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Wenn Ansgar Brinkmann ins Erzählen kommt

Irgendwann hat im Ostwestfälischen wahrscheinlich mal jemand gedacht, wenn Ansgar Brinkmann über seine Laufbahn als Fußballer ins Erzählen kommt, könnte man eigentlich mal ein Aufzeichnungsgerät mitlaufen lassen. Dann wäre der Grundstock für eine ganz passable Fußballer-Autobiografie gegeben. Schließlich hatte Ansgar Brinkmann großes Talent. Weil er dieses Talent aber nicht dauerhaft zu seinem beruflichen Erfolg nutzte, gäben seine Anekdoten eine schöne Fallhöhe bei der Lektüre her. Es gäbe Brüche in der Laufbahn und Geschichten außerhalb des Fußballplatzes, die Ansgar Brinkmann schon zu aktiven Zeiten in die Schlagzeilen brachte.

Das Aufzeichnungsgerät hat schließlich der Journalist Bastian Henrichs bedient. Er hat das Erzählte vermutlich strukturiert, meist in chronologischer Form, und er hat den mündlichen Ton als Stilmittel beibehalten. „Der weiße Brasilianer“ lauten nun die Erinnerungen von Ansgar Brinkmann an seine Zeit als Fußballer. Ansgar Brinkmann beendete seine Laufbahn nach einer letzten Saison für Preußen Münster im Jahr 2007. Zwischen Münster, Bielefeld und Osnabrück war Ansgar Brinkmann verwurzelt. Dorthin zog es ihn als Fußballer immer wieder zurück, auch wenn die Vereine dort nur selten in der ersten Liga zu finden waren. Dort aber hatte er anscheinend das Gefühl, seinen Beruf als Fußballer einigermaßen mit seinem Hang zum Sorglosen und Handeln ohne nachzudenken,  in Einklang bringen zu können. Vielleicht war es auch umgekehrt so, die Verantwortlichen sahen die Chance für ihre Verein einen so talentierten Fußballer zu verpflichten, wie es ohne die Nebentalente als Persönlichkeitseigenschaften Brinkmanns nicht möglich gewesen wäre.

Ansgar Brinkmann erzählt also in „Der weiße Brasilianer“ von seinem Weg als Berufsfußballer. Das Wort Karriere scheint mir bei allem Talent von Ansgar Brinkmann angesichts des wechselvollen Hin und Her nicht ganz passend für diese Zeit als Fußballer. Weil Ansgar Brinkmann in so vielen Vereinen gespielt hat und dabei noch mehr unterschiedlichen Menschen im Fußballgeschäft begegnet ist, gibt es auch ohne fußballerische Momente von überregionaler Bedeutung in diesem Fußballerleben etwas zu erzählen.

Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil dieses Erzählen ohne viel reflektierende Distanz geschieht. Normalerweise sind Biografien dieser Art gähnend langweilig, weil das unreflektierte Ich die Banalität des eigenen Lebens aus Selbstverliebtheit überhöht und nie den Mut besitzt, in dunkle Ecken des eigenen Lebens Licht zu werfen. Ansgar Brinkmann und Bastian Henrichs lösen das Problem, indem die Fehler im Leben Brinkmanns mit ihren Konsequenzen auserzählt werden. Das erinnert manchmal an den Versuch einer Schelmengeschichte und dem augenzwinkernden Werben um das wohlwollende Urteil des Lesers über die Person Brinkmann. Wenn Fehler sich aber im Leben wiederholen, dann kommt  die Lebenserfahrung dieses Lesers dem Aufkommen grundsätzlicher Leichtigkeit ein wenig in die Quere.

Ansgar Brinkmann lässt hinter die Kulissen gucken und versucht, möglichst gut dabei wegzukommen. Weil er bei letzterem nicht zu aufdringlich wirkt, steht die interessante Anekdote aus seinem Fußballerleben im Vordergrund. Wir erfahren, so ging es zu im Fußballgeschäft der zweiten bis dritten Reihe dieses Landes ab Ende der 80er bis zum Jahr 2007. Allerdings haben diese schnell gelesenen Geschichten mit fast zwanzig Euro auch einen stolzen Preis.

Ansgar Brinkman – Der weiße Brasilianer. Aufgezeichnet von Bastian Henrichs. Delius Klasing  Verlag, Bielefeld 2011. 208 Seiten. € 19,90.


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