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Ein Spiel zum Verzweifeln

Am Morgen nach der 1:2-Niederlage des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue bin ich immer noch in einer Art Duldungsstarre. Zwar habe ich mir gestern Abend mit Rico Brömseklöten noch eine Dosis Gegengift gegeben, so dass mich das Wort Erzgebirge fortan nicht nur noch in tiefe Verzweifelung stürzt. Doch solches Gegengift hilft anscheinend zunächst nur als Akutmaßnahme.

Für längeres Wohlbefinden muss anderes hinzukommen. Am besten natürlich ein erfolgreicherer MSV Duisburg. Allerdings vertraue ich auf diese begleitende Unterstützung momentan nicht wirklich. Wo soll das Vertrauen auch herkommen, wenn ich mir die Leistung der Mannschaft im Spiel gegen Aue genau ansehe?

Die Zebras haben in der ersten Halbzeit gut gespielt. Sie waren so gut, wie sie im Moment sein können. Sie haben sich in dieser ersten Halbzeit eine so sichere Torchance erspielt, dass ich den Torwart habe vergeblich hechten sehen. Ich war bereit zum Jubeln. Boris Tashchy hat den freien Schuss über das Tor gesetzt. Einen nicht ganz so freien Schuss setzte Cauly Souza zudem an die Latte. Mit der Jubelbereitschaft kam ich nicht hinterher. Dazu gab es zwei, drei Chanchen, die nicht ganz so klar waren, die aber in anderen Spielen von anderen Spielern in ähnlichen Situationen schon genutzt wurden, um Tore zu erzielen. Der MSV konnte sie nicht nutzen. Auch in einem dieser Momente hatte ich meine Arme schon erhoben.

Ich sorgte mich nicht mehr, der MSV könne in Gefahr geraten in diesem Spiel. Die Defensive stand sicher, mit einer Ausnahmen kurz nach Anpfiff. Daniel Mesenhöler klärte auf der Linie mit einem guten Reflex. Ein Konter hatte zu einem freien Schuss aus zwölf Metern geführt. Kurz vor der Pause hieß es zwar nicht drei Ecken, ein Elfer, doch drei halbe Jubel hatten diese Folge. Boris Tashchy wurde bei der Ballannahme gegen den Fuß getreten und fiel. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter sicher.

Kurz nach der Halbzeitpause pfiff Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck erneut Elfmeter. Dieses Mal gegen den MSV. Wahrscheinlich haben die meisten Zuschauer wie wir bei uns in der Kurve diesen Elfmeterpfiff nicht richtig mitbekommen. Es war merkwürdig still geblieben im Stadion. Schließlich hatte es keine offensichtlich elfmeterreife Spielsituation gegeben. Wir konnten das Bedrohliche des Moments erst nicht erkennen, dann wollten wir es nicht wahrhaben. Aus heiterem Himmel verschwand die Zuversicht für dieses Spiel. Aus heiterem Himmel waren alle Sorgen wieder da. So ungerecht fühlte sich das an. Der Elfmeterpfiff war ungerecht.

Für die Spieler des MSV hatte dieser Pfiff anscheinend eine ähnliche Wirkung wie für mich. Gefährliche Chancen konnte sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit nicht mehr erspielen. Es war nicht leicht mit anzusehen, wie sehr sich jeder einzelne Spieler anstrengte, ohne dass diese einzelnen Anstrengungen vor dem Auer Tor sich bündelten. Es fehlten Ideen für das Zusammenspiel in der Nähe des Auer Strafraums.

Der Boden war tief. Lange hatte es geregnet, und zu Beginn des Spiels hatten sich alle, samt Schiedsrichter, an die Glätte des Rasens gewöhnen müssen. Man war ausgerutscht und geschlittert. Nun war bei den Sprints die zusätzliche Kraft erkennbar, die die Vergeblichkeit der Anstrengung noch spürbarer machte. Es war zum Verzweifeln. Wenn es doch wenigstens beim Unentschieden geblieben wäre. Doch ein Ballverlust von Joseph-Claude Gyau auf dem linken Flügel nach einem harten Tackling führte zu einem Konter, der mit einem Schuss, der nicht oft so gelingt, abgeschlossen wurde. Die 1:2-Niederlage stand fest. Es blieben noch ein paar Minuten mit hohen Bällen in den Strafraum. Ein aussichtsloses Hoffen auf den Zufall. Es war zum Verzweifeln. Ich sehe nicht, dass die Mannschaft besser spielen kann. Ich sehe Spieler, die alles geben. Ich sehe Spieler, die mit ihrem derzeitigen Können alles versuchen. Ich sehe Spieler an ihre Grenzen kommen. Es ist zum Verzweifeln.

Drei Stahlarbeiter stehen inzwischen nur noch vor dem Spiel auf dem Rasen. Beim letzten Heimspiel waren es vier. Beim ersten Spiel zehn? Ich weiß es nicht mehr genau. Überall sehe ich nur noch Zeichen des Niedergangs. Es ist zum Verzweifeln.

Bock-umstoßen-Revival im Osten

Früher haben die Menschen manchmal einfach nur nicht verstanden, warum ich ihnen etwas erzählte. Heute beginnen sie allmählich in mir einen von diesen alten Nörglern zu sehen. Zumindest wenn diese Menschen junge Bäckereiverkäuferinnen sind. Denn in einer Bäckerei wird es für mich immer schwieriger zu bekommen, was ich kaufen möchte. Mir kommt so vieles von dem, was es in Bäckereien gibt, beim Bestellen nicht mehr über die Lippen. Niemals werde ich sagen: „Ich hätte gerne einen Smiley“, wenn ich einen Amerikaner bestellen will, auf dem sich dummerweise gerade irgendwelche Schokoverzierungen befinden. Dann sage ich: „Ich hätte gerne einen Amerikaner“ und bin mir nicht mehr sicher, ob die junge Bäckereiverkäuferin weiß, was ich meine.

Wegen dieser recht konservativen Haltung bin ich auch ganz froh, dass Erzgebirge Aue laut Kicker morgen beim MSV Duisburg punkto Auswärtsschwäche den Bock umstoßen will. Schön, dass in der Fußballersprache sich wenig ändert. Noch besser, dass die Auer anscheinend nicht mitbekommen haben, was bei solchem Vorhaben auf dem Rasen im Stadion beim MSV geschieht. Wir erinnern uns alle jedenfalls sehr gut, dass Böcke auf dem Rasen der SIL-Arena gerne unüberwindbare Hindernisse bleiben. Ich bleibe dabei, der geplatzte Knoten gefällt mir als Bild ohnehin viel besser.

Zwei Mannschaften treffen also aufeinander, die am letzten Spieltag ihr erstes wirkliches Erfolgserlebnis hatten. Trotz der vielen Ausfälle im Kader gehe ich nicht nur wegen der Auer Unaufmerksamkeit in Sachen Böcke zuversichtlich ins Stadion. Die Hierarchie im Kader ergibt sich jedenfalls gerade von selbst. Und da es im Moment auch um Stimmung geht, sind die Ausfälle kein schlechtes Zeichen. Der MSV hat es vielleicht etwas schwerer als die Auer, weil der Siegeswille der Mannschaft von Anfang deutlich erkennbar sein muss. Sonst könnten die Zuschauer unruhig werden.  Eine Haltung, die in Berlin gegen die Übrmacht des Heimpublikums gerade in der zweiten Halbzeit auch als Geduld hat wirken können, wird es in Duisburg jedenfalls nicht geben. Dann kann der Heimvorteil leicht zum Nachteil werden.

Erst dachte ich, es sind 10 unvergessliche Anmerkungen zum MSV und zu Aue. Doch dann geschah das

1. Hei..eimsieg…Hei..eimsieg….Hei…eimsieg….Oh, wie ist das schön…oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen…so schön, so schön.

2. So einen Sieg wie gegen den FC Erzgebirge Aue haben wir tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen. 3:0 hat der MSV gewonnen. Der Sieg in dieser Höhe ist verdient. Souverän hat der MSV diesen ersten Heimsieg der Saison erspielt.

3. Vom Anpfiff an sah es so aus, als spielten zwei Mannschaften von deutlich unterscheidbarem Spielvermögen gegeneinander. Wenn Aue etwas anderes als ein torloses Unentschieden hat erreichen wollen, verheimlichte das die Mannschaft perfekt. In Zeitungsberichten lese ich von einer Chance Aues. Das war ein geschlenzter Ball, der über die Latte strich. Wenn ich mich nicht aufrege und ich kein Gegentor fürchte, gibt es keine Chance. Das wollen wir mal ein für allemal festhalten. Sollte ich jemals Beruhigungmittel brauchen, werde ich mir Spiele vom FC Erzgebirge Aue gegen den MSV in Dauerschleife ansehen. Ich bin in diesem Spiel völlig entspannt gewesen. Ich fürchtete nicht einmal ein Glückstor des Gegners.

4. Erst sah es so aus, als wollte der FC Erzgebirge Aue dem MSV Duisburg den Sieg schenken. Fehlpass um Fehlpass in der Nähe des eigenen Strafraum luden die Zebras weniger zum Konter ein als zum direkten Abschluss auf das kaum mehr verteidigte Tor. Aber die Zebras wollten weder das Mitleid der Gäste, noch wollten sie unhöflich sein. Also taten sie so, als ob sie die Gastgeschenke annahmen und vermieden es auf diese geschenkte Weise ein Tor zu erzielen. Ich wäre weniger stolz gewesen und hätte schon in der ersten Halbzeit gerne eine dieser großen Chancen verwandelt gesehen.

5. Solch große Chancen gegen den tief stehenden Gegner Aue aus dem eigenen Aufbauspiel heraus zu entwickeln ist mühsam und verlangt Geduld. Wir hatten die Geduld, weil wir den Anfang der Saison noch lebhaft in Erinnerung hatten. Spannend ist die Frage, wie so ein geduldiges Aufbauspiel ohne Ertrag auf die Stimmung im Stadion wirkt. Anscheinend beruhigte dieses Spiel nicht nur mich. Ist mein Eindruck falsch, dass wir alle freundlich dem Spiel zusahen, aber die Anspannung den Spielern überließen?

6. Nach der Halbzeitpause wollte Aue gerne so weiterspielen wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV wollte druckvoller sein. Die Mannschaft stand etwas höher in der Defensive als in der ersten Halbzeit.

7. Der MSV war erfolgreicher bei seinem Vorhaben.

8. Zunächst verlor Stanislav Iljutcenko die Orientierung bei einem Kopfball komplett. Völlig frei stehend köpfte er gut acht Meter am Tor vorbei. Kurz waren wir ratlos bei uns in der Ecke. Wie sollte nur ein Tor fallen, wenn solch große Chancen in diesem Spiel mit dieser so dichten Defensive vergeben wurden? Doch kurz danach hatte Stanislav Iljutcenko beim Kurzpassspiel die Orientierung wieder gefunden. Schnell ging es über halblinks Richtung Strafraum, Iljutcenko wurde angespielt, leitete den Ball per Hacke zur Mitte in den Lauf von Cauly Souza weiter. Ein Abwehrspieler meinte, den Pass noch etwas korrigieren zu müssen. Der Ball kam nun noch genauer in den Lauf, so dass der Abschluss keine Schwierigkeit mehr bereitete. Große Freude über das verdiente 1:0.

9. Aue erinnerte sich, dass ein Ball auch schnell nach vorne gespielt werden kann. Die MSV-Defensive weiß das schon sehr lange und war vorbereitet auf mögliche Gefahren.

10. Cauly Souza wird halbrechts angespielt. Er führt den Ball kurz, stoppt ab und zwei Auer Spieler aus der Defensivkette laufen auf den rechten Flügel raus. Vielleicht wunderte sich Souza genauso wie ich. Ich hatte jedenfalls keine Pass- oder Dribblefinte von Souza in dem Moment gesehen. Lucky-Luke-Cauly, der Mann täuscht schneller als sein Schatten. Souza zieht nicht nach rechts, sondern in die Mitte und sucht den direkten Abschluss. Zwischen Pfosten und Torwarthand passte wahrscheinlich nichts mehr als der Ball. Eine frühe 2:0-Führung machte Hoffnung. Wir gebrannten Späte-Ausgleichs-Kinder wünschten uns ein drittes Tor herbei.

11. Zwei Chancen hatte Aue, bei denen meine Entspannung leicht irritiert wurde.

12. Der MSV hatte weiter deutlich bessere Chancen als Aue. Stanislav Illjutcenko lief in einen abenteuerlichen Querpass an der Strafraumgrenze und hatte nur den Torwart vor sich. Allerdings blieb ihm keine Zeit zum Abschluss, und er vergab den Schuss im Fallen. Moritz Stoppelkamp versuchte einen geschlenzten Ball nach einem Konter statt weiter in die Mitte zu ziehen und hart abzuschließen. Cauly Souza schoss einen zweiten Ball zu flach und traf seinen Mannschaftskollegen Iljutcenko, der Mitleid mit der überforderten Auer Defensive hatte und sie kurz als liegende Mauer verstärkte.

13. Der MSV hielt den Druck auf das Auer Tor hoch. Der Mannschaft gelang die perfekte Balance zwischen Defensive und Offensive.

14. Meine Entspannung war trotz vereinzelter Auer Angriffsbemühungen wieder vollkommen.

15. Das dritte Tor gelang bei einem Angriff im zweiten Anlauf. Moritz Stoppelkamp setzte sich im Strafraum auf engstem Raum wunderbar durch, flankte und Boris Tashchy köpfte perfekt ein.

16. Abstiegszone, die – das Wort muss ich mir aufschreiben, damit ich es nicht vergesse.

Was ein MSV Museum auch bewirkt

Heute im Spiel gegen Erzgebirge Aue steht Manfred Manglitz neben Stadionsprecher Stefan Leiwen auf dem Rasen. Stefan Leiwen fragt dann ja ritualhaft nach Spieleindruck und nach möglichem Endergebnis. Ich hoffe doch, Manfred Manglitz kann dann schon von einer verdienten Führung sprechen. Nicht nachlassen, so was in etwa wird dann sicher auch als Aufforderung für die zweite Halbzeit fallen. Vielleicht auch noch, ein weiteres Tor schnell nachlegen und den Sack zu machen, was eben so zu sagen ist, wenn dem MSV der Sieg gewünscht wird. Der Heimsieg wäre schön, damit endlich einmal wieder möglichst viele Anhänger vom MSV, eben mehr als bei einer Auswärtstour, ihre Freude mit der Mannschaft teilen können.

Manfred Manglitz – hier bei Wikipedia – war von 1963 bis 1969 Torwart beim MSV. Er kam als Verstärkung für die erste Bundesliga-Saison zusammen mit Heinz Höher von Bayer Leverkusen und gehörte zur Vizemeister-Mannschaft. In dieser ersten Saison bekam er bei der Anzahl seiner Spiele die wenigsten Tore aller Bundesligatorwarte, was Jahre später das Online-Medium Stadioncheck.de dazu bewog, die Manfred-Manglitz-Medaille auszuloben.

Manfred Manglitz lebt in Spanien und ist für dieses Spiel auf Initiative vom MSV Museum angereist. Gestern gab er zusammen mit Horst „Pille“ Gecks und Heinz van Haaren Autogramme im Fanshop. So vielfältig vestehen die Macher das MSV Museum ihre Arbeit. Die Grundlagen für eine Ausstellung zu schaffen ist das eine, diese Ausstellung zu einer lebendigen Erinnerung zu machen das andere. Ein Stadionbesuch und eine Autogrammstunde sind nur ein Anfang, die Begegnung mit ehemaligen Spielern des MSV zu ermöglichen. Wer sich jetzt schon derart engagiert, lässt für die Zukunft eines etablierten MSV Museums sehr viel tiefer gehende und aufschlussreichere Begegnungen erhoffen, als sie in der Halbzeitpause eines Fußballspiels möglich sind. Zumal mit der Aussicht auf den Heimsieg die Gegenwart die Vergangenheit mächtig überlagert.

Drittligahinrundenvierteschlusstabellenplatzierungen

Deutsche Wörter können Details der Wirklichkeit sehr präzise benennen. Leicht lesbar sind sie anschließend nicht. Was uns, die Mannschaft und die sportlich Verantwortlichen beim MSV Duisburg nicht davon abhalten soll, auch aus den Drittligahinrundenvierteschlusstabellenplatzierungen zusätzliche Zuversicht zu gewinnen. Davon ab kümmern wir uns natürlich nicht um Tabellenstände, sondern beschäftigen uns vor allem damit, das nächste Spiel zu gewinnen.

Saison 2013/2014

Hinrunde: 4. SV Darmstadt 98 – Endplatzierung: 3.
Anschließender Aufstieg durch Erfolg in der Relegation gegen DSC Arminia Bielefeld

Saison 2012/2013

Hinrunde: 4. SpVgg Unterhaching – Endplatzierung: 9.

Saison 2011/2012

Hinrunde: 4. Rot-Weiß Erfurt – Endplatzierung: 5.

Saison 2010/2011

Hinrunde: 4. SG Dynamo Dresden und SV Wehen Wiesbaden
Endplatzierung: 3. SG Dynamo Dresden und 4. SV Wehen Wiesbaden
Anschließender Aufstieg von Dynamo Dresden durch Erfolg in der Relegation gegen VfL Osnabrück

Saison 2009/2010

Hinrunde: 4. FC Erzgebirge Aue – Endplatzierung: 2. und Aufstieg

Saison 2008/2009

Hinrunde: 4. Fortuna Düsseldorf – Endplatzierung: 2. und Aufstieg

Eil *** Fortuna Köln tritt Samstag in Aue an – Wer spielt in Köln?

Wie die Hamburger Tageszeitung Die Welt exklusiv meldet, tritt Fortuna Köln für den Namensvetter aus Düsseldorf am Samstag in Aue an. Hamburg scheint als Sitz der Redaktion zu weit entfernt, als dass den Sportjournalisten die Brisanz dieser Meldung eine größere Berichterstattung wert ist.

2014-08-29_Fortuna_Koeln_in_aueWenn die Düsseldorfer und Kölner Verantwortlichen diese im deutschen Fußball einmalige Notmaßnahme so früh in der Saison durchführen, scheinen die Nerven blank zu liegen angesichts des mäßigen Saisonstarts zweier Vereine in ihren jeweiligen Ligen.

Betroffen von diesem Mannschaftstausch sind  auch die Fußballer des MSV Duisburg, die nun noch nicht wissen, gegen welche Mannschaft sie am Samstag im Südstadion spielen werden. Es liegt nahe, dass Fortuna Düsseldorf stattdessen gegen die Zebras um Punkte für Fortuna Köln spielt. Andererseits ist aus gut unterrichteten Kölner Kreisen zu hören, dass die  Vereinsverantwortlichen vor diesem einfachen Tausch zurückgeschreckt sind, weil sie in dem Fall eine hohe Niederlage befürchten. Ein Unentschieden erhofften sie sich schon für ihren Freundschaftsdienst.

Mit Dauerglück in eine große Zukunft?

Schön am Schreiben über ein Fußballspiel ist: dieses Schreiben muss niemals 90 Minuen dauern. Deshalb verrät die Kürze eines Textes schon viel über die Qualität eines Fußballspiels. Das torlose Unentschieden im Auswärtsspiel des MSV gegen den FC Erzgebirge Aue braucht nicht viele Sätze. Auch in diesem Spiel kam dem Glück eine bestimmende Rolle zu. Dieses Glück wirkte anders als im Spiel gegen den 1. FC Köln sogar präventiv. Es wurde in Gänze  beim Torverhindern aufgebraucht. Dieses Glück bei einem einzigen Torschussversuch irgendwann im letzten Viertel des Spiels nur als unterstützendes Mittel in Anspruch genommen zu haben, wäre des Guten wirklich zu viel gewesen. Man soll das Schicksal nicht herausfordern. Irgendwann muss sich die Mannschaft auch wieder auf die eigenen fußballerischen Fähigkeiten besinnen.

Diese Fähigkeiten waren gestern allenfalls in der Rückwärtsbewegung etwas vorhanden. Zumal sich die Zebras darauf verlassen konnten, dass die Auer die letzte Aktion, egal ob Schuss oder Pass in den Strafraum, so gut wie nie so präzise spielten, dass es dauerhaft gefährlich wurde. Und wenn in einer Einzelaktion  passabel abgeschlossen wurde, konnten sich die Zebras auf das besagte Glück verlassen. So täuscht der Blick auf die  Statistik, wenn es um die Torschüsse der Auer geht. Diese vielen Torschüsse der Auer weisen nur auf die Spielüberlegenheit hin und nicht auf die tatsächliche Torgefahr.

In Ballbesitz versuchten die Zebras zwar immer wieder ein kontrolliertes Spiel, doch wenn es überhaupt gelang, dann ohne Raumgewinn um die Mittellinie herum, bis das Pressing der Auer die Pässe immer unpräziser werden ließ. Das Spiel ruckelte und stotterte, vor allem in der zweiten Halbzeit, von der einen Seite zur anderen. Weil die Pässe auf beiden Seiten eben oft so unpräzise waren und ebenso beide Mannschaften mit viel Einsatz den Ball jeweils wieder zurück erobern wollten, war die zwangsläufige Folge der regelmäßiges Foulpfiff. Regelbedingt mussten beide Mannschaften mit dieser Leistung 90 Minuten lang auf dem Platz bleiben. Das war nicht schön anzusehen. Andererseits wenn sich der MSV Duisburg trotz solch schlechter spielerischer Leistungen seine Unentschieden von nun an immer glücklich erkämpft, steht der Mannschaft eine große Zukunft bevor.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Dustin Bomheuer und Sören Brandy.

Immer neue Sorgen trüben Jubel über Heimsieg

Der Vorsatz von vorgestern als Zuschauer ganz Profi zu sein, erwies sich beim Warten auf den Anpfiff des Spiels vom MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue schwierig. Für die volle Konzentration auf das Spiel musste das Spiel tatsächlich erst einmal beginnen. Ich fühlte mich merkwürdig vor dem Anpfiff. Angeweht kam da so etwas wie Sinnlosigkeit. Das lag weniger an der ungeklärten Situation in Duisburg als an den Nachrichten aus Aachen. Dort war zu sehen gewesen, wie im laufenden Betrieb von jetzt auf gleich der Wettkampfgedanke sich für den Verein verflüchtigte. Fußball dort ist nun nur noch eine Art Leistungsschau und Fußballer-Messe, bei der sich die Aachener Spieler für potentielle Arbeitgeber empfehlen wollen. Aus dem Mannschaftssport wird ein Casting-Wettbewerb. Schon komisch. Solche Gedanken musste ich verdrängen, und dazu brauchte es das Spiel selbst.

Anpfiff, und der MSV Duisburg startete nicht so druckvoll wie erwartet. Das lag zum einen am FC Erzgebirge Aue, die sich nicht so weit zurückzogen wie etwa der FSV Frankfurt. Es lag aber sicher auch an den schlechten Erfahrungen des MSV Duisburg in den letzten Heimspielen. Dennoch bekam die Mannschaft das Spiel in den Griff, ohne – und das konnten wir erwarten – torgefährlich zu werden. Fehler im Spielaufbau musste man vermeiden, und in diesem Spiel wurde es zu Beginn so offensichtlich. Jedes Mal, wenn nach einer Balleroberung schnell umgeschaltet wurde, ging der folgende kurze Pass sofort wieder zum Gegner. Mit einem Kurzpassspiel dagegen, das sich aus einer kontrollierten Spielsituation entwickelte, kam die Mannschaft zum gegnerischen Strafraum. Da gab es zwei, drei Spielzüge, an denen jeweils Toni da Silva beteiligt war, der im engen Raum dennoch die Lücken fand.

Im Nachhinein ist es bezeichnend für das Spiel, dass ihm gegen Ende der ersten Halbzeit offenbar der Oberschenkel schmerzte. Die erste Auswechlung war zu erwarten gewesen. Betrachtet man, wer sich danach verletzte, kann ich Menschen verstehen, die in der Häufung solchen Unglücks böse Geister wirken sehen. So etwas kann kein Zufall sein. So etwas braucht Erklärung. Wollte ich vier wichtige Spieler dieser ersten Halbzeit benennen. So wären das Toni da Silva, Goran Sukalo, André Hoffmann und natürlich Felix Wiedwald gewesen. Alle vier sind nach dem Spiel verletzt. Die Nachricht vom Mittelhandbruch Felix Wiedwald, in der ersten Halbzeit wohlgemerkt, kam nach dem Spiel. Wie schwerwiegend die anderen Verletzungen sind, wird sich im Laufe des Tages erweisen. Gestern dachte ich, eine Mannschaft, die in jeglicher Hinsicht von den Umständen derart unter Druck gerät und dennoch die Krise mit dem Klassenerhalt meistert, wird noch sehr erfolgreich werden, damit die bald erstmal nur verschobene Insolvenz mit Erstliga-Geld auf lange Frist verhindert wird. Galgenhumor.

Zurück zum Spiel, bei allem Bemühen des MSV Duisburg hatte Aue die erste riesige Chance, die eigentlich aus drei riesigen Teilchancen bestand, jede einzelne für ein Tor gut. Felix Wiedwald hielt spektalär zwei Schüsse aus kürzester Distanz und schaufelte schließlich am Boden liegend den Ball aus dem Strafraum, ehe ein Stürmerbein zustochern konnte.

Fehler im Spielaufbau auf Höhe der Mittellinie gab es auch auf Auer Seite und aus einem dieser Fehler ergab sich das Führungstor durch Daniel Brosinski, nach einem Konterlauf von  Sören Brandy, der den  Ball schön quer legte. Die Führung schien die Mannschaft zu verunsichern. Kontrolliertes Spiel bedeutet für die Spieler dieser Mannschaft zu langsam im Kopf sein. Auf mich macht diese Mannschaft den Eindruck, als dürften viele ihrer Spieler keine Gelegenheit haben, zu überlegen, was sie Sinnvolles mit dem Ball machen sollen. Diese Mannschaft ist gut, wenn ein Gegner den einzelnen Spieler ihre Aufgaben alternativlos aufzwingt. Diese Mannschaft wird schlecht, wenn ein Gegner den Spielern Zeit lässt oder die Spieler selbst versuchen, bedächtig den Ball in den eigenen Reihen zu halten.

So schien bald der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit. Auf Höhe der Mittellinie wurde nahezu jeder Ball abgeben und die Auer Stürmer überrannten die Defensive der Zebras in kurzen Abständen. Der Ausgleich kam und das Unentschieden zur Halbzeitpause war nach einer weiteren Großchance der Auer eher glücklich. Zunächst schien es in der zweiten Halbzeit kurz dort weiterzugehen, wo die erste endete, auch wenn Julian Koch nun auf dem Platz stand. Auch das war zu erwarten gewesen – allerdings als Auswechslung für Dzemal Berberovic, der gestern einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Die Verletzung von Toni da Silva machte eine andere Option notwendig. Julian Koch gibt dem Spiel der Mannschaft Stabilität. Er wirkt selbstbewusst, bietet sich in engen Situationen an und strahlt am Ball Ruhe aus.

Doch erst mit den nächsten beiden kurz hintereinander notwendigen Auswechslungen von André Hoffmann und Goran Sukalo entwickelte sich die Dynamik des Spiels zugunsten der Zebras. Plötzlich war ein unbändiger Wille auf dem Platz zu spüren. Die Auer Mannschaft kam nicht mehr zu wirklich großen Chancen und nachdem das Führungstor durch Sören Brandy per Kopf nach dem Freistoß gefallen war, ging es darum diesen Vorsprung bis zum Schlusspfiff zu retten. Das machte die Mannschaft mit großem Einsatz und starkem Willen. Maurice Exslager sorgte mit seinen Sprints immer wieder für Gefahr für die Auer Defensive, so dass die Auer Mannschaft ihren Druck nicht mehr erhöhen konnte.

Diese Energie auf dem Spielfeld sprang auf das Publikum über. Ab etwa der 80. Minute herum wollten alle der etwas mehr als 10.000 Zuschauer, natürlich mit Ausnahme der Auer Anhänger, diese Mannschaft zum Sieg schreien. Was auf den Rängen geschah, kam auf dem Spielfeld an und umgekehrt. Da gab es eine Einheit, die an bessere Zeiten erinnerte und die sämtliche Sorgen aus der Gegenwart hinwegfegte. Wichtig war der Moment, wichtig war der Sieg am Tag. Alles andere würde sich zeigen. Siege geben Hoffnung, egal, was Duisburger Sportjournalisten schreiben. Dazu später mehr.

Bilder zum Spiel gibt es von Sky mit einem Klick weiter hier.

Die Presskonferenz nach dem Spiel zusammen mit O-Tönen von Daniel Brosinski, Sören Brandy und Julian Koch eingebunden hier:

Spielvorbereitung: Profi sein

So schwer es auch fällt, liebe Leute, allmählich ist es angebracht, einen Teil eurer Aufmerksamkeit auf das Spiel am Sonntag zu richten. Das ist für niemanden einfach. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Das ist für die Spieler nicht einfach, für die sportlich Verantwortlichen, für alle, die im Moment um eine Lösung für die Finanzprobleme ringen, und es ist auch nicht einfach für uns Anhänger dieses Vereins, die wir warten auf die eine oder die andere offizielle Nachricht.

Doch was sollen wir machen? Am Sonntag wird auf jeden Fall ein Fußballspiel angepfiffen, bei dem die Manschaft vom MSV Duisburg auflaufen wird. Und was ich von dieser Mannschaft erwarte, nämlich die volle Konzentration aufs Spiel, muss ich als Zuschauer wohl nicht gerade vorleben aber zumindest begleiten. Ich werde also am Sonntag ganz Profi als Zuschauer sein und alle störenden Gedanken, Zweifel und Sorgen aus dem Kopf vertreiben. Schließlich geht es auch in dieser Begegnung um einen Sieg, eine Niederlage oder ein Unentschieden. Und ich weiß genau, wenn so ein Spiel erst einmal begonnen hat, will ich so ein Spiel auch nicht verlieren, egal was vorher geschehen ist und nachher noch passieren könnte.

Spätestens in den 90 Minuten werde ich deshalb mit aller Aufmerksamkeit auf meinem Platz sein, während die Manschaft auf dem ihren ist.  Fußball das Geschäft interessiert dann nicht. Um den Fußball als Wettkampfspiel geht es stattdessen. Auch der FC Erzgebirge Aue wird wieder mit einer tief stehenden Defensive versuchen, Fehler des MSV Duisburg im Spielaufbau zu provozieren. Sie werden versuchen jegliche Dynamik aus dem Spiel des MSV Duisburg zu nehmen, um darauf zu hoffen, mit einem Konter das entscheidende Tor zu erzielen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Mannschaft vom MSV Duisburg wieder druckvoll beginnen wird. In dieser ersten halben Stunde müsste endlich jenes Führungstor im Heimspiel erzielt werden, auf das wir schon gegen den FSV Frankfurt gehofft hatten. Und ebenso wird es sehr wahrscheinlich schwierig, dieses Spiel zu gewinnen, wenn dieses Tor in der ersten halben Stunde nicht fällt. Ich sehe sie auch schon vor mir, die Auer Spieler, die  in der Abwehrviererkette eher an Kraftsportler erinnern als an Fußballer. Dazu die schnellen Flügelspieler für die Konter. Oder hat es da einen Typenwechsel im Kader gegeben? Ich lasse mich mal überraschen.

„Überraschen“, was für ein blödes Wort gerade jetzt, als ich auf diesen Sonntag so konzentriert war. Gerade dieses Wort erinnert mich jetzt an die noch ausstehenden Nachrichten zur Lösung des Finanzproblems. Das wird doch tatsächlich sehr schwierig mit der Konzentration aufs Spiel. So sehr man es sich auch vornimmt, so ein Gedanke kommt schnell mal quer, selbst wenn alle alles geben und ganz Profis sein werden.

Deshalb jetzt schnell zu den Stimmen vom Spiel auf der Seite des FC Erzgebirge Aue. Sportdirektor Steffen Heidrich, Trainer Karsten Baumann, die René Klingbeil, Nicolas Höfler und Andreas Wiegel haben vor allen Anhängern etwas zu sagen. Tenor der Aussagen: Abstand zu Duisburg soll gehalten und mannschaftliche Geschlossenheit gezeigt werden; Gegner ist besser als Tabellenplatz aussagt, Duisburg steht mit Rücken zur Wand, auf dem Platz wird es zur Sache gehen.

Auch ohne Tore fühlt sich das nach Sieg an

Im Moment fällt mir kein torloses Unentschieden ein, dass ich derart bejubelt habe wie dieses am Freitagabend gegen den 1. FC Köln. Nachdem der MSV Duisburg ab der 21. Minute nur mit zehn Mann spielte, fühlte sich das Ergebnis nach einem Sieg an. Das ging den meisten in der begeisterten Gästekurve so, aber auch den Spielern, wenn man sich weiter unten anhört, was Julian Koch gesagt hat. Die letzten Minuten hatten es aber auch in sich. Zweimal ging der Ball an die Latte des Duisburger Tores, nach einem Freistoß und nach einer Ecke, und einmal hatten wir gefühlte Ewigkeiten Zeit bei einem wilden Getümmel im Strafraum den jeweils nächsten drohenden Schussversuch der Kölner im Netz einschlagen zu sehen. Doch immer wieder warf sich ein weiterer Duisburger Spieler vor den Ball, bis schließlich der Gewaltschuss nicht mehr zu verhindern war. Aus vielleicht sieben Metern Entfernung knallte der Ball rechts neben das Tor in die Bande. Aufatmen.

Dabei war die Kölner Mannschaft über das Spiel hin gesehen harmlos, verunsichert und ohne Mittel, den Zebras gefährlich zu werden.  Aus Zebra-Sicht  wäre es nach dem Überstehen dieser wenigen wirklich gefährlichen Minuten sogar fast zur perfekten Dramaturgie des Spiels gekommen. Einen ersten Ansatz zum Konter konnten die Kölner gerade noch verhindern, nachdem auf Höhe der Mittellinie der eingewechselte Zvonko Pamic den Ball  einem erneut zögerlichen Kölner Spieler den Ball abgenommen hatte. Doch nach der nächsten Balleroberung  wurde Srdjan Baljak steil geschickt. Aus unserer Perspektive von der Westtribüne auf Höhe des Kölner Strafraums war aber schon nach der Ballannahme zu sehen, dass er nicht in idealer Linie aufs Tor würde schießen können. So hielt sich meine Hoffnung in Grenzen. Vielleicht war ich aber auch nur  zu sehr mitgenommen von den Chancen der Kölner Mannschaft und der Nachricht von vier Minuten Nachspielzeit.

Bis zur 80. Minute hielten sich meine Sorgen aber in Grenzen. Wir sahen eine Kölner Mannschaft, die sehr an den MSV der Heimspiele erinnerte. Es fehlte den Kölnern an Dynamik und Ballsicherheit, um eine die meiste Zeit perfekt verteidigende Mannschaft der Zebras zu überwinden. Alleine Sascha Bigalke zeigte in vergeblichen Einzelaktionen Zug zum Tor. Einzelaktionen bestimmten auch die Entlastungsangriffe beim MSV Duisburg. Vor dem Halbzeitpfiff setzte sich Daniel Brosinski auf der rechten Seite wunderbar durch, doch kam in der Mitte kein Spieler rechtzeitig in den Rückraum, wohin der entscheidende Pass hätte gespielt werden müssen. Sören Brandy versuchte sich unermüdlich, aber vergeblich in langen Sprints mit dem Ball. Auch ihm fehlte die Anspielstation. Das Provozieren eines Foulspiel gelang ihm gar nicht. Ich möchte darauf wetten, dass er beim Schiedsrichter recht bald schon in der Schublade „lässt sich fallen“ lag und unklare Situationen nicht mehr für ihn gepfiffen wurden. Mich beruhigte zudem, dass Antonio da Silva  im Mittelfeld gegen die Überzahl pressender Kölner den Ball behauptete und dann den Pass in den freien Raum spielen konnte. So mussten die Kölner vorsichtiger werden bei ihrem frühen Angreifen, konnten nicht mehr so offensiv auf den Ball gehen.

Julian Koch wurde nun das zweite Mal eingewechselt, und erneut war im Ansatz zu sehen, welche Dynamik er dem Spiel des MSV Duisburg verleihen kann. Schon jetzt, wo er natürlich noch etwas langsamer wirkt als in seiner ersten Saison bei uns, schon jetzt besitzt sein Antritt jene Grundschnelligkeit, dass er mit dem Ball am Fuß sicher in die Lücken der Abwehrreihen stoßen kann, um anschließend den entstandenen Freiraum zu nutzen. Er hat dann das Auge für den Pass. Für den ganz langen Sprint braucht er noch etwas Zeit. Noch sorgt mich zudem jeder seiner langen Schritte bei den Balleroberungen in der Defensive. Das ist sein Spiel schon früher gewesen. Aber es ist auch genau dieses Spiel, das zu seiner schweren Verletzung geführt hat. Dann denke ich und hoffe, er wird sehr genau lernen, wann dieser lange Schritt einfach zu risikoreich ist. Felix Wiedwald braucht übrigens nicht nur wegen der vor allem durch ihn verschuldeten roten Karte für Branimir Bajic zusätzliche Trainingseinheiten im weiten Abschlag beziehungsweise Passen.

In diesem Spiel das torlose Unentschieden gehalten zu haben, wird die Mannschaft weiter zusammenschweißen. Dieses Spiel gibt uns Zuschauern aber auch eine Lektion, weil die spielerische Qualität vom 1. FC Köln, wie erwartet, nicht besser war als die des MSV Duisburg. Das Kölner Publikum war unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und pfiff sie schon zu Beginn der Halbzeitpause aus, ganz zu schweigen von der Verabschiedung nach dem Spiel. Mich freute diese Unmutsbekundung, weil ich hoffte, sie könnte die Kölner Mannschaft noch mehr verunsichern. Diese Mannschaft bemühte sich. Sie bemühte sich so, wie es der MSV Duisburg in seinen Heimspielen auch immer tat. In solchen Spielen hat es die verteidigende Mannschaft einfach leichter, die Zuschauer  zu begeistern. Sie braucht nichts mehr zu tun, als sich der angreifenden Mannschaft mit Leidenschaft entgegen zu stellen. Die angreifende Mannschaft braucht spielerische Lösungen, um diese Defensive zu überwinden. Die Leidenschaft der angreifenden Mannschaft kann meist nur unsichtbar bleiben. Spieler etwa, die steil laufen und nicht angespielt werden, wirken nicht stimmungshebend. Obwohl sie sich bei ihrem Lauf anstregen, also Leidenschaft zeigen.

Deshalb war ich auch nicht glücklich über diese in der Öffentlichkeit kolportierte Brandrede von Ivica Grlic vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln. Es ginge jetzt nur um drei Buchstaben, oder was hat er nochmals gesagt? So etwas geht in Heimspielen nach hinten los, weil es einen ungerechten Vorwurf befördert, eine Stimmung befeuert, die die Mannschaft nur weiter verunsichert. Noch einmal, im Spiel nach vorne sind Mannschaften wie der MSV Duisburg und, wie wir gesehen haben, der 1. FC Köln nicht präzise genug, um leidenschaftliche Eindrücke zu hinterlassen. Um in der Offensive ein Bild von Leidenschaft zu wecken, braucht es Schnelligkeit und Dynamik. Bei engen Räumen auf dem Spielfeld sind dazu große Präzision im Zusammenspiel und sehr gute technische Fähigkeiten nötig. Beides ist beim MSV Duisburg nicht stabil vorhanden. Was nicht bedeutet, dass ein Spiel sich nicht dahin entwickeln kann. Aber die Stimmung trägt dazu mit bei. Deshalb wäre das Duisburger Publikum gut beraten, es nicht dem Kölner Publikum gleich zu tun und die immer mögliche Enttäuschung gegen die Mannschaft zu richten. Man braucht sie nicht zu  bejubeln, wenn sie schlecht spielen. Der Vorwurf mangelndens Einsatzes ist bislang aber durchweg ungerecht. Das Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue wird, so meine ich, deshalb nicht nur zur Prüfung für die Mannschaft. Auch wir Zuschauer können uns wieder beweisen.

Und nun noch die Stimmen zum Spiel von Felix Wiedwald, André Hoffmann und Julian Koch.


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