Posts Tagged 'FC Hansa Rostock'

Stärkt das Erfolgs-Unentschieden für die Pflichtsiege?

Das torlose Unentschieden des MSV gegen Rostock war ein Erfolg. Das ist keine Frage. Die vielen Ausfälle hatten die Mannschaft geschwächt. So ergab sich ein spannendes Spiel, und die Zebras waren besser, als es der Kommentar des WDR-Reporters vermuten lässt. Er hatte nur den Blick für die Offensivbemühungen der Rostocker und schloss aus denen auf einen deutlichen Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften. Damit verkennt er nicht nur die sehr gute Defensivleistung des MSV völlig, auch hat er die andere Spielanlage der Zebras für die Offensive komplett übersehen.

Natürlich sieht das Spiel einer Mannschaft ansehlicher aus, die wie die Rostocker öfter als der Gegner im Kurzpassspiel den Ball in die gegnerische Hälfte bringen. Die Bewertung muss doch aber auf das taktische Gesamtkonzept abzielen. Der MSV hat sehr variabel versucht, die gegnerische Deckung zu überwinden. Obwohl die Defensive so geschwächt war, hat sich die Mannschaft nicht komplett zurückgezogen und ging ein wohl kalkuliertes Risiko für die Offensive ein. Die Defensive der Rostocker war nun einmal sehr gut.

Die Zebras versuchten es mit halblangen Bällen, mit intensiven Dribblings und plötzlichem Kurzpassspiel. Das wirkt dann vielleicht bruchstückhafter, aber ist nicht minder taktisch anspruchsvoll wie das Spiel der Rostocker. Ich habe keine große Überlegenheit Hansas erkennen können. Dass diese Rostocker sich dann vielleicht zwei Chancen mehr erspielten, lässt ein grundsätzliches Urteil über den Qualitätsunterschied in meinen Augen nicht zu.

Mein Gemütszustand ist nämlich immer ein besonders feinfühliger Indikator für die Gefahr, in der der MSV in einem Spiel schwebt. Dieses Spiel war ohne Frage spannend, dennoch konnte ich es mir ansehen. Die Zebras gerieten nicht unter Druck, dem irgendwann unweigerlich ein Tor hätte folgen können. In so einem Spiel kann auf jeder Seite ein Tor fallen. Für einen Kommentator wie den des WDR wäre so ein Tor des MSV wahrscheinlich aus dem Nichts gefallen, während ein kluges Konzept der eigentliche Grund gewesen ist.

Es hilft aber alles nichts, ab dem Spiel gegen Köln beginnt die Zeit der notwendigen Siege. Sicher bin ich mir denen nicht. Was passiert, ist abhängig von Tagesform und genesenden Spielern. Drei Siege müssen her für den sicheren Aufstiegsplatz. Zwei Siege und ein Unentschieden könnten bei gutem Torverhältnis wahrscheinlich für den Relegationsplatz reichen. Wir werden sehen.

Konsequenter Spielbericht

Anpfiff. Pass. Bewegt sich. Ja. Nein. Ja. Nein. Ja. Nein. Doch. Vielleicht. Nach kurze Pass. Der Ball landet. Wo? Natürlich landet der Ball. Der Balljunge, auch ein feiner Kerl. Einwurf. Passversuch. Wer? Schussversuch. Abschlag. Ein Rostocker nimmt sich ein Herz. Ein Duisburger Herz. Doppelherz. Hansa geht in Führung. Bemühen. Hinten rum, hinten rum. Wie? Hinten rum. Langer Ball. Versuch. Versuchen. Ach ja, versuchen. Was? Aber was? Konter. Linker Flügel. Rostock. Rostock. Rostock. Zebras. Zebras. Zebras. Halbzeitpause. Gab es. Wiederanpfiff. Gab es. Langer Ball. Gab es. Gegner. Gab es. Immer noch. Wieso? Wieso sind die immer da? Einwechslung. Gab es. Einwechslung. Auf beiden Seiten. Gab es. Alles versuchen. Zu wenig versuchen. Offensive. Wo? Versuchen. Langer Ball. Gab es. Gab es. Gab es. Ja. Langer Ball. Kopfballversuch. Langer Ball. Nein, nicht Knall auf Fall. Versuch des Dribblings. Versuch des kontrollierten Aufbaus. Ballbesitz. Langer Ball. Langer Ball. Langer Ball. Kopfballversuch. Torwart. Schlusspfiff. Niederlage. MSV Duisburg. Schlecht. Gespielt. Ganz schlecht. Gab es.

Stimmung aufhellen – oder doch nicht?

Beim MSV dieser Saison weiß ich inzwischen nicht mehr, ob ich auf eine frühe Führung für uns hoffen soll. Die Antwort wäre einfach durch die Statisitik zu erhalten. Ich müsste nur erheben, wann jeweils die Tore in den Begegnungen gefallen sind und welche Ergebnisse nach 90 Minuten zu verzeichnen waren. Zu dieser statistischen Erhebung habe ich jetzt keine Zeit. Vielleicht findet ja jemand anderer heraus, ob diese Stastitik Fakten bringt, die nicht nur meinen Eindruck entkräftigen, mit einem zählbaren Vorteil des MSV in der ersten Halbzeit wird die zweite Halbzeit eine Zitterpartie.

Vielleicht hilft mir jemand, den kühlen Verstand in Stellung zu bringen gegenüber der so schnell vorhandenen Sorge um das unbedingt notwendige Erreichen des Saisonziels, den Aufstieg. Vielleicht hilft die Rationalität mir morgen Abend, wenn es denn wieder vor dem Live-Stream unerträglich wird. Ruhig, könnte ich mir dann sagen, schau auf die Statistik. Alles im Lot. Helft mir! Sonst muss ich wieder durch die Räume joggen. Doch ich bin der Zeit voraus. Könnte ich doch überhaupt erst mal um einen Sieg bangen.

Erschwerend kommt hinzu, Hansa Rostock gehört für mich zu den Gegnern, die eine zusätzliche irrationale Angst vor der Niederlage auslösen. Da hilft keine Statistik. Die steht gegen die uns angeborene Möglichkeit der Welterfahrung durch Sinne. Mit der Statistik haben wir Menschen es schwer. Die verlangt nämlich nur zu oft, die persönliche  Erfahrung als vereinzelte, gegenüber dem großen Ganzen widersprüchliche anzuerkennen. Alles in uns strebt dagegen. Schwierig, so ein Mensch-Sein in dieser Welt der Gegenwart.

Da schau ich mir doch lieber noch einmal das Tor von Michael Gardawski gegen Hansa Rostock in der Saison 2013/2014 an, das zum 1:0-Auswärtssieg führte. Auch bei diesem Sieg, habe ich vor dem Live-Stream sehr gelitten. Und schon sind wir wieder beim Anfang. Denn auch dieses Tor fiel früh. Helft mir mit Zahlen. Und außerdem: Ist dieses Tor überhaupt noch ein gutes Zeichen, da Michael Gardawski nun bei Hansa Rostock spielt? Fragen, so viele Fragen.

Auch enttäuscht sein muss man lernen

Mit dem Abstand von drei Tagen muss über das Spiel selbst vom MSV Duisburg gegen Hansa Rostock nicht mehr viel geschrieben werden. Der MSV trat wie bislang in der Saison auf, die Mannschaft spielte nicht schlecht, sie bestimmte das Spiel und sie hat dennoch 0:1 verloren. Das Gegentor fiel ein paar Minuten vor dem Abpfif. Es war kein unverdientes Tor. Auch wenn der MSV in der zweiten Halbzeit weiter das Spiel meist bestimmte, die Rostocker traten im Gegensatz zu den ersten 45 Minuten mutiger auf. Die Mannschaft verteidigte höher. Die Spieler kombinierten bei den Kontern selbstbewusst und sicher.

Wir auf den Rängen waren enttäuscht, erst über das Tor, dann nach dem Schlusspfiff über die feststehende Niederlage. Auch die Spieler waren enttäuscht, in derselben Abfolge wie bei uns auf den Rängen. Doch wirkte es so, als müssten die Duisburger auf dem Spielfeld bei einem Gegentor noch lernen, was den meisten Duisburgern auf den Rängen nach dem Abpfiff gelang. Die meisten von uns kamen mit der Enttäuschung klar, die Spieler nicht.

Schon nach der Rostocker Führung schienen die Zebras nicht glauben zu wollen, dass dieses Tor tatsächlich geschehen war. Vielleicht haben die Rostocker den Zebras zu sehr das Gefühl gegeben, die Mannschaft spiele überlegen. Hansa wollte ein Tor verhindern, und der MSV versuchte geduldig und kontrolliert die Lücke zum Tor zu finden. Diese Versuche waren erfolglos. Doch schon in der ersten Halbzeit konterte Hansa gefährlich. Vielleicht verliert sich im fortwährenden Ballbesitz das Gefühl für die Möglichkeit der Niederlage. Wenn dann wenige Minuten vor dem Schlusspfiff die Niederlage droht, fühlt sich das ungerecht an.

Es wird die Aufgabe von Trainer und Mannschaft sein, diese Enttäuschung in positive Energie zu verwandeln. Momentan ist so eine Niederlage immer möglich, gerade weil der MSV Duisburg in dieser 3. Liga so gut spielt. Das ist paradox. Aber der MSV ist nicht so überlegen, dass jede gut organisierte Defensive mal eben so auseinander genommen werden kann.

Vielleicht lässt die Enttäuschung, die Spieler die eigenen Grenzen besser einschätzen lernen. Im Grunde haben wir diese Enttäuschung der Spieler in anderer Form schon häufiger gesehen. Wenn die Mannschaft ein Tor erzielte, wirkte sie fast immer bald darauf etwas zu passiv. Enttäuschung und Passivität lassen sich auf dieselbe Selbsteinschätzung zurückführen. Die Mannschaft weiß um ihre spielerische Qualität, um ihr taktisches Wissen, sie kennt aber zum Beispiel noch nicht den immer notwendigen Einsatz genau, um einem Gegner keine Chance zu lassen. Das ist ein intuitives Verhältnis. Im Spiel gegen Rostock mangelte es keineswegs an Einsatz. Die Spieler haben nur ihre momentanen Grenzen genau gespürt.

Hoffen wir, dass die Mannschaft durch die Niederlage wächst. Hoffen wir, dass in den drei Spielen ohne Fabian Schnellhardt der Spielaufbau gelingt, vielleicht mit einer anderen taktischen Ausrichtung. Vielleicht wird der MSV auf diese Weise etwas unberechenbarer. Dann brauchen wir auch nicht mehr auf eine bessere Chancenverwertung zu hoffen. Die könnte sich als Nebeneffekt von selbst ergeben.

Saisonvorbereitung VII – Die Wahrscheinlichkeit „Direkter Wiederaufstieg“

Auch ein Zahlenspiel für uns Statistikfreunde kann auf die Saison einstimmen, wenn es zu Zuversicht führt. Auf den direkten Wiederaufstieg hoffen viele Absteiger. Realistisch ist es dann nicht für alle. Wenn ich mich etwa in Paderborn umhöre, gibt es dort deutlich mehr Skepsis als in Duisburg, ob die Mannschaft erfolgreich die Saison bestreiten kann. Ganz zu schweigen von der Situation in Frankfurt, wo man noch mehr im Ungewissen steht, weil lange unklar war, wie es für den Verein weitergehen wird.

Ich blicke also heute mal zurück, welche Aufsteiger der 3. Liga in der Vorsaison aus der 2. Liga abgestiegen waren. In der Tabelle beschränke ich mich auf die wesentlichste Information den direkten Aufsteiger, jenen Verein der nur eine Saison in der 3. Liga verbracht hat. Die Relegation führt natürlich zur unterschiedlichen Anzahl der Aufsteiger.

Interessant wäre es ja, genau hinzuschauen in der Hoffnung, die Kontinuität im Kader hätte zum direkten Wiederaufstieg geführt. Diese kleinere sportwissenschaftliche Hausarbeit überlasse ich aber den Sportstudenten. Manchmal hilft es sehr, die Variablen in der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu beschränken. Besonders dann wenn die Arbeit sonst zu umfangreich wird.

2008/2009    von 3:  SC Paderborn
2009/2010    von 3: Vfl Osnabrück, FC Ingolstadt
2010/2011     von 3: Hansa Rostock
2011/2012     0   von 3
2012/2013     von 2: Karlsruher SC
2013/2014     0   von 3
2014/2015     von 2: DSC Arminia Bielefeld
2015/2016     von 3: FC Erzgebirge Aue
2016/2017     ?

Von 23 Zweitligaabsteigern (4 Absteiger 2. Liga in der Saison 2007/2008) sind 7 Vereine direkt wieder aufgestiegen.

Dieses 7 Vereine gehörten zu 24 möglichen Aufsteigern, die Relegation inklusive.

In 6 von  8 Spielzeiten gab es mindestens einen direkten Wiederaufsteiger.

Das Ausrechnen der entsprechenden Wahrscheinlichkeit überlasse ich euch. Rein vom Gefühl her sage ich als Anhänger eines Top- und Aufstiegsfavoriten, so ein direkter Wiederaufstieg ist nicht unwahrscheinlich. Das klingt gut.

Nebenerwerbsmöglichkeiten für den MSV – Consulting bei Hansa Rostock

Durch die Arbeit am Buch über die zwei Jahre des MSV Duisburg nach dem Zwangsabstieg sind mir das Geschehen und die Gefühle des Sommers 2013 wieder sehr lebendig geworden. In so einer Zeit intensiver Beschäftigung mit einem bestimmten Thema geht man dann ja mit einem Filter der Wahrnehmung durch die Welt. Kaum schlägst du die Zeitung auf, liest du schon wieder was, das deine Arbeit berührt. Vor ein paar Tagen war es das Interview mit Erik Wille, von dem ich gestern schrieb. Heute geht es um einen Artikel von Thomas Hahn über Hansa Rostock in der Süddeutschen Zeitung. 

Schon 2013 wurde in den analysierenden Artikeln der überregionalen Presse der MSV Duisburg als Beleg für ein Strukturproblem des deutschen Fußballs genommen. Der MSV war kein Einzelfall, und liest man die Geschichte über Hansa Rostock in der Süddeutschen Zeitung sind die Parallelen zum MSV offensichtlich. Für uns in Duisburg hält deshalb auch die Geschichte von Hansa Rostock eine Botschaft bereit. Denn diese Geschichte ist eine des Scheitern.

Die Geschehnisse in Rostock unterstreichen die besondere Leistung aller  beteiligten Personen, die sich über Wochen bei den Verhandlungen rund um Schuldenschnitt und Lösung der Stadionfrage immer wieder begegnet sind. Wer vom bisherigen Scheitern eines Ausgleichs in Rostock liest, wird sich vorstellen können, welch diplomatisches Verhandlungsgeschick auf Seiten des MSV seinerzeit über all die Monate notwendig gewesen ist. Und er wird daran erinnert, dass selbst Walter Hellmich schließlich Teil der Lösung gewesen ist. Das heißt nicht, die Vorgeschichte zu vergessen. In Rostock aber finden zwei Lager im Verein keinen Ausgleich.

Dass ich im  „Duisburger Jahrbuch 2016“ ebenfalls etwas zu meinem Thema vorfand, habe ich allerdings erwartet. Schließlich habe ich für das Jahrbuch den Koss im Jaratz gefunden und selbst auf sechs Seiten die zwei Drittligajahre des MSV zusammengefasst. Was keine Kurzfassung des Buchs ist, an dem ich sitze. Dieser Text war etwas ganz anderes – ein eigenes Genre.

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Saisonvorbereitung – Worte über und Tore von Brandstetter, Wiegel und Poggenberg

Ob es im Netz Video-Clips gibt, die Tore von Fußballspielern zeigen, hängt ja nicht nur von den Leistungen der Spieler ab. Kameras müssen schließlich dazu überhaupt erst einmal auf ein Spiel gerichtet gewesen sein. Also ist es ab Liga 3 nicht sicher, ob eine gelungene Spielaktion dokumentiert wurde. Maßgeblich ist auch, wie aktiv die Fan-Szene des Vereins ist. Wie oft werden Clips hochgeladen? Dementsprechend gibt es von Andreas Wiegel, Simon Brandstetter und Dan-Patrick Poggenberg nicht viele Clips im Netz, zumal den Fähigkeiten der Defensivspieler wie Poggenberg meist erst in den höheren Ligen besondere Bewegtbildzusammenschnitte gewidmet werden. So kommt es heute zu einer Dreifachbesetzung dieses Teils der Saisonvorbereitung.

Am meisten lässt sich noch über Andreas Wiegel finden, wenn auch nicht als Bewegtbild. Anscheinend hat er aus seiner Schalker Zeit einen besonderen Fan, der ihm immer wieder mal eine Diashow widmet.  Darüber hinaus ist zu sehen, wie Andreas Wiegel im Spiel von Schalke 04 II gegen Rot-Weiss Essen das Führungstor erzielt. Besonders unterhaltsam ist die Slapstick-Einlage von vier Spielern als Vorbereitung für das Tor. Zusammenprallende Menschen ergeben doch immer wieder einfachste Komik – ab Minute 1.40.

Aus Andreas Wiegels Zeit bei Rot-Weiß Erfurt stammt dieses Tor im Spiel gegen VfB Stuttgart II. Er erzielte die zwischenzeitliche 2:1-Führung – ab Minute 2.07.

Zu Simon Brandstetter habe ich nur einen brauchbaren Clip vom Beginn der letzten Saison gefunden. Sehr schön deutet sich in diesem Spiel von Rot-Weiß Erfurt bei Hansa Rostock die Zukunft an, erzielt Simon Brandstetter sein Tor doch nach Vorarbeit von Andreas Wiegel. Das Zusammenspiel von Brandstetter und Wiegel  gehört zur Fußballgrundschule. Flankenlauf, Flanke, Kopfball, Tor. Gerne in Duisburg regelmäßig wiederholen.

Doch auch Dan-Patrick Poggenberg zeigt während seiner Kieler Zeit in der Saison 2011/12 mit einem Tor im Spiel gegen den 1. FC Magdeburg Offensivkraft und Abschlussstärke. Er erzielt das Siegtor zum 1:0 – ab Minute 3.35.

Saisonabschluss Teil 1 – Soll und Haben im Tabellenrechner: 38. Spieltag

Nach all dem Feiern des Aufstiegs will ich mich mal an den Saisonabschluss in diesen Räumen hier machen. Es gibt mit dem Tabellenrechner einen losen Faden, den ich mir als erstes vornehme – aus einem einfachen Grund: Zum zweiten Mal habe ich recht gute Erfahrungen damit gemacht. Zum zweiten Mal konnte ich schon früh meine Nerven beruhigen, weil der Tabellenrechner mir große Zuversicht gab, das Saisonziel des MSV wird erreicht.

Wenn also mal wieder Not am Mann ist, kurzer Hinweis und ich schaue wieder, wie unter möglichst schlechten Vorzeichen für den MSV eine Abschlusstabelle zustande kommt, die uns allen Freude macht. Ich gebe zu, ich habe großen Spaß daran, die alles entscheidenden Tabellenplätze recht genau kalkuliert zu haben.

Eines erweist sich bei diesem Abgleichen auch noch: Bis ungefähr zum letzten Viertel der Saison haben die Trainer der in einem Spiel favorisierten Drittligisten immer wieder darauf hingewiesen, in dieser Liga könne jeder jeden schlagen. Die Zahlen bestätigen das. Bei  meiner Prognose bin ich fast immer von Favoritensiegen ausgegangen. Der erste Blick auf die Tabelle zeigt, wieviel Punkte mehr die Vereine im unteren Tabellensegment geholt haben, als es die Prognose nach der einfachsten Bewertungsgrundlage erwarten ließ.

Um so klarer wird auch erkennbar, wie sehr die ersten drei Mannschaften sich vom Rest der Liga unterschieden. Sie zeigten in jeweils unterschiedlichen Phasen der Saison stabil positive Ergebnisse. Der MSV war im letzten Viertel des Saison erfolgreich, als es entscheidend wurde. Im Rückblick lassen sich die Unentschieden zu Beginn der Saison auch anders bewerten. Was in der Anfangsphase der Saison für das Ziel Aufstieg nicht erfolgreich genug war, erweist sich in dieser Perspektive als das Fundament des Aufstiegs. Diese Unentschieden machen die Siegesserie zum Saisonende zu einem Erfolgsendspurt.

Im Abgleich seht ihr die Abschlusstabelle samt Punkten; in der ersten Klammer steht meine Prognose der Platzierung, in der zweiten Klammer meine Prognose der Punktezahl am Saisonende, daneben die endgültig Punkteabweichung von dieser Punkteprognose.

1. (1.) Arminia Bielefeld  74  (77) -3
2. (2.) MSV Duisburg 71 (70) +1
3. (3.) Holstein Kiel 69 (69) 0
4. (4.) Stuttgarter Kickers 65 (67) -2
5. (12.) Chemnitzer FC 59 (50) +9
6. (10) Dynamo Dresden 56 (54) +2
7. (6.) Energie Cottbus 56 (60) -4
8. (5.) Preußen Münster 54 (65) -11
9. (9.) SV Wehen Wiesbaden 53 (55) -2
10. (11.) Hallescher FC 53 (53) 0
11. (8.) VfL Osnabrück 52 (57) -5
12. (7.) Rot-Weiß Erfurt 51 (59) -8
13. (14.) VfB Stuttgart II 47 (42) +5
14. (13.) Fortuna Köln 46 (43) +2
15. (17.) SG Sonnenhof Großaspach 46 (36) +10
16. (18) Mainz 05 II 42 (34) +8
17. (15) Hansa Rostock 41 (41) 0
18. (17) Borussia Dortmund II 39 (30) +9
19. (16.) SpVgg Unterhaching 39 (36) +3
20. (20) Jahn Regensburg 31 (27) +4

Dänen lügen nicht – Blödsinn Aberglaube oder Kees Jaratz im MSV-Stadionmagazin beim Spiel gegen Rostock

„Stig“, sagt Kees am Wochenende zu mir, „das stellen wir erst online, wenn alles in trockenen Tüchern ist.“ Ich guck ihn an und denk, was will der wieder. Dann zeigt er auf das Zebrastreifen-Magazin vom Heimspiel gegen Hansa Rostock und blättert zu dem Artikel, in dem er und der Zebrastreifenblog vorgestellt werden. „Wieso?“, sage ich „ist doch ein schöner Text. Raus damit.“ Darauf er nur: „Rostock! Unentschieden!“

Ich weiß, Kees ist nicht der einzige mit diesem Knall. Denkt der doch glatt, wenn irgendwas an das letzte sieglose Spiel des MSV erinnert, hat das Folgen für die letzten drei Spiele. Wenn Fußballer abergläubisch sind, kann ich das noch verstehen, aber Zuschauer? Was für ein abgedrehter Unsinn. Wir Zuschauer sind die einzigen in diesem Spiel, die mit breiter Brust ins Stadion laufen können, um dem Gegner Angst zu machen. Kein Ball, der uns verspringt, keine Laufwege, die eingehalten werden müssen. Em-ES-VAU sind auch nicht so viele Buchstaben, an die man sich beim Schreien erinnern muss. Was wollt ihr alle mit eurem Aberglauben? Irgendwelche Klamotten immer wieder anziehen, die noch nie eine Niederlage erlebt haben? Gleiche Wege gehen,  gleiche Eingänge nehmen und all solch ein Scheiß?

Alles völlig unnötig. Geht raus auf die Ränge, schreit, was das Zeug hält und macht die letzten drei Spiele unsere Zebras noch stärker, als sie ohnehin im Moment schon sind. Versucht meinetwegen jeden Schuss ins Tor rein zu schreien, aber vergeudet euer Denken doch nicht an so eine Kinderkacke wie Aberglauben. Außerdem: Im Grunde hat der MSV das Spiel gegen Rostock gewonnen. Der Ball von Gardawski kurz vor dem Schlusspfiff war doch eigentlich drin. Versteht ihr? So kommt ihr zur breiten Brust. Fehler vergessen, Selbstbewusstsein stärken. Hier ist also der Text über Kees aus dem Heft, das zum Sieg gegen Rostock erschienen ist.

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Wie gerne hätte ich vom Fußballgott Martin Dausch geschrieben

Eine Spielsituation in der Begegnung des MSV Duisburg gegen Hansa Rostock war eine Art Reader’s-Digest-Version des gesamten Spiels. Mit ihr sahen und spürten wir alles, was das 2:2-Unentschieden ausgemacht hatte, wenn wir vom Spielereignis Tor einmal absehen. Es war die allerletzte Spielsituation. Jeder wusste, der Schiedsrichter wird jeden Moment abpfeifen. Dem MSV wurde noch einmal ein Freistoß zugesprochen. Halblinks, in Verlängerung der Strafraumecke, vielleicht 25 Meter, eigentlich zu weit, um direkt zu schießen, doch in mir brannte dieses Verlangen nach einer Wiederholung all der Umstände, die das Janjic-Tor in Bielefeld aus noch weiterer Freistoß-Entfernung ermöglicht hatten.

Ich sah wieder die auseinander springenden Abwehrspieler vor mir. Ich ignorierte das Ballgefühl von Zlatko Janjic dieses Tages, das nicht das Beste gewesen ist. Ich fantasierte diesen einen siegbringenden Schuss mit solch einer Macht, dass ich vor der erwarteten Enttäuschung geradezu wankte, weil alles in mir wusste, solch ein Glück gibt es in Wiederholung nur selten. Diese unbändige Sehnsucht, dieses Spiel zu gewinnen, war auf den Rängen überall zu spüren. Das Stadion stöhnte, ächzte und japste. Es gab keine Luft für wirklichen Support. Die Rufe waren  ein banges Mutmachen. Zu spüren war die Ohnmacht dem Geschehen auf dem Rasen ausgeliefert zu sein. Nichts unter Kontrolle zu haben, abhängig zu sein von dem, was die Spieler des MSV Duisburg nun machten.

Diesen Spielern des MSV war aber überhaupt nicht bang. Diese Spieler hatten einen Plan, der mehr war als die pure Verzweifelung, als ein allerletztes Aufbäumen. Diese Spieler vertrauten auf mehr als nur dem einen Glücksschuss, der sie retten sollte. Diese Spieler spielten noch in dieser allerletzten Spielsituation strategisch. Sie wollten näher vor das Tor. Sie wollten den Erfolg wahrscheinlicher machen. Man muss sich erinnern. Sie wussten, sie mussten sehr schnell näher ans Tor kommen. Jeder längere Spielzug geriet in Gefahr vom Schlusspfiff zerstört zu werden. Kurz und steil wurde der Freistoß in Richtung Strafraum gespielt, und erneut brannte in mir die Ungeduld. Diese Meter, näher zum Tor, jetzt aber schießen. Doch immer noch nicht wurde der Abschluss gesucht. Die Flanke kam auf den hinteren Pfosten, und ich sah eine Flut von blau-weiß-gestreiften Trikots im Fünfmeter-Raum.

Irgendeiner dieser Spieler musste doch diese Flanke so erreichen, dass er sie mit einem wuchtigen Kopfball ins Tor bringen konnte. Doch erneut wurde nicht der Abschluss gesucht. Verständlich, weil diese Flanke keine war, nach der ein Kopfball hätte Erfolg haben können. Der Ball wurde zurückgeköpft in den Fünfmeter-Raum, dort noch einmal verlängert in Richtung zweiten Pfosten. Die Spannung im Stadion war mit jedem Ballkontakt gestiegen. Die Zuschauerränge waren bereit zu explodieren. Jeder sah, wie frei der MSV-Spieler an diesem Pfosten war. Die Rostocker waren Statisten geworden in diesem Spielzug. Sie hasteten dem Ball hinterher, waren chancenlos trotz all der Spieler, die sie in den eigenen Strafraum hatten zurück gezogen.

Gleichzeitig aber wusste ich, dieser Ball kommt nicht perfekt, es wird kein Kinderspiel diese Vorlage zu verwandeln, wenn dieser Spieler nicht schon vorher instinkthaft in die Torschussbewegung gegangen ist. Der Ball erreicht den Spieler und es ist sofort klar, dieser verknotete Körper braucht immenses Glück trotz der Nähe zum Tor, um den Ball über die Linie zu drücken. Ich kenne solche Situationen aus dem Basketball. Alles scheint einfach zu sein, doch die Bewegung des Balls und des eigenen Körpers finden keinen Einklang. Der winzige Moment zum Erfolg geht vorbei. Der Ball landet nicht dort, wo er hin soll. Michael Gardawski schoss am Tor vorbei. Das Stadion stöhnte auf. Einige der Spieler vom MSV fielen zu Boden. Ich hatte Angst, dass der Schiedsrichter nicht abpfiff. In dieser Enttäuschung wäre gegen den MSV sogar noch ein weiteres Tor möglich gewesen.

Die Reader´s Digest-Version musste als wesentliche Elemente des Spiels die massive Abwehr der Rostocker beinhalten, das überlegte und kontrollierte Spiel des MSV Duisburg, das dennoch nicht zum Erfolg führt. Die Tore fielen als Ergebnis von Einzelleistungen. Was nicht überrascht, wenn beide Mannschaften eine sehr gut aufeinander abgestimmte Defensive zeigen. Der MSV war spielerisch besser. Trotz der tief stehenden Rostocker Mannschaft gelang es ihr immer wieder, den Ball in Tornähe zu bringen. Diese spielerischen Möglichkeiten hatte es zu Beginn der Saison nicht gegeben. Allerdings musste der MSV ein hohes Risiko eingehen, weil diese Rostocker Mannschaft gefährlich konterte, sowie früh und intensiv presste.

Dieses Unentschieden hatte den Nachgeschmack einer Niederlage. So groß gewesen war die Hoffnung zu gewinnen. Dieser Nachgeschmack verhindert auch, die Leistung von Martin Dausch und Kingsley Onuegbu so zu feiern, wie es beide Spieler eigentlich verdient hätten. Beide zeigten auf ihre jeweils eigene Weise spielerische Qualität, Ballsicherheit und Willen auf dem Platz, die einen Aufstieg nötig macht, damit wir sie in der nächsten Saison in Duisburg weiter sehen werden. Wie Martin Dausch sich den Ball vor dem 1:0 nahm, in die Lücke der Abwehrreihe hineinstieß und er den Körper gegen die Laufrichtung zum Schuss drehte, das war nicht nur wegen des Tores einer der großen Momente des Spiels. Selbstverständlich erzielte Kingsley Onuegbu das 2:1 auf eine andere Weise. Doch auch darin zeigten sich seine gesamten spielerischen Qualitäten dieser Zeit, seine Ballbehauptung auf engstem Raum, seine überraschenden Bewegungen, mit denen er den Ball dorthin bringt, wo ihn die Gegenspieler nicht erwarten. Das alles macht er mit einer Ruhe, die ihm den Torschuss ermöglichte. Großartig.

Die Medien erzählen nun, das 2:2-Unentschieden sei ein Rückschlag gewesen im Kampf um den Aufstieg. Ich finde das Wort unpassend, sobald wir wissen, dass auch die Konkurrenten um den Aufstieg noch gegeneinander spielen, Rostock etwa ihr Gegner sein wird und wir uns an die Spielanlage des MSV klar erinnern. Wir müssen akzeptieren, es wird kein klarer, deutlicher Weg nach oben. Es ist aber weiter alles möglich – sagt auch mein Tabellenrechner.


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