der Halbzeitpause hin und her. Schöne Aktionen einzelner Spieler waren zu sehen. Wenn Dustin Bomheuer auf Höhe des eigenen Strafraums den Ball nicht wegschlägt, sondern nach Dreieckspiel noch einen Haken schlägt, um den angreifenden Stürmer aussteigen zu lassen, wissen wir, wie sicher sich diese Spieler  alle waren. Von Fabian Schnellhardt erwarten wir solch Selbstbewusstsein und bewundern seine minimalen Bewegungen  bei der Ballannahme, mit denen er seine Gegenspieler ins Leere laufen lässt.

Enis Hajris Kopfballtor zum 3:1 war ein Sinnbild für seine letzten Spiele. Sein Wille war in diesen letzten Wochen vor dem Aufstieg zu einem Tragpfeiler der Mannschaftsleistung geworden. Die Wucht dieses Kopfballs hatten wir zuvor schon gesehen gegen Frankfurt, gegen Lotte – mit unterschiedlichem Erfolg. Nun machte er den Sieg sicherer. Und nur eine Minute später erhöhte Kingsley Onuegbu lehrbuchmäßig ebenfalls per Kopf nach einer Janjic-Flanke. Solche Spielaktionen sahen nun alle leicht aus. Diese Spieler auf dem Feld waren im Kopf frei geworden. Was wir sahen war nun die reine Freude am Spiel. Wir auf den Rängen feierten und freuten uns noch über das Tor vom eingewechselten Kevin Wolze kurz vor Schluss.

In dieser entspannten Freude wurde schließlich der Drittligameister MSV Duisburg gefeiert. Die Saison war für uns alle emotional anstrengend gewesen. So oft hatte uns das Spiel dieser Zebras enttäuscht. Für die Spieler war es aus anderen Gründen emotional anstrengend. Es gab kaum Spielraum für Fehler. Am letzten Spieltag haben wir alle gemeinsam unser Leben mit dem Fußball des MSV wieder zurecht gerückt. Dieser 5:1-Sieg war in gewisser Weise ein Vergessen der Überlebensnotwendigkeiten, ein Vergessen von all dem, was diese Saison so schwer hat werden lassen. Dieser Sieg war ein Seelenbalsam für uns alle. Auf diese Weise können wir der 2. Liga entgegensehen. Wir wissen alle, wie schwer es wird, die Klasse zu halten. In guter Stimmung aber ist die Zuversicht einfach viell größer.

Kleine Anekdote am Rande: Im Moment des Abschieds vom MSV-Ausstatter bekomme ich zufällig mit, eines von vielen Uhlsport-Werbegesichtern gewesen zu sein. Kees Jaratz auf dem Werbefoto eines Sportartikelherstellers ist nun auch Geschichte. Ich überlege noch, warum das ein gutes Vorzeichen für die kommende Saison ist.

 

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun…

Drittligameister MSV Duisburg, so leicht die Stimmung im Stadion, so leicht das Spiel der Mannschaft. Ohne Druck gelingt ein glänzender 5:1 Sieg gegen Zwickau. Mehr Worte gibt es morgen. Heute wird auch hier noch einmal nur gefeiert.

Der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da.

Und natürlich ist es so schon immer gewesen…

 

Von der Nervosität des Streamzuschauers war bei den Zebras nichts zu spüren

Eine Mannschaft, die so ein Spiel wie das beim Chemnitzer FC gewinnt, steigt auf.  Diesen ersten Satz wage ich kaum zu schreiben. Die vier sieglosen Spiele des MSV Duisburg hängen mir noch nach. Doch immer wieder schaffe ich es mit ein wenig Abstand vom Spieltag, einen kühlen Blick auf den Saisonverlauf zu werfen. Immer wieder sehe ich Spiele, die bei einer Mannschaft mit einer gewissen Tradition des Erfolgs zu keinem anderen als diesem ersten Satz zwingen. Der MSV Duisburg hat keine Tradition des Erfolgs, meldet sich gestern nach dem Spiel sofort eine andere Stimme in mir, und deshalb heißt das gar nichts. Genau, sagte ich, du hast ja so recht und jetzt halt bitte den Mund. Ich höre dir einfach nicht mehr. Ich zitter doch ohnehin genug, wenn ich diese Zweifellosigkeit eines solchen ersten Satzes öffentlich zur Schau stelle.

Diese andere zweifelnde Stimme in mir hatte beim Spiel des MSV Duisburg in Chemnitz allerdings jede andere Stimme der Zuversicht meist unhörbar gemacht. Der MSV Duisburg hat beim Chemnitzer FC zwar mit 3:2 gewonnen, aber entscheidende Momente des Spiels habe ich erst in der Zusammenfassung gesehen, obwohl der Livestream die ganze Zeit lief. Hinge der Aufstieg von meiner Leistung als Zuschauer ab, wäre gestern der erste große Vorrat Felle davon geschwommen. Ich habe Nerven gezeigt.  Das Führungstor von Andreas Wiegel hatte mir nur vermeintliche Sicherheit gegeben. Welch schöner Außenristpass von Fabian Schnellhardt in den freien Raum hat dieses Tor ermöglicht. Welch fussballerischer Genuss sind die Spielaktionen von Fabian Schnellhardt so oft.

Doch dann fiel der Ausgleich zum 1:1, und es gab kein Halten mehr für mich. Wahrscheinlich habe ich sogar den Rückstand verantwortet, weil ich mir den Freistoß der Chemnitzer nicht mehr konzentriert genug angesehen habe. Wahrscheinlich habe ich die Mannschaft mit meiner Nervosität auf unerklärliche Weise angesteckt, so unaufmerksam wirkten die Spieler bei diesem Freistoß der Chemnitzer. Alleine, weil die Mannschaft den Komplettausfall von mir als Zuschauer später aufgefangen hat, gab es noch eine Chance. Ich selbst habe am Spiel kaum mehr teilgenommen. Hätte ich auf dem Spielfeld gestanden, hätte ich in Ballnähe nur vorgegeben, einen Pass erhalten zu wollen. Wann immer es möglich gewesen wäre, hätte ich mich hinter meinen Gegenspielern versteckt. Ich wäre viel gelaufen, das schon, aber möglichst so, dass ich unanspielbar geblieben wäre.

Die Mannschaft vom MSV aber glaubte weiter an den möglichen Erfolg. Sie wusste um die Bedeutung des Spiels für den weiteren Saisonweg. An der Freude der Spieler war das zu erkennen, als Mark Flekken den letzten Eckball der Chemnitzer aus der Luft herunterholte und damit den Sieg gleichsam in der Hand hielt. Es war daran zu erkennen, wie Stanislav Iljutcenko bei dem Eckball davor seine Genugtuung über den zu einer erneuten Ecke abgewehrten Ball in die Luft schrie.

Vorher war diese Mannschaft aber in Rückstand geraten, und ich nahm mein Joggingprogramm in der Wohnung auf. Bewegung führt zu Spannungsabbau. Die Mannschaft aber wollte den Ausgleich, das sah ich in den Momenten, wenn ich mal einen Blick auf den Laptop warf. Sie wollte den Ausgleich so lange, bis Simon Brandstetter es Andreas Wiegel gleich machte. Beide sind in der bisherigen Saison nicht durch eine gute Chancenverwertung oder grundsätzlich gute Entscheidungen am Ende ihres Ballführens aufgefallen. Beide schienen ihrer fußballerischen Intuition nicht ganz zu vertrauen. In diesem Spiel war es anders. Beide behielten die Nerven, beiden kam das eigene Denken bei ihrem Spiel nicht in die Quere. Brandstetter gelang das Tor nach einem Pass in den freien Raum von Tugrul Eral. Ich habe den Ausgleich nicht mal in der Zeitlupe gesehen, weil ich gerade sehr weit vom Stream weggelaufen war.

Auch das Führungstor habe ich nicht gleich gesehen, sondern nur die aufgeregte Sprecherstimme gehört. Zurück kam ich zur Zeitlupe, um mein Joggingprogramm mit lang anhaltenden Sprungkraftübungen abzuwechseln. Erneut war es Tugrul Erat, der mit einem schönem Fallrückzieher den Ball parallel zur Torauslinie vor das Tor brachte, wo Kingsley Onuegbu am hinteren Pfosten stand und den Ball problemlos über die Linie bringen konnte. Von da an kämpfte auch ich wieder an meinem Platz als Stream-Zuschauer. Von da an hielt ich die Nervorsität wieder aus. Mit dem Schlusspfiff bahnte sich der erste Satz dieses Textes seinen Weg in meinem Kopf. Die andere Stimme in mir hörte sofort auf zu jubeln und begann irgendwas auf mich einzureden. Ich habe bis heute morgen nicht richtig hingehört.


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