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Auftaktschreiben in der Sommerpause

Kaum ist der Laden hier mal für ein paar Tage geschlossen, schon werden rührende Geschichten über zurückkehrende Spielersöhne Duisburgs geschrieben, der eine notwendige Stürmer wird verpflichtet und zum Standardprogramm der Sommerpause gehört natürlich auch die schwere Verletzung. Unter zwei Spieler, die länger ausfallen, machen wir es bei den Zebras dann ja nicht nach einem Aufstieg. Aber das wisst ihr ja alles selbst, ihr habt das gelesen, und ich betreibe hier heute nur ein lockeres Auftaktschreiben nach meiner persönlichen Zebrastreifenblogpause.

Pause hieß allerdings nicht, die Arbeit ruhte. Denn eine Rückkehr in die Zweite Liga stellt auch an sämtliche Medien rund um den MSV die alten neuen Aufgaben. Die 11-Freunde-Redaktion kommt in der Zweiten Liga fürs Sonderheft mit launigen Fragen um die Ecke und füllt ihr Medium mit kostenlosem Content. Kostenlos mache ich ja hier ohnehin immer, damit kenne ich mich aus, habe ich also geantwortet. In Kiel und in Ingolstadt wollten die Bloggerkollegen wissen, wie das in Duisburg beim MSV mit dem Fußball und als Fan so ist. Der Kollege aus Ingolstadt vom Blog Schwarz-Rot hat das Mail-Interview schon online gestellt. 

Ich schmunzel übrigens ein wenig über mich selbst, kommt mir doch der Titel seiner Rubrik, unter der das Mail-Interview erschien, für den MSV völlig unpassend vor. „Wir sind die Neuen“, steht da, und ständig ruft eine leicht empörte Stimme in mir: „Ey, wir sind doch nicht die Neuen.“ Uns kennt man. Das ist unsere Liga, diese Zweite Liga. Mindestens, und eigentlich kenne ich das noch ganz anders. Nun ja, ich habe jedenfalls erzählt, wie ich für uns die letzte Saison erlebt habe, was ich erwarte und wie nervenaufreibend die letzten Jahre gewesen sind.

Blick auf französische Mittelmeerküste. Ohne Meer mit Stadion.

Neben diesen Interviews habe ich zudem ein wenig Projektplanung betrieben und mir schon mal mögliche Spielstätten des MSV angesehen. Cup der Traditionen in der Heimspielstätte ist ja schön und gut, aber Europapokal heißt erst sich im Fremden zurecht finden. Deshalb habe ich bei den Stadien von Metz und Nimes auch abgewunken. Zweite Liga in Frankreich, das hat keine Zukunft für uns. Man muss sich immer auf das Wesentliche konzentrieren. Was das für den Zebrastreifenblog während der Saison bedeutet, muss ich mal sehen.

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Saisonvorbereitung VII – Die Wahrscheinlichkeit „Direkter Wiederaufstieg“

Auch ein Zahlenspiel für uns Statistikfreunde kann auf die Saison einstimmen, wenn es zu Zuversicht führt. Auf den direkten Wiederaufstieg hoffen viele Absteiger. Realistisch ist es dann nicht für alle. Wenn ich mich etwa in Paderborn umhöre, gibt es dort deutlich mehr Skepsis als in Duisburg, ob die Mannschaft erfolgreich die Saison bestreiten kann. Ganz zu schweigen von der Situation in Frankfurt, wo man noch mehr im Ungewissen steht, weil lange unklar war, wie es für den Verein weitergehen wird.

Ich blicke also heute mal zurück, welche Aufsteiger der 3. Liga in der Vorsaison aus der 2. Liga abgestiegen waren. In der Tabelle beschränke ich mich auf die wesentlichste Information den direkten Aufsteiger, jenen Verein der nur eine Saison in der 3. Liga verbracht hat. Die Relegation führt natürlich zur unterschiedlichen Anzahl der Aufsteiger.

Interessant wäre es ja, genau hinzuschauen in der Hoffnung, die Kontinuität im Kader hätte zum direkten Wiederaufstieg geführt. Diese kleinere sportwissenschaftliche Hausarbeit überlasse ich aber den Sportstudenten. Manchmal hilft es sehr, die Variablen in der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu beschränken. Besonders dann wenn die Arbeit sonst zu umfangreich wird.

2008/2009    von 3:  SC Paderborn
2009/2010    von 3: Vfl Osnabrück, FC Ingolstadt
2010/2011     von 3: Hansa Rostock
2011/2012     0   von 3
2012/2013     von 2: Karlsruher SC
2013/2014     0   von 3
2014/2015     von 2: DSC Arminia Bielefeld
2015/2016     von 3: FC Erzgebirge Aue
2016/2017     ?

Von 23 Zweitligaabsteigern (4 Absteiger 2. Liga in der Saison 2007/2008) sind 7 Vereine direkt wieder aufgestiegen.

Dieses 7 Vereine gehörten zu 24 möglichen Aufsteigern, die Relegation inklusive.

In 6 von  8 Spielzeiten gab es mindestens einen direkten Wiederaufsteiger.

Das Ausrechnen der entsprechenden Wahrscheinlichkeit überlasse ich euch. Rein vom Gefühl her sage ich als Anhänger eines Top- und Aufstiegsfavoriten, so ein direkter Wiederaufstieg ist nicht unwahrscheinlich. Das klingt gut.

Zukunft kann kommen

Ivica Grlic kann dem Spielplan dankbar sein. Weil das Auswärtsspiel des MSV Duisburg gegen den FC Ingolstadt am Karsamstag stattfand, hatte er einen Tag mehr Zeit, seinen Terminkalender für die kommende Woche zu organisieren. Sonst hätte er heute schon im Stundentakt Vertrags- und Sondierungsgespräche eintragen können. Natürlich war er bislang auch mit dem Spielerkader der nächsten Saison beschäftigt. Aber selbst wenn das ritualhafte öffentliche Sprechen die Konzentration auf das nächste Spiel verlangt, sowie die berühmte Formel, noch sind wir nicht gerettet, so lange „rein rechnerisch“ für die Mannschaften hinter uns noch alles möglich ist, also, auch wenn das noch zwei, drei Spieltage zu hören ist, bin ich sicher, Ivica Grlics Gespräche mit Spielern für die nächste Saison besitzen nun die feste Perspektive Zweite Liga.

Wenn man das Spiel selbst Revue passieren lässt, war es einfacher als gedacht beim FC Ingolstadt zu siegen. Sobald ich es schaffte sehr rational die Bilder vom Spiel zu sehen, konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Ingolstädter jemals ein Tor erzielen wollten. Allerdings klappte das nie sehr lange, und ich bin bestimmt nicht der einzige, der in einem Spiel des MSV Duisburg immer noch das Gegentor aus reiner Duseligkeit befürchtet. Zumal auch ohne große Fehler der Defensive im Fußball ein Tor aus dem Nichts heraus immer möglich ist. Mein inneres Bild von der Defensive der Zebras hat sich offensichtlich nicht so schnell gewandelt wie die Mannschaft selbst. Vertrauen wächst mit der Zeit, und je größer die Enttäuschungen waren, desto länger braucht es, den Blick von ihnen zu lösen. Anscheinend bin ich zu sehr von den Mannschaften der jüngsten Vergangenheit geprägt, als dass mein Wissen um die Leistungskonstanz der von Kosta Runjaic eingestellten Mannschaft während des Spiels ungefährdet bleibt.

Der MSV Duisburg hätte es mir aber auch einfacher machen können, indem jemand ein zweites Tor erzielt hätte. Das geschah nicht, auch weil Ranisav Jovanović sich bald humpelnd über das Spielfeld bewegte und schließlich in der 62. Minute ausgewechselt wurde. Die Offensivschwäche des MSV Duisburg verschwand vor allem dank seiner starken Leistungen in den letzten Spielen. Deshalb beruhigt die gestrige Nachricht vom MSV Duisburg, bei seiner Verletzung handele es sich nur um eine starke Prellung. Selbst wenn er im Spiel gegen Sandhausen noch nicht dabei sein kann, länger wird er nicht ausfallen. Auch für den Rest der Saison dürfen wir auf Torgefährlichkeit des MSV Duisburg hoffen. Es muss ja nicht gleich so ein Seitfallzieher sein, mit dem er das Siegtor gegen den FC Ingolstadt erzielte. Wie eng der Raum, wie beweglich Ranisav Jovanović! Dazu die Kopfballweitergabe in Arbeitsteilung von Jurgen Gjasula und seinem Gegenspieler. Fast über die gesamte Spielzeit auf dem Rasen, ohne Leistungseinbruch, das war ein Comeback von Jürgen Gjasula, das mich hin und her schmeißt, weil ich einerseits bedaure, dass wir ihn so lange haben nicht spielen sehen können, andererseits das aber wahrscheinlich der Grund ist, warum er auch in der nächsten Saison weiterhin beim MSV Duisburg spielen wird. Er wird dann in einer Mannschaft spielen, deren Trainer nicht nur einen mittelfristigen Plan hat, sondern auch das Wissen ihn umzusetzen.

Jurgen Gjasulas Fähigkeiten werden also erst jetzt wirklich so genutzt, dass eine Mannschaft nicht nur wegen seiner Fähigkeiten erfolgreich ist. Er wird tatsächlich als Teil einer funktionierenden Mannschaft spielen. Variabel ist das Spiel des MSV Duisburg heute schon. Mit ihm erhält diese Variabliät zusätzliche Ballsicherheit. Überraschendere Spielideen könnten Raum erhalten. Was so ein Sieg gegen den FC Ingolstadt für Folgen hat! Der Kölner in mir wird gerade zum Platzhirsch, und was dem FC die baldige Europapokalteilnahme nach Erklimmen vom 3. Platz in Liga 2 ist, wird mir gerade der Aufstieg. Nur gut, dass da der Duisburger noch ’ne Pappnas in der Hosentasche hat und sie nun dem Kölner schnell aufsetzt.

Was sonst zum Spiel zu sagen wäre, findet ihr bei den einschlägig bekannten Medien wie Kicker, WAZ/NRZ, Rheinische Post und Donaukurier. Wir sind uns sehr einig. Das braucht nicht noch mehr Worte. Markus Bollmann wäre höchstens noch zu erwähnen, der sich mit dem misslungenen Schussversuch kurz vor dem Abpfiff einen Platz in der Slap-Stick-Geschichte des Fußballs gesichert hat. Das kann passieren, und die entscheidende Nachricht angesichts der  beim Schussversuch verdrehten Körperteile ist die jeder Komödie, selbst wenn alles schief geht, der Hauptdarsteller schüttelt sich und steht wieder auf. Markus Bollmann blieb unversehrt.

In der Pressekonferenz lässt sich übrigens Tomas Oral mit einer Wertung vernehmen, die ich nicht teile. Da versucht einer vermutlich gegen eine nicht sonderlich wohlwollende öffentliche Meinung anzureden. Wo er das planvolle Spiel seiner Mannschaft über die gesamte Halbzeit gesehen hat, rätsel ich. In den letzten fünfzehn Minuten kann ich das erkennen, was er als Leistung seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte beschreibt. Der Ingolstädter Kollege vom Blog Schwarz-Rot wertet das Spiel sehr viel realistischer. Das war doch ein Blatt Papier, das zwischen Menschen einfach keinen Platz finden kann,oder? Zwischen ihm und mir ist das so, als Brüder im Geiste der Spielbeobachtung. In diesem Fall ganz bestimmt auch ohne das häufige spätere Zerwürfnis.

Die Pressekonferenz im O-Ton:

Die Spielzusammenfassung mit einem Klick weiter bei Sky.

Die Leidenschafts-Hochrüstungsspirale

Eigentlich hätten Spieler und Verantwortliche vom MSV Duisburg gestern zu Hause bleiben können. Es ist ja tatsächlich eine längere Busfahrt nach Ingolstadt, und wenn schon vorher klar ist, wie das Spiel heute ausgehen wird, warum dann nicht alles einfacher haben und zusätzlich auch noch Geld sparen. Das käme dann in den Pott für die Neuverpflichtungen, und alles wäre schön. Der FC Ingolstadt müsste natürlich mitmachen. Aber wenn schon beide Trainer das Spiel mit denselben Mitteln angehen wollen, wären sich die Vereine vielleicht schnell einig, dass ein Unentschieden das leicht vorhersehbare Ergebnis sein wird.

Kosta Runjaic setzt laut WAZ/NRZ auf „Vorsprung durch Leidenschaft“ und zeigt sich damit über den Markenclaim des Hauptsponsors gut informiert. Allerdings möchte Tomas Oral laut Donaukurier, dass seine Spieler „Leidenschaft auf den Platz bringen“. Da sollen die Spieler also mit denselben Mitteln erfolgreich sein. Schon sehe ich alle Spieler, wie sie mit dem ersten Betreten des Rasens beim Warmmachen den Rüstungswettlauf in Sachen Leidenschaft beginnen. Da gehen dann herausfordernde Blicke auf die jeweils andere Seite, während unauffällig im Hintergrund auf beiden Seiten das Leidenschaftslevel unentwegt abgeglichen wird. Jeder Ausfallschritt beim Dehnen kann dann die Androhung einer Grätsche sein. In jedem freundlichen Winken zu einem Zuschauer verbirgt sich der zum Stoß im Getümmel erhobene Arm. Und jeder nicht deutlich hörbare Satz des Gegners wird zur einpeitschenden Beschwörungsformel des Sieges. Überall lauert auf der anderen Seite ein Mehr an Leidenschaft, das die Intensivierung der eigenen Leidenschaft unbedingt nötig macht.

So haben sich das beide Trainer wahrscheinlich nicht gedacht. Die lachenden Dritten werden zukünftige Gegner sein, wenn sich in diesem einen Spiel sowohl der MSV Duisburg als auch der FC Ingolstadt für ihre Leidenschafts-Bereitschaft völlig verausgaben. Deshalb wäre das vorab vereinbarte Unentschieden ein die Zukunft unseres MSV sicherndes Leidenschafts-Friedensabkommen. Es sei denn, wir haben da noch was in der Hinterhand. Jürgen Gjasula etwa als eine Art Freiheitsversprechen in der Spielanlage. So ähnlich wurde ja schon mal ein vermeintliches Gleichgewicht der Kräfte  ausgehebelt. Das Wohlstandsversprechen lassen wir beim MSV Duisburg mal außer Acht.

Was Fans angeht, haben die auch Leidenschaft, schwarzrot in dem Fall und wir sehen, junge Frauen als Identifikationsfiguren geben dem Fußball sofort ein freundliches Image. Von Fans für Fans, so heißt es.

Tomas Oral über Orientierungslosigkeit in der gefährlichsten Liga Deutschlands

Wenn Tomas Oral in der Pressekonferenz des FC Ingolstadt vor dem Spiel gegen den MSV über die „gefährlichste Liga“ in Deutschland spricht, habe ich den Eindruck, eigentlich beschäftigt ihn irgendetwas anderes als das nächste Spiel seiner Mannschaft. Ich vermute, ihm kommen die öffentlichen Ansprüche ans eigene Team mehr oder weniger bewusst ständig in die Quere. So kann man völlig orientierungslos werden, in welche Richtungen Mannschaften gerade unterwegs sind, wenn sie sich über- oder unterschätzen. Das richtige Maß ist das Leitmotiv dieser Pressekonferenz von Tomas Oral, die vom Bild her übrigens eher wie die Generalprobe der Pressekonferenz wirkt. Das sind für mich die unterhaltsamen Momente vor dem Spiel

Kevin Wolze gibt hingegen die Standardstatements, die Fans erwarten. Die Mitwirkung bei der Pressekonferenz des MSV Duisburg war sicher auch Anerkennung für  seine Leistung in den letzten Spielen. Wollen wir hoffen, dass seine Versprechungen  im Namen der Mannschaft von allen gehalten werden können. Der Spieltag hat mit den Niederlagen von Aue und Dresden ja sehr günstig begonnen. Jetzt können wir schon anfangen, uns zu sorgen, ob die Spannung in der Mannschaft bei solchen Ergebnissen nachlässt. Probleme sehen, geht immer.

Der etwas umfassendere Blick auf den kommenden Liga-Gegner – Klickhinweis

Interviews lese ich gerne, wenn mit ihnen eine Art „oral history“ gelingt. Mir geht es um „history“ im weitesten Sinn. Mir geht es ums Erzählen der eigenen Geschichte, die gerade eben erst geschehen sein kann. Mir geht es um den persönlichen Blick auf die Wirklichkeit, egal ob von Menschen, die halbwegs in der Öffentlichkeit stehen oder von solchen, die niemand kennt. Meinungen werden eben vor allem dann interessant, wenn sie durch erzählte Erfahrung begleitet werden. Der nächste Gegner des MSV Duisburg ist der FC Ingolstadt, und die lokale Zeitung, der Donaukurier, lud zwei Profis des Vereins zum Gespräch ein. Mit Stefan Leitl und Ralph Gunesch unterhielt sich der Redakteur Norbert Roth über Homosexualität als Tabu des Profi-Fußballs. Hier gelang so eine Verbindung von Meinung, die durch erzählte Alltagserfahrung begründet wird.

Das wird schwierig in dieser Saison

Meine Dauerkarte lag noch auf dem Küchentisch. MSV-Fans waren die Einbrecher schon mal nicht. Den Stehplatz hätte einer der oder der Einbrecher  ja unerkannt besuchen können. Mitten in der Nacht waren wir nach sieben Tagen Istanbul wiedergekommen, und die Nachbarn erwarteten uns dennoch. Sie wollten uns nicht unvorbereitet, dem Chaos begegnen lassen. Viel gab es bei uns nicht zu holen. Wir sind technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit. So hält sich der materielle Schaden trotz Laptop-Verlust in Grenzen. Was mich umtreibt, und was sich an diesem Freitag wie die Nachricht vom Tod eines nahestehenden Menschen anfühlte, ist der Verlust an Kontrolle über das eigene Leben. Da blieb erst mal nicht viel Platz im Kopf für das Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Ingolstadt am Abend. Nach dem Aufräumen brauchte ich noch etwas Zeit für die Entscheidung, mich in dieser gedrückten Stimmung auf den Weg nach Duisburg zu machen. Das Spiel hat sie dann nicht besser gemacht.

Die 0:2-Niederlage gegen den FC Ingolstadt macht es uns schwer, an mögliche Siege des MSV Duisburg zu glauben. Die Zebras hatten nach einer passablen ersten Halbzeit nach der Pause nicht den Hauch einer Chance mehr. Die Grenzen dieser Mannschaft sind so deutlich geworden, und im Moment glaube ich tatsächlich, wir können nur noch auf mehr Glück in der Hinrunde hoffen, um  ein paar Punkte zu holen, bis die Verletzten zurückkommen. Anscheinend ist Kosta Runjaic der Ansicht, Antonio da Silva sei nicht gut genug, um eine spielgestaltende Rolle in der Mannschaft zu übernehmen. Da Silvas Verpflichtung war aber die Reaktion auf die Erkrankung von Jürgen Gjasula, und schon in der letzten Saison hatte der MSV Duisburg nur mit eben Jürgen Gjasula spielerische Qualität erkennen lassen. Wie also soll sich die Mannschaft ohne diese beiden spielerisch behaupten?

Die Stimmung nach Niederlagen in solchen Spielen wie gegen den FC Ingolstadt schlägt sogar in Ärger um, weil der Eindruck entsteht, die Mannschaft habe auch kämpferisch versagt. Doch in so einem Spiel verliert sich der andauernde Kampf, weil der Gegner sich nicht auf Kampf einlässt.  Dazu hatte sich der FC Ingolstadt zu weit zurück gezogen. Das macht den großen Unterschied des ersten Eindrucks zum Spiel gegen Hertha BSC, einem Verein, der das Spiel mitbestimmen wollte. Der FC Ingolstadt wollte nichts mitbestimmen. Dieser Gegner wollte auf die Fehler des MSV Duisburg warten, und damit das Spiel gewinnen. Dieser Gegner machte das deshalb, weil die Mannschaft ihre Konter beeindruckend schnell und präzise ausspielte. Jeder Ballverlust des MSV konnte zur Bedrohung für dessen Tor werden. Die Ingolstädter hatten einen Plan, den sie genau befolgten. Es schien so, als sei ihnen die Ballführung in der Mitte beim Konter verboten gewesen. Bei den Kontern war die Nähe der Eckfahne das Ziel, selbst wenn der Ball sich schon in der Mitte befand und das erste Torgefahr bedeutet hätte. So fiel das 1:0 vielleicht auch deshalb, weil zum Unglück des MSV Duisburg kein Ingolstädter mehr zur Eckfahne mitgelaufen war. Der Abschluss in der Mitte war die Konsequenz.

Diese Schnelligkeit der Ingolstädter nach der Balleroberung sehen wir seit Spielzeiten beim MSV Duisburg nicht als gefestigte Spielweise der Mannschaft. Fast immer erfolgt der Pass nach der Balleroberung nicht sofort in die Spitze, weil der ballerobernde Spieler erst die Übersicht gewinnen muss, wo er Mitspieler findet und dann ist es wie gestern gegen Ingolstadt zu spät. Die nur vorsichtig aufgerückte Verteidigung steht wieder bereit. Im Gegensatz dazu musste die Defensive des MSV deutlich mehr als vorsichtig aufrücken, damit überhaupt Druck auf die Ingolstädter aufgebaut werden konnte.

In der zweiten Halbzeit fand die Mannschaft kein einziges Mittel mehr, den Ball in die Nähe des Ingolstädter Tores zu bringen. Diese Mittel standen in der ersten Halbzeit zumindest zeitweilig zur Verfügung. Es hatte ja die Chance auf die Führung gegeben. Völlig untergegangen in der Nachbetrachtung ist etwa die erste Minute, in der der angelegte Plan des MSV Duisburg so offensichtlich war. Aus dem Halbfeld kommt ein halbhoher Pass in die Sturmspitze auf Valeri Domovchiyski in den Elfmeterraum. Der Verteidiger bedrängt ihn zwar, doch Valeri Domovchiyski kann den Ball annehmen und ist vollkommen frei vor dem Tor. Nur scheint er damit nicht gerechnet zu haben. Er erkennt in diesem Moment seine große Chance nicht, sucht nicht den Abschluss, sondern läuft weiter, ohne den Ball wirklich kontrollieren zu können und gibt dem Verteidiger genügend Zeit, ihn zu stören.  Dabei hat er sich im weiteren Verlauf dieser ersten Halbzeit bei den engen Räumen immer wieder gut behauptet, ehe auch er in der zweiten Halbzeit nicht mehr in Erscheinung trat.

Der MSV Duisburg bekommt in so einem Spiel nicht viele Chancen für ein Tor. Diese wenigen Chancen wurden also entweder nicht erkannt oder vergeben wie um die 35. Minute herum, als kurz nacheinander Benjamin Kern die Latte traf und Ranisav Jovanović an einem überragenden Reflex vom Ingolstädter Torwart scheiterte. Die Spieler wussten um ihre beschränkten Möglichkeiten. Deshalb folgte dem Gegentor der vollkommene Zusammenbruch der Mannschaft. Sie fühlten  Aussichtslosigkeit und ergaben sich dem Schicksal der Niederlage. Das sah dann so aus, als wollten sie sich nicht  anstrengen.  Es ist aber die Lähmung nach vergeblicher Anstrengung, die wir da sahen. Das wenige Selbstvertrauen aus den letzten Spielen war wieder vollends verschwunden. Bezeichnend, dass selbst der eigene Anstoß dann sofort wieder zur Großchance von Ingolstadt wird.

Felix Wiedwald übrigens ist ein verdammt guter Torwart.  Für mich verebbt das Nachdenken über das Spiel hier jetzt. Lähmung als Ergebnis von Kontrollverlust bei den Spielern und bei mir. Also, bewältigen und weiter machen. Was anderes gibt´s mal wieder nicht.


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